Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Erwerb des deutschen Genussystems im DaZ-Unterricht. Zu Beginn werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede des deutschen Genussystems zu anderen Sprachen dargestellt und daran anschließend die Probleme des Genuserwerbs auf Grundlage verschiedener Erstsprachen untersucht. Im nächsten Kapitel wird überprüft, ob die Genuszuweisung einer bestimmten Systematik unterliegt und wie sinnvoll es ist, diese Regeln in den Unterricht einzubauen.
Das dritte Kapitel befasst sich mit der determinativen Funktion und mit Übungsmaterial zum bestimmten und unbestimmten Artikel. Das darauffolgende Kapitel präsentiert ein Modell, das den Verlauf des Genuserwerbs skizziert und eine Hilfe für Lehrkräfte darstellen kann. Danach wird anhand von didaktischem Material der Universität Heidelberg eine Methode für den Erwerb des natürlichen und grammatischen Geschlechterprinzips dargestellt, die für die Schule gut geeignet ist.
Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zufolge haben im Jahre 2017 186.644 Menschen Asyl in der Bundesrepublik Deutschland beantragt. Addiert man die Zahlen der beiden Vorjahre hinzu, kommt man in der Summe auf über 1,3 Millionen Asylbewerber innerhalb von drei Jahren. Diese begeben sich aus den unterschiedlichsten Gründen auf den Weg nach Deutschland, meist sind aber Kriege, religiöse Verfolgung oder wirtschaftliche Perspektivlosigkeit die Ursache.
So kamen die meisten Asylbewerber im Jahre 2017 aus Syrien, gefolgt von Irak und Afghanistan – allesamt Länder, in denen seit mehreren Jahren Krieg herrscht. Diese Menschen gilt es nun in Deutschland zu integrieren. Dabei steht (Schul-)Bildung mit an oberster Stelle. Dabei kommt den Lehrkräften an den öffentlichen und privaten Schulen sowie in Sprach- und Migrationskursen eine zentrale Rolle zu, denn sie werden sowohl die jüngste Generation als auch ältere Jugendliche und Erwachsene auf verschiedenem Niveau in deutscher Sprache und Schrift unterrichten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Artikel und Genus im Sprachvergleich
2.1. Genuszuweisung
2.2. Merkmale und Systematik zur Erkennung des Genus
3. Die determinative Funktion des deutschen Artikels
4. Phasen des Genuserwerbs nach Heide Wegener
5. Diagnostik – Natürliches Geschlechtsprinzip (NGP) und grammatisches Geschlecht
6. Fazit
7. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen beim Erwerb des deutschen Genussystems durch DaZ-Lernende mit heterogenem sprachlichem Hintergrund und evaluiert didaktische Ansätze zur Unterstützung dieses Lernprozesses.
- Vergleich der Genussysteme verschiedener Erstsprachen mit dem Deutschen
- Die Funktion der Artikel bei der Determination und Referenzbildung
- Phasenmodelle des Genuserwerbs und deren praktische Anwendung
- Didaktische Diagnostik und Förderung des natürlichen und grammatischen Geschlechts
- Methoden der spielerischen und alltagsnahen Sprachvermittlung
Auszug aus dem Buch
2.2. Merkmale und Systematik zur Erkennung des Genus
Die wahrscheinlich gängigste Methode, das Geschlecht eines Nomens anhand morphologischer Merkmale festzumachen, funktioniert durch das Erkennen der Suffixe. So lassen bei mehrsilbigen Wörtern die Suffixe -ung, -heit, -keit und -schaft, sowie ein Großteil der Wörter mit der Endung -e (die Palme, die Sonne, aber der Junge) auf ein feminines Nomen schließen, -ig und -ling hingegen sind Zeichen für Maskulina (sowie einige Fremdwörter auf -ismus, -ant,…). Neutra weisen die Endungen -chen, -nis und -lein auf.
Bei einsilbigen Nomen herrschen andere Regeln vor, wie beispielweise die Konsonantenverbindung /kn-/ im Anlaut, die auf ein Maskulinum schließen lässt (mit Ausnahme des Knies).20 Je nach Sprachniveau funktioniert diese Art von Regeln bei deutschen Muttersprachlern intuitiv, ohne dass sie jemals explizit gelernt wurden. Das kann man feststellen, indem die Lehrperson ihren SuS Neologismen vorsetzt, die in ihrem Aufbau realen deutschen Nomen nachempfunden sind. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie die gleichen Artikel hinsichtlich des Genus zuweisen, wie den echten deutschen Wörtern, auch wenn sie die erfundenen noch nie zuvor gehört haben (Bsp.: Der Knilch als real-existentes Nomen; der Knump oder der Knirf als Neologismus mit /kn-/ im Anlaut).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Migrationssituation in Deutschland und die damit verbundenen Herausforderungen für den Schulkontext, insbesondere hinsichtlich des Zweitsprachenerwerbs.
2. Artikel und Genus im Sprachvergleich: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Genussysteme häufig vorkommender Erstsprachen und arbeitet die spezifischen Schwierigkeiten für DaZ-Lernende bei der deutschen Artikelnutzung heraus.
2.1. Genuszuweisung: Es wird analysiert, warum die Genuszuweisung im Deutschen eine hohe Fehlerquote aufweist und welche Rolle die Erstsprache dabei spielt.
2.2. Merkmale und Systematik zur Erkennung des Genus: Das Kapitel untersucht morphologische Hilfen wie Suffixe und semantische Kategorisierungen als Werkzeuge zur Erleichterung des Genuserwerbs.
3. Die determinative Funktion des deutschen Artikels: Hier wird erläutert, wie der unbestimmte und der bestimmte Artikel zur Einführung neuen Wissens und zur referenziellen Verknüpfung eingesetzt werden.
4. Phasen des Genuserwerbs nach Heide Wegener: Das Kapitel präsentiert ein fünfstufiges Modell, das den sukzessiven Prozess des Genuserwerbs bei Kindern beschreibt.
5. Diagnostik – Natürliches Geschlechtsprinzip (NGP) und grammatisches Geschlecht: Es werden didaktische Materialien und Diagnoseverfahren vorgestellt, um den individuellen Stand der Lernenden zu erfassen und gezielt zu fördern.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert die Notwendigkeit einer bewussten didaktischen Auseinandersetzung mit dem Genussystem im DaZ-Unterricht und plädiert für alltagsnahe, spielerische Methoden.
7. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen, Internetquellen und Unterrichtsmaterialien.
Schlüsselwörter
DaZ-Unterricht, Genuserwerb, deutsches Artikelsystem, Zweitspracherwerb, Genuszuweisung, Sprachvergleich, natürliches Geschlechtsprinzip, grammatisches Geschlecht, Phasenmodell, Sprachdidaktik, Determination, Nominalgruppen, Mehrsprachigkeit, Deutsch für den Schulstart, Sprachförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Schwierigkeiten, die DaZ-Lernende beim Erwerb des deutschen Genussystems und der Artikelnutzung haben, und beleuchtet didaktische Wege, um diese zu überwinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den sprachvergleichenden Aspekt von Genera, die determinative Funktion von Artikeln, Modelle zum kindlichen Spracherwerb sowie diagnostische Verfahren für den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrkräfte durch fundiertes Wissen über Erwerbsphasen und durch gezielte, alltagsnahe Materialien den Genuserwerb bei mehrsprachigen Kindern fördern können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Basis einer Literaturanalyse bestehende Erwerbsmodelle (z.B. nach Heide Wegener) und didaktische Konzepte (z.B. der Universität Heidelberg) zusammenführt und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Genussystemen, die Funktionsweise von Artikeln, die Erläuterung von Phasenmodellen sowie die Vorstellung konkreter diagnostischer Ansätze für die Unterrichtspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie DaZ-Unterricht, Genuserwerb, Sprachdidaktik und natürliches Geschlechtsprinzip (NGP) gekennzeichnet.
Warum ist der Artikelgebrauch für türkischsprachige Schüler besonders komplex?
Da im Türkischen weder das grammatische Genus existiert noch bestimmte Artikel vorhanden sind, fehlen den Lernenden diese aus ihrer Erstsprache bekannten Konzepte, was den Erwerb im Deutschen deutlich erschwert.
Was besagt das Phasenmodell von Heide Wegener?
Das Modell beschreibt einen fünfstufigen Prozess, den Kinder beim Erwerb des Genus durchlaufen – von der ersten Phase ohne Artikelnutzung bis hin zur erfolgreichen Anwendung des grammatischen Geschlechts.
Welche Bedeutung hat das "natürliche Geschlechtsprinzip" für die Diagnose?
Das NGP ist eine wichtige Stufe im Spracherwerb. Die Diagnose mittels spezieller Bildkarten prüft, ob das Kind die Artikel korrekt dem natürlichen Geschlecht zuordnet, bevor es an die komplexeren Regeln des grammatischen Geschlechts geht.
- Citation du texte
- Vincent Franck (Auteur), 2018, Deutsches Genussystem im DaZ-Unterricht. Herausforderungen und didaktische Möglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011049