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Warum Wolfgang Herrndorfs "Arbeit und Struktur" als narrativer Text funktioniert

Titel: Warum Wolfgang Herrndorfs "Arbeit und Struktur" als narrativer Text funktioniert

Essay , 2020 , 14 Seiten

Autor:in: Jannis Holl (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Literatur, Werke
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Am 26. August 2013 gegen 23.15 Uhr erschoss sich der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf mit einem 357er Revolver. Den Weg zu seinem tragischen Ende am Ufer des Hohenzollernkanals im Berliner Bezirk Kreuzberg hatte Herrndorf in seinem Tagebuch-Blog „Arbeit und Struktur“ eindrücklich dokumentiert. Der Suizid war seine „Exitstrategie“, um dem unausweichlichen geistigen Zerfall, ausgelöst durch einen tödlichen Hirntumor, zu entgehen und autonom bei vollem Bewusstsein aus dem Leben zu scheiden. Auf 425 Seiten nimmt Herrndorf die Leserinnen und Leser mit auf eine über zwei Jahre dauernde Schicksalsreise, die schließlich mit seinem, für ihn alternativlosen, Freitod endet.
Das Tagebuch, das als Internet-Blog für sein nächstes Umfeld regelmäßig aktualisiert wurde, war eigentlich nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen. Auf Drängen von Freunden wurde es im September 2010 dann doch für alle Interessierten zugänglich gemacht und erschien nach Herrndorfs Tod in Buchform.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein Gedankenspiel – „Arbeit und Struktur“ als fiktionale Erzählung mit Handlungsbogen

3. Rückblenden – die narrative Ganzheit herstellen

4. Die Mission der Hauptfigur und das Bedrohungsszenario als beispielhafte Bausteine der narrativen Struktur von „Arbeit und Struktur“

4.1 Die Mission

4.2 Die Gefahr und die Hoffnung – zwischen Lebensmut und Todesangst

4.3 Die Exitstrategie als narrativer Gegenpol zum Bedrohungsszenario des Krebstodes

5. Schlussteil

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Wolfgang Herrndorfs Tagebuch-Blog „Arbeit und Struktur“ trotz seines faktualen Charakters als narrativer Text gelesen werden kann. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der literarischen Struktur und der narrativen Muster, die das Krankheitsprotokoll zu einer erzählerischen Einheit formen.

  • Narrative Strukturen und 5-Akt-Modell in autobiographischen Texten
  • Die Funktion von Rückblenden zur Herstellung narrativer Ganzheit
  • Die Mission der Hauptfigur als motivierendes Handlungselement
  • Die „Exitstrategie“ als zentraler Gegenpol zum Krankheitsverlauf
  • Wechselverhältnis zwischen Faktualität und Fiktionalität

Auszug aus dem Buch

Die Exitstrategie als narrativer Gegenpol zum Bedrohungsszenario des Krebstodes

Der Gedanke, die Herbeiführung des eigenen Todes zu planen, mag die meisten Menschen schrecken. Für Herrndorf ist jedoch schon relativ früh klar, dass er dem unausweichlichen Krebstod eine Option entgegenstellen muss, um die eigene „Psychohygiene“ zu gewährleisten. In „Arbeit und Struktur“ ist die Planung des Selbstmordes ein wiederkehrendes Motiv und eine Handlungsmotivation für den Protagonisten. Herrndorf selbst vermag es, ähnlich wie er es als Autor konnte, zu entscheiden, wie die Geschichte für seine Hauptfigur endet. So stellt die Waffe für die Leser und Leserinnen eine Bedrohung dar, da ihr Einsatz das unmissverständliche Ende von Herrndorfs Leben bedeutet.

Allein die Intensität, die durch die Auseinandersetzung mit dem Suizid entsteht, löst eine Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit bei Lesern und Leserinnen aus. Jedoch hat sie auch einen narrativen Wert, da der Protagonist auf dem Weg zu seinem Selbstmord begleitet wird: Von der Entwicklung dieser „Exitstrategie“ bis hin zu ihrer Ausführung. Anhand einiger Textstellen soll diese Entfaltung der Selbstmordgedanken bis zu ihrer Erfüllung aufgezeigt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Literarizität von Herrndorfs Blog ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den narrativen Strukturen des Werks.

2. Ein Gedankenspiel – „Arbeit und Struktur“ als fiktionale Erzählung mit Handlungsbogen: Das Kapitel betrachtet das Werk unter der methodischen Annahme einer fiktionalen Ich-Erzählung und skizziert einen dramaturgischen Handlungsaufbau nach dem 5-Akt-Modell.

3. Rückblenden – die narrative Ganzheit herstellen: Hier wird untersucht, wie Herrndorf durch gezielt eingefügte Rückblenden Informationslücken schließt und eine lineare Erzählstruktur innerhalb des Blogs erzeugt.

4. Die Mission der Hauptfigur und das Bedrohungsszenario als beispielhafte Bausteine der narrativen Struktur von „Arbeit und Struktur“: Dieses Kapitel analysiert drei zentrale narrative Motive: die schöpferische Mission, die Bedrohung durch den Tumor sowie die strategische Planung des Suizids.

5. Schlussteil: Das Fazit fasst zusammen, dass „Arbeit und Struktur“ durch die narrative Formung einer faktualen Grundlage eine Brücke zwischen Autor und Werk schlägt und als literarisch wertvolle Narration fungiert.

Schlüsselwörter

Wolfgang Herrndorf, Arbeit und Struktur, Narrativ, Faktualität, Fiktionalität, Krankheitsprotokoll, Exitstrategie, Hirntumor, Literarizität, 5-Akt-Struktur, Autobiographie, Erzähltheorie, Suizid, Handlungsbogen, Tagebuch-Blog

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Wolfgang Herrndorfs Tagebuch „Arbeit und Struktur“ durch narrative Mechanismen von einem bloßen Dokumentationsbericht zu einem literarischen Erzähltext transformiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Anwendung dramentheoretischer Modelle (5-Akt-Struktur) auf ein Krankheits-Tagebuch, die Funktion von Rückblenden und die Bedeutung von Schlüsselmotiven wie der „Mission“ und der „Exitstrategie“.

Welches Ziel verfolgt der Autor der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass Herrndorf durch das bewusste Einsetzen narrativer Strukturen eine literarische Lesbarkeit erzeugt, die über ein rein biographisches Protokoll hinausgeht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Verwendung des close-reading-Verfahrens ausgewählter Textstellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Aufstellung eines dramaturgischen Handlungsbogens, die Untersuchung der Rückblenden sowie eine detaillierte Analyse der Mission des Protagonisten und seines Umgangs mit dem Suizid.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Neben dem Autorennamen und dem Werktitel sind Begriffe wie „Narrativität“, „Fiktionalisierung“, „Exitstrategie“ und „Literarizität“ für das Verständnis der Arbeit essentiell.

Warum spielt das Pinguinkostüm eine Rolle für die Argumentation?

Es dient als Beispiel für Herrndorfs Erzählweise, mit der er bereits in den ersten Sätzen eine gewisse Unzuverlässigkeit und Selbstironie etabliert, die typisch für seine fiktionalen Romane ist.

Wie bewertet die Arbeit die Bezeichnung „Roman“ für das Buch?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Einordnung als „Roman“ ambivalent ist, da das Werk zwar faktualen Ursprungs ist, aber durch die narrative Gestaltung und die bewusste Selbstinszenierung Herrndorfs den Charakter eines künstlerischen Werks annimmt.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Warum Wolfgang Herrndorfs "Arbeit und Struktur" als narrativer Text funktioniert
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Autor
Jannis Holl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V1031551
ISBN (eBook)
9783346437013
Sprache
Deutsch
Schlagworte
warum wolfgang herrndorfs arbeit struktur text
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jannis Holl (Autor:in), 2020, Warum Wolfgang Herrndorfs "Arbeit und Struktur" als narrativer Text funktioniert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1031551
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  14  Seiten
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