Pluralistische Religionstheorie nach John Hick


Ausarbeitung, 2000
11 Seiten

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Einleitung

Die Pluralistische Religionstheologie ist ein Denkmuster, welches von einer äquivalenten Gleichordnung der Religionen ausgeht.

Derzeit liegen zu diesem Denkmuster erst eine kleine Anzahl von Entwürfen vor, so dass man noch nicht von einem vollständig entwickelten Modell sprechen kann.

Im wesentlichen lassen sich aber bereits 2 Zentralsätze, welche noch sehr allgemein gehalten sind, formulieren:

1. Alle Religionen stehen in einem Zusammenhang letztlicher

GEMEINSAMKEIT, sie gehen auf den gleichen Transzendenzgrund zurück, sie sind in vielen Wesenszügen einander verwandt und steuern auf dasselbe Heilsziel zu.

2. In den Religionen kommt diese letztliche Einheit zu einer kontextspezifischen VERSCHIEDENEN Ausgestaltung.

John Hick:

Der wohl prominenteste Wegbereiter dieses Denkmusters ist John Hick.

Als evangelischer Christ wandte er sich unter dem Eindruck religiöser Vielfalt von diesem, dem Christentum ab und beschäftigte sich intensiv mit der buddhistischen Spiritualität.Diese Beschäftigung führte ihn hin zu der Frage nach einer Theologischen Neubestimmung der christlichen Religionsbeurteilung. Im folgenden soll sein Modell,welches er auf diese Fragestellung entworfen hat, dargestellt werden.

MODELL

In seinem Modell von Pluralistischer Religionstheologie ist das Subjekt des religiösen Geltungsanspruches nicht mehr die Kirche/das Christentum oder Christus;sondern er stellt Gott in das Zentrum der Religion(en) und deren theologischer Reflexion.

Das heisst,die Absolutheit gebührt einzig und allein Gott und nicht der Kirche/dem Christentum oder Christus.

=> Der Absolutheitsanspruch des Christentums ist durch die Theozentrik von John Hick geleugnet!

Das Verschieben des Zentrums von Kirche/Christentum/Christus hin zu Gott ist für Hick notwendig, wie auch die Ablösung des geozentrischen Systems (Erde als Mittelpunkt des Weltalls) durch das heliozentrische System des Kopernikus(die Planeten umkreisen die Sonne) notwendig war. Ebenso wie hier das Zentrum des Weltalls von der Erde auf die Sonne verschoben wurde, so soll es in Zukunft auch in der Theologie sein: Die außerchristlichen Religionen sollen nicht mehr um das Christentum kreisen, sondern alle Religionen(auch das Christentum)sollen einzig und allein um Gott zentriert werden, er allein hat einen Absolutheitsanspruch!

Diese Forderung ,Gott in das Zentrum zu stellen begründet Hick durch seine Definition von Religion und Religionsgeschichte.

RELIGION:

So ist sein Religionsbegriff ein auf Erfahrung beruhend- induktiver,der sich an Phänomenologie und Geschichte orientiert.

Religionen sind nach Hick nicht göttliche,sondern durch und durch menschliche Kreationen (vgl. religionskritische Tradition, Bsp. Projektionstheorie Feuerbachs) Aber: und hier trennt Hick sich wieder von dieser religionskritischen Tradition, sie sind menschliche Gebilde, die sich aus der Begegnung mit einer geschichtstranszendenten Wirklichkeit ergeben haben. Die Grundlage aller Religion ist also nach Hick die lebendige religiöse Transzendenzerfahrung!

Mit dieser Erfahrung ist es ,so veranschaulicht Hick es , wie mit der Materie.

Ebenso wie diese sich ohne Form nicht verwirklichen kann und form- los bleibt, so eröffnet sich auch die Transzendenzerfahrung nur in Gestalt oder Form von Glaubensvorstellungen, nicht jedoch in ihrer absoluten Reinform.

RELIGIONSGESCHICHTE:

Die anfängliche Erfahrung formiert sich also als Glauben, dieser rationalisiert sich in theologischer Lehre und institutionalisiert sich zu rituellen und symbolischen Gestaltungen des religiösen Gemeinschaftslebens!

=>Es entstehen in sich geschlossene und nach außen autonome und abgeschlossene Gruppen, die soziokulturell und intellektuell (auf theologischem Gebiet) Einheiten bilden z.B. Christentum, Judentum, Hinduismus ... Die Sichtweise, Religionen in verschiedene „Blöcke“ zu teilen hat zur Folge, dass diese religiösen Blöcke untereinander in Konkurrenz treten was den Wahrheitsanspruch der Religion betrifft.

RELIGIONSGESCHICHTE (nach Hick):

Hick stellt dieser Anschauung die Statik des Nebeneinanders gegenüber. Er spricht nicht von „Religionsblöcken“, sondern von einem durch die Menschheitsgeschichte fließenden „Strom des religiösen Lebens“.

=>Die verschiedenen Religionen sind nur kulturgebundene Zweige dieser EINEN religiösen Menschheitsbewegung!

Religion ist also nach Hick „ein Phänomen der Menschheitsgeschichte, welches sich aus dem Zusammenwirken von göttlicher Initiative und menschlicher Antwort -in Wechselwirkung mit einem gegebenen kulturellen Kontext entfaltet“. Die verschiedenen Religionen der Welt sind also demnach nichts anderes als verschiedene Ströme in die sich die EINE menschlich-religiöse Erfahrung kanalisiert hat!

Diese These der Kulturgebundenheit der Religionen und die damit verbundene Notwendigkeit der Vielfalt untermauert Hick mit einem Argument, welches den Übergang von der Naturreligion zur Offenbarungsreligion in den Mittelpunkt stellt.

Ging es in den Naturreligionen primär um den Erhalt der kosmischen und sozialen Ordnung; hatte die Religion also eine konservierend-stabilisierende Funktion, so stand mit dem Aufkommen der Offenbarungsreligion im Zentrum das Angebot einer überweltlichen Erlösung in einer höheren Realität!

Zur Zeit des Aufkommens der Offenbarungsreligion war eine Kommunikation unter den verschiedene Kulturkreisen schon kaum noch möglich, so dass Gott Seine Offenbarung also zeitlich und räumlich dezentralisieren „musste“. Sie konnte nicht in einem Akt erfolgen, da die Geschichte, durch die sie gehen musste, aus vielen Geschichten/Kulturen bestand!

Die Folge daraus war, so sieht es Hick, dass die EINE Offenbarung des EINEN Gottes auf verschiedene Weisen ausgestaltet wurde.

Die EINE Offenbarung wird also auf verschiedene Weise realisiert und konzeptualisiert; die EINE göttliche Wirklichkeit wird mit unterschiedlichen Namen versehen und auf unterschiedliche Art und Weise verehrt. Trotz dieser augenscheinlichen Unterschiede in Namengebung und Verehrung postuliert Hick eine Gleichheit der soteriologischen Tiefenstruktur aller Religionen!

Schließlich sind sie ja auch auf die EINE Offenbarung zurückzuführen.

Weitere Unterschiede zwischen den verschiedenen Religionen sieht Hick auf

6 Ebenen:

1.verschiedeneZentalideen (christl. Erlösungshoffen/ buddh. Erlösungshoffen)
2.gegensätzliche Transzendenzkonzepte (personal/ non-personal)
3.unvereinbare Manifestation des Transzendenzgrundes (z.B. Jahwe/ Allah/ Braham)
4.nicht konsensfähige Geschichtserzählung (Christi Auferstehung/ Buddhas Luftreise von Indien nach Sri Lanka und zurück)
5.widersprüchliche transhistorische Glaubensannahmen (Leben nach dem Tod in einem Geistleib/ Reinkarnation)
6.unterschiedliche Mythen zur Erhellung der letzten Menschheitsfragen (Gottesreich/ Nirvana)

Hick selber stellt diese Unterschiede dar und bezeichnet sie als unauflösbar; aber: Sie lassen sich einstellen unter ein „Gewölbe religiös spezifizierter Transzendenzerfahrung“.

Es bleibt also festzuhalten:

1.Alle Religionen beziehen sich auf den selben Grundvorgang, nämlich auf die Beziehung des Menschen zu einer transzendenten Realität, die von lebenskonstitutiver Bedeutung ist.
2.Religion ist immer gebunden an einen raum-zeitlichen Bedingungszusammenhang, d.h. an einen bestimmten kulturellen Kontext.
3.Pluralität von Religionen ist aufgrund der Pluralität von Kulturen eine Notwendigkeit.

Für die Zukunft hat Hick eine VISION. Er wünscht sich ein zunehmendes Aufbrechen der exklusiven „Selbstabschließungstendenzen“ der einzelnen religiösen Bewegungen; die Präsenz der Religionen der Welt in allen Kulturen; die zunehmende Öffnung der strengen Grenzen und außerdem dass die gegenseitige Einflussnahme und praktische Zusammenarbeit zur Regel wird. Dass der immer enger werdende Kommunikationszusammenhang der Religionen jedoch zu einer einheitlichen Weltreligion wird glaubt Hick jedoch nicht, da trotz der Tatsache, dass es nur EINE Offenbarung gibt es doch immer noch verschiedene Kulturen und unterschiedliche psychologische Charaktere gibt.

CHRISTOLOGIE

Hick kritisiert die altkirchliche Zweinaturenlehre(Jesus war ganz Mensch und ganz Gott) und will hinter die Dogmenentwicklung zurückgehen.

Nach Hick ist Jesus ganz Mensch gewesen, der sich Gott vollkommen hingegeben hat. Er ist ein Mensch der zwar von Gottes Liebe erfüllt ist; er ist sozusagen die Gestaltwerdung der Liebe Gottes, er ist aber keine GOTTPERSON! Hick will das christliche Dogma mit seinem Konzept der Inkarnationslehre nicht völlig verwerfen, er will es nur neu interpretieren!

Interpretation nach Hick:

Die Inkarnation (Menschwerdung Gottes) ist nicht wörtlich als Sachaussage zu verstehen, sondern als ein Mythos!

Dieser Mythos aber soll ernst genommen werden.

Die mythologische Rede von der Gottheit Christus drückt die vollkommene Erfüllung Jesu mit Gottes liebendem Geist aus, das heißt aber eben nicht, das Jesus deshalb auch eine Gottperson ist! Jesus ist als Mittler zu verstehen, was aber nicht bedeuten muss, dass Jesus eine Exklusivität besitzt!

Jesus ist also demnach nur EINE Gestaltwerdung Gottes (die für die Christen bedeutsame) aber „so sehr der göttliche Logos auch ganz in der Person Jesu präsent war, geht er doch nicht darin auf“.

Im Bezug auf andere Religionen bedeute dies, dass der Logos auch in den Gründern der anderen Religionen Gestalt angenommen hat! =>Der Absolutheitsanspruch des Christentums wird unhaltbar!

GOTTESLEHRE

Die Gotteslehre von John Hick unterscheidet zwischen Gott in seinem ureigentlichen Selbstsein (GOTT-AN-SICH) und Gott, wie er sich in seiner offenbarenden Wirksamkeit menschlicher Erfahrung kundgibt. Hick stellt dies in den Zusammenhang des erkenntnistheoretischen Grundmodells nach Kant, welches zwischen einer Welt-an-sich (jenseits menschlicher Erfahrung) und der Erscheinungswirklichkeit (wie sie sich dem menschlichen Bewusstsein erschließt) unterscheidet. Mit diesem Aufweisen der Kompatibilität zu dem philosophischen Erkenntnismodellen entgeht Hick einer näheren Erläuterung seines Ansatzes.

Der GOTT-AN-SICH bleibt dem menschlichen Geist nach Hicks Auffassung auf ewig unerreichbar, was der Mensch als Gott erfährt sind Bilder; nicht aber die göttliche Realität-an-sich!

Jahwe, Allah, Krishna...,sie alle stehen als unterschiedliche Erscheinungswesen des EWIG EINEN nebeneinander .Die von den Religionen verehrten Götter sind nichts weiter als personale Angesichter, Masken, Rollen des einen GOTT-AN- SICH.

„Das EINE göttliche Noumenon kann durch den Filter des menschlichen

Bewusstseins nur in vielfältiger phänomenaler Verschiedenheit erfahren und gedeutet werden“.

_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ Das gleiche, nämlich das alle Religionen auf EINE Sache zurückgehen, postuliert Hick auch für die Religionen, die um eine „unpersönliche Absolutheit“ zentriert sind (Brahman, Sunyata).Hick stellt diese nicht-theistischen Manifestationen mit denen einer theistischen auf eine Ebene. Um diese beiden „Gottesvorstellungen“(Hick bevorzugt neutrale Bezeichnungen wie z.B. „the ultimate“, „the one“oder „the real“) im EWIG EINEN zusammendenken zu können muss Hick von seiner Theozentrik auf die Soteriozentrik (Heilslehre) überschreiten.

=>alle Religionen sind gleichwertige HEILSWEGE!

Schluss:

Hick versucht in seinem Modell von pluralistischer Religionstheologie die interreligiösen Verschiedenheiten zu erklären, indem er sie auf eine unterschiedliche Wahrnehmung und Konzeptualisierung der EINEN -hinter allen Religionen stehenden-göttlichen Wirklichkeit zurückführt.

Dieser Versuch einer universalen Definition entgleitet aber schnell in abstrakte Unbestimmtheit (GOTT-AN-SICH).

Diese eine Wahrheit löst sich zwar in Hicks Modell tatsächlich in eine Pluriformität auf, die Einheit aber ,die nach Hick dahinter steht ist nur ein Postulat!!Von diesem allerdings sagt Hick ,dass die Grundgegebenheit der EINEN Offenbarung nicht eine bloße Idee ist,sondern Realität.

Hallo!

Ich dachte, dass es so doch viel einfacher ist, als wenn du dich noch extra hierher bemühen müsstest!

Ich hoffe die Ausführungen helfen dir bei deiner Hausarbeit -Viel Glück Eva.

PS: Die Literatur war: Bernhard, Reinhold: Der Absolutheitsanspruch des Christentums. Von der Aufklärung bis zur Pluralistischen Religionstheologie. Gütersloher Verlagshaus G. Mohn, Gütersloh 1990

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Pluralistische Religionstheorie nach John Hick
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Christlicher Glaube und Pluralität von Religion
Autor
Jahr
2000
Seiten
11
Katalognummer
V103080
Dateigröße
340 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pluralistische, Religionstheorie, John, Hick, Christlicher, Glaube, Pluralität, Religion
Arbeit zitieren
Eva Döring (Autor), 2000, Pluralistische Religionstheorie nach John Hick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103080

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