Die Auswirkungen musikalischer Früherziehung auf die kindliche Entwicklung


Facharbeit (Schule), 2020

42 Seiten, Note: 3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Musikalische Früherziehung und welche Ziele sind vorhanden?

3. Sozialverhalten

4. Kognitive Leistungsfähigkeit
4.1. Musik und Gehirn
4.2. Leistungsförderung durch Musik bei Kindern

5. Stimme, Sprechen und Singen

6. Einfluss auf die Gefühlsleben
6.1. Musik und Gefühle
6.2. Kinder, Musik und Gefühle

7. Bewegung und Motorik

8. Musikalische Entwicklung

9. Praxisbeispiele & deren Wirkung
9.1. „Hallo, hallo, schön, dass du da bist.“
9.2. „Das Vorspiel-Nachspiel-Spiel“
9.3. „Hoch-tief & hart-weich“
9.4. Gemeinsames Instrumentalspiel
9.5. Schwungtücher

10. Fazit

Literaturquellen

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Anhang

Abstract:

Das Ziel dieser vorwissenschaftlichen Arbeit ist es, die Auswirkungen der Musikalischen Früherziehung auf die Entwicklung des Kindes zu erarbeiten und zu veranschaulichen. Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, ob die Musikalische Früherziehung einen positiven Einfluss auf die allgemeine kindliche Entwicklung hat. Unterstützt die Musikalische Früherziehung die Entwicklung sozialer Kompetenzen? Kommt es zu einer kognitiven Leistungsförderung? Welche Rolle spielt sie in der Sprachentwicklung. Werden die motorischen Fertigkeiten gefördert? Hat die Musikalische Früherziehung Einfluss auf das Gefühlsverständnis von Kindern? Welche Auswirkungen hat sie auf die musikalische Entwicklung?

Trotz umfangreicher Literaturrecherche wurden zwei maßgebende Interviews mit qualifizierten Musikalischen Früherzieherinnen durchgeführt.

Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass sich die Musikalische Früherziehung äußerst positiv auf die allgemeine Entwicklung der Kinder auswirkt. Neben der Gründung einer musikalischen Basis finden sich die Kinder leichter in Sozialen Gruppen zurecht, sie werden selbstbewusster und unabhängiger. Sie lernen kontrolliert fein- und grobmotorische Handlungen durchzuführen und sich sprachlich korrekt auszudrücken. Das gesamte Gehirn der Kinder wird angeregt und dessen Leistungsfähigkeit trainiert.

1. Einleitung

Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit Musikalischer Früherziehung wurde mein Interesse an diesem Thema geweckt. Die frühen musikalischen Erlebnisse bilden die Basis für meinen weiteren Instrumentalunterricht. Ich spiele zwei Instrumente, Klarinette und Gitarre.

Aus diesem Grund will ich in dieser Arbeit untersuchen, ob die Musikalische Früherziehung einen positiven Einfluss auf die allgemeine Entwicklung des Kindes hat. Besonders konzentriere ich mich in dieser Arbeit auf das Sozialverhaltens, die kognitiven Leistungsfähigkeiten, die Stimme, Sprache und Gesang, die Gefühlsebene, die Motorik und die Musikalische Entwicklung.

Diese Arbeit kann in einen theoretischen und einen praxisbezogenen Teil gegliedert werden. Nach der Definition von Musikalischer Früherziehung behandelt der theoretische Teil die oben genannten Bereiche der kindlichen Entwicklung. Im praxisbezogenen Teil werden einige Spiele und Übungen, welche in Kindergärten oder in der Musikalischen Früherziehung genutzt werden, erläutert und deren Wirkungsweisen erklärt.

Die vorliegende Arbeit ist durch Informationen aus Büchern, sowie aus Internetquellen und Diplomarbeiten entstanden. Neben der Literatur habe ich zur Informationsgewinnung zwei Fachkräften aus der Musikalischen Früherziehung interviewt. Aufgrund des Datenschutzes benenne ich sie in der Arbeit Frau K. und Frau P.

2. Was ist Musikalische Früherziehung und welche Ziele sind vorhanden?

Musikalische Früherziehung ist ein früher Einstieg in die Welt der Musik, mit dem Ziel, das Interesse der Kinder in diese zu wecken. Die Kinder machen Erfahrungen, die den Einstieg in den späteren Vokal- und Instrumentalunterricht in der Musikschule erleichtern. (vgl. Juliane 1995: S. 29) Neben dem Erwerb und der Förderung von musikalischen Fähigkeiten, werden auch Aspekte der Gesamtentwicklung, wie die Persönlichkeitsentwicklung, die Soziale Kompetenz und die motorischen, psychischen und sensorischen Aspekte des Kindes gefördert. (vgl. Loibingdorfer 2017: S. 9)

Die Musikalische Früherziehung ist ein Teilgebiet des Fachbereichs der Elementaren Musikpädagogik. Die Elementare Musikpädagogik ist sehr großflächig und umfasst verschiedenste Altersgruppen, welche von Elementares Musizieren in Eltern-Kind­Gruppen bis hin zu Elementares Musizieren mit Senioren oder Menschen mit Behinderung reichen. (vgl. KOMU o. J. [online])

Allgemein kann man die Inhalte der Musikalischen Früherziehung in sechs Teilbereiche einteilen:

„- Stimme
- Instrumentalspiel auf elementarer Basis
- Bewegung und Tanz
- auditive Musikwahrnehmung
- Kennenlernen diverser Musikinstrumente
- Musiklehre “ (ebd.: S. 14)

Musikalische Früherziehung wird in der Regel für Kinder von 4 bis 6 Jahren angeboten, jedoch kann dies variieren. So wird auch häufig Musikalische Früherziehung für Eltern­Kind-Gruppen angeboten, in welchen die Kinder schon mit wenigen Monaten an der Seite der Eltern teilnehmen können. In der Regel wird das Teilnahmealter der Kinder von den Unterrichtsleitern oder der Musikschule vorgegeben. Ein Beispiel dafür wäre die Yamaha Musikschule. Die Lehrkräfte dieser Einrichtung empfehlen den Einstieg in die Musikerziehung schon für Kinder ab 4 Monaten. (vgl. Frau K.: S. 36f. [Interview 1]). Hauptsächlich wird Musikalische Früherziehung von Musikschulen angeboten, jedoch kann sie auch in manchen Erziehungseinrichtungen, Kindergärten und Vorschulen stattfinden. Grundsätzlich findet sie in einer Gruppe mit bis zu zehn Kindern statt. Die geringe Teilnehmeranzahl pro Gruppe ist besonders während des Einstiegs in die Früherziehung wichtig, da die Erzieher sich bei kleineren Gruppen intensiver auf die Kinder konzentrieren können und ihnen so das Eingewöhnen in den Unterricht erleichtern. (vgl. Loibingdorfer 2017: S. 2,3,5)

Im Gegensatz zum Musikunterricht im späteren Alter, soll das Ziel der Musikalischen Früherziehung nicht in der reinen Wissensvermittlung liegen. Das Wissen soll den Kindern durch Spiele und Aufgaben vermittelt werden. Da die Kinder individuelle Fortschritte in ihrer Entwicklung machen, soll der Schwierigkeitsgrad der Spiele individuell an die einzelnen Fähigkeiten der Kinder angepasst werden. Somit kann auf die Bedürfnisse aller Kinder der Gruppe eingegangen werden und kein Kind wird vernachlässigt. (vgl. Buchinger 1996: S. 13f.)

3. Sozialverhalten

„Die ersten sozialen Erfahrungen eines Menschen beeinflussen sein Verhalten zu anderen Menschen.“ (Stummer 2014: S. 81)

Die frühe Förderung und Entwicklung der Sozialen Kompetenz ist demnach ein sehr wichtiger Aspekt der Musikalischen Früherziehung und sämtlichen anderen Frühförderungskonzepten. Unter sozialer Kompetenz bei Kindern versteht man beispielsweise die Fähigkeit in Ruhe anderen Personen zuzuhören, geduldig zu sein, Regeln einzuhalten, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu sein, Rücksicht auf andere zu nehmen, mit anderen Personen kommunizieren und tolerant und fair zu sein. (vgl. Stummer 2014: S. 81) Besonders wichtig ist eine ausgeprägte soziale Kompetenz für junge Kinder, während des Eintritts in die Volksschule und in ihrer weiteren Schullaufbahn. (vgl. Stangl 2020 [online])

Aber auch für das gemeinsame Musizieren werden angemessene soziale Fähigkeiten benötigt. Deswegen ist die Förderung des Sozialverhaltens ein wesentlicher Aspekt der Musikalischen Früherziehung. Da diese hauptsächlich in Gruppen stattfindet, sind die Kinder angewiesen im Zusammenspiel aufeinander zu hören, sich aneinander anzupassen und aufeinander Rücksicht zu nehmen. (vgl. Loibingdorfer 2017: S. 39f.)

Viele Spiele und Übungen beinhalten die Auseinandersetzung der Kinder mit ihren eigenen Gefühlen und wie sich diese auf andere Menschen auswirken. Durch das gemeinsame Instrumentalspiel, Tanzen und Singen wird ihr Gemeinschaftssinn gefördert. Das Tanzen mit anderen gibt dem Kind ein Gefühl der Mitgliedschaft und Geborgenheit in einer Gruppe. Dies stärkt sowohl das Zusammengehörigkeitsgefühl als auch die Kontaktfähigkeit und den Beziehungsaufbau untereinander. Kinder lernen so aufeinander zu achten und miteinander rücksichtsvoll umzugehen. (vgl. Loibingdorfer 2017: S. 39f.)

Weiters unterstützt der Gruppenunterricht die Hilfsbereitschaft. In solchen Gruppen gibt es nämlich immer wieder Kinder, die in manchen Bereichen besser abschneiden als die Anderen. Sie lernen jedoch zusammen in dieser Gruppe aufzuwachsen und sich gegenseitig zu korrigieren und zu motivieren. (vgl. Frau K.: S. 35 [Interview 1])

Dass die Musikalische Früherziehung oder der Musikunterricht in der Volksschule das Sozialverhalten der Kinder in der frühen Kindheit positiv beeinflusst, wurde auch durch Studien und Erfahrungen von Eltern und Lehrkräften bestätigt. Forschungsergebnisse zeigen, dass der Musikunterricht und das Musizieren den Sinn der Kinder für das Miteinander in einer Gruppe fördern. Wenngleich das Musizieren eine individuelle Leistung darstellt, wird dieses jedoch oft in Gruppen durchgeführt. Aus diesem Grund stellen die Zusammenarbeit und die Rücksichtnahme der Kinder aufeinander, sehr wichtigen Aspekte einer gelungenen Gruppendynamik dar. (vgl. Günther Bastian 2007: S. 51)

Verschiedene Studien belegen den positiven Einfluss, der elementaren Musikerziehung auf das Sozialverhalten der Kinder. Eine dieser Studien ist die Neufassung des Modellprogramms des Verbands deutscher Musikschulen von Wilhelm Twittenhoff und Diethard Wucher. Durch Befragung von Lehrkräften, die an diesem Programm teilnahmen, konnten folgende Erkenntnisse über die Soziale Kompetenz der Kinder nach zwei Jahren Musikalischer Früherziehung, gewonnen werden.

Laut Aussagen einer der Lehrkräfte, seien die Kinder, da sie es durch die Musikalische Früherziehung gewöhnt waren sich in der Öffentlichkeit musikalisch zu zeigen und darzustellen, nun viel offener und selbstsicherer. Es konnte jedoch nicht ausgesagt werden ob diese Offenheit rein durch die Musikalische Früherziehung entstanden ist oder ob diese durch den Einfluss der Schule auf das Kind entstanden ist. Allerdings empfand die Lehrkraft, dass diese Aufgeschlossenheit der Kinder zu fremden Personen aufgrund der zahlreichen Aufführungen, wie Klassenabende, durch die Musikalische Früherziehung gefördert worden ist. Weiterhin haben sich Kinder, welche musikalisch aktiv geblieben sind, im Vergleich zu Kindern ohne frühere Musikerziehung, sehr schnell und leicht in musikalische Gruppen, wie Orchester oder Singklassen, integriert. Besonders auffallend war, dass neben den positiven Aussagen der Lehrkräfte des Modellprogramms, auch anderen Lehrkräften die Kooperativität der Früherziehungskinder im Gegensatz zu anderen Kindern positiv aufgefallen ist. (vgl. Knoll/Kormann 1992:S. 266f.)

In weiteren Berichten von Lehrkräften, sind die vielen positiven Rückmeldungen von Eltern und Grundschullehrer aufgefallen. Viele der Eltern, die eines ihrer Kinder durch Musikalische Früherziehung gefördert haben und dem anderen Kind, keine solche Förderung zukommen ließen, empfanden, dass das Kind mit frühmusikalischen Hintergrund einen leichteren Schulstart hatte als das Kind ohne der Früherziehung. Aber auch die Lehrer waren der Meinung, dass der Einstieg in die Schule dem Kind mit der Musikerziehung leichter fiel. Ihre Begründung war, dass diesen Kindern die Unterrichtssituation schon bekannt war. Sie wussten aufgrund ihrer Erfahrungen durch die Früherziehung, dass sie im Unterricht aufpassen, sich ruhig verhalten und aktiv mitarbeiten müssen. (vgl. ebd.: S. 267)

Des Weiteren empfanden manche der befragten Eltern sogar, dass sich die Kinder durch die Musikalische Früherziehung etwas von ihrer Bindung an die Eltern gelöst hätten. Andere Eltern wiederum waren der Meinung, dass dieses Verhalten der Kinder in keinem Zusammenhang mit der Musikalischen Früherziehung stehe, da die Kinder aufgrund des Kindergarten- und Vorschulbesuches, schon teils von ihrer Bindung zu den Eltern gelöst worden waren. Folgende Aussage zeigt jedoch das Gegenteil. (vgl. ebd.: S. 108.)

„Die Bindung an die Eltern kann in diesem Alter nicht stark genug sein. Was zutrifft, ist, daß die Musikalische Früherziehung einen großen Schritt zum Wahrnehmen und Darstellen ihrer selbst geholfen hat“ (ebd.: S. 109)

Allerdings wurde darauf hingewiesen, dass die positive Einstellung der Eltern auf die Musikalischen Früherziehung einen großen Einfluss auf das Kind und dessen Vertrauen zu der Gruppe hat. Hätten die Eltern keine positive Einstellung gegenüber der Musikalischen Früherziehung gehabt, dann hätte sich das Verhalten des Kindes zu der Gruppe ganz anders entwickelt. (vgl. ebd.: S. 266f.)

Dass die frühe Musikerziehung einen positiven Einfluss auf das Sozialverhalten der Kinder hat, zeigt auch die Langzeitstudie an Berliner Grundschulen von Hans Günther Bastian. Insgesamt nahmen sieben Klassen an dieser Studie teil. Fünf dieser Klassen kam erweiterte Musikerziehung (Modellgruppe, MG) zugute und die anderen zwei Klassen erhielten nur regulären Musikunterricht (Kontrollgruppe, KG). Um einen Unterschied des Sozialverhaltens zwischen der Modellgruppe und der Kontrollgruppe zu untersuchen wurden jährlich am Ende des Schuljahres Sympathiewahlen innerhalb der Klassengemeinschaft abgehalten. In dieser mussten die Kinder, anhand einer Gesichter Skala, welche von „mag ich besonders gerne bis mag ich nicht so gerne“ reichte, über die anderen Kinder in deren Klasse abstimmen. Wichtig zu erwähnen ist, dass jedes Kind mehrmals abstimmen konnte. Die Ergebnisse dieser Wahlen sind sehr deutlich ausgefallen. In allen sechs Jahren erhielten über 90% der Kinder der Modelgruppe bei jeder Abstimmung mindestens eine Positivwahl. Besonders überzeugende Ergebnisse erbringen die letzten drei Grundschuljahre, denn diese zeigen, dass es in der Kontrollgruppe fast doppelt so viele Negativwahlen gab wie in der Modellgruppe. Schlussfolgernd kann man diesen Ergebnissen entnehmen, dass Kinder, welche zusammen in einer Gruppe musikalische Erziehung genießen, viel seltener andere Kinder ausgrenzen. Diese Ergebnisse zeigen, dass man durch das gemeinsame Musizieren das soziale Klima ihn einer Gruppe, Klasse oder sogar einer ganzen Schule verbessern kann. (vgl. Günther Bastian 2007: S. 52f.)

Auch Frau P. bestätigt in dem Interview die positive Unterstützung der sozialen Kompetenz durch Musikalische Früherziehung. Sie bemerkt immer öfter wie sehr die sozialen Kompetenzen der Kinder nachlassen. Die Kinder versuchen ständig lauter als die anderen zu sein, ganz nach dem Motto, wer lauter redet hat gewonnen. Jedoch ist dieses Verhalten in ihrem Unterricht nicht gestattet, und die Kinder müssen lernen sich an Regeln zu halten und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Nach Frau P.s Erfahrungen, haben sich die Kinder meist nach ein paar Monaten an die Regeln der Gruppe gewöhnt und halten diese ein. Sie betont, dass aufgrund der kleinen Teilnehmeranzahl pro Gruppe, ein gutes soziales Klima sehr leicht möglich ist. Es kann auf jedes Kind eingegangen werden, und kein Kind geht in der Gruppe unter. (vgl. Frau P.: S. 39f. [Interview 2])

4. Kognitive Leistungsfähigkeit

4.1. Musik und Gehirn

Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Hälften, welche ein Balken (corpus callosum) miteinander verbindet. Da beide Gehirnhälften gekreuzt arbeiten und somit jede Gehirnhälfte die andere Körperhälfte steuert, müssen beide gleichzeitig aktiv miteinander verbunden sein, um den Körper vollständig zu koordinieren. Obwohl sich diese Verbindung von selbst entwickelt, ist sie nicht bei jedem gleich stark ausgeprägt. Eine ausgeprägte Verknüpfung ist von großer Bedeutung, da sie bei allgemeinen Fähigkeiten, wie dem Rechnen, Schreiben und Lesen benötig wird. Ein früher Einstieg in die Musik ist deshalb sehr zu empfehlen, da bei Personen, die schon seit früher Kindheit musikalisch aktiv sind, eine besonders starke Verbindung der beiden Gehirnhälften vorzufinden ist. (vgl. Loibingdorfer 2017: S. 30)

Außerdem wurde durch eine Studie festgestellt, dass die graue Substanz, eine wesentliche Komponente des Zentralnervensystems, im Gehirn von musikalisch aktiven Personen, im Gegensatz zu nicht musikalisch aktiven Menschen, eine ausgesprochen große Dichte aufweist. Obwohl aus neurowissenschaftlicher Sicht noch 11 kein Rückschluss aus dieser Erkenntnis gezogen werden kann, haben Wissenschaftler hinsichtlich dieses Studienergebnisses eine direkte Korrelation zwischen Leistungsfähigkeiten bestimmter Gehirnbereiche und der Dichte der grauen Substanz in diesen gezogen. Diese Leistungssteigerung wirkt sich positive auf die Sprachkompetenz, das Gedächtnis, die Musikkompetenz und die Motorik aus. (vgl. ebd.: S. 31)

4.2. Leistungsförderung durch Musik bei Kindern

Wie vorher besprochen, wird durch die Inhalte und Aktivitäten der Musikalischen Früherziehung die Verbindung der Gehirnhälften zueinander gefestigt. Zum Beispiel wird während des Singens und Sprechens, sowohl die linke wie auch die rechte Gehirnhälfte aktiv, was folglich die Verbindung beider Hälften zueinander trainiert und verbessert. Des Weiteren wird diese Verbindung auch durch andere essenzielle Inhalte der Musikalischen Früherziehung, wie durch die Tanz- und Bewegungsaktivitäten und das Instrumentalspiel, trainiert. Man kann aufgrund dieser Erkenntnisse deutlich erkennen, dass durch Musikalische Früherziehung die Gehirnentwicklung gefördert wird. (vgl. Loibingdorfer 2017: S. 30f.)

Der Meinung, dass durch das Singen die Gehirnentwicklung unterstützt wird ist auch der Gehirnforscher Gerald Hüther. Er ist der Ansicht, dass aufgrund der während des Singens ausgeführten feinmotorischen Bewegungen, das Singen den größten Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns der Kinder hat. (vgl. ebd.: S. 32)

Zudem zeigen Ergebnisse verschiedener Studien den positiven Zusammenhang von elementarer Musikerziehung und der Leistungsentwicklung von Kindern.

Eine in einem Teheraner Kindergarten durchgeführte Studie, untersuchte den Einfluss der Musikerziehung auf die kognitive Entwicklung von Kindern im Alter von 5 bis 6 Jahren. Die Kinder wurden in eine Modell- und in eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Die Modellgruppe erhielt drei Monate lang je 75 Minuten pro Woche Musikerziehung, die Kontrollgruppe hingegen erhielt keine musikalische Förderung. Am Ende des Versuchs wurden die Kinder durch Tests des Stanford-Binet Intelligence Scale (TSB) geprüft.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Modellgruppe deutlich besser abschnitt als die Kontrollgruppe. Besonders die Tests des Kurzzeitgedächtnisses und der sprachlichen Fähigkeiten stachen positiv hervor. (vgl. Zhang 2015: S.9 [online])

Weitere Ergebnisse liefert das in Dallas/Texas durgeführte Programm „Learning to Learn Through Music“. Dieses bot unterprivilegierten Vorschulkindern freiwillige und kostenlose Musikförderung an. Das Ziel dieses Programmes war es, bei Kindern mittels musikalischer Förderung eine Leistungssteigerung in nichtmusikalischen Bereichen zu erreichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder mit Musikerziehung, deutlich besser in Musik-, Lese-, Sprach- und Mathematiktests abschnitten, als der Rest der Klasse, welche die freie Musikförderung nicht angenommen hatten. (vgl. Wolf 1978: S. 4f. [online])

Auch in der Musikalischen Früherziehung der Yamaha-Musikschule wird durch das Training des absoluten Gehörs die Koordinierung beider Gehirnhälften gefördert. Das absolute Gehör ist die Fähigkeit Töne, ohne einen Ton als Vergleich zu haben, in ihrer Tonhöhe bestimmen zu können. Die Kinder bekommen komplexe Aufgaben zum Lösen und viele der Spiele beinhalten Multi-Task-Elemente, um die Koordinierung beider Gehirnhälften zu fördern. Diese Koordination leistet einen enormen Beitrag zu einer allgemeinen Leistungsförderung. (vgl. Frau K.: S. 36 [Interview 1])

5. Stimme, Sprechen und Singen

Sprache und Musik werden oft als Geschwisterpaar angesehen, da beide in manchen Aspekten große Ähnlichkeiten zueinander aufweisen. Wie etwa, dass sowohl das Sprechen als auch das Musizieren im Kindesalter durch Zuhören und Nachahmen erlernt wird. Zwischen beiden ist auch eine interessante Wechselwirkung vorhanden, da die Sprache ein Mittel zur Analyse und Interpretation musikalischer Werke darstellt, aber auch die Musik ein Werkzeug zum Ausdruck sprachlicher Werke ist. Uns Menschen ist es daher möglich unsere Emotionen und Stimmungen sowohl durch die Sprache als auch durch die Musik auszudrücken. (vgl. Neubert: S. 33 [online])

Aufgrund dieser Erkenntnisse gibt es in der Musikerziehung unterschiedliche Methoden, die sprachliche Entwicklung zu fördern. In der Musikalischen Früherziehung wird hauptsächlich mit der Sprache und der Stimme gespielt, indem die Kinder Lieder singen, Verse vorlesen, und Reime lernen. (vgl. ebd.: S. 34 [online])

Die Stimme ist unser erstes und persönlichstes Instrument. Besonders während des Einstieges in die Musikalische Früherziehung wird das Kennenlernen der eigenen Stimme als ausgesprochen wichtig empfunden. (vgl. Loibingdorfer 2017: S. 14f.) Deswegen ist ein fundamentaler Inhalt der Musikpädagogik das Singen. Das Singen erfüllt die Kinder nicht nur mit Freude, sondern ist auch gesundheitlich fördernd. Es regt den Kreislauf und den Stoffwechsel an, es werden Glückshormone und Adrenalin ausgestoßen, (vgl. Stummer 2014: S. 193), die Bronchien, der Kehlkopf und das Zwerchfell werden stimuliert und der Körper bekommt mehr Sauerstoffzufluss. All das führt zu einem allgemeinen Glücksgefühl. Auch eine Studie der Universität Münster belegt die stärkende Wirkung des regelmäßigen Singens auf den Körper und auf die Psyche des Menschen. (vgl. Kreusch-Jacob 2012: S. 45) Ebenso wird die Gehirnleistung durch das Singen unterstützt, da während des Singens beide Gehirnhälften genutzt werden. Die linke Gehirnhälfte übernimmt das rational-logische Denken, während die rechte Gehirnhälfte für Gefühlsregungen verantwortlich ist. Beim Sprechen und beim Singen wird das Gehirn ganzheitlich gefördert, indem, sowohl die linke als auch die rechte Gehirnhälfte zeitgleich genutzt werden. (vgl. Stummer 2014: S. 193)

Das regelmäßige Singen unterstützt die Sprachentwicklung. Durch das Singen erlenen die Kinder die richtige Artikulation von Wörtern und Phrasierungen. (vgl. ebd.: S. 203) Neben dem Singen stellen auch andere elementar musikalische Ausdrucksformen, wie Reime, Tänze und Fingerspiele wichtige Beiträge für die Sprachentwicklung dar. Durch diese Ausdrucksformen wird das Interesse der Kinder in den Unterricht geweckt und es werden Lernprozesse geöffnet, die verschiedene Handlungen und das Sprechen miteinander verbindet. Eine überaus effektive Methode zur Sprachförderung ist deshalb die Verwendung von Spielliedern im Unterricht. (vgl. Hirler 2015: S. 16)

Dieser Ausbau des vokalen Ausdrucks ist, laut empirischen Untersuchungen durchgeführt von der Entwicklungspsychologin Stefanie Stadler Elmer, besonders im Kindergartenalter ausgesprochen wichtig. Wenn Kinder aus eigener Intuition entscheiden miteinander zu singen oder mit den Erziehern singend Geschichten erzählen bzw. erzählt bekommen, wird die Basis des Musikverhaltens von Kindern gebildet. Durch Wiederholung von Märchen, Versen, Liedern etc. prägen sich Kinder diese ins Gedächtnis ein und es wird nicht nur die musikalische Entwicklung, sondern auch die Sprachkompetenz, das Gedächtnis und das Sprachbewusstsein gefördert. (vgl. Kreusch-Jacob 2012: S. 45).

Unter der Neufassung des Modellprogramms des Verbandes deutscher Musikschulen konnte eine solche sprachförderliche Wirkung festgestellt werden. An dem Modellprogramm nahm ein vierjähriges Kind teil, welches bis zum Eintritt in die Musikalische Früherziehung noch gar nicht sprechen konnte, und sich daher nur durch nonverbale Laute ausdrückte. Das Kind konnte seine sprachlichen Fähigkeiten durch die musikalische Förderung soweit verbessern, dass es erfolgreich einer Mittelschule beitreten konnte. (vgl. Knoll/Kormann 1992: S. 268).

Weiters konnte in einer Studie festgestellt werden, dass vier- bis fünfjährige Kinder, welche schon musikalische Erfahrungen haben, einen großen Wortschatz besitzen und die Struktur der Sprache verstehen können, und somit lernen, Laute und Silben zu unterscheiden. Diese Fähigkeit ist nötig, um Schreiben und Lesen zu erlernen. (vgl. Loibingdorfer 2017: S.37)

[...]

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen musikalischer Früherziehung auf die kindliche Entwicklung
Note
3
Jahr
2020
Seiten
42
Katalognummer
V1042226
ISBN (eBook)
9783346466877
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musikalische Früherziehung, Kinder, Entwicklung, Auswirkung auf Kinder, Musik
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Die Auswirkungen musikalischer Früherziehung auf die kindliche Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042226

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