Die Internierung der in Amerika lebenden japanischen Minderheit während des Zweiten Weltkriegs


Seminararbeit, 2000

19 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

A Einleitung

B Die Geschichte der japanisch-stämmigen Bevölkerung Amerikas im 19. und 20. Jahrhundert
I Anfänge japanischer Einwanderung
1.) Die Japaner als größte Minderheit Hawaiis
2.) Japanische Immigration an der amerikanischen Westküste
a) Feindseligkeiten gegen die von Anfang an unerwünschte Minderheit
b) Erste gesetzliche Maßnahmen zur Einschränkung der S. 4 japanischen Immigration
c) Der Erste Weltkrieg und die Zeit danach
Exkurs: Chinesische Einwanderung in die USA
II Das Schicksal der Issei und Nisei während des Zweiten Weltkriegs
1.) Japans Entwicklung zur „Aggressornation“ und die Reaktion Amerikas
2.) Evakuierung und Internierung der „Enemy Aliens“
a) „Executive Order 9066“ und weitere Maßnahmen
b) Evakuierung und Internierung
a) Nisei in der Armee
b) Rückkehr aus den Lagern
Exkurs: Das Schicksal der auf Hawaii lebenden Japaner
III Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
1.) Vor Gericht
a) Präzedenzfälle
b) Das Coram Nobis - Verfahren
c) Die Schadensersatzklage
2.) Japanische Amerikaner heute - eine „Model Minority“?

C Schluss

A Einleitung

In folgender Arbeit steht ein äußerst tragisches Ereignis der amerikanischen Geschichte im Mittelpunkt: Der Evakuierung und Internierung von 120 000 japanisch-stämmigen Menschen während des Zweiten Weltkriegs in sogenannte „Relocation Centers“.

Am 19. Februar 1942 hatte der damalige Präsident Roosevelt diese bis heute zweifelhafte Maßnahme durch den „Executive Order 9066“ angeordnet. Doch was hatte ihn dazu bewegt? Wie konnte es dazu kommen, dass 77 000 amerikanische Staatsbürger - die zufällig japanischer Abstammung waren, aber an die amerikanischen Ideale meist aus voller Überzeugung glaubten - einige Jahre ihres Lebens in abgelegenen Internierungslagern verbringen mussten? Warum musste die in Amerika lebende Minderheit für den außenpolitischen Kurs einiger japanischer Politiker büßen, wenngleich ein Großteil von ihnen genau diesen Kurs ablehnte?

Diese und andere Fragen möchte ich in meiner Arbeit beantworten. Dazu ist es wichtig, die Anfänge der japanischen Einwanderung - auch im Vergleich zur chinesischen Immigration - näher zu betrachten. Denn sämtliche asiatische Völker waren schon mit negativen Vorurteilen belastet, bevor sie in die USA einwanderten. Auf Hawaii sah die Lage allerdings stets anders aus. Anschließend möchte ich mich sämtlichen Gesetzen, Anordnungen und Gerichtsurteilen widmen, die den Weg für die Evakuierung und Internierung ebneten und das Leben der Lagerinsassen veranschaulichen. Auch das Dasein der Minderheit nach der Internierung, das vom Kampf um Gerechtigkeit und Schadensersatz gekennzeichnet war, ist ein Punkt in meiner Arbeit. Heute gelten japanische Amerikaner als Vorzeige-Minderheit („Model Minority“). Meine Absicht ist es, ihren langen, mühsamen Weg von den Anfängen der Einwanderung bis hin zu ihrer heutigen, oft vielversprechenden Situation für den Leser nachvollziehbar zu machen.

B Die Geschichte der japanisch-stämmigen Bevölkerung Amerikas im 19. und 20. Jahrhundert

I Anfänge japanischer Einwanderung

Die Einwanderung von Japanern nach Amerika begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Erst seit 1885 wurde den Bürgern Japans die Massenauswanderung von kaiserlicher Seite her offiziell erlaubt. Vorher hatte Japan über zwei Jahrhunderte hinweg eine „äußerst strikte Isolationspolitik“ verfolgt, die eine große Distanz zum Westen und dessen Wertvorstellungen mit sich brachte. 1860 wurde schließlich die erste japanische Botschaft auf amerikanischem Territorium eröffnet und ab 1871 junge Japaner zu Bildungszwecken an die Ost- und Westküste des fremden Kontinents geschickt.1 Ein Großteil der asiatischen Auswanderer emigrierte, neben der amerikanischen Westküste, nach Hawaii. Da die Lebenssituation der Minderheit dort vollkommen anders war, möchte ich die Einwanderung nach Hawaii, das erst seit 1900 Territorium und seit 1959 US-Bundesstaat ist, im nächsten Punkt separat behandeln.2

1.) Die Japaner als größte Minderheit Hawaiis

Da in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im damaligen Königreich Hawaii dringend Arbeitskräfte für die zahlreichen Zuckerplantagen benötigt wurden, siedelten zwischen 1850 und 1920 über 300 000 Asiaten - Chinesen, Koreaner, Filipinos und Japaner - auf die Pazifikinsel über. Besonders nach der Jahrhundertwende war ein rasanter Anstieg an japanischen Einwanderern zu verzeichnen. Kamen 1901 lediglich 338 Japaner (meist junge Bauern und Arbeiter), waren es 1903 bereits 13 045. Einen Höhepunkt japanischer Immigration stellte das Jahr 1907 mit 20 865 Einwanderern dar.3

Hawaii war daher in ethnischer Hinsicht sehr vielfältig. 1923 wurden dort 42,7 % Japaner, 9,2 % Chinesen, 16,3 % Eingeborene, 7,7 % Weiße, 10,6 % Portugiesen, 2,2 % Puerto Ricaner, 1,9 % Koreaner und 8,2 % Filipinos gezählt. Die meisten Asiaten arbeiteten auf Zuckerplantagen und trugen dazu bei, dass der Zuckerabbau zur Hauptindustrie der Insel wurde. Auch asiatische Frauen zählten zu den Plantagenarbeitern: 1920 machten sie einen Anteil von 14 % aus, wovon wiederum 80 % Japanerinnen waren. Die paternalistischen Plantagenbesitzer ließen ihre Arbeiter schwere Aufgaben verrichten, hielten sich aber an den Grundsatz „humanity in industry pays“. Dennoch war die Bezahlung, besonders für Frauen, sehr gering und die Plantagenbesitzer hatten alle Mühe, die asiatischen Arbeitskräfte an sich zu binden. Vor allem, nachdem Hawaii US-Territorium wurde, packte viele Japaner das „American Fever“: 1907 waren 40 000 an die Westküste der USA abgewandert, wo höhere Löhne lockten.4

2.) Japanische Immigration an der amerikanischen Westküste

Da San Francisco um die Jahrhundertwende der einzige Hafen war, der von japanischen Schiffen direkt angelaufen wurde, ließen sich die ersten japanischen Einwanderer - vorwiegend junge Männer – in dieser Region nieder. Anfangs war ihre Zahl sehr gering. Erst im 20. Jahrhundert nahm die japanische Einwanderung zu: Während 1890 2 039 japanische Immigranten gezählt wurden, lebten 1910 bereits 72 257 und 1930 138 834 Japaner auf dem amerikanischen Kontinent, die meisten in Kalifornien. Im Vergleich zu Hawaii machten sie aber stets einen erheblich geringen Prozentsatz der Bevölkerung aus.5

Die in Kalifornien lebenden Issei6 arbeiteten hart, da viele von ihnen die Absicht hatten, später mit ihren Ersparnissen nach Japan zurückzukehren. Etwa 40 000 Japaner waren in der Landwirtschaft tätig und 10 000 halfen mit beim Bau der transkontinentalen Eisenbahn. Die in den Städten lebenden Japaner eröffneten Wäschereien, Obst- und Blumenläden, Restaurants, Hotels und andere Gewerbe oder arbeiteten als Fischer. Im Gegensatz zu Hawaii lag den Arbeitgebern auf dem Festland wenig an dem Wohlergehen ihrer Arbeitskräfte: Man war nicht auf sie angewiesen und sah sie lediglich als Konkurrenz.7

a) Feindseligkeiten gegen die von Anfang an unerwünschte Minderheit

Während die ersten japanischen Einwanderer aufgrund ihrer geringen Zahl von der weißen Bevölkerung kaum registriert wurden, nahmen diskriminierende Schritte mit ihrer steigenden Zahl schnell zu. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei, dass die Japaner in ein regelrechtes „Vakuum“ gesogen wurden, das die Chinesen nach 1882 hinterließen.8 So stießen die Japaner auf eine ähnliche Ablehnung wie vor ihnen Die Chinesen. Die Tatsache, dass weitaus weniger Japaner als Chinesen in die Vereinigten Staaten kamen, machte hierbei keinen Unterschied.9

Die Anfänge anti-japanischer Stimmungen rührte von den selben Quellen her wie es einige Jahrzehnte zuvor bei den Chinesen der Fall war: Der Vorsitzende der Arbeiterpartei Denis Kearney formulierte seinen früheren Slogan „The Chinese must go!“ zu „The Japs must go!“ um. Grund für derartige Aggressivität war die Angst der weißen Arbeiterschaft um ihre Arbeitsplätze. Hinzu kam, dass die japanischen Einwanderer eine „erstaunliche soziale Mobilität nach oben“ zeigten.10 Ab 1900 griff die Fremdenfeindlichkeit auch auf die Lokalpolitik über. James Duval Phelan, Bürgermeister von San Francisco, schlug beispielsweise eine Ausdehnung des Chinese Exclusion Act auf Japaner mit der Begründung vor: „The Chinese and Japanese are not bona fide citizens. They are not the stuff of which American citizens are made.“11 Diese zweifelhafte Argumentation macht deutlich, dass sämtliche asiatisch aussehende Menschen von vielen Amerikanern im Sinne der „White Supremacy“ nicht als gleichwertige Menschen eingestuft wurden. Das und die Ängste der Einheimischen vor Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zeigt auch folgendes Statement einer Regierungskommission von 1901: „Great hordes of Japanese coolies (...) have already secured a monopoly of the labor in the agricultural industries of the Pacific States (...) and are as a class tricky, unreliable and dishonest“.12 Der Sieg Japans über Russland im Jahr 1905 verschlechterte die Situation der in Amerika lebenden Japaner noch: Die Presse begann mit Hetzrufen gegen die „Yellow Peril“, der kalifornische Landtag forderte den Kongress in einer Resolution auf, die japanische Einwanderung einzuschränken und die Arbeiterpartei gründete zusammen mit rechtsgerichteten Gruppen die „Oriental Exclusion League“, die 1908 bereits 110 000 Mitglieder verzeichnete.13

b) Erste gesetzliche Maßnahmen zur Einschränkung der japanischen Immigration

Zwar war den Japanern im „Treaty of Commerce and Navigation“ von 1894 noch unbeschränktes Recht auf Einwanderung garantiert worden. Dass die Realität aber vollkommen anders aussah, zeigen die beiden Gerichtsurteile Nishimura Ekiu v. US (1892)14 und Yamataya Kaoru v. Thomas Fisher (1903).15

1906 unternahm der Gemeinderats von San Francisco einen Versuch, die 93 ansässigen japanischen Schulkinder zu segregieren, um die weißen Kinder „vor dem Einfluss der mongolischen Rasse zu schützen“. Die japanische Regierung reagierte so verärgert, dass der damalige Präsident Theodore Roosevelt versprach, das entsprechende Gesetz zurückzuziehen und ein Gesetzesantrag zur Einbürgerung der Issei - sie waren nach einem Gesetz von 1790 „aliens ineligible to naturalization“ - zu genehmigen. Ab 1907 durften japanische Kinder (im Gegensatz zu chinesischen und koreanischen) wieder mit weißen in die Schule gehen. Der Einbürgerungsantrag scheiterte jedoch im Kongress und verschwand daraufhin auch auf der Agenda des Republikaners Roosevelt.16

Die Bundesregierung, über die Lage an der Westküste nun informiert, bemühte sich, in der Einwanderungsfrage mit Japan zu verhandeln. Die daraus resultierende Korrespondenz zwischen dem amerikanischen Botschafter in Japan und dem japanischen Außenminister führte zu einer „series of understandings“: 1908 wurde das „Gentlemen’s Agreement“ verhandelt, in welchem sich Japan aus Angst vor einem „Japanese Exclusion Act“ bereit erklärte, japanischen Auswanderern keine Pässe mehr für das amerikanische Festland, sondern nur noch für Hawaii, Kanada oder Mexiko auszustellen. In die USA einreisen durften nur noch Arbeiter, die schon einmal in den USA gelebt hatten und Frauen, Kinder und Eltern von in Amerika lebenden Issei.17 Trotz der sinkenden Zahl japanischer Einwanderer18 war dem Staat Kalifornien diese Maßnahme nicht strikt genug - man fühlte sich von Roosevelt betrogen, da zwischen 1908 und 1920 vermehrt sogenannte „Picture Brides“ ins Land kamen.19

1913 verabschiedete der Staat Kalifornien den „Alien Land Act“, der allen Ausländern, die keine amerikanische Staatsbürgerschaft besaßen, Landbesitz, -pacht und -erwerb erheblich erschwerte. Das Gesetz betraf vor allem die Issei, welche aber in der Umgehung des Gesetzes Einfallsreichtum bewiesen.20 Das Gesetz wurde 1920 und 1923 verschärft, die Staaten Washington und Oregon zogen mit ähnlichen Land Acts nach.21

c) Der Erste Weltkrieg und die Zeit danach

Während des Ersten Weltkriegs kämpften die Japaner auf der Seite der Amerikaner, was einen vorläufigen Rückgang der Japaner-Feindlichkeit - jedoch nur bis Kriegsende - zur Folge hatte.

In den „Tribal Twenties“ erreichte das Streben nach einem weißen, homogenen Amerika jedoch einen neuen Höhepunkt. Die „Oriental Exclusion League“ und die 1894 gegründete „Immigration Restriction League“, sowie die „American Federation of Labor“ schürten die Ängste der Bevölkerung mit der These, zu viele Einwanderer würden die amerikanische Demokratie unterwandern. Die „Immigration Restriction League“ forderte zum Beispiel die Aufhebung des „Gentlemen’s Agreement“, ein Einwanderungsverbot für „Picture Brides“, ein totales Einwanderungsverbot für Japaner, die Aufrechterhaltung des Einbürgerungsverbots und eine Verfassungsänderung, die Nisei nicht mehr automatisch zu amerikanischen Staatsbürgern mache. Mit Erfolg: 1920 willigte die japanische Regierung ein, den "Picture Brides“ keine Pässe mehr auszustellen und der Oberste Gerichtshof erhielt das Einbürgerungsverbot für Japaner in mehreren Fällen aufrecht.22 Einen Höhepunkt der anti-japanischen Agitation stellt wohl der „National Origins Act “ (auch „Japanese Exclusion Act“ genannt) von 1924 dar, welcher einem grundlosen Ausschluss der Japaner gleichkam und das Ende des „Gentlemen’s Agreement“ markierte: Das Gesetz beschränkte die Einwanderung jedes Landes auf jährlich zwei Prozent des Immigrantenanteils, den ein Staat 1890 (nach 1927: 1920) in Amerika ausmachte. Durch das Gesetz wurden Süd- und Osteuropäer benachteiligt, während West- und Nordeuropäer im Vorteil waren. Japaner und Koreaner wurden gänzlich von der Einwanderung ausgeschlossen.23

Exkurs: Chinesische Einwanderung in die USA

Bevor die ersten Japaner nach Amerika kamen, stellten die Chinesen die größte Einwanderungsgruppe dar. Da man seit Mitte des 19. Jahrhunderts dringend billige Arbeitskräfte in den USA benötigte, bemühten sich die Amerikaner mit diversen Methoden, Arbeiter aus dem asiatischen Land zu rekrutieren. Mit dem dem Sklavenhandel ähnlichen „Contract Labor System“ gelangten von 1845 bis 1874 etwa 542 000 Chinesen nach Kuba, Peru, auf die West Indies, nach Hawaii und nach Australien. Das illegale „Credit-Ticket Labor System“ war für viele ein Weg, ab 1850 nach Kalifornien zu immigrieren und dort den überteuerten Preis für die Überfahrt abzuarbeiten.24 Doch erst der Kalifornische Goldrausch von 1849 ließ die chinesische Immigration rasant ansteigen: Waren es 1849 lediglich 715 Einwanderer, lebten 1852 bereits 45 000 Chinesen in Kalifornien. Einwanderer, die ihr Glück nicht mit Gold versuchten, eröffneten Importläden, Restaurants und Wäschereien. Etwa 10 000 chinesische Männer halfen beim Bau der „Union Central Pacific Railroad“ mit.25

Aus den einst willkommenen Arbeitskräften wurden schnell unliebsame Konkurrenten: Vor allem die weißen Minenarbeiter fürchteten um das Gold und standen ihren chinesischen „Kollegen“ von Anfang an feindselig gegenüber. Übergriffe ließen nicht lange auf sich warten. Zu den psychologischen Ausgrenzungsversuchen kamen gesetzliche Schritte des Staats Kalifornien, beispielsweise eine „Foreign Miner’s Tax“ (1850) und „An Act to Prevent the Further Immigration of Chinese or Mongolian in This State“ (1858). Der Oberste Gerichtshof von Kalifornien beteiligte sich am Kampf gegen die unerwünschte Minderheit.26

Auch auf Bundesebene wurden diverse Gesetze gegen die chinesische Einwanderung verabschiedet, unter anderem der „Burlingame Treaty“ (1868), der zwar freiwillige Einwanderung von Chinesen erlaubte, das Recht auf Einbürgerung allerdings verwehrte. Den krassesten Schritt stellte wohl der „Chinese Exclusion Act“ von 1882 dar, welcher als Ergebnis langjährigen Drucks seitens sowohl demokratischer, als auch republikanischer Abgeordneter und Teilen der Bevölkerung auf den Kongress angesehen werden kann. Mit dem Gesetz wurde eine zehnjährige Einwanderungssperre für Chinesen verhängt und das Einbürgerungsverbot aufrecht erhalten. 1892 wurde das Gesetz um weitere zehn Jahre und 1902 schließlich auf unbegrenzte Zeit verlängert.27

Es stellt sich die Frage, wie es in dem relativ kurzen Zeitraum an der Westküste zu einer derartigen Fremdenfeindlichkeit kommen konnte. Interessant ist, dass das Image, das die Chinesen in Amerika „genossen“ schon ein negatives war, bevor die ersten Einwanderer das Land erreichten. In hohem Maße dazu bei trugen veröffentlichte Tagebücher und Briefe von Händlern, die China seit Ende des 18. Jahrhunderts bereisten und dessen Einwohner als skrupelloses, unehrliches Volk beschrieben. Auch die Missionare machten aus ihrer Respektlosigkeit gegenüber dem konfuzianischen Glauben keinen Hehl. Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag, das chinesische Volk zu degradieren, leistete auch die „Penny Press“. Diese verbreitete unter anderem, Chinesen würden Katzen, Hunde und Ratten essen und kleine Mädchen umbringen. Einen Höhepunkt der Verbreitung negativer Stereoptypen wurde mit dem Opium Krieg (1839 bis 1842) erreicht, in dem China gegen Großbritannien kämpfte. Auf der Titelseite schrieb ein Blatt in Boston beispielsweise: „the land of many letters, many lanterns, and few ideas. Peopled by the long eared, elliptic-eyed, flat-nosed, olive colored, Mongolian race, it offers a population singularly deficient in intellectual physiognomy; though it is absurd uglyness.“28

Wie tief diese und andere Vorurteile die Haltung der Amerikaner gegenüber den Chinesen prägten, zeigte auch die Einstellung Denis Kearneys, dessen Arbeiterpartei in den 1870ern mit dem Kampfruf „The Chinese Must Go!“ bekannt wurde.29 Nicht nur dieser Schlachtruf, sondern auch sämtliche Stereotypen übertrugen sich mit der Zeit auf die Japaner.

II Das Schicksal der Issei und Nisei während des Zweiten Welkriegs

Ich möchte vorwegschicken, dass zu Beginn des Zweiten Weltkriegs mehr Nisei, also US-Staatsbürger mit vollen Rechten, als Issei in den Vereinigten Staaten lebten: 1940 standen 47 305 Issei 79 642 Nisei gegenüber. Die Nisei waren anfangs überzeugt, dass sie trotz des Krieges, den die USA gegen Japan führte, nichts zu befürchten hätten.30 Dass es vollkommen anders kam, soll in folgendem Kapitel erläutert werden.

1.) Japans Entwicklung zur „Aggressornation“ und die Reaktion Amerikas

Der japanische Kampf um die Vorherrschaft in Asien begann schon um die Jahrhundertwende, wurde in den Dreißiger Jahren jedoch immens intensiviert. Japan entwickelte sich zu einem totalitären Staat mit steigender militärischer Präsenz und zunehmend expansionistischer Außenpolitik: 1910 besetzten die Japaner Korea und 1931 die an China angrenzende Mandschurei. 1937 folgte der „China Incident“, bei welchem Shanghai und andere chinesische Städte von Japan besetzt und bombardiert wurden.

Die Gründe für Japans zunehmend aggressive Politik waren verschiedener Natur: Man hegte Mißtrauen gegenüber den guten amerikanisch-chinesischen Beziehungen, der damit verbundenen „Open Door“ - Politik und der amerikanischen Präsenz auf dem asiatischen Kontinent. Als Importnation war Japan auf Rohstoffe angewiesen und sah die USA als Rivalen im Handel mit China. Auch das Bevölkerungswachstum in dem kleinen Land spielte eine Rolle für Japans Expansionskurs und der Forderung nach einer „New Order“ in Asien.31

Der japanische Konfrontationskurs führte (neben dem Deutschlands und Italiens) bei den USA anfangs zu „einer Verstärkung der isolationistischen Grundstimmung (...)“, was Präsident Roosevelt zur Verabschiedung diverser Neutralitätsgesetze veranlasste.32

1937 begannen sich die Lager zwischen den Isolationisten33 und den sogenannten Internationalisten, denen sich auch Roosevelt anschloss, jedoch zu spalten. Nach dem „China Incident“ und der Versenkung des US-Boots „Panay“ auf einem chinesischen Fluß durch Japan, warnte Roosevelt in einer Rede von 1937 vor den „Agressornationen“ und forderte eine Quarantäne gegen die „epidemic of world lawlessness“. 1939 wurde der Handelsvertrag mit Japan von 1911 beendet, die japanischamerikanischen Beziehungen hatten einen Nullpunkt erreicht. Nachdem Japan im Juli 1941 Französisch-Indochina, das heutige Vietnam, annektierte, entschlossen sich die USA zu einem kompletten Wirtschaftsboykott und froren sämtliche japanische Bankguthaben in den USA ein. Japan, wirtschaftlich ruiniert, stand vor der Alternative Krieg oder Kapitulation.34

Der japanische Überraschungsangriff auf Pearl Harbor35 war für die Amerikaner schließlich der Auslöser, in den Zweiten Weltkrieg einzutreten. Roosevelt konnte seine längjährigen Argumente nun rechtfertigen, der Krieg sei aus wirtschaftlichen, militärischen und ideelen Gründen notwendig.36 Am 8. Dezember stimmte der Kongress mit einer überwältigenden Mehrheit für den Eintritt des kürzlich noch auf Isolation pochenden Amerikas in den Zweiten Weltkrieg.37

2.) Evakuierung und Internierung der „Enmy Aliens“

1940 lebten 126 947 Menschen japanischer Abstammung an der Westküste der USA und etwa 150 000 auf Hawaii. Die Frage, wie sich die Minderheit im Falle einer japanischen Invasion verhalten würden, wurde schon lange vor Pearl Harbor erörtert: Roosevelt hatte 1936 erstmals daran gedacht, letztere ohne Gerichtsprozess in „concentration camps“ zu internieren. 1941 gab der Präsident eine Untersuchung der Loyalität der japanisch-stämmigen Bevölkerung in Auftrag. Sein Beobachter Curtis B. Munson, kam zu folgendem Schluß: „There is no Japanese ‚problem‘ on the Coast. There will be no armed uprising of Japanese (...). The Japanese here is almost exclusively a farmer, a fisherman or a small businessman (...).“ Die Lage auf Hawaii schilderte Munson ähnlich.38

Wie kam es also dazu, dass nahezu 120 000 Menschen japanischer Abstammung39 - 77 000 von ihnen waren Nisei und besaßen folglich die amerikanische Staatsbürgerschaft - von 1942 bis 1946 aufgrund „militärischer Notwendigkeit“ zwangsinterniert wurden und somit eine Verweigerung ihrer Grundrechte erfuhren, obwohl es keinerlei Beweise für Sabotage oder Spionage gab?40

a) „Executive Order 9066“ und weitere Maßnahmen

Die Rufe nach einer Evakuierung der an der Westküste der USA lebenden Issei und Nisei kamen vor allem aus dem Marine- und Armeeministerium, sowie von Lokalpolitikern und der weißen Bevölkerung. Die Geheimdienste dieser beiden Ministerien waren besorgt, dass wichtige, in der Nähe von japanischen Siedlungen befindliche, militärische Einrichtungen angegriffen werden könnten. Das FBI und das Justizministerium standen einer derartigen Maßnahme von Anfang an zweifelnd gegenüber, hatte man doch mit Hilfe einer Verdächtigenliste über 2 000 angebliche JapanSympathisanten und Spione ausfindig gemacht und viele verhaftet.41

Doch vielen war dieser Schritt nicht genug: Der seit 1942 für den Westküstenbereich zuständige Militärgouverneur General John L. DeWitt sprach sich in einem Memorandum vom Februar 1942, das an Kriegsminister Henry L. Stimson gerichtet war, vehement für eine Entfernung der Japaner aus bestimmten Gebieten aus.42 Auch die Presse und patriotische Organisationen wie die „Native Sons of the Golden West“ halfen mit einer regelrechten Kampagne, die Angst der Bevölkerung vor einer japanischen Verschwörung an der Westküste zu schüren.43 Selbst der spätere, als sehr liberal geltende Oberste Richter Earl Warren ließ sich von der Paranoia anstecken und auch auf Bundesebene gab es viele Abgeordnete, die sich für eine Evakuierung stark machten.44 Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass die Japaner in ihrer Gesamtheit - im Gegensatz zu den Deutschen und Italienern - lediglich aufgrund ihres Aussehens als feindliche Nation galten, obwohl die meisten von ganzem Herzen Amerikaner waren.

Bereits im Februar 1942 beauftragte Roosevelt -wohl mit der Empfehlung DeWitts im Hinterkopf - Stimson damit, Pläne für eine Massenevakuierung der an der Westküste lebenden japanischen Amerikaner vorzubereiten.45 Justizminister Francis Biddle und FBI-Chef Edgar Hoover beharrten bis zuletzt auf ihrem Standpunkt, dass es keinen Grund für eine derartig krasse Maßnahme gebe.46 Doch ihre Worte stießen auf taube Ohren - am 19. Februar 1942 unterzeichnete Roosevelt den „Executive Order 9066“, welcher dem Kriegsministerium und somit dem einige Tage später zum Militärkommandanten ernannten DeWitt die volle Autorität über sämtliche Schritte zur Vollziehung des präsidentiellen Auftrags gab.47

Am 2. März 1942 erließ DeWitt die „Public Proclamation No. 1“, nach welcher Teile Kaliforniens, Oregons, Arizonas und Washingtons zu Militärzonen erklärt wurden, aus welchen der Ausschluss bestimmter Personen und Gruppen möglich war.48 Des weiteren wurde die Einrichtung von 15 „Assembly Centers“ in Auftrag gegeben. Am 18. März rief Roosevelt mit Executive Order 9102 die "War Relocation Authority“ (WRA) - Direktor war Milton S. Eisenhower - als für die Evakuierung zuständiges Organ ins Leben, nachdem kein Ministerium die Verantwortung für das Vorhaben übernehmen wollte. Am 21. März verabschiedete der Kongress „Public Law 77-503“, welche Strafen für die Verletzung DeWitts Militärgesetze vorsah. Im Juni 1942 erklärte DeWitt schließlich die gesamte Westküste zu Militärgebiet, obwohl die amerikanischen Streitkräfte Japan am selben Tag in der Midway-Schlacht besiegten und Japan somit keine Bedrohung mehr für die Westküste darstellte.49 Die JACL hatte sich dennoch entschlossen, mit der WRA zu kooperieren.50

b) Evakuierung und Internierung

DeWitts „Civilian Exclusion Orders“ und „Public Proclamations“ zu Folge war der Beginn der Evakuierung auf den 7. Mai 1942 angesetzt, nachdem anfangs nur wenige die Militärzonen freiwillig verlassen hatten und das freiwillige Verlassen der Zone I Ende März verboten worden war. In Hinweisen an Telefonmasten und Hauswänden, sowie durch Presse und Rundfunk, wurden alle Menschen japanischer Abstammung dazu aufgefordert, sich in Kontrollzentren melden, wo jede Familie eine Nummer - für das Gepäck und zum Umhängen - zugeteilt bekam. Mitzubringen waren Bett- und Waschzeug, sowie Kleidung. Nur was getragen werden konnte, durfte mitgenommen werden - für viele Mütter war es ihr Baby. Das restliche Eigentum (Landbesitz eingeschlossen) mussten die Betroffenen innerhalb von sechs bis zehn Tagen verkaufen. Viele Händler nutzen diesen Zeitdruck aus und brachten die Issei und Nisei dazu, ihr Hab und Gut zu Schleuderpreisen abzutreten.51

Am „E-Day“ (Evakuierungstag) wurden die Japaner mit Bussen, Lastwägen und Zügen in eines der 15 „Assembly Centers“ - meist schnell umfunktionierte Fabrikhallen, Stadien und Ställe, die mit Stacheldraht eingezäunt waren - gebracht. Viele dieser Lager waren übelriechend, überfüllt und laut. Da es in den geschlechtlich getrennten Schlafsäälen keine Betten gab, mussten die Menschen auf Strohsäcken schlafen. Patroullierende Polizisten und stundenlanges Anstehen für das Benutzen der Gemeinschaftstoiletten und - waschräume, sowie der Speisesääle, verliehen den unfertigen Lagern eine gefängnisähnliche Atmosphäre.52

Die endgültige Internierung wurde schließlich im Sommer und Herbst 1942 in den zehn „Relocation Centers“, die sich in den abgelegendsten Gegenden Amerikas befanden und der WRA unterstanden, vollzogen.53 Die mit Stacheldraht eingezäunten Lager bestanden aus etwa 20 mal 120 Fuß breiten Baracken, die jeweils vier bis sechs Räume hatten. Eine Familie wohnte in einem etwa 20 mal 20 Fuß großen Zimmer, in dem sich nur eine Glühbirne, ein Ofen und ein mit einem Leintuch versehenes Armeefeldbett befand. Bewaffnete Soldaten, nächtliche Scheinwerfer, Zensur der Post, Anwesenheitskontrollen und gemeinschaftliche Benutzung jeglicher Einrichtungen -besonders in der japanischen Kultur kommt dies einem enormen Verlust der Privatsphäre gleich - prägten den Alltag der Issei und Nisei. Mit der Zeit wurden für die Kinder Schulen eingerichtet, bei welchen es allerdings an Lehrern und Lehrmaterial mangelte. Viele Erwachsene begannen zu arbeiteten: Die unterbezahlten Tätigkeiten als Gärtner, Farmer, Lehrer, Schreiner oder Ingenieur entsprachen aber nur selten ihren Qualifikationen. Es verwundert nicht, dass sich viele Lagerinsassen wertlos fühlten und nach ihrem alten Leben zurücksehnten, auch wenn dies härtere Arbeit, weniger Freizeit und Anfeindungen der weißen Bevölkerung bedeutet hatte.54 Im Herbst 1942 begann die WRA, Japaner aus wirtschaftlichen Gründen als Erntehelfer einzusetzen. Etwa 43 000 Nisei wurden außerdem von Universitäten an der Ostküste und im Mittleren Westen angenommen und durften die Lager verlassen. In den Lagern gab es auch gewählte Interessensvertreter, meist Nisei, die von der WRA unterstützt wurden. Dies führte mancherorts zu Machtkämpfen, da die Issei selten bereit waren, ihre traditionellen Stellungen aufzugeben. Übergriffe seitens der Soldaten waren eher eine Ausnahme.55

c) Nisei in der Armee

Im Oktober 1942 sprach sich der Direktor des OWI (Office of War Information) für einen Einzug der Nisei aus Propagandazwecken aus. Sowohl die Armee als auch Roosevelt56 stimmten der Schaffung eines Nisei-Regiments zu. 1943 wurden allen Lagerinsassen, die über 17 Jahre alt waren, verpflichtende Fragebögen zur Loyalität57 vorgelegt - auch um zu erkennen, wer außerhalb des Lagers arbeiten dürfe. Etwa 3 000 Befragte verweigerten eine Antwort, 7 600 beantworteten beide Fragen mit „nein“ („No-Nos“), 65 000 mit „ja“ („Yes-yes“).58 Im Lager „Heart Mountain“ wurde als Protestreaktion das „Fair Play Committee“ gegründet, dessen Mitglieder eine Kooperation mit der Regierung so lange verweigerten, bis sie ihre Rechte zurück erhielten. Etwa 5 600 Lagerinsassen beantragten beim Justizministerium den Verzicht auf ihre Staatsbürgerschaft, was mit einer Abschiebung nach Japan verbunden war.59

Der Armee gelang es mit Hilfe der Fragebögen, 1 208 Freiwillige zu rekrutieren - allerdings waren es weitaus weniger als erwartet.60

1941 hatten bereits etwa 5 000 Japaner in der US-Armee gedient, wurden aber als „4-C“ vom Militärdienst suspendiert, nachdem Amerika den Krieg gegen Japan begonnen hatte. Dennoch waren letztendlich 33 000 Nisei Teil der US-Streitkräfte. Mehrere tausend von ihnen arbeiteten beim „Military Intelligence Service“ (MIS) als wichtige Übersetzer an der Pazifikfront. 3 000 hawaiianische Nisei kämpften im 100. Bataillon in Nordafrika und Italien. 1943 wurde das 100. Bataillon mit der 442. Regimentseinheit, die ebenfalls nur aus Nisei bestand, zusammengelegt. Diese Soldaten bewiesen an der italienischen und französischen Front ihre Treue zu Amerika und erhielten so viele Auszeichnungen, dass General Joseph Stilwell lobte: „(...) those Nisei boys have a place in the American heart, now and forever.“ Der neue Präsident Harry Truman gab sich zuversichtlich: „You fought for the free nations of the world (...) you fought not only the enemy, you fought pejudice and you won.“61 1944 wurden die Nisei wieder in die allgemeine Wehrpflicht eingebunden, doch hatten sie die Vorurteile wirklich für immer besiegt?

d) Rückkehr aus den Lagern

1944 wurde die WRA dem Innenministerium unterstellt und der hawaiianische Militärgouverneur General Delos Emmons DeWitts Nachfolger, was die Rückkehr der Lagerinsassen beschleunigte.62 Die beiden Militärzonen wurden bis Dezember 1944 aufrechterhalten und ab Juni 1945 die ersten Lager geschlossen.63 Issei und Nisei der „Yes-yes“-Kategorie hatten die Lager aber schon früher verlassen und waren in Städte wie Denver, Salt Lake City und Chicago gegangen. Roosevelt hatte sich in einer Presseerklärung für ihre Rückkehr, allerdings über das ganze Land zerstreut, ausgesprochen. Die meisten Japaner zog es an die Westküste, ihre alte Heimat zurück, jedoch waren Sprüche wie „We don’t serve Japs here“ mancherorts noch immer an der Tagesordnung, wenn die Japaner-Feindlichkeit im großen und ganzen auch im Westen ab Mitte 1945 zurückging. Die Heimkehrer erwartete oft eine völlig veränderte Heimat: viele hatten weder ein Zuhause noch sonstige Besitztümer, heimkehrende Soldaten stellten eine enorme Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt dar und die allgemeine Verstädterung sorgte für Befremdung. Lebten vor dem Krieg 90% Menschen japanischer Abstammung im Westen der USA, waren es nach dem Krieg nur noch 60%. Im Juni 1946 wurde schließlich die WRA aufgelöst.64

Exkurs: Das Schicksal der auf Hawaii lebenden Japaner

Obwohl auf Hawaii die Wahrscheinlichkeit einer japanischen Invasion weitaus höher war, kam es dort nicht zu einer vergleichbaren Massenevakuierung. Dass lediglich 1 444 Japaner -525 von ihnen waren amerikanische Staatsbürger - in auf dem Festland befindliche Lager interniert wurden, ist General Emmons zu verdanken: Obwohl er sich der Loyalität der hawaiianischen Japaner nicht sicher war, setzte sich der dort amtierende Militärgouverneur vehement gegen die Forderungen der Navy und der Regierungsspitze zur Wehr, sämtliche japanisch-stämmige Menschen auf einer benachbarten Insel zu evakuieren. Emmons argumentierte, ein derartiges Vorhaben sei zu gefährlich und aufgrund mangelnden Schiffsraums, Baumaterials und Truppen unmöglich durchführbar. Hinzu kam, dass die japanischen Arbeiter zum Wiederaufbau von Pearl Harbor, sowie für die Landwirtschaft dringend benötigt wurden. Gegen eine Massenevakuierung sprachen sich auch wirtschaftliche Interessensgruppen, Lokalpolitiker, Geschäftsmänner und der hawaiianische FBI-Chef aus, welchen die Vorgänge auf dem Festland - ebenso wie der hawaiianischen Presse - ein Dorn im Auge waren. Die 2 000 Nisei, die in der hawaiianischen Armee dienten, blieben auf Drängen Emmons auch nach Pearl Harbor auf Hawaii stationiert. Viele von ihnen kämpften später in der 442. Regimentstruppe.65

III Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

1.) Vor Gericht

a) Präzedenzfälle

Während die meisten japanischen Amerikaner DeWitts Anordnungen widerstandslos gefolgt waren, kam es 1942 zu vier Verhaftungen, die als Präzedenzfälle vor dem Obersten Gerichtshof angefochten wurden: Fred Korematsu, Minoru Yasui und Gordon Hirabayashi hatten entweder die Ausgangssperre verletzt oder sich der Evakuierung und Internierung widersetzt. Mitsuye Endo hatte keine der Anordnungen und Gesetze gebrochen. Die beim Verkehrsamt von Sacramento angestellte Japanerin wurde vom Staat Kalifornien jedoch frist- und grundlos entlassen. Alle Fälle haben gemeinsam, dass sich Juristenteams ihrer annahmen und die eigentlichen Kläger im Hintergrund blieben. Endos Anwalt reichte eine Habeas-Corpus Klage beim Bundesbezirksgericht von San Francisco ein, welche im Juli 1943 aber abgewiesen wurde. Daraufhin brachte er den Fall vor den Obersten Gerichtshof. In den anderen drei Fällen kam es zu Verurteilungen durch die zuständigen Bezirksgerichte, woraufhin sich die Verteidiger ebenfalls an den Obersten Gerichtshof wandten.

Im Fall „Ex Parte Endo“ (1944) urteilte das Gericht, dass loyale Staatsbürger nicht gegen ihren Willen festgehalten werden dürften, was die Autorität der WRA erheblich einschränkte. Endo erlangte daraufhin ihre Freiheit. In den Urteilen zu „Hirabayashi v. US“, „Korematsu v. US“ und „Yasui v. US“ erhielten die Richter, obgleich sie nicht immer einer Meinung waren66, den „Executive Order 9066“ und die damit verbundenen Anordnungen aufgrund der „militärischen Notwendigkeit“ aufrecht.67

b) Das Coram Nobis-Verfahren

Nahezu 40 Jahre blieben die Urteile „Hirabayashi v. US“, „Yasui v. US“ und „Korematsu v. US“ unangetastet, als der Anwalt Peter Irons 1981 Hirabayashi und Korematsu informierte, dass die Regierung zur Zeit der Urteile wissentlich Beweismaterial68 zurückgehalten hatte. Eine Gruppe kompetenter, junger Anwälte japanischer Abstammung brachte daraufhin die Fälle als „petition for a writ of error coram nobis“ 1983 erneut vor das Oberste Gericht.69 Im Fall von Korematsu wurden die Urteile in allen Instanzen ausgesetzt, das Urteil des Obersten Gerichtshofes behielt jedoch seine Gültigkeit. Yasuis Antrag auf das Coram Nobis-Verfahren wurde 1984 abgelehnt, worauf dessen Verteidiger Berufung einlegte. Bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wurde, starb der Kläger aber im Jahre 1986. Im Fall von Hirabayashi wurde nur das Urteil der ersten Instanz bezüglich des ersten Anklagepunkts ausgesetzt. Das Urteil des Obersten Gerichtshofes zur Verletzung der Ausgangssperre wurde aufrecht erhalten, worauf beide Parteien Berufung einlegten. 1988 wurde schließlich in erster Instanz eine Aussetzung des Urteils in beiden Anklagepunkten entschieden, da beide gleichermaßen auf der Theorie der militärischen Notwendigkeit basierten.

Somit wurde zwar in allen drei Fällen die Aussetzung der Urteile erreicht und die Regierung prinzipiell für schuldig erklärt, dem Obersten Gericht und den Verteidigern Beweismaterial vorenthalten zu haben. Die Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes blieben aber gültig.70

c) Die Schadensersatzklage

1983 gab es noch eine weitere Klage, die sich mit der Verfassungsmäßigkeit der Internierung befasste: „United States v. Hohri et al.“. 19 Amerikaner japanischer Abstammung, darunter William Hohri, brachten zusammen mit dem 1979 gegründeten „National Council for Japanese American Redress“ (NCJAR) eine Massen-Schadensersatzklage vor das Bezirksgericht von Washington, D.C. Für die 22 damals von der WRA und den anderen verantwortlichen Instanzen verübten Gesetzesverletzungen, die auch den Verlust ideeler Werte beinhalteten, forderten die Kläger insgesamt 27,5 Milliarden Dollar - 220 000 Dollar für jeden der 120 000 Überlebenden oder deren Erben. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass die Frist für einen derartigen Antrag längst verstrichen sei und plädierte für Ablehnung der Klage, woraufhin der NCJAR Berufung einlegte. Nachdem die Klage von Instanz zu Instanz geleitet wurde, kam es im Juni 1987 schließlich zu einer Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof, wurde aber wieder an die zweite Instanz abgegeben. Im Oktober 1988 verweigerte der Oberste Gerichtshof einen „writ of certiorari“ und setzte den Forderungen der ehemals Evakuierten nach Gerechtigkeit ein Ende.

Inzwischen hatte der Kongress aber einen Gesetzentwurf eingebracht, das jedem Überlebenden 20 000 Dollar Schadenersatz zusprach. Am 10. August 1988 unterschrieb Präsident Reagan den „Civil Liberties Act“71 und entschuldigte sich öffentlich für die Ungerechtigkeit von damals.72 Die Regierung zahlte die ersten Schecks allerdings erst 1990 aus, obwohl bekannt war, dass monatlich etwa 200 ehemalige „Internees“ starben.73 Dennoch war der „Civil Liberties Act“ einmalig in der amerikanischen Geschichte: Nie zuvor hatte sich die Regierung bei einer Minderheitengruppe für ihr Vorgehen entschuldigt. Das Gesetz kann als Beweis für die immer stärker werdende japanische Gemeinschaft in den USA gesehen werden.74

2.) Japanische Amerikaner heute– eine „Model Minority“?

Wie bereits erwähnt, nahmen die Feindseligkeiten gegenüber japanisch-stämmigen Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg spürbar, wenn auch schrittweise, ab. 1952 bekamen die Issei durch den „McCarran-Walter Immigration and Naturalization Act“ die Möglichkeit, sich um Einbürgerung zu bewerben. Unter Präsident Johnson wurden dann die Einwanderungsquoten der Asiaten denen der Europäer angeglichen - eine Idee, die auf Kennedy zurückging.

In den Siebziger Jahren entwickelte sich Japan zu einer wirtschaftlich starken Industrienation und Konkurrenz Amerikas. Die in den USA rasant anwachsende Minderheit durchlebte gleichzeitig einen Wandel zur sogenannten „Model Minority“, welche den Afro-Amerikanern und Mexikanern oft als Vorbild präsentiert wurde: Menschen japanischer Abstammung galten nun (und gelten noch heute) als „hart arbeitend“, „loyal“, „höflich“, „gewissenhaft“, „intelligent“, „einfallsreich“, “sorgfältig“ und „sauber“. 1980 wurden in Kalifornien 32 % japanisch-weiße Hochzeiten verzeichnet - ein Phänomen, das noch einige Jahrzehnte zuvor undenkbar gewesen wäre. Immer mehr Nisei und Sansei sind im Kongress und in der lokalen Politik vertreten, studieren an Elite-Universitäten (vor allem im technischen und naturwissenschaftlichen Sektor) und verzeichnen höhere Löhne als ihre asiatischen Mitmenschen. Der Erfolg der Minderheit hat sich jedoch zu einem neuen Vorurteil entwickelt, wobei vergessen wird, dass es auch arme japanische Familien gibt und die Löhne generell niedriger sind als von Weißen. Japanische Amerikaner sehen sich auch heute noch Feindseligkeiten, die oft auf Eifersucht basieren, gegenüber: Weiße Studenten lesen in der Abkürzung U.C.L.A. beispielsweise „University for Caucasians Living among Asians“. Auch gewaltsame Übergriffe gegenüber sämtlichen asiatischen Gruppen kommen immer wieder vor - aus Angst vor Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, Überfremdung und Identitätsverlust.75

C Schluss

Als einzige Gruppe unter ihren asiatischen Mitmenschen wurde den auf dem amerikanischen Festland lebenden Japanern die schlimme Erfahrung der Zwangsinternierung während des Zweiten Weltkriegs zuteil. Die Gründe für diese Maßnahme, welche 1988 durch den von Präsident Reagan unterzeichneten „Civil Liberties Act“ öffentlich entschuldigt und durch Zahlungen entschädigt wurde, sind sehr vielfältig und schwer nachvollziehbar. Japans zunehmend aggressive Außenpolitik in den Dreißiger Jahren führte zu regelrechten Hetzkampagnen seitens der Presse, lokaler und Bundespolitiker, rassistisch motivierter Interessensgruppen und Gewerkschaften, wobei zu beachten ist, dass sich die japanischen Einwanderer schon vorher feindseligen Stimmungen gegenüber sahen. Dieses Miteinander verschiedenster Argumente, die Japaner aus dem Westen Amerikas zu verdrängen, stärkte Präsident Roosevelt und den anderen Verantwortlichen schließlich den Rücken, die lang geplante Internierung zu vollziehen.

Einige der 77 000 Nisei, die als US-Staatsbürger zwischen 1942 und 1946 sämtliche Grundrechte verloren, kämpften vor Gericht für Gerechtigkeit. Doch ihren Kinder, den Sansei, ist es zu verdanken, dass das jahrelange Schweigen gebrochen wurde. Sie waren es, die sich zu Lobbygruppen zusammenschlossen und sich aktiv für das „Redress Movement“ einsetzten. Ihnen ist es zu verdanken, dass die ehemals Evakuierten entschädigt wurden und eine öffentliche Entschuldigung erfuhren - wenn auch so spät, dass viele Issei und Nisei dieses nicht mehr erlebten. Durch die Sansei und ihre Kinder wird die traurige Geschichte der in den USA lebenden japanischen Minderheit in Romanen, Filmen und Theaterstücken verarbeitet und bleibt so im Gedächtnis der amerikanischen Bevölkerung.

Literaturverzeichnis

?? Hatamiya, Leslie T.: Righting a Wrong. Japanese Americans and the Passage of the Civil Liberties Act of 1988. Stanford 1993.

?? Junker, Detlef: Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929 - 1945. In: Adams, Willi Paul / Lösche, Peter (Hrsg.): Länderbericht USA. Bonn 1998.

?? Kim, Hyung-chan: A Legal History of Asian Americans, 1790 - 1990. Westport 1994.

?? Matyas, Irene: Die Internierung japanisch-stämmiger Amerikaner während des Zweiten Weltkrieges. Vorgeschichte, Ereignisse und Folgen. Wien/ Köln 1990.

?? Norton, Mary Beth et al.: A People and a Nation. A History of the United States. Boston 1998.

?? Takaki, Ronald: Strangers From a Different Shore. A History of Asian Americans. Boston 1989.

[...]


1 Vgl. Matyas, Irene: Die Internierung japanisch-stämmiger Amerikaner während des Zweiten Weltkrieges. Vorgeschichte, Ereignisse und Folgen. Wien/ Köln 1990. S. 7.

2 Wenige Japaner wanderten auch nach Alaska aus. Vgl. ebd., S. 8.

3 Vgl. ebd., S. 7f. und Takaki, Ronald: Strangers from a Different Shore. A History of Asian Americans. Boston 1989. S. 132.

4 Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 132 ff. Auf den Seiten 156 ff. beschreibt Takaki sehr anschaulich das tägliche Leben der auf Hawaii lebenden Asiaten.

5 Vgl. ebd., S. 180 f. und Matyas, I.: Die Internierung, S. 8.

6 Unter Issei sind japanische Einwanderer zu verstehen, die in Japan geboren wurden. Das Wort ist im Japanischen gleichbedeutend mit „erster Einwanderergeneration“. Die Kinder der Issei, also die zweite Generation, heißen dementsprechend „Nisei“, die dritte Generation „Sansei“, die vierte „Yonsei“ und die fünfte Generation „Gosei“. Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 1f.

7 Vgl. ebd., S. 9 ff. und Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 182 ff.

8 Eine kurze Zusammenfassung der chinesischen Einwanderung und die damit verbundene Fremdenfeindlichkeit ist im Exkurs auf Seite nachzulesen.

9 Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 8ff.

10 Vgl. ebd., S. 11.

11 Ebd., S. 182.

12 Ebd., S. 183.

13 Vgl. ebd., S. 12 ff.

14 Der Japanerin Nishimura war in San Francisco die Einreise mit der Begründung verweigert worden, sie stelle eine „public charge“ dar. Ihre Klage vor dem Obersten Gerichtshof war erfolglos. Vgl. Kim, Hyung-chan: A Legal History of Asian Americans, 1790 - 1990. Westport 1994. S. 76 ff.

15 Die Klage von Yamataya wurde aus ähnlichen Gründen vom Obersten Gerichtshof zurückgewiesen. Details zu den beiden Urteilen sind ebd. Auf den Seiten 87 f. nachzulesen.

16 Vgl. ebd., S. 101 f. und Matyas, I.: Die Internierung, S. 12 f.

17 Vgl. Kim, H.: A Legal History, S. 102 f.

18 Während 1907 noch 12 888 Japaner einreisten, sank ihre Zahl 1908 auf 8 340 und 1909 auf 1 596. Vgl. ebd., S. 103.

19 Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 13 f. „Picture Brides“ waren Japanerinnen, die zum Heiraten in die USA kamen. Ausgesucht wurden sie von den Eltern eines in Amerika lebenden Issei. Nachdem Fotos von den Brautleuten ausgetauscht wurden und beide einer Heirat zustimmten, stand einer Hochzeit nichts mehr im Wege.

20 Vgl. ebd., S. 2 f. und 14. Die Issei überschrieben das Land zum Beispiel an ihre Kinder, da diese und alle Generationen nach ihnen gemäß dem Ius Soli von Geburt an amerikanische Staatsbürger waren.

21 Vgl. ebd., S. 14 und Kim, H.: A Legal History, S. 104 und 126 f. In den Fällen „Porterfield v. Webb“, „Terrace v. Thompson“ und „Webb v. O’Brien“ (alle 1923) erhielt der Oberste Gerichtshof die Landgesetze der Staaten Kalifornien und Washington aufrecht.

22 Vgl. ebd., S. 15 und Kim, H.: A Legal History, S. 111 ff. Im Fall „Takao Ozawa v. US“ (1922) lehnte der Oberste Gerichtshof die Klage auf Einbürgerung eines jungen Japaners ab, der 20 Jahre durchgehend in Amerika gelebt und auch dort studiert hatte. Im Fall „Takuji Yamashita et al. v. Hinkle“ wurde die US-Staatsbürgerschaft eines bereits eingebürgerten Japaners für nichtig erklärt und im Fall „Toyota v. US“ sprach das Gericht einem Japaner das in zwei Gesetzen verankerte Recht auf Staatsbürgerschaft für Soldaten anderer Nationalitäten ab.

23 Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 15 f. und Kim, H.: A Legal History, S. 113 f. Enormer Druck, das Gesetz durchzusetzen kam von dem Gründer der „Immigration Restriction League“, Senator Henry Cabot Lodge. Ihm gelang es mit zweifelhafter Argumentation, viele Senatoren auf seine Seite zu ziehen.

24 Vgl. Kim, H.: A Legal History, S. 45 f.

25 Vgl. ebd., S. 47 und Maryas, I.: Die Internierung, S. 9.

26 Die Gesetze und Gerichtsurteile lassen sich bei Kim, H.: A Legal History auf den Seiten 47 ff. nachlesen.

27 Vgl. ebd., S. 51 f. und 60 ff.

28 Kim, H.: A Legal History, S. 42 f.

29 Vgl. ebd., S. 55 f. und Matyas, I.: Die Internierung, S. 9.

30 Gerade die Nisei waren amerikanische Staatsbürger aus voller Überzeugung. Während die Issei von ihren Kindern Gehorsam verlangten, träumten letztere den amerikanischen Traum von Erfolg und Reichtum, strebten nach Vergnügen und waren gut in der Schule. Als sich der Konflikt mit Japan zu verschärfen begann, schlugen sich die Issei auf die Seite Japans, während ihre Kinder Japans Politik ablehnten. Ihre Loyalität zu Amerika bekundeten viele Nisei mit der Mitgliedschaft in der 1930 gegründeten „Japanese Americans Citizens League“ (JACL), welche das Ziel verfolgte, die Nisei gänzlich zu assimilieren und zu guten amrikanischen Staatsbürgern zu machen. Die JACL arbeitete sogar mit FBI und militärischen Geheimdiensten zusammen, konnte aber der „Yellow Peril“-Paranoia kaum entgegenwirken. Vgl. ebd., S. 105 f. und Matyas, I.: Die Internierung, S. 16 ff.

31 Vgl. Norton, Mary Beth et al.: A People and a Nation. A History of the United States. Boston 1998. S. 768 ff.

32 Junker, Detlef: Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929 - 1945. In: Adams, Willi Paul/ Lösche, Peter (Hrsg.): Länderbericht USA. Bonn 1998. S. 134.

33 Die Isolationisten waren gegen einen Eingriff der USA in den europäischen Krieg, da nach ihrer Meinung amerikanische Kriegsführung nur im Verteidigungsfall zu rechtfertigen sei. Grund für die Raushalte-Politik waren die negativen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg. Man solle sich lieber um die innenpolitischen Defizite kümmern, anstatt Weltpolizei zu spielen, zumal keine echte Gefahr drohe. Kernpunkt des Streits zwischen Roosevelt und seinen Gegnern war die „zukünftige Stellung der USA in der Welt“. Vgl. ebd., S. 135 f.

34 Vgl. Norton, M.B.: A People and a Nation, S. 769 ff.

35 Am 7. Dezember 1941 flogen 360 japanische Kampfflugzeuge Bomben- und Torpedoangriffe auf den

hawaiianischen Militärstützpunkt Pearl Harbor. Insgesamt wurden acht Kriegsschiffe, mehrere kleinere Schiffe und 160 US-Flugzeuge zerstört, 2 403 Menschen getötet und 1 178 verletzt. Bestimmte Kreise vermuteten, dass der Angriff Teil einer Verschwörung der US-Regierung sei, um dem Krieg „durch die Hintertür“ beizutreten. Vielmehr scheint aber wahr zu sein, dass der Stützpunkt vollkommen unvorbereitet war und ein Angriff eher auf Ziele in Thailand oder den Philippinen erwartet wurde. Vgl. ebd., S. 774.

36 Details hierzu sind bei Junker, D.: Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg auf S. 136 nachzulesen.

37 Den Kriegsverlauf im Pazifik möchte ich in dieser Arbeit vernachlässigen. Zu erwähnen ist, dass es den USA ab 1942 gelang, die Japaner durch eine Strategie des Inselhüpfens und der Entschlüsselung japanischer Militärbotschaften zurückzuschlagen. Doch erst im August 1945, nachdem der Dschungelkrieg und die verheerenden Abwürfe von Atombomben auf die Städte Hiroshima und Nagasaki 1,2 Millionen Todesopfer auf japanischer Seite gefordert hatten, entschloss sich Japan zur Kapitulation. Vgl. Norton, M.B.: A People and a Nation, S. 786 ff.

38 Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 17 ff und 184, sowie Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S 390.

39 Fast alle dieser 120 000 Menschen waren an der Westküste der USA wohnhaft. Obwohl sie auf Hawaii einen weitaus größeren Prozentsatz (37%) als auf dem Festland (unter 1 %) ausmachten, wurde die Situation dort vollkommen anders gehandhabt. Vgl. Exkurs auf Seite.

40 Vgl. Norton, M.B.: A People and a Nation, S. 795.

41 Vgl. Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 387 und Matyas, I.: Die Internierung, S. 25 f.

42 Bereits Ende 1941 hatte DeWitt angeordnet, dass alle „enemy aliens“ Kurzwellenempfänger, Ferngläser, Kameras und Waffen abgeben müssten. DeWitt rechtfertigte diese Maßnahme mit einer angeblich drohenden japanischen Invasion an der Westküste. Zeitweise waren dort zwar japanische U-Boote gesichtet worden, doch handelte es sich um gezielte Übertreibungen DeWitts und der Militärpolizei. Vgl. Hatamiya, Leslie T.: Righting a Wrong. Japanese Americans and the Passage of the Civil Liberties Act of 1988. Stanford 1993. S. 11 und Matyas, I.: Die Internierung, S. 32 und 38 ff.

43 Henry McLemore, Kolumnist der „Hearst Papers“, machte aus seiner Japan-feindlichen Einstellung keinen

Hehl: „I am for the immediate removal of every Japanese on the West Coast to a point deep in the interior (...) let ´em be pinched, hurt, hungry. Personally, I hate the Japanese. And that goes for all of them.“ Hatamiya, L.T.: Righting a Wrong, S. 12.

44 Vgl. Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 386 f. und Matyas, I.: Die Internierung, S. 27 ff.

45 DeWitt hatte folgendes empfohlen: „The Japanese race is an enemy race and while many second and third generation Japanese born on United States soil, possessed of United States citizenship, have become ‚Americanized‘, the racial strains are undiluted. (...) It therefore follows that along the vital Pacific coast over 112 000 potential enemies, of Japanese extraction, are at large today.“ Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 391.

46 Biddle betonte: „My last advice (...) is that there is no evidence of planned sabotage.“ Ebd., S. 391 und Hatamiya, L.T.: Righting a Wrong, S. 14.

47 Vgl. Anhang, Seite I. Es ist interessant, dass die japanisch-stämmigen Amerikaner in diesem Dokument nicht konkret genannt werden.

48 Eine Karte von Militärzone I befindet sich im Anhang, Seite II.

49 Vgl. Hatamiya, l.T.: Righting a Wrong, S. 14 ff.

50 Die Frage, warum die Japaner keinen Widerstand leisteten, war immer wieder gestellt worden. Der Grund ist wohl in der patriarchalisch-hierarchisch gegliederten japanischen Kultur zu finden. Nachdem viele Issei vom FBI festgenommen worden waren, fehlte meist das Familienoberhaupt. Eine Rolle spielte auch kulturell verankerte Gehorsam. Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 68 ff.

51 Ein Zeitzeuge berichtete: „It is difficult to describe the feeling that is of despair and humiliation experienced by all of us as we watched the Caucasians coming to look over our possessions and offering such nominal amounts, knowing we had no recourse but to accept whatever they were offering because we did not know what the future hgeld for us.“ Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 392 f.

52 Vgl. ebd., S. 394.

53 In Kalifornien gab es die Lager „Manzanar“ und „Tule Lake“, in Arizona „Poston“ und „Gila River“, in Arkansas „Rohwer“ und „Jerome“, in Idaho „Minidoka“, in Wyoming „Heart Mountain“, in Utah „Topaz“ und in Colorado „Granada“. Vgl. Hatamiya, L.T.: Righting a Wrong, S. 19. Im Anhang, Seite III, findet sich eine Karte der verschiedenen Lager.

54 Vgl. Hatamiya, L.T.: Righting a Wrong, S. 19 f. und Matyas, I.: Die Internierung, S. 77 f.

55 Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 81 ff.

56 Ironischerweise kam Roosevelt nun zu dem Schluss: „No loyal citizen of the United States should be denied the democratic right to exercise the responsibilities of his citizenship, regardless of his ancestry (...)“. Vgl. Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 397.

57 In Frage 27 ging es um die Bereitschaft, in der US-Armee zu dienen. Frage 28 fragte nach der Amerikatreue der Issei und Nisei und, ob sie ihrer einstigen Loyalität gegenüber Japan abschwören würden. Hinter Frage 28 vermuteten viele eine Fangfrage und wussten nicht, wie sie antworten sollten. Vgl. Hatamiya, L.T. : Righting a Wrong, S. 20 f.

58 Der Prozentsatz der „No-Nos“ und „Yes-yes“ variierte je nach Lager. Besonders in Tule Lake gab es viele

Verweigerer. Im Herbst 1943 beschlossen der Senat, die JACL und die WRA, sämtliche „No-nos“ in Tule Lake zu segregieren, wo die Sicherheitsvorkehrungen erhöht wurden. Etwa 6 000 „Yes-yes“ aus Tule Lake kamen in „normale“ Lager. In Tule Lake kam es in der Folgezeit des öfteren zu Streiks und extremistischen Aktionen. Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 91 ff.

59 Grundlage war der Mitte 1944 verabschiedete „Denaturalization Act“. Der Großteil der Antragsteller kam aus Tule Lake. Etwa 4 000 von ihnen versuchten später, diesen Schritt zu widerrufen. Wayne Collins, Anwalt der American Civil Liberties Union (ACLU) übernahm daraufhin deren Verteidigung. Nachdem ein Bezirksgericht 1950 urteilte, dass jeder Fall einzeln entschieden werden müsse, zogen sich die Prozesse bis ins Jahr 1968 hinein. Vgl. Hatamiya, L.T.: Righting a Wrong, S. 21.

60 Vgl. Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 397 ff. und Matyas, I.: Die Internierung, S. 99.

61 Vgl. Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 399 ff und Hatamiya, L.T.: Righting a Wrong, S. 21 ff.

62 Im Innenministerium befürchtete man eine Gewöhnung der Lagerinsassen an die im Lager gewährleistete

soziale Sicherheit und somit eine erschwerte Wiedereingliederung, je mehr Zeit verstrich. Vgl. Matyas, I. : Die Internierung, S. 104 f.

63 Die meisten Lager wurden aber im Oktober und November 1945 geschlossen. Tule Lake existierte bis März 1946 weiter. Seine 3 121 „extremistischen“ Insassen wurden entweder in das Internierungslager des Justizministeriums, „Crystal City“, verlegt oder anderweitig inhaftiert. Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 107 ff.

64 Vgl. ebd., S. 103 ff. und Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 404 f.

65 Vgl. ebd., S. 41 ff. und Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 380 ff.

66 Vor allem im Fall „Korematsu v. US“ kam es zu hitzigen Debatten der Richter. Richter Murphy machte seiner abweichenden Meinung folgendermaßen Luft: „Today is the first time (...) that we have sustained a substantial restriction of the personal liberty of citizens of the United States based upon the accident of race or ancestry. Under the curfew order here challenged no less than 70 000 American citizens have been placed under a special ban and deprioved of their liberty because of their particular racial inheritance.” Kim, H.: A Legal History, S. 135.

67 Vgl. Hatamiya, L.T.: Righting a Wrong, S. 23 f. und Matyas, I.: Die Internierung, S. 111 ff. (sehr detailliert!)

68 Zu dem Beweismaterial zählte ein WRA-Memorandum, ein Zeitschriftenartikel und der ursprüngliche „Final Report“ von DeWitt, der unter anderem besagte, man könne loyale nicht von illoyalen Japanern unterscheiden. Letzterer war vom Kriegsministerium abgeändert worden. Alle Hinweise auf das Original hatte man vernichtet. Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 151 f.

69 Ein derartiges, überaus seltenes Verfahren ist nur möglich, wenn das Gericht einem grundlegenden faktischen Irrtum bei seinem Urteil unterliegt. Vgl. ebd., S. 151.

70 Vgl. ebd., S. 150 ff. und Kim, H. A Legal History, S. 173 f.

71 Siehe Anhang, Seite IV.

72 Eine Grundlage für den „Civil Liberties Act“ war unter anderem „Public Law 96-317“, ein Gesetz, das 1980 von Präsident Carter unterschrieben wurde und die „Commission on Wartime Relocation and Internment of Civilians“ (CWRIC) ins Leben rief. Aufgabe der Kommission war es, die Umstände, die zu „Executive Order 9066“ geführt hatten, zu untersuchen und geeignete Rechtsmittel für eine eventuelle Entschädigung zu finden. In Hearings wurden 750 Zeugen gehört. In dem 467-seitigen Abschlussbericht stellte die Kommission fest, dass die Maßnahme nicht mit dem Argument der „militärischen Notwendigkeiten“ zu rechtfertigen sei. DeWitt wurde neben Stimson und Roosevelt zum Hauptverantwortlichen erklärt. Vgl. Matyas, I.: Die Internierung, S. 169 ff.

73 Vgl. ebd., S. und Kim, H.: A Legal History, S. 174 f.

74 Vgl. Hatamiya, L.T.: Righting a Wrong, S. 191 ff. Das gesamte Buch beschäftigt sich mit diesem Gesetz und seinen Auswirkungen auf die Situation der in Amerika lebenden japanisch-stämmigen Minderheit.

75 Vgl. Takaki, R.: Strangers from a Different Shore, S. 473 ff.

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Die Internierung der in Amerika lebenden japanischen Minderheit während des Zweiten Weltkriegs
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Staatsangehörigkeitskonzepte in den USA und Deutschland
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V105781
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internierung, Amerika, Minderheit, Zweiten, Weltkriegs, Staatsangehörigkeitskonzepte, Deutschland
Arbeit zitieren
Petra Fröschl (Autor), 2000, Die Internierung der in Amerika lebenden japanischen Minderheit während des Zweiten Weltkriegs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105781

Kommentare

  • Gast am 27.12.2007

    Eine gute Zusammenstellung.

    Vielen Dank für die gute Zusammenstellung

  • Gast am 5.9.2014

    Sehr gute arbeit

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Titel: Die Internierung der in Amerika lebenden japanischen Minderheit während des Zweiten Weltkriegs



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