Quelleninterpretation Panafrikanischer Kongress 5


Seminararbeit, 2001

14 Seiten, Note: 3


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Gliederung

1. Einleitung

2. Definition Panafrikanismus

3. Geschichtlicher Hintergrund des Panafrikanismus

4. Der fünfte Panafrikanischer Kongress
4.1 Verlauf
4.2 Nkrumah und der Panafrikanische Kongress

5. Interpretation der Quelle

6. Schluss

Einleitung

In dieser Hausarbeit wird eine Quelleninterpretation eines Textes von Kwame Nkrumah durchgeführt. Es sollen wichtige Schlüsselbegriffe sowie die Intention des Textes erläutert werden. Die zentrale Frage lautet: “Was wollte Nkrumah mit diesem Text sagen?“ Die Quelle stammt aus dem Buch: Towards colonial freedom. Africa in struggle against world imperialism. Dieses Buch wurde von Kwame Nkrumah um 1948 geschrieben und 1968 veröffentlicht. Leider war das Buch in der Bibliothek nicht auffindbar, sodass ein Vergleich mit dem übrigen Text und der Quelle nicht möglich war, was noch mehr Interpretationsmöglichkeiten geboten hätte.

Die Zeit der Handlung in der Quelle ist vom 15. bis 21.Oktober 1945 in Manchester, wo der 5. Pan-Afrikanische Kongress abgehalten wurde. Kwame Nkrumah ist zu dieser Zeit nach London gereist um hier zu studieren.

An Quellen zu diesem Thema existieren Zeitungsartikel, Protokolle und geführte Reden. Die Literatur, die verwendet wurde, besteht aus der Autobiographie von Kwame Nkrumah und Büchern zu dem Thema Panafrikanismus. Eine Untersuchung des Forschungsstandes kam zu dem Ergebnis, dass viele Bücher und Artikel im Internet zu dem Thema Panafrikanismus existieren. Zu bedeutenden Personen, die etwas zu dem Panafrikanismus beigetragen haben, findet man Biographien oder Monographien, die ausführlich erklärend oder abstrakt das Thema beschreiben.

Definition Panafrikanismus

Als erstes soll der Begriff Panafrikanismus beschrieben und erklärt werden. Unter der Bezeichnung Panafrikanismus versteht man:

1. Intellektuelle oder politische Strömungen unter Afrikanern oder Afro-Amerikanern, die Afrika, die Afrikaner und die Menschen afrikanischer Abstammung zusammengehörig sahen. Daraus entstand ein Gefühl der Rassensolidarität und ein neues Selbstbewusstsein, das die Afro-Amerikaner auf Afrika als ihr eigentliches „Vaterland“ zurückwies, ohne dass sie deswegen unbedingt an die physische Rückkehr nach Afrika dachten.
2. Alle Ideen, die die kulturelle Einheit und die politische Unabhängigkeit Afrikas anboten oder anstrebten. Hinzu tritt der Wunsch, für Afrika den Anschlußan die moderne Entwicklung auf der Grundlage der Gleichberechtigung zu finden. Für solche Bestrebungen ist die Erlösung(Redemption) Afrikas das eine, „Afrika for Africans“ das andere Schlüsselwort.
3. Ideen oder politische Bewegungen, die die politische Einheit Afrikas oder wenigstens eine enge politische Zusammenarbeit in der einen oder der anderen Form befürworten.

Durch die Handlungen des Panafrikanismus, die sich in Form von Aufbegehren gegen Ideologien und Praxis der Rassengleichheit, gegen die Hierarchisierung der Menschheit wurde der Panafrikanismus zur eigentlichen Ideologie der Dekolonisation in Afrika,1 der ökonomischen, technischen, sozialen und politischen Modernisierung des ganzen Kontinents2.

Geschichtlicher Hintergrund des Panafrikanismus

Träger des Panafrikanismus waren Afrikaner und Afro-amerikaner, die oft eine akademische Ausbildung in Europa, Amerika oder Westafrika durchlaufen haben. Sie griffen europäisch- nordamerikanische Prinzipien der Gleichheit und Demokratie auf und leiteten von ihnen ihre eigene Emanzipationsideologie gegen die Vorherrschaft der weißen Rasse ab.

Afrikaner, die studiert haben, reagierten auf die Rassendiskriminierung und europäische Kolonialherrschaft indem sie die politischen und geistigen Prinzipien der weißen Herrschaft gegen diese selbst richteten3.

In der Geschichte findet man Parallelen zu dieser Eigenschaft, das eine stagnierende traditionsbewusste Gesellschaft von einer überlegenen Kultur beherrscht wird, in der deutschen Romantik als Abwehr der Französischen Revolution unter Rückgriff auf das mittelalterliche Reich4.

Es entsteht ein Elektizismus als Reaktion einiger stark modernisierter Afrikaner und Afro- Amerikaner auf den Übergang von einer agrar-traditionellen zu einer modernen Gesellschaft, der am deutlichsten in Nkrumah und seiner Philosophie des „Consiensism“ verkörpert wird. Er macht den Versuch, traditionell-afrikanische mit arabisch-islamischen und westlich- europäischen Einflüssen, zu denen er auch den Marxismus-Leninismus zählt, zu verschmelzen5.

Der fünfte Panafrikanischer Kongress

In der zweiten Kriegshälfte des WK2 im Juli 1943 regte Dr. Harold Moody im Namen der „London Missionary Society“ in einem offenen Brief an die Afrikaner ein Gremium an. Es solle ausgehend von der Atlantik-Charta ein repräsentativer Rat von Afrikanern, Amerikanern und Europäern zusammenkommen um alle Aspekte der Zukunft Afrikas zu erörtern6.

Im August 1944 registrierte ‚ News Letter ’, das Organ der ‘ Laegue of Coloured Peoples ’ die Konferenz des ‘ Council on African Affairs ’ in New York vom 14. April7.

Die Konferenz vom 21. bis 23. Juli 1944 in London kam zu dem Ergebnis einer ‚Charter for Coloured Peoples’, die wirtschaftliche Gleichberechtigung für Afrika forderte. Zweitens wurden Forderungen nach der Aufstellung von Plänen durch die Kolonialmächte für die wirtschaftliche, politische, soziale und bildungspolitische Entwicklung der ihnen unterstehenden afrikanischen Territorien; wirtschaftliche Entwicklung nur zum Nutzen der Bewohner in den betreffenden Territorien; ein umfassendes Bildungsprogramm; sofortige Mehrheit für die Afrikaner in allen gesetzgebenden Körperschaften zur Vorbereitung auf die volle Souveränität in möglichst kurzer Frist: Verpflichtung für die Kolonialmächte, einer internationalen Körperschaft Rechenschaft über ihre Verwaltung in Afrika und über die Schritte zu leisten, die sie zur Übertragung der Souveränität unternommen hätten. Premierminister Churchill erhielt ein Exemplar der Charter aber er lehnte sie ab8.

Am Ende des Krieges entstand 1944 durch Dr. Peter M.Milliard und T.R. Makonnen der Dachverband ‚Pan-African Federation’, der verschiedene entstandene Gruppen zusammenfasste. Millard war ihr Präsident, J.E.Taylor Schatzmeister und T.R.Makonnen Generalsekretär.

Bei den Vorbereitungen für den fünften Panafrikanischen Kongress war Padmore maßgeblich beteiligt, obwohl er behauptete Du Bois hätte die Vorbereitungen dem Vorstand des britischen Regionalverbandes übertragen. Hierdurch wollte Padmore wahrscheinlich das Prestige von Du Bois für den von ihm geführten Panafrikanismus verwerten9.

Du Bois verschickte verschiedene Briefe an Moody, damit der Kongress in Westafrika abgehalten werden konnte aber seine Aktivitäten kreuzten sich mit denen Padmores was dazu führte, dass der Kongress in Manchester abgehalten wurde.

1945 wurde ein Manifest zu Manchester erarbeitet, dass ungefähr den selben Inhalt wie die Charter von 1944 hatte und von der ‚ League of Coloured Peoples ’ im ‚ News Letter ’ veröffentlicht wurde:

1. Gleichmäßige und rasche wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklung Afrikas und Einsetzung dafür kompetenter Behörden durch die UN.
2. Maximale Beteiligung der Afrikaner an der Verwaltung ihrer Länder auf allen Ebenen der Verwaltung.
3. Beendigung der Ausbeutung durch ausländische Monopolgesellschaften; stattdessen systematische Planung.
4. Parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung, Beteiligung der Afrikaner an der Verwaltung, mit Blick auf die volle Souveränität innerhalb einer bestimmten Frist.
5. Maßnahmen zur Überwindung des Analphabetentums.
6. Gleichstellung der frühen italienischen Kolonien mit den ehemals deutschen.

Im Oktober 1945 sollte der Panafrikanische Kongress in Manchester, dem offiziellen Sitz der ‚Pan-African Federation’ abgehalten werden, da Paris aufgrund von Reiseschwierigkeiten und Nahrungsmittelknappheit durch den Krieg ausschied10.

Am 15.Oktober wurde der Kongress in der Chorlton Town Hall in Manchester mit 90 Delegierten und 11 Beobachtern abgehalten. Es war nur die britische Presse und ein Vertreter des ILP-Organs ‚New Leader’ anwesend aber der Verlauf wurde durch ein Kongressprotokoll dokumentiert.

Es fehlen außer DuBois jedoch afro-amerikanische Delegierte aus den USA. Außerdem sind Haiti, Äthiopien und Liberia nicht vertreten, welche Symbolstaaten des Panafrikanismus sind. Diesen konservativen Regierungen waren die militanten Intellektuellen und Gewerkschaftsführer wahrscheinlich nicht sympatisch.

Gewerkschaften waren zahlreich vorhanden. Christliche Missionen oder Kirchen fehlten.

Verlauf

Bei dem Verlauf des Kongresses wurden vom Plenum 5 Ausschüsse und ein ‚Entertainment Commitee’ gewählt. Die Gruppe von Padmore, das ‚International African Service Bureau (IASB) und DuBois, der am 2. Kongresstag zum permanenten Kongresspräsidenten gewählt wurde, war dominierend.

DuBois hielt laut dem veröffentlichten Kurzprotokoll ein Referat über die Geschichte des Panafrikanismus.

Jeder weitere Tag wurde in 2 Arbeitssitzungen mit je einem Generalthema unterteilt, die von einem Berichterstatter (Rapporteur) eingeführt wurden.

Thema des ersten Tages war das ‚Colour Problem in Britain’, bei dem Rassendiskriminierung in England und Selbstkritik an der sozialen Spaltung von Studenten und Arbeitern besprochen wurden11.

Der zweite Tag hatte das Thema ‚Imperialism in North and West Africa’. Am 17. Oktober ging es um die soziale Lage und die niedrigen Löhne der Afrikaner. Der Kongress verabschiedete die 2 Resolutionen ‚The Challenge to the Colonial Powers’ was eine mittlere Linie zwischen der revolutionären Ungeduld von Padmore und Nkrumah einerseits und der bedächtigen Konzeption Du Bois von 1944 andererseits repräsentiert.

Nkrumah und der Panafrikanische Kongress

Der fünfte Panafrikanische Kongress wurde im Rathaus in Manchester im Oktober 1945 abgehalten. Hierfür traf Nkrumah mit George Padmore, T.R.Makonnen und Peter Abrahams Vorbereitungen, indem Briefe mit Erklärungen über die Ziele und politischen Taktiken des Kongresses an verschiedene Organisationen geschrieben wurden.

Unter der Führung von Dr.W.E.B.DuBois, einem Afroamerikanischen Lehrer und einem der Gründer der ‚ National Association for the Advancement of Coloured Peoples ’, und Dr Peter Milliard, einem schwarzen Physiker aus British Guiana.

Über 200 Delegierte aus aller Welt waren anwesend. Es wurden Berichte über die Zustände in den kolonialen Territorien vorgetragen und Lösungen des afrikanischen Kolonialproblems von Kapitalisten sowie Reformisten wurden zurückgewiesen12.

Stattdessen wurde der Doktrin des afrikanischen Sozialismus, die auf der Taktik der friedlichen Handlung ohne Gewalt basiert, einstimmig zugestimmt.

Es wurde auch den Prinzipien in der ‚ Declaration of Human Rights ’ zugestimmt, die Afrikaner und jene afrikanischer Abstammung über die Organisation in politischen Gruppen, Handelsvereinigungen und Organisationen von Bauern, die politische Freiheit und wirtschaftliche Vorteile fordern, beraten.

Eine wichtige Erklärung von Dr DuBois und Nkrumah an die imperialistischen Kräfte der Welt wurde vom Kongress angenommen. Diese Erklärungen behaupteten die Entschlossenheit der kolonialen Menschen frei zu sein und verurteilten das Monopol des Kapitals und den Nutzen von privatem Reichtum und Industrie allein für persönlichen Provit. Es wurde beschlossen, dass die ökonomische Demokratie die einzige sei und an alle kolonialen Menschen appelliert sich und die Welt von den Klauen des Kapitalismus zu befreien.

Die ersten 4 panafrikanischen Kongresse wurden hauptsächlich von mittelständischen interlektuellen und schwarzen, bürgerlichen Reformern unterstützt und gefördert. Der fünfte wurde von Arbeitern, Kaufleuten, Bauern, Kooperativen Gesellschaften und afrikanischen oder farbigen Studenten geführt. Seine Ideologie wurde afrikanischer Nationalismus als die Vormacht der beiwohnenden Mitglieder des Kongresses afrikanisch waren. Es war eine Revolte gegen Kolonialismus, Rassismus und Imperialismus in Afrika mit Marxistischem Sozialismus als seine Philosophie.

Hauptsächlich war dieser Kongress anders, weil seine Mitglieder praktischer Natur waren anstatt wie in den vorangegangenen 4 Kongressen Idealisten, die sich mit dem Schreiben von Thesen zufrieden geben und sich nicht aktiv um afrikanische Probleme kümmern. Wie der Garveyismus, der den schwarzen Nationalismus betraf, waren die ersten 4 Kongresse nicht aus dem einheimischen afrikanischen Bewusstsein entstanden.

Dieser fünfte Kongress brachte den afrikanischen Nationalismus und das Erwachen des afrikanischen politischen Bewusstseins zum Ausdruck. Hierdurch wurde er zu einer Massenbewegung des Mottos ‚Afrika für Afrikaner’13.

Interpretation der Quelle

Die Adressaten der Schrift waren die Mitglieder des Panafrikanischen Kongresses und die Arbeiter und Bauern der Kolonien, die er in der Quelle direkt anspricht („The Fifth Pan- African Congress, therefore, calls on the workers and farmers of the colonies to organize effectively“).

Mit dem Satz ‘We believe in the rights of all peoples to govern themselves.’ meint Nkrumah wahrscheinlich, dass die Bevölkerung sich auch selbst ohne koloniale Herrschaft regieren kann und das unbestrittene Recht darauf hat. Sie könne also frei von fremden Kulturen und Herrschaftsformen regiert werden.

Hier erkennt man Parallelen zur Atlantik-Charta vom 14. August 1941, der von US-Präsident Franklin Delano Roosevelt und dem britischen Premierminister Winston Churchill abgegebenen Erklärung. Hierin heißt es unter anderem bei Punkt 2, dass keine territorialen Änderungen gewünscht werden, die nicht mit dem frei zum Ausdruck gebrachten Wunsch der betreffenden Völker übereinstimmen und dass sie Drittens, das Recht aller Völker achten, sich die Regierungsform zu wählen, unter der sie leben wollen. Es wurde gewünscht, die obersten Rechte und die Selbstregierung der Völker wiederhergestellt zu sehen, denen sie mit Gewalt genommen wurden14.

Die Forderung nach Selbstbestimmung beruht also nicht nur auf einem Interesse Afrikas oder Nkrumahs, sie wurde Jahre zuvor schon mit dieser Charta gesetzlich festgelegt.

Auch in übrigen Teilen der Welt hatte sich das Streben nach Demokratie vermehrt ausgebreitet. Als Beispiel dient der Wahlsieg der Labour Party im Juli 1945 in Großbritanien, was die Forderung der Bevölkerung nach stabilen Wirtschaftsverhältnissen, Arbeitsplätzen und sozialer Gerechtigkeit erkennen lässt15. Nkrumah versucht mit seinen Äußerungen also sich an die für das Volk guten Verhältnisse in anderen Ländern anzupassen und fordert nichts grundlegend neues.

Mit dem Satz „By fighting for trade union rights, the right to form co-operatives, freedom of the press, assembly, demonstration and strike; freedom to print and read the literature which is necessary for the education of the masses, you will be using the only means by which your liberties will be won and maintained.” spricht Nkrumah Forderungen aus, die schon zum Teil in der Charta der Vereinten Nationen vom 26.6.1945 verankert waren. Die Vereinten Nationen schufen hiermit ein System kollektiver Sicherheit, das bewaffnete Einwirkungen auf fremde Staatshoheiten untersagte und allen Mitgliedern die Pflicht zur friedlichen Streitbeilegung auferlegte16.

Da diese Bedingungen nicht ohne weiteres von Arbeitern und Bauern durchgesetzt werden konnten, spricht Nkrumah noch einmal die Verantwortung der Intellektuellen an, womit er wahrscheinlich unter anderem die Kolonialverwaltung meint(„This Fifth Pan-African Congress calls on the intellectuals and professional classes of the colonies to awaken to their responsibilities.“).

Einen Hinweis darauf, dass es noch einen großen Einflußvon fremder Herrschaft gibt, enthält der Satz ‚ All colonies must be free from foreign imperialist control, whether political or economic.’, denn hier wird deutlich, dass fast alle Kolonien noch unter imperialistischer Kontrolle stehen. Somit sollen sie sich also auch frei von politischen und wirtschaftlichen Bestimmungen entwickeln dürfen.

Dies wird auch in einer Äußerung in Nkrumahs Biographie deutlich, wo er schreibt, dass der britische Imperialismus legal oder illegal wertvolle Minen- und Plantagenrechte in ihren Besitz nahmen, ohne auf das Geburtsrecht der Eingeborenen zu achten, welche das Land von ihren Vorvätern geerbt hatten17. Darum schreibt Nkrumah in seinem Text, dass die Kolonien von imperialistischer Herrschaft befreit sein müssen, damit dieser Zustand beendet ist und die Eingeborenen wieder in Einklang mit ihren Ahnen leben und das Land bebauen können. Da nach dem Ende des zweiten Weltkriegs das Risiko des Einflusses von Nationalsozialisten aus Deutschland auf die Kolonien entfielen, da Deutschland besiegt war, konnte sich Nkrumah ohne diese Schwierigkeiten mit seinen Äußerungen an die Kolonialmächte und die Kolonialverwaltung wenden. Als er sagt, dass der „struggle for political power by colonial and subject peoples is the first step towards, and the necessary pre-requisite to, complete social, economic and political emancipation.” meint er damit wahrscheinlich die Eigenschaften, die schon im April 1945 auf der Jalta-Konferenz bei der Gründung der UNO beschlossen wurden und auf der Atlantik-Charta basieren18.

Wie auch andere afrikanische Staaten berief sich Nkrumah hiermit auch auf die Atlantik- Charta Roosevelts und Churchills (1941) vom "Recht aller Völker, sich die Regierungsform zu wählen, unter der sie leben wollen" sowie von der "Rückgabe der Souveränitätsrechte und Selbstverwaltung an die, denen sie gewaltsam entrissen wurde".

Da die Bewohner der Kolonien unter imperialistischer Herrschaft standen, wurden sie nach der Meinung von Kwame Nkrumah hierdurch ausgebeutet, wie er es in seiner Autobiographie schreibt. Die Rohstoffe und billigen Arbeitskräfte wurden von den Imperialisten für ihre eigene Industrie verwandt.(„ The object of imperialist powers is to exploit. “) Da sie in den Kolonien eine Monopolstellung einnahmen, verhinderten sie Konkurrenz der afrikanischen Bevölkerung und benutzten die Kolonien als Billigproduktionsstätten für Massenware. Um diese Handlungen zu legitimieren gaben sie vor, das Gemeinwohl der Bevölkerung zu verbessern. Dies und die Bereitstellung von Truppen für das Mutterland in Kriegszeiten sollte nur von dem eigentlichen Ziel, der ökonomischen Ausbeutung des Landes, ablenken19.

Außerdem wurde die politische Freiheit von der Kolonialmacht Großbritanien nicht gewährt sondern sie durch eigene Anstrengungen gewonnen werden. Britanien gab zwar vor, die Kolonien unter „ trusteeship “ zu stellen, bis sie sich selbst verwalten konnten, es war aber niemals in ihrem Interesse, den Würgegriff ihrer Herrschaft in den Kolonien zu lockern20.

Darum muss Afrika Kwame Krumah zufolge unaufhaltsam danach streben, sich zu befreien („ Colonial workers must be in the front lines of the battle against imperialism.“).

Zu den negativen wirtschaftlichen und politischen Eigenschaften der Kolonialherrschaft zählen das Fehlen von sozialem Wohnungsbau21, bei dem die Verantwortlichen meist sogar glaubten, dass die Schwarzen keine größeren Wohnungen benötigen, da sie angeblich gerne eng beieinander leben und im Bad nur ihre Kohlen lagern würden. Ausserdem war die Wasserversorgung unzureichend, da das Wasser, welches meist alt und von Krankheiten befallen war, mehrere Stunden von einer Wasserstelle nach Hause transportiert werden musste. Hierdurch entstanden oft Krankheiten und Seuchen22.

Weiterhin waren die Arbeiter unter dem Kolonialregime schlecht organisiert, da ihre Gewerkschaften oft illegal waren und mangelhaft geführt wurden. Zudem wurden den Arbeitern nur Billiglöhne gezahlt, von denen sie nicht normal leben konnten23. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, dass Nkrumah schreibt, dass sich die Arbeiter zusammenschliessen sollten und gegen die Ausbeutung ankämpfen sollten.

Um diese wirtschaftlichen Missstände zu beseitigen mussten die Kolonien natürlich eine sie beherrschende Führung haben, welche sie nach Nkrumah selber wählen dürfen sollen(‚The peoples of the colonies must have the right to elect their own government, a government without restrictions from a foreign power.’).

Die Regierung soll also frei von kolonialen Einflüssen aus fremden Ländern sein. Afrikanische Länder sollen sich unabhängig von z.B. Portugal, Frankreich oder England verwalten dürfen.

Hierdurch wird ein Aspekt des Panafrikanismus deutlich, der besagt, dass Afrika frei und unabhängig von einer fremden, beherrschenden Regierung sein soll und volles Selbstbestimmungsrecht besitzen soll.

Die Forderung begründet Nkrumah mit der Aussage dass die Imperialistische Führung, also die Kolonialherrschaftsländer, die Kolonien ausbeute(‚The object of imperialist powers is to exploit.’), was er als Grund dafür benutzt, dass die Kolonien sich erst recht selbst verwalten sollen um dieses Problem, z.B. einseitige wirtschaftliche Nutzung der Landewirtschaft, Ausfuhr von Rohstoffen und Einfuhr von Produkten, die mit denselben Rohstoffen hersgestellt wurden oder Errichtung falscher Maschinen zur Seifenherstellung24, zu vermeiden.

Außerdem untermauert er diese Forderung damit, dass sich hierdurch soziale, ökonomische und politische Emanzipation einstellt. Dies ist wieder eine Eigenschaft des Panafrikanismus, die zu verwirklichen ist.

Auch diese Forderungen sind nicht neu, da schon die am 26.6.1945 gegründete United Nation(UN) auf der UN-Konferenz in San Franzisco von 50 Staaten neben den Zielen zur Schaffung positiven Friedensbedingungen wie Förderung der Menschenrechte, Ausschließen von Diskriminierung auch die Förderung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung und Zusammenarbeit beschlossen hat25.

Nkrumah setzt sich also für Verhältnisse ein, die es in Teilen der übrigen Welt schon gibt. Nun richtet er sich direkter an die Adressaten dieses Textes und spricht die Gruppe der Arbeiter an, die auch bei der Konferenz vertreten waren(‚Colonial workers must be in the front lines of the battle against imperialism.’). Durch die Benutzung des Wortes Battle fordert er die Arbeiter ausdrücklicher dazu auf, etwas zu tun, da dieses Wort eine aktive Handlung beschreibt. Er benutzt diese Formulierung wahrscheinlich, da sie durch die kämpferischen Eigenschaften besser dem Charakter des Arbeiters entspricht, außerdem ist sie ein Grundprinzip des Marxismus, der unter anderem den Kampf der Arbeiterklasse gegen Ausbeutung und Kapitalismus beschreibt.

Nun spricht er die intellektuellere Zuhörerschaft an und benutzt das Wort Verantwortung, was auch auf diese Gruppe besser abgestimmt ist (‚This Fifth Pan-African Congress calls on the intellectuals and professional classes of the colonies to awaken to their responsibilities.’). Hiermit macht er deutlich, dass sich die Intellektuellen meist nicht um die Masse der ausgebeuteten Schwarzen gekümmert hat, da diese als Sklaven oder Zwangsarbeiter den Gleichen Wert wie Gegenstände hatten, die man auf einem Markt handelt ohne sich um ihren Charakter zu kümmern.

Am Ende zählt er noch einmal alle Forderungen der Reihe nach auf, damit sie sich wahrscheinlich besser im Gedächtnis der Zuhörer einprägen. Dies ist gleichzeitig eine Anspielung auf die Führungsrolle der Intellektuellen im Befreiungskampf der Massen.

Der Satz ‚ Today there is only one road to effective action - the organization of the masses.

‘ wurde von Nkrumah wahrscheinlich deshalb benutzt, weil er durch ihn noch einmal alle sozialen Schichten gemeinsam anspricht, ohne jemanden hervorzuheben oder zu benachteiligen. Das Wort ‚action’, sagt möglicherweise wieder aus, dass er eine aktive Veränderung und Handlung erzeugen möchte, anstatt nur abstakte Vorschläge zu äußern.

Hier wird wieder die marxistische Eigenschaft dieser Rede deutlich, da Nkrumah die Massen, also auch die Arbeiterklasse, anspricht, was an den Klassenkampf der Arbeiter im Marxismus erinnert.

Der letzte Ausspruch ‚Colonial and Subject Peoples of the World - Unite!’ erinnert an das Kommunistische Manifest von Marx und Engels in dem es heißt: ‘Proletarier aller Länder - Vereinigt euch!’. Hieran erkennt man Nkrumahs Interesse für Karl Marx, dessen Werke er gelesen hatte, und seinen Einsatz für die Arbeiter und Bauern in seinem Land, die er mit diesem bekannten Ausspruch wahrscheinlich noch einmal zum Handeln bewegen möchte. Dieser Ausspruch stammt aus der Zeit um das Jahr 1847, in der das Proletariat einen Klassenkampf gegen die Unterdrückung durch Industrielle Unternehmer am Arbeitsplatz durchführte26. Mit diesem Ausspruch vergleicht Nkrumah also die Klasse der Koloniebewohner mit der Arbeiterklasse der Industrialisierung, die beide gegen eine sie unterdrückende Herrschaft ankämpfen. Die Arbeiter also gegen die Industriellen im 19ten Jahrhundert und zu Nkrumahs Zeiten die Koloniebewohner gegen die Herrschende Klasse in den Kolonien also z.B. die Kolonialverwaltung.

Mit dem jüngeren Ausspruch von Nkrumah möchte dieser wahrscheinlich daran erinnern, dass die afrikanische Bevölkerung von der imperialistischen Kolonialherrschaft genauso ausgebeutet wurde und sich nun für die Unabhängigkeit einsetzen solle. Hiermit wollte Nkrumah den Kampf gegen die Ausbeutung der Kolonien bewusst in die marxistische Perspektive einbauen.

Da in der Zeit den fünften Panafrikanischen Kongresses der zweite Weltkrieg gerade beendet ist, hat Nkrumah hierdurch wahrscheinlich einen glaubwürdigeren Grund zu sagen, dass sich alle Menschen vereinen sollen, da die Gesellschaft nun wieder in ihrem eigenen Land lebt und nicht durch Kämpfe und Manöver des Militärs getrennt leben muß. Durch das Kriegsende sind die Lebensverhältnisse wieder auf ein allgemeines Niveau herabgestiegen und Nkrumah kann diese Eigenschaft nutzen, um die Bevölkerung anzusprechen, ohne dass diese von Kriegswirren und dazugehörigen Problemen abgelenkt wird.

Schluss

Mit seinem Text hat sich Nkrumah direkt an Intellektuelle und Arbeiter gewandt. Er hat wichtige Eigenschaften des Panafrikanismus hierin verarbeitet und zum aktiven Handeln aufgefordert.

Die Intention dieses Textes war es wahrscheinlich, nicht nur eine Intellektuelle Obrigkeit, also die Kolonialherren und übrigen Politiker, dazu aufzufordern, sich für Unabhängigkeit und Freiheit einzusetzen, sondern so viele Völker, wie er hierdurch erreichen kann. Ein Hinweis hierauf gibt die Bezeichnung ‚Peoples of the World’, die er am Ende des Textes benutzt. Außerdem war ein Ziel von ihm möglicherweise das friedliche Zusammenleben aller Völker, da er am Ende des Satzes den Ausruf „Unite!“ benutzt.

Das Ziel dieses Textes hat er wahrscheinlich erreicht, da er Arbeiter angesprochen hat, die seine Forderungen direkt umsetzen können und Intellektuelle, die die notwendigen politischen und ökonomischen Voraussetzungen hierfür schaffen können.

Durch die Eigenschaften und Wortwahl hat der Text Nkrumahs sein Ziel ziemlich gut erreicht und einen nicht unbedeutenden Beitrag zum Panafrikanismus geleistet.

Bibliographie

Awoonor, Kofi: Schreckliche Heimkehr nach Ghana, Frankfurt am Main 1985.

Geiss, Imanuel: Panafrikanismus. Zur Geschichte der Dekolonisation. Frankfurt am Main 1968.

Gnielinski, Stefan von: Ghana. Tropisches Entwicklungsland an der Oberguineaküste(Wissenschaftliche Länderkunde, Band 27), Darmstadt 1986.

Nkrumah,Kwame: Dark Days in Ghana, London 1968.

Nkrumah,Kwame: Handbook of Revolutionary Warfare. A guide to the Armed Phase of the African Revolution, New York 1969.

Nkrumah, Kwame: The Autobiography of Kwame Nkrumah, Edinburgh 1957.

Nuscheler, Franz; Ziemer, Klaus; Harding, Leonhard: Politische Herrschaft in Schwarzafrika. Geschichte und Gegenwart. München 1980.

Rooney, David: Nkrumah,Kwame. The political kingdom in the third world, London 1988.

Thomi, Walter: 25 Jahre Ghana. Zum Prozess der Dekolonisation und Staatsbildung in Schwarzafrika(Analysen aus der Abteilung Entwicklungsländerforschung), Bonn 1983.

Appendix

DECLARATION TO THE COLONIAL PEOPLES OF THE WORLD

Written by KWAME NXRUMAH.

Approved and Adopted by the Pan-African Congress held in M&nthesUr, England, October iyth- 3ist t

We believe in the rights of all peoples to govern themselves. We affirm the right of all colonial peoples to control their own destiny. All colonies must be free from foreign imperialist control, whether political or economic. The peoples of the colonies must have the right to elect their own government, a government without restrictions from a foreign power. We say to the peoples of the colonies that they must strive for these ends by all means at their disposal.

The object of imperialist powers is to exploit. By granting the right to the colonial peoples to govern themselves, they are defeating that objective. There-44

APPENDJX 45

fore, the struggle for political power by colonial and subject peoples is the first step towards, and the necessary pre-requisite to, complete social, economic and political emancipation.

The Fifth Pan-African Congress, therefore, calls on the workers and farmers of the colonies to organize effectively. Colonial workers must be in the front lines of the battle against imperialism. This Fifth Pan-African Congress calls on the intellectuals and professional classes of the colonies to awaken to their responsibilities. The long, long night is over. By fighting for trade union rights, the right to form co-operatives, freedom of the press, assembly, demonstration and strike; freedom to print and read the literature which is necessary for the education of the masses, you will be using the only means by which your liberties will be won and maintained. Today there is only one road to effective action - the organization of the masses.

COLONIAL AND SUBJECT PEOPLES OF THE WORLD -UNITE!

[...]


1 Grimal, Henri: La Décolonisation 1919-1963, Paris 1965.

2 Geiss, Imanuel: Panafrikanismus. Zur Geschichte der Dekolonisation. Frankfurt am Main 1968, S. 10.

3 Geiss, Imanuel: Panafrikanismus. Zur Geschichte der Dekolonisation. Frankfurt am Main 1968, S. 11.

4 Epstein, Klaus: The Genesis of German Conservatism, Princeton 1966, Band I.

5 Geiss, Imanuel: Panafrikanismus. Zur Geschichte der Dekolonisation. Frankfurt am Main 1968, S. 12.

6 News Letter, 8.Jahrgang, No. 49, Oktober 1943, S.4:”I feel that a representative council of Africans should be summoned to meet a representative council of Europeans and Americans in order to discuss fully the future of Africa in its every aspect.”

7 Geiss, Imanuel: Panafrikanismus. Zur Geschichte der Dekolonisation. Frankfurt am Main 1968, S. 300.

8 Geiss, Imanuel: Panafrikanismus. Zur Geschichte der Dekolonisation. Frankfurt am Main 1968, S. 300.

9 Geiss, Imanuel: Panafrikanismus. Zur Geschichte der Dekolonisation. Frankfurt am Main 1968, S. 301.

10 Geiss, Imanuel: Panafrikanismus. Zur Geschichte der Dekolonisation. Frankfurt am Main 1968, S. 308.

11 Geiss, Imanuel: Panafrikanismus. Zur Geschichte der Dekolonisation. Frankfurt am Main 1968, S. 314.

12 Nkrumah, Kwame: The Autobiography of Kwame Nkrumah, Edinburgh 1957, S.52.

13 Nkrumah, Kwame: The Autobiography of Kwame Nkrumah, Edinburgh 1957, S.54.

14 Atlantik-Charta, Internet: www.Wissen.de.

15 Kaeselitz, Hella: Westeuropa als Faktor der Weltpolitik 1945-1947, in: Die Welt von 1945 bis 1947, Berlin 1989, S. 46.

16 Jacobsen, Hans-Adolf: Der Weg zur Teilung der Welt, Koblenz Bonn 1977, S. 482.

17 Nkrumah, Kwame: The Autobiography of Kwame Nkrumah, Edinburgh 1957, S. 47.

18 Herzfeld, Hans: Die Moderne Welt 1789-1945, Braunschweig 1960, S. 364.

19 Nkrumah, Kwame: The Autobiography of Kwame Nkrumah, Edinburgh 1957, S. 46.

20 Nkrumah, Kwame: The Autobiography of Kwame Nkrumah, Edinburgh 1957, S. 47.

21 Nkrumah, Kwame: Afrika muss eins werden, Leipzig 1965, S. 70.

22 Ebenda S. 71.

23 Nkrumah, Kwame: Afrika muss eins werden, Leipzig 1965, S. 75.

24 Nkrumah, Kwame: Afrika muss eins werden, Leipzig 1965, S. 60.

25 UN, Internet: www.wissen.de.

26 Kauffeldt, Leo: Elend und Auswege im 19. Jahrhundert, Frankfurt am Main 1981, S. 51.

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Quelleninterpretation Panafrikanischer Kongress 5
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Proseminar Geschichte
Note
3
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V106182
ISBN (eBook)
9783640044610
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Quelleninterpretation, Panafrikanischer, Kongress, Proseminar, Geschichte
Arbeit zitieren
Alexander Reyer (Autor:in), 2001, Quelleninterpretation Panafrikanischer Kongress 5, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106182

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