Ziel dieser Masterarbeit ist es, einen Überblick über die aktuellen wissenschaftlichen Erhebungen hinsichtlich der Bildungsteilhabe Geflüchteter zu erstellen und dieses in den Kontext politischer Bedingungen zu setzen. Zusätzlich werden die Auswirkungen, die mit der Aussetzung des Familiennachzuges verbunden sind, auf Grundlage theoretischer Überlegungen, diskutiert. Hierbei wird der Frage nachgegangen, welche Konsequenzen die Aussetzung des Familiennachzuges und die damit verbundenen Verlust- und Trennungserfahrungen auf die Bildungsteilhabe von Geflüchteten hat. Die Hypothese, die zur Beantwortung dieser zentralen Fragestellung aufgestellt wird und die es zu überprüfen gilt, lautet: Familiäre Rückzugsräume schaffen einen Raum der Identifikation und des Schutzes. Geflüchtete, die über ein familiäres Netzwerk verfügen und deren Angehörige in unmittelbarer Nähe leben, können sich auf die Aneignung neuer Bildungsinhalte eher einlassen, als jene, deren Familienmitglieder noch im Heimatland leben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Darstellung der Thematik
1.2 Forschungsstand und Hypothesenbildung
2 Der Familiennachzug im Kontext rechtlicher und nationaler Rahmungen
2.1 Zu den rechtlichen Gegebenheiten des Familiennachzug
2.1.1 Das Recht auf Asyl aus historischer Perspektive
2.1.2 Das deutsche Asylrecht: Die Schutzformen
2.1.3 Zu den Bedingungen des Familiennachzuges nach dem Aufenthaltsgesetz
2.1.4 Der Familiennachzug zu subsidiär Schutzberechtigten
2.1.5 Verlauf und Entwicklung des Familiennachzuges in Zahlen
2.2 Der Familiennachzug und der politisch-gesellschaftliche Diskurs
2.2.1 Migration: Entwicklung des politisch- gesellschaftlichen Diskurses
2.2.2 Zur Konstruktion von Feindbildern: der hegemoniale Diskurs um muslimische Familien
2.2.3 Zur Wirkungsweise rhetorischer Mittel in der Debatte um den Zuzug von Geflüchteten
3 Zur Sozialisationsinstanz Familie unter transnationalen Bedingungen
3.1 Zur Lebenslage von Familien in der Migration
3.1.1 Im Wandel? - Familiäre Bindungen und ihre Bedeutungen
3.1.2 Die Relevanz von familialen Bindungen in der Migration
3.1.3 Zur Lebenssituation von Geflüchteten unter Berücksichtigung transnationaler Familienverhältnisse
3.2 Psychosoziale Auswirkungen der Familientrennung: aktueller Forschungsstand
3.2.1 Trauma und Verlusterfahrungen im Kontext von Migration
3.2.2 Familiäre Trennung aus bindungstheoretischer Perspektive
3.2.3 Analysen und Erkenntnisse der Familien- und Bindungsforschung
4 Bildung und Migration
4.1 Zu den allgemeinen Bedingungen von Bildung
4.1.1 Bildung - Was ist Bildung?
4.1.2 Bedingungen und Voraussetzungen für schulisches Lernen
4.2 Zur schulischen Situation Geflüchteter und zu den Auswirkungen traumatischer Erfahrungen
4.2.1 Resilienz: Strategien und Erfolge von Geflüchteten in der Bildung
4.2.2 Traumatisierung als Einschränkung und Risiko
4.2.3 Zum Stellenwert der Bindungsmuster hinsichtlich der Bildungsteilhabe
5 Schlussbetrachtung
5.1 Zusammenfassung und Deutung der Ergebnisse
5.2 Schlussfolgerungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Relevanz des Familiennachzugs für die Integration geflüchteter Menschen in das deutsche Bildungssystem. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, welche Konsequenzen die Aussetzung des Familiennachzugs und die damit verbundenen Trennungs- und Verlusterfahrungen auf die Bildungsteilhabe von Geflüchteten haben. Dabei wird die Hypothese geprüft, dass ein stabiler familiärer Rückzugsraum eine essenzielle Voraussetzung für erfolgreiche Bildungsprozesse schafft.
- Rechtliche und politische Rahmenbedingungen des Familiennachzugs in Deutschland
- Diskursive Konstruktion und mediale Wahrnehmung muslimischer Familien
- Transnationale Familienverhältnisse und ihre Bedeutung für die Lebenslage Geflüchteter
- Psychosoziale Auswirkungen von Familientrennung, Trauma und Bindungsverhalten
- Einfluss familiärer Bindungen auf Bildungsaspirationen und Schulerfolg
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Migration: Entwicklung des politisch- gesellschaftlichen Diskurses
Migrationspolitische Diskurse und die damit verbundene Frage der nationalen Zugehörigkeit sind zu unterschiedlichen Dekaden und Zeitpunkten in Deutschland stets gegenwärtig gewesen. Innerhalb dieser Debatten, werden durchgehend auch ablehnende sowie skeptische Haltungen gegenüber dem Thema Migration vertreten. So führte der 1973 ausgerufene Anwerbestopp für Gastarbeiter* innen zu dem Effekt, dass der Familiennachzug sich erhöhte und in der Konsequenz ein zunehmender Verbleib der Gastarbeiter*innen resultierte. Daraufhin spitzten sich die ideologisch geprägten Diskussionen um das Thema Zuwanderung weiter zu, so dass die Abwehr von Immigration vermehrt gefordert wurde (vgl. Oberndörfer 2016, S.20).
Ähnlich stellte es sich auch Anfang der 1990er Jahre dar, als die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland zunehmend stieg. In der Folge war der Grundtenor der gesellschaftlichen Debatte negativ und die Zuwanderung und das Entstehen multikultureller Tendenzen wurde als Bedrohung wahrgenommen. Dieses äußerte sich u.a. darin, dass Geflüchtete mit kriminellen Handlungen assoziiert und die Folgen der Einwanderung in einer Semantik der Gefahr dargestellt wurden (vgl. Demren/ Ruhrmann 2000, S.72). So ging die Ablehnung von Zuwanderung auch mit massiven gewalttätigen Übergriffen gegenüber Geflüchteten einher. Trotz Widerständen und Protesten gegen diese ablehnende Haltungen, wurden auf politischer Ebene 1993 Restriktionen beschlossen, die das Asylrecht und somit die Migration in einem hohen Maße einschränkten (vgl. Jäger/Wamper 2017, S.26).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, stellt die Relevanz des Familiennachzugs für Bildungsprozesse dar und formuliert die zentrale Hypothese sowie die methodische Vorgehensweise.
2 Der Familiennachzug im Kontext rechtlicher und nationaler Rahmungen: Das Kapitel analysiert die komplexen rechtlichen Bedingungen des Familiennachzugs, die historische Entwicklung des Asylrechts und die politisch-gesellschaftlichen Diskurse, die den Rahmen für Zuwanderung bilden.
3 Zur Sozialisationsinstanz Familie unter transnationalen Bedingungen: Hier werden die Lebenslagen von Familien in der Migration sowie die psychosozialen Auswirkungen von Familientrennungen vor dem Hintergrund der Trauma- und Bindungsforschung untersucht.
4 Bildung und Migration: Dieses Kapitel betrachtet Bildungsbedingungen, schulische Herausforderungen für Geflüchtete sowie den Einfluss von Resilienz, Traumatisierung und Bindungsmustern auf die Bildungsteilhabe.
5 Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Auswirkungen auf die Bildungsteilhabe und leitet Implikationen für die pädagogische Praxis ab.
Schlüsselwörter
Familiennachzug, Geflüchtete, Bildungsteilhabe, Migration, Integrationspolitik, Familientrennung, Asylrecht, Bindungstheorie, Traumatisierung, Diskursanalyse, Sozialisation, Resilienz, Bildungsaspirationen, Transnationalität, pädagogische Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung eines intakten familiären Umfelds für die Integration und den schulischen Bildungserfolg von geflüchteten Menschen unter Berücksichtigung der aktuellen rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören das deutsche Asylrecht, der gesellschaftliche Diskurs über Migration und muslimische Familien, die transnationale Lebensweise von Migrationsfamilien sowie die Auswirkungen von Flucht und Trennung auf das psychische Wohlbefinden und die Bildungschancen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Aussetzung des Familiennachzugs – und die damit verbundene Trennung von Angehörigen – als Barriere für Bildungsprozesse wirkt und die Integration Geflüchteter erschwert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einem rein theoretischen Zugang, der durch eine Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen, eine diskurskritische Betrachtung aktueller Debatten sowie die Auswertung wissenschaftlicher Studien aus der Bindungs- und Traumaforschung fundiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der rechtlichen Asylstrukturen, die Analyse der sozialisationsprägenden Bedeutung der Familie unter transnationalen Bedingungen und die Betrachtung der schulischen Situation sowie der Auswirkungen von traumatischen Erfahrungen auf Lernprozesse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Familiennachzug, Geflüchtete, Bildungsteilhabe, Resilienz, Bindungstheorie, Diskursanalyse und transnationale Bedingungen.
Welche Rolle spielt die Bindungstheorie in dieser Untersuchung?
Die Bindungstheorie dient dazu, die Auswirkungen von Trennungserfahrungen auf Kinder und Jugendliche zu erklären, wobei sie als Schutzfaktor für die Verarbeitung belastender Erlebnisse dient, aber bei Störungen des Bindungsverhältnisses auch zu Vulnerabilität führen kann.
Inwiefern beeinflussen gesellschaftliche Diskurse die Integration?
Die Arbeit zeigt, dass sprachliche Rahmungen (Framing) und die Konstruktion von Feindbildern dazu beitragen, Geflüchtete als homogene, passive oder gar bedrohliche Gruppe darzustellen, was die gesellschaftliche Akzeptanz und damit verbundene Integrationsbemühungen behindern kann.
- Arbeit zitieren
- Helge Schumacher (Autor:in), 2019, Zur Relevanz des Familiennachzuges bei der Integration von Geflüchteten in das Bildungssystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012566