Wie ist das Verhältnis von Beziehung und Erziehung? Zur gesellschaftlichen Funktion von Schule


Essay, 2018

7 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung der Beziehungen von Erziehung

3. Funktionen gesellschaftlich kontrollierter Erziehung in der Schule und ihr Beziehungsbezug
3.1 Qualifikationsfunktion
3.2 Selektions- bzw. Allokationsfunktion

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

An Lehrerinnen und Lehrer werden in der heutigen Gesellschaft hohe Anforderungen gestellt. Sie sollen neben der Übermittlung von Wissen auch Aufgaben aus dem Bereich der Sozialpädagogik übernehmen und die Schulentwicklung aktiv mitgestalten. Aus diesen Aspekten resultieren nach Miller die Selbstkompetenz, Gesprächskompetenz, Fach- und Sachkompetenz, Organisationskompetenz, sowie die Beziehungskompetenz (vgl. Miller 2011, S.24). Gerade letztere stellt für die Lehrkräfte eine Herausforderung dar, da eine Balance zwischen Nähe und Vertrauen, als auch nötige Distanz und Strenge gefunden werden muss. Dennoch sagt Miller, dass die Kompetenzen erlernbar seien, „durch Erleben und Erfahren, durch Reflexion, Klärung und durch Wissensaneignung, wobei gewisse personengebundene, strukturbedingte Dispositionen zu beachten und zu akzeptieren sind“ (ebd., S.25).

Das deutsche Schulsystem beinhaltet Funktionen, welche eine gesellschaftlich kontrollierte Erziehung in der Schule ermöglichen sollen, grenzt jedoch auch die Möglichkeiten der Lehrer und Lehrerinnen in den Bereichen einzelner Kompetenzen ein. Diese wurden von Helmut Fend benannt, welcher sich am strukturfunktionalistischen Ansatz orientierte (vgl. van Ackeren, Klemm 2011, S.181).

Wie stehen Beziehung und Erziehung in Hinblick auf die gesellschaftlichen Funktionen von Schule zueinander? Diese Fragestellung soll im Essay genauer untersucht werden, da es von großer Wichtigkeit ist, die Bedeutung der Beziehungsdidaktik zu verstehen.

Mit der Arbeit soll gezeigt werden, dass die gesellschaftlichen Funktionen von Schule Hürden birgen, aber auch Gewinne bringen, wenn die Funktion der Erziehung stärker als Beziehungsarbeit verstanden wird.

Um zu diesem Ziel zu gelangen, gehe ich folgendermaßen vor: Als Erstes werde ich die Bedeutung der Beziehungen von Erziehung darstellen, um zu zeigen, wie wichtig ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis ist. Anschließend werden die Funktionen gesellschaftlich kontrollierter Erziehung in der Schule auf ihren Beziehungsbezug geprüft. Hierbei handelt es sich um die Qualifikationsfunktion, Selektions- bzw. Allokationsfunktion, sowie Integrations- bzw. Legitimationsfunktion. Hier wird geschaut, welche Funktion am stärksten das Erziehen und Beziehen beinhaltet und in welcher Form dies zum Ausdruck gebracht wird. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und es wird gezeigt, ob die oben genannte These belegt oder widerlegt werden kann.

2. Bedeutung der Beziehungen von Erziehung

Während man im 19. Jahrhundert überzeugt war, dass Erziehung mit Züchtigung einhergeht, gelten in der heutigen Zeit andere Erziehungsmaßnahmen. Die erfolgreichste ist der autoritative Erziehungsstil, bei welchem dem Alter entsprechende Anforderungen gestellt werden und dem Kind mit Anerkennung und Wärme begegnet wird. So erfährt dieses seinen Wert, was das Selbstvertrauen steigert. Ebenso ist das Erklären von Verboten und das Verdeutlichen der Konsequenzen ein wichtiger Faktor für die Selbststeuerung (vgl. Wild 2015, S.238). Stand in der früheren Zeit vor allem das Beeinflussen im Mittelpunkt, welches eine Verhaltensänderung bei den Personen hervorrufen sollte, so soll in der jetzigen Gesellschaft eine Entwicklungshilfe durch das Fördern und die Begleitung der Personen erzielt werden. Es erfolgte ein Wandel von einer Subjekt-Objekt-Relation zu einer Subjekt-Subjekt-Relation (vgl. Miller 2011, S.44). Lässt sich diese Form der Erziehung in den Familien auch auf die Schule übertragen?

Schülerinnen und Schüler machen fast immer die Erfahrung, dass der Lehrer als Autoritätsperson gilt und seinen Anweisungen Folge zu leisten ist. Kurt Lewin entwickelte ein Experiment, bei dem er herausfinden wollte, welcher Führungsstil sich am günstigsten auf das Lernverhalten und den Umgang der Schüler untereinander auswirkt. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass der demokratische Führungsstil, welcher sich durch Diskussionen und Entscheidungen in der Gruppe charakterisieren lässt, zu den besten Ergebnissen führt. Es herrscht eine hohe Arbeitsmoral bei weniger Konflikten. Hier wird die Beziehung zwischen der Lehrkraft und den Schülern als wichtig angesehen (vgl. Fend 2008, S.64-68).

Aus diesen Erkenntnissen lässt sich schließen, dass sich ein positives Lehrer-Schüler-Verhältnis gewinnbringend auf das Arbeitsklima in der Schule auswirkt, während eine autoritäre Führungsrolle das Gegenteil bewirkt (vgl. ebd., S. 68). Somit kann gesagt werden, dass die Form der autoritativen Erziehung durchaus auch auf die Schule übertragen werden kann.

3. Funktionen gesellschaftlich kontrollierter Erziehung in der Schule und ihr Beziehungsbezug

3.1 Qualifikationsfunktion

Wie in Kapitel 2 dargestellt wurde, haben Beziehungen auch in der Schule eine große Wichtigkeit und helfen, für ein positives Arbeitsklima zu sorgen. Wie stark dürfen Lehrer Beziehungsarbeit leisten? Gibt es Einschränkungen und Regeln und wenn ja, welche Hindernisse stellen diese dar? Diese Fragen werden anhand der drei gesellschaftlichen Funktionen von Erziehung untersucht.

Bei der Qualifikationsfunktion handelt es sich um die Weitergabe von Qualifikationen an die Schülerinnen und Schüler. Diese werden benötigt, damit sich die Gesellschaft in jeder folgenden Generation immer wieder nachbilden kann. Dazu sollen sie nicht nur das tun, was alle Generationen vor ihnen bereits getan haben, sondern die Fähigkeiten erlangen, die bereits bestehenden Strukturen umwandeln zu können. So werden Entwicklungsprozesse ermöglicht. Aktuell wird weniger von dem Qualifikationsbegriff, als von dem Kompetenzbegriff gesprochen. Qualifikationen sind nicht von der jeweiligen Person abhängig und beschreiben Anforderungen, sowie Fertigkeiten, die benötigt werden, um die Anforderungen zu erfüllen. Bei den Kompetenzen hingegen werden die gesellschaftlichen Normen und Werte berücksichtigt. Ebenso bezieht sich der Erwerb von Kompetenzen auf das gesamte Leben und nicht wie bei den Qualifikationen auf einen bestimmten Zeitpunkt (vgl. van Ackeren, Klemm 2011, S.183).

Die Qualifikationsfunktion beinhaltet zwei Anforderungen. Zum einen sollen von den Schulen Kompetenzen übermittelt werden, damit die Kinder und Jugendlichen „auf ihr künftiges Erwerbsleben“ (ebd., S.184), vorbereitet werden, zum anderen „auf ihr privates und öffentliches Leben in der Gesellschaft“ (ebd., S.184). Das Wissen steht hierbei nicht im Vordergrund, sondern das Beibringen der Schüler, sich dieses selbstständig aneignen zu können. Die Schulleistungsstudie PISA orientiert sich ebenfalls am Kompetenzbegriff. Es soll an den Schulen nicht nur das Fachwissen übermittelt werden, sondern auch die Handlungskompetenzen, welche die Aspekte wie „Selbstregulation, Problemlösekompetenz sowie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit“ (ebd., S.184) inkludieren.

Bereits die beiden Aspekte Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit zeigen, dass bei der Qualifikationsfunktion eine Beziehungsarbeit zwischen den Lehrkräften und ihren Schülern nicht nur von Vorteil, sondern geradezu notwendig ist. Bei der reinen Übermittlung von Fakten, welche für das Fachwissen benötigt werden, spielt die Beziehung eine geringere Rolle. Durch den Wandel, welchem diese Funktion in den letzten Jahrzehnten unterlag, wurde die Übermittlung der Kompetenzen jedoch von zentraler Bedeutung. Damit diese an die Schüler weitergegeben werden können, muss kommuniziert und kooperiert werden. Meiner Meinung nach funktioniert dies nur durch verstärkte Beziehungsarbeit, da durch Vertrauen, welche der Lehrkraft bei einer positiven Beziehung gegenübergebracht wird, die übermittelten Fähigkeiten eher als gewinnbringend angenommen und dementsprechend auch umgesetzt werden. Nachteil bei dieser Funktion ist die Tatsache, dass zwar die Kompetenzen im Vordergrund stehen, allerdings durch den Wettbewerb in der Wirtschaft die Gesellschaft von der Schule fordert, den Schülern ausreichend Qualifikationen mitzugeben, damit die Wirtschaftskraft nicht nachlässt (vgl. ebd., S.186). Aus diesem Grund fühlen sich die Lehrkräfte unter Druck gesetzt, den Anforderungen des Staates, welcher in den meisten Fällen ihr Arbeitsgeber ist, zu entsprechen. Hier herrscht ein Spannungsverhältnis zwischen den Ansprüchen der Pädagogik und denen der Gesellschaft, wie es van Ackeren und Klemm formulierten.

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Wie ist das Verhältnis von Beziehung und Erziehung? Zur gesellschaftlichen Funktion von Schule
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
7
Katalognummer
V1064548
ISBN (eBook)
9783346489548
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verhältnis, beziehung, erziehung, funktion, schule
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Wie ist das Verhältnis von Beziehung und Erziehung? Zur gesellschaftlichen Funktion von Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1064548

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