Der historische Kriminalroman ist ein sehr beliebtes Genre heutzutage. Das ist u.a. dem so weit verbreiteten allgemeinen Interesse der Bevölkerung an geschichtlichen Themen geschuldet. Doch inwiefern eignet sich der historische Kriminalroman eigentlich hierzu? Wie wird in einem historischen Krimi Geschichte vermittelt und wo finden sich Stellschrauben, die das Risiko des Transports eines verzerrten Geschichtsbildes erhöhen?
Inhaltsverzeichnis
1. Der Gegenstand der Seminararbeit
2. Definition des Genrebegriffs „Historischer Kriminalroman“
3. Geschichtsvermittlung im historischen Kriminalroman
3. 1 Das Grundprinzip der Geschichtsvermittlung in historischen (Kriminal-)Romanen
3. 2 Genaueres zum System von Fakt und Fiktion im historischen Kriminalroman
3. 3 Geschichtsbild, Geschichtsbewusstsein und Geschichtspräsentation
3. 3. 1 Erweiterte Terminologie
3. 3. 2 Zusammenhang von Geschichtsbild / Geschichtsvorstellung und Geschichtsbewusstsein in Gruppendynamiken (Kollektiven)
3. 4 Der Einsatz von Fakt und Fiktion in historischen Kriminalromanen allgemein
3. 4. 1 Der Einsatz von Fiktion in historischen Kriminalromanen
3. 4. 2 Der Transport von Fakten im historischen Kriminalroman
3. 5 Fakt und Fiktion am Beispiel diverser Rezeptionen historischer Kriminalromane der Gegenwartsliteratur
3. 5. 1 Fakt und Fiktion am Beispiel diverser Rezeptionen historischer Kriminalromane der Erwachsenen-Belletristik
3. 5. 2 Fakt und Fiktion in Rezeptionen historischer Kriminalromane der Kinder- und Jugendbelletristik
3. 6 Chancen und Risiken der Geschichtsvermittlung durch historische Kriminalromane
4. Die Beliebtheit der historischen Kriminalromane in Deutschland
5. Ausblick: Mögliche Zukunftsperspektiven des historischen Kriminalromans
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht den historischen Kriminalroman als Medium der Geschichtsvermittlung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie und mit welchen Folgen Geschichte durch die Verknüpfung von Fakten und Fiktion innerhalb dieses Genres an den Leser vermittelt wird.
- Systematik von Fakt und Fiktion im historischen Kriminalroman
- Der Mechanismus der "historischen Barriere" und deren Überwindung
- Zusammenhang von Geschichtsbild, Geschichtsbewusstsein und Geschichtspräsentation
- Analyse von Rezeptionen in der Erwachsenen- sowie Kinder- und Jugendliteratur
- Chancen und Risiken der Geschichtsvermittlung durch "Lernen durch Erleben"
Auszug aus dem Buch
3. 4. 2 Der Transport von Fakten im historischen Kriminalroman
Eine besondere Schwierigkeit allerdings birgt es, historische Fakten in den Roman einzuarbeiten, ohne sachtextartige Abschnitte einzubauen – dem Leser soll schließlich der größtmögliche Lesegenuss erhalten bleiben. Manche Romane zeigen historische Fakten aus dem Verhalten und aus „subjektiven Reaktionen einer fiktionalen Figur“25. Klaus Peter Müller erläutert hierbei folgende zusätzliche Vorteile dieser Strategie: „Die Leserinnen und Leser werden unmittelbar involviert, wobei hier typischerweise keine simple Identifikation mit der Hauptfigur intendiert ist, sondern [auch] Verständnis.“26
Dieses Verständnis erleichtert es also den Lesern, trotz der „Distanz, die sich [...] durch die historische und politische Ferne aus heutiger Sicht ergibt“27, sich in die Figuren hineinzuversetzen bzw. eventuell sogar zu ihnen eine emotionale Bindung aufzubauen: Der Leser fühlt mit. Erfährt also eine Frau beispielsweise in einem historischen Kriminalroman, dass ihr Mann im zweiten Weltkrieg gefallen ist und beginnt sie dabei zu weinen, kann der Leser sich gut in das Elend der Zuhause-Gebliebenen dieser Zeit hineinversetzen. Er kann die Situation der zwar eigentlich fiktiven Figur mit seiner Lebenssituation vergleichen und im besten Falle Parallelen finden. Durch diesen Vergleich, fällt es ihm wohl leichter, sozusagen exemplarisch das Leben einer bestimmten Epoche der Vergangenheit zu begreifen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Gegenstand der Seminararbeit: Einführung in das Genre und Darlegung der grundlegenden Fragestellungen zur Vermittlung von Geschichte im historischen Kriminalroman.
2. Definition des Genrebegriffs „Historischer Kriminalroman“: Abgrenzung des Genres anhand von zwei Arten der Verbrechensbehandlung (Gegenwart vs. Vergangenheit) und Festlegung einer Arbeitsdefinition.
3. Geschichtsvermittlung im historischen Kriminalroman: Theoretische Untersuchung des Zusammenspiels von Fakten und Fiktion sowie deren Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein des Lesers.
4. Die Beliebtheit der historischen Kriminalromane in Deutschland: Erläuterung der Relevanz des Genres für den Buchmarkt und Untersuchung der Gründe für das anhaltende Interesse der Leserschaft.
5. Ausblick: Mögliche Zukunftsperspektiven des historischen Kriminalromans: Einschätzung des Forschungsbedarfs und Vorschläge zur didaktischen Integration des Genres in den Unterricht.
Schlüsselwörter
Historischer Kriminalroman, Geschichtsvermittlung, Fakt und Fiktion, Geschichtsbewusstsein, Historische Barriere, Geschichtspräsentation, Literaturwissenschaft, Rezeption, Unterhaltungsliteratur, Zeitreise-Krimis, Wissensvermittlung, Narratologie, Geschichtsbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit analysiert, wie historische Kriminalromane als Medium dienen, um geschichtliche Inhalte zu vermitteln und beim Leser ein Geschichtsbewusstsein zu prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf das Verhältnis von Fakten und fiktiven Elementen, die Rolle des Autors bei der Geschichtspräsentation und die psychologische Wirkung auf den Leser durch "Lernen durch Erleben".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Folgen der Geschichtsvermittlung in diesem Genre zu erörtern und aufzuzeigen, wie Autoren durch gezielte Schwerpunktsetzungen das historische Verständnis der Leser beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Fachliteratur zum Thema Geschichte im Krimi mit Fallbeispielen aus verschiedenen Romanen und Buchreihen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Geschichtsvermittlung, die Bedeutung der Terminologie, den Einsatz von Fakten und Fiktion sowie spezifische Rezeptionsbeispiele in der Erwachsenen- und Kinderliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Historischer Kriminalroman, Geschichtsvermittlung, Fakt und Fiktion, Geschichtsbewusstsein und Historische Barriere.
Was versteht die Autorin unter der „historischen Barriere“?
Die historische Barriere beschreibt die Distanz zwischen dem heutigen Leser und vergangenen Epochen, die aufgrund fehlenden Wissens über Bräuche und Lebensumstände das Verständnis erschwert.
Wie unterscheidet sich die Vermittlung bei „Tatort Geschichte“ von anderen Krimis?
Bei Kinder-Reihen wie „Tatort Geschichte“ ist der Einsatz von Fiktion offensichtlicher (z.B. durch Rätsel), dient jedoch pädagogischen Zwecken und wird durch einen Sachanhang zur Faktenprüfung ergänzt.
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- Florian Meidinger (Author), 2019, Der historische Kriminalroman in seiner Eigenschaft als Medium der Geschichtsvermittlung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1043244