Osama bin Laden, der Djihad und der Internationale Terrorismus


Referat / Aufsatz (Schule), 2002
12 Seiten

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Vorwort

Der 11. September 2001 ist ein ganz normaler Tag in New York. Der Stadt erwacht, und die Menschen strömen zu ihren Arbeitsplätzen. Auch die Büros im World Trade Center füllen sich. Um 08:45 Uhr Ortszeit zerplatzt die Normalität. Eine Passagiermaschine der American Airlines, Flug 011, rast in den nördlichen der über 400 Meter hohen Bürotürme des World Trade Centers. In einem Feuerball zerbirst die Maschine. Ein riesiges Loch klafft im Gebäude. 18 Minuten später, um 09:03 Uhr, kracht der United Airlines Flug 175 vor den laufenden Kameras etlicher Amateurfilmer in den zweiten südlichen Turm der Twin Towers und explodiert. Beide Hochhäuser brennen und stürzen später in sich zusammen. Tausende Menschen sind tot, begraben unter dem Beton-Skelett. Das einstige Wahrzeichen von Süd- Manhattan existiert nicht mehr!

Aber der Horror hält an. Um 09:43 Uhr fällt eine Boing 757 des United Airlines-Fluges 077 auf den Süd-Flügel des Pentagon. Washington ist wie gelähmt. Um 10:10 Uhr stürzt eine Boing 757 der United Airlines, Flug 093, in Pennsylvania ab. Später finden Experten heraus, dass die Maschine auf den rund 140 Kilometer entfernten Landsitz des US-Präsidenten Camp David gesteuert werden sollte.

Alle Maschinen sind von Terroristen fast gleichzeitig auf Inlandsflügen in den USA entführt worden. Amerika und die gesamte Welt steht unter Schock. Die schlimmsten Szenarien, von Terrorismusforschern immer wieder durchgespielt, wurden übertroffen. Die USA erleben den ersten terroristischen Super-GAU in der Geschichte dieses Gewaltphänomens. Seit dem 11. September 2001 kann es keine Science-Fiction-Filme mehr geben, wie sie Hollywood so oft für uns inszeniert hat - die Realität hat die Fiktion eingeholt.

Der Terroranschlag auf New York und Washington hatte zwei ebenso klare wie entsetzliche Ziele: die Zerstörung der Symbole für die Führungskraft der westlichen Welt und die Tötung möglichst vieler Menschen. Das Resultat ist Angst. Die Betroffenheit und das Erschrecken über die Verwundbarkeit unserer „ perfekten “ Welt macht noch mehr Angst.

Zusammenfassung der Geschehnisse:

11. September 2001: Selbstmordattentäter entführen vier Passagiermaschinen und lenken sie direkt ins Herz Amerikas. Tausende Menschen verlieren im World Trade Center, im Pentagon und in den gekaperten Flugzeugen ihr Leben. Die Welt ist geschockt.

Im Fokus der Ermittlungen über das Attentat steht ein Mann: Osama bin Laden. Der aus Saudi-Arabien stammende Multimillionär gilt als Drahtzieher des internationalen Terrors. Mit einer Armee von Fanatikern will er einen „ Heiligen Krieg “ in die ganze Welt tragen. Dabei verändert er die Einstellung zum Islam und rückt eine an sich dem Frieden verpflichtete Religion in die Nähe brutaler, unmenschlicher Gewalt. Der im 20. Jahrhundert unter dem Einfluss Europas entstandene Islamismus entsprang zwar aus dem Islam, hat aber ansonsten nicht viel mit ihm zu tun. Innerhalb der verschiedenen Terrorgruppen, die aus dieser Bewegung entstanden, war es Osama bin Laden, der die Weichen für den absoluten Kampf gegen Amerika stellte: Anstatt die Machthaber in der eigenen Region zu unterhöhlen, solle man lieber den „ Gro ß en Satan “ , die USA, ins Visier nehmen. Am 11. September 2001 kam Osama bin Laden diesem Ziel einen großen Schritt näher - falls er tatsächlich der Drahtzieher dieses entsetzlichen Anschlags ist.

„Djihad“, was ist das ?

Was sagt das Lexikon ?

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] der (Dschihad), im Islam der allumfassende Einsatz für die Sache Gottes (Allahs); beinhaltet für den Muslim die Pflicht, nach seinen Möglichkeiten zur Verbreitung des Islam unter Nichtmuslimen beizutragen, das »Haus des Islam« (»Dar al-Islam«: [Herrschafts-]Gebiet des Islam) zu verteidigen und wenn erforderlich im Rahmen eines »heiligen Krieges« gegen erklärte Feinde des Islam vorzugehen. Hinsichtlich der Nichtmuslime unterscheidet der Koran zwischen den Ungläubigen (Polytheisten) und den Empfängern der göttlicher Offenbarung (Juden und Christen), wobei Letztere im Gegensatz zu Ersteren nicht zwangsbekehrt werden dürfen. Seit den 1970er-Jahren wird der Begriff Djihad von verschiedenen extrem islamistischen (terroristischen) Gruppierungen in ihren Selbst- Bezeichnungen verwendet (z.B. »Djihad Islami«).

Djihad - der „ Heilige Krieg “ der Islamisten ?

Gemäß einer islamistischen Überlieferung kamen die Gefährten Muhammads triumphierend aus einer Schlacht zurück, als der Prophet folgende Worte an sie richtete:

„Gut, diese Schlacht ist gewonnen. Das war aber nur der Kleine Djihad, nun beginnt der Große Djihad.“

Die traditionelle Bedeutung des islamistischen Begriffs Djihad

Für was stehen nun aber diese Begriffe, die ständig als Motiv der Terroristen genannt werden, die der Attentate am 11. September 2001 beschuldigt werden ? Djihad bezeichnet in der islamischen Welt primär ein ethnisches Prinzip, eine Art moralische Wiederaufrüstung. Die meisten Muslime verstehen darunter Engagement für eine gute Sache. Jede positive Anstrengung wird als Djihad bezeichnet, vor allem wenn damit Entbehrungen verbunden sind, wie etwa bei einem Universitätsstudium.

Wörtlich bedeutet Djihad zunächst „ Anstrengung “ und „ Kampf “. Mit dem Großen Djihad wird ein Akt der Selbstüberwindung, eine Art Selbstläuterung (djihad bi-n-nafs) bezeichnet.

Ein Mensch, der den Djihad ausübt, heißt Mudjahid. Das Gegenstück dazu bilden die Qa’idin („ die, die zu Hause sitzen bleiben “), also die Drückeberger. Nur unter ganz bestimmten Umständen wird der Begriff Kleiner Djihad auf den Kampf mit Waffen angewendet. Doch dazu müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein: Voraussetzung dafür ist immer, dass Gläubige (das schließt Juden und Christen mit ein !) an der Ausübung ihrer Religion gehindert werden. Das heißt, nicht jeder Krieg, nicht einmal jeder Verteidigungskrieg, darf als Djihad bezeichnet werden, sondern nur wenn er nachweislich gegen Menschen geführt wird, die aktiv gegen Religionen vorgehen.

Das Ziel der genauen Definition konnte sich allerdings nicht immer behaupten, da religiöse und politische Interessen sich oft schwer trennen lassen.

Der internationale Terrorismus

Typologisch ist Osama bin Laden der neue Typ eines Terroristen. Er verknüpft seinen Kreuzzug gegen die „ Ungl ä ubigen “ mit üppigen Finanzressourcen. Extremismus und Geld führen bei ihm am Ende zum Terrorismus: die makabere Gleichung eines terroristischen „ global players “ mit einem weltweit verzweigten Finanz- und Terrorimperium. Osama bin Laden ist ein Privatterrorist mit einer Privatarmee, nach seinem Verständnis ein „Soldat Allahs“, der bereit ist unter Missbrauch des Islam Tausende zu töten oder töten zu lassen. Daher gewinnt auch das Bild des internationalen Terrorismus durch die Anschlagserie in den USA in seinen Dimensionen und in seinem Täterprofil völlig neue Konturen.

Die Szene des nationalen und internationalen Terrorismus, sein Erscheinungsbild und seine Akteure sind um die Jahrtausendwende einem radikalen Umbruch unterworfen. So genannte „ klassische “ Terroristen der siebziger und achtziger Jahre sind längst Geschichte. Das Image und Outfit des Revolutionärs, wie es noch der Guerrillero Che Guevara einst pflegte, ist aus der Mode gekommen. Auch die berüchtigte deutsche „ Rote Armee Fraktion “ und ihre Nachfolger existieren nicht mehr.

Die Welt hat sich an der Schwelle zum 21. Jahrhunderts gewandelt. Gewandelt haben sich damit auch die Formen eines Krieges oder eines Konflikts. Klassische Konflikte zwischen Staaten werden zunehmend durch innerstaatliche Konflikte ersetzt. Der neue Typ des Krieges heißt in der Sprache der Militärexperten „ low intensity war “. Darunter versteht man einen Konflikt, der von nicht staatlichen Gruppen oder Organisationen nach neuen Regeln und für neue Ziele ausgefochten wird.

Terrorismus an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert ist „ Krieg “, der nicht erklärt wird, ein „ Krieg “ ohne klares Feindbild, eine Auseinandersetzung, die keine klaren Frontlinien kennt. Ein terroristischer Feldzug gegen die zivilisierte Welt, ein Feldzug geführt von einer Form- und Gestaltlosen Masse von in Kleinzellen operierenden fanatisierten Kämpfern. Diese tauchen plötzlich aus einer jahrelang gepflegten scheinbürgerlichen Anonymität auf, verabschieden sich von ihrem normalen Alltagsumfeld und sprengen sich und andere in die Luft. Keine Organisation übernimmt wie beim WTC die „ Verantwortung “. Ein Terrorkrieg, der die alten Definitionen von „ Krieg “ aufweicht.

Angesichts dieser jüngsten Dimensionen des Terrors bietet sich ein Vergleich mit den siebziger und achtziger Jahren geradezu an. Früher waren es noch relativ kleine, streng hierarchisch strukturierte Gruppen. Die Fahnder wussten, wer sie waren und was sie wollten.

Auch das hat sich inzwischen geändert. Die postmodernen Terroristen sind oft Einzeltäter, religiös hoch motiviert, verbunden nur durch eine gemeinsame Lehre, einen Auftrag, ein Ziel. Hinzu kommt eine Veränderung in der Motivation und Vorgehensweise einzelner Terrorgruppen bis hin zu einem „ apokalyptischen “ Fanatismus.

Eine furchtbare Qualität des Terrorismus erscheint am Horizont. Und die Gefahr droht immer stärker, dass Terroristengruppen Massenvernichtungsmittel in die Hände bekommen, wie einst am 20. März 1995 in Tokio, wo die Aum-Sekte das Giftgas Sarin in U-Bahn-Schächten verteilte - 11 Menschen starben. In Japan waren Sektierer am Werk, morgen schon könnte es der religiös inspirierte Glaubenskämpfer sein.

Die Gefahr in der Zukunft besteht in der Nachahmung.

Der Giftgas-Anschlag 1995 in Tokio und die beiden Anschläge auf das World Trade Center (1993 und 2001) haben die Verwundbarkeit der modernen Megametropolen wie mit einem Seziermesser offen gelegt. Neben der Horrorvision von NBC-Waffen (nuklear-biologisch-chemisch) in den Händen von Terroristen taucht noch ein weiteres Schreckensbild vor den Augen der Experten auf: Angriffe auf hochkomplizierte Computersysteme und Lahmlegung hochkomplizierter Institutionen, Behörden und Militäreinrichtungen durch intelligente Hacker im Dienste von Terroristen. Auch für dieses Szenario sind die Begriffe bereits vorhanden: Man spricht von Computerterror oder Cyberwar bzw. Netwar. Und das Medium schlechthin, einen solchen Krieg zu führen, bieten, ideal ob seiner Anonymität, der PC und das Internet. Der Terrorist von morgen könnte mit einer Tastatur und einem entsprechenden Tastendruck mehr Schaden anrichten als mit einer Bombe.

Die Zerstörung des World Trade Centers hat jedoch gezeigt, dass fanatische Täter durchaus noch mit einem „ klassischen Instrumentarium “, einem entführten Flugzeug als fliegender Bombe ihr Ziel erreichen können - wenn sie bereit sind, sich in einem als „heilig“ deklarierten Inferno selbst zu opfern. Denn das Phänomen des KamikazeTerroristen hat in den letzten 20 Jahren eine wachsende Popularität unter islamistisch-fundamentalistischen Terrorgruppierungen erlangt. Besonders in Nahen Osten wurden und werden Ansätze zum Frieden immer wieder durch die „ lebenden “ Bomben der HAMAS oder des Djihad al-Islami zerfetzt.

Kamikaze-Terror, wie beim Angriff auf die USA in New York und Washington, definiert sich als ein kaum zu verhinderndes taktisches Einsatzmittel. Denn: unter taktischen Aspekten kann der Terrorist selbst bestimmen, wann die Bombe zu zünden ist oder wann er als Kamikaze-Pilot das World Trade Center ansteuert. Ist das Suizid-Kommando einmal auf seinem Weg, ist der „ Erfolg “ seiner Aktion so gut wie garantiert. Die Abwehrchance ist gleich null. Ein weiterer „ Vorteil “ für die Planer einer Selbstmordaktion liegt darin, dass kein Fluchtweg für die Täter ausgearbeitet werden muss: Die Mission ist ein Trip ohne Wiederkehr.

Die Katastrophe von New York und Washington hat gezeigt: Gegenüber einem Terrorangriff mit Giftgas wäre die herausgeforderte Gesellschaft ihrerseits ohnmächtig. Eine Vorwarnzeit gibt es nicht. Die Abwehrchance ist gleich null. Traditionelles Krisenmanagement greift dann erst recht nicht mehr. Die Skala der Schreckensszenarien scheint aber auch jetzt noch nicht ausgereizt zu sein! Weitere apokalyptische Optionen sind möglicherweise nur verschoben. Denn seit dem 11. September 2001 kann nichts mehr ausgeschlossen werden.

Wer ist Osama bin Laden ?

Herkunft und Jugend

Osama ist das 17. von 57 Kindern des Muhammad bin Laden. Die Angaben zu seinem Geburtsjahr variieren. Manche Quellen geben 1955 an, andere vertreten die Ansicht, er sei erst 1957 geboren worden. Der Vater, der ursprünglich aus Südarabien (Jemen) stammt, war einer der größten Bauunternehmer Saudi- Arabiens. Zu den Riesenprojekten, die den Bauherrn zum Millionär machten, gehört auch die Erweiterung des Moscheekomplexes von Mekka, das Zentralheiligtum des Islam. Wie einige seiner Brüder begann Osama schon in sehr jungen Jahren, im Unternehmen seines Vaters zu arbeiten. Der fleißige und intelligente Jugendliche schien ein Leben als Bauunternehmer und Geschäftsmann vor sich zu haben.

Wie bei vielen anderen Arabern wird der Name auf unterschiedliche Weise wiedergegeben. Im Arabischen gibt es zwar nur eine einzige Schreibweise, doch die Umschreibung in lateinischen Buchstaben kennt Varianten wie Ben Laden, Bin Ladin, bin Ladin, bin Laden, BinLaden. Sein Vorname, Usama, wird oft von den Amerikanern leicht als Yusama ausgesprochen, deshalb schreiben Araber oft Osama.

Wie in traditionellen arabischen Familien üblich, heiratete Osama bin Laden sehr früh. Sein ältester Sohn heißt Muhammad, daher wird Osama unter Freunden AbuMuhammad (Vater Muhammads) genannt. Nach arabischem Brauch heißt er mit vollem Namen:

AbuMuhammad Usama binMuhammad BinLadin.

Osama wuchs in einer der steinreichsten Familien von Saudi-Arabien auf, ohne dass es über seinen Werdegang etwas Besonderes zu berichten gäbe. Mehrere seiner Brüder gingen zum Studium oder zur Ausübung ihrer Geschäfte zeitweilig in die USA, Osama scheint dagegen nie akademische Ambitionen besessen zu haben. Einer seiner Brüder, Tariq bin Laden, ist in den USA Direktor einer islamistischen Hilfsorganisation. Zu Vereinen wie den „ Muslim-Br ü dern “ hatte Osama als Jugendlicher kaum Beziehungen. Doch Ende der siebziger Jahre begann er, islamistische Schriften zu lesen und war schnell hingerissen.

Das Leben und „Schaffen“ des Osama bin Laden

Osama bin Laden hat die Legenden immer genossen, die sich immer mehr um seine Person ausbreiteten. Doch nicht alles ist geheimnisvoll an dem Leben des Mannes, der sich, mal in diesem Versteck, mal in jener Verkleidung, so gern geheimnisvoll gibt.

Er wurde als Sohn eines jemenitischen Vaters und einer syrischen Mutter im saudi- arabischen Dschidda geboren. Sein Vater war ein schwerreicher Mann, der als Bauunternehmer enge persönliche Kontakte zum Königshaus geknüpft hatte und dafür mit lukrativen Großaufträgen auch für den Ausbau der heiligen Stätten von Mekka und Medina belohnt wurde. Osama wuchs streng behütet von Nannies und erzogen von Privatlehrern auf, seine wenigen Spielgefährten stammten fast alle aus adeligem Umfeld, weshalb man dem schüchternen und eigenbrötlerischen Jungen auch bald „ den Prinzen “ rief.

Die Erfolgsfamilie Bin Laden war Teil des feudalen saudischen Systems, gekennzeichnet von Vetternwirtschaft und Verschwendungssucht.

1968 stürzte Osamas Vater in einem von einem amerikanischen Piloten gesteuerten Helikopter ab. Der 13-Jährige erbte 80 Millionen US-Dollar, zwei Jahre später gönnte er sich einen eigenen Rennstall mit Pferden. Mit 19 schrieb sich der junge Mann an der K ö nig-Abd-al-Asis-Universit ä t von Dschidda ein und machte fünf Jahre später sein Diplom als Ingenieur.

Dem bis dahin wenig Religiösen hat dann nach eigenen Aussagen das Wendejahr 1979 entscheidend geprägt. Ägypten und Israel schlossen einen Friedensvertrag, die Sowjets marschierten in Afghanistan ein. „ Von Zorn erf ü llt “ beschloss er, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben - im Sinn das islamistischen Widerstands gegen die Gottlosen.

Osama bin Laden griff vorerst nicht selbst zur Waffe. Bis heute ist trotz der von seinem Umfeld verbreiteten Heldengeschichten zweifelhaft, ob er sich überhaupt an entscheidenden afghanischen Gefechten beteiligte. Der Multimillionär sammelte lieber Geld.

1984 zog er dann ganz in die pakistanische Stadt Peschawar, von der es nur wenige Kilometer bis zum legendären Khyber-Pass sind, dem Einfallstor nach Afghanistan.

Doch Bin Laden muss zwei Gesichter besessen haben. Er ließ strategische Tunnels graben und Waffendepots anlegen. Bin Laden übte für seine kommende Rolle: als Führungspersönlichkeit, der eines Tages die Welt von allen weltlichen Übeln - und anderen, „ falschen “ Religionen - mit dem reinigenden Fundamentalisten-Islam „ s ä ubern “ wollte.

Als 1989 die Sowjets schmählich geschlagen ihren letzten Soldaten aus Afghanistan abzogen, ging auch bin Laden zurück in die Heimat: Mission erfüllt. Doch aus dem Finanzierer war längst ein anderer Mensch geworden, ein Fanatiker mit einem selbst gestellten, weltweiten Auftrag.

Einige Zeit wurde es ruhig um bin Laden, er schien sich nur mehr um die Vermehrung seines Vermögens zu kümmern und gründete mehr als 60 Firmen, viele davon mit Sitz im Westen. Mit drei verschiedenen Ehefrauen, alle aus politisch wichtigen Familien, zeugte er zehn Kinder.

So viel ist bekannt: Im Mai 1994 landete Osama bin Laden mit 4 Frauen und 13 Kindern und mit Dutzenden „ arabischen Afghanen “ in einem gecharterten Jet auf dem Flughafen der Provinzhauptstadt Jalalabad. Dann zog es ihn nach Kandahar, wo der geheimnisvolle Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte (und von wo aus er bis heute regiert hatte). Bin Laden schloss Freundschaft mit dem in internationalen Politikfragen unerfahrenen Führer. Er gab ihm eine seiner Töchter zur Frau, baute ein prächtiges Haus für die Großfamilie, steckte Millionen in Straßenbau und sanitäre Einrichtungen der Stadt.

Der „ Prinz “ brachte die Taliban mit den „ arabischen Afghanen “ zusammen, schuf mit ihnen gemeinsam eine geheime Brigade „ O55 “. Am 23. Februar 1998 veröffentlichte die von bin Laden initiierte und von Omar abgesegnete „ Welt-Islam-Front f ü r den Djihad gegen die Juden und die Kreuzz ü gler “ im afghanischen Khost ihren Aufruf zum weltweiten Terror.

„Es ist die Pflicht jedes Muslim, Amerikaner und ihre Alliieren, sowohl Militärs als auch Zivilisten, wo immer auch möglich, zu töten. Dies gilt so lange, bis die Aksa-Moschee (in Jerusalem) und die Haram-Moschee (in Mekka) aus ihrem Würgegriff befreit sind und bis die amerikanischen Armeen geschlagen von allen Ländern des Islam abziehen, unfähig, einen Muslim zu bedrohen.“

Bin Laden erläuterte später, dass er wirklich jeden Amerikaner als Angriffsziel sieht. Selbst wenn auch Muslime bei einem Angriff auf Amerikaner zu Tode kämen, lohne sich die Sache. Er sei bereit, bei einer solchen Attacke seinen eigenen Sohn zu opfern.

Der Kriegserklärung an Amerika folgten bald Taten: die Terroranschläge im August 1998 gegen die amerikanischen Botschaften von Nairobi und Daressalam mit 263 Toten, die Attacke auf den US-Zerstörer im Oktober 2000, mit 17 Toten. Das FBI setzte auf den Kopf des Chefterroristen eine Belohnung von fünf Millionen Dollar aus.

Von einer geheimen Basis in Afghanistan aus soll der „ Prinz “ schon auf verschiedenen Kanälen versucht haben, sich Komponenten für eine Atombombe und eine Bio-Waffe zusammenzukaufen. Über einen befreundeten ägyptischen Fluglehrer ließ er sich einmal für 200 000 Dollar in Tucson, Arizona, eine ausrangierte T-39 besorgen. Und erst im Jahr 2000 scheiterte ein Anlauf bin Ladens, sich auf Umwegen ein hochmodernes Unterseeboot in den USA zu besorgen.

Bin Laden macht sich nicht selbst die Hände schmutzig, seinen Zellen in den einzelnen Ländern lässt er viel Spielraum. Er finanziert und lässt organisieren. Hauptsache, die Ausrichtung und die Ergebnisse der „ Terror-GmbH “ stimmen.

Nach Ansicht des amerikanischen Terrorismus- und Nahost-Experten David Long stehen die westlichen Geheimdienste beim Kampf gegen Osama bin Laden und seine schattenhafte Al-Qaida-Organisation auf verlorenem Posten.

„Das ist keine Terroristenorganisation im traditionellen Sinn. Es ist mehr eine Art Anlaufstelle, in der sich verschiedene Untergruppen Gelder, logistische Unterstützung, auch einmal militärische Ausbildungsmöglichkeiten beschaffen. Es ist ein Chamäleon, eine Amöbe, die ständig Farbe und Form wechselt, die aber einen Führer hat: Osama bin Laden.“

Most Wanted Terrorists

Fahndungsakte

MURDER OF U.S. NATIONALS OUTSIDE THE UNITED STATES; CONSPIRACY TO MURDER U.S. NATIONALS OUTSIDE THE UNITED STATES; ATTACK ON A FEDERAL FACILITY RESULTING IN DEATH

USAMA BIN LADEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aliases: Usama Bin Muhammad Bin Ladin, Shaykh Usama Bin Ladin, the Prince, the Emir, Abu Abdallah, Mujahid Shaykh, Hajj, the Director

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Language: Arabic (probably Pashtu)

Scars and Marks: None known

Remarks: Bin Laden is believed to be in Afghanistan.

He is left-handed and walks with a cane.

CAUTION

Usama Bin Laden is wanted in connection with the August 7, 1998, bombings of the United States Embassies in Dar es Salaam, Tanzania, and Nairobi, Kenya. These attacks killed over 200 people. In addition, Bin Laden is a suspect in other terrorist attacks throughout the world.

REWARD

The Rewards For Justice Program, United States Department of State, is offering a reward of up to $25 million for information leading directly to the apprehension or conviction of Usama Bin Laden. An additional $2 million is being offered through a program developed and funded by the Airline Pilots Association and the Air Transport Association.

SHOULD BE CONSIDERED ARMED AND DANGEROUS

News:

Immer wieder war in den Nachrichten, Osama bin Laden sei tot, hat sich in Pakistan versteckt, hat sich auf Tora-Bora versteckt oder ist in Afghanistan oder oder oder ... Doch nie hat sich eine Vermutung bestätigt. Er ist immer noch verschwunden. Doch die Suche geht weiter.

13.01.2002 Pro7-Videotext

Irak: Zahlreiche Bin-Laden-Anhänger

Die Bürger des Irak haben Terroristenanführer Osama bin Laden nach Angaben der staatlichen Presse zum „Mann des Jahres 2001“ gewählt. Das berichtet das irakische Fernsehen. Demnach gaben 93 Prozent der Befragten ihre Stimme für den Führer der Terroristenorganisation Al-Kaida ab. Zur Begründung erklärten die Bin-Laden- Sympathisanten nach Presseberichten, er widersetze sich dem Willen der USA, deren Ziel es sei, andere Völker zu unterdrücken.

07.02.2001 RTL-Videotext

Bin Laden bei US-Angriff getötet?

Bei einem amerikanischen Raketenangriff auf einem Konvoi im Osten Afghanistans ist möglicherweise ein führendes Mitglied des Al-Kaida-Terrornetzwerkes getötet worden. Obwohl die Identität des Mannes nicht feststehe, sei es möglich, dass es sich um ein hochrangiges Mitglied der Al-Kaida handele, hieß es in der Nacht im USVerteidigungsministerium in Washington.

Möglicherweise könnte es sich dabei um Terroristenchef Osama bin Laden handeln. Eine Bestätigung dafür gebe es aber nicht.

Quellen :

Literatur: „Osama bin Laden und der internationale Terrorismus“ von Michael Pohly und Khalid Durán

„Taliban“

von Ahmet Rashid

Zeitungen: Volksstimme (Ausschnitte)

Zeitschriften: „Der Spiegel“ seit der 38. Ausgabe

Internet: http://www.fbi.gov/mostwant/terrorists/terubl.htm diverse Nachrichtenseiten & Suchmaschinen

Sowie sämtliche TV-Nachrichten und Sendungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Osama bin Laden, der Djihad und der Internationale Terrorismus
Autor
Jahr
2002
Seiten
12
Katalognummer
V106027
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich find`s sehr gut und sehr ausführlich !!! Und sehr informativ !!!
Schlagworte
Osama bin Laden, Djihad, Dschihad, Internationaler Terrorismus, Afghanistan, Terror, WTC, 11.September, Thema osama bin laden
Arbeit zitieren
Andrea Schrader (Autor), 2002, Osama bin Laden, der Djihad und der Internationale Terrorismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106027

Kommentare

  • Gast am 8.10.2002

    Osama bin Laden, der ........

    Hallo Andrea,
    möchte mich hiermit für den guten und sehr informativen Artikel bedanken. Meine Tochter, 11 Jahre hat dieses Thema z.Z. in Geschichte (6.Klasse Gymn.). Konnten somit die Biographie sehr nutzen.
    Auch im Namen meiner Tochter vielen Dank und alles gute für Deine Zukunft.
    Marie-Lou & Peter Sagurna

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