In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, wie Kinder Wortbedeutungen lernen. Sie gibt einen Überblick darüber, was in der bestehenden Literatur bereits über die Wortschatzentwicklung bei Kindern beschrieben und herausgefunden wurde. Ziel dieser Arbeit ist es, durch eine kritische Auswertung sowie eine übersichtliche und korrekte Darstellung der gewählten Fachliteratur die wichtigsten Ergebnisse anderer Autoren über dieses Thema zusammenzufassen, zu verbinden und zu diskutieren.
Mit dieser Literaturstudie sollen die Erkenntnisse bezüglich der Wortschatzentwicklung so wiedergegeben werden, dass ein korrekter und kritischer Status quo präsentiert wird und die dargestellten Erkenntnisse weiteren Wissens- und Forschungsbedarf sichtbar machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wortschatzgröße und Lerngeschwindigkeit
3. Wortlernmethoden „fast mapping“ und „joint attention“
4. Worterwerbprinzipien
5. Wortschatzentwicklung und die Prototypensemantik
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der Wortschatzentwicklung bei Kindern. Ziel ist es, durch eine kritische Auswertung und Zusammenfassung bestehender Fachliteratur einen aktuellen Überblick über den Wissensstand zu geben, die zentralen Mechanismen des Worterwerbs zu identifizieren und weitere Forschungsbedarfe aufzuzeigen.
- Entwicklung der Wortschatzgröße und individuelle Lerngeschwindigkeiten
- Methoden des Wortlernens wie "fast mapping" und "joint attention"
- Kognitiv-lexikalische Erwerbsprinzipien zur Hypothesenbildung
- Bedeutung der Prototypensemantik und Kategorisierungsprozesse
Auszug aus dem Buch
Wortlernmethoden „fast mapping“ und „joint attention“
In diesem Kapitel wird der Frage nachgegangen, wie es dem kleinen Kind gelingt, in kurzer Zeit so viele neue Wörter zu erwerben. Aus vergangenen Studien geht hervor, dass Kindern dafür u.a. die Methoden „fast mapping“ und „joint attention“ zur Verfügung stehen (Heibeck & Markman, 1987; Tomasello & Farrar, 1986). Die beiden Methoden ermöglichen dem Kind, schnell einen Zusammenhang zwischen dem gehörten Wort und dem Gegenstand herzustellen.
Um so schnell Wortschatz zu erwerben, müssen Kinder in der Lage sein, schnell Hypothesen über die Bedeutung neuer Wörter zu bilden. Mit der Fähigkeit von Kindern, die Bedeutung eines Wortes nach kürzester Zeit mit einem zugrunde liegenden Konzept in Verbindung zu bringen, oder auch „fast mapping“ genannt, hat sich Carey (1978, in Heibeck & Markman 1987) befasst. Dieser Prozess tritt nach Heibeck und Markman (1987) auf, wenn das Kind auf ein neues Wort trifft und den sprachlichen und nichtsprachlichen Kontext, in dem das Wort vorkommt, verwendet, um schnell Informationen über seine Bedeutung zu erwerben. Ptok et al. (2014) beschreiben diesen Prozess als „de[n] Motor der Wortschatzexplosion“ (Ptok et al. 2014, 261).
In einer Studie von Carey und Bartlett (1978, in Heibeck & Markman 1987) wurde die Reorganisation des Farblexikons bei 3- und 4-Jährigen untersucht, in dem jedem Kind die neue Farbbezeichnung ‚chromium‘ für die Farbe Oliv beigebracht wurde. Das neue Wort wurde den Kindern in einem natürlichen, normalen Kontext – ohne explizite Erklärungen – vorgestellt, da das Ziel der Studie war, die Grenzen der Fähigkeit, neue Wörter in der alltäglichen Umgebung zu erwerben, zu entdecken. Während ein olivfarbiges und blaues Tablett in einem Klassenraum standen, wurde jedem Kind individuell gesagt: „Bring me the chromium tray, not the blue one, the chromium one.“ („Bring mich das ‚chromium‘-farbiges Tablett, nicht das blaue, das ‚chromium‘-farbiges.“). Nach einer Woche stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte der Kinder etwas über das ‚chromium‘ oder die Farbbezeichnung für Oliv gelernt hatte aus nur einer einzigen Erfahrung mit dem Wort. Eine Frage bleibt bei dieser Arbeit allerdings unbeantwortet, nämlich die, ob „fast mapping“ den Kindern auch bei anderen Themenbereichen als Farbbezeichnungen zur Verfügung steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des kindlichen Spracherwerbs ein und legt die Zielsetzung sowie den Aufbau der vorliegenden Literaturstudie dar.
2. Wortschatzgröße und Lerngeschwindigkeit: Dieses Kapitel präsentiert Forschungsdaten zur zeitlichen Entwicklung der Wortschatzgröße bei Kindern und thematisiert das Phänomen des Vokabelspurts.
3. Wortlernmethoden „fast mapping“ und „joint attention“: Hier werden zentrale Mechanismen vorgestellt, die es Kindern ermöglichen, schnell Wortbedeutungen zu erschließen und soziale Interaktionskontexte für den Spracherwerb zu nutzen.
4. Worterwerbprinzipien: Dieses Kapitel behandelt kognitive Strategien und Annahmen, die Kindern helfen, das Induktionsproblem bei der Zuordnung von Wörtern zu Objekten zu bewältigen.
5. Wortschatzentwicklung und die Prototypensemantik: Es wird erläutert, wie Kinder Objekte kategorisieren und warum der Erwerb von Begriffen auf der Basisebene eine zentrale Rolle spielt.
6. Schluss: Der Schluss fasst die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit zusammen und reflektiert den aktuellen Forschungsstand zu den behandelten Themenbereichen.
Schlüsselwörter
Wortschatzentwicklung, Spracherwerb, Fast Mapping, Joint Attention, Vokabelspurt, Worterwerbprinzipien, Prototypensemantik, Basiskategorie, Induktionsproblem, Kleinkind, Sprachentwicklung, Kindersprache, Wortbedeutung, Kategorisierung, Psycholinguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen der Wortschatzentwicklung bei Kindern, insbesondere mit der Geschwindigkeit des Erwerbs, den Lernmethoden und den kognitiven Prinzipien, die Kindern beim Wortlernen helfen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Wortschatzgröße über verschiedene Altersstufen hinweg, Methoden wie "fast mapping" und "joint attention", sowie linguistische Theorien zur Kategorisierung und Bedeutungsauswahl.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Literaturstudie, die den aktuellen Kenntnisstand über den Wortschatzerwerb zusammenfasst, vergleicht und diskutiert, um den Status quo der Forschung zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und -studie, bei der die Erkenntnisse verschiedener renommierter Autoren und Forschungspositionen kritisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander die Entwicklung der Wortschatzgröße, die Methoden zur Bedeutungserfassung, die sogenannten Worterwerbsprinzipien sowie die Rolle der Prototypensemantik bei der Kategorienbildung dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Wortschatzentwicklung, Fast Mapping, Joint Attention, Vokabelspurt, Worterwerbsprinzipien und Basiskategorie.
Was genau versteht man laut Text unter dem "Induktionsproblem"?
Das Induktionsproblem beschreibt die Schwierigkeit, dass ein Kind beim Hören eines neuen Wortes erraten muss, auf welchen exakten Referenten (z.B. das ganze Tier vs. nur ein Körperteil) sich das Wort bezieht.
Wie spielt die "Joint Attention" bei der Interaktion zwischen Kind und Mutter eine Rolle?
Sie ermöglicht einen gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus, wodurch das Kind Bedeutungen im jeweiligen Kontext besser zuweisen kann und somit effektiver Objektbezeichnungen lernt.
Warum ist die "Basiskategorie" für Kinder laut der Prototypensemantik so bedeutsam?
Die Basiskategorie stellt die Ebene dar, auf der Objekte am schnellsten und zuerst benannt werden, was sie zur primären Ebene beim frühen Spracherwerb macht.
- Arbeit zitieren
- Dirk Eismann (Autor:in), 2015, Wortschatzentwicklung bei Kindern. Wortlernmethoden und -prinzipien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1037184