Der Hitler-Stalin-Pakt. Die Entstehung der Allianz und ihre Auswirkungen


Hausarbeit, 2020

16 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vertragsparteien des Hitler-Stalin-Paktes
2.1 Das Deutsche Reich
2.2 Die UdSSR

3. Annäherung der Diktaturen

4. Vertragsinhalt
4.1 Nichtangriffsvertrag
4.2 Geheimes Zusatzprotokoll

5. Umsiedlungspolitik

6. Konzept der Volksgemeinschaft

7. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wendepunkt in der Geschichte Europas und nicht nur Europas allein“. So bezeichnete Molotow, der sowjetische Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, den Nichtangriffspakt, der am 23. August 1939 zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR geschlossen wurde.1 Eine weitere zeitgenössische Einschätzung des Nichtangriffspaktes findet sich in der Prawda 2 : „Die Bedeutung des abgeschlossenen Vertrages geht über den Rahmen einer Regulierung der Beziehungen zwischen beiden vertragschließenden Ländern hinaus.“3

Auch in der aktuellen Forschung zu dieser Thematik finden sich ähnliche Äußerungen, wie beispielsweise bei Claudia Weber: „Die Kriegsgegnerschaft zwischen Hitler und Stalin bestätigte die Grundspannung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und war für Zeitgenossen wie für die Nachgeborenen das sichere Terrain der Weltkriegserinnnerung, während die Geschichte ihres Paktes ein damals wie heute beeindruckendes Unbehagen löste.“4

Im Folgenden soll sowohl eine Begutachtung der beiden Vertragsparteien - des Deutschen Reiches und der Sowjetunion - erfolgen, als auch die Entstehung der Allianz, der Vertragsinhalt, die Umsiedlungspolitik und das Konzept der Volksgemeinschaft betrachtet werden. Eine entscheidende Rolle - bei beiden Schwerpunkten - soll auch die Verflechtung der deutsch-sowjetischen Beziehung spielen. Dahingehend wird vor allem das Werk von Claudia Weber „Der Pakt - Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939-1941“ von Bedeutung sein.

Im letzten Schritt soll die Umsiedlungspolitik im Hinblick auf das Seminarthema, dem Konzept der Volksgemeinschaft, betrachtet werden.

2. Die Vertragsparteien des Hitler-Stalin-Paktes

Die Beleuchtung der beiden Vertragsparteien soll dem eigentlichen Schwerpunkt, dem Hitler-Stalin-Pakt, vorangestellt werden. Es scheint mir fundamental, um zu verstehen, wie die durch „unversöhnliche Feindschaft verbundenen Diktaturen“ einen gemeinsam enVertrag abschließen konnten, der letztendlich ein Auslöser des Zweiten Weltkrieges in Europa war.5

2.1 Das Deutsche Reich

In den Mittelpunkt dieses Kapitels sollen vor allem die Jahre 1922 bis 1934 rücken. Zuerst ist dahingehend der Vertrag von Rapallo zu benennen. Dieser normalisierte in erster Linie die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR.

Nach der Weltwirtschaftskrise hatte das Deutsche Reich mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Eine Aussicht auf Kredite aus den USA bestand nicht. So suchte man nach neuen wirtschaftlichen Partnern in Osteuropa.6 Die UdSSR stellte infolgedessen einen geeigneten Verhandlungspartner dar. Angesichts des Rohstoffvorkommens konnte das Land so dem Deutschen Reich aus der wirtschaftlichen Krise verhelfen. Zusätzlich versuchten beide Parteien einer internationalen Isolierung zu entkommen. Weiterhin bot der Vertrag von Rapallo für das Deutsche Reich - trotz des Versailler Vertrages - die Möglichkeit der militärischen Wiederaufrüstung.7

Doch die Wende der deutsch-sowjetischen Beziehungen vollzog sich bereits wenige Jahre später. Im Zuge von Hitlers Machtergreifung im Jahr 1933 verschlechterten sich die Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion. In seiner Rede vor den Befehlshabern der Reichswehr am 03. Februar 1933 verkündete Hitler außerdem die „Eroberung neuen Lebensraumes im Osten und dessen rücksichtslose Germanisierung“8 und sprach sogar von einer „Vergiftung der Welt durch den Bolschewismus“9. Hitler dezimierte die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit beider Länder, beispielsweise durch den Austritt aus dem Völkerbund und den polnisch-deutschen Nichtangriffspakt aus dem Jahr 1934. Nach Weber mündete dies in eine „Gegnerschaft von Kommunismus und Nationalsozialismus“.10

2.2 Die UdSSR

Ebenso wie das Deutsche Reich sah die Sowjetunion nach dem Ersten Weltkrieg ein Risiko, von den Westmächten ausgeschlossen zu werden. Eine entscheidende Schlüsselfigur ist hier der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Georgi Wassiljewitsch Tschitscherin. Dieser sorgte für gute deutsch-sowjetische Beziehungen und organisierte gar eine Militärkooperation zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee. Trotz dessen bezeichnet Weber das Vorgehen der UdSSR als „Politik der kollektiven Sicherheit“. So hatte Stalin bereits vor der Machtübernahme Hitlers begonnen, die politischen Verhältnisse zu den Westmächten zu verbessern oder zuerst einmal aufzubauen. 1932 sorgte die Sowjetunion für außenpolitische Emanzipation durch einen Nichtangriffspakt mit Polen. Im Jahr 1934 kam es zu einem Handelsabkommen mit Großbritannien. Das Ziel der Sowjetunion kann somit hinsichtlich der Außenpolitik klar beschrieben werden: die Schaffung eines Kontergewichtes zu Deutschland.11

3. Annäherung der Diktaturen

Trotz der Bemühungen sowohl des Deutschen Reiches als auch der UdSSR für die Isolation des jeweilig anderen Landes zu sorgen, wurde versucht an den Rapallo-Beziehungen festzuhalten. So vereinbarten von der Schulenburg (dt. Botschafter) und Litwinow (Nachfolger Tschitscherin, Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten) im Jahr 1938 einen Verzicht auf „direkte Angriffe gegen die beiderseitigen Staatsoberhäupter […] in Presse und Rundfunk“. Von Weber wird dies, als entscheidender Weg hin zum Hitler-Stalin-Pakt interpretiert.12

Europa unterlag in den 1930er Jahren einem Bündniswirrwarr. Doch die Situation Europas sollte sich nun ändern. Sowohl Polen, unter dem Außenminister Jósef Beck, als auch Großbritannien orientierten sich an dem „Dritten Reich“.13 Somit waren einige europäische Länder eher gegenüber Deutschland positiv gestimmt, als der UdSSR. Indes sollte es zu Interessenskonflikten, ausgelöst durch den Spanischen Bürgerkrieg, kommen. Frankreich und Großbritannien saßen dem „Komitee für Nichteinmischung in die Angelegenheiten Spaniens“ bei.

Hitler testete zur selben Zeit die Kriegstauglichkeit der deutschen Wehrmacht und marschierte am 12. März 1938 in Österreich ein, um die Lösung der „deutschen Frage“ voranzutreiben. Die Sowjetunion unterstütze unterdessen die republikanische Seite im Spanischen Bürgerkrieg. Durch eine Konferenz unter Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier - in der alle Forderungen Hitlers erfüllt wurden - bestätigte sich Stalins Angst, der politischen Isolation der Sowjetunion. Daraufhin organisierte er eine Konferenz „zur Eindämmung deutscher Aggression“, die jedoch abgelehnt wurde. Weber deutet dies als bisherigen Tiefpunkt der deutsch-sowjetischen Beziehung.14 Ungeachtet der Demütigung durch die Sowjetunion war das Deutsche Reich weiterhin an wirtschaftlichen Beziehungen mit der Sowjetunion interessiert. Man war auf die Rohstoffe angewiesen. So kam es am 19.12.1938 zu einem Abkommen über zukünftigen Handels- und Zahlungsverkehr. Deutschland gewährte Kredite in Höhe von 500 Millionen Reichsmark und erhielt im Gegenzug Rohstoffe im Wert von ca. 150 Mio. Reichsmark.

Ein erneuter Wendepunkt hinsichtlich der deutsch-sowjetischen Beziehungen zeichnete sich im Frühjahr 1939 mit Stalins „Kastanienrede“ ab, in der er von einem „Krieg um die Neuaufteilung der Welt spricht.“15 Stalin vermittelte die Nachricht für neue Koalitionen bereit zu sein. Der Einmarsch der Wehrmacht in die Tschechei und die Planung des Einmarsches in Polen sorgten unterdessen für Entsetzen bei den westlichen Großmächten. Ribbentrop (Minister für Auswärtiges ab 1938) pries bei Hitler eine erneute Kontaktaufnahme mit der Sowjetunion an. Ebenso wie das Deutsche Reich brauchte auch die Sowjetunion einen Bündnispartner in Europa. Stalin befürchtete hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen einen anti-sowjetischen Pakt. Hitler brauchte eine Bestärkung für den Einmarsch in Polen und stand folglich unter Handlungsdruck. Demnach war er bereit, politisch-territoriale Zugeständnisse zu machen und sich für ein besseres Verhältnis zwischen der Sowjetunion und Japan einzusetzen.16

Am 23. August entsandte Hitler Ribbentrop nach Moskau. Auf Drängen Stalins wurden ebenfalls Inhalte eines geheimen Zusatzprotokolls diskutiert. Schlussendlich wurde am selben Tag ein Nichtangriffspakt zwischen dem nationalsozialistischen Deutschen Reich und der stalinistischen Sowjetunion geschlossen, welcher Hitler den Überfall auf Polen ermöglichte und den Beginn des Zweiten Weltkrieges einläutete.

4. Vertragsinhalt

Möchte man über den Vertragsinhalt des Paktes zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion sprechen, muss an erster Stelle geklärt werden, ob das Geheime Zusatzprotokoll mit betrachtet werden soll. Ich habe mich an dieser Stelle für die Gesamtbetrachtung entschieden, d. h. das Geheime Zusatzprotokoll in meine Untersuchung mit einfließen zu lassen.

4.1 Nichtangriffspakt

Der Nichtangriffspakt, beschlossen am 23. August 1939, setzt sich aus sieben Artikeln zusammen. Im Folgenden sollen die einzelnen Artikel kurz beleuchtet werden.

Artikel I regelt den Verzicht auf Gewaltanwendung zwischen „beiden Vertragschließenden Teilen“, d.h. das Deutsche Reich durfte keinerlei Gewalttat gegen die Sowjetunion ausüben und umgekehrt galt das Gleiche für die Sowjetunion.
Artikel II beinhaltet den Verzicht auf Unterstützung von Gegnern des Vertragspartners. Artikel III legt den gegenseitigen Informationsaustausch fest, d. h. es sollten regelmäßige Konsultationen zwischen der Sowjetunion und dem Deutschen Reich stattfinden.
Artikel IV verpflichtete die Parteien bzw. „Mächtegruppierung“ sich keinem Bündnis zum Nachteil des Vertragspartners anzuschließen.
Artikel V konzentriert sich auf das Problem von Streitigkeiten/Uneinigkeiten. Die Vertragspartner waren dadurch verpflichtet, etwaige Probleme „auf dem Wege freundschaftlichen Meinungsaustausches […] zu bereinigen“.
Artikel VI legt die Dauer des Vertrages auf 10 Jahre fest. Beinhaltet aber ebenso die Regelung, dass, „soweit nicht einer der Vertragschließenden Teile ihn ein Jahr vor Ablauf dieser Frist kündigt, die Dauer des Wirksamkeit dieses Vertrages automatisch für weitere fünf Jahre als verlängert gilt“.
Artikel VII thematisiert die möglichst schnelle Ratifizierung des Paktes.17

4.2 Geheimes Zusatzprotokoll

„Aus Anlass der Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes zwischen dem Deutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“ haben die beiden Vertragsparteien die „Abgrenzung beiderseitiger Interessensphären in Osteuropa erörtert“.

So stellte das gemeine Zusatzprotokoll den Mittelpunkt des Paktes dar, denn beide Diktatoren teilten den Willen nach einer politisch-ideologischen Expansion. Das Protokoll legte die verschiedenen „Interessensphären“ der Vertragspartner und die Grenzen innerhalb Osteuropas fest. Demnach gehörten Lettland, Estland und Finnland zur sowjetischen Interessensphäre und Litauen18 zur deutschen Interessensphäre.19 Somit bildete „die nördliche Grenze Litauens zugleich die Grenze der Interessensphären Deutschlands und der UdSSR.“20

Der deutsch-sowjetische Vertrag bot beiden Akteuren somit die Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen auf dem Territorium der vernichteten Zweiten polnischen Republik, bspw. bei der gegenseitigen Unterstützung im Kampf gegen den polnischen Widerstand .

Weber sensibilisiert ebenfalls für weiterhin bestehende Probleme, wie die ideologische Gegnerschaft, kulturelle Vorurteile oder auch gegenseitiges Misstrauen.21

[...]


1 E. Oberländer, Ostmitteleuropa zwischen den Kriegen, in: E. Oberländer (Hrsg.),Hitler-Stalin-Pakt 1929 - Das Ende Ostmitteleuropas?, Frankfurt am Main, 1989, S.9.

2 russische Tageszeitung

3 C. Weber, Der Pakt - Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939-1941, München, 2019, S.75; so zitiert bei Pätzold/Rosenfeld, Sowjetstern und Hakenkreuz, S. 237 f.

4 Ebd., S. 11.

5 C. Weber, S. 71.

6 Hitlers Vorgehen wird auch als „Generalplan Ost“ bezeichnet, Umbau Mitteleuropas im Sinne des Nationsozialismus, Vgl., Madajzyk, Vom „Generalplan Ost“ zum „Generalsiedlungsplan“, S.12.

7 E. Oberländer, S. 29.

8 G. R. Ueberschär, Die Entwicklung der deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1939 bis 1941 und Hitlers Entschluß zum Überfall auf die UdSSR, S.5, in: Ueberschär/Bezymenskij (Hrsg.), Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941- Die Kontroverse um die Präventivkriegsthese, Darmstadt, 1998.

9 https://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_de&dokument=0109_hrw&object=facsimile&pimage=1&v=100&nav=&l=de

10 C. Weber, S. 27.

11 Ebd., S. 34 ff.

12 Weber, S. 39.

13 Ebd., S. 39-41.

14 Ebd., S. 49.

15 Ebd., S. 51 f.

16 Weber, S. 58 ff.

17 Weber, S. 223-224.

18 bis auf Wilna

19 Weber, S. 72.

20 Zusatzprotokoll, I, in: Weber, S. 224.

21 Weber., 121.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Hitler-Stalin-Pakt. Die Entstehung der Allianz und ihre Auswirkungen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,3
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V1040392
ISBN (eBook)
9783346457202
ISBN (Buch)
9783346457219
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hitler, Stalin, Pakt, Hitler-Stalin-Pakt, Allianz, Nationalsozialismus, UdSSR, Deutsches Reich, Volksgemeinschaft
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Der Hitler-Stalin-Pakt. Die Entstehung der Allianz und ihre Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040392

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