Durch den bildungspolitischen Paradigmenwechsel des deutschen Bildungssystems vom Inputgesteuerten Unterricht hin zu einer Orientierung am Output der Schülerinnen und Schüler geriet immer mehr die individuelle Kompetenz und somit das einzelne Individuum selbst in den Blickpunkt. Freinet erklärt, dass das Kind, so wie es ist, mit seinen besonderen Interessen und Bedürfnissen, mit seinen Gedankengängen und seiner speziellen Logik zu betrachten sei, sodass ihm bei seiner persönlichen Entfaltung geholfen werden können. Im Mittelpunkt steht dann nicht mehr ausschließlich das Lernprodukt, sondern auch der Lernprozess und damit die individuelle Entwicklung eines Kindes.
Theorien und Phasen der kindlichen Entwicklung sind daher nicht nur in der Kindheits- und Jugendforschung wichtig, sondern auch für Lehrerinnen und Lehrer. Bisherige Entwicklungstheorien beziehen sich allerdings nahezu ausschließlich auf die stereotypische Entwicklung eines Kindes und sind demnach alles andere als individuell fundiert. Allerdings kann mithilfe sogenannter Stützfaktoren die stereotypische und gesunde, das heißt ohne psychische Störungen stattfindende Entwicklung, begünstigt werden. Diese sollen in der Ausarbeitung dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Entwicklungstheorien und Stützfaktoren
2.2 Soziokulturelle Einflüsse auf die Entwicklung
2.3 Ökologische Modelle der kindlichen Entwicklung
3. Herausforderungen und Risikofaktoren
3.1 Definition Migration und Risikofaktoren
3.2 Divergenz in der Entwicklung und erzieherische Herausforderungen
4. Handlungsoptionen für Lehrkräfte
4.1 Anpassung von Erziehungsstilen und Bindungsförderung
4.2 Resilienzförderung im Klassensetting
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Lehrkräfte durch gezielte pädagogische Maßnahmen die Resilienz und Identitätsentwicklung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Alter von 12 bis 17 Jahren fördern können, wobei kulturelle Unterschiede und soziokulturelle Kontexte zentral berücksichtigt werden.
- Bedeutung von Stütz- und Risikofaktoren in der Entwicklung
- Einfluss soziokultureller Kontexte auf das kindliche Denken und Verhalten
- Anpassung von Erziehungsstilen und Bindungsmustern im schulischen Umfeld
- Strategien zur Förderung von Resilienz und Identität im Klassenzimmer
Auszug aus dem Buch
Soziokulturelle Einflüsse auf die Entwicklung
Der Interaktionist Lew Wygotzky (1962, 1978) bezeichnet das Kind als „soziales Wesen, welches sein Denken im Kontext des Denkens anderer Personen entwickelt“ (Schwarzer 2015: 39). Mit anderen Worten schildert Wygotzky also, dass sich das kindliche Denken durch die soziale Interaktion des Kindes beispielsweise den Eltern entwickelt und verändert. Hierbei spielt vor allem der soziokulturelle Kontext eine bedeutungstragende Rolle, da dieser gravierende Unterschiede des kindlichen Denkens hervorbringt (vgl. ebd.). So erlernen Kinder westlicher Kulturen und hoch strukturierter Schulen das schlussfolgernde Denken und Erinnern eher kontextfrei, welches australische Aborigines hingegen im Kontext des Jagens und damit als überlebensnotwendige Denkfunktion erlangen (vgl. ebd. 40).
Einen weiteren, soziokulturell bedingten Unterschied in der entwicklungspsychologie der Kindheit sieht Wygotzky bei den psychologischen Werkzeugen, mit deren Hilfe sich der Mensch formen würde (vgl. Schwarzer 2015: 41). Da jede kulturelle Umgebung spezielle Anforderungen stellt, kreiert auch jede Kultur ihre eigenen psychologischen Werkzeuge wie z.B. die Sprache, das Zahlen- und Schriftsystem oder technische Geräte (vgl. ebd.). Durch die Anpassung an die jeweilige Umwelt können die Anforderungen besser und leichter gemeistert werden (vgl. ebd.).
Die gelenkte Partizipation Wygotzkys zeigt ebenfalls einen kulturell bedingten Unterschied. Normalerweise erfolgt die gelenkte Partizipation dadurch, dass eine informierte Person wie z.B. ein Elternteil eine Situation so gestaltet, dass eine weniger informierte Person wie z.B. ein Kind etwas lernt (vgl. Schwarzer 2015: 41). Eltern mit Migrationshintergrund sind allerdings vor allem hinsichtlich des Ansiedlungslandes und der erforderten Sprache oftmals weniger informiert als ihre Kinder. Aus diesem Grund findet keine oder eine abgeschwächte Form der gelenkten Partizipation statt. Als Konsequenz können Lehrerinnen und Lehrer die gelenkte Partizipation übernehmen und nehmen somit eine zusätzliche und besondere Rolle für die Kinder und Jugendlichen ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den bildungspolitischen Paradigmenwechsel und die Relevanz der individuellen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
2. Theoretischer Rahmen: Darstellung grundlegender Entwicklungstheorien und der Einfluss soziokultureller sowie ökologischer Faktoren auf das Individuum.
3. Herausforderungen und Risikofaktoren: Analyse der spezifischen Risiken für Jugendliche mit Migrationshintergrund und die Problematik stereotyper Entwicklungsannahmen.
4. Handlungsoptionen für Lehrkräfte: Aufzeigen konkreter pädagogischer Möglichkeiten zur Gestaltung eines resilienten Klassenumfelds unter Einbeziehung kultureller Diversität.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Grenzen und Möglichkeiten lehrerseitiger Interventionen zur Unterstützung der Identitätsentwicklung.
Schlüsselwörter
Kindheit, Jugend, Migration, Resilienz, Identitätsentwicklung, Bindungsmuster, soziokultureller Kontext, Lehrkraft, Unterrichtsmodell, Risikofaktoren, Stützfaktoren, Partizipation, Erziehungsstile, Diversität, psychische Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Entwicklungsbedingungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und der Frage, wie Lehrkräfte diese im schulischen Kontext positiv beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Entwicklungstheorien, den Einfluss soziokultureller Prägung, die Wirkung von Risiko- und Stützfaktoren sowie Strategien für ein förderliches Klassenklima.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten für Lehrkräfte aufzuzeigen, wie sie durch gezielte pädagogische Gestaltung die Resilienz und Identitätsbildung bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund unterstützen können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis entwicklungspsychologischer und pädagogischer Fachliteratur und Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bedeutung von Bindung, das ökologische Modell der Entwicklung nach Bronfenbrenner und die spezifischen Herausforderungen im Zusammenhang mit Akkulturation und Migration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Resilienz, Migration, Identitätsentwicklung und pädagogisches Handeln charakterisiert.
Welche Rolle spielt das soziale Umfeld nach Wygotzky?
Wygotzky betont, dass Denken und Entwicklung stark durch den soziokulturellen Kontext und soziale Interaktion geprägt sind, was die besondere Bedeutung der Lehrkraft als Lernbegleiter unterstreicht.
Warum ist eine autoritative Erziehung nicht universell optimal?
Obwohl autoritative Erziehung oft als ideal gilt, müssen Erziehungsstile an den kulturellen Hintergrund der Familie angepasst werden, um keine diffusen oder aggressiven Verhaltensweisen beim Kind auszulösen.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2017, Kindheits- und Jugendentwicklung unter besonderer Berücksichtigung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Stützfaktoren einer gesunden Kindheit- und Jugendentwicklung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1043522