Hauptmann, Gerhart - Rose Bernd


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

6 Seiten


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Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Inhalt

3. Charakterisierung

4. Thema

5. Historischer Hintergrund

6. Geographischer Hintergrund

7. Interpretation und Motivgestaltung

8. Rezeption

9. Der Autor

10. Bedeutende Werke

1. Einleitung:

Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts haben sich Schriftsteller wie Goethe und Hebbel in ihren Werken immer wieder mit dem Schicksal von Kindesmörderinnen auseinandergesetzt und über deren seelische Nöte informiert. Der Kindesmord wurde zu einem beliebten Motiv bis in die Gegenwartsliteratur hinein. Auch Gerhart Hauptmann widmete sich in seinem Werk „Rose Bernd“ diesem Thema.

2. Inhalt:

Die 22-jährige Rose Bernd ist in den Bauern Christoph Flamm verliebt und erwartet ein Kind von ihm. Flamm hat eine gelähmte Frau im Rollstuhl. Der brutale Maschinist Streckmann, der auch Rose will, weiß vom Verhältnis mit Flamm, erpresst und vergewaltigt sie. Frau Flamm, der Rose anvertraut, dass sie schwanger ist, tröstet sie und hilft ihr.

Rose hofft jedoch, durch die Heirat mit dem frommen Buchhalter August Keil, den Roses streng katholischer Vater für sie ausgesucht hat, die Schande verbergen zu können. Später versucht Streckmann noch einmal, sie zu vergewaltigen, aber dieses Mal schreit Rose und Keil will sie verteidigen. Der viel stärkere Streckmann schlägt ihm jedoch ein Auge aus. Bei dieser Auseinandersetzung beschuldigt Streckmann Rose, mit allen Männern geschlafen zu haben. (Leseprobe)

Es kommt zu einem Prozess gegen Streckmann, Rose schwört aber einen Meineid, weil sie sich schämt. Frau Flamm, obwohl sie weiß, dass das Kind von ihrem Mann ist, will ihr zwar noch immer helfen, kann den Meineid aber nicht begreifen. Da Rose immer wieder von Männern verfolgt wird, weiß sie sich nicht mehr zu helfen und tötet ihr neugeborenes Kind nach der Geburt. Da- nach sucht sie Zuflucht im Vaterhaus, wo sie ihrem Vater und Keil den Mein- eid und den Mord gesteht.

3. Charakterisierung:

Rose Bernd:

Sie ist 22 Jahre alt und ein schönes, kräftiges Bauernmädchen. Sie ist eine in die Ausweglosigkeit getriebene, alleingelassene und überforderte Kreatur. Die von Männern missbrauchten Frau wird aufgrund der Umstände und des Milieus, in dem sie lebt, zur Kindsmörderin.

Bernd:

Bernd ist Roses Vater. Er ist ein tief religiöser, bibellesender Mensch, trägt einen weißen Bart und hat eine weiche Stimme, als ob er ein schweres Lungenleiden überstanden hätte.

Christoph Flamm:

Flamm ist Großbauer und der Liebhaber Roses. Er ist etwa 40 Jahre alt und macht einen scheuen, stattlichen und sportlichen Eindruck mit einer sympathischen Erscheinung.

Arthur Streckmann:

Streckmann ist Lokomobilenmaschinist und trägt einen blonden, bis auf die Brust reichenden Bart. An seiner Haltung und seiner Kleidung sieht man, dass er außergewöhnlich viel von sich hält und dass er sich seiner besonderen Schönheit vollkommen bewusst ist.

August Keil:

August ist ungefähr 35 Jahre alt und ist Buchbinder als Beruf. Er hat ein bleiches Gesicht, einen dünnen, dunklen Schnurrbart und einen Spitzbart. Seine ganze Gestalt verrät den Stubenhocker. Bernd hat ihn als Mann für Rose bestimmt.

4. Thema:

Hauptmann greift in seinem Werk das Milieu der kleinen Leute auf. Das Thema ist der „Fluch der Zerstreuung“, der auf den Menschen lastet und Schuld am Schicksal der Kindsmörderin ist, so Hauptmann.

5. Historischer Hintergrund:

Gerhart Hauptmann schrieb das Schauspiel „Rose Bernd“ im Frühjahr und Sommer 1903 in Agnetendorf. Es beruht auf einer wahren Begebenheit:

Zwischen dem 15. und 17. April 1903 wurde vor dem Schwurgericht in Hirsch- berg (Schlesien) der Fall der ledigen Landarbeiterin Hedwig O. verhandelt. Sie war angeklagt, ihr uneheliches Baby ermordet und einen Meineid ge- schworen zu haben. Die Angeklagte war geständig, ihre Schuld bewiesen. Zum Schrecken der Juristen stimmten die Geschworenen auf Freispruch - ein öf- fentlicher Skandal. Gerhart Hauptmann war einer der Geschworenen.

Wichtiger als dieser authentische Hintergrund ist jedoch die motivgeschichtliche Tradition des Schauspiels, die von der Literatur des Sturm und Drang ausgeht. Schon Goethe und Wagner griffen das Motiv des Kindsmords auf und übten Kritik an den großen Standesunterschieden und der inhumanen Härte des Strafvollzugs aus.

6. Geographischer Hintergrund:

„Rose Bernd“ spielt in Schlesien, Hauptmann macht in seinem Werk jedoch keine näheren Angaben zum Ort des Geschehens.

7. Interpretation und Motivgestaltung:

Das naturalistische Sozialdrama ist in 5 Akte unterteilt. Die wesentlichen Ereignisse in diesem durch den Dialekt atmosphärisch dicht gezeichneten schlesischen Kleinbürgermilieu geschehen vor und zwischen den Akten, wäh- rend das Schauspiel selbst auf deren Enthüllung angelegt ist. Statt das soziale Anliegen hervorzuheben, nahm Hauptmann sich den Auswir- kungen moralischer Korruption auf den Einzelnen an. Er stellte das Schicksal von Menschen dar, deren Scheitern bereits in ihren Unzulänglichkeiten ange- legt ist.

Der äußere Aufbau des Werkes mit Peripetie (griechisch: Wendung), Katast- rophe und seiner Stoff- und Motivwelt folgt zwar dem klassischen Schema, doch das Fehlen des für die Tragödie der deutschen Klassik wichtigen Struk- turmerkmals der Intrige (franz.: Ränkespiel) verweist bereits auf grundle- gende Unterschiede.

8. Rezeption:

„Rose Bernd“ wurde am 31. Oktober 1903 am Deutschen Theater in Berlin ur- aufgeführt. In der Folgezeit wurden zwei Filme über das Schauspiel gedreht:

1919 Deutschland (Regie: A. Halm) Stummfilm

1956 BRD (Regie: W. Staudte)

Das Werk Hauptmanns ist als eines der zehn besten Stücke des deutschspra- chigen Raumes ausgewählt worden. Die Theateraufführungen zu „Rose Bernd“ werden heute noch von vielen Jugendlichen besucht, weil der irrsinnige Weg Rose Bernds vom jungen Mädchen bis hin zur verletzten Frau eindrucksvoll geschildert wird.

9. Der Autor:

Gerhart Hauptmann wurde am 15. November 1862 als Sohn eines reichen Gastwirtes in Obersalzbrunn in Schlesien geboren. Hauptmann durchlebte eine glückliche Kindheit, geprägt durch die Liebe zur schlesischen Heimat mit all ihren Naturschönheiten und Sagen. Diese Naturverbundenheit zeigt sich in seinem frühen Wunsch, Landwirt zu werden.

Er besucht jedoch zuerst die Realschule und dann die Kunstschule in Breslau (um 1880). Drei Jahre später beginnt er die Studien der Naturwissenschaft, Philosophie und Griechisch und macht eine Seereise nach Hamburg, die sich über Barcelona und Marseille bis nach Neapel fortsetzte. So kam er nach Rom, wo er bis 1884 als Bildhauer mit dem Künstlernamen „Gherardo Haupt- mann“ arbeitete.

Seine Erkrankung an Typhus zwang ihn zur Heimkehr nach Berlin. Dort setzte er sein Studium fort und nahm zusätzlich noch Schauspielunterricht. 1885 heiratete er Marie Tienemann, die Tochter eines Großkaufmanns, die seine Existenz als freier Schriftsteller sicherte.

Von 1885 bis 1888 arbeitete er als freier Schriftsteller in Erkner, einem kleinen Dorf in der Nähe von Berlin. Der Ort hatte eine große Bedeutung für ihn, da dort drei seiner vier Söhne geboren wurden. Außerdem schloss er sich dort auch dem literarischen Verein „Durch“, einem Club junger kritischer Schreiber, an.

1891 erwarb er ein Haus in Schreiberau/Schlesien und lebte bis zu seinem Tod am 06. Juni 1946 abwechselnd dort und in Berlin. Begraben wurde er im Friedhof von Kloster auf Hiddensee (mit dem "Großen Traum" unter seinem Haupt, das Neue Testament in den Händen).

Wichtige Auszeichnungen:

Für sein Lebenswerk erhielt Gerhart Hauptmann im Jahr 1912 den Nobelpreis für Literatur. Zudem wurde ihm ein Ehrendoktor der Universitäten Leipzig und Oxford verliehen. 1914 zeichnete ihn Kaiser Wilhelm II. mit dem RotenAdler-Orden aus.

Mit seinen Dramen avancierte Hauptmann zum Hauptvertreter des Naturalismus innerhalb der deutschen Literatur.

10. Bedeutende Werke Hauptmanns sind:

Dramen:

- Vor Sonnenaufgang (1889)
- Die Weber (1892)
- Kollege Crampton (1892)
- Der Biberpelz (1893)
- Rose Bernd (1903)
- Die Ratten (1911)

Erzählungen:

- Bahnwärter Thiel (1887)
- Der Apostel (1890)
- Der Narr in Christo Emmanuel Quint (1910)
- Mignon (1947)

Quellen:

Primärliteratur:

Gerhart Hauptmann: Rose Bernd. Frankfurt a. M. 1988.

Sekundärliteratur

Kindlers Literaturlexikon

Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie http://www.krref.krefeld.schulen.net http://members.eunet.at

http://www.lpb.bwue.de

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Details

Titel
Hauptmann, Gerhart - Rose Bernd
Autor
Jahr
2001
Seiten
6
Katalognummer
V105346
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rose Bernd, Gerhart Hauptmann
Arbeit zitieren
Messner, Matthias (Autor), 2001, Hauptmann, Gerhart - Rose Bernd, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105346

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