Analyse der Erfolgsfaktoren von horizontalen und vertikalen Internetportalen


Seminararbeit, 2001

24 Seiten


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1. Notwendigkeit einer ganzheitlichen Informationsplattform im Bereich des E-Business

Seit 1995 begannen Wirtschaftsunternehmen verstärkt das Internet für ihre Zwecke einzusetzen. In den ersten Jahren diente es vor allem als Marketingplattform. Etwa ab 1997 unterstützten Websites auch massiv den Intranetzugriff. Erst seit 1998 werden mehr und mehr dynamische Inhalte integriert und für 2001 steht der endgültige Durchbruch als Business-Plattform bevor. Diese Evolution brachte und bringt es mit sich, dass die Grösse, die Anzahl und die Komplexität von Websites expotentiell zunehmen. Es gibt große deutsche Industrieunternehmen, die die Zahl der in ihrem Intranet betriebenen, offiziellen und inoffiziellen Webserver auf mehrere Hundert bis in die Tausende schätzen.

Die Zahlen belegen einen signifikanten Trend: Der Umfang der elektronischen Inhalte hat sich innerhalb von nur einem Jahr verdoppelt. Für das Jahr 2001 erwarten die befragten Fachleute abermals eine Verdopplung auf knapp 17.000 Seiten je Website (vgl. Siemens O. 2001, S. 235 ff).

Im Dezember 2000 gab es weltweit etwa 2 Mrd. Webseiten und täglich wächst diese Zahl um etwa 1 Mio. weiter an (vgl. Bauer H. 2001, S. 19).

Doch wohin mit der ganzen Flut an Informationen? Wie können Informationen strukturiert und für jeden zugänglich aufbereitet werden? Personalisierung und Content-Management heißen seit geraumer Zeit die Schlagwörter. Mit dem Aufbau eines Internetportals zeigt sich Unternehmen ein erster Lösungsansatz.

Diese Portale bieten sich als wichtiges Problemlösungsinstrument an, da sie alle Unternehmensinformationen über eine einzige Interaktionsquelle zugänglich machen und damit werden sie zu einer zentralen Anlaufstelle, die den Arbeitsalltag erleichtern (vgl. Hochlehnert B. 2001, S. 6ff).

Erste Portale waren Suchmaschinen, die sich später zu den Webportalen oder Megaportalen wie Yahoo Deutschland entwickelten (vgl. Bauer H. 2001, S. 42).

Derzeit planen weltweit über 3.500 Unternehmen die Implementierung von Portalen. Denn sorgfältig konzipierte Portale sollen Kosten senken, neue Gewinnpotentiale schaffen, die Kundenbindung erhöhen und die Loyalität der Mitarbeiter weiter fördern (vgl. Nelz J. 2001, S. 2 ).

Der Aufbau und Betrieb von Internetportalen erfordert ein ganzheitliches, integratives Projektmanagement mit den Zielen: personalisierte Informationsbereitstellung und gezielte Kommunikationsmöglichkeit mit kompetenten Ansprechpartnern. Darüber hinaus soll eine Integration dezentral verteilter Daten mit optimal organisierten Inhalten möglich werden. (vgl. VDI 2001, o.S.).

Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens die jeweils unterschiedliche Rollen und Aufgaben haben, äußern folgende Wünsche:

Ein Personalbearbeiter sagt: „Einfache Handhabung heißt für mich, dass ich nur das sehe, was ich auch brauche. Ich möchte über meinen Browser einen Zugang zu allen Informationen, die für meine Arbeit in der Personalabteilung relevant sind.“ Eine Führungskraft hingegen meint, er möchte eine zentrale Zugriffsmöglichkeit auf alle internen und externen Funktionen und Services, die er für seine Arbeit benötigt - sowohl auf SAP Systeme als auch auf andere Anwendungen. Und ein anderer Mitarbeiter verlangt ein personalisiertes Arbeitsumfeld, dass er selbst bedarfsgerecht erweitern kann (vgl. SAP Deutschland AG & Co. KG 2001).

Informationen sind die Voraussetzung für den geschäftlichen Erfolg. Aber allzu oft stehen wir an unserem Arbeitsplatz einer unübersichtlichen, unstrukturierten Datenflut gegenüber und müssen uns durch das Dickicht umfangreicher Inhalte kämpfen. Das erfordert viel Zeit und lähmt die Geschäftsabwicklung.

Folgende zwei Graphiken sollen die Notwendigkeit einer Informationskomprimierung und die Zentralisierung für Zugriffe auf Systeme, Informationen und Services am Arbeitsplatz noch einmal hervorheben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: So sieht ein Arbeitsplatz heute aus Quelle: Awad Y.2001, S. 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Datenflut am Arbeitsplatz Quelle: Kern M.2001, S. 3

Das Ziel dieser Ausarbeitung ist es einen aktuellen Überblick über die Erfolgsfaktoren eines Unternehmensportals zu geben, um anhand dessen den Mehrwert der zukünftigen Webtechnologie herauszustellen. Die Darstellungsform eines vertikalen Enterprise Portals von SAP soll dabei entscheidenden Aufschluss geben, weil dort am besten die geschäftlichen Transaktionsprozesse zwischen Lieferern, Endkunden, Interessenten und Portalbesitzern auf B2B-Marktplätzen deutlich werden. Zudem gewinnen Portale mit vertikaler Ausprägungsform immer mehr an Bedeutung im Gegensatz zu horizontalen B2B-Marktplätzen.

Spezifisch werden ausgewählte Funktionen solcher Portallösungen erläutert und der Nutzen mit Praxisbeispielen belegt. Eine Zusammenfassung der Erfolgsfaktorenanalyse sowie Zukunftsperspektiven bilden den Schlussteil der Arbeit.

2. Internetportale: Abgrenzungen und Begriffe

Homepages und Internetportale haben eines gemeinsam, man kann über sie einen bestimmten Bereich des World Wide Webs betreten. Ein Portal weist jedoch eine andere Struktur und Gestaltung als eine Homepage auf. Die Homepage eines Unternehmens präsentiert allen Webbesuchern den gleichen Inhalt.

Ein Portal bzw. hier Unternehmensportal, welches überwiegend in dieser Hausarbeit betrachtet wird, schaut sich den Benutzer an, kennt sein Profil und präsentiert ihm den auf seine Anforderungen abgestimmten Inhalt. Eine weitere Abgrenzung , gibt in der Abbildung 3 zu erkennen, dass die Informationselemente und Webanwendungen in einem Portal Geschäftskunden, Kunden und andere Partner wie Lieferanten, Entwicklungsund Systempartner betreuen (vgl. Bauer H. 2001, S. 34ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Gemeinsame Plattform für alle Zielgruppen Quelle: Awad Y. 2001, S. 7

Die automatische dynamische Navigation ist ein weiteres Differenzierungsmerkmal. Es erstellt auch die Sitemaps in Echtzeit, das heißt im Augenblick des Aufrufes und ist daher immer aktuell. Außerdem weist ein intelligentes Portal die Besucher automatisch auf alle aktuellen Neuigkeiten hin, wie zum Beispiel den Geburtstag von Mitarbeitern (vgl. Siemens O. 2001, S. 240).

Die im Anhang befindlichen Abbildungen 11 und 12 sollen den Unterschied zwischen Homepages und Portal am Beispiel der Webseiten von dem Mobilfunkanbieter e-Plus vorstellen.

B2B Marktplätze im Internet werden abgegrenzt in horizontale und vertikale Portale.

Horizontale Portale bieten ein branchenübergreifendes Portfolio an. Dabei stehen eher allgemeine Dienste im Mittelpunkt, die zahlreiche wiederkehrende Abruffrequenzen der Websites erzeugen und auf verschiedene weitgefächerte Funktionalitäten bzw. Prozesse ausgerichtet sind. Sie konzentrieren sich somit auf indirekte Güter wie Wetterbericht, allgemeine Nachrichten oder andere Dienstleistungen (vgl. Wirtz W. 2001, Heft10/01, S. 1338).

Beispiele hier sind der Internetprovider AOL oder Yahoo, welche ursprünglich als Internetsuchmaschinen konzipiert wurden. Inzwischen bieten diese Provider ein breites Spektrum von Internetdiensten über personalisierte Portale an.

Vertikale Portale sind hingegen virtuelle Orte an denen spezifisch ausgewählte Inhalte dargestellt werden. Es wird ein branchenspezifisches Portfolio angeboten und ist auf eine Industrie und deren Bedürfnisse ausgerichtet. Gehandelt werden direkte Güter wie Rohmaterialien und Komponenten, die in den Herstellungsprozess eingehen (vgl. Wirtz W. 2001, Heft10/01, S. 1338).

Dies steht im Gegensatz zu den horizontalen Portalen, die eine Vielzahl von Dienstleistungen anbieten. Vertikale Plattformen sind vor allem auf die Entwicklung eines Markennamens konzentriert, was zu einem Wachstum der Seitenbesucherzahl und dadurch zu einem festen Kundenstamm führen soll (vgl. Bauer H. 2001, S. 34).

Der virtuelle Buchhandel Amazon.de, wie hier dargestellt ist ein gutes Beispiel für ein hauptsächlich branchenspezifisches Portfolio: nämlich für Bücher.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Vertikales Internetportal

Quelle: Amazon.de GmbH

3. Erfolgsfaktorenanalyse und ihre Wirkungen auf den Geschäftsprozess mit Auszügen aus der Praxis

3.1. Definition: Erfolgsfaktoren

Erfolgsfaktoren sind jene ,die einen wesentlichen Einfluss auf das Erfolgspotential eines strategischen Geschäftsfeldes haben. Dieser Begriff versucht demnach zu erklären, was vor allem in schwierigen Zeiten, erfolgreiche Unternehmen von weniger erfolgreichen unterscheidet. Dabei ist davon auszugehen, dass laufend neue Erfolgsfaktoren wirksam werden und bisher dominante an Bedeutung verlieren (vgl. Corsten H. 1993, S. 217 sowie Olfert K. 1998, S. 128).

Enterprise Portals stellen Funktionen bereit, mit denen Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner Geschäftsinformationen schnell finden und effektiv verarbeiten können.

3.2. Die Rollenfunktion

Rollen stellen Anwendern abhängig von ihrer Rolle innerhalb der Unternehmung zielgerechte Inhalte bereit. Hersteller von Portallösungen stellen meistens hunderte Rollenvorlagen bereit, die der jeweilige Anwender dann seinen individuellen Anforderungen anpassen kann. Zusätzlich können aber auch Rollen ganz individuell selbst erstellt werden. Wobei eine Rolle eine Sammlung von Inhalten ist , die ein Benutzer für seine Arbeit benötigt.

In einem Unternehmen gibt es zum Beispiel verschiedene Rollen für Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner. Diesen Rolleninhabern werden unterschiedliche, auf ihr Interessengebiet zugeschnittene relevante Inhalte und Funktionalitäten über das Portal bereitgestellt. Wie die kommende Darstellung hervorhebt, wird über Rollen also festgelegt, welche Inhalte der Betreiber des Enterprise Portals seinen Benutzern zugänglich machen möchte. Es handelt sich also um Vorgaben des Website-Betreibers, die sich u.a. auch das jeweilige Benutzerverhalten ableiten lassen (vgl. Siemens O. 2001, S. 240, sowie SAP Deutschland AG & Co. KG).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Firmendefinierte Rollen je nach Verantwortungsbereich Quelle: Hoffmann Ulrich 2001, S. 9

Leistungsfähige Such- und Klassifikations-Tools, auf die noch näher eingegangen wird, ermöglichen ein „Zuschneiden“ von Informationen auf einzelne Rollen. Automatisch werden dem Benutzer nur aktuelle und ausgewählte Nachrichten in „sein“ Portal gestellt (vgl. Meyer H. 2001, S. 7).

GMAC RFC, größter Finanzdienstleister in den USA, wird in Zukunft das Portal auch für die Rolle „Kunde“ zugänglich machen. Kunden werden sich dann im System anmelden und auf eine eigene konfigurierte Oberfläche gelangen, die sie mit allen nötigen Informationen für die Geschäftsabwicklung versorgt. So können sich die Mitarbeiter auf das Kerngeschäft konzentrieren, Geschäftsprozesse werden gestrafft, der Cashflow und die Produktivität werden gesteigert (vgl. GMAC 2001, S. 2).

3.3. Personalisierung

Eine Website gilt dann als personalisiert, wenn sie die Präsentation an den Interessen des Besuchers ausrichtet und wenn sie gleichzeitig seine Zugriffsrechte berücksichtigt. Das heißt ein Enterprise Portal bietet ausschließlich solche Menüs und Buttons, die der Besucher braucht, die er sehen möchte und die er sehen darf. Es werden also unwichtige Informationen und Verweise grundsätzlich ausgeblendet.

Ableitend aus der Rollenverteilung in einer Unternehmung hat jeder Benutzer eine andere Arbeitsweise. Mit der Personalisierungsfunktion kann der Benutzer selbst das Portal an seine persönlichen Anforderungen anpassen. Diese Funktion stellt somit eine Ergänzung zur Rollenfunktionalität dar. So entsteht eine personalisierte Verknüpfung der betriebsinternen Arbeitswelt und ITSysteme mit der Außenwelt von Kunden, Lieferanten und sonstigen Geschäftspartnern. (vgl. SAP Deutschland AG & Co. KG 2001)

Scott Anderson, Technology Direktor der GMAC RFC beschreibt die Personalisierungsfunktion als wesentlichen Wettbewerbsvorteil wie folgt: „Diese Flexibilität gewährleistet für den Informationsempfänger einen direkten und unmittelbaren Zugriff auf die Daten ohne Umwege über die IT. Durch diese Effizienzsteigerung können wir unsere Mitarbeiter aus dem Entwicklungsbereich für andere Projekte einsetzen. Wir sind überzeugt davon, dass wir ohne diese Portallösung, mit der wir Informationen zum Entscheidungsträger übermitteln und individuell benötigte Inhalte herausfiltern können, auf dem Markt zurückfallen würden.“ (vgl. GMAC 2001, S. f).

Die Graphik verdeutlicht, dass das personalisierte Portal von myYahoo verschiedene Einstellungen leicht möglich macht, wie bspw. das individuelle Anpassen der Farben, des Layouts und der Inhalte der Portalseite. Außerdem bietet es Spracheinstellungen und das Implementieren serverbasierter Favoriten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Personalisierte Portalseite - myYahoo Quelle: Yahoo Deutschland GmbH

Zusammen stellen diese Funktionen sicher, dass der Benutzer einfach und schnell auf alle benötigten Inhalte zugreifen kann. Die Akzeptanz des Enterprise Portals durch die Anwender wird dadurch erheblich gefördert.

3.4. i View Anwendungen

iView werden auch Minni-Applikationen genannt, die Zugriff auf Anwendungsprogramme, Berichte, Ressourcen, Services, Informationen oder Dienste haben. Dabei werden rollenspezifische Inhalte aus verschiedenen unternehmensübergreifenden Quellen automatisch bereitgestellt, ohne dass diese angefordert werden müssen. Beispielsweise kann ein Anwender mit seiner Rolle „verantwortlich für den Einkauf“, ein iView aufrufen, das offene Bestellungen anzeigt (vgl. SAP Deutschland AG & Co. KG 2001).

Dienste wie z. B. Suchmaschinen im Internet, Reisedienste, Frachtberechnungen, Verzeichnisse der Mitarbeiter wie auch andere virtuelle Marktplätze ermöglichen weiterhin einen schnellen und bequemen Zugriff auf relevante Informationen. Ebenfalls gehören Chat Foren zu diesen Anwendungen, in denen Gruppen Ideen austauschen, analysieren und diskutieren können (vgl. Kugler P. 2001, S. 6).

iViews sind vergleichbar mit Artikeln in einer Zeitung. Sie liefern Informationen aus verschiedenen Quellen wie: Unternehmensanwendungen, Web Quellen und Services. Sie beantworten dem Anwender aus der Vertriebsabteilung bspw. Fragen wie: Welches sind die zehn wichtigsten Kunden, bei denen die Lieferung verspätet ist; Oder: „ wie hoch waren letztes Jahr die Umsätze meines Bezirkes; und, welche Kunden haben in den letzten 3 Monaten keine Bestellung getätigt? Demnach liefern Sie nützliche Informationen und Geschäftsdaten für den entsprechenden Benutzer (vgl. o.V. 2001, S. 12).

Suchdienste sind iView Funktionen, die aber mehr dem Content Management zuzuordnen wird und deshalb an dieser Stelle eingehender behandelt wird.

Nachfolgende Meinungen und Erläuterungen aus der Praxis zeigen die Bedeutsamkeit dieser Anwendungen.

Die Mitarbeiter der amerikanischen Firma Getronics, die sich mit Lösungen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien beschäftigen, haben ihre iView stark in den Abteilungen Marketing und Vertrieb eingesetzt. So verwenden die Mitarbeiter ein iView mit einem Kundenplanungstool, mit dem die Verkaufschancen überwacht werden. Über ein anderes iView kann auf Marketing- und Vertriebsmaterial zugegriffen werden. Wieder ein anderes iView fungiert als Besprechungsraum, in dem alle Mitarbeiter zur Zusammenarbeit bei Verkaufschancen zusammenkommen können.

Zukünftig wollen sie iView für Kunden und Lieferanten in ihr Portal einbinden.

Ihre Vorstellungen gehen von Empfangsbestätigungen, Vertrags- und Abrechnungsinformationen bis hin zu Bestellanfragen wie Benachrichtigung bei genehmigten Bestellanforderungen, Wareneingängen oder Zahlungen (vgl. Getronics 2001, S. 3).

3.4.1. Der Employee Self Service

Der Employee Self Service ist ebenso eine Funktion, die auf iView Anwendung basiert. Mitarbeiter und andere Nutzer können in Eigenverantwortung den individuellen Datenfluss automatisieren und damit Zeit und Geld sparen.

Der spezielle Gebrauch und der Nutzen dieser Anwendung soll durch das Enterprise Portal der VHV Versicherung praxisnah demonstriert werden. Dazu steht die Zeiterfassung von Arbeitsdaten im Zentrum der Betrachtung.

Es werden hier gemeldete Arbeitszeiten von den Angestellten selbst erfasst und eine exakte Zuordnung kann somit auf die laufenden Projekte zugleich erfolgen. Eine Mehrfacherfassung entfällt, den die einmal eingegebenen Daten durchlaufen automatisch alle weiteren Verarbeitungsprozesse. Das über das Portal bereitgestellte elektronische Arbeitszeitblatt stellt für 350 Mitarbeiter verschiedener Fachabteilungen eine detaillierte interne Leistungsverrechnung bereit. Gefördert wird dadurch eine stärkere Einbindung der Mitarbeiter in Projektprozesse und damit verbundener Eigenverantwortung (vgl. VHV Versicherungen 2001, S.1f).

Der Employee Self Service der SAP AG weist in der folgenden Abbildung auf eine mögliche Struktur eines elektronische Arbeitszeitblattes hin:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Selbst erfasste Arbeitszeiten in ein Arbeitszeitblatt Quelle: Kern M. 2001, S. 7

Abbildung 13 im Anhang, zeigt einen Ausschnitt einer Portalseite mit integrierten iViews: Travel- Reisedienst, MS Outlook Inbox sowie verschiedene Self Services.

3.5. Syndication

Portalbenutzer können auf Informationen, Anwendungen und Dienste aus verschiedenen internen und externen Quellen zugreifen. Desweiteren können sie Informationen wertschöpfend analysieren, bewerten und teilweise kombinieren und die Ergebnisse jederzeit und überall anzeigen lassen. Es existieren somit mehrere operative Systeme in denen betriebswirtschaftlich relevante Informationen gewonnen, abgefragt, und in „einem Topf“ ganz oder teilweise konsolidiert werden (vgl. SAP Deutschland AG & Co. KG 2001).

Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter aus der Vertriebsabteilung bereitet sich auf ein Telefongespräch mit einem Kunden vor, dabei kann er die gesamte Kundenhistorie in den eigenen Systemen abrufen. Über das Internet wird er außerdem auf aktuelle Nachrichten oder die Entwicklung des Aktienkurses bezüglich des Kunden aufmerksam gemacht. Diese gesamten Informationen kann er kurz vor seinem Anruf aggregieren und hat somit einen aktuellen Überblick über seinen Kunden.

In diesem Zusammenhang hat der Online Broker MLP seinen Kundenservice erweitert, indem seine Berater noch während eines Kundengespräches erste Konzeptbausteine über das Portal abrufen oder Informationen für Finanzierungszusagen online einholen können.

Als Übertragungsmedium dienen Handy, Laptop und andere DFÜ-Geräte. Wie die Abbildung unten sichtbar macht, spricht man auch von Mobile Computing, das den globalen Zugriff „anytime-anywhere“ ermöglicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Mobile Computing

Quelle: Kern M. 2001, S. 9

Das MLP Portal ist für drei Gruppen, das heißt Geschäftspartner, Kunden und Mitarbeitern zugänglich und hält Informationen, Inhalte und Anwendungen unterschiedlicher Form und Tiefe bereit. Auch potentielle Kunden können dadurch MLP-Angebote testen und auf der Hypotheken-, Krankenversicherungs- oder Brokerplattform Verträge online abschließen. Mit der Verlagerung kundennaher Funktionen ins Netz wird die Kundenbindung weiter gestärkt und die Berater werden gleichzeitig von nicht beratungsbedürftigen Finanzdienstleistungsprodukten und Transaktionen entlastet (vgl. MLP AG 2001,S. 2).

3.6. Drag & Relate zwischen verschiedenen Anwendungen

Anwender können mit diesem leicht bedienbaren Werkzeug Objekte in ihrem Browser anklicken und mit dem Mauszeiger zu der Datenquelle ziehen, mit der sie verknüpft werden soll und dadurch bestimmte Funktionen auslösen.

Man kann mit verschiedenen Systemen kommunizieren und Informationen in Beziehung setzten. So sollen Benutzer über Geschäftsanwendungen und Websites hinweg zusammenarbeiten können. Aufgaben sollen durch einfaches Bewegen von Objekten im Browser bearbeitet werden.

Wird zum Beispiel ein Auftrag mit dem Vermerk „verspätet“ auf den Icon des Spediteurs gezogen, kann der Sachbearbeiter über eine Tracking-Information feststellen, wo die Waren sich derzeit befinden.

Der Vorteil dieser Funktion liegt in der Beschleunigung der Arbeit. Bei verspäteten Bestellungen müssen Benutzer nicht mehr einen Web-Browser aufrufen, die WWW-Adresse des Spediteurs eingeben, sich auf dessen Webseite anmelden und dann erneut die Daten des Kundenauftrages eingeben um den Liefervorgang nachzuverfolgen. Die Drag & Relate Funktion erledigt diesen Vorgang in einem einzigen Schritt. So entfallen darüber hinaus eine zeitraubende Suche und sich wiederholende Arbeitsschritte. (vgl. SAP Deutschland AG & Co. KG 2001)

Auch Manager der GMAC RFC profitieren von dieser Anwendung, denn sie müssen nicht erst zeitaufwendige Telefonate führen, um entscheidungsrelevante Informationen zu erhalten. Sie können sofort auf detaillierte und aussagefähige Informationen zugreifen und sich direkt über relevante Sachverhalte informieren ( vgl. GMAC 2001, S. 2).

Schematisch soll diese Funktionalität durch die nächste Darstellung verdeutlicht werden. Ein Personalsachbearbeiter verknüpft hierbei die Objekte „Sales Team Paula Beck“ und Objekt „Human Resources“, um sich automatisch persönliche Daten eines bestimmten Mitarbeiters anzeigen zu lassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: Drag & Relate Funktion im Einsatz der Personalverwaltung Quelle: Kugler P. 2001, S. 3

3.7. Web Content Managment

Das Content Management deckt den gesamten Lebenszyklus der Inhaltsverwaltung ab. Für eine effiziente Suche nach Inhalten und deren effektive Nutzung werden Funktionen für das Web Content Management bereitgestellt. Wichtige Aktionen sind dabei der Zugriff auf beliebige Inhalte aus internen und externen Quellen über effiziente Verwaltungs-, Abfrage- und Klassifizierungsmöglichkeiten. So können Informationen geplant, strukturiert, gefiltert und an verschiedene Adressaten verteilt werden. Personensuchfunktionen spüren sogar Experten bestimmter Themen auf. Benutzer bestimmter Interessengebiete können sich darüber hinaus registrieren und erhalten automatisch entsprechende Inhalte, sog. Pull Informationen. Demgegenüber ermöglichen sog. Push Informationen, den automatischen Zugang wichtiger Experteninformationen für die gesamte Belegschaft einer Unternehmung oder nur für bestimmte Personen (vgl. SAP Deutschland AG & Co. KG 2001).

Unter dem Stichwort „intelligentes“ Navigieren hebt das nächste Abbild die relevanten Aktionen nochmals hervor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10: Intelligente Navigation Quelle : Kreplin K.2001, S. 8

Moderne Suchverfahren gehören auch zum Content Management. Diese gehen allerdings über die normale Volltextsuche hinaus und sind fähig die intuitive und semantische Suche anzubieten. Semantische Suchtechnologien bieten bedeutend mehr als herkömmliche Suchmaschinen. Es lassen sich auch Dokumente finden, die das gewünschte Stichwort nicht ausdrücklich enthalten. Gibt man das Stichwort „Autoversicherung“ ein, spürt diese Technik auch Objekte auf, die im semantischen Umfeld liegen. Bei diesem Beispiel wären dann Objekte wie „Kfz-Versicherung oder auch „PKW-Haftpflicht“ denkbar.

(vgl. Siemens O. 2001, S. 241).

Wird das Content Management mit all seinen Funktionen angewendet, profitiert man von mehren Vorteilen wie zum Beispiel einem effektiven Informationsmanagement, dass zum Wohle der Mitarbeiter, der Kunden und allen der Geschäftspartnern dient. Denn Interessante und aktuelle Inhalte fördern die Kundenbindung. Ebenfalls ein Wettbewerbsvorteil des Web Content Management könnte eine schnellere unternehmerische Entscheidungsfindung sein.

So versorgt MLP seine Kundenberater mit Knowledge-Service über sein Content Management System. So können die Berater beim Kunden vor Ort Konditionen und Prämien einsehen, elektronisch auf Expertenwissen zugreifen und bei Vertragsabschlüssen automatische Folgetransaktionen auslösen (vgl. MLP AG 2001, S. 2).

4. Abschließende Betrachtung und Entwicklungstendenzen von Internetportalen

Aus der Analyse der Erfolgsfaktoren kann man daraus schließen, dass eine komplette Unternehmensportallösung allen Anwendern einen personalisierten bequemen Zugriff auf alles Erforderliche. Jederzeit, überall über das Internet, und auf sichere Art und Weise zur Erledigung ihrer Aufgaben und Tätigkeiten bietet. Das Portal ist somit Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten des modernen Menschen am Arbeitsplatz und zu Hause.

Das klassische Intranet wird in Zukunft verschwinden, denn die entsprechenden Anforderungen werden über ein Unternehmensportal abgedeckt (vgl. Meyer H. 2001, S. 11).

Medizingerätehersteller TriVirix bietet seinen Kunden schon die Möglichkeit, visuelle Echtzeitdaten zum Produktionsstatus bereitzustellen, ohne dass hohe Kosten entstehen. Über Web-Camps werden Live-Bilder von der Produktionsstätte in Belfast eingespielt (vgl. TriVirix International 2001,S. 1ff).

Mehr als 85% der im Jahr 2000 weltweit größten Organisationen werden bis zum Jahr 2003 Internetportale eingeführt haben. Angefangen mit internen Portalen zur Verteilung von Informationen werden sie sich schnell zu e- Business Portalen für B2B und B2C Anwendungen entwickeln. Bei einer effektiven Einführung und Nutzung eines entsprechenden Systems kann durchaus von einer Einsparung von bis zu einer Stunde Arbeitszeit pro Woche und Mitarbeiter ausgegangen werden. Dies bedeutet bei konservativ geschätzten ca. 700 Arbeitsplätzen und 1,40 DM/Minute Personalkosten ein Einsparpotenzial von 2,5 Mio. DM im Jahr. Der Investment-Berater Merrill Lynch bemisst den Return in Investment eines Unternehmensportals mit 144% (vgl. Hoffmann U. 2001, S. 8).

Ergebnisse von der Implementierung des Mitarbeiterportals bei der SAP AG machen demgegenüber deutlich, dass mit der Portalanwendung von professionellen Benutzergruppen, die mehr als 5 Stunden täglich am Computer arbeiten, ca. 5% ihrer Zeit am Computer eingespart werden. Die gelegentlichen Benutzer, mit weniger als 2 Stunden täglicher Computerarbeit, verbuchen sogar bis zu 25% Zeiteinsparung. Am häufigsten benutzen Mitarbeiter den Self Service, e-Mail und die Kalenderfunktion (vgl. o.V. 2001, S. 21).

Den angeführten überaus guten Chancen der Nutzung von Internetportalen stehen meiner Meinung nach auch Risiken gegenüber. Eines könnte die Gefahr der Abhängigkeit von der technologischen Funktionsfähigkeit sein. Vorstellungen eines Ausfallens der gesamten Integrationsplattform hätte fatale Auswirkungen auf alle Benutzergruppen.

Es bleibt außerdem abzuwarten, ob und inwieweit ein Internetportal einen menschlichen Berater vertreten bzw. ersetzen kann. Dazu ist die Schaffung eines „intelligenten“ Portals zur individuellen Betreuung nötig. Mit der Personalisierung von Portalen ist ein erster Ansatz in diese Richtung schon getan.

Anhang

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 11: Homepage www.e-plus.de

Quelle : E-Plus Service GmbH & Co. KG

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12: Portaleinstiegsseite von E-Plus Quelle : E-Plus Service GmbH & Co. KG

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 13: iView: einheitlicher Zugang zu Informationen, Anwendungen und Service

Quelle : Unternehmensportale der nächsten Generation 2001, S.12

Literaturverzeichnis

Awad, Y.: Unternehmensportale - klare Wettbewerbsvorteile durch Zeit- und Kostenersparnisse 2001

Bauer, H.: Unternehmensportale, 1. Aufl., Bonn: Galileo Press Verlag, 2001

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Corsten, H.: Lexikon der Betriebswirtschaftslehre, 2. Aufl., Oldenbourg: R. Oldenbourg Verlag, 1993

Getronics: Die Mitarbeiter im Mittelpunkt-Enterprise Portals bei Getronics, Online im Internet: URL://http://www.sapag.de/german y/solutions/enterpri seportals/customersuccesses.asp [19.09.2001]

GMAC RFC: Personalisierter Zugriff auf Business Intelligence und Stärkere Kundenbeziehungen durch Enterprise Portals, Online im Internet: URL://http://www.sapag.de/germany/solutions/enterpriseportals/customersucce sses.asp [20.10.2001]

Hochlehnert, B.: Der E-Business-Workplace,1. Aufl., Bonn: Galileo Press Verlag, 2001

Hoffmann, U.: Portale von Morgen 2001

Hoffmann, U.: Immobilien Portal Solution sky7home 2001

Kern, M.: Mitarbeiter - und Führungskräfteportale 2001

Kreplin, K.: SAP Portals setzt neue Maßstäbe für Unternehmensportale 2001

Kugler, P.: Portal Content - Der Mehrwert zur Portalplattform 2001

Meyer, H.: Unternehmensportale als Basis unternehmensübergreifender Zusammenarbeit mit Kunden Lieferanten und Partnern 2001

MLP AG: Integration des Internets in die persönliche Finanzberatung, Online im Internet: URL://http://www.sapag.de/g ermany/solutions/enterpris eportals/custome rsuccesses.asp [10.10.2001]

Nelz, J.: Erfahrungen aus Enterprise Portal Projekten 2001

Olfert, K.: Kompendium der praktischen Betriebswirtschaft in : Ziegenbein K. (Hrsg.) : Controlling, 6. Aufl.,Kiel, 1998

o. V. : Unternehmensportale der nächsten Generation 2001

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Siemens, O.: Vom Content Management zum intelligenten Unternehmensportal, in: Eggers, B.; Hoppen, G. (Hrsg.): Strategisches E-Commerce-Management, 1. Aufl., Wiesbaden, 2001

TriVirix International: Trivirix gewährt den Kunden mit dem Unternehmensportal mySAP Worcplace Echtzeitzugriff auf Informationen, Online im Internet: URL://http://www.sapag.de/germany/solutions/enterpriseportals/customersucce sses.asp [20.10.2001]

VDI, Verein Deutscher Ingenieure (Hrsg.): ohne Titel, Online im Internet: URL://http://dev.vdionline.de/vdi/organisation/schnellauswahl/techno/arbeitsgebi ete/grundsatzfragen.html [07.12.2001]

VHV Versicherungen: Erfassung von Arbeitszeitdaten über das Mitarbeiterportal von mySAP, Online im Internet: URL://http://www.sapag.de/germany/ solutions/enterpriseportals/customersuccesses.asp [01.11.2001]

Wirtz, W.; Mathieu,A.: B2B-Marktplätze-Erscheinungsformen und ökonomische Vorteile in : Hartmann-Wendels,T.; Thome, R. (Hrsg.): Das Wirtschaftsstudium (2001), Heft 10/01, S. 1338

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Analyse der Erfolgsfaktoren von horizontalen und vertikalen Internetportalen
Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin
Veranstaltung
B2B-Marketing
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V105557
Dateigröße
1183 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Erfolgsfaktoren, Internetportalen, B2B-Marketing
Arbeit zitieren
Sven Zöller (Autor), 2001, Analyse der Erfolgsfaktoren von horizontalen und vertikalen Internetportalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105557

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