Die Rolle des betrieblichen Gesundheitsmanagements für Pflegekräfte im Krankenhaus


Hausarbeit, 2020

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Public Health Relevanz

2. Aktuelle Herausforderungen für Pflegekräfte im Krankenhaus
2.1. Fachkräftemangel im Krankenhaus
2.2. Zunahme und Veränderung des Pflegebedarfs
2.3. Physische und psychische Belastungen

3. Das betriebliche Gesundheitsmanagement

4. Die Rolle des betrieblichen Gesundheitsmanagements im Krankenhaus
4.1. Umsetzung von betrieblichem Gesundheitsmanagement im Krankenhaus
4.2. Erfolgsfaktoren
4.3. Umsetzungshindernisse

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Public Health Relevanz

Die Menschen in Deutschland werden immer älter, wodurch sich nun eine „Gesellschaft des langen Lebens“ entwickelt (S.437). Gesundheit am Arbeitsplatz und betriebliches Gesundheitsmanagement gewinnen daher immer mehr an Bedeutung (Robert Koch-Institut, 2015a). 2018 waren ca. 5,7 Millionen Menschen im Gesundheitswesen beschäftigt. 1,8 Mio. Menschen davon in Krankenhäusern (Statistisches Bundesamt 2020a). In Deutschland lebten im Jahr 2016 82,5 Millionen Menschen. Jeder fünfte Deutsche war 65 Jahre und älter (21%). Im Jahr 2060 wird voraussichtlich jeder dritte Mensch 65 Jahre und älter sein (33%) (Statistisches Bundesamt, 2018). Der Bedarf an Pflegekräften nimmt durch die demographische Alterung stetig zu. Mit zunehmendem Alter erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit für altersassoziierte Erkrankungen (Robert Koch-Institut, 2015b). Nicht selten kommt es im Alter zudem zu einer Vielzahl von Erkrankungen zur gleichen Zeit, was dazu führt, dass ältere Menschen durchschnittlich häufiger und länger im Krankenhaus verbleiben als jüngere (Statistisches Bundesamt, 2010). 2014 war daher fast jeder zweite Krankenhauspatient 65 Jahre oder älter (Statistisches Bundesamt, 2016). Zusätzlich wird die Belegschaft in stationären Einrichtungen immer älter, qualifizierter Nachwuchs fehlt, und immer mehr ältere Menschen müssen pflegerisch versorgt werden (Statistisches Bundesamt, 2015a). Folglich ist die Arbeitsbelastung in der Pflege hoch und die Ausfälle können kaum noch kompensiert werden (Bräutigam, Dahlbeck, Enste, Evans, Hilbert, 2010).

2025 könnte der Bedarf an Pflegepersonal bereits 27% höher liegen als 2005. Das heißt 2025 würden rund 200.000 Pflegekräfte fehlen (Bundesministerium für Gesundheit, 2018). Schon heute besteht ein Mangel an qualifizierten Fachkräften, und den vorhandenen Pflegekräften fehlt die Zeit für fachgerechte und zuwendungsorientierte Pflege und Betreuung. Der Pflegesektor stößt bereits jetzt an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Damit entsteht eine große Herausforderung, den wachsenden Bedarf an informellen und professionellen Helfern zu decken. Zusätzlich wird die Personalgewinnung und -bindung für stationäre Einrichtungen immer schwieriger. Die Pflegekräfte leiden zunehmend unter den physischen und psychischen Belastungen ihres Berufs und sind unzufrieden mit der Gesamtsituation der Pflege. Das kann zu gravierenden Folgen für die pflegerische Versorgungsqualität führen (Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung, 2017). Die demographische Entwicklung bringt die Gesellschaft und auch die stationären Einrichtungen somit in große Schwierigkeiten (Bertelsmann, 2012). Das Gesundheitssystem wird in seiner jetzigen Verfassung nicht mehr zukunftsfähig sein (WifOR Wirtschaftsforschung, 2010). Dem betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) kommt in Krankenhäusern daher eine immer größer werdende Bedeutung zu. Wenn nicht genug neues Personal ausgebildet werden kann, muss das vorhandene Personal gestärkt werden. Eine Herausforderung wäre es demnach, Strategien zu entwickeln, die Gesundheit der Mitarbeiter zu sichern, ihre Kompetenzen zu nutzen und sie möglichst lange an das Unternehmen zu binden. Der Blick muss langfristig auf die Bestandsmitarbeiter gerichtet werden, um diese möglichst lange im Beruf zu halten (Freiling, 2009). In dieser Arbeit soll daher auf die Situation der Pflegekräfte und die Umsetzung des BGMs in Krankenhäusern mit der Fragestellung „Welche Rolle spielt das betriebliche Gesundheitsmanagement im heutigen Krankenhausalltag für Pflegekräften und wie lässt es sich erfolgreich umsetzen?“ eingegangen werden. Dazu werden zunächst die unterschiedlichen Herausforderungen für Pflegekräfte in Krankenhäusern näher erläutert, bevor anschließend grundlegende Aspekte des BGM aufgeführt werden. Danach erfolgen Informationen dazu, wie BGM in Krankenhäusern umgesetzt werden kann, welche Erfolgsfaktoren von Relevanz sind und welche Umsetzungshindernisse es gibt. Zuletzt wird ein Fazit verfasst. Zur besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit auf geschlechtsspezifische Formulierungen verzichtet. Sämtliche personenbezogenen Bezeichnungen sind geschlechtsneutral zu verstehen.

2. Aktuelle Herausforderungen für Pflegekräfte im Krankenhaus

Der demographische Wandel hat starke Auswirkungen auf die Gesellschaft und ihre gesundheitliche Versorgung. Bis 2060 wird sich die Alterspyramide fast umgekehrt haben, das heißt es gibt mehr alte Menschen als junge Menschen nachkommen (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016). 2060 wird jeder Dritte (33%) das 65. Lebensjahr erreicht haben und es werden doppelt so viele 70-Jährige leben, wie Kinder geboren werden. Unsere Gesellschaft wird zunehmend von einer immer älter werdenden Bevölkerung geprägt (Statistisches Bundesamt, 2015b). Zusätzlich ist die Bevölkerung im Erwerbsalter stark von der demographischen Alterung betroffen. Als Erwerbsalter werden die Jahre von 20 bis 64 Jahren bezeichnet. 2013 zählten 49,2 Millionen Menschen zu dieser Altersgruppe, bis 2060 wird die Zahl voraussichtlich auf ca. 38 Millionen Menschen sinken. Auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter entfielen 2013 34 Personen, die über 65 Jahre waren. Im Jahr 2060 werden es voraussichtlich 65 Personen sein. Mit zunehmendem Alter steigt auch der Anteil der Personen, die sich gesundheitlich eingeschränkt fühlen. 18 % der 65- bis 69- Jährigen fühlten sich 2013 krank oder waren unfallverletzt. Bei den 70- bis 75- Jährigen stieg die Zahl auf 21 % und in der Altersgruppe ab 75 Jahre waren es bereits 28 % (Statistisches Bundesamt, 2015b). Mit einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft geht auch eine erhöhter Pflegebedarf einher, das heißt Patienten in Krankenhäuser müssen intensiver und umfangreicher betreut werden. In Deutschland galten 1999 ca. 2 Millionen Menschen als pflegebedürftig, 2015 stieg die Zahl auf ca. 2,9 Millionen pflegebedürftige Menschen an (Statistisches Bundesamt, 2017). Aktuell sind es bereits 3,4 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, das sind ca. 4 % der Gesamtbevölkerung (Bundesministerium für Gesundheit, 2018). Für das Jahr 2030 wird mit einem Zuwachs von 800.000 Pflegebedürftigen gerechnet (insgesamt 4,2 Millionen). 2060 könnten es dann bereits 4,7 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland sein (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016) Im Alter kommt es somit zu vermehrter Pflegebedürftigkeit, einem gesteigerten Pflegebedarf und einem veränderten Bedarf an Gesundheitsleistungen. Zur weiteren Definition der einzelnen Herausforderungen wird nun der Fachkräftemangel näher erläutert.

2.1. Fachkräftemangel im Krankenhaus

Das Gesundheitswesen gehört zu den größten Arbeitsmärkten in Deutschland (Jandová, 2011).Trotzdem wurden in deutschen Krankenhäusern zwischen 1997 und 2007 ca. 50.000 Stellen abgebaut. 2008 stieg die Zahl der Pflegekräfte wieder leicht an, dennoch gab es 2013 noch ca. 35.000 Vollzeitpflegekräfte weniger als 1996 (Simon, 2015). Im Jahr 2018 arbeiteten 1,8 Millionen Menschen im Krankenhaus davon 628.000 Menschen als Gesundheits- und Krankenpfleger (Statistisches Bundesamt, 2020b). Aktuelle Statistiken gehen von einem zunehmenden Bedarf an Pflegepersonal aus, der die heutigen Beschäftigtenzahlen deutlich übersteigt. Dadurch würden im Jahr 2025 200.000 Pflegefachkräfte fehlen (Afentakis und Maier, 2010). Bis zum Jahr 2030 könnten bereits 500.000 zusätzliche Vollzeitpflegekräfte benötigt werden (Bertelsmann Stiftung, 2012). Aktuell wird von 17.000 offenen und direkt zu besetzenden Stellen in den Pflegeberufen ausgegangen. Ca. 14.000 davon entfallen auf Stellen für die eine dreijährige Pflegeausbildung benötigt wird (DIP, 2018). Eine internationale Studie von 2009/2010 zur personellen Besetzung in Krankenhäusern fand heraus, dass Deutschland unter 12 europäischen Ländern am schlechtesten abschnitt. 2010 wurden in Deutschland 100 Krankenhauspatienten von 12,3 Pflegekräften versorgt, in den Niederlanden 29,8 und in Norwegen 42,9 Pflegekräfte pro 100 Krankenhauspatienten (Simon, 2015). Zusätzlich werden aufgrund der demographischen Alterung mehr Pflegekräfte in den Ruhestand gehen, als neue Pflegekräfte in den Pflegeberuf eintreten (Nowossadeck, 2013). Im Jahr 2030 werden durch den Eintritt ins Rentenalter zwischen 351.000 und 491.000 Pflegekräfte der stationären Einrichtungen in Rente gehen. Das sind ca. 45 bis 60 % des beschäftigten Personals (WifOR Wirtschaftsforschung, 2010). Durch das generelle Nichtvorhandensein von Arbeitskräften in Deutschland, dem wachsenden Bedarf an Pflegefachkräften und dem zunehmend älteren Personal in stationären Einrichtungen, dass bald das Rentenalter erreicht, wird eine wachsende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage entstehen (Hämel und Schaeffer, 2012). Schon heute fehlt die Zeit für fachgerechte und zuwendungsorientierte Pflege und Betreuung (BVDW, 2017). Der steigende Personalmangel stellt die Krankenhäuser vor wachsende Probleme, die Versorgungsqualität und die Arbeitsfähigkeit der Pflegekräfte aufrecht zu erhalten. Eine große Rolle spielt auch die Veränderung des Pflegebedarfs, welche im nächsten Kapitel thematisiert wird.

2.2. Zunahme und Veränderung des Pflegebedarfs

Durch den demographischen Wandel wird vor allem der Anteil altersassoziierter Erkrankungen ansteigen. Zu den häufigsten altersassoziierten Erkrankungen gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der Herzinfarkt oder der Schlaganfall, kognitive Erkrankungen wie Demenz und Morbus Parkinson, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ II, Muskel- und Skeletterkrankungen und Krebserkrankungen (Robert Koch-Institut, 2015a). Nicht selten führen altersassoziierte Erkrankungen zu vermehrten Krankenhausaufenthalten und einer starken Einschränkung der Lebensqualität (van den Bussche et al., 2011). Die Lebensjahre, die in Gesundheit verbracht werden nehmen zu und trotzdem steigt mit dem Älterwerden das Risiko, gesundheitlich beeinträchtigt zu sein (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016). In fortgeschrittenem Alter ist ein Anstieg der Gesundheitsprobleme zu erkennen, sowohl in der Anzahl als auch in der Komplexität der Erkrankungen (Böhm, Tesch-Röhmer, Ziese, 2009). Der Fachausdruck „Multimorbidität“ bezeichnet in diesem Zusammenhang das gleichzeitige Auftreten von zwei oder mehr Erkrankungen bei einer Person. Multimorbidität ist mehr als das Auftreten mehrerer chronischer Erkrankungen und ist häufig mit Immobilität, Sturzgefahr und Schmerzen verbunden (Dodel, 2014). Zusätzlich treten Begleiterscheinungen wie Appetitlosigkeit oder Schlafstörungen auf (Scheidt-Nave, Richter, Fuchs, Kuhlmey, 2010). Die Wahrscheinlichkeit einer Multimorbidität nimmt mit steigendem Alter zu. Die Prävalenz steigt bei Personen ab 65 Jahren an, variiert im nationalen und internationalen Vergleich jedoch stark (Dodel, 2014). Laut einer deutschen Studie mit 120.000 über 65-jährigen befragten Patienten wurden 62 %, mit mindestens drei Erkrankungen, als multimorbid bezeichnet. Werden auch die Patienten mit zwei Erkrankungen berücksichtigt, waren es sogar 73 %, die eine Multimorbidität aufwiesen. Durchschnittlich wurden 5,8 gleichzeitig auftretende Erkrankungen gefunden (van den Bussche et al., 2011).

Multimorbidität gilt heutzutage als häufigste Krankheitskonstellation, wenn Patienten mit dem Gesundheitssystem in Kontakt treten. Die Tendenz ist steigend (Battegay, 2014). Dabei kommt es zu einer verringerten Lebensqualität, einem Verlust an Mobilität, einer vermehrten Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, einer Zunahme des Medikamentenverbrauchs und nicht selten zu einem erhöhten Pflegebedarf (Schüle, 2013). Die aktuellen Strukturen im Gesundheitssystem werden den Anforderungen multimorbider Patienten nicht gerecht (Battegay, 2014). Die medizinische Versorgung multimorbider Patienten ist komplex. Es müssen Medikamente aufeinander abgestimmt werden, was zu gefährlichen Neben- und Wechselwirkungen führen kann (Robert Koch-Institut, 2015b). Es besteht kein Zweifel daran, dass die Multimorbidität für Pflegekräfte eine neue hohe Belastung im Alltag darstellt. Eine Multimorbidität ist fast immer mit einer dauerhaften oder wiederkehrenden medizinischen Behandlung verbunden. Die Zahl der Arztbesuche und der Krankenhausaufenthalte nimmt zu, und die Krankheitskosten steigen (Scheidt-Nave et al., 2010).

Auch die behandelten Fälle im Krankenhaus steigen stetig an. 1990 wurden ca. 14,5 Millionen Menschen in deutschen Krankenhäusern behandelt. 2010 waren es bereits ca. 18 Millionen und 2017 19,4 Millionen Menschen. Gleichzeitig sank die Verweildauer von 14 Tagen im Jahr 1991 auf 7,3 Tage im Jahr 2017 (Statistisches Bundesamt, 2019). Das heißt 2017 wurden in der Hälfte der Zeit ca. ein Drittel mehr Patienten versorgt. Die Senkung der Verweildauer darf dabei nicht als arbeitsentlastend verstanden werden, denn je kürzer der Aufenthalt desto weniger Zeit steht für die Versorgung der Patienten zur Verfügung (Bräutigam et al., 2010). Der Trend, der immer älteren Patienten wird sich weiter fortsetzen, so dass ein Schwerpunkt auf die Versorgung älterer Menschen und die Besonderheiten bei der Behandlung gelegt werden muss (DIP, 2014). Das bedeutet, dass Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden, zukünftig eine intensivere pflegerische Betreuung benötigen (Tenbensel, 2012). Vor allem Patienten mit Demenz sind im Krankenhaus keine Seltenheit mehr, sondern längst zum Regelfall geworden. Laut des Instituts für angewandte Pflegeforschung lag 2014 bei 95,9 % der Stationen in Krankenhäusern mindestens ein Fall mit Demenz vor. Demenz ist somit keine Randerscheinung mehr, sondern längst Alltag in deutschen Krankenhäusern (DIP, 2014). Die Krankenhäuser sind jedoch nicht auf die Versorgung von Demenzerkrankten eingestellt. Dem Krankenhauspersonal fehlt es häufig an Wissen im Umgang mit Demenzerkrankten (Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, 2011). Zudem fühlen sie sich mit den bei Demenz auftretenden Verhaltensweisen überfordert. Für eine intensive Betreuung bleibt oft keine Zeit (DIP, 2014). Krankenhäuser sind darauf ausgerichtet, Patienten mit somatischen Erkrankungen zu behandeln. Die Versorgungsabläufe sind standardisiert und bieten wenig Möglichkeiten für individuelle, auf die Bedürfnisse zugeschnittene, Versorgungsstrategien (Pinkert und Holle, 2012). Die steigende Anzahl älterer, zum Teil multimorbider oder demenziell erkrankter Menschen und die wachsende Zahl der Behandlungsfälle bei sinkender Verweildauer führen zu einem erhöhten Pflegeaufwand und in Folge dessen zu einem Kreislauf aus wachsenden Belastungen für die Pflegekräfte. Im Folgenden werden daher nun die Belastungen der Pflegekräfte genauer erläutert.

2.3. Physische und psychische Belastungen

Trotz der steigenden Belastungen wird davon ausgegangen, dass das Pflegepersonal auch weiterhin eine zuverlässige Pflege gewährleistet. Die Folge ist eine Arbeitssituation, in der das Personal an seine Grenzen geht und darüber hinaus (Zander, Dobler, Busse, 2011). Die zunehmende Arbeitsverdichtung führt dazu, dass die physischen, psychischen und zeitliche Arbeitsbelastungen in Pflegeberufen weiter steigen (Stahl und Nadj-Kittler, 2015). Eine hohe Bürokratie, Zeitdruck, die Anleitung von Hilfskräften und die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten belasten das Pflegepersonal mehr als je zuvor (Kutschke, 2014). Zusätzlich werden Pflegekräfte durch gesundheitsrelevante Gefahren belastet, wie z.B. toxische oder allergene Stoffe (Zytostatika, Latex), Infektionsgefahren, Belastungen durch das Heben und Tragen von Patienten oder Geräten, Stich- und Schnittverletzungen. Hinzu kommen schlechte Arbeitsbedingungen wie Lärm, schlechte Belüftung und Beleuchtung. Ebenfalls als belastend werden unregelmäßige Arbeitszeiten, Rollenunklarheit, ein hohes Arbeitstempo, schwierige Patienten und Belastungen durch leidende und sterbende Patienten empfunden. Treffen diese Belastungen mit unzureichenden Arbeitsbedingungen zusammen, hat das gravierende Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit des Personals. Das kann zur Folge haben, dass es zu Demotivation, psychosomatischen Beschwerden, Stress und Burnout kommt. Des Weiteren fördert es die Arbeitsunfähigkeitsquoten, eine erhöhte Fluktuation und einen frühzeitigen Ausstieg aus dem Beruf (Isford und Weidner, 2010).

Die steigenden Belastungen des Pflegepersonals zeigen sich in einer erhöhten Krankheitsdauer, einer erhöhten Anzahl der Krankheitstage, sowie der Krankheitsschwere (DIP, 2018). Dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung zufolge können 2009 2092 Pflegekräfte der 9719 Befragten als hoch belastet eingestuft werden. Das sind 21,5 % der befragten Pflegekräfte. Laut DAK- Gesundheitsreport lag der Krankenstandswert im Gesundheitswesen 2016 bei 4,5 % und damit an zweiter Stelle hinter dem Bereich Verkehr, Lagerei und Kurierdienste. Der Grund für den hohen Wert liegt in einer hohen Erkrankungshäufigkeit und -dauer. Je 100 Versicherter wurden 2016 115,8 Erkrankungsfälle gezählt, die im Durschnitt 14,2 Tage dauerten (DAK-Gesundheit, 2017). Zu den häufigsten Erkrankungen gehören Muskel-Skelett-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen, diese sind für ca. 43 % der Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich. Vor allem das langjährige Stehen und ungünstige Körperhaltungen wirken sich negativ auf die Gesundheit aus (Jandová, 2011). Bei Mitarbeitern die 50 Jahre oder älter sind, ist die Zahl der physischen und psychischen Erkrankungen, die zur Erwerbsminderung, Frührente oder vorrübergehender Arbeitsunfähigkeit führen, doppelt so hoch wie bei allen anderen Beschäftigten (Isfort und Weidner, 2010). Durch die hohe Arbeitsverdichtung und die Belastungen des Pflegepersonals kommt es daher zu Auswirkungen auf die Patientenversorgung und -sicherheit. In den hoch belasteten Bereichen ist es kaum möglich, eine fachgerechte Ausführung von Pflegeleistungen zu gewährleisten (Isfort und Weidner, 2010). Um die Arbeitsfähigkeit der Pflegekräfte zu erhalten, spielt vor allem das betriebliche Gesundheitsmanagement eine entscheidende Rolle. Nachfolgend wird daher zunächst erklärt, was darunter zu verstehen ist.

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des betrieblichen Gesundheitsmanagements für Pflegekräfte im Krankenhaus
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V1012038
ISBN (eBook)
9783346403964
ISBN (Buch)
9783346403971
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGM, Pflegekräfte im Krankenhaus, Zunahme des Pflegebedarfs, Pflegenotstand
Arbeit zitieren
Daniela Kaminski (Autor:in), 2020, Die Rolle des betrieblichen Gesundheitsmanagements für Pflegekräfte im Krankenhaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012038

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