Diese Arbeit untersucht, welche Phraseologismen im semantischen Feld Liebe zu finden sind und wie sich diese verhalten. Es wird analysiert, welche Rolle Somatismen im semantischen Feld Liebe spielen. Hierfür wird zunächst der Begriff Phraseologismus erläutert. Anschließend folgen weitere Definitionen, die im Zusammenhang mit dieser sprachwissenschaftlichen Forschung von Bedeutung sind. Folgend, wird anhand von verschiedenen Beispielen dargestellt und erforscht, wie sich Phraseologismen im semantischen Feld Liebe verhalten.
Liebe auf den ersten Blick, ist dir das schon mal passiert? Warst du schon mal so sehr über beide Ohren verliebt, dass du alles durch die rosa rote Brille gesehen hast? Jemand verdreht dir den Kopf und er wächst dir immer mehr ans Herz? Auf diese und auf noch mehr Phraseologismen stößt man häufig, wenn man über die Emotion Liebe spricht.
Phraseologismen spielen natürlich nicht nur in diesem Feld eine große Rolle, sondern sind allgemein in der schriftlichen, als auch der mündlichen Kommunikation von hoher Bedeutung. Doch wenn man versucht über Gefühle zu sprechen, erscheinen sie einem besonders hilfreich, woran liegt das? Gefühle wie Angst, Wut, Freude und die Liebe sind alles Emotionen, da Emotionen weder sichtbar noch greifbar sind, müssen sie auf andere Art und Weise sprachlich vermittelt werden.
Dies geschieht häufig, durch die Verwendung von Phraseologismen, denn damit können bestimmte Emotionszustände signalisiert werden. Spricht zum Beispiel jemand davon, dass er Schmetterlinge im Bauch hat, signalisiert er damit vermutlich, dass er verliebt ist. Da der Mensch sich Emotionen und das, was er dabei fühlt, meistens nicht selbst erklären kann, greift er auf Umschreibungen zurück, die diesen Gefühlen näherkommen.
Normalerweise werden Emotionen mittels des Körpers, der Gestik sowie der Mimik kommuniziert. Daher liegt es also nahe, dass man versucht diese 'Körperlichkeit' auch auf die Sprache zu übertragen. Dies geht sehr oft mit der Hilfe von Metaphern und Metonymien, um das Übertragene so zu verbildlichen. Ist von der Emotion 'Liebe' die Rede, stoßen wir in Zusammenhang mit Idiomen häufig auf die Bezeichnung von menschlichen Körperteilen. Ist dies der Fall, liegen sogenannte Somatismen vor.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Phraseologie - Was ist das?
3. Klassifikation nach Harald Burger
4. Forschung der Phraseologie
5. Emotion Liebe
6. Phraseologismen im semantischen Feld Liebe
6.1 Liebe auf den ersten Blick
6.2 Liebe geht durch den Magen
6.3 Bis über die Ohren verliebt sein
6.4 Liebe macht blind
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Verwendung von Phraseologismen im semantischen Feld der Liebe unter linguistischen Gesichtspunkten. Das zentrale Ziel ist es, die Rolle von Somatismen bei der sprachlichen Vermittlung dieser Emotion zu analysieren sowie die Funktionen und Modifikationsmöglichkeiten ausgewählter Ausdrücke aufzuzeigen.
- Grundlagen der Phraseologie und Klassifikationsansätze
- Die Rolle von Metaphern und Metonymien bei der Emotionsdarstellung
- Analyse spezifischer Redewendungen zum Thema Liebe
- Die Bedeutung von Somatismen in der emotionalen Sprache
- Untersuchung von Variationen und Modifikationen innerhalb der Phraseme
Auszug aus dem Buch
6.3. Bis über die Ohren verliebt sein
Diese Redewendung beschreibt die Situation, wenn jemand vollständig, total und leidenschaftlich verliebt ist. Man kann den Ausdruck „(bis) über die Ohren bzw. über beide Ohren“ auch in anderen Redewendungen wiederfinden. So kann man bis über die Ohren in verschiedenen Situationen stecken. Man kann beispielsweise bis über die Ohren im Stress stecken, sich bis über die Ohren freuen oder bis über die Ohren in Schulden stecken. Es könnte sein, dass der Ausdruck aus der Vorstellung eines Ertrinkenden kommt, der vollständig bis an die Ohren in Wasser eingetaucht ist. Die Redewendung findet sich bereits im 16. Jahrhundert bei dem Prediger Geiler von Kaysersberg „Er aber in sünde, schand und laster steckt bis über die ohren“.
Ein Merkmal dieses Phrasems ist, wie wir oben schon erfahren konnten, die Variation. Dies bedeutet, dass es für dieses Phrasen keine vollständig fixierte Form gibt. Den es existieren grammatische Variationen. Beispielsweise können die Aktionsarten im durativ variieren „Sie sind über die Ohren verliebt, er ist über die Ohren verliebt, er kann über die Ohren verliebt sein“ usw. Außerdem liegt in dem vorliegenden Phraseologismus wieder eine metaphorische Motivierung vor, die Metapher beschreibt, dass man bis über die Ohren (also vollständig) in Emotionen steckt, in unserem Fall in der Liebe. Die Funktion, die die Redewendung einnimmt ist eine Emotionalisierungsfunktion. Wir haben einen stark wertenden Charakter und eine Bildlichkeit wie emotionalisierend wirken. Auch liegt hier erneut ein Somatismus vor, als Körperteil fungieren diesmal die Ohren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Phraseologismen bei der Vermittlung der Emotion Liebe ein und stellt die leitenden Forschungsfragen vor.
2. Phraseologie - Was ist das?: Dieses Kapitel definiert den Begriff Phraseologie sowie Phraseologismus und grenzt sie als linguistische Teildisziplinen ab.
3. Klassifikation nach Harald Burger: Hier wird die Systematik von Harald Burger erläutert, die zwischen strukturellen, referentiellen und kommunikativen Phraseologismen unterscheidet.
4. Forschung der Phraseologie: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung der Phraseologieforschung und deren Etablierung als eigenständige Disziplin.
5. Emotion Liebe: Hier wird die sprachliche Vermittlung von Emotionen beleuchtet und der Zusammenhang zwischen körperlicher Wahrnehmung und sprachlichem Ausdruck geklärt.
6. Phraseologismen im semantischen Feld Liebe: Dieser Hauptteil analysiert exemplarisch verschiedene Redewendungen wie „Liebe auf den ersten Blick“ oder „Liebe geht durch den Magen“ auf ihre Funktion und Modifikationsmöglichkeiten.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die zentrale Rolle der Somatismen im semantischen Feld Liebe hervor.
Schlüsselwörter
Phraseologie, Phraseologismus, Liebe, Somatismen, Idiomatik, Metapher, Metonymie, Emotionalität, Sprachwissenschaft, Redewendung, Sprichwort, Modifikation, Festigkeit, Idiomatizität, Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von festen Wortverbindungen (Phraseologismen), die im Deutschen verwendet werden, um die Emotion Liebe auszudrücken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Phraseologie, die Klassifikation nach Harald Burger und die Untersuchung von Somatismen im Kontext der Liebe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es herauszufinden, welche Phraseologismen im semantischen Feld Liebe existieren, wie sie funktionieren und welche Rolle die körperliche Metaphorik (Somatismen) dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine sprachwissenschaftliche Analyse, bei der ausgewählte Phraseme und Sprichwörter hinsichtlich ihrer Struktur, Funktion und Modifikationsmöglichkeiten untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von Beispielen wie „Liebe auf den ersten Blick“, „Liebe geht durch den Magen“, „Bis über die Ohren verliebt sein“ und „Liebe macht blind“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Phraseologie, Somatismen, Idiomatik, Metaphorik und die Emotion Liebe.
Warum spielt der Körper bei der Beschreibung von Liebe eine so wichtige Rolle?
Da Emotionen an sich abstrakt und nicht direkt greifbar sind, nutzt der Mensch körperliche Begriffe (Somatismen) als anschauliche Metaphern, um diese Gefühle für andere erfahrbar zu machen.
Was genau sind Somatismen?
Somatismen sind Phraseologismen, bei denen mindestens ein Körperteil als Bestandteil der festen Wortverbindung auftritt, wie etwa das „Herz“ oder der „Magen“.
Wie flexibel sind die untersuchten Redewendungen?
Obwohl Phraseologismen eine relative Stabilität aufweisen, zeigt die Arbeit auf, dass sie durch lexikalische Substitutionen oder kontextuelle Anpassungen modifiziert werden können.
Welche Funktion hat das Sprichwort „Liebe macht blind“ in der Untersuchung?
Das Sprichwort wird als Beispiel für einen propositionalen Phraseologismus analysiert, der eine lehrhafte Funktion besitzt und eine eigene Mikrotext-Qualität aufweist.
- Arbeit zitieren
- Swati Hertweck (Autor:in), 2020, Phraseologismen im semantischen Feld Liebe. Die Emotion Liebe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1023810