Tourismuspolitische Regionalentwicklung auf Ometepe


Hausarbeit, 2000

16 Seiten, Note: 1


Gratis online lesen

Inhalt

1. Einleitung

2. Daten über Nicaragua

3. Entstehung, Aufgaben und Ziele des staatlichen Tourismusorgans
3.1. Entstehung
3.2. Aufgaben
3.3. Ziele

4. Die Insel Ometepe im Nicaragua-See
4.1. Allgemeine Daten und Informationen
4.2. Tourismus auf Ometepe - ein Überblick
4.3. Ometepes aktuelle Probleme
4.3.1. Die Umwelt
4.3.2. Die Basisversorgung
4.3.3. Die Wirtschaft
4.3.4. Regierung und Verwaltung
4.4. Ometepes Entwicklungsplan
4.4.1. Regierung und Verwaltung
4.4.2. Die Wirtschaft
4.4.3. Die Basisversorgung
4.4.4. Die Umwelt
4.5. Tourismus als Chance

1. Einleitung

Die Entwicklung, die der Tourismus in den letzten Jahren gezeigt hat, ist ein wichtiges Element für den Wirtschaftswachstum einer Serie von Ländern, sowohl der führenden Wirtschaftsnationen wie auch der Entwicklungsländer. Die besagten Länder haben aufgrund dieser Entwicklungen im Tourismussektor folgende Vorzüge erfahren dürfen: Zunahme von Auslandsinvestitionen auf ihrem Staatsgebiet, höhere Devisen- und Steuereinnahmen, zusätzliche Schaffung von Arbeitsplätzen und eine beträchtliche Entwicklung der sozialen Infrastruktur (Wasser, Strom, Telefon, Straßen, usw.) in und um jenen kleinen, mittleren und großen Städten, die von touristischem Interesse sind oder zumindest Anlaufpunkte bzw. Absprungorte darstellen bevor es in die eigentliche touristische Region geht.

Teil der oben angesprochenen Entwicklung ist auch eine Veränderung der Interessenlage von Touristen. Während sich früher das touristische Hauptinteresse doch sehr stark auf das Produkt „Strand“ reduzierte, ist heute der direkte Kontakt mit der Natur im Allgemeinen und der Kultur sehr wichtig geworden. Das hat dazu geführt, das viele sehr abwechslungsreiche Regionen, wie z.B. die Antarktis, der Amazonas, Nepal, Zentralafrika und Costa Rica in Mittelamerika, zu touristischen Zentren aufgestiegen sind.

Die Chancen, die der Tourismus heutzutage als Devisenproduzent und Entwicklungsmotor bietet und die Tatsache, dass der Tourismus weltweit einen konstanten Wachstumssektor darstellt, hat viele Regierungen davon überzeugt, ihrerseits diesen Weg der Wirtschaftsförderung einzuschlagen und der Tourismusentwicklung wichtige Prioritäten zu verleihen. Dieser Schritt ist vor allem für jene Länder wichtig geworden, die als Entwicklungsländer gelten und weit mehr Agrarland denn Industrienation sind. Ein Beispiel hierfür ist das mittelamerikanische Land Nicaragua.

In der folgenden Hausarbeit soll das Land Nicaragua zunächst kurz vorgestellt und anschließend die in Nicaragua touristisch interessante Region der Seeinsel Ometepe beispielhaft hervorgeheben werden. Anschließend werden am Beispiel Ometepe die besonderen Bedingungen und Vorausetzungen, Absichten, Entwicklungen und Schwierigkeiten touristisch orientierter Entfaltungsversuche aufgezeigt.

2. Daten über Nicaragua

Mit einer Fläche von 130.668 qkm (davon 9.240 qkm Binnengewässer) ist die „República de Nicaragua“ das größte Land Mittelamerikas und etwa so groß wie Österreich und die Schweiz zusammen. Bus-, Schiffs- und Flugverbindungen in alle größeren Städte machen eine Bereisung des Landes, wenn auch nicht immer besonders komfortabel und nicht selten unter großen Schwierigkeiten, weitestgehend (aber nicht überall) möglich. Nicaragua grenzt im Norden an Honduras, im Süden an Costa Rica, im Westen am Pazifik und im Osten an dem Atlantik. Pazifikregion, Zentralregion und Atlantikregion zeichnen sich durch unterschiedliche klimatische Verhältnisse aus. In den Ebenen des Pazifiks herrscht tropische Trockenzone vor, in der vulkan- und gebirgsreichen Zentralregion eine subtropische Übergangszone und an der atlantischen Küste ein schwüles tropisches Klima mit der höchsten jährlichen Niederschlagsmenge. Jahreszeiten werden hier nur in Trockenzeit und Regenzeit unterschieden mit einer Landesdurchschnittstemperatur von 25-27ºC. Obwohl Ackerbau, Viehzucht und Holzwirtschaft den Urwald Tag für Tag weiter zurückdrängen, erfreut sich das Land noch einer üppigen Flora und Fauna. Nicaragua hat schätzungsweise 5 Mio. Einwohner von denen mehr als die Hälfte jünger als 15 Jahre alt ist. Etwa 1 Mio. Menschen leben in der Hauptstadt Managua, der gleichzeitig größten Stadt des Landes, gefolgt von León mit geschätzten 140.000 Einwohnern. Die Staatssprache ist Spanisch und die vorherrschende Religion Katholisch. Unter den ethnischen Minderheiten bilden die Miskitos (ca. 120.000), die Sumus (ca. 10.000) und die Ramas (ca. 700) die bedeutendsten Gruppen mit eigener Sprache und Kultur. Die Analphabetenrate wurde 1996 mit 28% angegeben, ist zurzeit aber steigend.1

Wichtigste Exportprodukte sind Kaffee, Fleisch, Bananen, Baumwolle und Gold.

3. Entstehung, Aufgaben und Ziele des staatlichen Tourismusorgans

3.1. Entstehung

Schon im Jahre 1967 (am 17.04.) wurde mittels des Dekretes Nr. 138 die „Dirección General de Tourismo“ gegründet. Es stellte ein Organ des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie und Handel (MEIC) dar. Dies war während der Zeit der Somoza-Diktatur, die die touristischen Entwicklungen noch stark hemmte.

Nach der Befreiung von Somoza´s Diktatur durch die sandinistische Revolution wurde am 14.11.1979 per Dekret Nr. 161 das „Instituto Nicaragüense de Tourismo“ (INTOURISMO; heute verkürzt INTUR genannt) gegründet, welches ein autonom tätiger Organismus des Staates war und dessen Hauptaufgabe in der Bestimmung und Einführung allgemeiner tourismuspolitischer Leitlinien lag. Der bürgerkriegsähnliche Zustand der nächsten 10 Jahre zwischen Sandinisten und „Contras“ (im Kern aus den Nationalgardisten des Somoza-Regimes bestehend) war ebenfalls nicht förderlich für den Tourismus im Land.

Nach Ende dieses Bürgerkrieges gründet die damalige Präsidentin Chamorro per Dekret Nr. 1-93 das heutige Tourismusministerium (MINTUR). Schon das Ende des Bürgerkrieges und die ersten demokratischen Stabilisierungen des Landes hatten zu einem enormen Wachstum des Besucherstroms internationaler Touristen geführt (1989:

69000 BesucherInnen; 1990: 106000 - Wachstum=38.1% - 1991: 145000 - Wachstum=37%)2. Es war also mit der Perspektive auf kontinuierlichen Wachstum sichtlich notwendig geworden, den Tourismussektor zu organisieren und mit entsprechenden Maßnahmen Entwicklungen zu lenken. Diese Maßnahmen sollten ihre besondere Grundlage in der Agenda 21 haben, gemäß den Vereinbarungen der Konferenz der Vereinten Nationen im Juni 1992 in Rio de Janeiro.

3.2. Aufgaben

Vor dem soeben beschriebenen Hintergrund wurden dem Tourismusministerium folgende Aufgaben zugewiesen3:

1. Formulierung und Anschiebung einer Politik zur Tourismusentwicklung im Land unter besonderer Berücksichtigung des Bereiches „Öko-Tourismus“.
2. Förderung und Stimulation von Kapitalinvestitionen aus dem In- und Ausland in touristische Dienstleistungsunternehmen.
3. Erarbeitung von Leitlinien für touristische Entwicklungen und Vorlage von rechtlichen und staatlichen Reformvorschlägen bei den entsprechenden Instanzen.
4. Informationsvermittlung von touristischem Interesse im In- und Ausland; mit dem Ziel, der nationalen Tourismusindustrie über die Einführung von Delegationen Entwicklungsanstöße zu bieten.

3.3. Ziele

Im Sinne ihrer Aufgabenstellung und in Erfüllung ihrer Funktion als organisierendes und lenkendes Staatsorgan hat sich die MINTUR folgenden Zielvorgaben verpflichtet, die Grundlage und Strategie des sogenannten „Plan Maestro de Desarrollo Turístico“ (übersetzt sinngemäß: Masterplan der Tourismusentwicklung) sind4:

- Herstellung eines starken und positiven Nicaraguaimage im Ausland, um es so zu einem neuen Ort von internationalem touristischen Interesse zu machen.
- Koordination mit der sozio-ökonomischen Entwicklung des Landes mittels Stadt-, Land- und Regionalentwicklung; mit Hilfe von Anreizen für Auslandsinvestitionen, der Schaffung und Ausweitung von Arbeitsplätzen, der Erhöhung touristischer Ausgaben sowie die Stärkung und Entwicklung von Privatunternehmen.
- Schaffung einer Dienstleistungsinfrastruktur, die der Nachfrage des Tourismusmarktes entspricht.
- Regulierung, Orientierung und Schaffung einer nachhaltigen Tourismusentwicklung in sinnvollen und konservierenden Etappen.
- Bewusstmachung des nicaraguanischen Staatsbürgers über die Bedeutung touristischer Aktivitäten für die nationale Entwicklung.
- Erhaltung der Umwelt als Grundressource für das Leben der zukünftigen Generation.
- Wertschätzung des nationalen Kulturerbes mittels der Förderung des Kunsthandwerks und der Folklore.

Konkretisiert werden diese Ziele u.a. in folgenden Vorhaben:

- Erreichen, dass die natürlichen und kulturellen touristischen Attraktionen in Funktion gesetzt werden.
- Schaffung einer touristisch interessanten Vielfalt.
- Erhöhung, Verbesserung und Ausstattung der touristischen Basiseinrichtungen (Hotels usw.), um den Bedingungen des internationalen Marktes zu genügen.
- Formulierung eines nationalen Programms zur Ausbildung menschlicher Ressourcen im Tourismussektor mittels der Fort- und Weiterbildung auf allen Niveaus.
- Ausbesserung, Erweiterung und Instandhaltung von Wegen, Straßen, Häfen und Flughäfen, die sich in anerkannten Bereichen touristischen Interesses befinden oder dorthin führen.

4. Die Insel Ometepe im Nicaragua-See

Der Masterplan des Tourismusministeriums definiert 7 Tourismuszonen in Nicaragua mit insgesamt 21 Tourismusarealen5. Unter Punkt a) seiner Auflistung befindet sich die „Zona de los Lagos“ mit den 6 Tourismusarealen Stadt Managua; Städte Masaya und Granada, Laguna de Apoyo; Strände von Montelimar; Strände von Carazo; Strände des Südpazifiks; San Jorge und Isla de Ometepe.

Im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit soll nun die Insel Ometepe beispielhaft herausgegriffen werden, um an ihr regionalspezifische touristische Maßnahmen und Entwicklungen auf der Grundlage der bisher gelungenen oder noch bevorstehenden Umsetzung des Masterplans sowie damit einhergehende Möglichkeiten und Schwierigkeiten aufzuzeigen.

Die MINTUR schreibt der Insel folgende touristische Attraktionen zu:

Orientiert an der Ausübung ökotouristischer Aktivitäten stellen die Beobachtung von Flora und Fauna, Begutachtung der Biodiversität, Wanderungen, Exkursionen zu archäologischen Städten, Bergsteigen und Vulkanbesteigung, Wassersport und Campingplätze die Besonderheiten von Ometepe dar. Ebenfalls werden Sportfischerei und Wassersport angeboten. Auch Badestrände sind vorhanden.

4.1. Allgemeine Daten und Informationen

6Die Insel Ometepe befindet sich im Nicaragua-See. Dieser mit 8.265 qkm größte (Trink- bzw. Süßwasser)See zwischen dem Michigan-See (USA) und dem Titicaca-See (Bolivien/Peru) beherbergt über 400 Inseln, wovon Ometepe mit seinen 276 qkm die größte der Inseln ist. Sie liegt auf der Westseite des Sees (11º 32’ N 85º 37’ W). Die Insel ist aus zwei Kegelvulkanen zusammengesetzt: den Vulkanen „Concepción“ (1610m) und „Madeira“ (1394m), die über einen Isthmus miteinander verbunden sind. Beide sind jeweils anerkannte Naturschutzgebiete, der Vulkan „Concepción“ mit einer Gebietsfläche von 2.200 Hektar und der Vulkan „Madeira“ mit 4.100 Hektar. (Eine Legende besagt, dass diese Inselansicht das „Versprochene Land der Olmeken“ sei, eine Ethnie, die von Mexico herunter gewandert ist. Daher auch der Name aus den Nahuatl-Wörtern „ome“ = „zwei“ und „tepetl“ = „Berg“, die sich auf die beiden Vulkane beziehen.)

Ometepe besitzt eine tropische Vegetation des Typs Trockenwald auf den Höhen zwischen 45 und 400 m ü.NN, der sich dort in einer Höhe von bis zu 1000m in Feuchtwald wandelt und ab 1100m zum Nebelwald wird. Am Fuße der Vulkane bis zu einer Höhe von bis zu ca. 200m wird Ackerbau (insbesondere Bananen, Reis, Bohnen, Mais, Sesam), Baumwoll- und Tabakanbau und Viehzucht betrieben. Die Fauna Ometepes bietet vor allem eine große Vogel- und Wassertierartenvielfalt. Darunter 80 hauptsächlich in Nicaragua heimische Vogelarten und einige „endemische“ Spezies der Insel selbst. Aber auch Säugetiere, wie z.B. Affen und andere Wildtiere, sind zahlreich vorhanden.

Ometepe ist Lebensort für ca. 30.000 Menschen. Politisch ist sie in zwei Gemeindebereiche aufgeteilt: Altagracia und Moyogalpa. Beide gehören sie aber zum Verwaltungsbezirk von Riva (eine ca. 30.000 Einwohner große Stadt auf dem Festland).

Auch die Nähe zu Costa Rica ist für die touristische Entwicklung der Region von Bedeutung, da Costa Rica-UrlauberInnen Exkursionen hierher unternehmen können.

In Verbindung mit ihrer besonderen geographischen Lage, ihrer politischen Stabilität und der großen Wälder ist diese Insel zum geeigneten Ziel für eine Anzahl von Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen geworden, um hier Tourismusentwicklung und Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität zu fördern.

In der Folge der ‘92er Konferenz in Rio de Janeiro begann man auf Ometepe den wichtigen Grundgedanken der Agenda 21 „soziale Gerechtigkeit - ökonomische Nachhaltigkeit - ökologische Tragfähigkeit“ mit Tourismus fördernden Maßnahmen zu verbinden. Neben den bereits erwähnten Regierungsorganisationen INTUR und MINTUR entstanden bzw. beteiligten sich Nicht-Regierungsorganisationen wie z.B., als wichtigste Vertreter, das Ometepe-Projekt „Entre Volcanes“ und „Red de Asociaciones Civiles de Ometepe“, die ihrerseits Kooperationen (z.B. mit der deutschen Entwicklungshilfeorganisation GTZ) eingegangen sind. Die auf Ometepe beheimateten Organisationen setzten sich zur Aufgabe, sich darüber zu verständigen, welcher Art die angestrebten Entwicklungen auf der Insel sein sollten, welche Hindernisse sich dabei in den Weg stellen könnten und welche konkreten Maßnahmen zur Erreichung der Ziele durchgeführt werden sollten. Hierzu trafen sie sich auf Versammlungen in 10 Komunen der zwei Gemeinden und sprachen sie mit 14 Zivilverbänden sowie mit Gemeindeverwaltungen und Regierungsorganisationen. So entstand eine inseleigene Initiative, die ihre Zukunft aktiv selbst zu gestalten begann.

Auf der Grundlage einer breit angelegten Analyse über die Ist-Situation auf der Insel ist man zu einer Strategie für die Regionalplanung gekommen, dessen Ansatz man vereinfacht als „ganzheitlich“ bezeichnen kann. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass der Tourismus hierbei zwar eine Rolle spielt, aber nicht die herausragende; Er ist eben nur Teil eines Ganzen. Die vorliegende Hausarbeit kann sich daher im Folgenden nur auf „Ausschnitte“ dieses „Ganzen“ beschränken, die zum einen den integralen Charakter der Vorgehensweise erkennen lassen und gleichzeitig aber einen stärkeren Akzent auf den tourismuspolitischen Teil setzen.

4.2. Tourismus auf Ometepe - ein Überblick

Bei der Ankunft auf Ometepe wird der Tourist gleich mit einem Schild begrüßt auf dem steht: „Viva la paz“ („Es lebe der Frieden“). Hierin spiegelt sich das Lebensgefühl der Einheimischen wieder, ein friedfertiges und herzliches Volk zu sein. Kommt ein Tourist erstmalig auf die Insel ist der erste Eindruck der, sich hundert Jahre zurückversetzt zu fühlen: Verschlafene Dörfer, quietschende Ochsenkarren, Boote aus Einbäumen, Frauen, die in voller Kleidung baden oder bis zu den Hüften im Wasser stehend Wäsche waschen. Schon die Anreise (die nur mit einem Boot möglich ist, da es keinen Flughafen gibt) ermöglicht einen Anblick auf faszinierende Landschaftsformen, die insbesondere von den beiden Vulkanen und der Dschungellandschaft geprägt sind.

Das Naturerleben bei Dschungeltouren, Vulkanbesteigungen, vogelkundlichen Exkursionen oder Badeaufenthalten wird oft als besonders eindrucksvoll wahrgenommen. Insbesondere wenn die Maschete unverzichtbar ist und selbst hohe Gummistiefel nicht ausreichen, um sich vor Schlammbädern zu schützen. Und wenn darüber hinaus auch interessante Vögel oder zumindest Affen zu sehen sind, ist das Glück des Naturfreundes vollkommen. Dann passen selbst die Straßen der Insel mit ihrer sehr schlechten Qualität (Schlaglöcher und Matschwege) wieder ins Bild, da sie „irgendwie“ doch natürlich wirken.

Autos gibt es weniger als anderswo im Land und Busse sind meist restlos überfüllt. Gerade diese Busfahrten werden schnell zum Erlebnis, weil es stark schunkelt und Pannen nicht selten sind. Auto- und Fahrradverleihe sind vorhanden. Während ein 4WD-Auto noch ermöglicht, die Insel auf den insgesamt wenigen Straßen selbst dort zu befahren, wo Busse seltenst hinkommen, führt Fahrradfahren nicht selten zu Reperaturarbeiten auf der Strecke. Dennoch ist das Fahrrad ein wichtiges Verkehrsmittel der Bevölkerung. Viele Menschen sind auch einfach nur zu Fuß oder zu Pferd unterwegs.

Viele Touristen haben über ausländische Reiseveranstalter gebucht und machen meist nur von Costa Rica aus Abstecher auf diese Vulkaninsel. Die restlichen Besucher die auf Ometepe anzutreffen sind, können als Polittouristen, Abenteurer und Naturfreunde bezeichnet werden. Der größte Teil der Besucher stammt aus der USA (43%), aus Holland oder Österreich (je 13%). Die Reise erfolgt hauptsächlich zu zweit (59%) oder alleine (31%) und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 2 - 4 Tage.7

Es werden viele Touren als Tagesausflugspaket bzw. Arrangement angeboten, z. B. ein Besuch zu den ältesten Siedlungszentren Nicaraguas und Lagunen mit geschichtlichen Überlieferungen. Man kann sie jedoch ohne große Probleme selber machen (Infos der Einheimischen sind verläßlich). Allerdings können Eintrittsgelder für Parks oder touristische Attraktionen oft nicht entrichtet werden, weil kein Parkwächter vorhanden ist oder weil man kein Wechselgeld hat.

Der Tourismus auf Ometepe konzentriert sich auf die Ortschaften Moyogalpa, Altagracia und Santo Domingo. Dort befinden sich die meisten Übernachtungsmöglichkeiten. (ca. 20 Hotels und einige namenlose Privatunterkünfte). Moyogalpa und Altagracia sind Hafenstädte und Santo Domingo besitzt wohl den einzigen schönen Badestrand, der für die Öffentlichkeit gut erreichbar zur Verfügung steht.8 Der Rest der Insel wird von hier aus fast ausschließlich in Tagestouren erkundet. Die Unterkünfte sind klein und bescheiden (z.T. Holzhäuser mit Wellblechdach). Die Betreiber der Hotels sind in der Regel einheimische Familien, die oft noch nicht den Umgang mit internationalen Gästen gewöhnt sind. Hotels werden als Übernachtungsmöglichkeiten gesehen und nicht unter dem Aspekt des Beherbergens von Gästen. In der Mitte der meisten Unterkünfte sind kleine Patios angelegt, die als Restaurant genutzt werden, aber auch als Aufenthaltsraum bzw. Wohnzimmer für die Familie des Hotelbesitzers dienen. Die Gästezimmer sind karg ausgestattet. Die kleinen Zimmer werden voll gestellt mit Betten (2-4 Betten pro Zimmer; Einzelzimmer sind kaum vorhanden) und besitzen oft keine Fenster und Türschlösser. Handtücher gibt es meist nur auf Anfrage. Die Sauberkeit hält sich in Grenzen und beschränkt sich ausschließlich auf das Bettzeug. (Die Toiletten bleiben oft verschmutzt, die Spinnen hängen von der Decke und die Haare des Vorgängers finden sich noch im Waschbecken.). Überhaupt ist die Hygiene oftmals ein kritischer Punkt. So z.B. auch, wenn der Tourist in den Küchen der Restaurants Hühner, Hunde, Katzen und Schweine rumlaufen sieht.

Seit sich Europäer in Santo Domingo niedergelassen haben und sich ein Hotel nach europäischen Standard gebaut haben (größere, mit viel Liebe eingerichtete Zimmer, fließend Wasser, eigenes Bad), hat auch ein Umdenken bei vielen einheimischen Hotelbesitzern stattgefunden. Die neueren Hospedajen nehmen sich dieses Hotel mit Restaurant als Vorbild für ihr eigenes. So findet man zur Zeit auch in der Qualität sehr unterschiedliche Hotelunterkünfte. Haben sich die Hotelrestaurants sonst auf die einheimische Küche (Gallo Pinto - Reis mit roten Bohnen - mit Fleisch- oder Fischbeilage) reduziert, so findet man heute Pan Cakes, Cola, Nudeln, Pizza usw.

Die meisten neueren Hotelbesitzer sind gleichzeitig Guides, die für sich entdeckt haben, dass es sich lohnt in den Tourismus zu investieren. Viele Hotels brauchen allerdings oftmals Jahre bis sie fertig werden, weil ihnen zwischendurch immer wieder die finanziellen Mittel ausgehen. So trifft der Tourist zuweilen halbfertige Hotels an, in denen z.B. das Badezimmer ohne Waschbecken ist und der Hotelbesitzer anbietet, sich die Zähne am Waschbecken mitten im Restaurant zu putzen.

4.3. Ometepes aktuelle Probleme

Der gerade beschriebene Überblick mag optimistisch klingen und keinen größeren Anlass vermuten, die touristischen Entwicklungen auf Ometepe zu hinterfragen. Insbesondere der in der Regel als positiv erlebte Inselbesuch verleitet wohl eher dazu, zu sagen, dass sich der Tourist insgesamt wohl fühlt. Genau so soll es auch sein und bleiben. Doch viele laufende Fehlentwicklungen, die dieses Wohlbefinden in Gefahr bringen, bekommt der Tourist gar nicht mit. Unter diesen Fehlentwicklungen sind allgemein alle Entwicklungen zu verstehen, die das Wohl der Insel, der dort lebenden Menschen und damit auch ihrer Besucher gefährden.

4.3.1. Die Umwelt

In den letzten drei Jahrzehnten hat die Umwelt auf Ometepe eine starke Zerstörung hinnehmen müssen. In der Wahrnehmung der alten Inselbewohner stellt sich das folgendermaßen dar:

„Früher waren die Wälder sehr groß und voller Bäume und Tiere. Die Winter waren heftig und langdauernd, die Sommer dagegen kurz. Es gab Flüsse, Brunnen und Quellen, die anders als heute nicht im Sommer austrockneten. Der Ackeranbau war sehr gut, weil die Böden sehr fruchtbar waren und es wenige Plagen gab. Auch die Menschen konnten sich viel besser ernähren: Die Ernten waren sehr ergiebig, es gab viele Fruchtbäume und es war einfach Tiere zu jagen. All das hat sich verändert. Die Böden geben kaum noch etwas her, die Parks an den schönsten Stellen der Insel sind dabei zu verschwinden, die Umweltverschmutzung steigt in allen Kommunen und die Tiere nähern sich mit großer Geschwindigkeit dem Aussterben.“9

Tatsächlich lassen sich diese geschilderten Eindrücke belegen und auch Gründe für diese Entwicklung benennen, die dem Ökosystem der Insel enorm schaden10:

a) Die Umweltverschmutzung belastet zunehmend die Gewässer, die Böden und die Luft in einer Weise, die sowohl für die Gesundheit der Bevölkerung als auch für die touristische Attraktion schädlich ist. Verantwortlich hierfür sind: Falscher Umgang mit Abfall und Abwässer, da sie hemmungslos in der Natur entladen werden; Der Gebrauch und schädliche Umgang mit Düngern in der Nähe von Gewässern; Benzin- und Ölverluste von Booten und Bewässerungsanlagen; Schlechte Standorte für Wasserbrunnen; Zunehmende Autoabgase und größere Lärmbelästigung durch Autos, Bars usw. in Urbanisationen.

b) Die fortschreitende Abholzung provoziert Klimaveränderungen (wichtiger Schatten wird genommen so dass die Hitze zunimmt; Trockenheit), Bodenerosion, Holz- und Brennholzknappheit, Verschwinden von Wildtieren und Wasserquellen. Gründe für das massive „Waldsterben“ sind die Öfen der Tabakindustrie, die Ausweitung von Ackerbau und Viehzucht, die Waldbrände und das Interesse der Bauwirtschaft an edlen Hölzern. Auch die Nachfrage an Brennhölzern in Restaurants, Bäckereien, Ziegeleien und in der größer werdenden Bevölkerung tragen ihren Teil dazu bei, die ihre Entwicklung selbstverständlich auch in der Ausweitung zum Tourismusstandort haben.

c) Die Bodenerosion verursacht eine stark fallende Agrarproduktion, dessen Folge eine Lebensmittelverknappung ist und die zu großen Einnahmeverlusten mit starker Verschuldung der Bauern führt. Verursacht werden diese Erosionen durch die bereits erwähnte Abholzung, die in der Folge mit den Winden und Regenfällen die Felder mit Vulkansand überzieht; durch den Ackerbau auf Abhängen ohne Boden konservierende Maßnahmen; durch Monokultur ohne Anbaupausen; durch Anwendung ungeeigneter Techniken (Bodenverbrennung, Hangfurchen, Chemikalienmissbrauch, Maschineneinsatz) und Boden überfordernde Viehzucht. Zu erwähnen ist auch die Zerstörung der Strände durch wahllose Wegnahme des Sandes für Konstruktionen im Tourismusbereich.

d) Unkrontrollierte Jagd und Fischerei sorgen für das Verschwinden von Spezies, die bisher sowohl lokale Ernährung als auch touristische Attraktion gewesen sind. Es werden weder Schonzeiten noch Jagdverbote für besonders gefährdete Arten eingehalten. Und staatliche Kontrollen sind ineffizient. Der gewinnbringende Verkauf von lebenden Tieren oder Häuten bestimmter Reptilien an den interessierten Kunden, zu denen selbstverständlich auch der Tourist zählt, steht über dem Artenschutz. Doch mehr als ein Geschäft ist es ein Sport für die Leute, für den sie sogar von außerhalb angereist kommen. Die alteingesessenen Einheimischen töten oft auch aus Unwissenheit, weil sie z.B. glauben, dass die Greifvögel über ihre Haustiere herfallen11. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor für die hohe Sterberate von Tieren auf der Insel sind die in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide. Diese töten z.B. Waldtiere und Insekten, die für die natürliche Kontrolle von Plagen verantwortlich sind, während die Plagen selbst zunehmend resistent gegen die Insektizide werden.

e) Ein weiteres Problem sind die Verfahrensweisen mit den öffentlichen Naturschutzgebieten, die mit zunehmender Geschwindigkeit ihre Natürlichkeit, Schönheit und Zugänglichkeit verlieren, da sie für Privatinvestitionen zur Verfügung gestellt werden. Gewinninteresse, fehlendes Umweltbewusstsein und Nichteinhaltung von Naturschutzgebietauflagen treiben diese Art von Zerstörung des Ökosystems voran. Hierzu zählt ebenso die illegale Ausweitung von angrenzenden Privatgrundstücken in den Park hinein. Es gibt keine mit allen Kompetenzen und Autoritäten ausgestattete Parkwächter, die effektiv kontrollieren und abgrenzen könnten

f) Gravierend ist bei all den vorgenannten Problemlagen die fehlende staatliche Kontrolle und die Nichtanwendung von Umweltgesetzen und -auflagen, die somit alle illegalen Aktionen vereinfachen. Es existiert eine lange Liste von unbestraften Delikten, die von Parkwächtern und Inselorganisationen zur Anzeige gebracht worden sind. Stattdessen herrscht Korruption vor, werden Umweltbemühungen boykottiert und ohne vorherige Umweltverträglichkeitsstudien gebaut.

4.3.2. Die Basisversorgung

Die Gesamtentwicklung der Insel im Blick zu haben bedeutet, nicht nur den Tourismus zu „importieren“ sondern ihn auch zu integrieren. So sollten einerseits Vorausetzungen für den Tourismus geschaffen werden und andererseits Vorzüge daraus der Insel und seinen Bewohnern zugute kommen. Dies beinhaltet ebenso die flächendeckende Basisversorgung mit Wasser, Strom und Telekommunikation sowie Schulbildung für die Insulaner:

a) Die Trinkwasserversorgung und das Abwassersystem lassen gerade in den touristisch stark frequentierten Orten zu wünschen übrig. Während in Moyogalpa noch 53,62 % der Wohnungen mit Trinkwasser versorgt werden und entsprechende Abwässersysteme haben, sind es in Altagracia nur noch 24,55%.12 Betroffen sind hier weniger die neugebauten Hotelanlagen als vielmehr der Altbestand der Region. Abgesehen von den Krankheitsrisiken für Insulaner und Touristen (wenn sie denn ihr Hotel verlassen und sich z.B ein Wassereis von der Straße holen oder in einem einheimischen Restaurant essen wollen) stellen die Abwässer darüber hinaus eine starke Umweltbelastung dar. So ist auch der einst für die Trinkwasserversorgung genutzte See, der die Insel umgibt, aufgrund seiner Verschmutzung nicht mehr als Trinkwassersee verwertbar.

b) Die Stromversorgung stellt sich insgesamt als ebenso unzureichend dar. So sind in Moyogalpa 58% am Stromnetz angeschlossen und in Altagracia lediglich 34,42%.13 Weit darunter liegt noch die Westhälfte der Insel um den Maderas-Vulkan. Sicher geht es bei derartigen Überlegungen, ökologisch gedacht, nicht um eine Stromversorgung nach deutschem Standard, aber schon um eine Mindestversorgung, die z.B. Alternativen zum Heizen mit der gefährdeten Naturressource Holz bietet oder auch öffentliche Straßen und Plätze beleuchtet und dem Touristen ein größeres Gefühl der Sicherheit geben kann.

c) Der Bereich der Telekommunikation (Telefon, Post und Funkstationen) sowohl auf der Insel als auch zum Festland sind nachwievor begrenzt. Kommunikationswege sind daher oft komplizierter und nur über Umwege zu gewährleisten. Nicht nur eine touristische Infrastruktur benötigt eine verbesserte Kommunikation sondern auch die Tatsache, dass Nicaragua insgesamt ein Land ist, das oft von Naturkatastrophen geschüttelt wird und daher eventuelles Katastrophenmanagement optimieren sollte.

d) Ein sehr wichtiges Element integraler Regionalentwicklung im Entwicklungsland Nicaragua stellt die Schulbildung dar. Hier kann neben der Allgemeinbildung das Bewusstsein und die Akzeptanz für laufende Entwicklungen geschaffen und Einsichten (z.B. zum Thema Müllentsorgung und zur Bedeutung des Tourismus) gefördert werden. Diese besondere Erwähnung ist notwendig, da Schulbildung in Nicaragua und auf Ometepe nicht mit der deutschen Selbstverständlichkeit vergleichbar ist. Immerhin 23,39% der schulpflichtigen Kinder auf Ometepe besuchen nicht die Grundschule und 57,89% bleiben sogar der weiterführenden Schule fern. Die Analphabetenrate wird auf 41% geschätzt.14 Es mangelt zudem an Schulen und einfachen Zugangswegen. Für viele ist Schule zu teuer und die Kinder werden zum Überleben für die Landarbeit gebraucht oder zum Verkauf von Serviceleistungen in der Stadt.

4.3.3. Die Wirtschaft

Während sich der Tourismus zunehmend zu einem sehr wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt ist die bisherige wirtschaftliche Basis der Insel die Landwirtschaft. Allerdings befindet sich das meiste Land in der Hand weniger Großgrundbesitzer, so dass die Bauern zum Großteil Landarbeiter sind oder eine kleine Parzelle für die eigene Produktion angemietet haben. Eine wirtschaftlich positive Entwicklung der Insel (vor der

Einkehr des Tourismus), die allen Menschen zugute gekommen wäre, war nicht zuletzt aus diesem Grunde nicht möglich. Eine dafür notwendige Infrastruktur wurde bisher nicht geschaffen oder Vorhandenes nicht instandgehalten. Es gibt zu wenig wetterunabhängige Straßen und Wege, Haupt- und Nebenhäfen bieten keine Mindestvoraussetzungen für einen attraktiven Handel und es fehlen fördernde Institutionen, die helfen, die Insel konkurrenzfähig und über Investitionsanreize zu einem interessanten Wirtschaftsstandort zu machen. Auch fehlende staatliche Fürsorgepflicht begünstigt den fortschreitenden Reichtum weniger und die fortschreitende Armut vieler.

4.3.4. Regierung und Verwaltung

Mit der Dezentralisierung staatlicher Dienstleistungen hat man den Gemeinden und Komunen mehr Eigenverantwortung überlassen. Diese besitzen aber nicht die notwendigen Ressourcen, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Die staatlichen Zuwendungen werden von Jahr zu Jahr weniger und die Steuereinnahmen sind nicht ausreichend, so dass die lokale Regierung eigene Finanzierungswege finden muss. Auch fehlen Fachkräfte, die Arbeiten im öffentlichen Bereich kompetent erledigen könnten. Eine institutionelle Organisation ist kaum vorhanden. Das Fehlen menschlicher und finanzieller Ressourcen und der oftmals nicht spürbare politische Wille sind dann auch der Grund, dass Zusammenarbeiten mit internationalen Organisationen, wie z.B. der deutschen GTZ, oft zum Scheitern verurteilt sind.

Eine Schwierigkeit ist sicher auch, dass Institutionen der Bürgerselbstbeteiligung wenig bekannt und deren Möglichkeiten politischer Einflussnahme (neben der bereits erwähnten mangelhaften Bildung) von daher sehr gering sind.

4.4. Ometepes Entwicklungsplan

Vor dem Hintergrund aller oben aufgeführten Schwierigkeiten ist die erklärte Absicht wichtiger Organisationen auf Ometepe, einen sehr fortschrittlichen Wechsel in der Lebensqualität der Inselbewohner herbeizuführen und dabei insbesondere die menschliche Entwicklung zu fördern. All dies auf der Grundlage eines wirtschaftlichen Wachstums mit sozialer Gerechtigkeit und der Transformation von Produktionsmethoden, die sich an einem ökologischen Gleichgewicht und an einer entwicklungspolitisch motivierten Volksbeteiligung orientiert.15

Der folgende Abschnitt befasst sich mit einigen wichtigen Punkte dieser Überlegungen, die gleichfalls touristisch relevant sind. Abschließend werden dann die Chancen beschrieben, die im Tourismus stecken, um die angedachten regionalpolitischen Entwicklungsstrategien besser durchsetzen zu können.

4.4.1. Regierung und Verwaltung

Im Bereich der Regierung und Verwaltung Ometepes lassen sich die Entwicklungspläne im Besonderen auf folgende Kernbereiche zusammenfassen:

a) Stärkung der Lokalregierungen, seiner Gremien, der Gemeinde- und Stadtverwaltungen sowie der Mitarbeiter des Bürgermeisters mit Hilfe von entsprechenden Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, Fachassistenz für die Beschaffung von Geldern und für die Entwicklung und Durchführung von Projekten.

b) Kompetenz- und Autoritätsstärkung zur Durchsetzung wichtiger Entwicklungs-, Förder- und Schutzmaßnahmen, wie z.B. in Erziehung, Umwelt und Wirtschaft.

c) Stärkung der lokalen Organisationen damit sie eine Protagonistenrolle in der Entwicklung Ometepes einnehmen. Hierzu zählt die besondere Förderung von Organisationen kleiner Produktoren, die Entwicklung und Festigung von partizipativen Mechanismen in der Bevölkerung sowie die Schaffung und Unterstützung von Kommissionen, in denen Lokalregierung, staatliche Institutionen und Zivilorganisationen in den Bereichen Umwelt, Zivilrecht, Gesundheit, Frauen / Kinder und Tourismus zusammenarbeiten.

4.4.2. Die Wirtschaft

Ziel ist es hier, eine Dynamik zu schaffen und zu stärken, in der die lokale Wirtschaft bei gleichzeitiger Anbindung an der sozialen Entwicklung expandieren kann und auf diesem Weg wirtschaftliche Initiativen fördert, die Ressourcen und Möglichkeiten gleichberechtigter unter der Bevölkerung verteilt.16 Konkretisiert werden diese Vorstellungen u.a. in zwei Bereichen:

a) Tourismus

- Förderung des Ökotourismus und Durchführung von Strukturanpassungsmaßnahmen in touristisch relevanten Bereichen der Infrastruktur und Dienstleistung
- Einführung von Bewachungs- und Kontrollmechanismen über touristische Investitionen auf Ometepe
- Schaffung von (Steuer)Abgaben und Strafmaßnahmen als Normierungsbeitrag für touristische Aktivitäten
- Einrichtung eines Garantie-Spezialfonds, den die Investoren zum Umweltschutz im Umfeld ihrer Investition bereitstellen

b) Infrastruktur

- Einführung von Modalitäten für die Instandhaltung von Straßen und Wegen sowie anderen produktiven Infrastrukturmaßnahmen
- Aufbau von städtischen Märkten
- Reaktivierung und Ausbau von Häfen der Region Maderas, um die wirtschaftliche Attraktivität des Standortes durch Bereitstellung von Zufahrtswegen und Verbesserung von Transportmöglichkeiten zu steigern.

4.4.3. Die Basisversorgung

Zentrale Idee ist es in diesem Bereich, die Bedingungen zu garantieren, welche die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Bevölkerung sicherstellen. Hierzu zählt z.B.

a) die Schaffung eines Zugangs zur Bildung für alle und insbesondere zur Schulbildung der Kinder. Maßnahmen sind hier u.a. Stipiendienpoole, günstige bis kostenlose Transportmöglichkeiten zur Schule, ausreichende Versorgung mit Schulen und methodisch-didaktischen Hilfsmitteln, Qualifizierung von Lehrpersonal und (strukturelle und materielle) Unterstützung der Familien, um den Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen.

b) der Bereich der Gesundheit, in der u.a. die medizinische Versorgung und Vorsorge verbessert, hygienische Einrichtungen (Latrinen, Trinkwassersicherstellung in möglichst allen Haushalten, Müllbeseitigung usw.) geschaffen und allgemein stärkere Kontrollen (Einhaltung von Hygienevorschriften, Umweltverhalten, Einsatz von Pestiziden usw.) eingeführt werden sollen.

c) die Telekommunikation, die u.a. auch in entlegenen Winkeln der Insel mittels Telefon und Funk vorhanden sein soll und ebenfalls ein Postsystem einbezieht.

d) und die Stromversorgung, für die gleichfalls alternative Energieformen (Sonne, Wind, Wasser) nutzbar gemacht und die Versorgung stark ausgeweitet werden sollen.

4.4.4. Die Umwelt

Die Bemühungen in diesem Teilbereich bewegen sich in der Hauptsache um die Umwelterziehung der Bevölkerung und der lokalen Autoritäten, um zu schützen was da ist und eine Handlungsfähigkeit zu erreichen, um Umwelt zu konservieren und natürliche Ressourcen zurückzugewinnen. Hierzu sind u.a. Umweltschutzgesetze erforderlich, die den Umgang mit Müll, Chemikalien, Gasen, Öl, Benzin, Lärm, Gewässer, Abholzung, Fischfang und Jagd regulieren. Erforderlich ist auch der konkrete Umweltschutz durch Bewachung, Bewusstseinsschaffung, Absage an ökonomischen Aktivitäten, die die Umwelt in Gefahr bringen, die Förderung des Ökotourismus, die Einführung von Umweltverträglichkeitsstudien angehender Bebauungsgebiete und das Aushandeln von Umweltschutzvereinbarungen mit Investoren von z.B. Hotelanlagen und Transportunternehmen. Zu den zahlreichen Umsetzungsmöglichkeiten gehört auch die Förderung von geführten Umwelt- bzw. Naturbesuchen von Studenten, allgemeiner Bevölkerung und Touristen. Eine Teilfinanzierung derartiger Maßnahmen soll durch die Einnahmen aus dem Tourismus gesichert werden.

4.5. Tourismus als Chance

Es bedarf keiner besonderen Beschreibungen um klar zu machen, das eine Tourismusförderung und -entwicklung um seiner selbst willen für eine gesamtregionale und nachhaltige Entwicklung gefährlich sein kann. Umso mehr, wenn der Profit nur einzelnen und mächtigen Individuen zugute kommt. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass all die oben beschriebenen regionalen Entwicklungsabsichten zum Wohle der Allgemeinheit selbst bei besten Absichten nur schwerlich zu verwirklichen sind. Ein solcher Weg ist langwierig und viele Grundlagen - wie z.B. die finanziellen - sind alles andere als leicht zu schaffen. Der Tourismus stellt daher über seine Eigenschaft als Einnahmequelle hinaus eine sehr gute Chance dar, um die gewünschte nachhaltige Entwicklung zu fördern. Ometepe ist von touristischem Interesse. Das beweisen die steigenden BesucherInnenzahlen der letzten Jahre, die 1993 noch schätzungsweise bei etwa 8000 pro Jahr lagen17 und heute schon ca. bei dem Dreifachen liegen. Ihr erscheinen bedeutet zwangsläufig die Auseinandersetzung mit ihren Bedürfnissen für eine zufriedenstellende Reise. Die Tatsache, dass Ometepe keine Karibikinsel ist und auch nicht an einem wunderschönen Pazifikstrand liegt, sondern stattdessen wegen seiner Vulkane, Nebelwälder, schönen Insellandschaft und dem Inselleben selbst interessant zu sein scheint, bedeutet in der Konsequenz, mehr ökologisch interessierte Touristen zu seinen Besuchern zählen zu dürfen, die sehr wohl an einer Entwicklung unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte großen Gefallen finden und sich in Begegnungen mit den Inselbewohnern engagiert dafür einsetzen (z.B. zum Umgang mit Müll). So reicht nicht selten schon allein das touristische Interesse aus, um bestimmte Zonen (Naturschutzgebiete) zu schützen. Steigender Tourismus fördert selbstverständlich ebenfalls das nationale und internationale Interesse, das nicht nur Investitionsinteresse verstärken und Arbeitsplätze schaffen, sondern auch zunehmend für lokale Probleme sensibilisieren kann. Voraussetzung sind auch stabile politische Bedingungen, die ihrerseits durch den Tourismus gefördert und mit auf demokratischere Bahnen gebracht werden können. Der Inselcharakter Ometepes bietet gute Möglichkeiten touristisch motiverter Erschließung, ohne dass sich die regionale Entwicklung in der Weite anderer Landesgebiete auflöst. Tourismus als Chance zu sehen bedeutet, ihn als Hilfsmittel, als Ansatzpunkt und als Teil eines Ganzen zu verstehen lernen, das wie der Kopf auf dem Rumpf einen lebendigen und aufeinander abgestimmten Organismus für seine Entwicklung braucht, gepflegt werden will und zum Nachdenken anregen möchte.

Literaturverzeichnis

- Box, Ben (1999): Mexico & Central American Handbook 2000. Legoprint,Italien. · Fundación Entre Volcanes (1998): Ometepe hacia el desarrollo sostenible.,o.O.
- Höhn, Michael u. Monika (1999): Ometepe, mi Amor - Vom Reichtum der Armen. Gronenberg Verlag.
- Parques naturales de Ometepe (2000) im Internet: <fev@ibw.com.ni>.
- Schmidt, Veronika (1997): Nicaragua - Reisehandbuch. Conrad Stein Verlag, Kronshagen.
- Welch Gillespie, Thomas (1996): Biologie Inventory of the Ometepe, Nicaragua. Manuscript submitted for publication.
- Internetauszüge unter dem Stichwort Ometepe.
- Don Castillo (2000): Owner of Hospedaje Castillo in Altagracia. Consultant for IRENA.

[...]


1 Vgl. Schmidt, V. (1997): Nicaragua - Reisehandbuch. S. 9.

2 Vgl. Planungsdirektion der MINTUR, (1996): Statistische Daten von 1990-1996.

3 Vgl. Ministerio de Turismo, (1996): Memoria de Logros y Actividades del Ministerio de Turismo. S. 2.

4 Vgl. ebd., S. 3.

5 Vgl. ebd., S. 37.

6 Vgl. INTUR, (2000): Nicaragua a water paradise. S. 12.

7 Vgl. Welch Gillespie, T. (1996): Biologie Inventory of the Ometepe Nicaragua. Im Anhang.

8 Vgl. Schmidt, V., a.a.O., S. 97f.

9 Höhn, Michael u. Monika (1999): Ometepe, mi Amor - Vom Reichtum der Armen. S. 76.

10 Vgl. Juárez Ponce, M. (1998): Desarrollo Sostenible en Ometepe. S. 9.

11 Vgl. Welch Gillespie, T. (1996):, Biologie Inventory of the Ometepe Nicaragua. S. 75.

12 Vgl. Juárez Ponce, M., a.a.O., S. 14.

13 Vgl. ebd., S. 14.

14 Vgl. ebd., S. 12.

15 Vgl. ebd., S. 18.

16 Vgl. ebd., S. 25.

17 Vgl. Welch Gillespie, T., a.a.O., S. 89.

15 von 16 Seiten

Details

Titel
Tourismuspolitische Regionalentwicklung auf Ometepe
Hochschule
Hochschule Bremen
Veranstaltung
Tourismuspolitik
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V103825
ISBN (eBook)
9783640022014
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tourismuspolitische, Regionalentwicklung, Ometepe, Tourismuspolitik
Arbeit zitieren
Katharina Fritz (Autor:in), 2000, Tourismuspolitische Regionalentwicklung auf Ometepe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103825

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Tourismuspolitische Regionalentwicklung auf Ometepe



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden