Sklaverei in der römischen Welt


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
6 Seiten, Note: 1

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Sklaven in der römischen Welt

Def. : ,,Sklaverei ist der Zustand oder die Stellung einer Person, an der die mit dem Eigentumsrecht verbundenen Befugnisse oder einzelne davon ausgeübt werden.“1

Herkunft der Sklaven

Schon bei den Etruskern gab es Sklaverei. In ihrer Gesellschaft nahmen Sklaven den niedrigsten Rang ein.2 Seit dem 6. Jh. V. Chr. (zu der Zeit, wo die Etrusker auf dem Höhepunkt ihrer Macht standen) trat Fremdsklaverei in Form von Kriegsgefangenen als Beutegut auf.3 Angehörige von Völkern, die kein hospitium mit Rom hatten, konnten versklavt werden. Die Männer wurden getötet oder nach auswärts verkauft, die Frauen und Kinder wurden nach Rom gebracht. Selbst die Plebejer konnten Sklaven aus Beutegut besitzen. Der organisierte Sklavenhandel wie er später existierte, war zu dieser Zeit noch nicht vorhanden. Schuldsklaverei:

Eine besonders große Rolle spielte zu Beginn der Republik die Schuldsklaverei. Die wenig erfolgreichen Kriege und Rückschläge dieser Jahre trafen die ärmere Bevölkerung. Schuldsklaverei bedeutet, dass nicht nur die bewegliche und unbewegliche Habe eines Schuldners, sondern er selbst mit seiner Familie vom Gläubiger in Anspruch genommen werden konnte. Der Gläubiger konnte ihn,, trans Tiberim“(nach auswärts) verkaufen und so seinen Forderungen Nachdruck verleihen. Selbst die Kinder eines Schuldners wurden in Mitleidenschaft gezogen. Es war möglich einem verarmten Familienvater dessen Söhne als Sklaven abzukaufen.4 Man forderte die Beseitigung der Willkür des Schuldrechts und so schuf das Patriziat eine rechtliche Grundlage im Zwölftafelgesetz. Der Schuldner blieb frei, musste sich aber für einen gewissen Zeitraum zur Sklavenarbeit verpflichten.5 Dieses Abhängigkeitsverhältnis konnte nur gelöst werden, wenn die festgesetzte Schuldsumme bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückerstattet wurde. Geschah das nicht, konnte der Schuldner in Schuldgefangenschaft genommen und dann ,,trans Tiberim“ verkauft werden.6 Dies geschah jedoch nicht so oft.7 Mit neuen militärischen Erfolgen und somit neuen Sklaven aus Kriegsgefangenschaft nahm die Schuldsklaverei mit dem 4.Jh wider ab. 326 wurde die Schuldsklaverei durch die lex Poetelia aufgehoben.8 Ab dem 4. Jh. Nahm die ,,Kaufsklaverei“ wesentlich zu. Der Grund für diese Entwicklung waren die langen Kriege des 3. und 2. Jh., vor allem die Niederringung Karthagos und die Unterwerfung Makedoniens. Die Hauptabnehmer waren Privatleute, aber auch der öffentliche Dienst zeigte immer größeren Bedarf an unfreien Arbeitskräften. Die östlichen Kriegsschauplätze des 2. und 1. Jh.s ließen das Heer der Sklavenhändler gewaltig ansteigen. Piraten verdienten sich ein Vermögen mit der Jagd auf Menschen an den Küsten des Mittelmeeres. Menschenjagd wurde ein lukratives Geschäft. Die Folge war eine Dezimierung der Bevölkerung Makedoniens, Griechenlands und Kleinasiens.

Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung in der späten römischen Republik. Damals machte die Zahl von 250'000 bis 300'000 Sklaven, ein Drittel der Gesamtbevölkerung von Rom aus. Da es sich dabei fast ausschließlich um ehemals freie, bei der Eroberung neuer Gebiete versklavter Menschen handelte, kann man das Ausmaß an unmenschlicher Härte und Grausamkeit, die diesen Vorgang begleitet haben muss ahnen.9

Sklavenmarkt

Der größte Sklavenmarkt lag auf der Insel Delos. Auch auf dem Forum in Rom wurden Sklaven verkauft. In Delos wurden an einem Tag Tausende von Sklaven verkauft. Ein mittlerer Sklavenpreis betrug etwa 200-500 Denare.10 Ein Haussklave, der gebildet war, kostete ca. 1500 Denare (zur Gegenüberstellung: Lohn eines Legionärs im 2. Jh. V. Chr. für ein Jahr - 120 Denare; D. f. Sklaven sind Luxusware).11

Es ist nicht möglich die Anzahl der Sklaven in Rom genau zu bestimmen. Manche Historiker neigen zur Übertreibung, andere dagegen zur Untertreibung.12 Aus der Zeit der ausgehenden Republik sind unglaubliche Beispiele von Sklavenluxus überliefert worden. Wenn unter Augustus, der Sänger Tigillius 200 Sklaven und 100 Jahre später der Stadtpräfekt Pedanius Secundus 400 Sklaven in seinem Haus bzw. seinen Häusern beschäftigte, so muss man von Extremfällen sprechen.13

Gründe für den hohen Sklavenbedarf

Durch die Eroberungen stieg der von den Senatoren erworben Grundbesitz gewaltig an. Es setzte sich immer mehr der agrarische Großbetrieb mit seiner Latifundienwirtschaft durch, während das alt-italische Bauerntum fast vollständig verschwand. Es war gewinnbringender diese Großbetriebe mit billigen Tagelöhnern und Sklaven zu bewirtschaften, als mit freien Bauern. Auch der rapide Aufstieg der gewerblichen Wirtschaft und die allgemeine Anhebung des zivilisatorischen Niveaus sind ohne die Sklaven und ihre Spezialkenntnisse, die sie in eine stark arbeitsteilige Wirtschaft einbrachten, nicht denkbar, abgesehen von der Unentbehrlichkeit der Sklaven in den Haushalten der Mittel- und Oberschicht.14

Rechtsstellung der Sklaven

Der Sklave befand sich im ,,dominus“(im Besitz) seines Herrn. Das bedeutet, er ist das Eigentum eines anderen Menschen. Es ist dabei völlig egal, dass der Sklaven ein menschliches wesen ist. In der lex Aqulia über Sachbeschädigung von 286 v. Chr., wurden Sklaven als Sachen (Res) bezeichnet. Manche Sklavenbesitzer misshandelten ihre Sklaven, quälten sie und ließen sie sich zu Tode arbeiten. Wenn ein Sklavenbesitzer seine Rechte nicht in diesem vollen Umfang ausnutzte, so war das seine alleinige Entscheidung. Auch wenn er einem Sklaven besondere Privilegien zusprach, konnte er sie stets wieder rückgängig machen. Ein Sklave bei Plautus beschrieb den Wert eines Versprechens eindeutig: ,,Kein Herr kann wegen Bruch eines einem Sklaven gegebenen Versprechens vor Gericht gebracht werden“15

Der Sklave war keine juristische Person und so haftete der Herr für die Vergehen seiner Sklaven. Dabei spielte es keine Rolle ob er daran beteiligt oder unschuldig war Æ ,,Noxalhaftung“. Dennoch wollte man keinen römischen Bürger bestrafen, der unschuldig war und so überließ man dem Herrn die Bestrafung des Sklaven. War die Staatssicherheit gefährdet (z. Bsp. Rebellion), so trat die Noxalhaftung außer Kraft. Die am Aufstand des Spartakus beteiligten Menschen wurden gekreuzigt.16

Der Sklave musste für alle Vergehen körperlich haften. ,,Körperliche Züchtigung, ob öffentlich oder privat, wurde nur gegenüber Sklaven angewendet.“17

Ausnahmen waren römische Soldaten oder freie Nichtbürger, die des Hochverrats angeklagt wurden, weiterhin wenn Christen zum Tode verurteilt wurden, durch Kreuzigung, Verbrennung bei lebendigem Leibe oder die Verurteilung ,,zu den Raubtieren“.

Doch garantierte bereits, das im 5. Jh. V. Chr. aufgezeichnete Zwölftafelgesetz den Sklaven Rechtsschutz gegenüber Dritten. Jedoch wird die Verletzung eines Sklaven nur mit der Hälfte der Buße für die Verletzung eines Freien bestraft.18 Sklaven durften vor Gericht nur unter Anwendung der Folter aussagen. Wenn sie vor Gericht aussagten, so behaupteten die Anwälte, wenn es ihnen nutzte, dass eine Aussage, die unter der Folter gemacht wurde keinen Wert besäße. Man fand einen Text, in den Foltermethoden, Werkzeuge und Bezahlungen aufgeschrieben waren. All diese menschenverachtenden Methoden dienten dazu, den Sklaven herabzusetzen, da man ihn von anderen freien Menschen, unterscheiden musste. Denn der Sklave war kein Mensch im eigentlichen Sinne, aber auch kein Gegenstand - sondern ,,beseelter Besitz“. Dennoch durften Sklaven einmal im Jahr, während der Saturnalien, mit ihrem Herrn am gleichen Tisch sitzen und sogar von ihm bedient werden.

Die Familienbindung war den Sklaven verwehrt. Ihre Ehe wurde rechtlich nicht anerkannt. Es gab natürlich auch Familien, allerdings nur, wenn diese vom Sklavenbesitzer genehmigt wurden. Es war jedoch eine Vergünstigung, die jederzeit widerrufen werden konnte. Eine andere Möglichkeit die Gründung einer Familie zu verhindern, war die Kastration. Diese Maßnahme wurde von Domitian (römischer Kaiser der Flavischen Dynastie19 ) verboten. Der Dichter Statius äußerte sich lobend darüber:,, Ein strenges Gesetz nimmt den Müttern der Sklaven die Furcht um das Schicksal ihrer Söhne.“

Um Familien für immer zu trennen, verkaufte man sie getrennt voneinander. Niemand weiß, wie oft so etwas tatsächlich geschah, denn man muss sehen, dass es recht viele Kinder von Sklaven gab, was darauf schließen lässt, dass die Verbindungen recht dauerhaft waren. Andererseits wurde aus bestimmten Quellen entnommen, Dass auf einem Sklavenmarkt kein erwachsener männlicher Sklave mit einer Frau oder Kindern verkauft wurde. Weitere Quellen, die aus der Kaiserzeit stammen, belegen nur einen einzigen Verkauf einer Mutter mit ihren Kindern.20 Erst unter Kaiser Konstantin I. wurde die Trennung von Sklavenfamilien verboten. Sklaven hatten keine Kontrolle über sich selbst und ihr Leben. Sie waren selbst eine Ware. Die Freilassung konnte der Besitzer an bestimmte Voraussetzungen knüpfen. Man bot ihnen die Aussicht auf Freilassung als Ansporn zur Arbeit. Natürlich konnte der Herr diese Abmachungen rückgängig machen, doch scheinen sie im allgemeinen eingehalten worden zu sein. Wäre dem nicht so gewesen, hätte diese Versprechen keine Wirkung mehr gezeigt.

Kinder von Sklaven wurden ebenfalls zu solchen, wenn der Besitzer sie nicht freiließ. Jedoch mussten die Kinder bei der Freilassung schon geboren worden sein. Man vermutet, dass man die Freilassung so lange aufschob, bis die Sklaven Kinder hatten, die dann an ihre Stelle traten.21 In der Kaiserzeit betonte die Stoa, dass die Sklaverei dem Naturrecht des Menschen widerspricht. Bei der Geburt einer Sklavin, die während ihrer Schwangerschaft frei war, ist das Kind frei.

Drei Dinge gaben dem Sklavenbesitzer Vorteile gegenüber anderen unfreiwilligen Arbeiten: Der Sklave war sein Eigentum, hatte keine Rechte und hatte keinen Anspruch auf eine Familie. So konnte der Sklavenbesitzer kaum eingeschränkt herrschen, konnte die Sklaven arbeiten lassen wie und wann immer er wollte, und konnte sie auch wieder entfernen, ohne dabei gehindert zu werden.22

Sklavenaufgaben und -arbeiten

Unter den Sklaven gab es eine Art Rangordnung. Um das zu sehen, muss man sich nur die Verschiedensten ,, Sklavenberufe“ vor Augen führen. Sklaven arbeiteten in den Minen Spaniens. Es gab Ackersklaven, welche angekettet auf den Landgütern arbeiteten; die Sklavenaufseher und Verwalter auf dem Land; Sklaven im kaiserlichen Verwaltungsdienst; die Sklaven in den Städten, die in Rom und anderen Gemeinden Italiens ihre eigenen Handels- und Handwerksunternehmen mit ihrem ,,peculium“ (Bez. für das Sondervermögen, welches sich ein Sklave als Nebenverdienst aneignete, und ihm vom Herrn, stets widerruflich überlassen wurde23 ) betrieben. Durch solche Ersparnisse konnte der Sklave sich freikaufen.24

Nach dem Rechtssystem waren die Sklaven eine Gruppe, aber untereinander waren sie verschieden.

Die Römer hielten sich auch viele gebildete Sklaven, meist griechischer Herkunft, die als Erzieher, Ärzte und Lehrer dienten.25 In den Betrieben hatten Sklaven die verschiedensten Aufgaben. Angefangen beim Hilfsarbeiter bis zum Verwalter. In Bürgerkriegen wurden Sklaven eingezogen. Sklaven, welche auf dem Land lebten waren eher dazu bereit, als die in den Städten. Sie dienten als Rudersklaven. Unter den Kaisern konnten Sklaven sogar zu einflussreichen Stellungen aufsteigen. Es ging ihnen sogar besser als manchen freien Menschen.26

Neben den alltäglichen Arbeiten im Haus und in der Küche wurden Sklaven in vornehmen Häusern geradezu für alles verwendet. Die Kinder vornehmer Herren wurden von gebildeten griechischen Sklaven unterrichtet. Die Reichen hatten sehr viele Sklaven, die als Sekretäre dienten und alles notierten, was ihrem Herrn wichtig erschien, oder sie dienten als ,,Studienhelfer“, die aus Büchern und Schriftrollen Auszüge abschrieben. Ein schriftstellerisches Werk wie die materialreiche ,,Naturgeschichte“ des älteren Plinius (Gaius Plinius Secundus [der sog. Plinius der Ältere] 23 v. Chr. -29. n. Chr., vielfältig interessierter Sammler und Forscher. Das einzige Werk, das bis heute erhalten wurde, ist die enzyklopädisch angelegte Naturgeschichte [Naturalis historia] mit 37 Büchern.27 ) lässt sich ohne Vorarbeitung, von Sklaven, nicht vorstellen.

Manche römische Herren schiene so faul gewesen zu sein, dass sie sich alles und jedes von Sklaven mitteilen ließen. Da musste ein Sklave die Uhr ersetzen und regelmäßig die Stunden ansagen oder an den Gang ins Bad, an einen Termin auf dem Forum, an eine Verabredung erinnern. In einer Quelle wird berichtet, dass sich vornehme Römer bei einem Spaziergang von vorauseilenden Sklaven auf Unebenheiten des Weges aufmerksam machen ließen.

Bei den großen Gastmählern, die häufig in ausschweifende Gelage ausarteten, mussten wohlgestaltete junge ,,Luxussklaven“ nichts anderes tun als dastehen und als Augenweide dienen. ,,Schöne Knaben“, an deren weichen Haaren man die Hände abtrocknete, dienten als Mundschenken. Knaben aus Alexandria, die für ihren Witz bekannt waren, mussten bei Gelagen ihren Geist gegenüber Hausherren und Gästen beweisen. Man fand auch Gefallen an körperlichen Abnormitäten. Riesen, Zwerge und geistig zurückgebliebene Menschen und Sklaven mit Missbildungen aller Art, die man in Rom sogar auf einem eigenen Markt erwerben konnte, hatten die Römer zu belustigen. Den Vornehmen begleiteten beim abendlichen Ausgang Fackelträger, die Sänftenträger beaufsichtigte ein Obersänftenträger und Sklaven bzw. Sklavinnen verschlossen ihren Herren die Kleider. Hübsche Sklavinnen wurden häufig Konkubinen ihrer Herren und manche römische Frau ließ sich auf ein Verhältnis mit einem Sklaven ein.28 Martial zählt die sieben Kinder einer gewissen Marulla auf, deren jedes dem jeweiligen Vater ähnele: dem maurischen Koch, dem plattnasigen Athleten, dem tiefäugigen Bäcker, dem zarten Liebling des Herrn, dem spitzohrigen Kretin, dem schwarzen Flötenspieler und dem rothaarigen Hofverwalter. 29

Horaz (eigentl. Quintus Horatius Flaccus, *8. 12. 65 v.Chr., † 27. 11. 8. v.Chr., einer der bedeutendsten Dichter der augusteischen Zeit30 ) empfahl männliche oder weibliche Haussklaven. ,,Denn ich mag die Liebe, die rasch bereit und leicht sich gibt“. Seneca (*4. v.Chr., † 65 n. Chr., bedeutendster römischer Prosaschriftsteller31 ) schrieb: ,,Unkeuschheit ist für den Freigeborenen ein Verbrechen, für den Sklaven ein Zwang und eine Pflicht für den Freigelassenen.“32

Doch neben diesen teilweise abstoßenden Beispielen gab es natürlich unzählige Sklaven, die durch wirklich ernsthafte Beschäftigung für ihre Herren unentbehrlich wurden, Z. Bsp. Leistet der später von Cicero freigelassene Sklave Tiro seinem Herrn nicht nur Sekretärdienste, sondern beriet ihn auch literarisch.33 (Ciceros Briefe an ihn beweisen das freundschaftliche Verhältnis der beiden. ,,Ich hätte gedacht, ich könnte die Sehnsucht nach Dir leichter ertragen, aber es geht einfach nicht, und obwohl es für meine Ehrung erforderlich ist, dass ich so bald wie möglich vor der Stadt (=Rom) erscheine, komme ich mir doch wie ein Sünder vor, dass ich mich von Dir getrennt habe“, schreibt Cicero seinem Vertrauten von der Reise.34

Die Gladiatoren

Besonders gefährdet war das Leben der Gladiatoren. Die Gladiatorenspiel, für das römische Volk nicht mehr als abwechslungsreiche Unterhaltung und billiger Zeitvertreib, für die Kämpfenden aber nicht selten ein Kämpfen auf Leben und Tod, bleiben ein dunkler Fleck in der Geschichte Roms. Die Römer waren jedoch nicht die Erfinder dieses menschenverachtendenden ,,Sportes“.

Die Etrusker faszinierten die Römer mit dem Brauch ihrer Religion, die Seelen der gefallenen mit dem Blut gefangener Feinde zu versöhnen. An der ,,verfeinerten“ Methode der Etrusker, diese Menschenopfer nicht selbst zu vollziehen, sondern als Leichenspiele in Form eines Zweikampfes mit dem Gladius (Schwert), von Kriegsgefangenen austragen zu lassen, haben die Römer nach dem Ende der etruskischen Herrschaft fast bis zum Untergang ihres eigenen Reiches festgehalten.

Die Römer bezeichneten Veranstaltungen dieser art als ,,munus“, ein Wort, das hier soviel wie ,,Dienst an den Toten“ oder ,,Totenopfer“ bedeutet. Dennoch wandelte sich das eigentlich als Gottesdienst gedachte Menschenopfer zum Volksfest.

Herkunft der Gladiatoren: Sie rekrutierten sich seit den Anfängen der Spiele aus Kriegsgefangenen, zu denen später Verbrecher, verurteilt wegen Mordes, Raub und Staatsverrat oder auch wegen der Religionszugehhörigkeit, wie die Christen, gesteckt wurden. Kriegsgefangene waren bei den Einkäufern der Gladiatorenschulen deshalb besonders beliebt, weil sie nicht nur gesund und kräftig waren, sondern als ehemalige Soldaten auch mit Waffen umzugehen wussten. Ihre Ausbildung war also weniger kostspielig.

Ausbildung der Gladiatoren: Die Gladiatoren wurden, von der Außenwelt abgeschlossen, unter ständiger gesundheitlicher Überwachung in besonderen Schulen ausgebildet. Wer Gladiatoren hielt musste vor allem darauf bedacht sein, dass seine Zöglinge in guter körperlicher Verfassung blieben. Deshalb wurden sie einigermaßen pfleglich behandelt. Sie lebten in drei oder vier Quadratmeter kleinen fensterlosen Unterkünften.

Besonderen Wert legten die medizinischen Betreuer auf die richtige Ernährung ihrer Schützlinge. Vor allem Gerste galt ihnen als besonders muskelbildend. Deshalb verspotteten Lästerer die Gladiatoren, die zuweilen mit Gerste regelrecht vollgestopft wurden, auch als ,,Gerstenfresser“.

Anfänger mussten, unter Aufsicht zuerst an einem Pfahl üben. Später traten sie mit stumpfen Waffen gegeneinander an. Dann aber wurde es ernst. Der Gladiator musste nun mit scharfen Waffen kämpfen. Dabei belasteten die Fechtmeister sie bewusst bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, indem sie sie mit überschweren Waffen kämpfen ließen.

Es herrschte strengste Disziplin. Kein Gladiator durfte auch nur eine Miene verziehen, wenn der Gegner die Waffen gegen sein Gesicht schwang. Die Bestrafungen waren grausam: wer über die Stränge schlug, wurde in einen Raum gesteckt, in dem er nur liegen oder Sitzen, jedoch nicht stehen konnte.

Es gab noch andere Strafen, wie z. Bsp. Brandmarkung ins Gesicht oder auspeitschen - ein Terror , den viele auf Dauer nicht ertrugen. Die meisten erduldeten, was sie ja doch nicht ändern konnten. Wenige ließen sich zu Verzweiflungstaten hinreißen. Darunter war Selbstmord die häufigste. Die Aufseher achteten darauf, dass während der Übungen niemand die Waffen gegen sich selbst richtete. Außerhalb der Übungszeit war der besitz von Messern und anderen scharfen Gegenständen verboten. Wer gegen dieses verbot verstieß, mu sste mit schweren Strafen rechnen. Trotzdem fanden verzweifelte Gladiatoren immer wieder Möglichkeiten zum Selbstmord. Quellen berichten von einem Gladiator, der seine Kopf zwischen die Speichen eines rollenden Wagens steckte. Ein anderer rammte sich ein Spitzes Holz in die Kehle. Und wieder andere kämpften in der Arena ,,ohne Hass“, was bedeutete, dass sie sich einfach niederstechen ließen. Seltener berichtet man von Aufruhr und Flucht (Z. Bsp. Der Aufstand des Spartakus). Sie hatten zur folge, dass die Gladiatorenschulen noch schärfer bewacht wurden als vorher. Wer auf der Flucht lebend gefangen wurde, endete in der Regel am Kreuz.35

Gladiatorentypen:

Bsp.: Samnit ? so genannt, weil sie wie die einstigen samnitischen Kriegsgefangenen ausgerüstet waren: mit einem langen Schild, den man auf der linken Seite schützend vorhielt; mit einer Beinschiene am linken Bein; einem gepolsterten Ärmel am rechten Arm, der das Schwert schützt. Den Unterleib schützte man durch einen ,,Schurz, den ein Leibgürtel hielt; den Kopf durch einen Visierhelm mit prächtigem Helmbusch“. Diese ,,Samniten“ kämpften gegen ,,Thraker“, benannt nach der Landschaft Thrakien im Nordosten Griechenlands, oder gegen die ,,Gallier“, schwer bewaffnet mit großem Schild, Schwert und Helm. Als diesen später ein kleiner Fisch (mormylos) zierte, nannte man diese Gattung ,,Murmillonen“ und stellte ihnen die flinken ,,Netzfischer“ gegenüber, die als Hauptwaffen wie Fischer eine Harpune oder einen Dreizack und ein Netz verwendeten, mit dem sie durch überwerfen den Gegner bewegungsunfähig machen konnten.

Der Kampf in der Arena des Amphitheaters:

Einen Tag vor Beginn der Kämpfe erwartete die Fechter ein reichhaltiges Mahl, die ,,Henkersmahlzeit“. Am entscheidenden Tag marschierten die Gladiatoren zur Vorstellung gemessenen Schrittes durch die Arena, den ,,Sandplatz“ im Amphitheater, um dort mit erhobener Rechter dem Herrscher zuzurufen:,, Sei gegrüßt, Caesar, die Todgeweihten entbieten dir ihren Gruß (Ave Caesar, morituri te salutant)!“

Nach einem Vorspiel in Form von Scheingefechten mit stumpfen Waffen wurden die Gegner paarweise oder in Gruppen ausgelost, ihre Waffen untersucht. Um für den ständigen Nervenkitzel der Zuschauer zu sorgen, stachelten Sklaven die Fechter mit glühenden Eisen an oder ,,trieben die Kämpfer mit Peitschenhieben ins Blutbad. Mit Feuer und Schwert wird der Kampf geführt. Er dauert so lange, bis die Arena leer ist.“ - Seneca - Er schreibt auch die unfassbaren Reaktionen des Publikums auf, das Beifallsklatschen und die brutalen Zurufe. Sie wurden teils an die Sklaven gerichtet, die für ,,Bewegung“ im Kampf zu sorgen hatten:,, Peitsche ihn!“, ,,Brenne ihn!“; teils feuerten sie die Kämpfenden an oder kritisierten sie: ,,Schlachte ihn ab!“, ,,Warum läuft er so ängstlich ins Schwert?“ usw.

Unterlag ein Gladiator, blieb ihm nur noch übrig, zum Zeichen der Aufgabe einen Finger der linken Hand zu heben und dem Veranstalter die Entscheidung über Leben und Tod zu überlassen. Deutete der Daumen nach oben, verlängerte sich das Leben bis zum nächsten Überlebenskampf, senkte sich der Daumen, durfte der Sieger dem Besiegten den Todesstoß versetzen und den Siegerpreis, einen Palmzweig, in Empfang nehmen. In der Spätzeit der Römischen Republik und noch in den ersten Jahren der Kaiserzeit, gab es immer wieder Veranstalter, die, um den blutigen Reiz der Munera auf die Spitze zu treiben, Spiele ,,ohne Begnadigung“ ausrichteten. Diese besonders blutige Spielart des Gladiatorenkampfes wurde jedoch von Kaiser Augustus(*30 v. Chr. -†14 n.Chr.) verboten und blieben eine seltene Ausnahme.

Es gab kaum jemanden, der die Spiele verurteilte. Man betrachtete sie bei den Gebildeten als eine hohe und edle Schule der Selbsterziehung, die eine körperliche Ertüchtigung fördern sollte. Aber diese Entschuldigung war angesichts der makabren Zielsetzung nur eine Maske, hinter der sich eine Menschenverachtung, wenigstens gegenüber den Sklaven verbarg.

Wie lang konnte ein Gladiator überleben? Das Leben eines Gladiators war grausam kurz. Die meisten starben schon nach wenigen Kämpfen. Es kam jedoch auch vor, dass einer in zehn, zwanzig oder noch mehr Gefechten Sieger blieb. In solchen Fällen war es üblich, ihm die Freiheit zu schenken.36

Beziehung: Sklave ? Herr

Die Behandlung der Sklaven war je nach Charakter ihres Herrn unterschiedlich. Im Haus tätige Sklaven hatten den Vorteil, dass die persönliche Beziehung zwischen Sklaven und Herrn letzteren häufig zu größerer Menschlichkeit veranlasste. Sklaven, wie die Gladiatoren oder solche, die gegen Bezahlung etwa als Bauarbeiter, Lastenträger oder Ringkämpfer ausgeliehen wurden und in tristen ,,ergastula“, barackenähnlichen Kasernen, wohnten, lebten ein freudloses, von vielen Qualen begleitetes Dasein.

Sklaven spielten auch in der Komödie eine wichtige Rolle. Sie nutzten ihre Stellung zur Erpressung aus, wenn sie zu viel aus dem Intimbereich ihrer Herrschaft wussten. Oder sie trieben ihren Spott mit einer senil gewordenen Herrin.37

Formen des Rebellierens: Sklaven bestahlen ihre Herren, arbeiteten langsam und Schlecht oder versuchten zu fliehen. Um dies zu verhindern kettete man sie an und legte ihnen Metallkragen um ihre Hälse. Wenn es einem Sklaven dennoch gelang zu fliehen, versuchten die Sklavenbesitzer ihn wieder einzufangen, es wurden Belohnungen für die Ergreifung ausgesetzt, man befragte Orakel, Traumdeuter und Astrologen. Seit der späten Republik setzte man auch ,,Sklavenfänger“ ein.38 Wurden sie ergriffen, wurden sie schwer bestraft, z. Bsp. durch Brandmarkungen oder man legte ihnen Metallkragen mit einer Inschrift an.

Durch die Geschichte sind aber auch Beispiele dafür überliefert, dass Sklaven bereit waren, für ihre Herrschaft große Opfer zu bringen. So wurde die Tochter eines Sklavenhalters während des ersten Sklavenaufstandes in Sizilien schonend behandelt, weil sie sich stets menschlich gegenüber ihren Sklaven verhalten hatte. Bei den grausamen Proskriptionen der Bürgerkriegszeit gab es Sklaven, die sich anstelle ihres Herrn töten ließen.

Plutarch schrieb, ein Sklave habe sich um den Leichnam des ermordeten Pompeius gekümmert.

Diese engen Beziehungen entfielen bei den auf Abruf und je nach Bedarf arbeitenden Tagelöhnern und kleinen Handwerkern. So war deren Lage oft schlimmer als die vieler Sklave in den Familien, weil sie in Zeiten der Arbeitslosigkeit nicht wie diese in einer Familie aufgehoben waren. Mit dem ende der Bürgerkriege verringerte sich die Zahl der zum Verkauf angebotenen Sklaven. Diese ,,Mangelsituation“ wirkte sich günstig auf die Behandlung der Sklaven aus.39

Freilassung

Bereits in der ausgehenden Republik wuchs die Zahl der Freigelassenen so an, dass man ohne Übertreibung von einem ,,Stand“ der Freigelassenen sprechen kann. Es gab verschiedene Gründe für eine Freilassung. Wenn ein Sklave seinem Herrn mehrere Jahre zur Zufriedenheit gedient hatte, so konnte er mit seiner Freilassung rechnen. Nicht selten kauften sich Sklaven mittels zurückgelegter Ersparnisse frei. Der Stand der Freigelassenen wurden römische Bürger.

Der Freigelassene besaß z. Bsp. das uneingeschränkte Recht, Eigentum zu erwerben und zu übertragen. Doch Bestanden auch wesentliche Beschränkungen. Freigelassene wurden von der Ämterlaufbahn ausgeschlossen, auch die Senatorenwürde blieb ihnen verwehrt. Im Rom der Republik durften sie keine rechtlich gültige Ehe mit Freigeborenen eingehen. Erst in der zweiten, spätesten in der 3. Generation entfielen diese Beschränkungen, so dass die Nachkommen endlich das völlige Bürgerrecht ausüben durften.

Freigelassene fanden sich in fast allen Berufen: Advokate, Ärzte und Schriftsteller eingeschlossen. Sie gewannen auch im persönlichen Dienst römischer Kaiser an Einfluss, insbesondere als Inhaber von Hofämtern. Auch die Verwaltung der kaiserlichen Provinzen lag oft bei Feigelassenen. Besonders viel arbeiteten als Handwerker. Der Freigelassene blieb seinem ehemaligem Herrn verpflichtet, was schon die Übernahme des Gentilnamens des Freilassers zeigt. Starb ein Freigelassener ohne eigene Erben, so fiel sein vermögen an den früheren Besitzer. Als Handwerker arbeiteten Freigelassene, wenn auch auf eigene Rechnung, häufig weiterhin im Auftrag ihres Patrons.40

[...]


1 Simma,B./Fastenrath, U., Menschenrechte. Ihr internationaler Schutz, in: Finley, M. I., Die Sklaverei in der Antike, München 1981, S. 201

2 Frankfort, Th., Les Classes serviles en Etrurie, in: Vgl. Brockmeyer, N., Antike Sklaverei, Darmstadt 1979, S. 148

3 Watson, A., Rome of the XII tables, in: Vgl. Ebenda, S. 149

4 Alföldy, G., Römische Sozialgeschichte, in: Vgl. Ebenda, S. 150

5 Lambert, J. N., Studi in onore de P. de Francisci, in: Vgl. Ebenda, S. 151

6 Imbert, J., Fides et Nexum, in: Vgl. Ebenda, S. 151

7 Finley, M. I., Die Schuldknechtschaft, in : Vgl. Ebenda, S. 151

8 Vg. Ebenda, S. 151

9 Vgl. Pleticha/Schönberger, Die Römer, Gütersloh, 1977, S. 402

10 Vgl. Ebenda, S. 403

11 Vgl. Schütz, F. J., Geschichte-Dauer und Wandel, Frankfurt am Main, 1990, S. 94

12 Vgl. Finley, M. I., Die Sklaverei in der Antike, München 1981, S. 95

13 Vgl. Pleticha/Schönberger, Die Römer, Gütersloh, 1977, S. 403

14 Vgl. Ebenda, S. 402

15 Vgl. Finley, M. I., Die Sklaverei in der Antike, München 1981, S. 87 f..

16 Vgl. Ebenda, S. 117

17 Ebenda, S. 111

18 Vgl. Lexikon Alte Kulturen, Leipzig 1988, S. 402

19 Vgl. Schütz, F. J., Geschichte-Dauer und Wandel, Frankfurt am Main 1990, S. 69

20 Bradley, K. R., The Age at time of male or female slaves, in: Vgl. Finley, M. I., Die Sklaverei in der Antike, München 1981, S. 89 f..

21 Vgl. Ebenda, S. 88f..

22 Vgl. ebenda, S. 91

23 Vgl. Brockmeyer, n., Antike Sklaverei, Darmstadt 1979, S. 164

24 Vgl. Ripper, W., Weltgeschichte im Aufriss, Frankfurt am Main, 1992, S. 228

25 Vgl. Westermann, W. L., The Slave Systems of greek and Roman Antiquity, in: Vgl Lexikon A-Z, Leipzig, 1957

26 Vgl Finley, M. I., Die Sklaverei in der Antike, München, 1981, s. 1997

27 Vgl. Ripper, W., Weltgeschichte im Aufriss, Frankfurt am Main, 1992, s. 229 f..

28 Vgl. Pleticha/Schönberger, Die Römer, Gütersloh 1977, S. 403

29 Vgl. Ebenda, S. 132

30 Vgl. Lexikon A-Z, Leipzig, 1956, S. 780

31 Vgl. Ripper, W., Weltgeschichte im Aufriss, Frankfurt am Main, 1992, S. 203

32 Veyne, P., La familie et l’amour sous le Haut-Empire romain, in : Vgl. Finley, M. I., Die Sklaverei in der Antike, München, 1981, S. 118

33 Vgl. Ripper, W., Weltgeschichte im Aufriss, Frankfurt am Main 1992, S. 203

34 Vgl. Pleticha/Schönberger, Die Römer, Gütersloh 1977, S. 403f..

35 Vgl. Tarnowski, W., Gladiatoren, Nürnberg 1987, S. 16ff

36 Vgl. Pleticha/Schönberger, Die Römer, Gütersloh, 1977, S. 185ff.

37 Vgl. Ebenda, S. 404

38 Vgl. Finley, M. I., Die Sklaverei in der Antike, München 1981, S. 133 ff.

39 Vgl. Pleticha/Schönberger, Die Römer, Gütersloh 1977, S. 404

40 Vgl. Ebenda, S. 164

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Sklaverei in der römischen Welt
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
6
Katalognummer
V101199
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sklaven, Gladiator, Herkunft, Rechtsstellung, Arbeiten, Sklavenmarkt, Kriegsgefangene
Arbeit zitieren
Katrin Anton (Autor), 2001, Sklaverei in der römischen Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101199

Kommentare

  • Gast am 11.12.2001

    Hallo.

    Hallo , ich wollte mich nur badanken denn ich muss übermorgen einen Vortrag über Sklaven und Gladiatoren machen. Ich bin auch auf dem Gym. in der 6. Klasse und konnte deine Arbeit wirklich sehr gut nutzen !!!!
    Danke

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