Dürrenmatt, Friedrich - Die Physiker


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

4 Seiten


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Die Physiker

Ich werde euch nun die Komödie „Die Physiker“ etwas näherbringen.

Die Physiker wurden von Friedrich Dürrenmatt verfasst. Dürrenmatt wurde im Jahre 1921 in Konolfingen bei Bern geboren und starb im Dezember 1990. Dürrematt studierte Philosophie, Germanistik und Theologie in Zürich und Bern. Er arbeitete zunächst als Zeichner und Graphiker und schrieb Literaturkritiken für die Züricher Weltwoche. Mit seinen avantgardistischen Dramen und seinen Kriminalromanen gehört er zu den bedeutendsten schweizerischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Dürrenmatt ist seinem Wesen nach Dramatiker. Seine Stücke, meist Komödien, regen das Publikum besonders zum Nachdenken an und eine Realitätsbezug ist fast immer gegeben. Zu seinen bekanntesten Stücken zählen „Der Besuch der alten Dame“, „Der Richter und sein Henker“, „Der Verdacht“ und „Das Versprechen“.

Die Physiker sind 1962 entstanden.

Das zentrale Thema dieser Komödie ist die unausweichliche Gefährdung der Welt durch die moderne Kernphysik.

In einem Privatsanatorium - einer Irrenanstalt - leben drei Physiker. Der eine hält sich für Einstein, der andere für Newton, der dritte ist der deutsche Physiker Möbius, der seine Weisheit angeblich von König Salomo bezieht. Geschehen ist bisher nichts, außer dass vor drei Monaten Newton eine Krankenschwester erdrosselt hat und Einstein am heutigen Tage die gleiche Tat vollbracht hat. Jede der beiden Krankenschwestern liebte den Mörder. Nun ergeht es Möbius mit der Schwester Monika ebenso. Es bleibt ihm nichts anderes übrig als sie zu erdrosseln. Denn alle drei sind nicht verrückt, sie benützen ihren Irrsinn nur als Tarnkappe. Newton und Einstein sind Beauftragte entgegengesetzter Geheimdienste, die hinter dem Geheimnis des Möbius her sind. Jeder musste die Schwester töten, weil sie das Geheimnis ihrer Verstellung erraten hatte. Allein Möbius hat sich freiwillig ins Irrenhaus zurückgezogen, denn würden sich die Menschen seiner Weltformel für Atomphysik bemächtigen, hätte dies die verheerendsten Folgen für sie. Darum hat er das Irrenhaus der akademischen Karriere und den Angeboten der Industrie vorgezogen. Nur im Irrenhaus herrsche für ihn noch die Freiheit. Er wird bleiben, ebenso wie Einstein und Newton. Wenn sie zugeben würden, nicht verrückt zu sein, wären sie Mörder. Allein Fräulein von Zahn - die Irrenärztin - hat alle drei durchschaut, auch ihr erscheint König Salomo, und in ihrem Sanatorium beherbergt sie, die nun die einzige Verrückte ist, die drei Physiker. Die Welt ist in die Hände einer verrückten Irrenärztin gefallen. Sie hat Möbius Aufzeichnungen photokopiert und ist dabei, die Welt zu zerstören.. Eine Lösung aus dem Dilemma des Atoms weiß auch Dürrenmatt nicht.

Angela Wieser

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Fr. Doktor von Zahnd ist die Leiterin und Gründerin des Irrenhauses, der letzte bucklige Spross einer einst angesehen und mächtigen Adels- und Industriellenfamilie. Sie genießt einen Weltruf als Menschenfreund und Psychiater. Von Zahnd wird als tüchtige Geschäftsfrau, angesehene Ärztin und mildtätige Person beschrieben. Doch als sie zugibt dass sie Möbius‘ Unterlagen kopiert hat und mit ihrem Welttrust die Herrschaft der Welt übernehmen will entlarvt sich die Irrenärztin als irre Ärztin. Sie ist die einzige Person in dem Stück, die tatsächlich geisteskrank ist. Sie ist diejenige, die nur nach Macht und Geld giert. Ihr sind die verheerenden Folgen für die Menschheit zwar bewusst, doch der Drang zur Übernahme der Weltherrschaft ist größer. Der Physiker Alec Jasper Kilton wohnt unter dem Falschnamen Herbert Georg Beutler im Irrenhaus und spielt einen Verrückten vor, der sich für Newton hält. Ebenso sein Gegenspieler Joseph Eisler, der unter dem Namen Ernst Heinrich Ernesti in das Sanatorium kam und sich angeblich für Einstein hält. Beide sind in Wirklichkeit jedoch Geheimagenten rivalisierender Mächte. Wenn Dürrenmatt es auch nicht direkt anspricht, so spricht vieles dafür, dass Einstein dem russischen und Newton dem amerikanischen Geheimdienst angehört. Newton lehnt die Verantwortung von Wissenschaftlern für die Auswirkungen ihrer Erfindungen ab. Dies sei Aufgabe des Menschen. Newton plädiert für freies Forschen und Lehren und verfolgt das Ziel einer freien Wissenschaft. Einstein geht es vordergründig um die mit der Wissenschaft verbundene Macht. Schließlich kann Möbius die beiden Physiker überzeugen, ihren Plan fallenzulassen und gemeinsam mit ihm in Unfreiheit für die Freiheit der Menschen zu leben. Auch sie scheitern wie Möbius an Frl. Doktor von Zahnd. Haben sie doch weder die Weltformel für sich nutzbar machen können, noch die Menschheit gerettet.

Der dritte Physiker namens Möbius ist die zentrale Figur. Er stammt aus der sozialen Unterschicht. Möbius führt im Gegensatz zu Newton und Einstein nicht von vornherein eine Doppelexistenz. Er bleibt er selbst. Die Auswanderung aus der Realität in das Irrenhaus ist Folge seiner physikalischen Erkenntnisse. Er sieht sich gezwungen, sich selbst als Verrückten auszugeben, um die Menschheit vor verheerenden Auswirkungen durch die von ihm entdeckte Weltformel zu bewahren. Trotz des Geniegeistes und den vergeblichen Versuchen, die Menschheit zu bewahren, sei es durch die Flucht ins Irrenhaus oder durch die Überzeugungsarbeit, die er an den beiden Physikern Einstein und Newton versucht und auch durchsetzt, scheitert Möbius am Ende. Sein Spiel, der Menschheit einen Verrückten vorzuspielen, war von Anfang an durchschaut, und die Realität holt ihn ein.

Angela Wieser

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Die Sprache wird geprägt durch kurze Dialoge. Die Wortwiederholungen und die manchmal unvollständigen und kurzen Sätze kennzeichnen die Alltagssprache in diesem Stück. Die Komödie ist in zwei Akte gegliedert. Dürrenmatt hält sich streng an die drei klassischen Einheiten der Zeit, des Orts und der Handlung.

Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat, so Dürrenmatt in seinen 21 Punkten zu den Physikern, eine Art Kommentar des Autors zu seinem Werk. Er meint damit, dass es nach der Wende keine Umkehr mehr gibt. Die Wende in den Physikern ist durch das Eingreifen der Irrenärztin eingetreten. Sie bringt die Pläne an die Öffentlichkeit und die Menschheit in das Verderben - es wäre unmöglich diesen Zug wieder rückgängig zu machen. Weiters schreibt er „Die schlimmstmögliche Wendung ist nicht voraussehbar. Sie tritt durch Zufall ein, der eine zentrale Rolle in der Komödie spielt. Die verantwortungsbewussten und durchdachten Pläne des Möbius scheitern am unerwarteten Zug einer Irrenärztin.

Dürrenmatt schreibt in seinem Kommentar, dass ein Drama über die Physiker paradox sein muss. Er hat versucht, die zwiespältige Situation darzustellen, in welche die Physiker durch ihr fortgeschrittenes Wissen hineingeschlittert sind. Deshalb stellt die Verantwortlichkeit des Wissenschaftlers für seine Entdeckungen das zentrale Thema der Komödie dar. Es stellt sich die Frage: Sollen Wissenschaftler ihr revolutionäres Wissen an die Öffentlichkeit tragen, auch wenn eine an sich gute Erfindung verheerende Folgen birgt ? Niemand kann allein die Verantwortung für die möglichen Auswirkungen von Forschung auf die Menschheit tragen. Möbius Fehler ist es zu glauben, er alleine könne die Welt bewahren. Dürrenmatt schreibt in seinen Physikerthesen: „Jeder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, muss scheitern.“ Hiermit spricht er das sinnlose Opfer des Einzelnen an. Opfer und Versuche des Einzelnen, die Welt zu verändern, zu verbessern oder zu täuschen, sind dazu verurteilt fehl zu schlagen. Für die wissenschaftlichen Errungenschaften sind alle verantwortlich. Dürrenmatt zeigt am Beispiel der verrückten Irrenärztin den Missbrauch von wissenschaftlichen Entdeckungen. Sie kennt zwar die Folgen der Veröffentlichung der Weltformel, jedoch sind Macht und Reichtum für sie wichtiger. Viele Wissenschaftler ahnen nichts von den negativen Folgen ihrer Entwicklung, denn für sie steht nur der Nutzen für die Menschheit im Vordergrund. Viele Erfindungen haben zwei Seiten --eine schlechte und eine gute. Es wäre nicht sinnvoll eine Erfindung zu verwerfen wenn der Nutzen überwiegt. Nur müsste es gewährleistet sein, dass die Menschheit mit den negativen Seiten umzugehen weiß.

Angela Wieser

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Die Geschichte des genialen Physikers Möbius ist keineswegs eine Erfundene. Möbius steht in diesem Stück stellvertretend für Albert Einstein. Einstein legte mit seinen Erkenntnissen den Grundstein für den Bau einer Atombombe und konnte, nachdem er die Gefährlichkeit seiner Erfindung erkannt hatte, die Herstellung einer solchen nicht verhindern. Wissen ist hier Macht geworden. Sie hat dem Menschen Macht gegeben sich selbst zu vernichten. Das Stück ist ein Appell an die Wissenschaft, manches Denkbare nicht zu denken.

Zum historischen Hintergrund zur Entstehung des Stückes ist zu bemerken dass die internationale Politik vom Kalten Krieg und der permanenten Gefahr eines apokalyptischen Atomanschlages geprägt. Das atomare Wettrüsten der Supermächte nahm stetig zu. Die Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion wurden vorwiegend von der Strategie der Abschreckung bestimmt. Es wurden wirtschaftliche und technologische Ressourcen in bislang ungekanntem Ausmaß eingesetzt um immer ausgeklügeltere Waffensysteme zu entwickeln: Atom- und Wasserstoffbomben, zielgenaue Raketen mit Mehrfachsprengköpfen in Silos oder auf U-Booten, Militärsatelliten zur Aufklärung und auch Raketenabwehrsysteme. Seit dem 6. August 1945, dem Tag an dem die erste Atombombe in Hiroshima abgeworfen wurde, wissen wir, dass wir in der Lage sind, uns und eventuell alles Leben auf diesem Planeten zu vernichten.

Mit dem Aufkommen der Gentechnologie gibt es neue Bedrohungen, besonders die Gefahr irreversibler Veränderungen der Natur. Doch meist bietet eine Entdeckung, zumindest auf den ersten Blick, ebenso viele oder mehr Chancen als Risiken. Man betrachte etwa die Möglichkeit, dank der Gentechnologie Diabetiker mit dem dringend benötigten Insulin zu versorgen, die Nahrungsmittelsituation der Menschheit zu verbessern oder vielleicht einmal Krankheiten wie Krebs oder AIDS bekämpfen zu können.

Meine Meinung dazu ist, dass wir Wissenschaft und Technologie für Dinge benutzen sollten, für die sie geeignet sind, in erster Linie, um das Leben der Menschen zu bewahren und zu verbessern. Wir sollten forschen, aber doch überlegen, wohin es führt - und wenn nötig, rechtzeitig die Notbremse ziehen. Es sollte nicht alles Denkbare realisiert werden, sondern nur jenes das nötig, wichtig und gut ist.

4 von 4 Seiten

Details

Titel
Dürrenmatt, Friedrich - Die Physiker
Autor
Jahr
2001
Seiten
4
Katalognummer
V104863
Dateigröße
331 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dürrenmatt, Friedrich, Physiker
Arbeit zitieren
Wieser Angela (Autor), 2001, Dürrenmatt, Friedrich - Die Physiker, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104863

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