Liveberichterstattung über deutsche Athletinnen und Athleten mit Migrationshintergrund bei der Leichtathletik EM 2018


Forschungsarbeit, 2018

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aktueller Forschungsstand

3 Methode

4 Forschungsbericht

5 Analyse des Sprachmaterials

6 Ergebnisse
6.1 Auswertung der objektiv-hermeneutischen Analyse 17
6.2 Weitere Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt

7 Fazit & Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

„Wir sind im Grunde schon ein Einwanderungsland“ (Merkel, zitiert in: Schuler, 2015), stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juni 2015 bei einer in Berlin stattfindenden Veranstaltung unter dem Motto „Gut leben in Deutschland – Was uns wichtig ist“ fest. Diese Annahme wird durch die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigt. In Deutschland lebten im Jahr 2017 rund 19,3 Millionen Menschen (23,6% der Gesamtbevölkerung) mit einem Migrationshintergrund (Statistisches Bundesamt, 2018a). Dabei definiert das Statistische Bundesamt den Begriff Migration wie folgt:

„Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt.

Die Definition umfasst im Einzelnen folgende Personen:

1. zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländer
2. zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte
3. (Spät-)Aussiedler
4. Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit durch Adoption durch einen deutschen Elternteil haben
5. mit deutscher Staatsbürgerschaft geborene Kinder der vier zuvor genannten Gruppen“ Statistisches Bundesamt 2018b, S. 4).

Zwar sind Migrantinnen und Migranten im Vergleich zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund in Sportvereinen deutlich unterrepräsentiert, dennoch gibt es keine andere Freiwilligenvereinigung, in denen sich so viele Migrantinnen und Migranten aktiv beteiligen wie in Sportvereinen (Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, 2013, S. 4). Burrmann, Mutz und Zender (2015, S. 70-75) stellen fest, dass 46% der jugendlichen Zuwanderinnen und Zuwanderer im Alter von 12 bis 18 im Vereinssport tätig sind, während der Anteil bei den jungen Erwachsenen (18-30 Jahre) um die 30% liegt. Nach Pokorny (2016, S. 19) sind insgesamt 41% der Deutschen mit Migrationshintergrund und 38% der ausländischen Zuwanderinnen und Zuwandern Mitglied in einem Sportverein.1

Der (Sport-)Journalismus besitzt eine Integrationsfunktion und hat die Aufgabe, Öffentlichkeit zu erzeugen. Indem alle Rezipienten mithilfe der Medien die gleichen Erfahrungen machen, ein gemeinsames Wissen generieren und eine gemeinsame Einstellung entwickeln, kann eine bundesdeutsche Identität gefördert werden und aus einer pluralistischen sowie multikulturellen Gesellschaft eine „Gesellschaft als Ganzes“ (Lünenborg & Fritsche & Bach, 2011, S. 11) entstehen. Um die Integrationsfunktion aufrecht zu erhalten, bedarf es jedoch an einer neutralen und gleichberechtigten Darstellung aller gesellschaftlichen Gruppen. Während die Forschung über die mediale Repräsentation von Migrantinnen und Migranten weit fortgeschritten ist (Fick, 2009; Krüger & Simon, 2005; Müller, 2015; Lünenborg & Maier 2017), existieren bisher kaum wissenschaftlich basierte Untersuchungen, wie deutsche Sportlerinnen und Sportler mit Migrationshintergrund in den Medien dargestellt werden. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts und in Anbetracht der Leichtathletik Europameisterschaft 2018 soll eine Annäherung an dieses Forschungsdesiderat gelingen und die Frage beantwortet werden, ob Sportlerinnen und Sportler mit Migrationshintergrund in der Liveberichterstattung der Leichtathletik EM 2018 anders dargestellt werden als Athletinnen und Athleten ohne Migrationshintergrund. Um die Forschungsfrage zu beantworten, werden sprachliche Äußerungen von Sportkommentatorinnen und Sportkommentatoren einer objektiv-hermeneutischen Analyse unterzogen.

2 Aktueller Forschungsstand

Bei einer Synopse mehrerer quantitativen Inhaltsanalysen stellt Daniel Müller (2005, S. 100-102) fest, dass Migrantinnen und Migranten in den deutschen Massenmedien überwiegend negativ und unter einer diskriminierenden Ausdrucksweise dargestellt werden. Sie werden als Fremdkörper, Bedrohung, Opfer und als zusätzlicher Kostenfaktor porträtiert oder mit Kriminalität in Verbindung gebracht. Im Bereich des Sports werden Migrantinnen und Migranten hingegen positiv abgebildet. Hierbei kommt ihnen die Rolle von leistungsfähigen Sportlerinnen und Sportlern zuteil, weshalb für den Verein und für die Mannschaft ein enormer sportlicher Nutzen erhofft und erwartet wird (Sielschott, 2011, S. 172).

Lünenborg et al. (2011, S. 78) konstatieren, dass die Sportberichterstattung auf eine Erwähnung des Herkunftslandes verzichtet und die kulturellen sowie ethnischen Unterschiede nur parenthetisch thematisiert. Gleichzeitig wird eine stark personenbezogene Darstellungsweise gewählt, bei der Migrantinnen und Migranten häufig „als Personen mit Namen vorgestellt“ (Lünenborg, 2011, S. 78) werden.

Uli Gleich, der in seinem Aufsatz einen Forschungsüberblick über die Funktionen und Merkmale einer Sportberichterstattung gibt, eruiert, dass der Sportjournalismus nicht nur eine dramatisierende und kommerzialisierte Inszenierung des Mediensports verwendet, sondern auch auf eine ethnozentristische Darstellungsform zurückgreift, die durch den Verweis auf deutsche Tugenden, Traditionen und auf nationale Symbole unterstützt wird (Gleich, 2000, S. 513-514). Schauerte und Schwier (2008, S. 143-144) bestätigen Gleichs Forschungsergebnisse und betonen, dass der Sportjournalismus bei internationalen Wettkämpfen dazu neigt, eine nationale Einheit und Identität herzustellen. Deutsche Sportlerinnen und Sportler werden aus diesem Grund unter Verwendung von nationalen Stereotypen porträtiert, um nationale Gefühle und eine Wir-Identifikation bei den Rezipienten auszulösen. Aus diesem Grund gehören

„[e]thnozentristische Formulierungen, nationalistische Bilder und patriotische Stimmungen […] gegenwärtig zum festen Repertoire des Mediensports, der bei unseren Athleten und Mannschaften nationale Charaktermerkmale zu entdecken sucht, deren Kontrahenten gleichzeitig nicht selten in stereotyper Weise porträtiert und seinen Konsumenten suggeriert, dass sie – unabhängig von Alter, Bildung Geschlecht und sozialer Lage – unter dem mythischen Banner der Nation zusammengehören“ (Schauerte & Schwier, 2008, S. 142-143).

3 Methode

Als Untersuchungsgegenstand dienten Sprachprotokolle von Sportkommentatorinnen und Sportkommentatoren, die aus der Liveberichterstattung der beiden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF entstammen. Dabei wurden bei vier Sportlerinnen und Sportlern während des Wettkampfes die Beiträge der Kommentatorinnen und Kommentatoren aufgenommen, transkribiert und anschließend analysiert. Bei den ausgewählten Athletinnen und Athleten handelt es sich um die beiden Weitspringerinnen Sosthene Moguenara und Malaika Mihambo sowie um den Langstreckenläufer Amanal Petros, die alle einen Migrationshintergrund besitzen. Um die Forschungsergebnisse konträr mit der Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern ohne Migrationshintergrund gegenüberstellen zu können, wurde die Sportberichterstattung von Richard Ringer, einem Langstreckenläufer, analysiert. Bei der Erhebung des Sprachmaterials fiel folgender Sprechakt besonders auf, der mittels einer objektiv-hermeneutischen Analyse untersucht wurde:

„Ein Musterbeispiel für gelungene Integration. […] Er war ja von Beginn an fleißig und wissbegierig. Hat ja früh die Sprache gelernt, war offen für die Kultur, war immer pünktlich und vor allem sehr selbstständig. […] und auch das hat er gelernt“ (ZDF, 2018a).

Da uns individuelle Sprachprotokolle vorliegen und keine standardisierten Daten erhoben wurden, bewegen wir uns im Rahmen einer qualitativen Forschung, bei der wir uns für eine objektiv-hermeneutische Methode als Analysemittel entschieden haben. Dieses Analyseverfahren eignete sich am besten, da die Forschenden die Methode im Laufe ihres Studiums in unterschiedlichen Seminaren der Bildungswissenschaften angewendet haben und daher mit der Technik vertraut sind. Darüber hinaus erhebt die Objektive Hermeneutik den Anspruch, die soziale Wirklichkeit mithilfe von wirklichkeitsadäquaten Protokollen abzubilden:

„Protokolle erscheinen leicht als bloß forschungstechnisch bedeutsame Datenblätter. Sie sind aber immer viel mehr. Sie repräsentieren zugleich die Textförmigkeit sozialer Wirklichkeit“ (Oevermann, 1986, S. 47).

Bei der von Ulrich Oevermann begründeten Methode handelt es sich um eine qualitative Datenauswertungsmethode, bei der die latente Sinnstruktur einer protokollierten Interaktion oder eines Textes, die sich hinter den subjektiven Bedeutungsstrukturen verbirgt, rekonstruiert wird. Die subjektiven Bedeutungsstrukturen sind für die Analyse irrelevant. Das bedeutet, dass die Objektive Hermeneutik die Motive, Intentionen und all das, was ein Subjekt gemeint, gefühlt oder gedacht haben könnte, in ihrer Interpretation nicht berücksichtigt (Poscheschnik, 2010, S.1). Dabei ist es wichtig, „dass der Akt der Interpretation als methodischer Kern einer sinnverstehenden Wirklichkeitserschließung angesehen wird, und dass die Geltung dieser Interpretation überprüfbar ist“ (Wernet, 2009, S. 9).

Die Interpretation erfolgt nach fünf Prinzipien: Sequenzialität, Wörtlichkeit, Kontextfreiheit, Extensivität und Sparsamkeit. Die Interpretierenden arbeiten sequenzanalytisch, d. h. der Text wird Schritt für Schritt und Bedeutungseinheit für Bedeutungseinheit interpretiert, ohne dabei die kontextuellen Bedingungen sowie die vorausgegangen und nachfolgenden Sinn- und Textabschnitte in Betracht zu ziehen. Dies impliziert nicht, ein Protokoll verpflichtend in seiner Ganzheit von Anfang bis Ende zu interpretieren. Je nach Fragestellung genügt es, bestimmte Textstellen auszuwählen, die aber jeweils als Sequenz analysiert werden. Um eine latente Sinnstruktur zu wahren, muss jede Sequenz wörtlich genommen werden und es darf weder etwas hinzugefügt noch ausgelassen werden. Jedes sprachliche Element, das protokolliert wurde, muss berücksichtigt und darf nicht als unbedeutend erachtet werden. Daraufhin wird jede Sequenz situationsunabhängig bzw. kontextfrei untersucht. Für die Forschenden stellt sich die Frage, welche Bedeutung eine Formulierung unabhängig von ihrem aktuellen Kontext haben könnte. Aus diesem Grund werden gedankenexperimentelle Kontexte bzw. Lesarten entwickelt, in denen die Sequenz eine wohlgeformte Äußerung darstellt. Im Sinne der Extensivität müssen dabei so viele Lesarten generiert werden, bis alle Kontexte „typologisch vollständig ausgeleuchtet werden“ (Wernet, 2009, S. 91). Gleichzeitig dürfen nur die Lesarten zugelassen werden, die sich direkt und spekulationsfrei aus dem Text begründen lassen (Wernet, 2009, S. 90-91).

4 Forschungsbericht

Zu Beginn des Seminars „Projekt: Leichtathletik EM 2018“ hat sich die Forschungsgruppe zuerst einstimmig entschieden, das in den Medien dargestellte Frauenbild zu untersuchen. Nach einer kurzen Literaturrecherche fanden wir heraus, dass das Thema schon weitestgehend erforscht wurde. Da es uns wichtig war, etwas Neues herauszufinden oder in einem Gebiet zu forschen, in dem keine bzw. wenige Studien existieren, legten wir unser Forschungsinteresse auf die aktuelle, mediale Darstellung von deutschen Sportlerinnen und Sportlern mit Migrationshintergrund. Dieses Thema war für uns aufgrund seiner Aktualität besonders interessant: Deutschland ist ein Land der Vielfalt, in dem Migrantinnen und Migranten aus fast allen Ländern der Welt mit unterschiedlichen Kulturen leben. Auch im Leistungssport sind viele Sportlerinnen und Sportler mit Migrationshintergrund vertreten. Dies lässt sich an der deutschen Fußballnationalmannschaft, die bei der Europameisterschaft 2016 aus neun Spielern mit Migrationshintergrund bestand (Meuren, 2016), und an dem DLV-Bundeskader für die Europameisterschaft 2018 in Berlin, bei dem beispielsweise Malaika Mihambo und Mateusz Przybylko erfolgreich waren, erkennen.

Nach der Festlegung des Forschungsthemas entwickelten wir folgende Forschungsfrage: „Wie werden Sportlerinnen und Sportler mit Migrationshintergrund in der Berichterstattung der Leichtathletik EM 2018 dargestellt?“ Nachdem wir diese Frage dem Plenum vorstellten, wurde folgerichtig darauf hingewiesen, dass in der generierten Forschungsfrage Rassismus zum Vorschein kommt, da unsere Forschungsgruppe voreingenommen davon ausgegangen ist, dass Sportlerinnen und Sportler mit Migrationshintergrund anders dargestellt werden. Um die Forschungsfrage objektiver und neutraler zu gestalten, formulierten wir diese wie folgt um: „Werden Sportlerinnen und Sportler mit Migrationshintergrund in der Berichterstattung der Leichtathletik EM 2018 anders dargestellt?“

Infolgedessen musste sich auf das Medium bzw. auf die Form der Berichterstattung geeinigt werden. Zur Auswahl standen Printmedien, (Live-)Übertragungen im Internet oder die TV-Medien. Da die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF die Europameisterschaft live übertrugen, die Berichterstattung in den Printmedien sowie im Internet vielfältig und umfangreich sind und da eine intensive Betrachtung der letztgenannten Medien sehr zeitintensiv ist, haben wir uns entschieden, die Liveberichterstattung im Fernsehen zu untersuchen.

Im Anschluss überlegten wir, welche Sportlerinnen und Sportler wir während der Leichtathletik EM 2018 genauer untersuchen möchten. Nach einem Blick in den nominierten Kader für die Europameistermeisterschaft (Ruprecht, 2018) haben wir uns für die beiden Weitspringerinnen Sosthene Moguenara und Malaika Mihambo sowie für den Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und den Langstreckenläufer Amanal Petros entschieden. Um die Forschungsergebnisse vergleichen zu können, wählten wir mit dem Langstreckenläufer Richard Ringer einen Sportler ohne Migrationshintergrund aus. Aufgrund der jüngsten Erfolge von Sosthene Moguenara (Bronze bei den Hallenweltmeisterschaften 2018), Malaika Mihambo (Deutsche Meisterin 2018), Raphael Holzdeppe (Silber bei der Weltmeisterschaft 2015), Richard Ringer (Deutscher Hallenmeister 2018) und von Amanal Petros (Silber bei den U23-Europameisterschaften 2017 in 10.000m) haben wir uns erhofft, dass diese Athletinnen und Athleten auch bei der Europameisterschaft in Berlin eine entscheidende Rolle spielen und somit in das Blickfeld der Medien rücken. Vor allem letztgenannter Sportler, der uns von der Dozentin, Nicole Wertecki, als Untersuchungsgegenstand empfohlen wurde, war für uns besonders interessant, da er 2012 als Geflüchteter nach Deutschland kam. Er erhielt 2015 die deutsche Staatsbürgerschaft und konnte somit fortan für den DLV starten (Ermert, 2017). Als wir die Biographie der anderen Athletinnen und Athleten recherchierten, fanden wir heraus, dass Raphael Holzdeppe seine leiblichen Eltern nicht kennt (Brinsa, 2013). Da sich aus diesem Grund kein eindeutiger Migrationshintergrund nach der Definition (siehe S. 2) feststellen lässt, schlossen wir Holzdeppe aus der Forschung aus.

Wie in Kapitel 3 erwähnt, haben wir als Forschungsmethode die Objektive Hermeneutik ausgewählt. Dies lag insbesondere daran, dass zwei Masterstudierende mit dem Verfahren dieser Technik vertraut sind und dass sich diese Methode am besten eignet, um die soziale Wirklichkeit und die latente Sinnstruktur zu rekonstruieren. Eine reine Sprachanalyse, die ihr Augenmerk auf die grammatikalischen Strukturen, die rhetorischen Mittel und auf die Semantik legt, würde nur die sprachliche Qualität und die Intention eines Textes abbilden. Eine Darstellung der sozialen Wirklichkeit ist jedoch nicht möglich.

Nachdem die Frage, die Methode sowie die Athletinnen und Athleten feststanden, legten wir am Ende des Semesters einen Zeit- und Arbeitsplan fest. Wir teilten die Athletinnen und Athleten unter den Forschenden auf und erstellten auf der Onlineplattform Stud.IP eine Studiengruppe, in der wir die „wiki-Funktion“ nutzten. Diese ermöglichte uns, miteinander zu kommunizieren und unseren aktuellen Ergebnisstand den anderen Forschungsmitgliedern mitzuteilen.

Während der Europameisterschaft (6.8.–12.08.2018) verfolgten wir als Forschende aufmerksam die Wettkämpfe der zugeteilten Athletinnen und Athleten und nahmen zeitgleich die Beiträge der Kommentatorinnen und Kommentatoren auf. Nach der Europameisterschaft trafen wir uns, um aus der riesigen Menge an Sprachmaterial die Sprachsequenzen zu selektieren, die wir objektiv-hermeneutisch analysieren wollten. Um das Prinzip der Extensivität zu gewährleisten und so viele Gedankenexperimente wie möglich zu generieren, hat sich die Forschungsgruppe dreimal in der Bibliothek getroffen und die einzelnen Sequenzen gemeinsam analysiert.

5 Analyse des Sprachmaterials

Bevor das Protokoll objektiv-hermeneutisch analysiert wird, bedarf es an einer Bestimmung der Textgattung, um den Interaktionsrahmen zu ermitteln. Dies hat den Vorteil, dass die Interpretationspragmatik dieses Texttyps erschlossen werden kann (Garz, 2010, S. 255).

Das sprachliche Material entstammt aus einer Live-Kommentierung, die am 7. August während des 10.000m Rennens live im ZDF zu hören war. Bei einer Berichterstattung, in der Sportkommentatorinnen und Sportkommentatoren sportliche Ereignisse live und aus direkter Nähe schildern, handelt es sich um die journalistische Darstellungsform einer Live-Reportage. Die Kommentatorinnen und Kommentatoren haben die Aufgabe, nachweisbare Fakten und Informationen zu liefern und gleichzeitig alle Eindrücke von einem sportlichen Geschehen zu sammeln sowie ein authentisches Liveerlebnis zu transportieren, sodass die Rezipienten das Gefühl haben, das Erzählte hautnah mitzuerleben. Dabei agieren die Journalisten sehr subjektiv, da sie die Geschehnisse aus ihrer eigenen Perspektive beschreiben. Sie bedienen sie sich an einer bildhaften Sprache und bauen eine eigene Dramaturgie auf. Trotz subjektiver Einfärbungen soll darauf geachtet werden, eine möglichst hohe Objektivität zu gewährleisten und Wertungen zu vermeiden (Bölz, 2018, S. 130-131, S. 175-176).

Aus diesem Grund lässt sich ein informatives und authentisches Sprachprotokoll erwarten, welches an breit gefächertes, deutschsprachiges Publikum adressiert ist, das sich überwiegend für Leichtathletik interessiert und das eine gute Platzierung einer Sportlerin bzw. eines Sportlers, mit dem sie sich identifizieren können, erhofft. Dabei lässt sich eine präzise, einfache und metaphorische Sprache vermuten, die vermutlich subjektive und ethnozentristische Formulierungen beinhalten.

[...]

1Hierbei ist zu beachten, dass männliche Migranten deutlich häufiger in Sportvereinen vertreten sind als Migrantinnen.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Liveberichterstattung über deutsche Athletinnen und Athleten mit Migrationshintergrund bei der Leichtathletik EM 2018
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V1045298
ISBN (eBook)
9783346471291
ISBN (Buch)
9783346471307
Sprache
Deutsch
Schlagworte
liveberichterstattung, athletinnen, athleten, migrationshintergrund, leichtathletik
Arbeit zitieren
Tobias Schlüter (Autor:in), 2018, Liveberichterstattung über deutsche Athletinnen und Athleten mit Migrationshintergrund bei der Leichtathletik EM 2018, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1045298

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