Welche Rolle kann und sollte die politische Bildung in der Resozialisierung strafgefangener Jugendlicher einnehmen?


Studienarbeit, 2021

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Relevanz der politischen Bildung für Sozialarbeiter*innen im Kontext der Resozialisierung Jugendlicher

2 Welche Rolle kann politische Bildung in der Resozialisierung Jugendlicher einnehmen?
2.1 Analyse institutioneller Resozialisierung
2.1.1 Definition Resozialisierung
2.1.2 Angestrebte Ziele der institutionellen Resozialisierungsbemühungen
2.2 Einordnung politische Bildung
2.2.1 Definition politische Bildung
2.2.2 Angestrebte Ziele politischer Bildung
2.3 Bezug auf aktuelle Forschung zur Thematik
2.3.1 Beschreibung der Studie „Politische Bildung im Jugendstrafvollzug“
2.3.2 Darstellung der relevantesten Ergebnisse mit Einordnung in den Kontext der Thematik

3 Was könnte und sollte die politische Bildung im Jugendstrafvollzug und zur

Resozialisierung der Jugendlichen leisten?

Literaturverzeichnis

1 Relevanz der politischen Bildung für Sozialarbeiter*innen im Kontext der Resozialisierung Jugendlicher

Jugendliche Straftäter sind Jugendliche. Sie sind nicht ihre Straftaten und sollten auch nicht auf jene reduziert werden. Sie haben genauso Rechte wie junge Menschen, die nicht delinquent wurden. Dazu gehört, dass Jugendliche das Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft haben (Behr 2015: 49). Diesen Jugendlichen ist durch den Freiheitsentzug schon ein enormer Teil dieser gesellschaftlichen Teilhabe entzogen. Ein Aspekt gesell­schaftlicher Teilhabe - die politische Bildung und politische Teilhabe - kann und sollte ihnen jedoch auch im Strafvollzug ermöglicht werden. Außerdem haben jugendliche In­haftierte ein Recht auf Bildung, wozu die politische Bildung gehört.

Des Weiteren ist die Soziale Arbeit mit jugendlichen Strafgefangenen Teil der Jugend­arbeit. Und die „Beteiligung und politische Bildung sind zentrale Aufgaben der Jugend­arbeit, verankert im SGB VIII (§ 11)“ (Kammerer / Menzke 2014: 29). Benachteiligte Ju­gendliche - zu welchen Strafgefangene junge Menschen zählen - haben einen beson­deren Bedarf an politischer Bildung, da diese meist eine stärkere Unterstützung zur Teil­habe an der Gesellschaft benötigen und bisher diesbezüglich im Vergleich zu anderen jungen Menschen im Nachteil sind. Auch die allgemein hohen Bildungsdefizite unter strafgefangenen Jugendlichen, machen deutlich, dass im Jugendstrafvollzug politische Bildung „weitaus notwendiger“ (Anne Frank Zentrum 2019: 28) ist als in der freien Sozi­alen Arbeit.

Die Notwendigkeit politischer Bildung im Jugendstrafvollzug ist also nicht abzustreiten. Doch stellt sich die Frage, inwiefern die politische Bildung im Jugendstrafvollzug zum obersten Vollzugsziel - der Resozialisierung - beitragen kann und vielleicht sollte? Um hierauf einen Antwortansatz zu finden, werden im Folgenden zunächst die Begriffe Re- sozialisation und politische Bildung definiert und ihre jeweiligen Zielsetzungen erklärt. Dann werden aktuelle Forschungsergebnisse zur Thematik vorgestellt und in den Kon­text eingeordnet, um abschließend die, in diesem Kapitel aufgeworfene, Fragestellung zu diskutieren.

2 Welche Rolle kann politische Bildung in der Resozialisierung Jugendlicher einnehmen?

2.1 Analyse institutioneller Resozialisierung

2.1.1 Definition Resozialisierung

Die Kernaufgabe des Strafvollzuges - die Resozialisierung - ist in § 2 Strafvollzuggesetz rechtlich festgelegt. In diesem Paragraph ist das Vollzugsziel definiert, dass der Strafge­fangene zukünftig nach Entlassung aus der Haft ein straffreies Leben „in sozialer Ver­antwortung“ (§ 2 StVollzG) führen soll. Als weiterer Grund für die Freiheitsstrafe wird der angestrebte Schutz der Gesellschaft vor weiteren Straftaten aufgeführt, was durch die Resozialisierung erreicht werden soll (ebd.). Denn, indem der straffällig gewordene Mensch erlernt und verinnerlicht sein Leben als Teil der Gesellschaft ohne weitere Straf­taten zu führen, werden zukünftig, wenn die Resozialisierung erfolgreich ist, keine wei­teren Bürger*innen unter Straftaten dieser Person leiden müssen. Damit dient die Reso­zialisierung nicht allein dem Gefangenen, sondern auch der Allgemeinheit. Die Resozi­alisierung stellt neben der Kernaufgabe des Vollzuges damit auch den Strafzweck dar (Bundeszentrale für politische Bildung 2020).

Bei der Resozialisierung der Gefangenen geht es also darum, ihnen bei ihrer Wiederein­gliederung bzw. (erneuten) Integration in die (straffrei handelnde) Gesellschaft zu helfen. Hierfür bedarf es einer Entwicklung des Individuums durch Lernprozesse. Diese Lern­prozesse werden u.A. zu initiieren versucht durch formale sowie non-formale und infor­melle Bildungsmaßnahmen (Anne Frank Zentrum 2019: 6).

Wie in § 4 des StVollzG bestimmt, soll der Gefangene bei dem Erreichen des Vollzugs­ziels (also der Resozialisierung) mitwirken. Dies geschieht zum Beispiel durch die Teil­nahme an schulischen sowie außerschulischen Maßnahmen (unter Anderem solchen politischer Bildung), das Erlernen bzw. die Ausbildung in einem Beruf, (freiwilliges) En­gagement in Kompetenztrainings oder anderen Angeboten. „Seine Bereitschaft hierzu ist zu wecken und zu fördern“ (§ 4 StVollzG).

2.1.2 Angestrebte Ziele der institutionellen Resozialisierungsbemühungen

Das oberste Ziel der Resozialisierung ist natürlich, wie bereits oben erwähnt, dass der Gefangene nach seiner Entlassung ein Leben in sozialer Verantwortung und ohne Straf­taten führen wird. D.h. es wird angestrebt, dass der Gefangene „sich in das Leben in Freiheit einzugliedern[sic]“ (§ 3 StVollzG) werden kann.

Um dieses oberste Ziel der Resozialisierung zu erreichen, müssen jedoch vorher ver­schiedenste Lern- und Entwicklungsziele angestrebt und erreicht werden. Diese variie­ren von Person zu Person. Einige Strafgefangene müssen tatsächlich re-sozialisiert wer­den, da sie bisher in ihrem Leben keine wirksame, gute Sozialisierung erfahren haben.

Andere - gerade Jugendliche Strafgefangene - benötigen v.a. Unterstützung dabei be­ruflich ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Vielen fehlt ein gültiger Schulabschluss, welchen Sie im Strafvollzug nachholen können, um dann eine Berufsausbildung antreten zu können. Die genannten Bildungsmaßnahmen zielen eben meist auf einen qualifizie­renden Abschluss und aber auch die Stärkung sozialer Fähigkeiten ab, was den Gefan­genen die spätere Wiedereingliederung in das berufliche und soziale Leben vereinfa­chen soll (Anne Frank Zentrum 2019: 6).

Es gibt jedoch auch Menschen, die als nicht in diesem Sinne resozialisierbar gelten. Hier ist das Ziel des Resozialisierungsgrundsatzes, dass ein humaner Vollzug gewährleistet sein muss. Wie ein solcher gestaltet werden soll, ist im Strafvollzugsgesetzbuch definiert.

2.2 Einordnung politische Bildung

2.2.1 Definition politische Bildung

Politische Bildung umfasst „(...) alle Formen absichtsvoller pädagogischer Einwirkung auf Prozesse der politischen Sozialisation (...)“ (Sander 2014: 11). Jedoch ist dies nur eine vieler Definitionen und Erklärungen des Begriffs „politische Bildung“. So gibt es nicht nur eine einzige anerkannte Definition hierfür. Denn politische Bildung ist vielfältig, kont­rovers, viel diskutiert und divers. Sie wird zum Beispiel als „notwendige Voraussetzung“ (Anne Frank Zentrum 2019: 5) für eine funktionierende Demokratie gesehen oder als „aktive, öffentliche und kommunikative Verständigungspraxis“ (Schäfer 2020: 13).

Auch aus der Studie zur politischen Bildung im Jugendstrafvollzug, veröffentlicht durch das Anne Frank Zentrum (2019), gehen verschiedenste Verständnisse politischer Bil­dung hervor. Die Mitarbeitenden des Vollzugs sowie die Inhaftierten verordnen die poli­tische Bildung mehr auf der Wissens- als Handlungsebene und sie ist von ihnen thema­tisch breit gedacht. Für die politischen Bildner*innen gehören zu politischer Bildung jeg­liche „Formate, die darauf abzielen, die Teilnehmenden darin zu fördern, sich ein Urteil zu bilden und an Meinungsbildungsprozessen teilzunehmen und aktiv gestalterisch auf ihre Umwelt einzuwirken“ (Anne Frank Zentrum 2019: 28). Hier findet sich also auch eine weite Definition des Begriffs.

Neben der formalen/ schulischen politischen Bildung findet die politische Bildung auch eine außerschulische Verordnung beispielsweise in der Jugendarbeit nach § 11 SGB VIII. Als solche ist sie ein wichtiger Aspekt der außerschulischen Bildung.

Auch die Inhalte politischer Bildung sind sehr vielfältig. Ein wichtiger Aspekt ist die Wis­sens- und Informationsvermittlung (Themen wie Politiker, Parteien, Gewaltenteilung, Be­griffsdefinitionen, etc.). Jedoch geht politischen Bildung darüber hinaus, denn weitere Inhalte sind, die aktuelle politische Situation zu analysieren, Werte zu vermitteln, aktuelle politische Themen zu diskutieren, Einflussmöglichkeiten auf politische Bedingungen zu finden und ein eigenes Interesse zu entwickeln.

Trotz der verschiedensten Definitionen und Inhalte politischer Bildung, gibt es doch ei­nen zentralen Bezugspunkt. Der Beutelsbacher Konsens mit seinen drei grundlegenden Prinzipien, „ist seit den 1970er Jahren eine zentrale Referenz für politische Bildner*in- nen“ (Dr.in Westphal 2020). Die Elemente des Beutelsbacher Konsens sind: das Über­wältigungsverbot (bzw. Indoktrinationsverbot), das Kontroversitätsgebot und die Befähi­gung der Lernenden, ihre eigenen Interessen bezüglich politischer Umstände zu analy­sieren (ebd.).

2.2.2 Angestrebte Ziele politischer Bildung

Dem Beutelsbacher Konsens und seinen drei Elementen zufolge, soll die politische Bil­dung das Ideal des mündigen Bürgers/ der mündigen Bürgerin verfolgen (Dr.in Westphal 2020). Die Menschen, die politische Bildung erfahren, sollen befähigt werden, an der demokratischen Gesellschaft teilzuhaben und zu partizipieren und sich selbst zu organi­sieren. Dazu wird angestrebt, dass die Menschen Eigenschaften wie Kompromissbereit­schaft, Akzeptanz und Verantwortungsübernahme entwickeln oder ausbauen (Kamme­rer / Menzke 2014: 29). Um in der Demokratie partizipieren zu können, muss jede*r Bür- ger*in eine eigene politische Meinung bilden, sowie diese anhand aktueller politischer Geschehnisse reflektieren und diskutieren können. Ebenso wichtig ist es, dass sie alle lernen andere Meinungen hinzunehmen. Denn für politische Bildner*innen ist es wichtig, „dass politische Bildung dazu dienen soll, gesellschaftliche Konflikte und Widersprüche nicht zu neutralisieren, sondern besprechbar zu machen“ (Schäfer 2020: 2f).

Außerdem kann politische Bildung auch zur Extremismusprävention oder Bewältigung sozialer Probleme eingesetzt werden (Schäfer 2020: 13). Dazu müssen Dinge wie Aus­grenzung, Rassismus, Antisemitismus und Islamismus thematisiert und dafür sensibili­siert werden.

Die angestrebten Ziele politischer Bildung können jedoch auch weiter gedacht werden als spezifisch im Kontext „Politik“. So können auch allgemein wichtige Kompetenzen ge­fördert werden wie Kritikfähigkeit, Kommunikationskompetenzen, Selbstständigkeit (im Denken und Handeln), Reflexionskompetenzen, usw. Die kritische politische Bildung for­muliert zum Beispiel „auch Emanzipation und gesellschaftliche Veränderung als Ziele“ (Schäfer 2020: 15). Womit im weitesten Sinne nach Schäfer soziale Probleme gelöst werden könnten. Auch die Frankfurter Erklärung benennt Ziele der politischen Bildung, die über die des Beutelsbacher Kongresses hinausgehen und umfassender gehalten sind. Sie fordert eine Auseinandersetzung mit aktuellen Krisen, Konflikten und Dissen­sen. Politische Bildung soll Machtkritik einüben und konkrete Handlungs- und Partizipa­tionswege an der gesellschaftlichen Praxis darstellen (Dr.in Westphal 2020).

2.3 Bezug auf aktuelle Forschung zur Thematik

2.3.1 Beschreibung der Studie „Politische Bildung im Jugendstrafvollzug“

Um im Fazit die Forschungsfrage auch empirisch begründet diskutieren zu können, wird im Folgenden die Studie „Politische Bildung im Jugendstrafvollzug“ beschrieben, die re­levantesten Ergebnisse dargestellt und in den Kontext gesetzt.

Die Pilotstudie wurde durch ein Team der Hochschule Merseburg in Zusammenarbeit mit dem Anne Frank Zentrum. „Für die Pilotstudie wurden bundesweit Mitarbeiter*innen der Justizvollzugsanstalten, externe politische Bildner*innen sowie inhaftierte Jugendli­che befragt“ (Anne Frank Zentrum 2019: 3). Dabei wurden zudem Selbst- und Fremdein­schätzungen der Befragten erforscht (ebd.: 15).

In der Studie sollte dargestellt werden, wie politische Bildung im Jugendstrafvollzug ver­läuft im Bereich der formalen sowie non-formalen und informellen Bildung. Es werden durchgeführte Angebote aufgeführt und erkannte Bedarfe beschrieben. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen, geben die Autoren zusätzlich Handlungsempfehlungen für die Durchführung politischer Bildung im (Jugend-) Strafvollzug.

Die in der Studie gestellten Fragen wurden unterteilt in Leitfragen und Fragen zu spezi­fischen Zielgruppen. Die Leitfragen waren gemäß Anne Frank Zentrum (2019: 12) folgende: Wie ist der Stand politischer Bildung im Strafvollzug? Was ist politische Bil­dung? Welche Spezifika hat politische Bildung im Vollzug? Welchen Stellenwert hat po­litische Bildung?

Außerdem wurden folgende Fragen zu der Zielgruppe der Jugendstrafgefangenen er­fragt: Welche politischen Einstellungen und Haltungen zeigen die Jugendlichen? Was bedeutet politische Bildung für sie? Welche Angebote politischer Bildung nutzen die In­haftierten? Welche Bedarfe werden von Jugendlichen in Haft selbst artikuliert (Anne Frank Zentrum: 13)?

Methodisch wurde die Untersuchung „als triangulativer Prozess gestaltet“ (ebd.: 15). Die drei Perspektiven der Befragung stellten die oben genannten interviewten Personen­gruppen dar. Durchgeführt wurde das Befragen mit qualitativen und quantitativen Me­thoden in Form von Leitfadeninterviews und quantitativen Fragebögen. Dabei „wurden Haftanstalten in 15 Bundesländern in die Erhebung einbezogen“ (ebd.: 15).

2.3.2 Darstellung der relevantesten Ergebnisse mit Einordnung in den Kon­text der Thematik

Die Zentralen Ergebnisse der Erhebung finden sich auf den Seiten 18 - 44 im Studien­bericht (Anne Frank Zentrum 2019). In diesem Kapitel werden alle für die, in der Einlei­tung aufgeworfene, Fragestellung relevanten Ergebnisse beschrieben und in den Kon­text der Studienarbeit eingeordnet.

Die Ergebnisse aus den Befragungen wurden je in Kategorien, welche die Lernwelten, die Akteure und abstrakte Themen des Forschungsprojekts betreffen, zusammengefasst (Anne Frank Zentrum 2019: 18).

Laut den Mitarbeitenden der beteiligten Haftanstalten, erfolgt die formale politische Bil­dung hauptsächlich in Form einer Wissens- und Informationsvermittlung innerhalb ver­schiedenster Unterrichtsfächer. Die Inhalte werden meist dem Lehrplan entnommen. Die im Unterricht behandelten Themen sind vielfältig. Z.T. wird zusätzlich durch die Päda- gog*innen versucht „demokratische Entscheidungen anzuregen“ (ebd.: 18). Diese Praxis der politischen Bildung wurde von den Befragten kritisiert aufgrund fehlender Zeit, kaum vorhandenem Vorwissen und Interesse vonseiten der Inhaftierten und, da der Unterricht nicht an die Lebenswelt dieser angepasst sei (ebd.: 19). Diese formale Bildungsform ist ein wesentlicher Teil der institutionellen Resozialisierung des Jugendstrafvollzugs in Deutschland. Die Jugendlichen Strafinsassen sollen wie nicht-inhaftierte Jugendliche eine schulische Ausbildung erlangen.

In der Kategorie „non-formale Bildung“ wurden sowohl anstaltsinterne Projekte sowie externe Projekte angeführt wie z.B.: Antigewalttrainings, Soziale Kompetenztrainings oder Workshop-Angebote, welche zumeist auch das Resozialisierungsziel verfolgen. Hier ist also eine starke Verknüpfung zwischen angestrebter Resozialisierung und non­formaler politischer Bildung erkennbar. In den non—formalen Bildungssettings wird im Vergleich zu den formalen weitaus stärker in der Lehrmethodik variiert. Hier wurde zum Beispiel von der Peer Education als erfolgreiches, niedrigschwelliges und zugleich auf der Persönlichkeitsebene komplexes Konzept berichtet (Anne Frank Zentrum 2019: 20). Die anstaltsexternen politischen Bildner*innen gaben an, dass stets versucht würde, bei den vielseitigen non-formalen Bildungsprojekten und -veranstaltungen einen Bezug zur Lebenswelt der Inhaftierten zu ermöglichen und multimethodisch zu arbeiten. Diese Pro­jekte werden immer auf freiwilliger Basis angeboten (ebd.: 27). Die Vielseitigkeit, der Lebensweltbezug, die Freiwilligkeit und der multimethodische Ansatz ermöglichen eine ebenso breite Palette an Auswirkungen und positiven Effekte der Projekte. Es können verschiedene Kompetenzen - darunter auch Sozialkompetenzen - erlernt oder eingeübt werden, Lern-, Reflexions- und Denkprozesse können angestoßen und in langwierigen Einheiten auch vertieft werden und damit auch Einstellungs- und Verhaltensänderungen herbeigeführt werden, was natürlich auch die Resozialisierung der Inhaftierten begüns­tigten kann.

Die Prozesse der informellen Bildung in den Haftanstalten seien nur schwer zu doku­mentieren, da diese lediglich situativ und spontan entstehen (ebd.: 21).

Wie schon im Kapitel 2.2.1 erwähnt, variieren die Definition politischer Bildung der Mit­arbeitenden untereinander und es wird z.T. ein weites Verständnis beschrieben. Es fällt jedoch auf, dass die Mitarbeitenden politische Bildung dem Kognitiven zuordnen und nicht einer Handlungsebene. Es geht laut ihnen also eher darum den Insassen, Fakten­wissen über verschiedene, der „Politik“ zugeordneten, Themenbereiche zu vermitteln (ebd.: 21). Trotz der vielen genannten hierbei aufkommenden Themen wurde Demokra­tie kaum als thematisiert genannt (Anne Frank Zentrum 2019: 22). Die externen politi­schen Bildner*innen hingegen verbinden die politische Bildung nicht allein mit einer rei­nen Wissensvermittlung (ebd.: 33). Für den Beitrag zu einem Unterstützen der Inhaftier­ten zu einer späteren Wiedereingliederung in die Gesellschaft sind sowohl die Wissens­ebene also ihre „bessere“ Bildung von Bedeutung als auch die Handlungsmöglichkeiten als Teil einer Gesellschaft.

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Details

Titel
Welche Rolle kann und sollte die politische Bildung in der Resozialisierung strafgefangener Jugendlicher einnehmen?
Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1030110
ISBN (eBook)
9783346431240
ISBN (Buch)
9783346431257
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Politische Bildung, Resozialisierung, JVA, Jugendstrafvollzug
Arbeit zitieren
Tamara Wätzig (Autor:in), 2021, Welche Rolle kann und sollte die politische Bildung in der Resozialisierung strafgefangener Jugendlicher einnehmen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030110

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