Diese Arbeit untersucht den Personenkult als Form der Machtlegitimation und stellt die Fallbeispiele der beiden Länder Nordkorea und Turkmenistan vor und vergleicht sie. Kann eine Herrschaftssicherung dieser Art auf Dauer erfolgreich sein? Gab es im Gegensatz zu ihren Vorgängern Reformen oder taktische Veränderungen seitens der aktuellen Machthaber Gurbanguly Berdimuchamedow und Kim Jong-Un?
In den letzten Jahren ist die Zahl unfreier Staaten wieder gestiegen. Zu den Staaten, die laut dem Freedom House Index am wenigsten frei sind, gehören Nordkorea und Turkmenistan, noch schlechter schneiden nur Tibet und Syrien ab. Beide Staaten haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind massiv durch den Personenkult ihrer Herrscher und deren Vorgänger geprägt. Dieser Herrscherkult hat sich in Turkmenistan sowie in Nordkorea zu einem Instrument der Herrschaftssicherung entwickelt, das mit der Unterdrückung von Freiheiten der Bevölkerung einhergeht.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. PERSONENKULT ALS STRATEGIE DER HERRSCHAFTSLEGITIMATION
III. FALLBEISPIEL TURKMENISTAN
3.1 HISTORISCHER ABRISS UND AKTUELLE SITUATION
3.2 PERSONENKULT UM TURKMENISTANS PRÄSIDENTEN
IV. FALLBEISPIEL NORDKOREA
4.1 HISTORISCHER ÜBERBLICK
4.2 PERSONENKULT UM DIE KIM-DYNASTIE
V. VERGLEICHENDE ANALYSE VON TURKMENISTAN UND NORDKOREA
VI. FAZIT
VII. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Personenkult als Instrument der Machtlegitimation in Turkmenistan und Nordkorea und analysiert, wie diese autokratischen Regime ihre Herrschaft durch mediale Inszenierung, Unterdrückung von Opposition und die Etablierung charismatischer Führungsfiguren dauerhaft zu sichern versuchen.
- Theoretische Fundierung von Herrschaft nach Max Weber und David Beetham
- Historische Analyse der Genese autokratischer Strukturen in Turkmenistan und Nordkorea
- Untersuchung der spezifischen Ausgestaltung der Personenkulte um die jeweiligen Machthaber
- Vergleichende Analyse der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Herrschaftslegitimation
- Einschätzung der Stabilität dieser Herrschaftsformen angesichts politischer und sozioökonomischer Krisen
Auszug aus dem Buch
Personenkult als Strategie der Herrschaftslegitimation
Bevor das Fallbeispiel Turkmenistan analysiert wird und ein Vergleich zu Nordkorea gezogen wird, gilt es einen theoretischen Rahmen zu schaffen, in dem der Terminus Personenkult als Strategie der Herrschaftslegitimation näher erläutert wird. Dazu bezieht sich das folgende Kapitel auf die Ausführungen über Herrschaft von den Soziologen Max Weber und David Beetham.
Zunächst muss man bei der Konstruktion eines Personenkults den Unterschied zwischen westlichen Demokratien und Diktaturen beachten. In modernen und aufgeklärten Gesellschaften wird die Schaffung von Helden zumeist belächelt und niemand erfährt Benachteiligung, wenn er die Bewunderung eines Helden nicht teilt. Die Selbstdarstellung von Staatsführern ist nur limitiert möglich, weil es meist eine kritische Opposition gibt. Jedoch sind Personenkulte im Wahlkampf möglich. Außerdem kann man im Zeitalter von Globalisierung, Terrorismus, Finanzkrisen und Kapitalismuskritik eine wachsende Sehnsucht nach Führungsfiguren feststellen. Auch durch moderne Medien können schnell politische Helden geschaffen werden (vgl. Kunze; Vogel 2013: 288).
Im Gegensatz zu den westlichen Demokratien sind Diktaturen und autoritäre Herrschaftsformen anfälliger für Personenkulte. Dort erfolgt dieser Herrscherkult durch den rasanten Aufstieg eines Parteiführers, der die formellen Legitimationsinstanzen (wie transparente Wahlen) umgeht. Personenkult ist hierbei ein flexibler und vielseitiger Begriff. Er ist nicht nur auf die politische Ebene der Herrschaft, sondern auch auf die gesellschaftliche Ebene anwendbar (z. B. auf den Kult um Schauspieler*innen oder Musiker*innen). Als politischer Personenkult kann man die unkritische und quasireligiöse Glorifizierung politischer Führerfiguren bezeichnen. Die Verherrlichung des Führers ist dabei eng verbunden mit medialer Manipulation und Propaganda. Er fungiert auch als Mittel für die politische Sozialisation, also der Erziehung des Volkes im Sinne der Machthaber (vgl. ebd., 319). Dafür wird der öffentliche Raum durch Statuen oder Denkmälern ausgestattet. Bilder und Zitate des jeweiligen Führers sind allseits präsent. Oftmals erfolgt eine Benennung von Schulen, Stadien, Straßen und Plätzen im Namen der Führerfigur. Außerdem werden nahezu alle Lebensbereiche von dieser Person geprägt, d. h. in jedem möglichen Kontext wird auf sie referiert. Der Großteil der Bevölkerung muss diese Verehrung zumindest äußerlich mittragen. „Darin offenbart sich die disziplinierende Macht des Regimes, wodurch der Raum für oppositionelle Meinungen verschwindet.“ (ebd., 319).
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die Relevanz des Themas Personenkult in unfreien Staaten und definiert die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
II. PERSONENKULT ALS STRATEGIE DER HERRSCHAFTSLEGITIMATION: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen anhand der Herrschaftstheorien von Max Weber und David Beetham, um die Mechanismen hinter der Konstruktion von Personenkulten zu verstehen.
III. FALLBEISPIEL TURKMENISTAN: Hier wird die politische Entwicklung Turkmenistans seit der Unabhängigkeit sowie die spezifische Ausprägung des Personenkults unter den Präsidenten Nijasow und Berdimuchamedow analysiert.
IV. FALLBEISPIEL NORDKOREA: Dieses Kapitel befasst sich mit der historischen Genese Nordkoreas und der durchdringenden Bedeutung des Personenkults um die Kim-Dynastie für die Stabilität des Regimes.
V. VERGLEICHENDE ANALYSE VON TURKMENISTAN UND NORDKOREA: Die Analyse stellt die Strategien beider Staaten gegenüber, um Gemeinsamkeiten in der Anwendung von Personenkult zur Herrschaftssicherung herauszuarbeiten.
VI. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten der untersuchten Herrschaftsmodelle unter dem Gesichtspunkt ihrer instabilen Legitimationsbasis.
VII. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Personenkult, Herrschaftslegitimation, Turkmenistan, Nordkorea, Autoritarismus, Diktatur, Max Weber, David Beetham, Propaganda, charismatische Herrschaft, politische Sozialisation, Machtsicherung, Ideologie, Kim-Dynastie, Saparmurat Nijasow
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Mechanismen und Funktionen von Personenkulten als zentrales Mittel der Herrschaftslegitimation in den autokratischen Staaten Turkmenistan und Nordkorea.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Begründung von Herrschaft, der Analyse historischer Kontexte in beiden Ländern sowie der detaillierten Betrachtung, wie Charisma durch mediale Inszenierung und Repression instrumentalisiert wird.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, wie die Personenkulte in Turkmenistan und Nordkorea zur dauerhaften Herrschaftssicherung beitragen und ob diese Form der Legitimation angesichts interner und externer Herausforderungen erfolgreich sein kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer vergleichenden Fallstudienmethode, wobei theoretische Konzepte (insb. von Max Weber und David Beetham) auf die konkreten politischen Situationen in Turkmenistan und Nordkorea angewandt werden.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die spezifische historische und politische Aufarbeitung der Fallbeispiele Turkmenistan und Nordkorea sowie eine vergleichende Synthese der Ergebnisse.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Personenkult, Herrschaftslegitimation, Autoritarismus, charismatische Herrschaft und politische Sozialisation beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Personenkults in Turkmenistan von der in Nordkorea?
Während in Turkmenistan die Personenkulte stark um individuelle Führerfiguren wie Nijasow zentriert waren, basiert der Personenkult in Nordkorea auf einer dynastischen Erbfolge, die tief in einer spezifischen nationalen Ideologie (Juche) verwurzelt ist.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Langzeitstabilität dieser Regime?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Personenkult als Herrschaftslegitimation primär temporären Charakter hat und die instabilen politischen Situationen in beiden Ländern auf Dauer kaum durch die bloße Stilisierung der Herrscher überbrückt werden können.
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- Marie Brockmann (Autor), 2021, Personenkult als Form der Machtlegitimation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1026408