Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang der Persönlichkeitseigenschaften emotionale Intelligenz und Achtsamkeit sowie deren Bedeutung bei emotionsregulativen Prozessen. An ein Übersichtskapitel in welchem der theoretische Hintergrund der Arbeit vorgestellt wird, schließt sich eine Studie, die wiederum zweigeteilt ist, an. Das Übersichtskapitel umfasst aktuelle Theorien und Modelle aus der Emotions- und Persönlichkeitspsychologie und versucht die beiden Felder zusammenzuführen.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Definition der beiden Persönlichkeitseigenschaften Emotionale Intelligenz und Achtsamkeit und deren Einordnung in die Theorien der Emotionsentstehung und -regulation. Die darauffolgende Studie dient der empirischen Untersuchung des Zusammenhangs selbstberichteter emotionaler Intelligenz und Achtsamkeit. Darüber hinaus wird der Effekt dieser auf den Entstehungs- und Regulationsprozess negativer Emotionen getestet.
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der Menschen an ihren Erfolgen gemessen und für ihre Niederlagen verurteilt werden. In kaum einem anderen Land der Welt werden Misserfolge so sehr geächtet wie in Deutschland. Gepaart mit einer der wichtigsten Entwicklungen unserer Gegenwart, der Digitalisierung und gesellschaftlich zunehmendem Optimierungswahn, können Misserfolge besonders schmerzen. Unser Leben und Wirken spielt sich zunehmend in einer virtuellen Realität ab, in der uns die Erfolgserlebnisse unserer Mitmenschen ständig vor Augen geführt werden und uns eine alles durchdringende Feedbackkultur permanent auf Erfolg überprüft.
Im Zeitalter des modernen Individualismus wird Erfolg an das Vermögen gekoppelt, das Leben selbst zu gestalten, was dazu führt, dass Misserfolge nicht länger als Pech, sondern als selbstverschuldet empfunden werden. Scham, Enttäuschung und Frust sind oft die Folgen. Gerade solche negativen Emotionen, so scheint es, nehmen in der Gesellschaft immer stärker zu. Mehr und mehr Menschen sind offensichtlich schier überfordert mit den (sich immer schneller verändernden) Lebensumständen unserer Zeit.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Theoretischer Hintergrund
Emotionspsychologie
Emotionsbegriff
Klassifizierung von Emotionen
Funktion und Wirkung von Emotionen
Emotionsregulation (ER)
Persönlichkeitspsychologie
Persönlichkeitsbegriff
Eigenschaftspradigma
Emotionsbezogene Persönlichkeitseigenschaften
Zusammenfassung
Empirische Untersuchung
Methoden Teil 1
Überblick/Design
Stichprobe
Material
Durchführung
Auswertung
Ergebnisse Teil 1
Itemanalyse
Korrelationsanalyse
Diskussion Teil 1
Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
Limitationen, Stärken und Schwächen
Methoden Teil 2
Überblick/Design
Stichprobe
Material
Durchführung
Auswertung
Ergebnisse Teil 2
Manipulation
Itemanalyse
Moderation
Diskussion Teil 2
Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
Limitationen, Stärken und Schwächen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitseigenschaften Emotionale Intelligenz und Achtsamkeit und analysiert deren Bedeutung für die Emotionsregulation. Ziel ist es zu ergründen, ob diese Eigenschaften als Prädiktoren für die Bewältigung negativer Emotionszustände dienen können und ob eine konzeptionelle Nähe zwischen den beiden Konstrukten besteht.
- Analyse theoretischer Modelle der Emotions- und Persönlichkeitspsychologie
- Empirische Untersuchung des Zusammenhangs von Trait Emotional Intelligence (TEI) und Achtsamkeit
- Experimentelle Prüfung der Auswirkungen von Persönlichkeitseigenschaften auf die Emotionsentstehung
- Diskussion über die Rolle der Emotionsregulation bei Misserfolgserlebnissen
Auszug aus dem Buch
Emotionsbegriff
“Everyone knows what an emotion is, until asked to give a definition. Then, it seems, no one knows.” (Fehr & Russell, 1984, S.464). Aus diesem Zitat wird ersichtlich, vor welchem zentralen Problem die Wissenschaft im Bereich der Emotionspsychologie steht: Es [gibt] gegenwärtig keine allgemein akzeptierte Emotionsdefinition“ (Rothermund & Eder, 2011, S. 167). Kleinginna & Kleinginna (1981) fanden allein für den Emotionsbegriff 90 verschiedene Definitionen. Verschärft wird diese Problematik durch eine Vielzahl an Begrifflichkeiten, die von Wissenschaftler*innen „zum Teil Synonym verwendet oder aber als (Sub-) Kategorien (für die Bestimmung) von Emotionen herangezogen werden“ (Huber, 2020, S.62).
Aufgrund ihrer großen Bedeutung für die vorliegende Arbeit, kann nicht darauf verzichtet werden, wichtige Begrifflichkeiten definitorisch festzulegen. Der begrenzte Umfang, macht es zugleich jedoch notwendig, eine knappe Arbeitsdefinition vorzunehmen. Die folgenden Ausführungen fokussieren sich deshalb auf drei Begriffe, welche in der Emotionsforschung hauptsächlich Verwendung finden: Affekt, Emotion und Stimmung (Bräuer, 2005).
Affekt. Im Alltagsverständnis wird der Affekt als eine zeitlich kurze, besonders intensive Gefühlsregung verstanden, die mit starken Verhaltenstendenzen und/oder dem Verlust von Handlungskontrolle einhergeht (Huber, 1987). In der Emotionsforschung hat der Begriff hingegen eine vollkommen andere Bedeutung. Dort wird er häufig als Oberbegriff verwendet, der alle globalen psychophysischen Zustände oder Befindlichkeiten umfasst, unabhängig von ihrer Dauer, Qualität oder Bewusstseinsnähe (Ciompi, 2003). Auch im Rahmen dieser Arbeit wird Affekt als übergeordnete Kategorie verwendet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Emotionen in der Leistungsgesellschaft und führt in die Konstrukte Achtsamkeit und Emotionale Intelligenz als Ressourcen zur Emotionsregulation ein.
Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel verknüpft aktuelle Theorien aus der Emotions- und Persönlichkeitspsychologie und definiert die zentralen Fachbegriffe für die nachfolgende empirische Arbeit.
Empirische Untersuchung: Hier wird das experimentelle Studiendesign vorgestellt, das zur Überprüfung des Zusammenhangs zwischen den Persönlichkeitskonstrukten und deren moderierender Wirkung auf Emotionen konzipiert wurde.
Methoden Teil 1: Dieser Abschnitt erläutert die Durchführung der Online-Umfrage, die zur Erfassung der Persönlichkeitseigenschaften von 99 Teilnehmern diente.
Ergebnisse Teil 1: Die Ergebnisse zeigen eine signifikante positive Korrelation zwischen der Emotionalen Intelligenz und Achtsamkeit auf.
Diskussion Teil 1: Es wird interpretiert, dass eine konzeptionelle Nähe zwischen den Konstrukten besteht, wobei Achtsamkeit als mögliche Basis für die Stärkung emotionaler Intelligenz diskutiert wird.
Methoden Teil 2: Hier wird das experimentelle Setting beschrieben, welches mittels einer Misserfolgsmanipulation und anschließender Emotionsmessung die Emotionsregulation prüfte.
Ergebnisse Teil 2: Die Manipulation führte bei den Probanden zu einer messbaren Zunahme negativer Emotionen, wobei die Interaktionseffekte der Persönlichkeitsmerkmale nicht signifikant waren.
Diskussion Teil 2: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, wobei Limitationen des Online-Versuchsdesigns und die Komplexität der Emotionsregulation im Vordergrund stehen.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein starker Zusammenhang zwischen den Konstrukten existiert, jedoch weiterführende Forschung zur kausalen Moderation durch Persönlichkeitseigenschaften notwendig ist.
Schlüsselwörter
Emotionale Intelligenz, Achtsamkeit, Emotionsregulation, Persönlichkeitspsychologie, Trait EI, Emotionsentstehung, Misserfolg, psychologische Ressourcen, Leistungsgesellschaft, empirische Studie, TEIQue, FFMQ, Korrelationsanalyse, Moderatoranalyse, psychische Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Persönlichkeitseigenschaften Emotionale Intelligenz und Achtsamkeit mit der Fähigkeit zur Emotionsregulation zusammenhängen und ob sie Menschen bei der Bewältigung negativer Emotionen unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Emotionspsychologie, insbesondere die Entstehung und Regulation von Emotionen, sowie die Persönlichkeitspsychologie mit einem Fokus auf trait-basierte Eigenschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist zu klären, ob ein empirischer Zusammenhang zwischen Emotionaler Intelligenz und Achtsamkeit besteht und ob diese Eigenschaften den Prozess der Emotionsentstehung nach einem Misserfolg moderieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein zweiteiliger Forschungsansatz gewählt: Teil 1 bestand aus einer Online-Fragebogenstudie zur korrelativen Untersuchung der Persönlichkeitsmerkmale, Teil 2 aus einem experimentellen Online-Setting zur Induktion von Misserfolg.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Fundierung die Durchführung der Studie, die statistische Auswertung der Daten mittels SPSS sowie die detaillierte Diskussion der Ergebnisse und methodischen Limitationen dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Emotionale Intelligenz, Achtsamkeit, Emotionsregulation, Trait-Konstrukte, Misserfolgsmanipulation und psychische Resilienz.
Warum wurde eine Misserfolgsmanipulation durchgeführt?
Die Manipulation mittels unlösbarer Zahlenreihen sollte gezielt negative Emotionen hervorrufen, um zu testen, ob Teilnehmer mit höheren Werten in Emotionaler Intelligenz oder Achtsamkeit besser in der Lage sind, diesen negativen Effekt zu regulieren.
Welche Rolle spielt das Modal Modell of Emotion nach Gross & Thompson?
Das Modell dient als theoretischer Rahmen, um zu verstehen, an welcher Stelle innerhalb der zeitlichen Sequenz der Emotionsentstehung die untersuchten Persönlichkeitseigenschaften (Achtsamkeit und Emotionale Intelligenz) regulierend eingreifen könnten.
Was ergab die Analyse der Korrelation zwischen den beiden Persönlichkeitsmerkmalen?
Die Analyse ergab eine signifikante, starke positive Korrelation zwischen der Emotionalen Intelligenz und der Achtsamkeit, was für eine konzeptionelle Nähe der beiden Konstrukte spricht.
Wie werden die Limitationen der Studie bewertet?
Die Autorin weist kritisch auf die hohen Dropout-Raten im zweiten Teil, das nicht repräsentative Stichprobenkollektiv sowie auf methodische Fehler im Umfragedesign hin, die eine Interpretation der Ergebnisse einschränken.
- Arbeit zitieren
- Amela Kadric (Autor:in), 2020, Emotionale Intelligenz und Achtsamkeit. Zusammenhang und Bedeutung bei emotionsregulativen Prozessen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1026507