Schiller, Friedrich - Die Räuber - Warum verlässt Karl von Moor am Ende die Räuberbande?


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

6 Seiten, Note: 2


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Gliederung

1. Einleitung: Entstehung und Hauptgedanken

2. Hauptteil: Gründe für das Verlassen Karls der Räuberbande am Ende des Dramas
2.1 Die Einsicht über Karls Verbrechen
2.2 Der Verlust vieler nahestehender Menschen
2.3 Das andere Hauptmannsmotiv Karls Schluss: Parallelen zu „Wilhelm Tell“

B. Ausführung

Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass Schiller neben Goethe einer der herausragenden deutschen Dichter ist. Neben zahlreichen anderen Werken wie z.B. Maria Stuart, Kabale und Liebe oder Die Jungfrau von Orleans hat auch eines seiner bekanntesten Stücke „Die Räuber“ die Epochen der Aufklärung und des Sturm und Drang entscheidend mitgeprägt. Es entstand während Schillers Zeit auf der Militärakademie in Stuttgart. Die Idee zu diesem Drama hatte er aufgrund der Erzählung von Daniel Christian Schubart, „Zur Geschichte des menschlichen Herzens“, in der in groben Zügen eine ähnliche Handlung stattfand. Die genaue Entstehungszeit Schillers „Räuber“ weiß man nicht, es werden allerdings die letzten Jahre in der Militärakademie um ca. 1779/80 vermutet.1

Es ging Schiller, wie Thomas Mann bemerkt, „um die Arbeit am Geiste der Nation, ihrer Moral und Bildung, ihrer seelischen Freiheit, ihrem intellektuellen Niveau um die rettende Ehrfurcht des Menschen vor sich selbst.“.2 D.h., die Sache, um die es letztlich geht, ist die Freiheit, und steht über den Schwächen der einzelnen Figuren im Drama. Die Freiheit bleibt das anzustrebende Ziel. Die Frage, warum Karl Moor am Ende des Dramas seine Räuberbande verlässt, lässt sich nun anhand einiger Argumente leicht beantworten.

Ein erster Grund dafür, warum Karl die Räuberbande am Ende des Dramas verlässt ist seine Einsicht über seine Verbrechen, die sich durch das ganze Drama hindurch ziehen. Im 2.Akt 3.Szene (aus: Schiller, Friedrich: Die Räuber. Stuttgart: Reclam 1999) erzählt Razmann

Spiegelberg über die zahllosen Verbrechen, die Karl schon begangen hat. Obwohl er sie der Gerechtigkeit wegen begeht, so kommt er trotzdem in Konflikt mit dem Gesetz, als er z.B. Bauernhöfe überfällt ([...] und haust teufelmäßig, als wenn jede Faser an ihm eine Furie wäre.“ (S.60)). Razmann erzählt des weiteren von einem Anwalt, den er zuerst in einer Kutsche ausraubte und ihn daraufhin ermordet. („[...] der Dolch stak in seinem Bauch wie ein Pfahl in dem Weinberg [...]“ S.61) Im selben Akt erfährt man auch über Karls große Rettungsaktion von Roller, als dieser in der Stadt aufgrund seiner Verbrechen gehängt werden soll. Der Räuberhauptmann setzt nicht nur die ganze Stadt in Brand sondern sprengt sogar noch den Pulverturm, um Roller zu seiner Flucht zu verhelfen („[...] Moor! Moor! [...] daß ich dir Gleiches mit Gleichem vergelten kann [...] es war Hülfe in der Not [...]“ (S.64))

Im 5.Akt 2.Szene, der Wiedersehens-Szene von Karl, Amalia und dem alten Moor, wird es Karl bereits klar, welch schwere Last er durch seine Verbrechen auf seine Seele geladen hat. Als ihm Amalia trotz allem vergibt, sieht er ein, dass seine Schandtaten falsch waren. („[...] Rein bin ich wie der Äther des Himmels [...] Der Friede meiner Seele ist wiedergekommen, die Qual hat ausgetobt, die Hölle ist nicht mehr [...]“ (S.135/136))

Als auch die anderen Räuber ihn an seinen Schwur erinnern, so muss Karl wider Willen zugeben, ihnen dadurch verschrieben zu sein und erkennt auch in dieser Situation, dass er in seinem Räuberleben falsch gehandelt hat. („Kann denn ein großer Sünder noch umkehren?“ (S.136) „[...] ein Leben voll Abscheulichkeit und Schande [...]“ (S.138) Nachdem Karl seine Amalia tötete und nun die anderen Räuber mit ihm weiter ziehen wollen, so weigert er sich, da er sich der Justiz stellen will um sich selbst wegen seinem Verbrechen zu richten. („Mit Scham und Grauen leg ich hier diesen blutigen Stab nieder [...] mit Werken der Finsternis“ (S.138)) Karl sieht nun ein, dass er die Welt durch seine Auffassung von Gerechtigkeit nicht verschönern kann und verlässt somit die Räuberbande. („[...] der ich wähnete die Welt durch Greuel zu verschönern [...] die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu erhalten [...] Ich nannte es Rache und Recht [...]“ (S.138))

Wichtiger jedoch ist der Verlust vieler Karl nahestehenden Menschen. Sein Entschluss, mit seinen Kumpanen eine Räuberbande zu gründen scheint der Anfang eines sich durch das ganze Drama ziehenden „roten Fadens“ zu sein, denn bereits im 2.Akt 3.Szene findet sich der erste Tod. Nach dem Karl und seine Räuberbande eine Stadt abgebrannt haben um Roller vor dem Galgentod zu retten, werden sie im Wald vom Militär umzingelt, das die Herausgabe des Hauptmanns fordert. Als sich die anderen Räuber aber dazu entschließen, zur Bande zu stehen und ihren Hauptmann zu verteidigen, fällt Roller in dieser Schlacht. („[...] Tod oder Freiheit! Wenigstens sollen sie keinen lebendig haben!“ (S.75); „Bei den Gebeinen meines Rollers! [...] (S.83))

Auch im 4.Akt, 5. Szene kommt es erneut zu einem Mord. Aus Eifersucht will Spiegelberg den Räuberhauptmann Moor umbringen und weiht Razmann in seinen Plan ein. Karl verdiene den Hauptmannstitel nicht und unterdrücke seine Räuberkumpanen. („[...] oder hat er nicht diesen Titel usurpiert, der von Rechts wegen mein ist?“ (S.107) ; „[...] dass wir am End noch von Glück sagen, die Leibeigenen eines Sklaven zu sein?“ (S.107)) Als Schweizer von seinem

Plan erfährt tötet er Spiegelberg aus Treue seinem Hauptmann gegenüber indem er ihn erdolcht. („Da! - und so krepier du [...]“ S.108; „[...] - fahr hin Meuchelmörder!“ S.108) Die nächsten Morde finden sich schließlich im 5.Akt 1.Szene. Franz plagt das schlechte Gewissen, da er seinen Vater sowie seinen Bruder ins Verderben brachte und ihm ein Pater schließlich bestätigt, dass Vater- und Brudermord die größten Todsünden seien. Da Franz nicht an Gott glaubt („Nein ich will auch nicht beten - diesen Sieg soll der Himmel nicht haben [...] S.129) und er somit keinen Trost in ihm findet, erdrosselt er sich letztendlich. („Nichts mehr davon - Sterben! [...] S.128) Durch diesen Selbstmord kann auch Schweizer den Auftrag Karls, Franz ihm lebend auszuliefern, nicht mehr erfüllen und erschießt sich. („Tot! was? tot? ohne mich tot [...]“ ; „ [...] Er ist maustot - mich sieht er nicht wieder.“ S. 130)

Am Ende des Dramas (5.Akt, 2.Szene) kommt es schließlich zu den beiden schwerwiegendsten und entscheidenden Todesfällen. Als dem alten Moor klar wird, dass der Räuberhauptmann sein Sohn Karl, also der Bräutigam von Amalia ist, stirbt er. (S.135) Amalia hält gegen dessen Willen weiter zu Karl. Die Räuber erinnern ihn an den Treueschwur, der nur durch den Tod zu brechen ist. Dadurch wird Amalia klar, dass sie ihren Karl endgültig verloren hat und wünscht selbst zu sterben, da sie ohne ihn nicht leben könne. („Tod ist meine Bitte nur!“ S.137)

Spätestens nachdem Karl nun aufgrund seines Räuberlebens auch den Tod seines Vaters und anschließend ebenfalls den Tod seiner Geliebten Amalia zu verbuchen hat, wird ihm klar, dass eine Rückkehr zu seiner Räuberbande für ihn unmöglich scheint.

Der ausschlaggebende Grund dafür, warum Karl seine Räuberbande am Ende des Dramas verlässt ist allerdings Karls eigenes Räuberhauptmannmotiv. Da durch seine persönliche Situation und seiner psychischen Belastung ganz andere Beweggründe in ihm herrschten, eine Räuberbande zu gründen, als bei seinen Räuberkumpanen, so kann man hier ein weiteres Argument gegen die Rückkehr zur Räuberbande finden. Als Franz im Namen des Vaters einen Fluchbrief an Karl schicken lässt, ist Karl darüber so emotional erregt, so dass er in diesen Augenblick seinen Glauben an das Gute der Menschen verliert. („Menschen! falsche, heuchlerische Krokodilbrut!“ (S.31))

Als Karl in dem vermeintlichen Brief seines Vaters glaubt, die Vaterliebe endgültig verloren zu haben, scheint er schier zu verzweifeln und hegt somit großen Hass gegen seinen Vater als auch gegen die Gesellschaft. Seine Familie ist Karl am wichtigsten, was auch hier der Auslöser für seine erboste Reaktion ist. („[...] wenn Vaterliebe zur Megäre wird [...]“ (S.31)) Als nun die anderen Räuber Karl vorschlagen, mit ihm eine Räuberbande zu gründen, redet Karl weiter voller Ärgernis über den „Verrat“ seines Vaters an ihm („[...] Ich hab ihn so unaussprechlich geliebt! so liebte kein Sohn [...]“ (S.32) und ist so in seine Gedanken vertieft, so dass er den Vorschlag der anderen Räuberkumpanen zuerst gar nicht wahrnimmt. Doch dann scheint er wie aus Trotz einzustimmen und beschließt, der Hauptmann der neugegründeten Räuberbande zu sein. Doch schon wenige Zeilen später erfährt man den wahren Grund für die Einwilligung Karls. Verletzt und enttäuscht über Vater und Familie beschließt Karl sich in Form von Raub und Mord an der ganzen Gesellschaft für diesen Verrat zu rächen. („Ich habe keinen Vater mehr, ich habe keine Liebe mehr, [...] Blut und Tod soll mich vergessen lehren [...] Mörder, Räuber!“ (S.33))

Aus dieser Tatsache wird sehr deutlich ersichtlich, dass Karl am Ende des Dramas gar nicht mehr zu seiner Räuberbande zurückkehren kann. Er hatte die Räuberbande nie aus vollkommener „Räuberüberzeugung“ gegründet, jedoch durch Verletzung und Kränkung geblendet, stürzte Karl sich in ein neues „Zuhause“, das im ersten Moment seine Kumpanen in der Bande für ihn darstellten. („Wir schwören dir Treu und Gehorsam bis in den Tod!“ (S.33)) Erst am Ende des Dramas, nachdem er sich mit dem Vater und seiner Geliebten Amalia wieder vereint sieht und sich das Missverständnis durch den verletzenden Brief aufklärt, sieht Karl ein, dass er nicht mehr zu seiner Räuberbande zurück kehren wird.

Wenn man an dieser Stelle Schillers Drama „Die Räuber“ mit einem weiteren seiner Stücke, „Wilhelm Tell“, vergleicht, so haben diese zwei Dramen zwei Sachen gemeinsam: die Auflehnung gegen ein vorgefundenes System des Unrechts, der Korruption und der Willkür, andererseits die Veranlagung zur Ich-Bezogenheit der Helden, die sie in das Geschehen schicksalshaft hineinreißt. Diese Konstellation ist typisch für den Sturm und Drang - die radikale Auseinandersetzung des Individuums mit der Gesellschaft bildet ein zentrales Thema der europäischen Romantik.3 Die politische Empörung und der Typ des idealistischen, zugleich aber von inneren Abgründen bedrohten Potagonisten traf das Lebensgefühl eines Jahrhunderts der Revolutionen und Umbrüche.4

C. Literaturverzeichnis

1. Primärliteratur

- Schiller, Friedrich: Die Räuber. Stuttgart: Reclam 1999

2. Sekundärliteratur

- http://www.unki.de/schulcd/deutsch/räuber.htm#2 (03.05.01)

- http://www.xlibris.de/Autoren/Schiller/ScZWerk/ScZW03.htm (06.05.01 / 04.05.01)

- http://www.tossnet.de/smkat/Schiller.cfm (04.05.01)

[...]


1 http://www.xlibris.de/Autoren/Schiller/ScZWerk/ScZW02.htm (04.05.01)

2 http://www.tossnet.de/smkat/Schiller.cfm (04.05.2001)

3 http://www.xlibris.de/Autoren/Schiller/ScZWerk/ScZW03.htm (06.05.01)

4 Ebd.: http.//www.xlibris.de/Autoren/Schiller/ScZWerk/ScZW03.htm (06.05.01)

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Details

Titel
Schiller, Friedrich - Die Räuber - Warum verlässt Karl von Moor am Ende die Räuberbande?
Veranstaltung
Deutschunterricht
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
6
Katalognummer
V104946
Dateigröße
336 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiller, Friedrich, Räuber, Warum, Karl, Moor, Ende, Räuberbande, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Eva Maria Fiedler (Autor), 2000, Schiller, Friedrich - Die Räuber - Warum verlässt Karl von Moor am Ende die Räuberbande?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104946

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