Schiller, Friedrich - Maria Stuart - Maria Stuart und Elisabeth


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

5 Seiten, Note: 15 NP


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Maria Stuart und Elisabeth

Im März 1799 entdeckt Schiller in der Geschichte der Maria Stuart, deren Schicksal und Leben als schottische Königin sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vollzog, neuen Stoff für ein historisches Drama. 1800 fand schließlich die Uraufführung statt und 1801 kam es zum Erscheinen der Buchausgabe. Schiller behandelt in seinem Werk nur das Ende der schottischen Königin und somit die letzten paar Tage vor der Hinrichtung. Der geschichtliche Hintergrund des Werkes sowie die Mehrzahl der beteiligten Figuren sind historisch, man findet jedoch auch fiktive Elemente. Beispielsweise gab es nie eine Person, die von Mortimer in Schillers Werk dargestellt wird. Er ist unsterblich in Maria verliebt und versucht ihr während ihres Gefängnisaufenthaltes zur Flucht zu verhelfen. Auch verändert Schiller die Beziehung der englischen Königin zu ihrem obersten und vertrautesten Minister Leicester, der verzweifelt auf den Thron hofft. In dem Stück führen beide nicht nur eine rein politische, sondern auch private Beziehung und Leicester hat für Elisabeth eine hohe Bedeutung, er ist auch einer der Gründe für die Todesverurteilung Marias. Die größte Abänderung durch Schiller ist jedoch die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, die sich im 4. Auftritt des 3. Aufzuges vollzieht. Angeblich sollen sich beide nie von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden haben, doch Schiller baut diese Stelle als Spannungspol und Höhepunkt des Dramas ein.

In den ersten zwei Aufzügen wird durch dramatische Steigerung und Häufung von Verschwörungen und verzwickten Umständen, die sich aus dem schrittweisen Sichtbarwerden und Durchbrechen der unverhüllten, von keiner politischen oder königlichen Rücksicht mehr gehemmten Weiblichkeit ergeben, auf diese Begegnung vorbereitet. Die Königinnen begegnen sich in ihrer nackten Existenz und reizen sich gegenseitig bis zum Höhepunkt, bis Maria zu dem letzten und tödlichen Gegenschlag ausholt, tödlich einerseits für Maria, die damit ihre Hinrichtung besiegelt, aber auch für Elisabeth im moralischen Sinne, da sie innerlich von der schottischen Königin stark gekränkt und verletzt wurde. Maria trifft die englische Königin in ihrem persönlichsten Bereich, ausgerechnet vor den Augen und Ohren ihres Liebhabers Leicester und trägt damit den ideellen Sieg davon.

Die Gesprächsanteile verhalten sich bei beiden gleich, wobei bei Maria deutlich der Kampf mit sich selbst zu erkennen ist. Elisabeth nimmt den größten Teil des Dialoges die Machtstellung ein, erst am Ende platzt Maria mit ihren ungeheuchelten Hassgefühlen für die unheimlich kalt wirkende Elisabeth heraus und siegt damit. Die Minister Leicester und Shrewsbury, die beide insgeheim auf Seiten Marias stehen, versuchen diese in ihrem Enthusiasmus aufzuhalten, da sie ihr Schicksal schon besiegelt sehen, doch sie haben keinen Erfolg.

Ergeben hatte sich das Gespräch auf Bitten Marias, die in schriftlicher Form Elisabeth vor ihrem entgültigen Entschluss um Unterredung bittet. Der Brief ging der englischen Königin sehr zu Herzen, da Maria ihre Gefühle und die Verwandtschaft beider anspricht. Den entgültigen Anstoß gibt jedoch Leicester, der, angetan von Maria, ihre Hinrichtung so lange wie nur irgend möglich hinauszögern will. Er schmeichelt Elisabeth, betont ihre Königinnenwürde und die erhöhte Machtstellung über Maria und bringt sie damit dazu, ein Treffen im Park zu arrangieren.

Ein Hauch von Freiheit kommt nun in Maria auf, als man sie in den Park lässt, sie ist stimuliert von der Natur und schöpft sie in vollen Zügen aus. Die Gefangene denkt nicht daran, dass hier ein Treffen zwischen ihr und Elisabeth geplant worden ist.

Die englische Königin ist inzwischen auf dem Fotheringhayschloß angekommen. Ihre Minister Leicester und Shrewsbury begleiten sie, beide hoffen auf Milde und Gnade durch die Königin. Elisabeth schickt ihr Gefolge nach London, da das Volk sehr aufgebracht ist. Schon vor der Begegnung zeigt Elisabeth nun ihre Selbsteingenommenheit. „Mein gutes Volk liebt mich zu sehr. Unmäßig, abgöttisch sind die Zeichen seiner Freude, so ehrt man einen Gott, nicht eine Königin.“ Elisabeth ist völlig überzeugt von sich, sie stellt sich gottesgleich über alle Engländer und vermeint die unendlich angepriesene Herrscherin zu sein. Es ist zwar wahr, das ein Großteil des Volkes auf Elisabeths Seite steht und Marias Tod fordert, aber dennoch gibt es Anhänger Marias, sonst würde sich der noch folgende Mordanschlag sicher nicht ereignen. Während sie spricht beobachtet Elisabeth Maria und ich bin mir sicher, das in ihr beim Anblick der Schönheit der schottischen Königin großer Neid aufkommt und das Verhalten der englischen Königin während des Gespräches also nachvollziehbar ist. Als Maria Elisabeth erblickt, ist sie getroffen von der Kälte, die derer Blick ausstrahlt: „O Gott, aus diesen Zügen spricht kein Herz.“ Maria hat Angst vor ihrer Rivalin und beim Anblick dieser schwindet ihrer Hoffnung auf einen Freispruch. „Wer ist die Lady?“ fragt Elisabeth und diese Frage dient ihr, sich verächtlich über Maria zu erheben. Sie weiß genau, dass sie der schottischen Königin gegenüber steht, doch um ihre Machtposition zu betonen, erniedrigt sie Maria und schenkt ihr keinerlei Anerkennung.

Leicester erklärt Elisabeth abermals, wo sie sich befindet und man erkennt deutlich an der Regieanweisung, dass die englische Königin zwar genau weiß, wo sie ist und wen sie vor sich hat, sie sich aber zur Demütigung Marias überrascht stellt. Leicester und Shrewsbury bitten nun noch einmal um Gnade für die gefangene Königin und sprechen ihre Erhabenheit an, während Maria versucht sich noch halb ohnmächtig zu sammeln. Nur weil Maria steht und nicht vor Elisabeth niederkniet, beschwert sich diese: „Wie Mylords? Wer war es denn, der eine Tiefgebeugte mir angekündigt? Eine Stolze find ich, vom Unglück keineswegs geschmeidigt.“ Die Königin erwartet also, dass sich Maria, durch 19 Jahre Gefangenschaft gefügig gemacht, ihr vor die Füße wirft und um Gnade winselt, obwohl sie eigentlich nie das Recht hatte über Maria zu entscheiden, da sie ihr standesmäßig ebenbürtig ist. Doch diese Kränkung ihres Stolzes nimmt Maria für ihre Freiheit auf sich, sie sagt: „Ich will vergessen, wer ich bin, und was ich litt, ich will vor ihr mich niederwerfen, die mich in diese Schmach hinunterstieß.“ Es ist unheimlich schwer für Maria, sich Elisabeth zu unterwerfen, sie kämpft mit sich, doch ist vernünftig und spricht Elisabeth den letztendlichen Sieg zu, schwenkt somit nun sprichwörtlich die weiße Fahne und kniet vor der Gekrönten nieder. An dieser Stelle ist eigentlich das Ziel Elisabeths erreicht, die Handlung scheint nun eine positive Wende zu nehmen. Doch Schiller wollte ja schließlich ein Drama verfassen und lässt die Handlung wie folgt weiterverlaufen: Maria bittet die Königin, „sich erheben zu dürfen nach dem tiefen Fall“ und sie nicht noch weiter zu erniedrigen, hofft wieder die königliche Würde erlangen zu können. Doch Elisabeth bleibt kalt: „Ihr seid an eurem Platz Lady Maria! Und dankend preis’ ich meines Gottes Gnade, der nicht gewollt, dass ich zu Euren Füßen so liegen sollte, wie Ihr jetzt zu den meinen.“ Sie betrachtet es also als göttliche Vorsehung, dass sie die Siegerposition eingenommen hat und macht Maria schon den ersten Vorwurf, sie, die englische Königin, zu stürzen versucht zu haben. Sie lehnt es also ab, Maria die Hand zum Zeichen des Friedens zu reichen und lässt sie knien.

Maria ist zutiefst gekränkt von Freundschaftsablehnung. Sie beginnt ihr ein wenig zu drohen, indem sie sagt: „Denkt an den Wechsel alles Menschlichen! Es leben Götter die den Hochmut rächen!“ Maria verflucht sie also für ihre Arroganz, aber sie sagt es indirekt, da sie sich immer noch zügeln kann, obwohl die Wut in ihr überkochen zu droht. „Um dieser fremden Zeugen willen, ehrt in mir Euch selbst, entweihet nicht das Blut der Tudor, das in meinen Adern, wie in den Euren fließt.“ Maria spricht die Verwandtschaft der beiden an und findet es sträflich, das eigene Familienmitglied so zu behandeln. Die Gefangene bittet Elisabeth nicht so kalt und unzugänglich auf sie hinabzublicken: „Mein Alles hängt, mein Leben, mein Geschick, an meiner Worte, meiner Tränen Kraft, löst mir das Herz, damit ich das eure rühre.“ Dieser Ausspruch verdeutlicht Marias verzweifelten Kampf, die alles dafür aufbringt Elisabeth das Herz zu erweichen. Doch diese blickt sie mit „Eisesblick“ an, was Maria Angst bereitet und ihr Bitten nutzlos zu machen scheint. Elisabeth geht nicht darauf ein, sondern will wissen, was Maria ihr zu sagen habe, wobei sie es schon als große Gnade für Maria empfindet, den Weg nach Fotheringhay gemacht zu haben, um sie anzuhören, womit sie sich schon wieder weit über die schottische Königin erhebt. „...denn ihr wisst, dass Ihr mich habt ermorden lassen wollen.“ - wieder klagt Elisabeth Maria wegen des versuchten Königinnenmords an. Die Gefangene versucht nun sehr vorsichtig mit ihren Worten umzugehen, damit sie es sich ja nicht verscherzt und spricht eine kurze Bitte an Gott, damit dieser ihr die angebrachten Worte in den Mund legt. „Kann ich doch für mich selbst nicht sprechen, ohne euch schwer zu verklagen, und das will ich nicht.“ Maria versucht also ihre wirklichen Gedanken, Gefühle und vor allem Vorwürfe an Elisabeth zurückzuhalten, um diese nicht zu verstimmen. Trotzdem spricht Maria nun aus, womit sie sich ungerecht behandelt sah: „...ich bin eine Königin wie Ihr, und Ihr habt mich als Gefangene gehalten...“ Obwohl beide Königinnen sind, hat sich eine über die andere erhoben und sie gefangen genommen, was nicht rechtens ist. „...ich kam zu Euch als eine Bittende, und Ihr, des Gastrechts heilige Gesetze, der Völker heilig Recht in mir verhöhnend,..“ Elisabeth war, nachdem sie wegen der vermutlichen Beteiligung an dem Mordkomplott an ihrem Ehemann Henry Lord Darnley in Schottland verhaftet worden war, nach England geflüchtet, um dort Zuflucht zu finden, doch dort ließ die englische Königin sie festnehmen, womit Maria sich jetzt ungerecht behandelt fühlt. Sie macht Elisabeth einen weiteren Vorwurf, nämlich dass ihr die Dienerschaft und ihre Freunde, u.a. Talbot, genommen worden waren. „Unwürdgem Mangel werd’ ich preisgegeben, man stellt mich vor ein schimpfliches Gericht.“ Sie klagt also auch an, dass die Richter voreingenommen waren und es also nie eine faire Verhandlung für sie gab. Über all diese Dinge, die man ihr antat, wolle sie jedoch, wie Maria darauf sagt, hinwegsehen und niemanden von beiden Herrscherinnen die Schuld geben. „Ein böser Geist stieg aus dem Abgrund auf, den Haß in unsren Herzen zu entzünden, der unsre zarte Jugend schon entzweit“ Hier spricht die schottische Königin von den Religionskämpfen, die schon zwischen England und Schottland herrschten, bevor beide das Zepter in die Hand bekamen. Des weiteren spricht sie auch davon, dass beide Frauen durch andere aufgehetzt handelten und im Eigentlichen gar kein Grund für einen Hass bestünde.

Maria versucht nun Nähe zu Elisabeth zu finden: „Jetzt ist kein fremder Mund mehr zwischen uns, wir stehn einander selber gegenüber.“ Beide hatten sich nämlich nie persönlich gesprochen, alle Verhandlungen waren immer über Zwischenleute getroffen worden und so hofft die Gefangene nun, Milde von Elisabeth erwarten zu können. Sie bittet die Königin ihr das zu nennen, womit sie sich schuldig gemacht habe - „...ich will euch völliges Genügen leisten.“, d.h. dass Maria demnach auch bereit ist sich Fehler einzugestehen und sie bedauert es sehr, dass es nie vorher zu einer Begegnung zwischen beiden Königinnen kam, da es dann ihrer Meinung nach nie zu allen Vorfällen, die sich zwischen ihnen ereignet hatten, gekommen wäre. Maria hatte nun also mit dieser langen Rede Aspekte angeführt, die Elisabeth zur Umstimmung bringen sollten, sie hofft darauf das ihr endlich Vertrauen geschenkt wird. Dass diese Hoffnung sich nicht erfüllte zeigt sich in dem, was Maria ihr darauf zurückgibt: „Mein guter Stern bewahrte mich davor, die Natter an meinen Busen mir zu legen.“ Elisabeth hat nichts von ihrer Kälte abgelassen, noch immer geht sie nicht auf Marias Bitten und Betteln ein . Sie sagt, dass „die wilde Ehrsucht“ Schottlands größter Anklagepunkt wäre, was heißt, dass sie Maria verflucht, weil diese raffgierig gewesen war und zu dem einen, den sie schon besitzt, noch einen zweiten Thron zu ergattern versucht hatte. Elisabeth stellt zwar alles so hin, als ob Maria nur von ihrem Mann überredet worden war, Religionsaufstände anzuzetteln und ihren Anspruch auf den englischen Thron geltend zu machen, aber dennoch sagt sie: „Meinem Haupte war der Streich gedrohet, und das Eure fällt.“ Da sie dies als Aussage erwähnt und nicht einmal mehr in Frage stellt, scheint nun schon wieder alles Hoffen verloren zu sein, doch Maria traut ihrer Halbschwester nicht zu, das Urteil zu besiegeln: „Ich steh’ in Gottes Hand. Ihr werdet Euch so blutig Eurer Macht nicht überheben.“ Sie deutet also schon wieder an, dass Elisabeth eigentlich kein Recht hat, über Marias Schicksal zu entscheiden. Nun behauptet die englische Königin, dass sie sich dieses Recht herausnehmen könne. „Die Kirche trennet aller Pflichten Band, den Treubruch heiligt sie, den Königsmord, ich übe nur was eure Priester lehren.“ Elisabeth spricht alle Verbrechen an, die Maria als Hauptfigur Schottlands und Vertretein des katholischen Glaubens verübt hatte. Man sagt, dass sie allen Ehemännern fremdging, was mit dem „Treubruch“ gemeint ist. Der „Königsmord“ betrifft das Mordkomplott, das Maria mit Bothwell, ihrem Günstling, in Bezug auf ihren Gatten, den König, geschlossen hatte. „Welches Pfand gewährte mir für Euch, wenn ich großmütig Eure Bande löste? Mit welchem Schloss verwahr ich Eure Treue, das nicht Sankt Peters Schlüssel öffnen kann?“ Elisabeth sagt hier aus, dass sie kein Vertrauen zu Maria fassen kann, da sie Angst hat, das für diese ihre Religion Vorrang hat, schließlich hat die englische Königin keine Garantie, dass Maria ihren Anspruch auf den Thron und die Verbreitung der Religion, die sie vertritt, einstellt. Elisabeth formuliert hier eindeutig den Grund für die noch immer währende Gefangenschaft und die eventuelle Hinrichtung Marias. Sie empfindet also „Gewalt“ als „einzige Sicherheit“, was bedeutet, dass nur mit Marias Tod ihr Thron ein für alle Mal gesichert sei, „kein Bündnis mit dem Gezücht der Schlangen“, Elisabeth geht keinen Schritt auf Maria zu, ihre Entscheidung scheint getroffen, Maria ist für sie falsch und verräterisch wie eine Schlange, mit der sie kein Bündnis schließen will. Dass die Königin von Schottland noch immer Anspruch auf den englischen Thron erhebt und sich im Recht fühlt, sagt sie in den nächsten Zeilen: „..hättet Ihr mich zu Eurer Erbin erklärt, wie mir gebührt...“. Marias Meinung nach hätte es nie Streit gegeben und Elisabeth hätte in ihr eine „treue Freundin und Verwandte“ erhalten.

Diese behauptet jedoch, dass Maria der Kirche Vorrang gegeben hätte und sie verhöhnt die Gefangene indem sie sagt: „Euch, zu Erbin erklären! Der verräterische Fallstrick!“ - Maria würde also nie Anspruch auf die Erbschaft haben können, da die größte Angst der englischen Königin eine Thronübernahme während sie lebt, ist. Sie betrachtet alle Absichten von Schottlands Königin als bösartig und nichts scheint sich im Verlauf des Dialoges daran zu ändern. Daraufhin erklärt Maria, dass sie von Englands Thron ablassen will, sie wäre sowieso nicht mehr derselbe Mensch wie früher, das Gefängnis habe sie verändert und sie würde nicht mehr jenen Herrscherdrang verspüren, der sie dazu ermunterte, nicht vom englischen Thron abzulassen, sie bezeichnet sich nur noch als „Schatten der Maria“. Sie hofft nun endlich den lang ersehnten Freispruch von Elisabeth zu hören, von der sie die ganze Zeit über gedemütigt wurde. „Ein Wort macht alles ungescheh’n. Ich warte darauf. O lasst michs nicht zu lang verharren...“ Maria wird ungeduldig, sie ist gepeinigt durch die herablassende Art der Elisabeth, die nicht aufhört, sie zu quälen. „Bekennt Ihr Euch endlich für überwunden? Ist’s aus mit Euren Ränken? Ist kein Mörder mehr unterwegs? Will kein Abenteurer für euch die traur’ge Ritterschaft mehr wagen?“ Englands Königin spricht von Marias zahlreichen Verehren, die sich gegen sie selber stellen und für Maria kämpfen. Elisabeth meint, dass Marias Einfluss viel zu groß sei und sie häuft die verletzenden Worte, während Maria versucht sich zu bremsen: „Es lüstet keinen, Euer - vierter Mann zu werden, denn Ihr tötet Eure Freier wie Eure Männer.“ Der Gefangenen wird unterstellt eine Mörderin zu sein, wobei aus Elisabeth der blanke Neid spricht, da sie nie besonders viele Chancen bei den Männern hatte. Den letzten Stich versetzt Elisabeth Maria mit den folgenden Worten: „Fürwahr! Der Ruhm war wohlfeil zu erlangen, es kostet nichts, die A l l g e m e i n e Schönheit zu sein, als die G e m e i n e seine für Al l e!“ Die Königin bezeichnet Maria hier indirekt als „Hure“, womit Maria die Beleidigungen und Demütigungen nicht mehr ertragen kann, es passiert genau das, was Elisabeth die ganze Zeit herausgefordert hatte: „Jetzt zeigt Ihr Euer wahres Gesicht, bisher wars nur die Larve!“, damit hat sie insofern recht als dass, Maria die ganze Zeit den Groll, den Sie gegen die Königin hegte, unterdrückt hatte, aber sie hatte sicher nicht damit gerechnet, wie dieser Gegenschlag sich äußern würde. Maria bewahrt Würde, glüht aber vor Zorn, wie man an der Regieanweisung erkennt. „Ich habe menschlich, jugendlich gefehlt,..“ beginnt Maria, sie sagt aus, dass sie nie selber Schuld an etwas hatte, die Macht habe sie verleitet und sie wusste nicht mehr, was sie tat. „Das Ärgste weiß die Welt von mir, und ich kann sagen, ich bin besser als mein Ruf.“ Sie betrachtet ihr Handeln immer als ehrlich, was andere heimlich und verstohlen machten, habe sie nur öffentlich getan, sie sei nicht so bösartig wie alle von ihr dachten. Noch versetzt Maria Elisabeth noch nicht den Schlag gegen ihre königliche Würde. Shrewsbury versucht erstmals sie aufzuhalten, sich ins Verderben zu stürzen, doch sie kann sich nicht mehr mäßigen, „Ich habe ertragen, was ein Mensch ertragen kann. Fahr hin, lammherzige Gelassenheit, zum Himmel fliehe, leidende Geduld, spreng..“ - gemeint sind die 19 Jahre Gefängnisleben , die sie geduldig auf Gnade gewartet hatte, doch jetzt war einfach die Zeit gekommen, an der sie ihrem Frust freien Lauf lassen musste. Leicester versucht, Elisabeth wegzubringen, doch es ist schon zu spät: „Der Thron von England ist durch einen Bastard entweiht, der Briten edelherzig Volk durch eine list’ge Gauklerin betrogen. - Regierte Recht, so läget Ihr vor mir im Staube jetzt, denn ich bin euer König.“ - Maria nimmt kein Blatt mehr vor den Mund, sie spricht aus, was sie und ihre Anhänger denken. Zwar besiegelt sie damit ihren Tod, aber trotzdem ist sie die schlussendliche Gewinnerin. In diesem Moment bildet Maria eine Komposition aus Weib und Königin, Schönheit und Würde, Leidenschaft und Adel, so dass sie eine Größe erreicht, welche die Elisabeths um Längen schlägt. Der Weg, den beide Frauen zu diesem dramatischen Höhepunkt gehen, ist verschieden. Elisabeth gelangt sofort zu sich selber, sie greift Maria politisch, aber vor allem persönlich an, die Schönheit Marias scheint sie dabei am meisten zu Aggressivität zu verleiten.

Anders ist der Weg Marias. In einer für sie unglaublichen Beherrschung versucht sie durch Unterwürfigkeit, Berufung auf Edelmut und Verwandtschaft, das Herz Elisabeth zu erweichen. Am Ende ist sie sogar bereit auf politische Ansprüche zu verzichten. Erst nach wiederholter Erniedrigung durch Elisabeth gelangt sie zu sich selber und greift ihre Gegenspielerin vor allem in ihrer Position als Königin an. Ihr Hass bricht durch, aber trotzdem behält sie Würde. Damit schindet sie Eindruck, z.B. bei Mortimer, der sie nun noch mehr vergöttert. Letztendlich ist Marias Schicksal damit besiegelt, da sie nun hingerichtet wird, aber dennoch stirbt sie als Heldin im Schillerschen Sinne.

Folgendes Zitat von Eugen Kühnemann gibt eine gute Übersicht, was sich im Eigentlichen im 4. Auftritt des 3. Aufzuges abspielte: „Der vierte Auftritt ist mit der ganzen Schillerschen Lust an der Antithese und radikalen Umkehr gestaltet. Elisabeth kam, um den Triumph über Maria, von der sie als Weib so oft verletzt ward, zu kosten - Maria kam, um sich zu demütigen vor der, die ihr nach dem Leben steht. Und die triumphieren will, wird gedemütigt; die sich demütigen will, triumphiert, und zwar als Weib über das Weib.“

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Schiller, Friedrich - Maria Stuart - Maria Stuart und Elisabeth
Note
15 NP
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V104588
Dateigröße
337 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiller, Friedrich, Maria, Stuart, Maria, Stuart, Elisabeth
Arbeit zitieren
Stefanie Mauksch (Autor), 2000, Schiller, Friedrich - Maria Stuart - Maria Stuart und Elisabeth, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104588

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