Über John Bullishness - Oh, the Roastbeef of Old England


Ausarbeitung, 1994

8 Seiten, Note: 1


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Über John Bullishness

Oh, the Roastbeef of Old England Eigentlich war John Bull Kleiderhändler, kein Held, kurzsichtig, von seiner Frau gegängelt, von allen betrogen. John Arbuthnot hat ihn zu Beginn des Jahrhunderts erfunden, als Allegorie Englands, das zum Schutz seiner Stoffindustrie von skrupellosen Politikern und kontinentalen Verbündeten in einen Krieg mit Frankreich gegängelt wurde.

Überhaupt war das Hornviech zu jener Zeit übel beleumundet. Junge Whigs gaben im Calves- Head-Club Abendgesellschaften, deren Krönung ein Kalbskopf war, ein Symbol für den Kopf Charles I., der 1649 von den siegreichen Truppen Cromwells enthauptet wurde. Der aufgebrachte Mob sorgte am Jahrestag der Hinrichtung 1735 für die Schließung dieser Institution.

Einige Wochen vorher allerdings erfuhr das Rind buchstäblich eine symbolische Umwertung.: die "Sublime Society of Beefsteaks" wurde gegründet; Credo: 'Beef and Liberty'. Ein beinahe mystischer Glaube hatte sich in England verbreitet, der lehrte, daß der Verzehr von Rindfleisch nicht nur eine Tugend des frei geborenen Engländers sei, sondern auch die übrigen fördere. So war John Bull kein Pfeffersack mehr, er war stark geworden und stur, immer bereit, die, die ihn zu zähmen versuchten, zu zertrampeln. Diese Eigenschaften - Stärke, Unabhängigkeit und Freiheit - die das männliche Rindvieh in dieser Form repräsentieren soll , gingen auf denjenigen über, der es aufißt und möglichst Bier dazu trinkt. So zumindest die Auffassung der 'Sublime Society of Beefsteaks'. Einer von Hogarths bekanntesten Stichen 'The Gate of Calais' zeigt ungewöhnlicherweise nicht England, sondern eine Szene aus Frankreich, die allerdings zweimal Englisches enthält - Hogarths selbst, der fleißig zeichnet und ein ungeheures Stück sehr britischen Rindfleisches, bestaunt und bejubelt vom alten kontinentalen Gegner.

Der Künstler war übrigens Mitbegründer der Society.

Zu Tisch in London

Im 18. Jahrhundert pflegte man in London in den verschiedenen sozialen Schichten zu unterschiedlichen Zeiten zu essen. Diese Zeiten waren von der jeweiligen Berufstätigkeit des Hausherren abhängig. Beginnen wir mit dem Frühstück. Das wurde allgemein als ein soziales Ereignis von einiger Wichtigkeit angesehen, da man innerhalb des Bürgertums Wert darauf legte, den Tag zusammen mit der Familie zu beginnen. Ein Geschäftsmann stand gegen acht Uhr auf und verbrachte eine Stunde teetrinkend zuhause und ging anschließend ins Coffee-House. Im

Gegensatz dazu hat der Arbeiter und auch der Geschäftsreisende schon zwei Stunden gearbeitet, bevor er frühstückte. Der Adel geruhte erst dann zu frühstücken, wenn man andernorts zu Mittag aß. Wesentlich unterschied sich das Frühstück der verschiedenen Schichten nicht, es gab zumeist Tee, Kaffee, Buttertoast, Marmelade und Porridge. Dazu lasen seine Lordschaft schon damals die Morgenzeitung. Was die Arbeiter anging, zeichnete Benjamin Franklin ein anschauliches Bild: hier bestand das Frühstück aus einem Pint Bier vor dem Frühstück, gefolgt von einem Pint mit Brot und Käse zum Frühstück. Das Frühstück konnte sowohl bei Public Houses bestellt werden, die entweder Tee, Brot und Butter zu den Geschäftsreisenden oder es dort für ihn bereit hielten. Als Alternative konnte man auch außer Haus in sogenannten Street-Stall unter freiem Himmel in Londons Straßen frühstücken.

Die Zeit des Mittagessens richtete sich vor allem danach, wann Börse und Banken schlossen. Zuerst ging man dann auf ein Stippvisite ins Coffee-House, anschließend nach Hause zum Dinner. Es ist jetzt sechzehn Uhr. In den adeligen Häusern wird jetzt, wie gesagt, gefrühstückt. Kein Wunder, diniert wurde in diesen Kreisen erst um 19 Uhr, das Supper wurde zwischen zehn und zwei Uhr serviert.

Zurück zum Dinner des Bürgertums. Gegessen wurde ein halb gekocht oder gebratenes Stück Rindfleisch, garniert mit ein paar Blättchen Kohl in Mehlschwitze. Die übliche Methode, englische Gemüse anzurichten. Weiterhin erfreute sich die Pfefferminzsoße, die man gewöhnlich mit Essig und Zucker zubereitet großer Beliebtheit.

Interessant ist, daß sich allmählich eine Speisefolge beim Dinner zu etablieren begann. Früher war das Fleisch noch in Eintöpfen zu finden, mittlerweile ist es aber zu einer Trennung von Suppe und Fleischgericht gekommen. Die Suppe spielt jetzt die Rolle des Appetitanregers, Fisch oder Fleisch sind separate Hauptgerichte, was zur allgemeinen Akzeptanz der Gabel als Essinstrument führte, da Eintopf früher nur mit dem Löffel gegessen wurde. Ein Diner konnte bis zu sechs Stunden dauern. Man kann es in drei Phasen unterteilen: Man versammelt sich zuerst im Drawing-Room, bevor man von einem Diener mit dem Ruf "dinner served" zum Essen gebeten wurde. Dort erwarteten die Gäste zwei von einem Tischtuch bedeckte, zusammengestellte Tische. Es war im 18. Jahrhundert noch nicht üblich, ständig einen großen Eßtisch in der Mitte des Zimmers stehen zu haben. Um unterschiedliche Tischhöhen auszugleichen, hielt man passende Holzklötzchen bereit.

Was die Sitzordnung betrifft, herrschte strenge Geschlechtertrennung bis zum Ende des Jahrhunderts, als man dazu überging, Frauen einen männlichen Tischpartner zur Seite zu setzen, der sie bediente. Aber nicht nur das: der Mann hatte darauf zu achten, daß die Frau nicht zuviel aß. Eine weitere Besonderheit im georgianischen England war es, die Tischdecke auch als Serviertte zu benutzen, ein nationales Brauchtum als Zeichen der Unabhängigkeit von ausländischen Einflüssen. Nach dem Essen wurde ein Glas Wasser gereicht, mit dem sich die Herrschaften den Mund ausspülen konnten. Danach wurde das Tischtuch entfernt und Portwein, ein weiteres Symbol englischer Unabhängigkeit, aufgetischt. Typisch für die Engländer war das Ausbringen von Toasts auf den König, den Prince of Wales und die königliche Familie, die einzeln bedacht wurde. Trinken ohne Trinkspruch wurde als Affront aufgefaßt. War dann auch noch auf jeden der Anwesenden getoastet worden, musste man bis zum Dessert warten, bis man weiter trinken durfte. Es herrschte die Gepflogenheit, anschließend zusammen zu singen. Nach dem letzten Trinkspruch folgte eine abrupte Trennung der Geschlechter. Während die Frauen sich in den Drawing Room zurückzogen und dort Tee und Kaffee kochten, blieben die Männer im Eßzimmer, tranken weiter und widmeten sich politischen Diskussionen. Der plötzliche Rückzug der weiblichen Gäste ist unter anderem damit zu erklären, daß die Herren ihre Notdurft an Ort und Stelle zu verrichten pflegten. Zu diesem Zwecke waren auf einem Side-Board mehrere sogenannte Chamber-Pots aufgestellt, in einer Zimmerecke stand ein weiteres Möbelstück, dessen man sich ungeniert bediente. Sobald der Tee fertig war, kamen alle wieder im Drawing-Room zusammen, wo man sich gegenseitig vorlas, wenn man nicht schon zu betrunken war.

Wer allerdings keine Küche hatte, und das traf auf die Mehrzahl der Leute zu, musste auswärts in Cook-Shops essen. Dort gab es einigermaßen billig und genug zu essen.

Wie der Kaffee nach London kam

1652 im Jahre des Heils ließ ein englischer Kaufmann, der diese Gewohnheit im Lande der Muselmanen angenommen hatte, Londons ersten Kaffee kochen. Er fand sehr bald heraus, daß er beliebter war, als es ihm vorher aufgefallen wäre. Freunde und Bekannte versammelten sich jeden Morgen in seinem Haus (11.00 Uhr), um seiner Konversation zu lauschen. Bald jedoch mußte er feststellen, die Herrschaften kamen weniger wegen ihm persönlich, sondern wegen der neuen Art schwarzen, geistigen Getränks, das sein Diener morgens gewöhnlich zubereitete.

Er schlug seinem Diener also vor, professioneller Kaffee-Mann zu werden, der tat es auch, unser Kaufmann hatte seine Ruhe wieder und London sein erstes Coffee-House, das Georg und Vulture.

"Kaffee", sagte eine der frühesten Werbungen, "schließt die Öffnung des Magens und schützt so die Hitze darin, daß ist sehr gut, um der Verdauung zu helfen, und deshalb sollte viel Gebrauch davon gemacht werden, nachmittags um drei oder vier Uhr genausogut wie am Morgen. Er beschleunigt den Geist und macht das Herz leicht; er ist gut gegen entzündete Augen und um so besser, wenn Sie Ihren Kopf darüber halten können, um auf diese Weise den Dampf einzunehmen. Er unterdrückt den Qualm außerordentlich und ist deshalb gut gegen Kopfschmerzen, und wird die Abweichung von Rheumatismen verhindern, die vom Kopf auf den Bauch tröpfeln, und verhindert und heilt so die Schwindsucht und das Husten der Lunge. Er ist exzellent um die Wassersucht zu verhindern, die Gicht und Skorbut. Aus Erfahrung ist bekannt, daß er besser ist als jedes andere kalte Getränk für alte Leute und Kinder, die eiternde Geschwüre auf sich haben wie die Skrofeln. Er ist ein außerordentliches Heilmittel gegen die üble Laune, hypochondrische Blähungen und all dies. Er ist keineswegs abführend."1

Kein Wunder, daß innerhalb der nächsten 50 Jahre angeblich zweitausend Kaffeehäuser in London entstanden sein sollen. Neben der wohlbekannten therapeutischen Wirkung des Kaffees dürfte der Erfolg der Coffehouses aber vor allem darin begründet sein, daß sie eine der wenigen

Einrichtungen waren, die die puritanische Regierung in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nicht schloß. Der liebgewonnene Brauch wurde in die Restaurationszeit und das spätere 18. Jahrhundert tradiert. Man ging sogar so weit, daß man auf Reisen Kaffeebohnen wegen ihrer stimulierenden Wirkung kaute.

Die Coffee-Houses wurden zu Zentren für Neuigkeiten, ein Treffpunkt für Geschäftsleute und Politiker, genauso wie für 'idlers', Faulenzer. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erzählt eine Person namens Ned Ward, ein Mann, hin und hergerissen, zwischen dem Betreiben eines Coffee-Houses und dem Schreiben von gehaltvollen Büchern wie 'Der Hahnrei oder die Gartenhausintrige' vom Tagesablauf eines Kaufmanns. Bis 8.00 Uhr arbeiten im Kontor, Frühstück mit Toast und Cheshire-Käse , zwei Stunden verbringt er in seinem Laden, geht dann zu Lloyds Kaffeehaus, um Geschäftliches zu erledigen, dann in ein anderes Kaffeehaus zum entspannen, schließlich in eine Taverne, um mit Freunden zu trinken.2 Wenn also ein Schiffseigner oder Auktionator drei Boote in Plymouth hatte und den Londoner Eignern eine Chance geben wollte, sie zu kaufen, schickte er eine Beschreibung zu Lloyds und veröffentlichte eine Anzeige in der Zeitung, die besagte: Interessenten sollten sich zu Lloyds Coffee-House in der Lombard Street begeben, wo es Einzelheiten zu erfahren gäbe. Die Coffee-Houses wurden sehr bald zu Geschäftsadressen, Post wurde nicht zu den Wohnungen oder Läden geschickt, sondern zu den jeweiligen Kaffeehäusern. Hier gab es die Zeitung druckfrisch und die Blätter vom Kontinent in Übersetzung. Aus Lloyds Coffee-House war zu Beginn des folgenden Jahrhunderts Lloyds Versicherungen geworden. Aber die Coffee-Houses waren nicht nur Orte, wo Geschäftliches verhandelt wurde. "Zum Reiz des Kaffees gesellten die klügeren Besucher geistige Getränke und Branntwein."3 Tom King's Coffee-House beispielsweise, das Hogarth in seinem Stich 'Morning' von 1738 zeigt, war zu diesem Zeitpunkt längst ein Bordell unter der Leitung von Tom's Witwe Moll. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die große Zeit der Coffee-Houses vorüber. Einige hatten sich allerdings zu Clubs entwickelt und existieren heute noch.

Tea-Time

Tee war neben Kaffee und Kakao eines der beliebtesten Getränke im 18. Jahrhundert. Auch die Ärmsten wollten nicht auf den Tee zum Frühstück oder Abendessen verzichten und sparten stets ein paar Pennys, um sich die wöchentliche Ration leisten zu können.

Tee wurde zum Modegetränk, nachdem Charles II Katharina von Braganza heiratete, die schon mit dem Zeremoniell der Teezubereitung vertraut war, das bald von der ganzen englischen Bevölkerung übernommen wurde.

Zuerst wurde Tee für sehr gesund gehalten, weil er sehr viel "Koffein" enthielt, um zu stimulieren und Kopfschmerzen zu lindern, aber ein zu hoher Verbrauch wurde als schlecht für die Nerven und als Ursache verschiedener Krankheiten wie "vapours", "fits" und "tremours" angesehen. Um dieser Wirkung vorzubeugen, ging man dazu über, den Tee mit Milch zu trinken. Der allgemeine Teekonsum erfuhr einen zusätzlichen Auftrieb durch die Eröffnung des ersten "Tea-Shop for Ladies" im Jahre 1717. Die Coffee-Houses wurden im Gegensatz dazu von Männern aufgesucht. Der Grund für den Erfolg heißer Getränke liegt selbstverständlich auch in der miserablen Qualität des Londoners Trinkwassers begründet. Wasser war bekanntlich nur im abgekochten Zustand genießbar.

Gin-Lane

"Jeder, der jetzt durch die Straßen dieser großen Metropole geht und in die Läden der Destillateure schaut muß mit ansehen, wie selbst in den Läden mit einem achtbaren und zweckmäßigen Äußeren eine Menge von armen, zerlumpten Volk über immer neu bestellten Gläsern dieser zerstörerischen geistigen Getränke flucht und miteinander rauft An einem Ort nicht weit von East Smithfield... hat ein Händler einen großen leeren Raum, wo, wenn seine armseligen Gäste berauscht sind, alle in Haufen zusammengelegt werden, unterschiedslos Männer, Frauen und Kinder bis sie wieder bei Sinnen sind, und sie beginnen weiterzutrinken, oder wenn sie alles, was sie hatten ausgegeben hatten, nach draußen gehen, um die erforderlichen Mittel zu besorgen, damit sie zu demselben schrecklichen Bestreben zurückgehen können." 4

Und man konnte es oft genug mitansehen. Von einer Gemeinde Londons wird behauptet, in jedem 5. Haus habe es eine Gin-Destille gegeben. " Betrunken für einen Penny, sternhagelvoll für zwei, Stroh umsonst" hatte ein Gin-Händler in sein Schaufenster gehängt. Nichts ohne Grund.

Mit einem Act aus dem Jahre 1690 wurde jedermann erlaubt, aus englischem Getreide zu destillieren. Getreide gab es genug, durch landwirtschaftliche Reformen wurden beachtliche Überschüsse erwirtschaftet.

Ab 1697 wird eine Steuer auf Malz erhoben. Die Brauer sind gezwungen, den Preis für das Bier zu erhöhen, Gin dagegen wird immer billiger. Dann, 1702, wird ein weiteres Gesetz erlassen "Zur besseren Verhinderung des Fließens von französischem und ausländischem Branntwein" "In keinem anderen Abschnitt der Geschichte reagierten die Massen enthusiastischer auf den Ruf des Patriotismus als damals, als man sie aufrief, sich patriotisch zu betrinken."5 Von 1684 - 1700 hat sich die englische Gin-Produktion vervierfacht, in den nächsten 30 Jahren verzehnfacht, im Rekordjahr 1742 hatte sich die Produktion seit 1684 vervierzigfacht auf 90 Millionen Liter6 In Wales und England. London hatte zu dieser Zeit etwa 750000 Einwohner, die sich in 6000 Häusern und Läden betrinken konnten und dieses Problem scheint überhaupt nur London betroffen zu haben. Gin wurde ziemlich wörtlich mit der Muttermilch aufgesogen. 1751 legte Hogarth den Stich Gin-Lane vor, um "einige herrschende Laster zu reformieren, die besonders die unteren Schichten des Volkes bereffen. Die zentrale Figur dieser Komposition war eine Frau, die im Vollrausch liegt, während das Kind, das sie gestillt hat, aus ihrem Arm zu Tode fällt. Andere Kinder überlebten, um den Gin in direkterer Form zu sich zu nehmen, als Mittel zum Ruhigstellen, was zur Folge hatte, daß Alkoholvergiftung die Hälfte aller Todesursachen bei Kindern ausmachte, jeder 8. Erwachsene starb in dieser Zeit an den Folgen von Alkoholmißbrauch.

Das war nicht mehr patriotisch.

1736 wurde der Gin Act veröffentlicht, der auf Prohibition abzielte, kaum jemand hielt sich daran. Statt dessen begann man jetzt Alkohol zu besteuern und das System des 'Licensing' zu verschärfen. Deshalb bekam Gin einen anderen Namen und wurde in Apotheken als Heilmittel gegen "Koliken und Bauchgrimmen" verkauft. Trotzdem wurden 1780 nur noch 18 Millionen Liter konsumiert.

Beer-Street

Während Hogarths "Gin-Lane" eine Studie menschlichen Verfalls ist, stellt sein Stich 'Beer- Street' beinahe eine Apotheose des Biers dar. Bier war Nationalgetränk. Bier trinken war patriotisch, was einen ganz einfachen Grund hatte: Malz, das in England produziert wurde, war besser als Weintrauben , die man aus Frankreich importieren mußte. Jeder in London trank Bier, Männer, Frauen und Kinder, Arm und Reich, Trinkwasser gab es bekanntlich nicht. Für Bier gab der Durchschnittshaushalt doppelt so viel Geld aus, als für jede andere Ware. Das seit dem Mittelalter praktizierte Bierbrauen zu Hause nahm generell ab. In den kommerziellen Brauereien benutzte man Wasser aus der Themse und dem New River zum brauen. Die Braumethoden basierten lediglich auf der Regel Pi mal Daumen. Um dem Bier den richtigen Geschmack und die richtige Farbe zu geben wurden die obskursten Dinge wie zerstoßenen Marmor, Austernschalen, Kreide, Knochenmehl und Tabak und andere zum Teil hochgiftige Ingredientien zugefügt. Die Brauer nahmen in ihrer Profitgier keine Rücksicht auf die Auswirkungen auf die Gesundheit ihrer Kunden. Dagegen waren Gewürzbiere, das heißt Bier, das mit verschiedenen Kräutern gebraut war, auch als Medizin anerkannt ". Sogenanntes Hahnenbier, Bier in dem für einige Tage ein Hahn zusammen mit Rosinen, Datteln und Rosinen gebadet wurde, war ebenfalls im Umlauf . Die Erfindung des Thermometers und später der Dampfmaschine ermöglichte es, im großen Stil zu brauen. Das Thermometer erlaubte es, dem Brauer seine Bierwürze genau zu bestimmen, wogegen er zuvor das Wasser abkühlen ließ, bis sich sein Gesicht in der Oberfläche spiegelte oder er testete die Temperatur mit dem Finger, bevor er die Würze zugab.

Gegen Ende des Jahrhunderts wurde der Londoner Markt hauptsächlich von zwölf führenden Brauereien versorgt und der Export begann schnell zu steigen. Märkte in Europa, Afrika, Amerika, West- und Ostindien taten sich auf.

Konservierung

Die herkömmliche Methode, Lebensmittel haltbar zu machen war, sie ins Essig einzulegen oder sie zu pökeln. Damalige Kochbücher gaben Hinweise, woran verdorbene Lebensmittel zu erkennen waren, was darauf schließen lässt, daß auf dem Markt keineswegs nur frische Produkte angeboten wurden. Selbst eingelegte Sachen wurden wieder aufbereitet.

Ende des 18. Jahrhunderts wurden Ice-Houses gebräuchlich, jedoch waren diese nur denen zugänglich, die sich diesen Luxus leisten konnten.

Dadurch war es prinzipiell möglich, frischere Nahrungsmittel zu kaufen, und die übermäßige Beigabe von Gewürzen, um den unangenehmen Geschmack von verdorbenem Fisch oder Fleisch zu überdecken, nahm ab.

Durch die Erhöhung der Salzsteuer wurde vor allem die Heringsindustrie schwer getroffen. Bevor man dazu überging, Fisch auf den Fangschiffen in Wassertanks zu transportieren und damit zu gewährleisten, daß die Ware frisch blieb, wurden die Fische, die man nicht mehr einsalzen konnte, weil Salz zu teuer geworden war, zurück ins Meer geworfen.

Milch

Von alters her wurden Kühe in London gehalten. Da es naturgemäß an Weideplätzen mangelte, wurden die Kühe oft im selben Haus untergebracht, in dem sich auch die Molkerei befand. Die Ställe, das heißt, die Zimmer im Erdgeschoß, in denen sich die Stallungen befanden, waren meist in einem unbeschreiblichen Zustand. Die Kühe wurden mit Maische, Kohlblättern und Bohnenschalen gefüttert, was dazu führte, daß die Milch einen interesssanten Beigeschmack bekam.

Der Rahm wurde vor dem Verkauf von der Milch abgeschöpft, was sie blau schimmern ließ und ihr zu dem Namen "Blue Milk" verhalf. Was dann noch von der Milch übrig blieb, wurde mit Wasser verdünnt. und in offenen Behältern durch die Straßen getragen, was dazu führte, daß alle Arten Unrat hinein flogen oder geworfen wurden. Deshalb war es sicherer Milch direkt von der Kuh zu kaufen. Überall in London konnte man Leute sehen, die Kühe von Haus zu Haus führten und Frischmilch verkauften.

Eine Besonderheit gab es beim Adel zu beobachten.

Ladies bewirteten ihre Gäste mit Vorliebe mit Milch frisch von der Kuh, die sich in eleganten Zimmern umgeben von feinem Porzellan, zum Melken bereit, befand.

Das täglich Brot

Das traditionelle sogenannte "brown-bread" wurde durch die zunehmende Vorliebe für Weißbrot verdrängt. Schon seit dem Mittelalter hatten Speisen, die in der Farbe weiß gehalten waren eine besondere Wertschätzung erfahren.

Weißbrot wurde allgemein als besser verdaulich erachtet. Sogar die Ärmsten kauften bestes weißes Brot und erklärten, daß "brown-bread" ihre Eingeweide in Aufruhr versetzte. Die Nachfrage nach Weißbrot war so enorm, daß nach schlechten Ernten Weizen importiert werden musste. Trotzdem waren die Bäcker gezwungen, daß Mehl mit Bohnen und Kartoffelmehl zu strecken. Um der steigenden Nachfrage zu begegnen, fing man an, künstliche Farbstoffe zu benutzen. Das geschah unter strengster Geheimhaltung und das Brot wurde immer als beste Qualität und zum dem angemessenen Preisen verkauft.

Die Methoden der Kolorierung von Brot waren unterschiedlich: Ein Bäcker fügte dem Teig in heißem Wasser aufgelösten Alaun zu, ein anderer benutzte Kreide, Kalkstein und Knochen aus dem Beinhaus um das Mehl aufzuhellen.

Bibliographie

Ash, Bernhard, The Golden City, London 1964

Briggs, Asa, How They Lived, Oxford 1969

Gibb, D.E.W., Lloyd´s of London, London 1957

Jarrett, Derek, England in the Age of Hogarth, London 1974

Monckton, H. A., A History of English Ale and Beer, London 1966 Nevill, Ralph, London Clubs, London 1911

Turberville, A.S (ed.), Johnsons´s England, Oxford 1933 Wilson, C. Anne, Food and Drink in Britain, London 1973

[...]


1 D.E.W. Gibb, Lloyd´s of London, (London, 1957), S. 2

2 ebd., S.7

3 Asa Briggs, How They Lived, (Oxford 1969), s. 227

4 ebd., S. 307

5 A. Simon, Drink, (1948) erwähnt bei H.A. Monckton, A History of English Ale and Beer, (London 1966), S.142

6 Zahlen nach Monckton (ebd.), S. 142, 143

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Über John Bullishness - Oh, the Roastbeef of Old England
Note
1
Autor
Jahr
1994
Seiten
8
Katalognummer
V104457
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Geschrieben als BSE noch kein Thema war...
Schlagworte
John, Bullishness, Roastbeef, England
Arbeit zitieren
Dirk Puehl (Autor), 1994, Über John Bullishness - Oh, the Roastbeef of Old England, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104457

Kommentare

  • Marie Massloff am 12.1.2002

    Oh my gosh!.

    Sehr erhellender Beitrag zur Lebensgewohnheit der Insulaner. Es wird auch ganz gut erklärt, wie sich einige Dinge (wie das Bier- und Teetrinken) entwickelt haben und heute noch so ein grosse Rolle spielen. Damit wird das Völkchen mal von einer anderen Seite gezeigt.
    Schade nur, dass die letzten Abschnitte so kurz gehalten sind. Es war doch so amüsant.

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