Die Geschichte der Kernphysik


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
42 Seiten, Note: 2

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Die Geschichte der Kernphysik

In diesem Dokument ist eine Auswahl der wichtigsten Ereignisse dieses Jahrhunderts, die mit der Kernphysik zusammenhängen, aufgelistet. Von Entdeckungen über Politik, bis hin zu den schlimmsten Katastrophen, ist das vorhanden, von dem wir glaubten, daß es von Bedeutung wäre.

Wir versuchten ein Nachschlagewerk für Personen, die sich auch mit diesem Thema auseinandersetzen, zu schaffen. Zur Ausarbeitung benutzten wir neben diversen Sachbüchern auch Filmdokumente, die zur Zeit unserer Arbeit im Fernsehen gezeigt wurden. Wir haben versucht die Mappe zeitlich zu ordnen, was leider manchmal nicht ganz möglich war. Eine Zeittafel am Ende unserer Arbeit soll die wichtigsten Ereignisse dieses Jahrhunderts kurz und übersichtlich zusammenfassen.

Wir hoffen, daß unsere Mappe Ihnen weiterhelfen kann, und daß Sie, nachdem Sie die Mappe gelesen haben, ein bißchen mehr wissen als vorher.

Die Atomphysik im frühen 20. Jahrhundert Im 18. Jahrhundert waren Frankreich und Großbritannien führend auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Diese "Vorherrschaft" geriet jedoch im 19. Jahrhundert ins Schwanken.

Entwicklungen der Physik im späten 19. Jahrhundert

Die Universität in Berlin, gegründet 1810, war anfänglich im wesentlichen eine akademische Lehranstalt für Geisteswissenschaften und Philosophie. Ein physikalisches Institut gab es damals noch nicht, sowohl Physik als auch Chemie wurden in sehr kleinem Maße gelehrt. Erst um 1860 hat man dann damit begonnen, für die Studenten ein paar Laboratorien einzurichten. Ein wichtiger Mann für die Anfänge der Physik, war Ludwig Boltzmann (1844 - 1906) aus Österreich, der auf Grund seines Interesses an der Mathematik statistische Methoden in die Physik einführte. Wie wichtig diese Methoden waren, wurde mit der Zeit immer deutlicher; er und der britische Physiker James Maxwell (1831 - 1979) gelten als die Gründer der statistischen Mechanik. Ein anderer brillanter Physiker war Wilhelm Wien (1864 - 1928), dessen Arbeiten über die Strahlungsgesetze den Grund für Plancks Arbeiten über Wärmestrahlung legten und damit die für die Entwicklung der Quantentheorie. Die Physik gewann auch an anderen deutschen Universitäten immer mehr an Bedeutung, unter der Führung einiger Ordinarien. Einer davon war Wilhelm Conrad Röntgen (1845 - 1923), dem viele Beiträge zur Physik zu verdanken sind, dessen Weltruf aber auf der Entdeckung der nach ihm benannten Strahlen (1895) beruht. Er wurde dafür im Jahr 1901 mit dem allerersten Nobelpreis ausgezeichnet.

Die Zeit vor dem ersten Weltkrieg Es wurden damals schon mathematische Formulierungen gefunden, aber die physikalischen Phänomene des Atoms waren schwer zu erklären und nachzuweisen. Die von James Clerk Maxwell behauptete Existenz elektromagnetischer Wellen wurde von Heinrich Hertz bewiesen. Die elektromagnetischen Wellen sind in verschiedene Wellen zu unterscheiden: Radiowellen sind sehr langwellig, Wärmewellen haben eine viel kürzere Wellenlänge und sind nur wenig langwelliger als die Wellen des sichtbaren Lichts, welche die Netzhaut des Auges erregen. Die Existenz der Wärmestrahlung wurde bereits im 19. Jahrhundert erforscht, unter anderen von Ludwig Boltzmann, Wilhelm Wien sowie John Rayleigh und Sir James Hopwood Jeans. Man hat damals schon viele Informationen gesammelt, aber es gab viele ungeklärte Widersprüche und andere Schwierigkeiten. Im Jahr 1885 begann Max Planck das Problem aufzugreifen und neu zu prüfen, wobei er zunächst einige Beobachtungen von Wilhelm Wien weiterverfolgte. Ein Großteil der früheren Arbeiten war hauptsächlich auf thermodynamischen Erwägungen aufgebaut worden. Planck erkannte jedoch, daß als allererstes erforscht werden mußte, wie die Materie Wärmestrahlung emittiert und absorbiert. Daher richtete er sein Hauptinteresse nicht auf die Wärmestrahlung selbst, sondern auf das strahlende Atom, mit der Überzeugung, daß dieser Richtungswechsel die Interpretationen der Ergebnisse erleichtern könnte. Im Verlauf seiner Arbeiten machte er dann Beobachtungen, die zu einem völlig neuem und revolutionären Konzept führten: Materie emittiert und absorbiert Strahlungsenergie nicht kontinuierlich, sondern in einzelnen "Energiepaketen" (Energiequanten). Am 14. Dezember 1900 trug er einen Vortrag vor der Berliner Physikalischen Gesellschaft über seine "Quantenhypotese" vor; dieser berühmte Vortrag gilt allgemein als Beginn der modernen Atomphysik. Das Wirkquantum, das Planck mit einem "Genie - Blitz" eingeführt hat, gilt heute allgemein als einer der bedeutendsten und revolutionierenden Meilensteine in der Wissenschaftsgeschichte. Die Quantenhypothese und die Relativitätstheorie Einsteins haben die Physik in diesem Jahrhundert sowjetischen tiefgreifend wie keine andere Erkenntnis beeinflußt.

Auf Grund von Plancks Beobachtungen mußte der althergebrachte Begriff des "Kontinuums der Natur" aufgegeben werden, eine Vorstellung, die seit Aristoteles in der Wissenschaft vorherrschte. Der offene Bruch mit der klassischen Physik kam aber erst einige Jahre später, durch Albert Einsteins Arbeit, die 1905 in den "Annalen der Physik" erschien. Einstein, damals ein unbekannter Angestellter am Eidgenössischen Patentamt in Bern, stellte darin eine kompromißlose Korpuskulartheorie des Lichtes vor.

In seiner Theorie behauptete er, daß sowohl der Emissions- als auch der Absorptionsakt von Licht nur im Rahmen der Quantenhypothese zu verstehen sei, Licht also aus kleinen Korpuskeln, sogenannten Lichtquanten, bestehe. Er begründete seine Vorstellung auf Beobachtungen, die man allgemein als "photoelektrischen Effekt" bezeichnet: Lichtwellen, die auf eine Metalloberfläche treffen, verursachen den Austritt von Elektronen, die in jedem Metall in großen Mengen vorhanden sind. Elektronen sind sehr, sehr kleine, negativ geladene Teilchen, die in der Hülle des Atoms vorkommen. Den Beweis ihrer Existenz erbrachte 1897 der englische Physiker Joseph John Thomson (1856 - 1940) durch seine Experimente mit einer Kathodenstrahlröhre, einem Vorläufer des heutigen Oszillographen. Thomson wurde für die Entdeckung des freien Elektrons 1906 mit dem Physik - Nobelpreis ausgezeichnet. In einer von Einsteins Hypothesen, wird erklärt, warum rotes Licht keine Elektronen aus Metallen freisetzen kann, sondern nur violettes Licht (oder, bei einigen Metallen nur ultraviolettes Licht), da seine Energiequanten energiereicher als die des roten Lichtes sind.

Berühmte Physiker und ihre Erfindungen Arnold Sommerfeld Der deutsche theoretische Physiker, geboren am 5.12.1868 und verstorben am 26.04.1951, ist bekannt für seine Entdeckungen in dem Gebiet der Quanten Mechanik. Sommerfeld erhielt seinen Doktortitel 1891 an der Universität von Königsberg, wo er Mathematik mit David Hilbert studierte. 1906 erhielt er ein Lehrstuhl für theoretische Physik an der Universität Münchens, wo er dann auch später ein wichtiges Institut der Physik gründete. 1916 arbeitete er an einer Erweiterung der Quantentheorie. 1919 veröffentlichte er seine ersten Theorien über den Atombau und über die Spektrallinien, welche dann später von vielen Atomphysikern angewandt wurden. Seine späteren Arbeiten beschäftigen sich mit der Erforschung der Energie und mit den Reaktionen der Atome mit anderen Stoffen.

Lise Meitner Die am 7.11.1878 in Wien geborene, und am 27.10.1968 verstorbenen, Physikerin veröffentlichte 1939 mit ihrem Neffen Otto R. Frisch eine theoretische Interpretation der nuklearen Spaltung. Nachdem 1906 ihren Doktortitel in der Universität von Wien bekam, begann Meitner mit ihrer Forscher Karriere 1907 mit dem Chemiker Otto Hahn. 1917 entdeckten sie Protactinium, den Vorläufer der Substanz, aus der Actinium geformt ist. Meitner bekam dann die Führung der physikalischen Abteilung des "Kaiser Wilhelm Institutes für Chemie" in Berlin (1917 - 1938). Vor den Nazis flüchtend, setzte sie ihre Arbeit am "Nobel Institut" in Schweden vor. Ihre theoretischen Arbeiten halfen den Zusammenhang zwischen Beta und Gammastrahlen zu verdeutlichen.

Sir Ernest Rutherford Sir Ernest Rutherford, in New Zealand am 30.8.1871 geboren, verstorben 19.10.1937, ging zuerst zum Cavendish Labor, an der Universität von Cambridge. Dort beschäftige er sich erst mit der Elektrizität und später dann mit der Radioaktivität. 1898 bekam Rutherford an der McGill Universität in Montreal seinen Professor - Titel, und zeigte seine Talente mit dem Entdecken einiger radioaktiver Elemente. Auch wenn viele andere Physiker Errungenschaften bei der Radioaktivität verzeichnen konnten, war Rutherford doch der führende auf diesem Gebiet. Er wurde 1908 mit dem "Nobelpreis für Chemie" für seine Arbeiten mit der Radioaktivität ausgezeichnet. In diesem Jahr zeigte er mit Hans Wilhelm Geiger, daß Alpha Partikel zweifach geladene Helium Ionen sind. Seine größte Entdeckung machte Rutherford 1909. Kurz nachdem er zur Universität Manchester umgezogen war, fand er heraus, daß Alpha Partikel, wenn man mit ihnen dünne Metall - Folie beschießt, beim Aufprall ihre Laufbahn ändern und durch die dünne Materie hindurch gehen können. 1911 veröffentlichte er sein endgültige Modell des Atoms. Rutherford war von 1925 bis 1930 der Präsident der "Royal Society", welche ihm 1922 die höchste Auszeichnung, die "Copley" Medaille, verlieh. Er wurde 1914 zum Ritter geschlagen (der "Sir" Titel) und wurde 1921 mit den "Order of Merit" ausgezeichnet.

Otto Hahn Der deutsche Chemiker Otto Hahn, geboren 8.3.1879, gestorben 28.7.1968, erhielt 1944 den Nobel - Preis der Chemie, für seine Entdeckung, der Spaltung von schweren Nucliden. Er begann 1904 mit seinen Erforschungen im Sir William Ramsay Labor, am University College in London. Dort entdeckte er das Radiothorium. Er erhielt eine Stelle an der McGill Universität, um dort mit Ernest Rutherford Nachforschungen anzustellen. 1905 zeigte sich sein Talent für Erforschungen, als er das Radioactinium entdeckte. 1906 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde dort 1910 Professor an der Universität von Berlin. Nachdem er 1912 zum Leiter der Abteilung der Radioaktivität des Kaiser Wilhelm (später Max Planck) Instituts wurde, entdeckte Hahn mit Lise Meitner zusammen, das stabilste Isotop von Protactiunium. 1938 entdeckte er in Zusammenarbeit mit Fritz Strassmann, daß Uran mit künstlichen Beschuß mit Neutronen Barium produziert. Dieses Phänomen, Spaltung genannt, führte direkt zum Bau der Atombombe. Albert Einstein Am 14.3.1879 in Ulm geboren, besucht Einstein, trotz jüdischer Herkunft, in München eine katholische Oberschule. Er scheint keine Begabung zu haben, hat sogar Probleme beim sprechen, macht trotzdem sein Abitur. In der Schweiz wird er fast nicht zum Studium angenommen, da er nur in Mathematik fürs Studium geeignet scheint. Er beschäftigt sich dann mit der theoretischen Physik. 1901 erhält er eine Stelle beim Schweizer Patentamt in Bern, obwohl er Jude und nicht mal Schweizer war. Einsteins bedeutendstes Werk, die Relativitätstheorie, erscheint 1905, in dem Jahr, in dem er auch seinen Doktortitel erhält. 1930 geht Einstein als Hochschullehrer in die USA.

Max Born Der deutsche Physiker (11.12.1882 - 5.1.1970) wird als Pionier auf dem Gebiet der Quanten Physik bezeichnet. Er erhielt seinen Doktortitel 1907 in Göttingen, wo seine Arbeiten von Mathematikern wie David Hilbert, Felix Klein und Hermann Minkowski beeinflußt wurde. Er verließ Göttingen 1915, als er eine Stelle an der Universität von Berlin annahm und dort ein Freund und Kollege von Max Planck und Einstein wurde. 1921 war Born Direktor des Physikalischen Institutes in Göttingen. Die Jahre 1921 und 1933 waren die erfolgreichsten Borns. In Zusammenarbeit mit den Studenten und Assistenten Werner Heisenberg, Pascual Jordan und Wolfgang Pauli, entschloß er sich eine neue Theorie der Quantenmechanik zu veröffentlichen. Als Heisenberg 1925 Erfolg hatte, gelang es Born und einigen anderen mit ihrer Theorie vorzurücken, indem sie mehr systematische und wichtige Mathematik einsetzten. 1954 erhielt er einen Nobel - Preis der Physik. Born, ein gebürtiger Jude, verlor sein Professor - Titel, als Hitler an die Macht kam; doch schon bald (1936) wurde ihm ein Lehrstuhl an der Universität von Edinburgh, welchen er dann bis 1953 behielt, angeboten. Nachdem er sich in die ländliche Gegend von Göttingen zurückzog, beschäftigen er sich nicht nur mit Wissenschaften, sondern schrieb und redete über Wissenschaftler.

Hans Wilhelm Geiger Der deutsche Physiker , geboren am 30.9.1882 und gestorben am 23.9.1945, ist am besten für seine Errungenschaften in der Kernphysik und für seine Erfindung, dem Geiger Zähler, bekannt. Mit seinem Zähler entdeckte Geiger die Welt der Alpha- und Betateilchen. Mit Ernest Rutherford behauptete er 1908, daß Alpha Teilchen zwei Einheiten von Ladungen besäßen, und demonstrierte 1913, daß die Kernladung die Hälfte des Gewichts des Atoms beträgt. Viele weitere Entdeckungen folgten, so auch die Entdeckung der Kosmischen Strahlen 1930.

Sir James Chadwick Der englische Physiker James Chadwick (20.10.1891 - 24.7.1974) ist für seine Entdeckung des Neutrons bekannt. 1911 verließ er die Universität von Manchester, und während den 1920-ern arbeitete er zusammen mit Ernest Rutherford auf dem Gebiet der Kernphysik. Seine Experimente mit der Bombardierung von Lichtstrahlen mit Alpha Partikeln führten 1932 zur Entdeckung des Neutrons, mit welcher er 1935 mit dem Nobel - Preis ausgezeichnet wurde. Während des zweiten Weltkrieges arbeitete Chadwick an der Atombombe. Er wurde 1945 zum Ritter geschlagen ("Sir" Titel).

Werner Karl Heisenberg Der deutsche Physiker Heisenberg wurde am 5.12.1901 geboren und starb am 1.2.1976. Er war einer der führenden Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er vollbrachte wichtige Arbeiten in der Kern- und Nuklearphysik. Heisenberg studierte Physik an der Universität von München, wo er auch unter der Leitung von Arnold Sommerfeld arbeitete. Eine Serie von Vorlesungen von Niels Bohr brachte ihn dazu, an der Quanten Theorie zu arbeiten. Er ging zu Bohr´s Kopenhagen Institute, an der Universität von Göttingen. Dort führte er 1925 die "Matrix Physik", den Vorgänger der Quanten Physik, ein. 1928 brachte er ein Buch, The Physical Principles of Quantum Theory, heraus, indem er seine Ideen über die Quanten niederschreibt. Ein Jahr zuvor wurde er Professor an der Universität Leipzigs, und 1932 bekam er den Nobel - Preis der Physik. Als Adolf Hitler die Macht übernahm, blieb er in Deutschland und wurde Direktor am Kaiser Wilhelm Institut; außerdem führte er während dieser Zeit auch das mißglückte Atombombenprojekt in Deutschland an. 1958 wurde Heisenberg Direktor am Max Planck Institut für Physik und Astrophysik. Die nächsten, späteren Jahre verbrachte er damit, die Subatomaren Partikel zu erforschen.

Niels Bohr Bohr wurde am 7.10.1885 in Dänemark geboren. Er wurde durch seine Theorien, die er in der Physik aufstellte, bekannt. 1911 zog er zuerst nach Cambridge und dann nach Manchester, England, wo er mit Ernest Rutherford arbeitete. Im Herbst 1912 ging er zurück nach Kopenhagen, wo er ein Platz an der Universität erhielt. Dort heiratete er auch und bekam 6 Söhne. 1916 wurde Bohr Professor an der Universität von Kopenhagen und 1922 bekam er den Nobelpreis der Physik. 1939, ein Jahr bevor die Nazis Dänemark einnahmen, wurde Bohr Präsident der "Royal Danish Academy of Sciences and Letters". Als die Nazis 1943 Bohrs Wissen für ihr Atombombenprojekt einsetzen wollen, flüchtet er mit seiner Familie in die USA, wo er sich am Atombombenprogramm der USA beteiligt. Nach dem Krieg geht er nach Dänemark zurück, und stirbt dort am 18.11.1962.

Enrico Fermi Der italienische Physiker (29.9.1901 - 28.11.1954) war eine der Hauptfiguren im Manhattan - Projekt und war einer der Physiker, die erste Atombombe bauten. 1922 bekam er seinen Doktortitel an der Universität von Pisa, Italien. Nachdem er bei Max Born in Göttingen und bei Paul Ehrenfest in Leiden arbeitete, kehrte er 1926 nach Italien zurück und wurde Professor der theoretischen Physik an der Universität von Rom. 1938 flüchtete er, wegen des zweiten Weltkrieges, nach Amerika. In seine frühen Arbeiten beschäftigte er sich mit der Radioaktivität und dem künstlichen Beschuß radioaktiver Stoffe mit Neutronen. Für diese Arbeit wurde er 1938 mit dem Nobel Preis für Physik ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern erforschte er dann die Kernspaltung an der Columbia Universität. Diese Forschungen führten zum ersten Atombombentest in Los Alamos. Nach dem Krieg bekam Fermi eine Stelle an der Universität von Chicago und führte dort seine Arbeit in der Kernphysik vor. Eugene Paul Wigner Eugene Paul Wigner, geboren in Budapest, Ungarn, 17.12.1902, ist ein amerikanischer Physiker, der für seine Arbeiten in der theoretischen Physik bekannt und gehörte zu den ersten Befürwortern der Kernenergie. Von 1942 bis 1948 arbeitete er an dem Manhattan - Projekt; seine Ergebnisse der Erforschung der Kernladungen wurden ein Teil der Atombombe. Wigner erhielt 1953 den "Enrico Fermi Preis" von der Atomic Energy Commission, die "Atoms for Peace" Auszeichnung (1960) und bekam 1963 mit den Nobel Preis der Physik mit Jo Jensen und Marie Goeppert - Mayer.

Robert Fox Bacher Der amerikanische Physiker wurde am 31.8.1905 geboren und spielte eine wichtige Rolle in der Entwicklung in der Kerntechnologie. Nachdem er 1930 die Universität von Michigan verließ, ging er 1935 zur Cornell Universität. Bacher arbeitete an der Entwicklung des Radars und assistierte von 1943 bis 1945 bei dem Bau der Atombombe. In Los Alamos baute er die erste Atombombe. Präsident Harry Truman zeichnete ihn mit der "Medal of Merit" aus und ernannte ihn 1946 zum Bevollmächtigten der Atomic Energy Commission, aber Bacher kündigte 1949 und entschied sich, an Schulen unterrichten zu geben. Er bekam ein Lehrstuhl in der Abteilung der Physik an dem California Institut der Technologie.

Hans Bethe Der amerikanische Physiker Hans Albrecht Bethe, geboren 2.7.1906, wurde durch seine Arbeiten in der Kern- und Astrophysik bekannt. Er bekam 1928 seinen Doktortitel an der Universität von München und verbrachte die nächsten fünf Jahre damit, an deutschen Universitäten zu unterrichten. Als die Nazis die Macht in Deutschland übernahmen, ging Bethe erst nach England und dann nach Amerika. In dieser Zeit fiel er durch seine Arbeiten über Subatomare Partikel und über die Quanten Physik auf. Nachdem er 1935 Professor der Physik an der Cornell Universität wurde, kündigte er diese Stelle 1975 als "Professor Emeritus". In den USA interessierte sich Bethe für die Energieresourcen der Sonne und anderer Sterne. Später ging er nach Los Alamos, im Norden Mexikos, und wurde dort der Chef der Abteilung für theoretische Physik des Atombomben Projekts. Nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigte sich Bethe mit der Schockwellen - Theorie, der Meson - Theorie und der Quantenphysik. Als Präsident Truman einen "Crashkurs" zum Bau einer Wasserstoffbombe anordnete, entschloß sich Bethe mit Edward Teller das Programm zu verlassen. 1958 war er Leiter einer Studie über Abrüstung, einem Thema, mit dem er sich auch beschäftigte. Er wurde der Berater zu diesem Thema von Präsident Eisenhower, Kennedy und Johnson, und vermittelt 1963 bei Verhandlungen mit der Sowjetunion. Bethe wurde 1967 mit dem Nobel - Preis für Physik, für seine Einsätze in der Kernphysik und dem Verstehen der stellaren Prozesse, ausgezeichnet. In den späteren Jahren sprach er sich gegen so genannte Nukleare Verteidigungsanlagen aus. Edward Teller Edward Teller, geboren 15.1.1908, ist ein in Ungarn geborener amerikanischer Physiker, der mit seiner Arbeit an der Wasserstoffbombe berühmt wurde. Während des zweiten Weltkrieges war er ein Mitglied des Manhattan - Projekts und förderte die Entwicklung der Atombombe. Während dieser Zeit entwickelte er erste Gedanken zur Wasserstoffbombe und war auch der Leiter ihrer Entwicklung. Er bekam 1962 den "Fermi" Preis der Atomic Energy Commission und erhielt in den Jahren später noch viele andere Auszeichnungen und Medaillen für seine Leistungen in der Kernphysik ausgezeichnet.

Die Zeit um den zweiten Weltkrieg Das deutsche Kernenergieprojekt Im Frühjahr 1939 brachten mehrere deutsche Wissenschaftler die wirtschaftlichen und militärischen Anwendungsmöglichkeiten der Kernspaltung einigen Behörden zur Kenntnis. Die Physiker Georg Joos und Wilhelm Hanle von der Universität Göttingen setzten sich mit dem Kultusministerium in Verbindung. Auf ihr Schreiben erhalten sie erst Monate später eine Antwort, in der steht, daß die deutsche Reichsarmee über die Möglichkeiten der Kernspaltung schon längere Zeit in Bilde sei... Schon früh stellte man sich die Frage, wie und wie viel Uran235 man vom Natur-Uran gewinnen kann. Nach vielen Versuchen gelingt es endlich . Die Trennung mit Massenspektrographen. Uran Dampfteilchen werden elektrisch aufgeladen, durch ein Magnetfeld geschickt, dort getrennt und dahinter, in Uran238 und Uran235 getrennt, aufgefangen. Schon bald war klar, daß diese Methode brauchbar war, auch wenn man in einer Stunde nur ein Hundertstel Gramm reines Uran235 gewinnen konnte. Als die Anlage ausgebaut wurde, gelang es täglich 3kg Uran235 zu gewinnen, doch mit einem ungeheuren Aufwand. Der Strombedarf glich dem einer Großstadt! Im Sommer 1943 beginnt man zusätzlich mit dem Bau einer Gasdiffusionsanlage, um die ausreichende Menge an Uran235 für eine Atombombe zu bekommen. Es gab viele Schwierigkeiten. So viele, daß die Anlage erst zum Kriegsende voll in Betrieb war. Andere Vorhaben mit ungeheuren Aufwand sind nicht zu realisieren. Nicht selten stellte man sich die Frage, ob es überhaupt noch ein anderes Verfahren gibt. 1922 und später noch, 1938, ist eine "Verdampfungszentrifuge" erfunden worden. Sie sollte für die Isotopentrennung geeignet sein. So kommt es zu dem Versuch, die Isotope des Urans mit einer Zentrifuge zu trennen. Es wurde, trotz des Krieges, an einer großen Zentrifuge gearbeitet, die dann auch noch probeweise Uran235 lieferte. Zum Ende des Krieges wird die Zentrifuge von den Siegern demontiert und es wird Deutschland verboten, weitere Atombombenprogramme zu führen.

Im Jahre 1942 sind in den USA bereits Vorarbeiten zum Bau einer "Uranmaschine" eingeleitet worden. Graphit soll als Moderator benutzt, in Form von Ziegeln zu einem Mauerwerk errichtet, werden. An bestimmten Stellen wird Uran stabförmig in diesen Bau eingefügt. Am Vormittag des 2. Dezember 1942 war es dann so weit. Unentschlossenheit herrschte. Der Physiker Enrico Fermi, der Leiter des Projekts, ließ die Cadmium-Stäbe mal einfahren, mal ausfahren. Das Strahlungsmeßgerät funktionierte. Theoretisch sollte alles gut laufen, doch niemand wußte genau, was geschehen sollte. Um 15.30 Uhr wird ein Cadmium-Stab noch etwas herausgezogen. Auf einmal sagte Fermi, daß die Kettenreaktion erreicht sei. So war es auch, die Registriergeräte bestätigten es.

Atomwaffenversuche

Vierziger Jahre

Das Manhattan - Projekt "Manhattan - Project" war der Codename, für den Bau der ersten Atombombe der USA während des zweiten Weltkrieges. Es wurde so benannt, da das Projekt in New York begonnen wurde. Die Idee kam, das Programm wurde langsam organisiert, als deutsche Wissenschaftler 1938 die Kernspaltung entdeckten, und als geflüchtete Physiker in den USA und amerikanische Physiker befürchteten, daß Hitler anordnen würde, eine Kernspaltungsbombe zu bauen. Das Programm war erst unter der Leitung von Vannevar Bush, den Chef des Nationalen Verteidigungs Komitees und der Behörde für Wissenschaften, und dann unter der von General Leslie Groves. Groves stellte gleich Land in Oak Ridge, Tennessy, zur Verfügung, um Fabriken, zum trennen von Uran235 von Uran238, zu bauen. Außerdem erklärte er J. Robert Oppenheimer zum Leiter des Waffen Labors, das auf einem isolierten Stück Land von Los Alamos lag. 1945 wurde erstmals reines Uran235 nach Los Alamos gebracht. Dort wurden mehrere Uran235 Stücke aufeinander geschleudert, und es entstanden kritische Uran235 Massen. Es wurde auch an anderen Atombomben Typen, mit synthetischen Plutonium, geforscht. Enrico Fermi ließ Ende 1942 einen Reaktor bei Chicago bauen, den Prototypen von fünf produzierenden Reaktoren errichtet bei Hanford, Washington. Diese Reaktoren produzierten Plutonium, indem man Uran238 mit Neutronen "bombardierte". Bei Los Alamos sollte das Plutonium mit Sprengstoff komprimiert werden und in ein sehr kleines Volumen zusammen gedrückt werden, und damit in eine äußerst kritische Masse. Das Ergebnis wurde dann später getestet: Es war die erste Explosion einer Atombombe.

16. Juli 1945: Trinity, New Mexico Der Test der ersten Atombombe, die den Namen "Trinity" trug, war für Juli 1945 geplant. Er sollte in einem 150 km langen Wüstenstreifen im Hochland von New Mexico stattfinden, der den Namen "Reise des Todes" trug. Das Bombentestgelände von Alamogordo befand sich im Besitz der amerikanischen Regierung und war schon bald nach dem Überfall auf Pearl Harbour als Testgelände für konventionelle Bomben genutzt worden. Weil es abgelegen war und der Bundesregierung gehörte, bot es ideale Voraussetzungen für die Durchführung eines Geheimprojekts. In einem 30 x 40 km großen Teil des Geländes nahmen die Vorbereitungen für die Detonation der neuen Waffe allmählich ihren Lauf. Das Manhattan - Projekt, die Entwicklung der ersten Atombombe durch die USA und die Alliierten unter Leitung von General Leslie Groves, näherte sich seinem erfolgreichen Abschluß. Zwei Monate vor dem Test ergaben neue Berechnungen über die Wirkung der Explosion, daß der zu erwartende Fallout die Evakuierung von Hunderten von Zivilisten in der Umgebung des Testgeländes erforderlich machen würde. Auf einige Ratschläge hin, begann die Armee ernsthaft Pläne für eine eventuelle Evakuierung der Zivilisten zu entwerfen. Mitarbeiter des Projekts schlossen Wetten über die Sprengkraft der Bombe und über den kommenden Fallout ab. Ein gravierendes Problem stellte jedoch das Wetter da. Das Wetter wurde aber nicht beachtet und der Test für den 16. Juli festgesetzt, obwohl für diesen Tag schwere Gewitter angesagt waren. Da mit schlechtem Wetter gerechnet wurde, wurde dem Gouverneur von New Mexico telefonisch mitgeteilt, daß man unter Umständen im gesamten Zentralgebiet des Staates das Kriegsrecht verhängen müßte. Für diesen Fall wurde eine falsche Presseerklärung vorbereitet, in der behauptet wurde, daß ein Munitionsdepot explodiert sei. Die Situation war gespannt und von Unsicherheit geprägt, als am 16. Juli um genau 5 Uhr 29 Minuten "Trinity" explodierte.

Innerhalb einer Viertelstunde teilte sich der Fallout in drei Wolken. Die Hauptwolke stieg in eine Höhe von ca. 16000 m und zog nach Nordosten. In den ersten zwei Stunden ging nur wenig vom Fallout auf die Erde nieder. Dann wurde ein Gebiet von etwa 480 km² stark radioaktiv verseucht. Spuren von Gammastrahlung wurde in Santa Fe, Las Vegas und Trinidad in Colorado registriert, also bis 420 km vom Testgelände entfernt. Die Wolke trieb von New Mexiko aus über Kansas, den nördlichsten Teil New Yorks und schließlich auf Meer hinaus. Die Evakuierungspläne wurden nie durchgeführt. Die Radioaktivität wurde kontinuierlich gemessen. Die Meßwerte lagen immer im anzunehmenden Bereich. Das galt jedoch nicht für einen Canyon, der schon bald "Hot Canyon" genannt wurde, und 32 km vom Bodennullpunkt, dem Punkt der am Boden unterhalb der Explosion liegt, entfernt war. In einigen Teilen des Canyons war die Strahlung sowjetischen stark, daß die Meßgeräte die Meßwerte nicht mehr anzeigen konnten. Die Werte waren teilweise 66 mal so hoch, wie an anderen Stellen. Am 17. Juli untersuchten zwei Mitarbeiter des "Trinity" - Teams den Canyon. Ihre Entdeckung machte ihnen Angst, denn sie entdeckten ein älteres Paar, das kaum 1/2 km vom Canyon entfernt lebte. Niemand hatte jemals etwas von diesem Paar gehört und ihr Haus war nirgendwo verzeichnet. Sie stellten fest, daß die beiden Regenwasser vom Dach in eine Zisterne sammelten und als Trinkwasser benutzten. Da es in der Nacht der Explosion stark regnete, mußte ihre Zisterne radioaktiv verseucht sein. Auch Farmer in der näheren Umgebung wurden der radioaktiven Strahlung ausgesetzt, und erzählten, daß es seltsam gerochen hatte, als es regnete. Die "National Association of Atomic Veterans" (NAAV) hat einen Sachbearbeiter damit beauftragt, Soldaten zu helfen, die angeben, als Folge von "Trinity" an Gesundheitsschäden zu leiden. Bis 1984 hat die Regierung jedoch keinem einzigen Fall anerkannt, daß die Schäden durch "Trinity" nicht verursacht wurden. Die Naivität bezüglich der radioaktiven Strahlung war in den 40-er Jahren so groß, daß Menschen, die in der Nähe des Testgeländes lebten, heimlich in das Testgelände eindrangen, "Trinitit" sammelten (eine glasartige Masse, zu der der Sand durch die viele Millionen Grad heiße Explosion zusammengeschmolzen war) und an Touristen weiterverkauften. August 1945 - Hiroshima und Nagasaki Am 6. August 1945 früh am Morgen drang ein Beobachtungsflugzeug der amerikanischen Luftwaffe vom Luftwaffenstützpunkt Tinian in den Luftraum über Hiroshima ein. Genau um 7.09 Uhr löste das regionale Hauptquartier Hiroshima Chigoku Luftalarm aus. In Hiroshima war gerade schönes Wetter und die Sicht war gut. Um 7.31 Uhr wurde der Luftalarm beendet, in der Stadt machten sich die Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Wenige Minuten später jedoch drang der amerikanische Bomber "Enola Gay" mit der Atombombe an Bord in Begleitung von zwei Flugzeugen von Nordosten in den Luftraum der Stadt Hiroshima ein. Um 8.15 Uhr wurde die Atombombe von der "Enola Gay" aus einer Höhe von 9000 Metern abgeworfen. 45 Sekunden später explodierte die Bombe dann.

9. August 1945. Es war an einem ruhigen Sommertag in Nagasaki; der Morgennebel hatte sich allmählich verzogen. Die B-29 "Bock´s Car" verließ mit der zweiten Atombombe an Bord am frühen Morgen den Stützpunkt Tinian; später schloß sich ihr ein Aufklärungsflugzeug an. Um 9.50 Uhr erreichten sie den Luftraum von Kokura, ihr erstes Ziel. Da der Himmel in Kokura stark bewölkt und die Sicht schlecht war, nahmen sie etwas später Kurs auf Nagasaki, ihr zweites Ziel. Über Nagasaki war der Himmel auch bewölkt, aber einen Augenblick lang riß eine Lücke in der Wolkendecke auf. Unten war die Munitionsfabrik Nagasaki der "Mitsubishi Heavy Industries" zu sehen. Um 11.02 Uhr die Atombombe über Nagasaki abgeworfen und explodierte in einer Höhe von ca. 503 Metern.

Hiroshima nach der Bombardierung Da die meisten Unterlagen verloren gingen, läßt sich die Zahl der Gebäude in Hiroshima vor der Bombardierung schwer feststellen. Nach mehreren Schätzungen und Rekonstruktionsversuchen der Stadt Hiroshima, die anhand der früheren Stadtbezirksverbände durchgeführt und im August 1946 abgeschlossen wurden, betrug dir Zahl der Gebäude vor der Bombardierung schätzungsweise 76000. 85 Prozent davon waren Wohngebäude. Etwa 60 Prozent der Wohnungen befanden sich bis zu 2 Kilometer vom Nullpunkt (der Ort der Explosion) entfernt; 85 Prozent in einem Umkreis von 3 Kilometern. Schäden durch Druck und Feuer Durch eine Kombination von Druckwelle und Hitzestrahlen fielen Hiroshimas Gebäude in Schutt und Asche. Zuerst wurden sie durch die Kraft der Druckwelle zerstört und dann von Feuerstürmen vernichtet, die 13 Quadratkilometer verbrannte Erde zurückließen. Die Brände entstanden hauptsächlich infolge der Hitzestrahlung und durch den Einsturz der Gebäude. Da etwa dreißig Minuten nach der Bombardierung an vielen Stellen fast gleichzeitig Feuer ausbrach, entstand eine riesige Feuersbrunst. Es entstanden Feuerstürme, d.h., daß sich die Luft durch die Brände erhitzte, was einen schnellen Luftstrom nach oben und den Zustrom kühlerer Luft aus allen Richtungen verursachte. Um die Katastrophe perfekt zu machen, herrschte zwischen 11 und 15 Uhr ein Wirbelsturm über Hiroshima. Die starken Winde verursachten weitere Brände; im Umkreis von zwei Kilometern um den Nullpunkt verbrannte alles Brennbare zu Asche. Im Umkreis von 3 Kilometern wurden 90 Prozent aller Gebäude vollkommen zerstört und brannten aus. Selbst im Umkreis von 4 Kilometern gab es noch massive Zerstörungen: 68 Prozent aller Gebäude wurden vollständig, 24 Prozent halb zerstört und verbrannten. In diesem größeren Gebiet blieben nur 6180 Gebäude (8 Prozent) benutzbar.

Die Toten Zu den Körperverletzungen durch die Atombombe gehörten (wie noch zu erwähnen ist) nicht nur Verbrennungen und äußerliche Wunden, sondern auch schwere strahlenbedingte Körperschäden. So gab es noch lange nach der Bombardierung durch die Bombe verursachte Todesfälle. Darum kann man keine genaue Angabe der Todesopfer angeben, da immer andere Schätzungen veröffentlicht wurden. Von den verschiedenen Schätzwerten geht die Zahl von 32959 Toten aus dem Bericht des Gouverneurs sowie die Zahl von 46185 Toten aus dem Bericht der Gesundheitsbehörde der Präfektur Hiroshima (1945) heraus. Der "offizielle Bericht" der Stadt Hiroshima spricht von 47185 Toten. Es wird deutlich was für ein Chaos vorherrschen mußten, bzw. was für ein unübersichtliches Szenario durch die Bombe entstand. Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, daß es rund 100000 Tote gibt (von ca. 350000 Einwohnern). Nagasaki Die Situation in Nagasaki war fast genauso schrecklich wie in Hiroshima. Es gab auch hier viele Tote, und auch hier gibt es keine Klarheit über ihre genaue Anzahl. es wurden unzählige Berichte geschrieben; in den einem hieß es, daß es 50000 Tote gibt, in einem anderen wiederum, daß es 30000 Tote seien. Die Behörde für "Auswärtige Angelegenheiten" Nagasakis redete sie von 23753 Toten und 1924 Vermißten (1945). In den Aufzeichnungen der Feuerwehr der Stadt Nagasaki stößt man 25630 Tote und 1887 Vermißte. In einer Schätzung eines amerikanischen Komitees 1956, wird von 39000 Toten und keinen Vermißten geredet. Sechs Jahre vor dieser Schätzung wurde eine andere Schätzung vom "Komitee zur Erhaltung der Atombomben - Dokumente" der Stadt Nagasaki gemacht. Damals, 1950, war es etwas leichter gewesen, eine genaue Zahl zu geben. So ging man in dieser Schätzung von 73884 Toten und 74909 Menschen mit leichten und schweren Verletzungen aus. In Nagasaki wurden, im Vergleich zu Hiroshima, die Gebäude durch die Druckwelle stärker beschädigt. Die Schäden durch Feuer überstiegen jedoch jede Vorstellungskraft. Zeugenaussagen zu Folge, sollten im Umkreis von 500 Metern vom Nullpunkt entfernt mehrere Brände gleichzeitig ausgebrochen sein, und nicht von Winden langsam ausgebreitet werden.

Die Atombomben Die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki waren unter dem Decknamen "Manhatten Project" entwickelt worden. Seit Dezember 1941 hatten amerikanische Wissenschaftler an diesem Projekt gearbeitet; nach drei Jahren und sieben Monaten des Experimentierens gelang es ihnen, im Juli 1945 die Atombombe herzustellen. Für die Atombombe von Hiroshima wurde Uran 235 (U235) verwendet. Sie hatte eine Länge von 3 Metern, einen Durchmesser von 0,7 Metern und wog 3 Tonnen. Sie hieß "Little Boy". Die Atombombe von Nagasaki enthielt Plutonium 239 (Pu239). Mit einer Länge von 3,5 Metern und einem Durchmesser von 1,5 Metern wog sie 4,5 Tonnen und wurde "Fat Man" genannt. Schnelle Neutronen stießen mit den Kernen der U235 - Atome oder mit denen von Pu239 zusammen und lösten eine explosive Kettenreaktion von Kernspaltungen aus, die eine ungeheure Menge Energie freisetzte. "Little Boy" hat vermutlich Energie freigesetzt, die etwa 12,5 Kilotonnen des herkömmlichen hochexplosiven Trinitrotoluol (TNT) entsprach, und "Fat Man" etwa die von 22 Kilotonnen TNT. (Die Energieausbeute von 20 Kilotonnen TNT entspricht der, die bei der Kernspaltung eines Kilogramms U235 freigesetzt wird!) Im Jahr 1945 konnte der Welt größte Bomber, die B-29, nur 5 Tonnen herkömmlicher Bomben transportieren. 20 Kilotonnen TNT würden daher insgesamt eine Menge Sprengstoff ergeben, die von mehr als 4000 B-29 Bombern transportiert werden müßte. Nun sollte man kurz darüber nachdenken, was so eine Sprengkraft an einem Punkt für Auswirkungen haben würde. Die von einer "normalen" TNT-Bombe freigesetzte Energie wird in eine Druckwelle und Hitzestrahlen verwandelt; während 85 Prozent der von der Atombombe freigesetzten Energie in Druckwelle und Hitzestrahlen verwandelt werden; die restlichen 15 Prozent werden als Strahlung freigesetzt.

Der Ablauf einer Explosion Bei der Explosion einer Atombombe wird im Sprengpunkt sofort eine Höchsttemperatur von mehreren Millionen Grad Celsius erreicht. Bei einer derart hohen Temperatur wird das gesamte Material der Atombombe zu ironisierten Gas, und es wird elektromagnetische Strahlung mit einer Wellenlänge von 0,01 bis 10 Nanometern freigesetzt. Sie wird von der umgebenden Luft absorbiert, so daß der Temperaturanstieg einen Feuerball verursacht. In Hiroshima und Nagasaki bildete sich innerhalb von 0,1 Millisekunden nach der Explosion ein Feuerball mit einem Durchmesser von ungefähr 15 Metern und einer Temperatur von ca. 300000Grad Celsius. Er bestand aus einem heißen inneren Bereich und einen äußeren Bereich mit einer etwas niedrigeren Temperatur. Zuerst dehnt sich der Feuerball aus, die Stoßwelle aber verbreitet sich schneller. Wenn sich die Stoßwellenfront bildet, steigt die Temperatur der umgebenden Luft und sie beginnt zu leuchten. Die Temperatur der Luft sinkt allmählich wieder und sie verliert an Leuchtkraft, so daß das Innere des heißen Feuerballs sichtbar wird. Das alles spielt sich innerhalb von 0,015 Sekunden nach der Explosion ab. Der Feuerball im Inneren wird immer größer und ist eine Sekunde nach der Explosion am größten. Die Oberflächentemperatur des Feuerballs sinkt einmal auf ungefähr 1800 Grad Celsius und steigt dann 0,2 Sekunden nach der Explosion wieder auf ungefähr 7700 Grad Celsius. Dann fällt sie wieder und etwa 10 Sekunden später erlischt die Leuchtkraft des Feuerballs vollkommen. Diese Erscheinung nahmen die Menschen in Hiroshima und Nagasaki innerhalb von Sekunden wahr. Nach einer Atombombenexplosion in der Luft entsteht eine Stoßwelle. Die Geschwindigkeit der Stoßwelle liegt in der Nähe des Sprengpunktes zwar über der Schallgeschwindigkeit, wird aber mit wachsender Entfernung vom Sprengpunkt geringer und erreicht an einem entfernteren Punkt dann etwa Schallgeschwindigkeit. Hinter der Stoßwelle wird die nachfolgende Luft konzentrierter und erreicht höhere Temperaturen. Diese Luft bewegt sich mit niedrigerer Geschwindigkeit in die gleiche Richtung wie die Stoßwelle und wird Druckwelle genannt. Die Energie der Druckwelle macht etwa 50 Prozent der Gesamtenergie einer atomaren Explosion aus. Diese Druckwelle führte in weiten Bereichen, wie schon erwähnt, zu gebäudeschäden, zerstörte aber nicht nur Bauten, sondern tötete oder verwundete auch Menschen und Tiere.

Die Überlebenden Nach der Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki mußten Hunderttausende von Überlebenden mit deren vielschichtigen und widerwärtigen Folgen fertig werden. Mehrere Gruppen von Überlebenden sind zu unterscheiden: 1.) Menschen, die selbst schädliche Auswirkungen erlitten; 2.) Föten, die im Mutterleib betroffen waren; 3.) Menschen, die von der Rückstrahlung betroffen wurden, wozu auch sie Menschen gehörten, die vom radioaktiven Niederschlag betroffen waren. Man darf jedoch nicht vergessen, daß außer körperlichen Krankheiten auch geistliche Schäden auftreten. Die Gesamtzahl aller Personen , die unter diese Definitionen fallen, läßt sich unmöglich genau ermitteln. Eines der frühesten Dokumente über die Überlebenden, die zur Bombardierungszeit in den beiden Städten gewohnt hatten, ist eine "Zusatzeinschätzung" zur Volkszählung vom Oktober 1950. Dieses Dokument nennt insgesamt 283508 Überlebende nach dem Stand vom Oktober 1950, wobei 158597 die Bombardierung von Hiroshima, 124901 die von Nagasaki und 10 Personen beide Explosionen überlebten. Kurz nach der Bombardierung war die Bevölkerung Hiroshimas auf etwa 83000 zurückgegangen. Bis Februar 1946 war sie wieder auf 169000 angestiegen, und bis zum Juli des gleichen Jahres kletterte sie weiter auf 185000. Aber nur etwa 6500 Menschen wohnten innerhalb eines Umkreises von 1 Kilometer um den Nullpunkt. Im nächsten Kreis von 2 Kilometer Radius lebten 34000; von 3 Kilometer Radius 70000; und von mehr als 3 Kilometer 75000. Im Bezirk Ujina, wo es keine schweren Feuerschäden gegeben hatte, war die Bevölkerungsdichte am höchsten.

Chronologie: 1945 - 1985 Ereignisse, die mit den Atombomben zusammen hängen 1945 16. Juli: Die USA testen auf dem Versuchsgelände Alamogordo (New Mexico) erfolgreich der Welt ersten Kernsprengkörper; 6. August: Eine Atombombe wird auf Hiroshima abgeworfen. Präsident Truman und Kriegsminister Stimson geben Erklärungen über den Bombenabwurf ab; 9. August: Eine Atombombe wird auf Nagasaki abgeworfen; 15. August: Japan kapituliert und akzeptiert die Bedingungen der Potsdamer Konferenz. Japanische Zeitungen berichten in Einzelheiten über die Atombombenschäden; 3. September: Das Pressekorps der Besatzungsmacht kommt nach Hiroshima. Wilred Burchett kommt unabhängig nach Hiroshima; 9. September: Die "Manhattan - Project" Gruppe macht Untersuchungen in Hiroshima. (Der Leiter der Gruppe dementiert Zeitungsberichte über anhaltende Auswirkungen der Atombombe, 12. September); 19. September: Das Generalhauptquartier der Besatzungsmacht verfügt Pressezensur; 17. Oktober: Der Kameramann von Nippon Eigasha wird beim Filmen der Atombomben - Verhältnisse in Nagasaki von amerikanischen MP verhaftet (Das Generalhauptquartier verbietet am 12. Dezember formell das fotografieren von Atombomben - Szenen.); 30. November: Der Sonderausschuß zur Erforschung der Atombombenschäden legt sein ersten Bericht vor. Das Generalhauptquartier verfügt, daß für atombombenbezogene Forschungen eine vorherige Genehmigung erforderlich ist.

1946 30. Juni: Das US Strategic Bombing Survey Team schließt seinen Bericht "The Effects of Air Attack on the Cities of Hiroshima and Nagasaki" ab; 10. August: Die Stadt Hiroshima führt eine Untersuchung über die Einwohner (Stand 6. August 1945) durch; 3. November: Japans Nachkriegsverfassung wird verkündet (und tritt am 3. Mai 1947 in Kraft); 26. November: Präsident Truman ordnet die Bildung der Atomic Bombing Casualty Comission (ABCC) innerhalb des Nationalen Forschungsrats der Nationalen Akademie der Wissenschaften an (die Vorbereitungsgruppe der ABCC kommt am 6. Dezember in Hiroshima an). 1947 1. April: Die Medizinisch - Wissenschaftliche Vereinigung Japans hält ihr erstes Nachkriegstreffen, bei den Seiji Kimoto (Universität Tokio) und andere gesonderte Verträge über Atombombenkrankheiten hielten; 1. August: Das Zentral Krankenhaus Hiroshimas führt Gesundheitsuntersuchungen durch; 7 Leukämiefälle werden entdeckt. 1949 30. Januar: Takashi Nagai veröffentlichte "Nagasaki no Kane" ("Die Glocken von Nagasaki"); 11.April: Der Ausschuß zur Erhaltung von Atombombendokumenten der Stadt Nagasaki wird gebildet; er beschließt (am 6. Mai), ein Atombombenmuseum zu eröffnen; 11. Mai: Gesetze erklären Hiroshima zur Friedensgedenkstadt und Nagasaki zur Internationale Kulturstadt (sie treten am 6., bzw. 9. August in Kraft); 29. August: Die Sowjetunion führt (in Sibirien) ihren ersten Atombombentest durch; 17. September: Noreman Cousins schlägt in "Saturday Review of Literature" die moralische Adoption von Atombomben - Waisen durch Pflegeeltern vor.

1950 8. Februar: Iri Maruki und Toshiko Akamatsu eröffnen in Tokio eine Ausstellung von Atombombengemälden; spätere Wanderausstellung durch ganz Japan; 25. März: Die Internationale Konferenz zur Erhaltung des Friedens veröffentlicht den "Stockholmer Appell"; 25. Juni: Der Korea Krieg beginnt (Waffenstillstandsverhandlungen beginnen am 10 Juli 1951; der Waffenstillstand wird am 27. Juli 1953 unterzeichnet.); 6. August: Hiroshima Friedensfestival wird vom Generalhauptquartier der Besatzungsmacht aufgelöst; es finden nicht genehmigte Friedensdemonstrationen statt; 9. August: In Nagasaki finden nicht genehmigte Friedensdemonstrationen statt; 1. Oktober: ABCC führt in ganz Japan, ergänzend zur Volkszählung, eine Untersuchung über die Atombombenüberlebenden durch. 1951 1. August: Der Wissenschaftsrat von Japan veröffentlicht einen zusammenfassenden Bericht seiner Untersuchungen über die Atombombenschäden (der 2 - bändige Bericht erscheint am 5.5.1953); 8. September: Der Friedensvertrag von San Francisco und der amerikanisch - japanische Sicherheitsvertrag werden unterzeichnet (und treten am 28. April 1952 in Kraft); 2. Oktober: Arata Osada veröffentlicht die Sammlung "Genbaku no Ko" (= Kinder der Atombombe).

1952 17. Januar: Die Stadt Hiroshima führt eine Untersuchung über die Atombombenschäden durch, bei der von der Stadt ernannte Interviewer die einzelnen Haushalte aufsucht; 1. April: Beamte der Sozialbehörden führen eine Untersuchung über die Atombombenschäden in Nagasaki durch; 6. August: Die Stadt Hiroshima widmet den Atombomben - Toten ein Mahnmal; 9: August: Die Stadt Nagasaki veranstaltet eine Friedensfeier und einen Gedenkgottesdienst für die Atombomben - Toten; 3. Oktober: Großbritannien führt (auf den Monte - Bello - Inseln vor der australischen Westküste) seinen ersten Atomwaffentest durch; 1. November: Die USA bringen die erste Wasserstoffbombe zur Explosion (Eniwetok - Atoll, Marschall - Inseln, Pazifischer Ozean).

1953 13. Januar: Der Rat für die Atombombenopfer in Hiroshima wird gegründet; der Rat für die Atombombenopfer in Nagasaki folgt (am 14. Mai); 12. August: Die Sowjetunion testet ihre erste Wasserstoffbombe (in Zentralasien).

1954 1. März: Die USA führen beim Bikini - Atoll (Marschall - Inseln) einen Wasserstoffbombentest durch; "Todesasche" regnet auf mikronesische Inselbewohner und die Besatzung des japanischen Thunfischbootes "Fukuryu Maru 5"; 27. März: Die Stadtverordnetenversammlung von Yaizu verabschiedet eine Resolution gegen den Einsatz von Atomwaffen; 1. April: Die Zweite Kammer des Parlaments verabschiedet eine Resolution zur "internationalen Kontrolle der Atomenergie"; die Resolution der Ersten Kammer (vom 5. April) fordert die "internationale Kontrolle der Atomenergie und ein Verbot der Atombomben"; 23. April: Der Wissenschaftsrat von Japan fordert die "Abschaffung der Atomwaffen und...internationale Kontrolle der Atomenergie"; 9. Mai: Unterschriftenkampagne gegen Wasserstoffbomben beginnt; 8. August: Der Nationale Rat für die Unterschriftenkampagne gegen Atom- und Wasserstoffbomben veranstaltet in Tokio eine Eröffnungskundgebung. 1955 13. April: 3 Hiroshima Opfer erheben im Amtsgericht Tokio Klage gegen den japanischen Staat und fordern Entschädigungen für die Atombombenschäden (das Gericht entschied, daß das Abwerfen von Atombomben gegen internationales Recht verstößt); 9. Juli: Bertrand Russell und Albert Einstein veröffentlichen ihre Friedenserklärung; 6.-8. August: Die erste Weltkonferenz gegen Atom- und Wasserstoffbomben findet in Hiroshima statt; 9. August: Die Friedensgedenkstatue in Nagasaki wird geweiht; 24. August: Das Friedensgedenkmuseum in Hiroshima wird eröffnet; 1956 27. Mai: Die Vereinigung der Atombombenopfer - Verbände in Hiroshima hält sein erstes Treffen ab. Der Rat der Atombombenopfer in Nagasaki wird am 23. Juni gebildet; 20. September: Das Atombomben - Krankenhaus Hiroshima wird eröffnet. 1957 21. März: Das Gesetz zur Medizinischen Versorgung von Atombombenopfern wird verabschiedet; 15. Mai: Großbritannien zündet seine erste Wasserstoffbombe; 7.-10. Juli: Der Rat internationaler Wissenschaftler tritt in Kanada zusammen.

1958 31. März: Die Sowjetunion beschließt, Kernwaffenversuche einzustellen; 1. April: Die Universität Hiroshima errichtet in der medizinischen Fakultät das Institut für Kernstrahlungsforschung; 28. Mai: Das Atombomben - Krankenhaus Nagasaki wird eröffnet; 31. Oktober: Die USA, England und die Sowjetunion beraten in Genf über ein Kernwaffen - Test - Moratorium; 1960 13. Februar: Frankreich führt in der Sahara seinen ersten Atombomben - Test durch; 7.Mai: Die USA verkünden die Wiederaufnahme unterirdischer Kernwaffenversuche; 1. Oktober: Neue Untersuchungen über Atombombenopfer in Nagasaki und Hiroshima während der Volkszählung. 1961 31. Juli: Der Japanische Rat gegen Atom- und Wasserstoffbomben veröffentlicht das "Weißbuch über Atom- und Wasserstoffbomben - die verborgene Wahrheit"; 15. November: Der Nationale Rat für Frieden und gegen Kernwaffen organisiert sich.

1963 15. Juli: Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion schließen einen Vertrag über den Kernwaffenversuchsstop in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser; 5. August: Die 9. Weltkonferenz gegen Atom- und Wasserstoffbomben wird von der Sozialistischen Partei Japans und vom Generalrat der Gewerkschaften boykottiert; das führt im nächsten Jahr zur Spaltung in den Japanischen Rat gegen Atom- und Wasserstoffbomben und den Japanischen Kongreß gegen Atom- und Wasserstoffbomben; 1965 27. Juni: Eltern von Kindern mit Mikrozephalie (Strahlenkrankheit), die im Mutterleib zu Opfern wurden, gründen die "Pilz - Gesellschaft".

1967 17. Juli: Die Volksrepublik China führt ihren ersten Wasserstoffbomben - Test durch; 9. November: Dokumentarfilme über die Atombombe, die während der Besatzung Japans durch die USA beschlagnahmt wurden, kehren nach Japan zurück.

1968 20. Mai: Das Gesetz über Sondermaßnahmen für Atombombenopfer wird erlassen; 1. Juli: Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion unterzeichnen den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (Atomwaffensperrvertrag); 24. August: Frankreich führt seinen ersten Wasserstoffbomben - Test durch.

1972 1. Januar: Die Stadt Hiroshima führt eine Untersuchung über Menschen durch, die durch die Atombombe zu alleinstehenden Alten wurden; 1. Juni: Das Institut für Friedenerziehung Hiroshima wird eröffnet; 1. November: Die Stadt Nagasaki führt eine Untersuchung über Atombombenopfer und ihre Familien durch.

1975 1. April: Hiroshima und Nagasaki veranstalten Eröffnungsfeierlichkeiten für die Einrichtung ihrer Stiftung zur Erforschung der Strahlenauswirkungen; 5. August: Hiroshima und Nagasaki schließen einen "Bund der Friedenskulturstädte".

1976 1. Dezember: Die Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki treffen den Generalsekretär der USA, um ihm die Petition für "Totale Abschaffung von Kernwaffen und Allgemeine und Vollständige Abrüstung" zu überreichen.

1980 19. Juni: Vier Atombombenüberlebende aus Hiroshima sagen in einer öffentlichen Sitzung des US - Senats über die Auswirkungen des Nuklearkrieges aus.

1981 25. Februar: Papst Johannes Paul II. veröffentlicht bei seinem Besuch in Hiroshima einen Friedensaufruf; danach besuchte er Nagasaki; 19. März: Erstes Treffen der Internationalen Ärzte für die Verhinderung eines Nuklearkrieges.

1982 21. März: In Hiroshima findet eine Friedensdemonstration statt, eine weitere in Tokio, die die Zweite Sitzung der Vereinten Nationen zu Abrüstungsfragen zum Ziel hat; 7. Juni: Die Sondertagung der Generalversammlung der Vereinigten Nationen zu Abrüstungsfragen wird eröffnet; eine Million Menschen nehmen an einem Anti - Kernwaffen - Marsch in New York teil; 26. August: UN Generalsekretär Javier Pérez de Cúellar besucht Hiroshima.

1983 20. Januar: Die Bürgermeister Nagasaki und Hiroshima rufen 72 Städte in 23 Ländern auf, sich dem Programm zur Förderung der Städtesolidarität mit dem Ziel der Abschaffung der Kernwaffen anzuschließen.

1985 31. Mai: Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Bürgermeister Nagasaki und Hiroshima 668 mal gegen Kernwaffenversuche der Nuklearstaaten protestiert; 5. August: Die erste Weltkonferenz von Bürgermeistern für Frieden durch Städtesolidarität findet in Hiroshima und Nagasaki statt.

Amerikanische Atomtests 1946 - 1948:

Mikronesien besteht aus 2100 Inseln und Atollen, die zwischen Hawaii und den Philippinen über den Pazifik verstreut liegen. In den letzten 400 Jahren hatte das Land vier verschiedene Kolonialherren: Spanien, Deutschland, Japan und die USA. Die USA nahmen die Inseln 1944 den Japanern ab, nachdem dort über zwei Jahre lang die blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges geschlagen, in denen ca. 6288 US - Soldaten, 70000 Japaner und 5000 Mikronesier getötet wurden. Nach der Eroberung durch die USA halfen die Mikronesier beim Bau von amerikanischen Stützpunkten auf Peleliu, Anguar, Saipan, Tinian und Kwajalein. In Tinian entstand der größte Militärflughafen der Welt, von wo auch die Atomangriffe auf Japan geflogen wurden. Im Juli 1947 übertrug der Weltsicherheitsrat der Vereinigten Nationen den USA die Treuhandverwaltung Mikronesiens. Das Abkommen gestattete den USA, die Inseln zu "befestigen". Als Gegenleistung versprachen sie, "die Gesundheit der Einwohner, ihr Land und ihre Rohstoffe zu schützen.". Bereits fünf Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges suchten die Generalstabchefs der USA nach geeigneten Gebieten zum Erproben ihrer geplanten Atomtests. Im Januar 1946 wurde das Bikini - Atoll für die Tests ausgesucht, eine zu den Marshall - Inseln gehörende Gruppe von 36 Inseln mit einer Fläche von insgesamt 6 km². Die Bewohner des Atolls wurden nach Rongerik umgesiedelt. Im Dezember 1947 besetzte die US - Marine für eine weitere Testserie auch Enewetak (oder Eniwetok).

Test "Able" Test "Able" fand am 1. Juli 1946 statt. Als die Bombe explodierte, gab es laut einem Strahlenschutzhandbuches, das nach der Operation publiziert wurde, einen grellen Lichtblitz von einigen Millionstel Sekunden Dauer. Danach bildete sich aus den brodelnden Gasen ein rasch wachsender Feuerball. Vom Zentrum der explosion ging eine Schockwelle aus, die auf dem Wasser als intensives Schimmern sichtbar war, das sich in alle Richtungen ausbreitete. Als der Feuerball zu glühen aufhörte, entstand eine große, weiße pilzförmige Wolke aus Rauch, Spaltprodukten, nicht gespaltenen Partikeln und Staub, welche in eine Höhe von etwa 10500 m stieg. Als die Wolke mit dem Wind abtrieb und sich aufzulösen begann, wurden unbemannte Flugkörper und Wasserfahrzeuge in das Explosionsgebiet geschickt, um Proben der Radioaktivität zu nehmen. Etwa zwei Stunden nach der Detonation fuhren bemannte Kanonenboote in die Lagune ein - Kanonenboote waren schnell und wendig - und maßen das Strahlungsniveau in der Umgebung der Zielschiffe. Sobald die verschiedenen Radioaktivitätswerte festgestellt waren - etwa vier Stunden nach der Detonation - wurden Mannschaften an Bord der Schiffe geschickt. Sie untersuchten die Schiffe an Stellen mit niedriger Radioäktivität. Noch vor Ende des Tages wurde die Lagune als sicher beschrieben. Einem nach der Operation verfaßten amtlichen Bericht zufolge wäre die Bombe für jedes Besatzungsmitglied an Deck der Zielschiffe bis auf eine Entfernung von 1300 Meter tödlich gewesen. Für durch Panzerung geschützte Menschen hätte sich die tödliche Distanz auf etwa die Hälfte reduziert. Der Tod wäre ausschließlich durch die Sofortwirkung der Bombe - Hitze, Druck und Anfangsstrahlung - herbeigeführt worden, da der größte Teil des Fallouts im Atompilz enthalten war und vom Wind abgetrieben wurde.

Test "Baker" Nachdem die Auswertungen von "Able" abgeschlossen worden waren, wurde am 25. Juli unter dem Codenamen "Baker" die zweite Bombe gezündet. Anders als beim ersten Test wurde dabei ein Teil des Wassers der Lagune in die Luft geschleudert. Aus einem Bericht geht hervor, daß "sich eine riesige Wassersäule von fast 700 m Durchmesser und etwa 1500 bis 1800 Meter Höhe bildete. An ihrer Spitze entstand eine pilzförmige Wolke aus Gas und "Gischt". Als die Säule über der Lagune zusammenbrach, breitete sich eine fast 300 Meter hohe Flutwelle aus und verschluckte alle Zielschiffe." Die Untersuchungen erfolgten wie beim Test "Able". Jedoch waren die Schäden an den Zielschiffen um einiges größer. Diesmal überschwemmten große Mengen von hochradioaktivem Wasser die Decks der Schiffe, oder drangen auch in ihr Inneres ein. Bei diesen beiden Versuchen, Test "Able" und Test "Baker", sollte untersucht werden, wie Schiffe auf offener See bei einem nuklearem Angriff enden würden, und wie es den Schiffsbesatzungen ergehen würde. An den Ergebnissen wird deutlich, daß die Schiffe, bei einem Angriff, wenig Chancen haben würden.

2. Dezember 1949: Hanford, Experiment "Green Run" Hanford war eine von drei Atomstädten, die im Zusammenhang mit dem Manhattan - Projekts entstanden. Sie entstand 1943 im Südosten des Staates Washington und wurde auf einer Fläche von 900 km² von 45000 Mitarbeitern errichtet. Gleichzeitig begann man mit dem Bau von drei Reaktoren, in denen das Plutonium für die erste Testexplosion und für die Nagasaki - Bombe produziert werden sollte. In den folgenden zehn Jahren werden am selben Ort weitere fünf Reaktoren gebaut. Bis zu ihrer Stillegung in den Jahren 1964 bis 1971 produzierten die acht Reaktoren 50 t waffenfähiges Plutonium, genug, um ungefähr 1000 Bomben von der Sprengkraft der Nagasaki - Bombe herzustellen. Hanford lieferte das Plutonium für mehr als die Hälfte der Bomben an das Kernwaffenarsenal der USA. Während der Produktion wurden Sicherheitsmaßnahmen nicht genau beachtet. So konnten Wolken mit radioaktivem Jod, Ruthenium, Cäsium und anderen Elementen in die Atmosphäre gelangen und verseuchten Menschen, Tiere, Agrarprodukte und Gewässer im Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Ein Großteil der Verseuchung ging vom Experimenten mit kurzgekühltem, "green" genannten, Reaktorbrennstoff aus. Dabei ging es um die Gewinnung von Plutonium in Anlagen, die nicht mit Filtern ausgestattet waren. Bestrahltes Natururan wird vor seiner Aufbereitung normalerweise 83 bis 101 Tage lang in Wassertanks gekühlt. In dieser Zeit zerfällt ein Teil der vielen radioaktiven Elemente, die nach der Bestrahlung in gefährlichen Mengen im Brennstoffen enthalten sind, und die Radioaktivität fällt auf einen niedrigen Wert. Wird der Brennstoff dagegen nicht gekühlt, bevor die Brennstäbe zur Auflösung ihrer Metallhülle in ein Säurebad kommen, werden große Mengen radioaktiver Elemente freigesetzt. Am 2. Dezember 1949 fand das bekannteste dieser Experimente unter dem Namen "Green Run" statt: Eine Tonne bestrahltes Uran wurde nach nur 16 Tagen Kühlung aufbereitet. Wie aus einem Dokument hervorgeht, das erst 1989 veröffentlicht wurde, war das Experiment Teil eines raffinierten militärischen Plans, bei dem es darum ging, Plutoniumfabriken in der Sowjetunion zu lokalisieren. Zu diesem Zweck sollten in Hanford dir Beerdingungen simuliert werden, wie man sie in der Sowjetunion, die um eine schnelle Produktion von Atombomben bemüht war, vorfinden könnte. Genaue Details dieses Versuches wurden aus den Berichten bei der Veröffentlichung genommen und sie wurden bis jetzt noch nicht bekannt gegeben.

Fünfziger Jahre Amerikanische Atomtests: 1951 - 1958 In diesem Zeitraum führten die USA auf ihrem Testgelände in Nevada 120 km nordwestlich von Las Vegas über 100 oberirdische Atombomentests durch. Durch den Fallout dieser Versuche wurden weite Teile der Umgebung radioaktiv bestrahlt. Dies führte zu einer Reihe von gerichtlichen Klagen, von denen viele erst kürzlich entschieden wurden. Laut Schätungen nahmen in den fünfziger Jahren etwa 150000 amerikanischen Soldaten an einem oder mehreren oberirdischen Atomversuchen auf dem Testgelände in der Wüste Nevadas teil:

1951: Während einer Serie von sieben Testexplosionen wurden die ersten drei von insgesamt acht Truppenübungen namens "Desert Rock" durchgeführt. Ziel dieser Übung: Erforschung von Taktik und Bedingungen der Kriegsführung auf dem atomaren Gefechtsfeld. 1952: 10600 Soldaten nahmen während einer Testreihe von acht Explosionen unter dem Codenamen "Operation Tumbler - Snapper" an dem Manöver "Desert Rock IV" teil. 1953: "Desert Rock V" wurde mit annähernd 21000 Angehörigen aller vier Waffengattungen durchgeführt. Das Manöver fand im Rahmen der Operation "Upshot - Knothole" statt, einer Testserie mit elf Detonationen. 1957: "Operation Plumbob" umfaßte 24 Versuchssprengungen und sechs Sicherheitsexperimente, die laut Energieministerium bestätigen sollte, daß es im Falle einer versehentlichen Zündung des mit dem Sprengsatz verbundenen Sprengstoffs zu keiner atomaren Explosion kommen könnte. Im Rahmen von "Plumbob" wurden zwei getrennte militärische Übungen durchgeführt: Anfang Juli "Desert Rock VII" unter Beteiligung des Marine Corps, Ende Juli und im August "Desert Rock VIII" unter Beteiligung der Army. Insgesamt nahmen 16000 Soldaten teil.

"Smoky" Der bekannteste Versuch innerhalb der Testreihe "Plumbob" war "Smoky", benannt nach einem Gebirgsausläufer, der in der Nähe des Testgeländes lag. Dort wurde am 31. August 1957 auf einem 210 m hohen Stahlturm eine 44 - Kilotonnen - Bombe gezündet. Die Soldaten beobachteten den Versuch von einem Stand aus, der etwa 29 km vom Bodennullpunkt entfernt lag. Drei Tage später führten sie Gefechtsübungen auf dem Gebiet durch. Am 2. September 1957, zwei Tage nach "Smoky", nahm ein Großteil ebendieser Soldaten an Manövern im offenen Gelände teil, nur knapp 5 km von der Stelle entfernt, wo die 11 Kilotonnen Bombe "Galileo" gezündet wurde.

Die Einzelheiten dieses Versuchs wurden erstmals 1978 bei Anhörungen vor dem Unterausschuß des US - Kongresses für Gesundheits- und Umweltfragen bekannt. Thema der Anhörungen: Nachwirkungen der Atomtests in Nevada und im Pazifik zwischen 1946 und 1958. Im Juni 1985 veröffentlichte die amerikanische Akademie der Wissenschaften die Studie "Mortality of Nuclear Weapons Test Participans", in der die Todesursachen von 49000 Veteranen untersucht wurden. Der Studie zufolge starb kein ungewöhnlich hoher Prozentsatz dieser Veteranen an Krankheiten, die auf Strahlung zurückzuführen sind. Allerdings waren mindestens 10 von 3554 Teilnehmern an "Smoky" vor Erreichen des 45. Lebensjahres an Leukämie gestorben. Diese Rate lag um das Zweieinhalbfache über der erwarteten Zahl.

Britische Atomtests: 1952 - 1958 Durch die wachsende Besorgnis über die Atompolitik der Sowjetunion und das Atomwaffenmonopol der USA veranlaßt, entschloß sich Großbritannien eine eigene Atombombe als Abschreckungsmittel zu entwickeln. Der Beschluß, die ersten Atombombentests in Australien durchzuführen, wurde von den Politikern begrüßt. Insgesamt wurden zwischen 1952 und 1958 21 britische Atomtests auf australischem Gebiet durchgeführt, zwölf davon auf oder in der Nähe des Festlandes, neun auf einem Testgelände auf den Weihnachtsinseln. Aufgrund wachsender Proteste von Aborigines und ehemaligen Soldaten, die aussagten, durch die Tests Gesundheitsschäden erlitten zu haben, beauftragte das australische Parlament 1984 eine Kommission mit der Untersuchung der Angelegenheit. Die Kommission zwang die britische Regierung, Hunderte bis dahin geheimgehaltene Dokumente freizugeben. Zusammenfassend kam die Kommission zu dem Beschluß, "daß die Tests wahrscheinlich einen Anstieg der Krebsrate bei der gesamten australischen Bevölkerung verursacht haben, besonders aber bei den Aborigines, die in der Nähe der Testgelände gelebt haben, und bei Tausenden direkt an den Tests beteiligten Soldaten und Zivilisten."(1985).

Auch die Briten führten die "einige" Tests durch:

"Operation Totem"(14. - 26. Oktober 1953) Zwei Testbomben von 10 kt und 8 kt Sprengkraft wurden auf einem Stahlgerüst auf dem Testgelände Emu Field in Südaustralien gezündet. Die Tests wurden übereilt und bei ungeeigneten Wetterverhältnissen durchgeführt. "Totem I" produzierte doppelt soviel Fallout wie "Totem II". Berichte von Aborigines, daß eines ihrer Lager in der Nähe des Testgeländes nach dem Test in "schwarzem Nebel" gehüllt worden sei, wurden um 1970 erstmals von einem Anthropologen aufgezeichnet und gingen 1980 durch die australische Presse. Viele Fachleute hielten die Geschichte für erfunden, aber der Bericht der Kommission hält sie für "plausibel". Der Vorfall wurde später offiziell vom Australian Ionising Radiation Council (AIRAC) untersucht, und dieser kam zu dem Schluß, es sei unwahrscheinlich, daß die damals in der Gegend lebenden Aborigines langfristige Gesundheitsschäden erlitten hätten. Im Rahmen der Operation "Hot Box" flog eine drei Mann starke Crew in einer besonders präparierten Maschine sechs Minuten nach der Explosion durch den Atompilz und legte eine Strecke von ca. 1800 m in der radioaktiven Wolke zurück. Der Weg der Wolke wurde zweieinhalb Tage lang verfolgt. Sie war 24 Stunden nach der Explosion immer noch sichtbar.

"Operation Mosaic"(16. Mai und 19. Juni 1956) Auf zwei der Monte - Bello - Inseln wurden Tests mit Bomben von 15 kt bzw. 60 kt Sprengkraft unternommen. Nach dem zweiten Test, der eine besonders große Explosion abgab, streifte die radioaktive Wolke das australische Festland und hinterließ in verschiedenen Küstenregionen Spuren von Radioaktivität.

"Operation Buffalo"(September - Oktober 1956) In dieser Serie wurden vier Tests durchgeführt. Zwei Sprengsätze von 15 kt und 10 kt wurden auf Stahlgerüsten gezündet, ein Sprengsatz von 3 kt wurde in der Luft und einer von 1,5 kt wurde auf dem Boden gezündet. Es war die erste Testreihe in Maralinga, einem abgelegenenGebiet in Südaustralien, das als ständiges Testgelände ausgewählt worden war. Die Test gehörten zum Kern des britischen Atombombenprogramms, zu einem "umfassenden Programm biologischer Studien und der Untersuchung der Auswirkungen der Waffe", wie 1987 beschrieben wurde. Das Militär errichtete ein großes Dorf aus Fertigbauhütten und brachten in der Nähe von Ground Zero eine ganze Armee menschlicher Puppen und lebender Haustiere in Stellung, die der Wirkung der Explosion ausgesetzt wurden. Ungefähr 250 Soldaten aus Commonwealth - Ländern beobachteten die Boden - Detonationaus einer Entfernung von ca. 7 km und inspizierten danach, ausgerüstet mit Strahlenschutzanzügen und Gasmasken, zwei Stunden lang deren Auswirkungen. Der Bericht der Kommission kritisiert die Durchführung aller vier Tests der Serie. (Zitat)"...Insgesamt waren die Vorkehrungen, durch die während der Testserie "Buffalo" die Sicherheit der Ureinwohner gewährleistet werden sollte, von Ignoranz, Inkompetenz und Zynismus auf Seiten der dafür Verantwortlichen geprägt. Daraus folgt unabweisbar, daß es eher dem Zufall zu verdanken ist, wenn durch die Explosion keine Eingeborenen verletzt oder getötet wurden, als der Bereitstellung adäquater organisatorischer, logistischer und materieller Mittel zur Gewährleistung ihrer Sicherheit..."

Die Weihnachtsinsel (Mai 1957 - September 1958) Da die Großmächte ihr Arsenal an Kernwaffen erweiterte, sah sich Großbritannien gezwungen, sein Ansehen durch das Einführen einer Wasserstoffbombe (H - Bombe) zu festigen. Das Ergebnis war die Testserie "Grapple" auf der Weihnachtsinsel. Die Serie bestand aus sieben H - Bomben und zwei Atombomben Tests, durchgeführt in einem Zeitraum von 15 Monaten. Genaue Informationen über die Stärke dieser Bomben wurden bis heute nicht bekannt gegeben. Jedoch klagten viele Soldaten die damals dabei waren auf Schadensersatz, da sie von Strahlenschäden geplagt wurden. Einige der beteiligten Soldaten wußten schon damals, welchen Strahlungen sie sich aussetzten. So auch auch die Soldaten des Schwadrons 76, die durch die Atompilze der H - Bomben flogen, um Proben radioaktiven Materials zu sammeln. Erste Anklagen kamen 1986 vor dem britischen High Court: Der Obergefreite Melvyn Bruce Pierce, der an einem Lymphom litt, klagte auf Entschädigung. Pierce war von 1957 bis 1958 Ingenieur auf der Weihnachtsinsel gewesen. Die Entscheidung in diesem Fall würde maßgebend sein für den Schadensersatzanspruch von über 1000 Mitgliedern der British Nuclear Test Veterans Association, die angeben, an Krebs erkrankt zu sein, weil sie während der britischen Kernwaffentests in den fünfziger Jahren Strahlung ausgesetzt waren. 12.

Dezember 1952: Chalk River, Ontario, Kanada Die erste größere Reaktorkatastrophe der Welt ereignete sich in dem leichtwasser - gekühlten, schwerwasser - moderierten Forschungs- und Testreaktor NRX in Chalk River, rund 240 km nordwestlich von Ottawa. Die Beschreibung und der Verlauf des Unfalls erfolgt jetzt mit Auszügen aus dem Bertini - Bericht: "...Durch Betätigung verschiedener numerierter Knöpfe auf der Kontroll - Konsole konnten Steuerstabgruppen zurückgezogen werden. Über den Nummern leuchteten rote Lämpchen auf, wenn die Steuergruppen in vollständig zurückgezogener Position waren. Durch Erhöhung des Luftdrucks über den "Banks" ließen sich die Steuerstäbe in den Reaktor einfahren; dazu mußte Knopf 4 gedrückt werden. Knopf 3 aktiviert ein Solenoid, das dafür sorgte, daß der Verschluß dem erhöhten Luftdruck standhielt. Wollte der Techniker die Steuerstäbe in den Reaktor einfahren, mußte er also gleichzeitig die Knöpfe 3 und 4 drücken. Um dies zu erleichtern, hatte man die Knöpfe auf die Konsole dicht nebeneinander installiert. Die Knöpfe, mit denen die Gruppen der Steuerstäbe zurückgezogen wurden, waren eine Armlänge entfernt Am 12. Dezember 1952 führte das Bedienungspersonal bei niedriger Leistung einige Tests durch. Da der Brennstoff nur wenig Wärme entwickelte, war in vielen Stäben die Zirkulation des Leichtwasser - Kühlmittels gedrosselt worden. Da bemerkte der Schichtleiter, daß mehrere rote Lämpchen aufflammten. Er ging in den Reaktorkeller. Dort sah er, wie ein Techniker Ventile öffnete, die bewirkten, daß die Steuerstabgruppen ganz ausgefahren wurden. Entsetzt schloß er alle Ventile. Nun hätten die Steuerstäbe in den Reaktor zurückfallen müssen, und einige taten es auch. Andere jedoch fielen aus unerklärlichen Gründen nur so weit zurück, daß die roten Lämpchen erloschen, und blieben in fast ganz ausgefahrener Position Der Schichleiter rief aus dem Keller seinen Assistenten, um ihm Anweisungen zu geben, mit dem Test noch einmal von vorn zu beginnen und durch drücken der Knöpfe 3 und 4 sämtliche Steuerstäbe einzufahren. Doch er versprach sich und sagte, er solle die Knöpfe 4 und 1 drücken. Mit Knopf 1 wurden Steuerstäbe zurückgezogen. Der Assistent legte den Hörer aus der Hand, denn um 4 und 1 gleichzeitig zu drücken, mußte er beide Arme ausstrecken. Folglich konnte er seinen Vorgesetzten nicht hören, der seinen Irrtum korrigieren wollte. Da der Assistent Knopf 3 nicht gedrückt hatte, war der Verschluß nicht gesichert. Die Folge: Die Luft, die in die Kammern strömte, wurde nicht komprimiert. Statt die Steuerstäbe in den Reaktor zu drücken,entwich sie durch den Verschluß Bald darauf bemerkte der Techniker im Kontrollraum, daß die Reaktorleistung rapide anstieg, und drückte den Schnellschußschalter. Auch ohne Luftdruck sollten die Steuerstäbe herunterfallen, doch aus unerfindlichen Gründen taten es viele nicht und die Leistung stieg weiter Nach kurzer Beratung mit Physikern und dem stellvertretenden Inspektor, die sich in der Warte aufhielten, beschloß man, den Schwerwasser - Moderator abzulassen. Damit gelang es, den Reaktor abzuschalten, allerdings nicht augenblicklich, da das Wasser eine gewisse Zeit brauchte, bis es abgeflossen war Doch damit nicht genug. Wasser ergoß sich in den Keller, Leichtwasser - Kühlmittel, wie sich herausstellte. Innerhalb und außerhalb der Gebäude wurde Strahlenalarm ausgelöst. Maßnahmen zur Evakuierung der Anlage wurden angeordnet.

Amerikanische Atomtests von 1954 bis 1958

"Bravo" Am 1. März 1954 wurde unter dem Codenamen "Bravo" auf der Insel Bikini in Bodennähe eine 15 mt Wasserstoffbombe gezündet. Man hatte eigentlich eine Explosion von 6 mt erwartet, tatsächlich waren es dann 15 mt. Die Explosion riß einen Krater von über 70 m Tiefe un über 1800 m Breite. Der Feuerball schmolz riesige Mengen des Korallengesteins, saugte sie mit sich in die Luft und verbreitete sie als tödlichen Fallout. Die Bombe war extra dafür konstruiert, eine maximale Fallout Menge zu produzieren. An jenem Morgen bließ der Wind in Richtung zweier bewohnter Atolle namens Rongelap und Utirik, 160 und knapp 500 km von Bikini entfernt. Bei früheren Tests waren ihre Bewohner evakuiert worden, vor "Bravo" hatte man das unterlassen. Die Inseln wurden praktisch im Fallout gebadet. Rongelap wurde von einer 4 cm dicken Schicht weißlichen Staubs bedeckt, Utirik verschwand ganz im radioaktiven Nebel.

Es dauerte Tage, bis Schiffe der amerikanischen Marine erschienen und die 236 Inselbewohner und 28 Mann amerikanisches Militärpersonal auf die Marinebasis der nahegelegenen Insel Kwajalein evakuierten. Zu diesem Zeitpunkt traten bei den Inselbewohnern bereits erste schmerzhafte Symptome auf: Übelkeit, Verbrennungen der Haut, Durchfall, Kopfschmerzen, Augenschmerzen, Taubheit, Verfärbung der Haut und allgemeine Erschöpfung. Untersuchungen ergaben, daß im Blut der Insulaner die Zahl der weißen Blutkörperchen und der T - Zellen zurückgegangen war, die eine wichtige Rolle im Immunsystem des Körpers spielen. Die Menschen verloren ihre Fingernägel, ihre Finger bluteten und ihre Haare fingen an auszufallen. Die Insulaner waren jedoch nicht die einzigen Opfer. Ein japanisches Fischerboot befand sich zum Zeitpunkt der Explosion 160 km östlich von Bikini auf Thunfischfang und geriet in den Fallout. Als das Boot zwei Wochen später nach Japan zurückkehrte, litten alle 23 Basatzungsmitglieder an der Strahlenkrankheit. Einer von ihnen starb am 23. September 1954 an Schäden der Leber und des Blutes. Der Vorfall löste einen internationalen Aufschrei der Empörung aus. Zwei Jahre später zahlten die USA an die japanische Regierung über zwei Millionen Dollar Entschädigung. Letztendlich stellt sich jedoch die Frage, ob die Amerikaner absichtlich "vergaßen", die Insulaner zu evakuieren. Die amerikanische Regierung versichert, daß es ein einmaliger Zufall war, die Insulaner hingegen, sind sicher, daß sie als "Versuchskaninchen" mißbraucht wurden.

Die sowjetische Atombombe

In den 30er Jahren Im Vergleich zu den Laboratorien in Paris (Marie Curie), Cambridge (Ernest Rutherford), Kopenhagen (Niels Bohr), Rom (Enrico Fermi) und in Deutschland (Otto Hahn, Werner Heisenberg, Lise Meitner, Walter Bothe, etc.) wurden in der Sowjetunion Studien zur Kernphysik reichlich spät aufgenommen. Nur sowjetische Physiker befaßten sich damals mit atomphysikalischen Forschungen. D. Skobelzyn, ein Schüler von Marie Curie, widmete sich seit 1924 der Atomphysik; G. Gamov, den Ioffe 1928/29 und 1930/31 zu Bohr nach Kopenhagen schickte, befaßte sich mit theoretischen Fragen des Alpha - Zerfalls. Eine international respektierte Errungenschaft sowjetischer Physik stellte das Protonen - Neutronen - Modell des Atomkerns von D. Ivanenko (1932) dar. Die sowjetische Kernforschung hatte in den 30ern ihren Hauptsitz in Leningrad. In dieser Stadt befand sich auch die Akademie der Wissenschaften. Nach den Entdeckungen des Jahres 1932 (der Neutronen, der Positronen, des Deuterons und der Spaltbarkeit eines Lithiumkerns durch Protonen), wandte sich eine kleine Gruppe sowjetischer Physiker unter der Leitung von Ioffe und dem damals 29 - jährigem Igor Kurchatov der Atomforschung zu. Kurchatov kam als Anfänger zur Kernphysik, bisher hatte er sich dem Verhalten von Dielektrika in starken elektrischen Feldern gewidmet. Zu der Gruppe von Kurchatov gehörten M.A. Eremeev, der ein kleines Zyklotron bauen sollte, G. I. Schchepkin, mit dem Kurchatov einen 200 Kilo Volt - Protonen - Beschleuniger baute, A.U. Russinov, der die Issomerie der Kernkräfte studierte, sowie Kurchatovs Mitarbeiter A.P. Grinberg und I.S Panasjuk. Ein wichtiges Ereigniss für die sowjetische Kernphysik war die im September 1933 im Leningrader Phystech (= Physikalisch - Technisches Institut) stattgefundene "Konferenz zum Atomkern", auf der u.a. auch der Fachmann auf der Relativitäts- und Quantentheorie und ehemalige Assistent von Werner Heisenberg, Guido Berg, teilnahm. Für kernphysikalische Untersuchungen brauchte man vor allem ein Zyklotron, ein Kreisbeschleuniger für Protonen und schwere Ionen, in dem die Teilchen in einem örtlich und zeitlich konstanten Magnetfeld kreisen und bei jedem Umlauf von einem Hochfrequenzfeld beschleinigt werden. Bereits 1933 hatten Kurchatov und Alichanov die Notwendiekeit, dem Phystech ein Zyklotron zur Verfügung zu stellen, betont. Elektromagneten der gewünschten Größe herzustellen, überforderte vorerst die sowjetische Elektroindustrie. Intensive Bemühungen, 1935/36 ein stärkeres Zyklotron in Westeuropa zu kaufen, blieben erfolglos. Mitte der dreißiger Jahre existierte ein brauchbares Zyklotron allein im "Lawrence - Laboratorium" in den USA. Ein neues Zyklotron wurde 1936 im Leningrader Radium - Institut von Mysovskij fertiggestellt; dessen Leistungsfähigkeit ließ jedoch zu wünschen übrig. Das Vakuum wollte nicht entstehen, der Hochfrequenzgenerator funktionierte nicht. Die Versuche zur Teilchenbeschleunigung mittels eines Zyklotrons blieben erfolglos. Im Januar 1937 schrieb Ioffe dem Volkskommissar für Schwerindustrie, daß das Phystech im Unterschied zu den Laboratorien in Westeuropa unter primitiven Bedingungen zu arbeiten habe. Selbst das kleine Dänemark baue Nils Bohr ein Zyklotron! Gegen alle Widerstände durfte Kurchatov schließlich ab August 1937 seine Zeit damit verbringen, eine Lösung für den Zyklotronenbau zu finden. Der Bau eines starken Zyklotron sollte noch auf sich warten lassen. Im Wirtschaftsrat des Volkskommissariats der UdSSR waren am 7. Juli 1939 Mittel für das Zyklotron des Leningrader Phystech bewiligt worden, aber erst im Februar 1941 stellte das Werk "Elektrosila" endlich den Magneten zur Verfügung. Das eigens für das Zyklotron gebaute Gebäude war noch nicht fertig gestellt, und der Krieg unterbrach vorerst alle Arbeiten. Obwohl dann 1944 im Moskauer Laboratorium Nr. 2 (das zum entscheidenen Labor für das Atombombenprojekt werden sollte) ein Zyklotron mit 73 cm Durchmesser erfolgreich in Gang gesetzt worden war, mußte der Verteidigungsrat 1945 abermals den beschluß fassen, die Arbeiten am Leningrader Zyklotron "dringend" zu beenden. Erst im Jahre 1946 konnte es entlich in Betrieb genommen werden. Nicht nur die Teilchenbeschleunigung war ein Problem, das auf die mangelnde Erfahrung mit der Technologie zurückzuführen ist; es gab auch ein finanzielles Tief in der sowjetischen Kasse. Es fehlte auch an Isotopentrennanlagen. Zudem hatte das für Experimente zur Verfügung stehende Natururan allzu viele Beimengungen, die die unangenehme Eigenschaft besitzen, Neutronen unnötig zuverbrauchen. Schweres Wasser wurde von der sowjetischen Industrie noch nicht produziert, für teures Geld mußte es in Norwegen gekauft werden. Der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 setzte der Kernforschung und den Betrachtungen über eine Atombombe vorerst ein Ende.

Die Entscheidung zum Atombombenbau Ohne von den Aktionen der amerikanischen Physiker zu wissen, versuchte auch ein sowjetischer Physiker die politische Führung von einem Bau von einer Atombombe zu überzeugen. Im November 1941 schrieb Kursant und Georgij N. Flerov einen Brief an S.V. Kaftanov, den Volkskommissar für Höhere Bildung und Beauftragten des Verteidigungskomitees für wissenschaftliche Fragen. Die Vorbereitung der nötigen Maßnahmen für die Wiederaufnahme der Arbeiten an der Atombombe sollte Kapiza aufgetragen werden. Flerov versuchte den Minister mit dem Argument zu überzeugen, daß man mit der Atombombe die Weltherrschaft erlangen könnte (Zitat: "...Man muß immer erinnern, daß der Staat, der als erster die Atombombe verwirklicht, der ganzen Welt seine Bedingungen diktieren kann; und jetzt ist das einzige, womit wir unseren Fehler - die halbjährige Untätigkeit - ausbügeln können, die Wiederaufnahme der Arbeit und ihre Weiterführung in noch größeren Maßstab als vor dem Krieg "). Das "Kleine Präsidium" der Akademie der Wissenschaften hielt am 20. Dezember 1941 ein Atomseminar in Kazan ab, an dem unter anderen Ioffe und Kapiza teilnahmen. Flerov dachte, daß im Vergleich zu der in den vergangenen 6 Monaten über Deutschland von den Briten abgeworfenen Bombenmenge, "(Zitat) die Explosion der in einer Bombe eingeschlossenen Uranmenge auf dem Territorium Deutschlands der ganzen englischen Luftwaffe erlauben würde, sich drei Jahre zu erholen". 200000 Tonnen Dynamit, kalkulierte Flerov, könnten durch 2,5 Kilo Uran ersetzt werden.

Grundlegende Probleme Die Ausarbeitung der Technologie zur Herstellung von metallischen Uranblöcken ohne Beimengungen stand an vorderster Stelle. Für den ersten experimentellen Reaktor, sowjetischen erwartete man, wurden 45 Tonnen reinsten Urans und 500 Tonnen reinsten Graphits benötigt. Im Laboratorium Nr.2 befanden sich allein 90 kg Uranoxyd und 218 kg Metallpulver, die aus Deutschland mitgebracht worden waren. Die Akademiemitglieder Vernadskij und Fersman, die schon im Jahre 1943 auf die Suche nach sowjetischen Uranvorkommen geschickt worden waren, hatten feststellen müßen, daß die meisten der alten Uranminen unter Wasser standen. Ähnlich wie beim "Manhattan - Projekt" erwies sich auch für die sowjetischen Chemiker die Analyse der Beimengungen des Urans als ungewöhnlich schwierig. Schädliche Beimischungen von Bor, Kadmium, Lithium, Germanium, Titan, Vanadium, Mangan, Eisen und anderen Elementen, die als "Neutronenschlucker" die Kettenreaktion behindern, verdarben das Graphit. Die vom Moskauer Elektrodenwerk angelieferten Graphitstücke enthielten anfänglich Beimengungen, die die zulässigen Werte um das Hundertfache überstiegen! Nachdem Graphit und Uran in ausreichender Reinheit vorhanden waren, konnten endlich Experimente mit der Reaktorschichtung vorgenommen werden. Tag und Nacht schichtete man in Zelten und in Erdhöhlen Uran- und Graphitblöcke auf, um die optimalen Abmessungen der Blöcke studieren zu können. Am 25. Dezember 1946 konnten die Sowjets endlich Fermis entscheidenen Durchbruch vom Dezember 1942 für sich wiederholen. Die Kettenreaktion funktionierte. Der Experimentalreaktor F-1, von Kurchatov persönlich angefahren, bestand aus 36 Tonnen Uran, die in 19000 Einzelblöcken aufgeschichtet worden waren. Wie man erfuhr, kamen die Uranblöcke für den Experimentalreaktor im wesentlichen aus deutschen Beständen und noch nicht aus sowjetischer Produktion. Aber erst mit einem Brutreaktor konnten Kilogrammengen des kostbaren Materials erstmals im April 1947 produziert und abgetrennt werden. doch es traten Fragen auf; wie z.B.: - Wie könnte man den Reaktor "unterkritisch" halten? - Wie verhielt er sich im Dauerbetrieb? - Welche Regelstäbe und welche Kühlsysteme eignen sich am besten? - Wie verhält sich die Neutronendichte im Reaktor? - Welchen Einfluß hat der athmosphärische Druck? - Worin besteht die optimale Gitteranordnung?

- Welches Material braucht man für den Reaktorschutz? Diese und andere Fragen sollten mit dem Experimentalreaktor beantwortet werden! Ein Prozess der chemischen Abtrennung von Plutonium erwies sich als außerordentlich schwierig. Die bestrahlten Uranblöcke waren extrem radioaktiv. Da keine automatischen Einrichtungen vorhanden waren, die das Arbeiten auf Distanz möglich machten, setzten sich die Mitarbeiter des Leningrader Radium - Institutes erheblichen Strahlenbelastungen aus, an denen dann einige sterben sollten.

Erfolgsdruck und der letzte Teil der Erforschung Nach Hiroshima und Nagasaki standen sie sowjetischen Physiker unter dem Alptraum, entweder rechtzeitig die eigene Atombombe fertigzustellen und damit das "atomare Patt" herstellen zu können, oder Opfer des nächsten Bombenabwurfs zu werden. Churchill hatte in seiner "Fulton - Rede" mehr oder minder offen zur Vorbereitung eines Atomkrieges gegen die Sowjetunion aufgerufen. Zugleich entwickelte das Pentagon Pläne, Atombomben auf die Sowjetunion abzuwerfen. Die Amerikaner beruhigten sich mit der Annahme, daß die Sowjets noch mindestens 20 Jahre brauchen würden, um die erste Atombombe zünden zu können. Der doppelte Druck aus dem Vorsprung der Amerikaner und dem Mißtrauen Stalins gegenüber den sowjetischen Wissenschaftlern ließ für Zweifel an der Berechtigung des Bombenbaus und für ethische Überlegungen über seine Verantwortbarkeit keinen Raum. Stalin entschied sich zu einem Bluff, mit dem die amerikanische Regierung möglicherweise zu beeindrucken war. Am 6. November 1947 erklärte Molotov, daß "das Geheimnis der Atombombe schon lange nicht mehr existiert". Die amerikanische Regierung machte sich aus dieser Aussage nicht viel; "wenn die Sowjets das Geheimnis kennen, heißt das noch lange nicht, daß sie die Bombe gebaut haben!", meinten sie. Der Druck, unter dem sich Stalin fühlte, drückte sich auch Innenpolitisch aus; der Ministerrat verpflichtete 1948 Kurchatov, Chariton und Zernov, die Atombombe nicht später als bis zum 1. Dezember 1949 fertigzustellen. In dem Atombombenprojekt suchte man nach "Verrätern"! Die Mitarbeiter des Uranprojekts gerieten bei auftretenden Schwierigkeiten immer wieder unter Sabotageverdacht. Die panische Angst vor der Aufdeckung vermeintlicher oder tatsächlicher Fehler oder auch nur allzu menschlicher Nachlässigkeit trieb wiederholt Mitarbeiter in den Tot. Einige Monate vor dem Test, die Bauarbeiten auf dem Explosionsgelände waren bereits in vollem Gange, stoppte Kurchatov die Weiterarbeit. "Was würde passieren, wenn die Bombe nicht erfolgreich explodierte?", fragte er sich. Wenigstens eine Ersatzbombe sollte vorbereitet werden. Fursov und Bochvar sollten in kürzester Zeit genug Plutonium für eine zweite Bombe beschaffen. Die Aufbauten sahen den amerikanischen sehr ähnlich. Auf dem Testgelände standen rundherum standen Bauten zum studieren der Detonationswelle. Die Wirkung der Radioaktivität sollte an Tieren untersucht werden. Statt die Bombe von einem Flugzeug abzuwerfen, sollte sie auf einem 50 Meter hohen Turm zur Explosion gebracht werden. Kurchatov, Zavenjagin, Chariton, Zernov und der wöchentlich anreisende Berija folgten jedem der streng protokollierten und an Stalin berichteten Arbeitsschritte. Ein KGB - Generalhauptquartier stand auf dem Explosionsturm und beobachtete ununterbrochen das Geschehen. Die Physiker überkam zunehmend die Angst.

Niemand wollte sich vorstellen, was bei einem Mißerfolg geschehen würde. Trotz aller Belastungen und Problemen gelang die Explosion in den Morgenstunden des 29. August 1949. Nach außen verlautete gleichwohl vorerst nichts von der Atomexplosion. Die politische Führung, die schon im November 1947 vieldeutig behauptet hatte, das Geheimnis der Atombombe zu kennen, entschied sich, den Bluff fortzusertzen. Am 23. September 1949, amerikanische Aufklärungsflugzeuge hatten zuvor Luftproben ausgewertet, erklärte Präsident Truman, daß die US - Regierung Informationen über eine Atomexplosion in der Sowjetunion habe. Zwei Tage darauf informierte die TASS die Öffentlichkeit mit Irreführung und einer Wiederholung der Molotov - Lüge (Zitat): "...Bekanntlich sind weitreichende Bauarbeiten in der Sowjetunion im Gange - der Bau von Wasserkraftwerken, Bergbauschächten, Kanälen und Straßen -, die große Sprengtätigkeit mit Hilfe neuester technischer Mittel erfordern. Da diese Sprengtätigkeiten häufig in verschiedenen Regionen des Landes stattfanden und weiter stattfinden, ist es möglich, daß dies die Aufmerksamkeit außerhalb der Grenzen der Sowjetunion auf sich gezogen hat. Was die Produktion von Atomenergie in der Sowjetunion anbetrifft, ist es nötig, nochmals festzustellen, daß bereits am 6. November 1947 Molotov, der Außenminister der UdSSR, eine Erklärung zum Geheimnis der Atombombe abgegeben hat, in der er sagte, daß "dieses Geheimnis seit langem nicht mehr existiert". Diese Erkärung bedeutete, daß die Sowjetunion bereits das Geheimnis der Atomwaffen enthüllt und diese Waffen zu ihrer Verfügung hatte...". Die sowjetische Führung pokerte bereits mit der Atombombe, bevor sie sie hatte. Das triumphierende Gefühl, nun tatsächlich auch über dieselbe Karte wie die sich im Atommonopol sicher denkenden Amerikaner zu verfügen, kostete die politische Führung um Stalin aus.

Chronik 1920 - 1953 1920 Gründung des Leningrader Physikalisch - Technischen Instituts unter A. Ioffe:

1922 Gründung des Radium - Instituts unter V. Chlopin in Leningrad.

1928 Theorie des Alpha - Zerfalls duech G. Gamov entwickelt. Gründung des Physikalisch - Technischen Instituts in Charkov.

1931 Kyrill Sinelnikov, zuvor an Ernest Rutherfords Cavendish Laboratory in Cambridge, beginnt in Charkov am Phystech eine Kernforschungsgruppe aufzubauen. 1932 Nach Chadwicks Entdeckung des Neutrons beginnt eine Gruppe um Abram Ioffe am Leningrader Phystech mit der Auswertung der britischen, amerikanischen und italienischen Kernforschungen. Protonen - Neutronen - Modell von D. Ivanenko.

1933 1. Allunionskonferenz zur Kernforschung in Leningrad, u.a. mit Frederic Joliot - Curie, etc. Die Kernforschungsgruppe am Phystech in Leningrad wird zur Abteilung für Kernphysik unter Kurchatov aufgewertet.

1933 - 1936 In der Akademie der Wissenschaften arbeitet eine spezielle Kommission unter Ioffe für das Studium des Atomkerns.

1934 Gründung des Lebedev - Instituts für Pkysik unter Vavilov in Moskau. Alichanov und Kurchatov bauen in Leningrad ein kleines Zyklotron. Vavilov und Cherenkov beobachten eine ungewöhnliche Elektronenstrahlung, die Cherenkov - Effekt genannt wird. 1935 Van - de - Graff - Generator beginnt am Charkover Phystech zu arbeiten. Beginn der Experimente zur Teilchenbeschleunugung, allerdings erfolglos.

1936 Im Leningrader Radium Institut beginnt ein Zyklotron zu arbeiten. Wöchentliches "Neutronen - Seminar" unter Leitung von Kurchatov am Leningrader Phystech. Wiederholung der Versuche von Enrico Fermi. Leningrader Physiker fordern Mittel für ein großes Zyklotron. Kritik in der Akademie der Wissenschaften an der angeblichen Nutzlosigkeit der Leningrader Kernforschung. Brief Ioffes an den Volkskommissar für Schwerindustrie, in dem er die finanzielle und materielle Lage des Leningrader Phystechs beklagt. 1937 Theoretische Erklärung des Cherenkov - Effekts durch Tamm und Frank. Kernforschungskonferenz in Moskau mit 120 Teilnehmern.

1938 3. Allunionskonferenz zur Kernphysik in Moskau. Eine permanente Kommission für Kernforschungen wird beim Präsidium der Akademie der Wissenschaften unter Sergei Vavilov eingerichtet. Die Zersplitterung der Kernforschung soll vermieden werden. Deutsche Emigranten Fritz Houtermans und Alexander Weissberg, die am Charkover Phystech arbeiten, werden zusammen mit anderen Charkovern Physikern verhaftet. Houtermans und Weissberg werden nach Abschluß des deutsch - sowjetischen Nichtangriffsvertrages an Deutschland ausgeliefert. Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Strassmann.

1939 Chariton äußert in einem Vortrag, daß eine Atombombe auf der Basis von Uran235 möglich sei. Chariton und Zeldovich berechnen eine kritische Masse von 10 kg Uran235 oder Plutonium für eine Bombe. Vernadskij etabliert eine Kommission für die Untersuchung der Isotopentrennung in der Akademie der Wissenschaften.

1940 Flerov und Petrzak entdecken die spontane Uranspaltung. 1. Isotopenkonferenz der Akademie der Wissenschaften. Weitgehender Veröffentlichungsstop in den USA in Bezug auf Kernforschung. Bildung einer Kommission unter der Leitung Chlopins. Diese Kommission soll Wege der Isotopentrennung und Anreicherung herausbekommen, sowie ein Plan zur Erreichung einer Kettenreaktion errichten. Sowjetische Kernphysiker schreiben an die Akademie der Wissenschaften (AW), daß die Atomforschungen keinen Aufschub mehr dulden, dabei wird auf die militärische Bedeutung hingewiesen. Mittel für den Bau eines Versuchsreaktors auf der Basis von Natururan sollten zur Verfügung gestellt werden. Urankommission der AW legt ihren Forschungsplan vor. Die Möglichkeiten einer Kettenreaktion sollten geprüft, die Methoden der Isotopentrennung weiter erforscht und die Suche nach Uranerz verstärkt werden. Brief Zemenovs an das Volkskommissariat für Schwerindustrie: Es solle sich für den Bau einer Atomwaffe einsetzen.

1941 Der Magnet für das große Zyklotron am Leningrader Phystech wird fertiggestellt. Die deutsche Wehrmacht überfällt die Sowjetunion. Unterbrechung der Kernforschungen. Das Leningrader Phystech wird nach Kazan evakuiert. Kapiza äußert sich skeptisch über den möglichen Einsatz einer Atombombe während des Krieges. Erste Spionagemeldungen aus London über dortige Arbeiten an einer Uranbombe. 1942 Auswertung der Geheimdienstinformationen zu britischen Kernforschungen; bald darauf wird beschloßen, daß eine eigene Organisation für Atomspionage aufzubauen. Forderungen von sowjetischen Physikern zum Bau der Uranbombe. Kurchatov wird gefragt, ob er die Leitung des des Uranprojekts übernehmen will; diese Frage beantwortet er mit einem "Ja". Enrico Fermi gelingt die erste kontrollierte Kettenreaktion im "Chicago Pile Number One".

1943 Aufnahme des Charkover Phystechs (Laboratorium Nr.1) in das Uranprojekt.

1944 Pomeranchuk entwickelt Formel für die kritische Masse des Reaktors. Gewinnung erster bedeutsamer Mengen reinen metallischen Urans.

1945 Erste Graphitproben mit der nötigen Reinheit für einen Reaktor hergestellt. Der erste Test einer Atombombe findet in den USA statt! Bombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. 1946 Industrielle Herstellung von Graphit mit reaktortauglicher Reinheit sichergestellt. Erste kontrollierte Kettenreaktion in der Sowjetunion in einem graphitmoderierten Reaktor. 1947 Erste Berechnungen zu einem Schwerwasser - Reaktor auf der Basis von Natururan durch Pomeranchuk und Galanin. Später starten Nikitin und Kollegen den ersten Schwerwasser - Reaktor. Erste Produktion von Plutonium im Brutreaktor (bei Tscheljabinsk). 1948 Beschluß des sowjetischen Ministerrats, die Atombombe nicht später als bis zum 1.12.1949 fertigzustellen. Inbetriebnahme des ersten Industriereaktors. 29.08.1949 fand der Test der ersten sowjetischen Atombombe statt!!!

1953 12.08.1953 : Zündung der ersten sowjetischen Wasserstoffbombe!!! Nuklear- und Kernwaffenunfälle

27. Juli 1956: Broken Arrow 1 Luftwaffenbasis Lakenheath, England Ein amerikanischer B - 47 Bomber eines amerikanischen Geschwaders geriet bei einer Routineübung auf dem Flugplatz der Royal Air Force in Lakenheath, 30 km nördlich von Cambridge, ins Schleudern und kam von der Landebahn ab. Er ging in Flammen auf und krachte in einen Munitionsbunker, in dem drei Mark - 6 -Atombomben gelagert waren, von denen jede 3,6 t TNT als Teil des zur Zündung der nuklearen Kerne notwendigen Mechanismus enthielt. Zwar bestand nicht die Gefahr einer Kernexplosion, da die Bomben nicht scharf waren, aber bei der Explosion des TNT wäre Plutonium in die Atmosphäre gelangt und über ein weites Gebiet verstreut worden.

22. Mai 1957: Broken Arrow 2 Luftwaffenbasis Kirtland, New Mexico Ein B - 36 Bomber mit einer Besatzung von 13 Mann transportierte eine H - Bombe von der Luftwaffenbasis Biggs in Texas nach Kirtland, einer Lauftwaffenbasis, am südlichen Stadtrand von Albuquerque. Um 11.50 Uhr geriet das Flugzeug in einer Höhe von 520 m in eine Turbulenz, genau in dem Augenblick, als ein Offizier den Stift entfernte, der die Bombe in ihrer Halterung sicherte. Es war damals üblich, dan Sicherungsstift bei Starts und Landungen zu entfernen, damit die Bombe im Notfall abgeworfen werden konnte. Laut Aussage des Funkers, verlor der Offizier das Gleichgewicht und griff, als er sich festhalten wollte, nach dem Mechanismus, mit dem der Bombardier die Bombe aus ihrer Halterung löst. Die Bombenklappen waren zwar geschlossen, wurden jedoch von der Bombe durchschlagen und abgerissen. Die 19000 kg schwere 10 - Megatonnen - Bombe, eine der größten H - Bomben, die je gebaut wurden, stürzte 520 m in die Tiefe. Auf dieser kurzen Distanz konnten die Fallschirme ihre Bremswirkung nicht vollkommen auswirken. Die Bombe landete etwa 7 km südlich des Kontrollturms von Kirtland. Durch den Aufschlag detonierten die konventionellen Sprangköpfe der Bombe, töteten eine Kuh und rissen einen Krater von 3,6 m Tiefe und 7,6 m Breite in ein unbebautes Stück Land. Bei Bergungs- und Aufräumarbeiten derArmee wurden jenseits des Kraterrands keine Radioaktivität festgestellt. Es wurde ausgesagt, daß nicht die nötigen Materialien zum Scharfmachen der Bombe an Bord waren.

11. September 1957, Rocky Flats, Colorado Die Anlage von Rocky Flats wurde 1952 heimlich gebaut, und liegt nur 26 km nordöstlich von Denver entfernt. Im Umkreis von 50 km um die Fabrik lebten fast zwei Millionen Menschen. In der Anlage wird Plutonium für Atomsprengköpfe aus alten Sprengköpfen wiedergewonnen und aufbereitet, um daraus neue Bomben zu machen. Beide Tätigkeiten sind äußerst gefährlich. Die Handhabung von Plutonium ist sehr schwierig. Es oxidiert sofort, wenn es mit Sauerstoff in Berührung kommt, und die Reaktion ist besonders heftig, wenn es in Form feiner "Späne" vorliegt. Als Oxid kann es extrem kleine Partikel bilden, die manchmal nur aus einem Molekül bestehen. Die Partikel sind nur schwer aus der Luft zu filtern und deshalb extrem gefährlich für den Menschen, da Plutonium dann am gesundheitsschädlichsten ist, wenn es eingeatmet wird. In der Lunge kann schon eine Menge von wenigen Milliardstel Gramm tödlich sein! Am Abend des 11. September 1957 brach das Gebäude Nr. 771 der Anlage ein Feuer aus. In einem Strahlenschutzkasten war es zu einer Selbstentzündung von Plutoniumspänen gekommen. In Strahlenschutzkästen verarbeiten Angestellte mit bleigefütterten Handschuhen das Plutonium. Die leicht entzündlichen Plexiglaswände eines Kastens hatten Feuer gefangen, und als die Arbeiter versuchten, den Brand zu löschen, kam es zu einer Explosion. Die Explosion riß alle 620 Filter in die Ventilatoren des Gebäudes aus den Halterungen, und dicke Wolken schwarzen Rauches gelangten in die Außenluft. Sie enthielten 14 bis 20 kg brennenden Plutoniums in Form von radioaktiven Partikeln. Über zehn Jahre später, am 11.Mai 1969, brach in der Fabrik erneut ein Großfeuer aus. Seit 1957 waren nur wenige Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, das zweite Feuer hatte deshalb ein ähnliches Ende wie das erste. Plutoniumsplitter hatten sich auf einem Fließband in einem Strahlenschutzkasten selbst entzündet. Wider wurde die Situation durch das leicht entzündliche Material des Kastens verschlimmert. Das Feuer gilt bis heute als schlimmster Unfall in der Geschichte der Fabrik. Es verursachte einen Schaden von 50 Millionen Dollar und legte sechs Monate lang die gesamte Kernwaffenproduktion der USA lahm. Im Jahr 1974 kaufte die Regierung Tausende von Hektar verseuchten Bodens im Osten und Südosten von Rocky Flats auf, und weitere Tausende erwarb sie nach einem Gerichtsverfahren im Jahr 1985, bei dem sie sich einverstanden erklärt hatte, für plutoniumverseuchte Gebiete in der Nähe der Fabrik neun Millionen Dollar zu bezahlen!

10. Oktober 1957: Windscale, Sellafield, England Anfang 1946 waren die britischen Atomwissenschaftler von der Arbeit am Manhattan - Projekt in Los Alamos zurückgekehrt. Auch ihre Mitarbeit an Kanadas zivilem Reaktorprogramm am Chalk River war beendet. Die USA hatten ihr Atomforschungsprogramm inzwischen so umorganisiert, daß Großbritannien von Informationen abgeschottet war und kein spaltbares Material mehr bekam. Da Großbritannien entschlossen war, auf eigene Faust Atomwaffen herzustellen, mußten sie Plutonium auf jeden Fall erhalten. Aus diesem Grund wurden in einer alten Munitionsfabrik in Sellafield hastig zwei Anlagen zur Plutoniumproduktion gebaut. Die Fabrik erhielt den Namen Windscale und bestand aus zwei einfachen, luftgekühlten Atommeilern mit Natururan als Brennstoff, das in einem Graphitblock eingeschlossen war und zur Umwandlung in Plutonium 239 mit Neutronen beschossen wurde. Das Graphit diente als Moderator. Es bremste die Neutronen ab und erhöhte so die Möglichkeiten, daß sie mit einem Urankern kollidierten. Der Moderator entwickelte jedoch eine seltsame Eigenschaft: Durch die Neutronen wurden Kohlenstoffatome aus ihrer normalen Position in den Graphitmolekülen geschossen, der Graphit änderte seine Struktur und speicherte Energie (Wignerenrgie). Die Notwendigkeit, diese Energie auf kontrollierte Weise abzuführen, wurde im September 1952 erkannt, als es zu einer spontanen Entladung der Energie kam. Glücklicherweise war der Reaktor zu dieser Zeit nicht im Betrieb. Kontrollierte Entladungen wurden in der Folge dadurch herbeigeführt, daß man das Graphit erhitzte. Man setzte dadurch im Meiler eine Kernreaktion in Gang und schaltete dabei die Ventilatoren ab, die den Reaktor kühlen. Dieses Verfahren wurde auch am 7. Oktober 1957 angewandt, nachdem man mit der Abführung der Wignerenergie länger als üblich gewartet hatte. Die Ventilatoren wurden abgeschaltet, und der Reaktor wurde kritisch gemacht, damit er sich über Nacht erhitzen konnte.

Am nächsten Tag sollte er abgeschaltet werden. Die Temperaturfühler im Reaktorkern schienen jedoch anzuzeigen, daß sich die Wignerenergie nicht im vollem Unfang entladen hatte. Der Reaktor wurde deshalb erneut erhitzt. Diesmal zeigten die Fühler ein ungewöhnlich schnelles Ansteigen der Temperatur an, der Reaktor wurde also wieder heruntergefahren. Am 9. Oktober schien alles normal, mit einer Ausnahme: In einem Teil des Kerns stieg die Temperatur unaufhörlich an. Einen Tag später wurden die Ventilatoren eingeschaltet. Die Temperatur sank im ganzen Reaktor, mit Ausnahme der heißen Stelle im Kern, an der sie weiter zunahm. Ungefähr zur gleichen Zeit registrierten die Meßgeräte in den Filtern des 150 m hohen Schornsteins der Anlage erhöhte Werte der Radioaktivität. Gegen Mittag erfolgte ein weiterer Austritt von Radioaktivität, die jetzt auch von von Meßgeräten in der Umgebung des Fabrikgeländes angezeigt wurde. Man nahm Luftproben und stellte fest, daß deren radioaktivität die normalen Wete um das Zehnfache überstieg. Inzwischen war klar geworden, daß etwas unerwartetes geschehen war. Man vermutete einen geborstenen Brennstab. Versuche, mit einem Scanner in den Reaktorkern hineinzusehen, mißlangen, da der Scanner verklemmte und versagte. Schließlich zogen zwei Mitarbeiter in Strahlenschutzanzügen einen Verschlußstopfen heraus und sahen in das Reaktorinnere. Die Brennstoffkanäle, die sie sehen konnten, standen in Flammen. Die Temperatur war an einer Stelle des Reaktorkerns zu hoch gestiegen. Ein Brennstab war geborsten, und das Uran hatte oxidiert. Dabei ist soviel Hitz frei geworden, daß das Graphit in Brand geriet. Die Ventilatoren, die angeschaltet worden waren, um die Temperatur zu senken, hatten das Feuer noch stärker entfachen lassen. Als das Feuer sein Höhepunkt erreicht hatte, standen drei Tonnen Uran in Flammen. Man versuchte die Brennelemente aus den Reaktor zu ziehen. Das konnte aber nicht schnell genug durchgeführt werden. Man beschloß, den Reaktor mit Wasser zu fluten. Feuerwehr und Polizei wurden alamiert, da man nicht wußte, ob nicht eine Wasserstoff - Sauerstoff - Explosion entstehen könnte. Schläuche wurden in den Reaktorkern eingeführt und das Wasser eingeleitet und es kam zu keiner Explosion. Das Feuer wurde bald unter Kontrolle gebracht. Die Regierung schaltete sich erst einmal nicht ein. Doch später, als man erfuhr, daß es Schäden in der Natur gab, wurde sie aktiv. Zwei Tage später fand man nämlich heraus, daß die in der Gegend produzierte Milch mit dem Radio - Isotop Jod - 131 verseucht war, das die menschliche Schilddrüse schädigt. Einige Millionen Liter Milch von Kühen aus einem Gebiet von über 1000 km² im Umkreis der Anlage wurden in Flüsse und ins Meer geschüttet. Noch Wochen später gaben die Bäche der Gegend einen sauren Geruch von sich. Für so einen Unfall wurden keine Pläne gemacht und keine Vorbereitungen getroffen. So standen die Helfer vor einem neuem Rätsel.

1957/1958: Tscheljabinsk - 40, UdSSR Der Unfall, der Tausende von Quadratkilometern Land im Südural in Rußland verseuchte, hat möglicherweise auch Hunderten von Menschen das Leben gekostet. Alle Informationen über diesen Unfall wurden zurückgehalten, und der Unfall wäre nie bekannt geworden, wenn nicht einige Wissenschaftler Nachforschungen angestellt hätten. In den späten vierziger Jahren begannen die Sowjets mit großer Hast die Plutoniumfabrik Tscheljabinsk - 40 zu bauen. Sie lag etwa 16 km östlich der Industriestdt Kyschtym am Südufer der Kyzyltasch - Sees. Die Atomwissenschaftler standen unter enormen Druck: Sie brauchten eine ausreichende Menge Plutonium, um noch vor Stalins 70. Geburtstag im Dezember 1949 den ersten russischen Atombombentest durchführen zu können. Tatsächlich wurde die Bombe im August 1949 zur Explosion gebracht. Erst im November 1976 erwähnte der emigrierte russische Biochemiker Zhores Medwedjew in einem Artikel, auch nur nebenbei, eine Katastrophe im Ural. Diese Aussage weckte großes Interesse, und Medwedjew und andere Wissenschaftler begannen Nachforschungen anzustellen. Dabei stießen sie auf eine Menge Untersuchungen sowjetischer Ökologen, aus denen hervorging, daß Seen, Böden und über 200 Tier- und Pflanzenarten in einem nicht genannten Gebiet von mehreren tausend km² radioaktiv verseucht worden waren.

Außerdem fanden sie heraus, daß bei dem Unfall offensichtlich die Lagerung atomarer Abfälle eine Rolle gespielt hatte, wie sie sich bei der Herstellung waffenfähigen Plutoniums anfallen. Die fünf in den sowjetischen Untersuchungen erwähnten Radio - Isotope Strontium - 90, Ruthenium - 106, Cäsium - 137, Cerium - 144 und Zirkonium - 95 sind für hochradioaktiven flüssigen Atommüll, der nach der Entfernung aus dem Reaktor ein bis zwei Jahre lang zerfallen ist, charakteristisch. Nach und nach fügten sich die einzelnen Erkenntnisse zu einem Bild. Der Unfall war mit großer Wahrscheinlichkeit im Dezember 1957 oder Anfang Januar 1958 passiert, denn am 9. Januar hatte Radio Moskau einen großen Teil seiner Sendezeit Berichten über die Strahlenkrankheiten gewidmet und eine detaillierte Liste vorbeugender Maßnahmen bekanntgegeben. Dies wurde von Sowjetbürgern bestätigt, die zur fraglichen Zeit in der Unfallregion gewesen und Zeugen der Auswirkungen des Unfalls geworden waren. Offensichtlich hatte die Regierung die schnelle Evakuierung der Städte der Umgebung angeordnet, und Erholungsheime und Hotels waren als Katastrophenhospitäler umgewandelt worden. Riesige Mengen Nahrungsmittel wurden vernichtet, unverseuchte Nahrung wurde über weite Entfernungen herantransportiert. Wie zu Kriegszeiten waren die Lebensmittel rationiert. Das Gebiet wurde von der Außenwelt abgeriegelt. Die wichtigste Straße wurde neun Monate gesperrt. Über die genaue Ursache der Katastrophe besteht immer noch keine Klarheit. Medwedjew hällt eine konventionelle chemische Explosion, die durch die Bildung von Gasen in der Umgebung heißen radioaktiven Mülls verursacht worden sei, für die wahrscheinlichste Erklärung. Die in den fünfziger Jahren beim Umgang mit Atommüll angewandten Verfahren waren primitiv, und es wurden gern "Abkürzungen" genommen, um Zeit zu sparen.

11. März 1958: Broken Arrow 3, Florence, South Carolina Eine Staffel von B - 47 Bombern, die auf der bei Savannah in Georgia gelegenen Luftbasis Hunter stationiert war, bereitete sich auf ein Manöver vor. Die Operation trug den Codenamen "Snow Flurry"; die Maschinen sollten eine der vier US - Luftwaffenbasen in Nordafrika unter gefechtsmäßigen Bedingungen anfliegen. Wie die anderen Maschinen der Staffel hatte auch Nr. 876 eine echte Atombombe an Bord, von der Besatzung "Schwein" genannt. An Bord befand sich außerdem in einem verschlossenen Sicherheitscontainer ein steckerartiger Zündmechanismus, mit dem die Waffe scharfgemacht werden konnte, wenn ein bestimmtes Codesignal empfangen und bestätigt wurde. Kurz nach dem Start, in einer Höhe von etwa 4200 m, löste sich die Bombe aus ihrer Halterung und durchschlug die Bombenklappen. Die Bombe fiel in einen Garten einer Familie eines kleinen Dorfes in South Carolina. Die Bombe riß einen Krater von 11m Tiefe und 23 m Breite. Der chemische Zünder des nuklearen Sprengkopfs war mit einer Sprengkraft von mehreren hundert Kilogramm TNT explodiert. In der gewaltigen Hitze war der atomare Kern der Bombe verdampft und hatte das Gelände um den Bodennullpunkt mit Plutonium verseucht. Durch die Druckwelle der Explosion gerieten im Umkreis von 1,5 Kilometern Autos außer Kontrolle, Bäume wurden umgeworfen und Häuser beschädigt. Die Familie, in deren Garten die Bombe gefallen war, verlangte 300000 Dollar als Entschädigung, erhielt aber knapp ein Sechstel, 54000 Dollar, davon. Natürlich geschahen noch viele andere Unfälle. Die sind am Ende in einer Zeittafel, die auch noch andere andere Ereignissen aufweist,verzeichnet.

Bundesrepublik Deutschland und der Atomwaffensperrvertrag

Chronologie der deutschen Atompolitik bis zum Atomwaffensperrvertrag NPT (NonProfileration Treaty) 1954-1970

1954 23.10.1954: Adenauer erklärt im Rahmen der Pariser Verträge den Verzicht auf Atomwaffenproduktion innerhalb der Bundesrepublik. Dieser Verzicht berührt nicht den Besitz oder die Verwendung der Atomwaffen sowie die Herstellung von Atomwaffen auf dem Staatsgebiet fremder Länder. Die Erklärung Adenauers schafft die Voraussetzung, eine eigene Atomindustrie aufzubauen. Noch während der Pariser Konferenz macht Adenauer keinen Hehl daraus, daß für ihn dieser Verzicht nur so lange bindend ist, wie die Umstände unter denen er zustande kam, sich nicht ändern. (1)

1955 22.06.1955: Die USA schließen mit den NATO-Staaten ein Abkommen über die "Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Atominformation" das u.a. "die Ausbildung von Personal im Einsatz von Atomwaffen" regelt. (4)

20.101955: Strauß wird Atomminister

1955/56 Seit 1955 werden Pressemeldungen lanciert, wonach früher oder später eine nukleare Bewaffnung der in Gründung befindlichen Bundeswehr vorgesehen sei - "seit September 1956 hörten in den Tageszeitungen der BRD die Diskussionen über Atomwaffen für die Bundeswehr nicht mehr auf." (2) Ende 1956 zeigte sich seitens der USA erstmals eine gewisse Bereitschaft, den europäischen Verbündeten taktische Atomwaffen zu liefern.

1956 Juli 1956: Gründung des Kernforschungszentrums Karlsruhe, d.h. Übernahme einer bei den Atommächten aus den Erfordernissen der Bombenproduktion heraus entstandenen Organisationsform. Der Physiker Heisenberg: "Es beunruhigte mich, daß für die Menschen, die hier ( im Kernforschungszentrum K.) wichtige Entscheidungen zu treffen hatten, die Grenzen zwischen friedlicher Atomtechnik und atomarer Waffentechnik fließend waren..." (3)

19.10.1956: Strauß wechselt vom Atom- in das Verteidigungsministerium. 1957 Januar 1957: Strauß vereinbart mit dem französischen Verteidigungsminister BourgesMaunoury eine Reihe von Abkommen zur Förderung einer engeren französisch-deutschen Zusammenarbeit bei der Herstellung "moderner Waffen". (1)

29.01.1957: Strauß erklärt gegenüber Physikern, daß "eine große atomare Aufrüstung der europäischen NATO" notwendig sei. (2)

22.02.1957: Das Adenauer-Kabinett legt einen Entwurf für das bundesdeutsche Atomgesetz vor, in dem der Hinweis "für friedliche Zwecke" weggelassen wird. (4)

25.03.1957: Gründung der europäischen Atomgemeinschaft. Für die BRD gibt es eindeutige Hinweise dafür, "daß spätestens seit der Ernennung von Strauß zum Verteidigungsminister, etwa im Oktober 1956, die Bundesregierung den Euratomvertrag schwerpunktmäßig unter dem Aspekt der militärischen Nutzung behandelte und die Möglichkeit erwog, auf der Sechser-Ebene in der Gemeinschaft oder national Atombomben herzustellen." (5) Seitens des bundesdeutschen Verteidigungsministeriums wurde insbesondere ( und mit Erfolg) auf den Austausch militärischer Atompatente im Rahmen des Euratomvertrages Wert gelegt. (5) Frankreich trat in die Euratom ohnehin nur mit Vorbehalt ein, um ein eigenes Atomwaffenprogramm in die Wege leiten zu können. Daher sah man "in den Plänen einer atomaren Zusammenarbeit der westeuropäischen Staaten, zumindest im zivilen Sektor, eine Möglichkeit, die erforderlichen Lasten zu verteilen und dennoch im militärischen Bereich die französische Selbständigkeit zu bewahren... Die atomare Organisation der westeuropäischen Staaten sollte das französische Programm ergänzen und unterstützen". (6)

05.04.1957: Adenauer erklärt in seiner berühmten Pressekonferenz (die in der Folge die Bewegung "Kampf dem Atomtod" nach sich zog): "Unterscheiden Sie doch die taktischen und die großen atomaren Waffen. Die taktischen Waffen sind nichts weiter als eine Weiterentwicklung der Artillerie. Selbstverständlich können wir nicht darauf verzichten, daß unsere Truppen auch in der normalen Bewaffnung die neueste Entwicklung mitmachen..." (2)

02.07.1957: Wegen des ergänzten Zusatzes "für friedliche Zwecke" wird die Verabschiedung des Atomgesetzentwurfs von dem Adenauer-Kabinett und weiteren 44 Parlamentariern per Stimmenthaltung verhindert, da, so der damalige CDU/CSU Bundestagsfraktionsvorsitzende Krone, "in der Begründung der beiden Gesetze Formulierungen enthalten sind, die weit über das hinausgehen, was für eine wahre deutsche Sicherheitspolitik gut ist." (7)

27.08.1957: Auf die Frage eines Journalisten, ob der 1954 auferlegte Atomwaffenverzicht aufrechterhalten werde, antwortet F.J. Strauß: "Jeder Verzicht wird unter der Voraussetzung ausgesprochen, daß von Zeit zu Zeit zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen unter denen dieser Schritt erfolgt ist, noch zutreffen... Um ganz offen auszudrücken, woran ich denke - aber nicht nur ich, sondern auch viele meiner Freunde: Das ist eine europäische Atomstreitmacht (...) Diese Atommacht müßte und könnte einer europäischen Regierung unterstellt werden." (3)

19.12.1957: Die NATO-Ministerkonferenz beschließt die Weitergabe von US- Mittelstreckenraketen und en Aufbau von Atomsprengkopflagern in Westeuropa, die - unter USVerschluß gehalten- "im Ernstfall" den NATO-Verbündeten "sofort verfügbar" sein sollen. (2) 1958 25.03.1958: Eine sichere Bundestagsmehrheit beschließt die Aufrüstung der Bundeswehr "mit modernsten Waffen" (Atomwaffen). (2)

Ende März 1958: Die Bundesregierung billigt bedenkenlos das NATO-Dokument MC 70, das einen genau bezifferten Plan für die Aufnahme von "Träger- bzw. Abschußmittel für Atomsprengkörper" in der BRD bis zu einem festgesetzten Zeitpunkt (1963) enthält. (2)

31.10.1958: Die USA erklären, ihren Alliierten Informationen für die Entwicklung von, für die Atomkriegsführung, geeigneten Waffen zugänglich zu machen, wobei " den Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit in der Entwicklung und Produktion von militärischen Reaktoren besondere Bedeutung" beigemessen werden. (8)

1959 Wolf Häfele, später Leiter des Projekts "Schneller Brüter", reist von Karlsruhe aus zu einem einjährigen Forschungsaufenthalt in das US-Atomforschungszentrum Oak Ridge (dort hatte man einst den Rohstoff für die Hiroshima-Bombe hergestellt. (3)

05.05.1959: Im Rahmen eines "Abkommens über die Zusammenarbeit bei der Nutzung der Atomenergie für Verteidigungszwecke" wird die Ausbildung von BRD-Soldaten an USAtomwaffen geregelt. (9)

03.12.1959: Nach Ankündigung der USA, nur nach Verabschiedung eines bundesdeutschen Atomgesetzes weitere Brennstoffelemente zu liefern, kommt es zur Beschlußfassung im Bundestag über das Atomgesetz (einschließlich einer Einschränkung "für friedliche Zwecke"). (10)

1960 SPD-Bundestagsabgeordneter Bechert erklärt im Bundestagsausschuß für Atomenergie (deren Vorsitzender er 1962 werden sollte), "hinter dem Reaktorrummel hätten vorwiegend militärische Zwecke gestanden. Man wollte Plutonium, deswegen sollten Reaktoren gebaut werden." (Im Protokoll ist kein Widerspruch zu dieser Behauptung verzeichnet.) (11) Im selben Jahr ließ auf dem Hannoveraner SPD-Parteitag Willy Brandt keinen Zweifel daran, daß unter seiner Führung die SPD zumindest "eine deutsche Beteiligung an einer Atomstreitmacht der NATO" billigen würde. (12)

Juli 1960: Es erscheint die vertrauliche Heeresdienstvorschrift 132/1 ("Wirkung und Einsatz von Atomsprengkörpern"), in der sich "deutlich die Kenntnis wieder(spiegelt), die die westdeutschen Militaristen bereits über die Atomkriegsführung sowie über die Wirkungsweise und Beschaffenheit von Atomwaffen besitzen." (4)

August 1960: Die Bundeswehrführung drängt nach Nuklearbewaffnung der Bundeswehr. In einer Sonderbeilage der "Informationen für die Truppe" wird konstatiert: "Bei einem einseitigen Verzicht auf atomare Bewaffnung der Schildstreitkräfte kann die Bundesrepublik nicht verteidigt werden... Die Bundeswehr... kann weder auf die allgemeine Wehrpflicht, noch auf die Zugehörigkeit zur NATO, noch auf die atomare Bewaffnung verzichten..." (13)

1961 27.11.1961: Strauß fordert in Washington gemeinsame Kontrolle und Entscheidungsgewalt über die nuklearen Waffen im NATO-Rahmen. (1)

29.12.1961: In seiner Regierungserklärung fordert Adenauer die "baldigst mögliche" Etablierung der NATO-Nuklearstreitmacht. (1)

1962 16.11.1962: Als "Verteidigungsausgaben im weiteren Sinne" bezeichnet die "Zeit" die staatlichen Finanzspritzen zum Aufbau eines BRD-Atomenergieprogrammes. 1963 Die USA winken mit größerem Nachdruck mit dem Projekt einer Multilateralen Nuklearflotte, genannt MLF (25 Schiffe, bestückt mit Polaris-Atomraketen, finanziert zu 40% von der BRD), wobei die Frage nach der politischen Kontrolle über die Atomwaffen unklar bleibt. (1) Vorgesehen waren 25 schwimmende Abschußbasen mit je acht "Polaris- A 3"-Raketen -jede mit einer Sprengkraft von 35 Hiroshima Atombomben, Reichweite der Geschosse 4.500 km, eine Entfernung von Island bis nach Moskau. "Zusammen werden die 25 MLF-Atomfrachter rund zehnmal soviel Vernichtungskraft unter den Luken lagern wie die gesamte Bombenlast, die während des Zweiten Weltkriegs von Bombenfliegern aller beteiligten Kriegsmächte ausgeklinkt wurden." (Spiegel, 45/1964)

25.03.1963: Verteidigungsminister v. Hassel erklärt in einem FAZ-Gespräch, nur in der Anfangsphase der geplanten MLF ein US-Vetorecht über die Atomwaffen hinnehmen zu wollen: "Sobald aber sichtbar werde, daß die multilaterale Streitmacht tatsächlich ein militärisches Instrument werde, müsse es möglich sein, den amerikanischen Partner vom Veto abzubringen und den Mehrheitsbeschluß für die politische und militärische Nutzung dieser Streitmacht herbeizuführen."

Mitte 1963: Die BRD erhält die ersten nur nuklear bestückten Kurzstreckenraketen. (2)

1964 Auf dem Karlsruher SPD-Parteitag setzen sich Brandt, Erler und H. Schmidt "vorbehaltlos" für das Projekt einer multilateralen Atomstreitmacht ein. (12)

Februar 1964: Es wird (anstelle eines Abkommens vom 22.06.1955) ein neues "Übereinkommen zwischen den Parteien des Nordatlantikvertrages über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Atominformation" abgeschlossen. (4)

1965 Juni 1965: Bundestagspräsident Gerstenmaier erklärt, die BRD brauche den gleichen Status wie Frankreich und Großbritannien. " Das sei keineswegs archaischer Nationalismus, denn nur mit einem solchen Rang könne die Bundesrepublik einen angemessenen materiellen und geistigen Beitrag zur Sicherung der Allianz leisten. Und nur mit dem Rang einer größeren Macht könne sie ihren Anspruch auf deutsche Wiedervereinigung wirkungsvoll vertreten." (1)

03.07.1965: In einem Interview mit den "Düsseldorfer Nachrichten" droht Außenminister Schröder mit dem "Erwerb eigener Atomwaffen", falls die in Aussicht gestellte MLF unter Beteiligung der BRD nicht zustande kommt. Diese Erklärung wird nachgedruckt im Bulletin des Presse- und Informationsamtes vom 09.07.1965. (14)

September 1965: Weltweite Empörung provoziert Strauß mit einer Attacke gegen den Atomwaffensperrvertrag, in der mit einem neuen "Führer" gedroht wird, falls die BRD ohne Atomwaffen bleibt: "Für jeden vernünftig Denkenden allerdings muß ein Deutschland, dem man noch einmal eine Art "militärisches Versailles" aufoktroyieren würde und das dann als drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt diskriminiert zwischen Ost und West stünde, nur als ein Alptraum erscheinen. Allein nach den geschichtlichen Erfahrungen könnte man sich ausrechnen, wann ein neuer Führertyp einem derartig behandelten Deutschland Atomwaffen oder schlimmeres versprechen oder wohl auch verschaffen würde." (Spiegel, 38/65)

19.11.1965: Die "Frankfurter Rundschau" berichtet: "Die Bundesrepublik könnte nach Mitteilung des ,Instituts für strategische Studien' in London pro Jahr 186 kleine Atombomben des NagasakiTyps herstellen, wenn sie alle Leistungs- und Forschungsreaktoren, die gegenwärtig für friedliche Zwecke arbeiten, auf die Produktion von Plutonium umstellen würde."

Dezember 1965: "Der Spiegel" berichtet: "Zweimal im Jahr müssen die deutschen Piloten auf dem sardinischen Flugplatz Decimomannu in jeweils drei Anflügen eine Übungsbombe im simulierten Atombombenabwurf ins Ziel bringen. Zum Abwurf dreht der Bomber immer einen ,Immelmann-Turn' und wirft aus der Drehung die Bombe seitlich ins Ziel... Ein deutscher Pilot zum "Spiegel": "Wenn wir im Kriege diese Figur fliegen, weiß der Russe unten am Flak- Geschütz, daß in 30 Sekunden der große Blitz niedersaust - selbst wenn es ihm gelingen sollte, uns abzuschießen." (Spiegel , 50/67)

1966 Mai 1966: Aus Norwegen kauft die Bundesrepublik 6.000 Atombomben-Atrappen für Übungszwecke innerhalb der Bundeswehr.

1967 06.12.1967: Schröder, Verteidigungsminister der großen Koalition, erklärt: "Eine deutsche Beteiligung an den taktischen Atomwaffen ist notwendig, damit an allen Frontabschnitten, auch an denjenigen, die den deutschen Truppen zugewiesen sind, Trägermittel für atomare Sprengkörper vorhanden sind... Die deutschen Streitkräfte müßten bei gleichem Auftrag und im gleichen Operationsgebiet mit gleichen Waffen wie die Truppen der Verbündeten ausgestattet sein." (13) (vgl. Meldung vom August 1960)

1970 Im Weißbuch der sozialliberalen Bundesregierung heißt es: "Jedoch muß die Bundeswehr mit Trägermitteln für nukleare Waffen ausgerüstet sein, solange der potentielle Gegner und die Streitkräfte der Verbündeten darüber verfügen. Andernfalls könnte die Bundeswehr nicht in der gleichen Weise kämpfen wie der Gegner und die eigenen Bundesgenossen. Deshalb sind Luftwaffe und Heer mit Trägermitteln für Atomwaffen ausgestattet." (13) Anmerkungen

(1) D. Mahnke, Nukleare Mitwirkung, Berlin 1972, S. 6, 26, 50, 57, 107, 111, 112 (2) H. Rupp, Außerparlamentarische Opposition in der Ära Adenauer, Köln `80 S. 35-42 (3) R. Kollert u.a. Kalkar-Report, Ffm 1983, S. 124-130. (4) DDR-Außenministerium, Das Bonner Kernwaffenkartell, Berlin 1969, S. 28 u. 36 (5) C. Deubner, Die Atompolitik der westdeutschen Industrie und die Gründung von Euratom, New York 1977, S. 72 u. 122 (6) H. Kramer, Nuklearpolitik in Westeuropa und die Forschungspolitik der Euratom, Köln 1976, S. 71. (7) Bundestagsprotokoll (Stenographischer Bericht) 1957, Bd. 38., S. 13044 (8) Europaarchiv (EA), 20.04.1958, S. 52 (9) J. Glasneck, Zur Genesis des Kernwaffenkomplotts USA - Westdeutschland (1958-1965), Halle 1967, S. 10690 (10) Bundestagsprotokoll (Stenographischer Bericht) 1959, Bd. 44, S. 5040 (11) J. Radkau , Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft, Reinbek 1983, S. 190 (12) A. Ashenasi, Reformpartei der Außenpolitik, Opladen 1968, S. 194 u. 199 (13) K. v. Schubert, Sicherheitspolitik der BRD, Köln 1979, S. 33 ff., 147 u. 233 (14) EA, Folge 15/1965

Die historische Entwicklung des NPT und der Beitritt der BRD Die USA hatte nach ihrer Entdeckung der Kernspaltung zuerst auf Geheimhalten, dann auf die Anwendung ziviler Zwecke gesetzt. Mit der Verbreitung der Atomtechnologie in anderen Ländern begann die USA auf Abkommen, die für den Frieden zwischen den Ländern und gegen die Verbreitung von Atomwaffen, sein sollten. Den ersten Textentwurf legte die USA schon im August 1965, nach dem Abkommen über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre zwischen den USA, der UdSSR und Großbritannien, vor. Im Gegenzug legte die Sowjetunion im September einen eigenen Entwurf des NPT vor. Ihr Interesse lag vor allem in der internationalen Verpflichtung der BRD, keine Atomwaffen zu produzieren oder zu erwerben. Die BRD hatte vorher ja nur den Westmächten gegenüber auf die Atomwaffen verzichtet. (1954) Die Sowjetunion sah sich in ihren Befürchtungen über eine Atomrüstung der BRD auch darin bestätigt, daß der damalige Außenminister Schröder nur bei der Errichtung einer multilateralen Atomstreitmacht unter Mitwirkung der BRD auf die Atomwaffen verzichte. So war es das Bestreben der Sowjetunion, durch den NPT auch nukleare Gemeinschaftslösungen für die BRD zu verhindern.

Ab Ende 1966 gaben die USA auch in diesem Punkt nach und verzichteten auf Formulierungen, die eine multilaterale Streitmacht unter dem NPT zuließen. Dadurch verloren die Deutschen die Hoffnung trotz des Atomverzichts durch Gemeinschaftslösungen trotzdem noch eine Machtpolitik zu betreiben.

Das zivile Atomprogramm der BRD war 1966 so weit fortgeschritten, daß sie als "Schwellenmacht" (also an der Schwelle zur Atommacht) bezeichnet wurde. In der großen Koalition gab es verschiedene Auffassungen zum NPT. Die SPD war bereit auf nuklearen Mitbesitz zu verzichten, unter der Bedingung, daß der NPT eine spätere gemeinsame Atommacht ("Europäische Option") nicht verhindere.

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen und hartnäckigen Konsultationen mit den USA erreichte die Bundesregierung folgende wichtige Abschwächung des NPT:

-eine zeitliche Beschränkung der Gültigkeit des NPT (bis 1995).
-das Offenhalten der "Europäischen Option", allerdings nur für einen europäischen Bundesstaat, der mindestens eine der europäischen Atommächte umfaßt, und vollständig integrierte Streitkräfte sowie eine gemeinsame auswärtige Sicherheitspolitik hat (dies wurde durch eine Interpretation der USA festgelegt, der die UdSSR stillschweigend zustimmte).
-die Sicherheitskontrollen in Westeuropa erfolgen nicht im wesentlichen durch die IAEO, sondern durch die Euratom. Die IAEO überprüft lediglich die Modalitäten der Euratom- Überwachung.
-die Aufnahme von Artikel IV (Verpflichtung zur Erleichterung des weitestmöglichen

Austausches von Material, Ausrüstung und Know-how bei der zivilen Kernenergienutzung) und Artikel V (Weitergabe von möglichen Vorteilen aus friedlichen Kernsprengungen an Nichtkernwaffenstaaten) in den NPT.

Weitere, speziell der BRD gegenüber abgegebene US-Interpretationen sind:

-der Vertrag wird restriktiv ausgelegt, d.h. alles was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt.
-im Falle der Entscheidung einen Krieg zu beginnen, ist der Vertrag nicht mehr länger bindend.
-der Transfer von Nuklearsprenkörpern ist zwar verboten; nicht aber der Transfer von nuklearen Trägersystemen oder der Kontrolle über sie, sowie "Konsultationen und Planungen der nuklearen Verteidigung" unter den NATO Verbündeten.

Der Vertrag wurde am 28.November 1969, nach dem Regierungswechsel unter der sozialliberalen Koalition von der Bundesregierung unterzeichnet, das Verifikationsabkommen zwischen Belgien, Dänemark, der BRD, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Euratom und der IAEO am 5.April 1973. Beide wurden am 20.Februar 1974 ratifiziert. Zur Klarstellung muß noch erwähnt werden, daß sich der NPT nur auf Kernsprengungen bezieht. Alle anderen militärischen Nutzungen ( Antrieb von Kriegsschiffen; Stromerzeugung von militärischen Anlagen; Verwendung von Kernmaterial in konventionellen Waffen; selbst die Verwendung von Atommüll als Kontaminationswaffe) sind erlaubt, da es zu keiner nuklearen Sprengung kommt.

Three Mile Island

Three Mile Island ist eine Insel im Susquenna River, rund 16 km flußabwärts von Harrisburg, der Hauptstadt Pennsylvanias mit 60000 Einwohnern. Diese Gegend liegt ungefähr 300 km von New York entfernt und ist eine Gegend, die hauptsächlich durch ihre Landwirtschaft am Leben erhalten wird.

Das größte Unglück, welches jemals in einem kommerziell geführten Amerikanischen Atomreaktor passierte, begann am 28. März 1979.

Hier handelt es sich um einen 1000 MW Druckwasserreaktor, welcher von einer Firma B.&W. auf der Insel gebaut worden war. Betreiberfirma war MetropolitanEdison (MetEd), eine Tochterfirma eines großen Kraftwerkeigners.

Block 2 dieses Reaktors arbeitete zum Zeitpunkt des Unfalls erst seit knapp 3 Monaten. Der Reaktor hatte zwar bis zum Zeitpunkt der Katastrophe schon einige Pannen hinter sich, doch hatte die Firma, die diesen Reaktor betrieb einige finanziell verständliche Gründe, diesen Block vor dem Abschluß aller Tests schon in Betrieb zu nehmen. Wenn sie nämlich den Reaktor noch im Jahre 1978 ans Netz gehen lassen würden, dann würden ihnen 50 Mio. $ Steuern entfallen und sie könnten die Preise noch etwas höher lassen und dadurch wiederum einen Zusatzgewinn von 40 Mio. $ einstreichen. Also ging Block 2 schon am 30. Dezember 1978 ans Netz.

Die Ereigniskette, die zum Unfall führte, begann am 28. März um 4.00 Uhr morgens.

Block 2 wurde mit voller Leistung gefahren, als im Sekundärkreislauf eine Wasserpumpe ausfiel und als Folge davon schaltete sich die Turbine des Kraftwerks selbständig ab. Obwohl Block 2 keine Elektrizität mehr erzeugte, lief der Reaktor weiterhin mit Vollast. Als die Temperatur im Primärkreislauf stieg, versagten zwei weitere automatische Sicherheitsvorkehrungen: Zunächst öffnete sich ein vorgesteuertes Abblaseventil (PORV) im Primärkreislauf und baute den Druck ab. Dann gab es einen Scram, was heißt daß der Reaktor sich abschaltete. Dies war für die Arbeiter jedoch nichts neues. Schon oft hatten sich Turbine und Reaktor abgeschaltet. Sie wußten auch, daß wenn der Druck weit genug abgesunken war, würde sich das Ventil schließen und das System normal weiterlaufen. Was sie jedoch nicht wußten, war das sich das Ventil verklemmt hatte und der Druck immer weiter abfiel, woraufhin sich der Druckhalter-Abblasetank immer weiter füllte. Kurze Zeit später lief er über und radioaktives Wasser ergoß sich in das Reaktorgebäude. Kurze Zeit nach dem ersten Alarm wegen der Pumpe gab es im Kontrollraum erneut Alarm, was den Arbeitern zeigte, daß es Probleme im Reaktor gab. Allerdings wußten sie nicht warum, denn eine Leuchte zeigte fälschlicherweise an, daß sich das Abblaseventil ordnungsgemäß geschlossen hätte. Das offene Ventil war jedoch nicht das einzige Problem. Notsysteme, die Wasser in den Sekundärkreislauf hätten pumpen sollen, arbeiteten ebenfalls nicht, da man sie zur Wartung abgeschaltet hatte. Die Zettel, die im Kontrollraum darauf hinwiesen, waren so angebracht, daß sie die Warnlampen verdeckten. Zum zweitenmal war dem Personal entgangen, daß ein wichtiges System nicht funktionierte. Da die Notsysteme geschlossen waren, liefen die Dampferzeuger trocken. Somit führte nur noch das Primärsystem, das durch das Abblaseventil rapide an Druck verlor, Wärme aus Reaktorblock 2 ab. (Selbst bei abgeschalteten Reaktor erzeugte die Nachzerfallswärme noch 6% der normalen Reaktorleistung.) Zu diesem Zeitpunkt schaltete sich ein Notsystem ein und pumpte unter hohem Druck Tausende von Litern Wasser in das Primärsystem. Normalerweise hätte dies die Wassertemperatur gesenkt und den Druck im Kühlsystem erhöht. Doch erneut setzte menschliches Versagen ein vermeintlich narrensicheres System außer Kraft: Die Bedienungsmannschaft interpretierte die Situation falsch und schaltete eine der Notpumpen ab. Innerhalb von Minuten sackte der Kühlmittelstand im Primärsystem von Block 2 so tief ab, daß Wasser in Dampf umschlug. Teile des Kerns lagen nun frei, die Temperaturen im Reaktorinnern schnellten in die Höhe, Brennstäbe barsten. Unbemerkt von den Operateuren begann Block 2 zu schmelzen. Radioaktive Gase entwichen in den Himmel.

Über die Strahlungsmenge, die bei dem Unfall damals freigesetzt wurde , ist 10 Jahre nach dem Unfall immer noch nichts genaues herausgekommen. Sicher ist nur, daß viele der Berichte, die nach dem Unfall verfaßt wurden, unverläßlich, verharmlost oder gefälscht waren. Die offiziellen Berichte der Betreiberfirma und einiger Wissenschaftler besagten, daß keine Gefahr bestände, da kaum radioaktiver Fallout in der Umgebung niedergegangen sei.

Einige private Ermittlungen ergaben aber, daß die Anzahl der Schilddrüsenerkrankungen, der Fälle von Krebs, Säuglings- oder Tiersterben in der Umgebung von Three Mile Island deutlich über dem Durchschnitt Amerikas lagen.

Die MetEd wurde damals auf 155.000 $ verklagt, die damals höchste Strafe für so ein Vergehen. Ein Pappenstiel, wenn man überlegt wieviel Gewinn man mit einem solchen Reaktor macht. Schlimmer wird für sie aber die Entsorgung des Reaktorblocks 2. Seit knapp 16 Jahren wird der Kern, der damals fast vollkommen geschmolzen und durch den Sicherheitsbehälter gedrungen war, in langsamer und teurer Arbeit von Hand abgebaut. Insgesamt belaufen sich die Kosten des Unfalls auf rund 2,1 Milliarden $.

Bjelojarsk

Der Atomkomplex Bjelojarsk liegt etwa 15 km von der Stadt Swerdlowsk entfernt. Er besteht aus zwei RBMK-Reaktoren von der Bauart des Reaktors von Tschernobyl und einem neueren Brutreaktor vom Typ BM-600.

Nach dem Bericht der "sozialistischen Industrie" begann das Unglück am 30. Dezember 1978 mit einem Brand, der durch einen Kurzschluß in der Maschinenhalle ausgelöst wurde. Dachträger und Betonpfeiler konnten der Hitze nicht standhalten und brachen zusammen. Als die ersten Arbeiter in die Halle kamen, konnten sie schon den Himmel sehen, da sich die Decke den Pfeilern anschloß. Das Feuer hatte bereits weitere Kurzschlüsse verursacht, die zu Sekundärbränden führten und das automatische Löschsystem lahmlegten. Als die Arbeite den Brand bekämpfen wollten ging das Licht aus.

Jedoch hatten die Arbeiter ein zentrales Problem: Es war vorgeschrieben, bei einem derartigen Unfall beide RBMK-Reaktoren abzuschalten. Mitten im russischen Winter herrschten aber außerhalb des Gebäudes Temperaturen von fast minus 50(C. Bei einer Abschaltung beider Reaktoren würden die Kühlsysteme einfrieren und es käme zu einer Überhitzung der Reaktorkerne, was zu einer doppelten Kernschmelze führen könnte. Auch die Wärmeversorgung der anliegenden Dörfer wäre damit abgeschaltet und jeder weiß, was das heißt. Da Reaktor Nr.2 unter den Trümmern des Daches lag wurde er abgeschaltet, Nr.1 und dessen Turbine wollte man in Betrieb halten. Die Temperatur in der Halle war aber trotz des Feuers auf minus 40(C gesunken und die Turbine war eingefroren. Der Turbogenerator mußte aber unbedingt wieder flott gemacht werden, da sonst die Restzerfallswärme von den Reaktoren nicht abgeführt werden könne.

Einige der Techniker konnten auf Grund der hohen Temperatur an den Schaltpulten nicht mehr dort bleiben und mußten ihre Plätze verlassen. Zum Glück trafen daraufhin aber schon 1200 Feuerwehrleute ein. Einige Techniker nahmen Atemschutzgeräte, liefen wieder hinein um das wichtigste zu bedienen und liefen heraus um Atem zu schöpfen. Und das immer und immer wieder. Ein Paar wurden bewußtlos und es gab oft niemanden, der sie hätte ersetzen können. Inzwischen war das Feuer auch im Computerraum und die Reaktoren konnten nicht mehr bedient werden. Kurz bevor es den aktiven Kern erreichte wurde das Feuer doch noch gelöscht. Die Kernschmelze konnte vermieden werden.

Einige meinten, wenn der Bericht vom Unfall früher veröffentlicht worden wäre(er wurde erst 1987 bekannt) hätte es den Unfall von Tschernobyl vielleicht nie gegeben. Vielleicht.

Die Sicherheitsstandards wurden daraufhin für die Anlage verschärft. 84 der Feuerwehrleute und Arbeiter wurden mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Ihre Namen wurden nie bekannt gegeben. Das gleiche gilt für die Zahl der Opfer.

Tschernobyl

Am Montag, dem 28. April 1986, 9.00 Uhr, maßen Techniker im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark, 100 km nördlich von Stockholm, abnorm hohe Strahlenwerte. Der Reaktor wurde daraufhin überprüft und es stellte sich heraus, daß dieser Reaktor keine Lecks besaß. Und doch registrierten Geigerzähler bei den rund 600 Beschäftigten des Kraftwerks und bei Boden- und Pflanzenproben aus der Umgebung der Anlage Werte, die um das 14fache über dem Normalwert lagen. Bald trafen aus anderen Gebieten Skandinaviens ähnliche Befunde ein. Damit stand fest: Irgendwo mußten riesige Mengen Radioaktivität in die Atmosphäre entweichen. Der Wind kam aus Südost - von der Sowjetunion. Die Skandinavier ersuchten Moskau um eine Erklärung, erhielten aber nur ausweichende Antworten. 12 Stunden nach dem Vorfall in Forsmark sendete das Moskauer Fernsehen eine knappe Erklärung des Ministerrates der UdSSR: "Im Atomkraftwerk Tschernobyl hat sich ein Unfall ereignet. Ein Reaktor wurde beschädigt. Maßnahmen zur Beseitigung der Unfallfolgen werden unternommen. Den Geschädigten wird geholfen. Eine Regierungskommission ist gebildet worden."

Mit dieser eher ungenauen Nachricht begann für viele Europäer wohl das schwerste Problem der Atomenergie aller Zeiten.

Der Unfall

Der Atomkraftwerk-Komplex Tschernobyl liegt am Fluß Pripjat, 130 km nordwestlich von Kiew, der mit 2,5 Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt der Sowjetunion. Dieses Gebiet ist eher dünn besiedelt und weitgehend landwirtschaftlich genutzt. Die beiden größten Städte waren bis April 1986 das 50000 Einwohner zählende Pripjat , das eigens für die Bauarbeiter und Beschäftigten des Komplexes errichtet worden war, und Tschernobyl mit 12000 Einwohnern. Das Atomkraftwerk Tschernobyl war mit zwei Reaktorpaaren vom Typ RBMK-1000 ausgestattet. Eine dritte Doppelblockanlage befand sich im Bau. Der RBMK ist ein graphitmoderierter Druckröhren-Siedewasserreaktor mit einer elektrischen Leistung von 1000 MW. Der Uranbrennstoff wird durch Wasser gekühlt. Dabei wird Dampf erzeugt, der zwei Turbinen mit jeweils 500 MW Leistung antreibt. Die Brennstäbe sind in einem Graphit- Moderator eingeschlossen, der die schnellen Neutronen bremst und so die Atomare Kettenreaktion aufrecht erhält.

Am Nachmittag des 25. April begann die Bedienungsmannschaft, während einer planmäßigen Abschaltung von Block 4 eine der mächtigen 500-MW-Turbinen zu testen. Der Test sollte erweisen, ob die Turbine, die den stromerzeugenden Generator antrieb, nach der Notabschaltung noch so lange weiterdrehte, daß die Anlage in den entscheidenden 45 Sekunden bis zum Anlaufen der dieselbetriebenen Notstromaggregate ausreichend mit Strom versorgt wurde. Die Bedienungsmannschaft fuhr die Reaktorleistung auf 50% der Nennleistung herunter und setzte das Notkühlsystem außer Betrieb. Um 14.00 Uhr fragte der Kontrollbeamte des Kiewer Versorgungsnetzes an, ob bis 23.10 weiter Strom geliefert werden könne. Das Personal in Tschernobyl war einverstanden, versäumte es aber, nach 23.10 das Notkühlsystem wieder einzuschalten.

Die Techniker fuhren die Reaktorleistung auf 1% der Nennleistung herunter und damit weit unter das Niveau, wie es für das Experiment erforderlich war. Dann zogen sie den Großteil der Steuerstäbe heraus und schalteten weitere wichtige Sicherheitssysteme ab. Diese elementaren Verletzungen der Sicherheitsvorschriften hatten zusammen bewirkt, daß der Reaktorblock 4 am 26. April, 1.23 Uhr, instabil geworden war. Die Reaktorleistung stieg und die Techniker hatten die Kontrolle über alles dieses verloren. Eine Minute später kam es in einem Teil des Reaktors zu einer prompt überkritischen Leistungsexplosion. Innerhalb von vier Sekunden erreichte Block 4 das 100fache der Nennleistung - möglicherweise stand er kurz vor der atomaren Explosion. In einigen Brennstäben schmolz das Uran und brachte das Kühlwasser zum Verdampfen. Dies verursachte eine Dampfexplosion. Die 1000 Tonnen schwere Abdeckung von Block 4 flog weg. Brennende Trümmer des Reaktors prasselten auf umliegende Gebäude nieder. An mehr als 30 Stellen entstanden Brände.

Dann reagierte Wasser mit dem glühend heißen, 1700 Tonnen schweren Graphit-Block. Dabei bildete sich hoch explosiver Wasserstoff. Es kam zu einer zweiten Explosion, die radioaktive Trümmer und Radionuklide anderthalb Kilometer in den Himmel schleuderte. Um das Feuer zu ersticken und eine weitere Freisetzung von Radioaktivität zu verhindern, warf man von Hubschraubern mehr als 5000 Tonnen Blei, Bor und andere Materialien über dem offenen Kern ab.

Einunddreißig Feuerwehrleute und Beschäftigte des Kraftwerks kamen an diesem Tag aufgrund schwerer Strahlenverbrennungen ums Leben. Und es sollten noch viele folgen. Das Einsargen Die erste Katastrophe war zwar abgewendet, doch die Probleme der sowjetischen Behörden waren damit noch längst nicht gelöst. Am 1. Mai begann die Temperatur des atomaren Brennstoffes wieder zu steigen und erreichte einen Spitzenwert von 2000 (C. Ursache war der radioaktive Zerfall der atomaren Spaltprodukte, die im beschädigten Reaktor verblieben waren. Um dieses Problem zu lösen wurde gasförmiger Stickstoff unter hohem Druck in den Bereich unter dem Reaktor geblasen. Am 6. Mai sank die Temperatur.

Als auch diese Gefahr gebannt war, begann man mit dem "Einsargen" des Reaktors. Ein Trupp von Bergleuten bekam die Aufgabe, unter dem Block 4 einen Betonsockel anzulegen. Damit sollte verhindert werden, daß der heiße Kern ein Loch durch das Fundament des Reaktors fraß. Vierhundert Männer trieben in 3-Stunden-Schichten einen 168m langen Tunnel unter den Reaktor und kleideten ihn mit Stahlbeton aus. Bis zum 24. Juni hatten sie den monolithischen Betonsockel gegossen.

Dann nahm man den Bau einer riesigen "Grabkammer" in Angriff, mit der die Anlage langfristig eingesargt werden sollte. Die gigantische Konstruktion aus über 7000 Tonnen Stahl und 410000 Kubikmetern Beton wurde im November 1986 fertiggestellt.

Schadensbilanz

Nach einer Meldung der sowjetischen Zeitung Iswestija kostet die Katastrophe von Tschernobyl allein die Sowjetunion 24 Milliarden Mark, und die Kosten steigen weiter. Das Blatt spricht von dem "vielleicht teuersten Unfall auf unserem Planeten". Ein Blick in die Statistiken zeigt, in welchem Ausmaß Block 4 das Land verseucht und Menschenleben bedroht hat:

- 1000 km² Land um Tschernobyl waren bis zu einem gewissen Grad kontaminiert
- 135000 Menschen und 86000 Stück Vieh wurden aus der 30-Kilometer-Zone um den Reaktor evakuiert - eine Kolonne aus 1216 Omnibussen und 300 Lastwagen zog sich über 15 km hin
- 60000 Gebäude in 500 Gemeinden mußten dekontaminiert (gereinigt) werden
- in Kiew wurden als Vorsichtsmaßnahme 400 Brunnen gebohrt, welche die Wasserversorgung sichern sollten, zusätzlich wurden noch 6 km lange Wasserleitungen verlegt. Einer sowjetischen Schätzung zufolge ging die Hälfte des Fallouts von Tschernobyl im Umkreis von 35 km um den Reaktorkomplex nieder. Die andere Hälfte verteilte sich weltweit auf 20 Länder. Die Trümmer und Radionuklide, die durch die Explosion und das Feuer in die Atmosphäre geschleudert wurden, bildeten eine Wolke, die am 26. und 27. April über Litauen und Lettland hinwegzog und dann vorübergehend zum Stillstand kam. Anschließend wehten die vorherrschenden Winde Teile der Wolke nach Mittelskandinavien, nach Ost, West- und Südeuropa (30. April) sowie nach Großbritannien und Irland (2./3. Mai). Später wurde auch in so entfernten Gebieten wie der Arabischen Halbinsel, Sibirien und Nordamerika erhöhte Strahlung registriert.

Da der radioaktive Niederschlag auf dem europäischen Kontinent von Region zu Region recht unterschiedlich ausfiel, setzten die einzelnen Länder Grenzwerte fest, die erheblich voneinander abwichen. So schwankte die zulässige Höchstdosis für radioaktives Jod-131 in der Milch zwischen 20 Bq/l in Hessen und 2000 Bq/l in Frankreich. Ähnliches galt für die Ratschläge, die ausgegeben wurden. Während deutsche Stellen versicherten, daß die Milch im Gegensatz zu Gemüse sicher sei, wurde den Italienern empfohlen, auf Milch zu verzichten und alle Kaninchen zu erschießen. Die Franzosen wiederum erfuhren fast gar nichts. Achtzehn Monate nach Tschernobyl "empfahl" die Europäische Gemeinschaft Grenzwerte von 500 Bq/kg. Die Verseuchung Europas durch Tschernobyl begann erst knapp 2 Jahre nach dem Unfall allen richtig klar zu werden. So gab im Herbst 1988 das Umweltministerium München bekannt, daß man bei Waldpilzen in Süddeutschland bis zu 11400 Bq/kg festgestellt habe. Das Institut verglich es so, daß wenn man diese Pilze esse, man "Russisches Strahlenroulette spiele". Marvin Goldman, Professor an der University of California, verglich sowjetische Daten mit Werten, die außerhalb der damaligen UdSSR gemessen worden waren, speiste sie in ein Computermodell ein und fand heraus, daß Anteile von Cäsium-137 dreimal höher waren, als zuvor angenommen. Nach Goldmans Berechnungen ging ungefähr 1/3 in der Sowjetunion nieder, wiederum 1/3 im übrigen Europa und das letzte 1/3 in die nördliche Hemisphäre. Goldman teilte die neuen. Höheren Strahlenwerte durch einen daraus entstandenen neuen Risikofaktor und gelangte zu erschreckenden Ergebnissen: Danach beliefe sich die Zahl der durch Tschernobyl verursachten Krebsopfer weltweit auf 40000, "nur" 12000 davon wären Sowjetbürger, rund 21000, also mehr als die Hälfte, Europäer.

Selbst wenn Goldmans düstere Prognose zutrifft, werden Europa und die Sowjetunion noch glimpflich davongekommen sein: Kiew und seine 2,5 Millionen Einwohner entgingen der radioaktiven Wolke; erst als sie Schweden erreichte, regnete es, Polen und die Sowjetunion blieben also zuerst verschont. Nach damaligen Angaben gelangte nur ein kleiner Teil des radioaktiven Inventars von Block 4 in die Umwelt, die anderen Reaktorblöcke wurden zum Glück nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Politische Auswirkungen

Der Unfall von Tschernobyl löste neben einigen schnellen politischen Handlungen, von denen unten einige aufgelistet sind, auch überlegte Handlungen aus, wie z.B. die auch unter schnellen politischen Handlungen stehenden Konventionen der IAEA. Auch wenn dort die Bemerkung "hastig" dabeisteht, war dies doch ein wichtiger Schritt zur Atomaren Sicherheit in Europa.

- In Schweden erzwangen Atomgegner ein Referendum über einen stufenweisen Ausstieg aus der Kernenergie
- In Österreich gab die Regierung Pläne bekannt, das erst kürzlich fertiggestellte und noch nicht in Betrieb genommene Atomkraftwerk Zwentendorf zu demontieren.
- Zehn Monate nach Tschernobyl zerbrach die rot-grüne Koalitionsregierung in Hessen, weil sich die beiden Partner nicht über die Zukunft einer Atomfabrik in Hanau einigen konnten.
- Im blockfreien Jugoslawien wurden Forderungen nach einem Ausstieg aus der Kernkraft laut. Am 19.Februar 1987 legte man den einzigen in Betrieb befindlichen Reaktor endgültig still - nach seiner 36. Notabschaltung innerhalb von 6 Jahren
- Einen Monat nach der Sondertagung der IAEA wegen des Reaktorunfalls in Tschernobyl einigten sich die Teilnehmer der IAEA-Jahreskonferenz im September 1986 auf eine hastig entworfene Konvention über die frühzeitige Information bei Reaktorunfällen. Sie verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, im Falle eines nuklearen Unfalls im zivilen oder militärischen Bereich, andere Staaten, die von den Auswirkungen des Unfalls betroffen werden könnten, sowie die IAEA unverzüglich zu informieren. Bis März 1989 hatten bereits rund 70 Nationen die Konvention unterschrieben.

Allerdings enthält die Konvention keine genaue Definition, was genau als Unfall bezeichnet wird. Somit bleibt es strittig, ob Unfälle, bei denen weniger Strahlung freigesetzt wird als in Tschernobyl, meldepflichtig sind.

Kernwaffen Die Atomenergie kann auch für militärische Sachen, z.B. Atombomben, genutzt werden. Und darum wollen wir noch kurz auflisten, wieviele solcher Waffen ungefähr schon produziert wurden (diese Zahlen stammen aus dem Jahr 1989): Die USA hatten damals etwa 9500 atomare Gefechtsköpfe für strategische Waffen; die Sowjetunion ca. 8400. Sie stellten insgesamt eine Vernichtungskraft dar, die für die Vereinigten Staaten 3400 und für die Sowjetunion 4100 Megatonnen (!) herkömmlichen Sprengstoffs (TNT) entsprechen würde. Doch es gibt noch die taktischen Waffen, deren Zerstörungskraft um ein Vielfaches der Bombe von Hiroshima höher ist, die auf beiden Seiten ungefähr 2500 Megatonnen TNT ausmachten. Nukleare Gefahr aber geht nicht nur von dem anwachsenden Vernichtungspotential, sondern auch von den zunehmenden komplexen und hoch empfindlichen Trägerwaffen aus - interkontinentale ballistische Flugkörper, U-Boot-gestützte ballistische Flugkörper, mehrfach gegen getrennte Ziele einsetzbare Wiedereintrittskörper, Flugkörper mittlerer Reichweite, Marschflugkörper und die Neutronenbombe sowie Langstreckensuperbomber und Atom-U-Boote (dazu später mehr). An diesen Beispielen wird deutlich, daß es weit mehr Gefahren außer Atomkraftwerken und Atombomben gibt; es bestehen viele verschiedene Komponenten der Atombombe und es gibt noch die Neutronenbombe, deren Auswirkungen mindestens so schrecklich sind, wie die der herkömmlichen Atombombe.

Kernsprengsätze, Kernsprengköpfe und Kernwaffen Diese drei Begriffe werden oft verwechselt. Ein Kernsprengsatz besteht aus einer Anordnung von spaltbaren und anderen Stoffen sowie aus einem oder mehreren Zündern. Er kann bei einem Test gezündet werden, stellt aber noch keine verläßliche Waffe dar. Ein Kernsprengkopf hat gegenüber dem Sprengsatz eine verbesserte Konstruktion und wird in Serie produziert. Er funktioniert verlässig und mit einer genau bekannten Wirkung und wird von Raketen, Flugzeugen oder anderen Trägern transportiert. Eine Atomwaffe ist ein mit einem Treibsatz versehener Sprengkopf. Der Treibsatz kann eine Rakete, eine Artilleriegranate, eine Atommine, ein Flugkörper oder eine Atombombe sein. Darüber hinaus können Kernwaffen je nach ihrer militärischen Funktion als strategische Waffe, als Gefechtsfeldwaffe oder als taktische Waffen klassifiziert werden.

Kernspaltungswaffen Kernspaltungswaffen können auf zwei Arten konstruiert werden: Als Implosionsanordnung und als Kanonenanordnung. Die Implosionsanordnung ist komplizierter und empfindlicher, aber auch effektiver. Man umgibt den Kern der Bombe mit einem Mantel aus hochexplosivem chemischen Sprengstoff, der rundherum gleichzeitig gezündet wird, sowjetischen daß der Kern implodiert, also zusammengepreßt wird. Die Dichte der unterkritischen Masse im Bombenkern erhöht sich dabei sowjetischen stark, daß die Masse überkritisch wird. Diese Anordnung wird bei Bomben mit Spaltmaterial aus Plutonium 239, oder Uran 235, oder aus einer Mischung der beiden Stoffe verwendet. Sie wurde beim ersten Kernwaffentest "Trinity" am 16. Juli 1945 benutzt. Auch der "Fat Man", die Atombombe die über Nagasaki gezündet wurde, ist nach diesem Prinzip gebaut. In der Kanonenanordnung werden zwei oder mehr unterkritische Massen von Spaltmaterial mittels normalen TNT´s sowjetischen zusammengeschossen, daß eine überkritische Masse entsteht. Nach diesem Prinzip war die Hiroshima Bombe "Little Boy" gebaut worden. Da Implosionsanordnungen im allgemeinen wirkungsvoller sind, sind die meisten Kernspaltungswaffen der USA nach diesem Prinzip gebaut. Bei beiden Bauweisen bedarf es einen starken Neutronenimpulses zum Starten der Kettenreaktion. Die Voraussetzung dafür ist, daß man entweder das Spaltmaterial mit einer Schale aus Plutonium und Berylium umgibt oder eine externe, durch hohe elektrische Spannung erzeugte Neutronenquelle einsetzt.

Fusionswaffen Unter Fusionswaffen oder Wasserstoffbomben versteht man Atomwaffen, bei denen mindestens ein Teil der Explosionsenergie durch die Verschmelzung leichter Atome, wie Wasserstoff oder Lithium, durch Neutronenbeschuß zu Tritium wird, das schwerste Wasserstoff - Isotop. Zur Überwindung der abstoßenden Kraft zwischen den Atomkernen ist eine große Energiemenge notwendig. Die für eine Kernfusion benötigte hohe Temperatur und der hohe Druck werden in einer Wasserstoffbombe durch die Explosion einer Spaltungsbombe erzeugt. In den thermonuklearen Waffen der USA finden zwei Explosionen statt: Eine komprimiert das Fusionsmaterial, die andere zündet es. Da bei der Fusion Neutronen frei werden, kann diese wiederum eine Kernspaltung auslösen. Man kann deshalb die Wirkung einer Wasserstoffbombe ohne große Kosten vervielfältigen, indem man den Sprengkopf mit einem Mantel aus Uran 238 umgibt. Die Explosionsenergie einer großen thermonuklearen Waffe hat also im allgemeinen drei Quellen - eine Kettenreaktion spaltbaren Materials, eine Verschmelzung des thermonuklearen Sprengstoffs und, sofern der Sprengkopf Uran 238 enthält, eine zweite Spaltung ohne Kettenreaktion. Es gibt auch Kernspaltungswaffen, bei denen die Explosion thermonuklear verstärkt wird. Sie enthalten in oder unmittelbar neben ihrem Kern aus spaltbaren Material Fusionsmaterial, meist Deuterium oder Tritiumgas. Die Explosion wird dadurch verstärkt, daß durch das Fusionsmaterial zusätzliche Neutronen frei werden, wodurch sich die Anzahl der Kernspaltungen erhöht. Da Tritium relativ schnell zerfällt, verliert die thermonukleare Komponente einer Atomwaffe bei längerer Lagerung an Wirkung. Diese Waffen müssen deshalb von Zeit zu Zeit ersetzt werden.

Die Neutronenbombe Die Neutronenbombe ist ein thermonuklearer Sprengsatz mit verstärkter Strahlung. Bei dieser Waffe ist die tödliche Wirkung der bei der Verschmelzung von Deuterium und Tritium freiwerdenden schnellen Neutronen stark erhöht und die Explosionswirkung reduziert. Die Strahlung tötet lebende Organismen, während Gebäude meist stehen bleiben. Die starke Neutronen- und Gammastrahlung wird dadurch erreicht, daß der größte Teil der freigesetzten Energie durch Fusion und nur ein kleiner Teil durch Kernspaltung geliefert wird. B - 52 "Stratofortress" Dieses Flugzeug ist nur ein Beispiel, was bis heute mit Waffen, wie Atombomben, gemacht werden kann. Es würde jedoch zu lange dauern, um alle Kernwaffen, und deren mögliche Träger, zu beschreiben; darum folgt hier dir Beschreibung des größten Bombers, der die meisten Atomwaffen tragen kann. Die Boeing B - 52 ist ein Langstreckenbomber, der in den USA, erstmals in den 1950 gebaut, entwickelt wurde. 1955 wurde die B - 52 in die SAC (Strategic Air Command) aufgenommen und mit acht Pritt and Whitney Motoren ausgestattet. Immer neuere Versionen (z.B.: B - 52H, B - 52G, etc.) erlauben es dem Bomber weiter, oder sicherer, Maschinengewehrstationen ausgerüstet, zu fliegen. Die B - 52H zeigte ihre Möglichkeiten im Januar 1962, als sie nonstop, ohne aufzutanken, von Okinawa (Japan) bis nach Madrid (Spanien) in 22 Stunden und 10 Minuten flog. 1977 entschied man sich, den Bomber mit den in der Luft zündbaren Cruise Missiles auszustatten. Während des Golfkrieges wurde die B - 52, mit neuen technischen Ausstattungen, gegen Irakische Einheiten eingesetzt. SAC - Strategic Air Command Das SAC wurde 1946 gegründet, um die Nuklearen - Langstrecken - Streitmacht der US Air Force zu leiten. 1980 führte das SAC neue Waffensysteme, wie den B - 1 Bomber, das TR - 1 Hochleistungsflugzeug, oder die MX - Raketen, ein. Das SAC besitzt ein Geschwader von B - 52 Bombern, welche Cruise Missiles, Anti - Schiffsraketen, aber auch nukleare Waffen tragen kann, und eins von E - 4 Tankflugzeugen. Das SAC - Hauptquartier befindet sich bei der Offutt Air Force Base, in Nebraska.

Strahlung und Gesundheit

Wie wirkt Strahlung auf lebende Organismen?

Für einen Organismus ist es lebensnotwendig, daß seine Zellen richtig funktionieren.

Ionisierende Strahlung kann die Verbindungen zwischen den Atomen der Moleküle zerstören, aus denen die Zellen bestehen, und sie kann den Aufbau der Atome verändern. Solche Schäden können die Zellen in ihrer Funktion beeinträchtigen oder sie sogar abtöten. Innerhalb gewisser Grenzen können Zellen, die durch Strahlen verursachten Schäden beheben. Ist der Schaden jedoch zu groß oder tritt er in einem besonders empfindlichen Teil der organischen Struktur auf, ist er irreparabel. Strahlenschäden lassen sich in 2 Kategorien aufteilen: Schäden, die das Individuum erleidet, das der Strahlung ausgesetzt war, und Schäden, die erst bei seinem Nachkommen auftreten. Erstere Kategorie umfaßt die somatischen Schäden, darunter fallen z.B. Krebs und Leukämie. Strahlenschäden der Nachkommen dagegen bezeichnet man als vererbte oder genetische Schäden. Strahlen schädigen eine Zelle vor allem in dreierlei Weise: 1. Die Zelle stirbt ab; 2. die Zellteilung wird gestört, es kommt zu Krebs; 3. die Keimzellen werden geschädigt, bei der Nachkommenschaft treten vererbte Mißbildungen auf. Viele Organe können es noch verkraften, wen nur einige ihrer Zellen abgestorben sind, da sie noch genügend funktionstüchtige haben, anders liegt der Fall freilich, wenn die beschädigte Zelle eine Keimzelle in den Eierstöcken oder Hoden ist. Ionisierende Strahlen können das DNS schädigen, jenes Molekül, welches die Erbinformationen der Zelle enthält. Wenn bei geschädigter DNS aus der Keimzelle später ein Kind wird, haben sämtliche Zellen des Kindes den gleichen Schaden. Eine Schädigung der DNS einer einzigen Keimzelle kann also dazu führen, daß eine Mißbildung an die folgende oder an mehrere folgenden Generationen weitervererbt wird. Ähnlich kann eine kranke Zelle, deren Kopier- und Vermehrungsmechanismen gestört sind, diese Eigenschaft an ihre Tochterzellen weitergeben, und es kann sich eine Gruppe kranker Zellen entwickeln, die sich schneller vermehren als das gesunde Gewebe in ihrer Umgebung. Eine solche Zellgruppe kann sich zu einem erkennbaren Krebs auswachsen, und in bestimmten Fällen durch lokale Wucherungen oder Ausbreitung auf andere Teile des Körpers zum Tode führen. Akutes Strahlensyndrom Nach einer hohen Strahlendosis sterben viele Zellen ab. Andere können sich nicht mehr teilen oder vermehren. Dies führt zu verschiedenen Formen von Strahlenkrankheit. Im Wachstum befindliche Zellen und solche, die sich besonders schnell teilen, sind besonders strahlenempfindlich. Dazu gehören die Zellen eines Embryos oder Kleinkinds, die Keimzellen und die Zellen der Darmschleimhäute und des Knochenmarks. Hohe Strahlendosen von über 30 Sievert schädigen das Zentralnervensystem. Sie verursachen Übelkeit, schweres Erbrechen, Schwindelgefühl und Koma und führen meistens zum Tod. Dosen zwischen 10 und 30 Sievert schädigen den Magen-Darm-Trakt und führen in den ersten Stunden zu Übelkeit und Erbrechen, gefolgt von inneren Blutungen, Durchfall und Flüssigkeitsverlust. Erreger aus dem Magen-Darm- Trakt bewirken septische Zustände. Innerhalb einiger Wochen tritt in der Regel der Tod ein, da die Zellen der Darmschleimhäute sich nicht mehr teilen. Dosen zwischen 1 und 10 Sievert haben Übelkeit und Erbrechen zur Folge. Nach diesen unmittelbaren Symptomen tritt oft eine Erholungsphase ein. In der Regel hat die Strahlung jedoch die blutbildenden Zellen im Knochenmark geschädigt.

Was die (-Strahlung angeht, gibt es eine Tabelle für Ganzkörperbestrahlung, die zeigt, wie ernst man die Strahlung nehmen muß.

Die Wirkung niedriger Strahlung

Während es heute einen allgemeinen Konsens über die Wirkung hoher Strahlendosen gibt, ist die langfristige Wirkung niedriger Dosen äußerst umstritten. Die Auswertung vorhandener Daten wird durch eine Reihe von Faktoren kompliziert: Es kann sehr lange dauern, bis die Schäden auftreten; die Gruppen an denen Langzeitschäden untersucht werden ( Überlebende der Atombombenangriffe; Menschen, die dem Fallout der Kernwaffentests ausgesetzt waren, Arbeiter der Atomindustrie), sind relativ klein, die von ihnen absorbierten Strahlendosen schwer zu bestimmen; die einzelnen Studien schließlich sind aus einer Reihe von Gründen schwer zu vergleichen.

Strahlenschutzvorschriften

Die Gesundheitsschädliche Wirkung von Strahlen ist bekannt, seit 1896 der erste Bericht über Schäden durch Röntgenstrahlung veröffentlicht wurde. 1928 wurde das International X-Ray Radium Protection Committee (IXRPC) zum Schutz beruflich strahlenexponierter Personen gegründet. Diese erste Strahlenschutzkommission wurde 1950 reformiert und in International Commission for Radiological Protection (ICRP) umbenannt.

Genaue Informationen über die Wirkung verschiedener Strahlendosen sind natürlich von großer Wichtigkeit zur Berechnung der Risiken. Die Interpretation diesbezüglicher Daten ist jedoch besonders bei niedrigen Strahlendosen umstritten.

Das National Academy of Sciences Committee on the Effects of Atomising Radiation der Vereinigten Nationen (UNSCEAR) stellt seine eigenen Berechnungen an, ebenso das Advisory Committee on the Biological Effects of Ionising Radiation (BEIR). Aus der neuesten, 1988 veröffentlichen Studie läßt sich ersehen, daß die international als krebsauslösend akzeptierte Strahlendosis fünf- bis siebenmal niedriger angesetzt werden muß.

Die umfassendsten zusammenhängenden Informationen über die Langzeitwirkung von Strahlen wurde an den Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki gewonnen. Die Interpretation dieses Materials bildet bis heute die Grundlage der internationalen Strahlenschutzvorschriften. Nach dem heutigen Stand wissenschaftlicher Erkenntnis sind jedoch viele der damals vorgenommenen Schätzungen ungenau. So wurde die damals freigesetzte Strahlenmenge falsch berechnet. Die pro Dosiseinheit eingetretenen Strahlenschäden waren möglicherweise doppelt so hoch wie angenommen.

Neuere Studien berechnen das generelle Strahlenrisiko unter Verwendung dieser und anderer Daten. Sie alle kommen zu dem Ergebnis, daß die Wahrscheinlichkeit von Gesundheitsschäden bei ionisierender Strahlung drei- bis fünfzehnmal höher liegt als in den Berechnungen, die den Strahlenschutzvorschriften zugrunde liegen. Die Sicherheitsstandards der meisten Länder richten sich nach den Empfehlungen der ICRP. Die personelle Zusammensetzung der ICRP allerdings ist kritisiert worden: Ihre Mitglieder rekrutieren sich hauptsächlich aus den Gremien der Atomindustrie und dort beschäftigten Radiologen. Den größten Anteil stellen nach wie vor Physiker, während Genetiker, Pathologen, Epidemiologen und seltsamerweise auch Biophysiker nur selten auftauchen. Die Empfehlungen der ICRP sind in steigendem Maße für die Strahlenschutzgesetzgebung der einzelnen Länder maßgeblich geworden. Durch neue Erkenntnisse über Natur und Ausmaß der Strahlenrisiken sah die Kommission sich gezwungen, ihre Dosisgrenzwerte für Ganzkörperbestrahlung herunterzusetzen. Sie hat jedoch seit den siebziger Jahren ihre Schätzungen nicht mehr korrigiert mit der Begründung, es gebe keine schlüssigen Beweise für eine durchgehende Unterschätzung des Strahlenrisikos. Im Jahr 1900 lag der empfohlene Dosisgrenzwert bei umgerechnet 100 mSv pro Tag. 1925 lag er bei 10 mSv pro Woche. Seit 1977 liegt der von der ICRP für Arbeiter mit beruflichen Strahlenrisiko empfohlene Dosisgrenzwert unverändert bei 50 mSv pro Jahr, also weniger als einem mSv pro Woche. Im Jahr 1952 wurde erstmals ein Dosisgrenzwert von 15 mSv für die Normalbevölkerung eingeführt. Er wurde 1959 auf 5 mSv heruntergesetzt. Dieser Wert gilt bis heute, wobei eine Reihe nationaler Behörden inzwischen strengere Grenzwerte festgelegt haben, wie z.B. - Großbritannien 1 mSv pro Jahr - Deutschland 0,3 mSv pro Jahr - Amerika 0,25 mSv pro Jahr Zeittafel

Quellenverzeichnis

John May "Das Greenpeacehandbuch des Atomzeitalters" Knaur Verlag

F.L. Boschke "Kernenergie; Eine Herausforderung unserer Zeit" Birkhäuser Verlag dtv-Lexikon in 20 Bänden Deutscher Taschenbuch Verlag

"Die Sowjetische Atombombe" Verlag Westfälischer Dampfboot "Von Humboldt bis Einstein" Piper München/Zürich

"Die große Ära der Wissenschaft in Deutschland 1900-1933" Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart "Alliierte Jagd auf deutsche Wissenschaftler" Kristall bei Langen Müller "Das neue, große Bertelsmann-Lexikon" Bassermann-Verlag

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Details

Titel
Die Geschichte der Kernphysik
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
42
Katalognummer
V105402
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein umfangreiches Referat über die Geschichte der Kernphysik
Schlagworte
Kernphysik, Atome, Atomspaltung, Protonen
Arbeit zitieren
Benni Eimers (Autor), 2001, Die Geschichte der Kernphysik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105402

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