Die Reliefgenerationen Südwest-Deutschlands


Seminararbeit, 2001
12 Seiten, Note: 1,5

Gratis online lesen

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Reliefgenerationen
2.1. Die erste Reliefgeneration - Tertiäre Rumpfflächensysteme
- Allgemeines
- Oberrheingraben, Alpen und Vorland, Meteroiteneinschläge, Vulkanismus
- Schwäbische Alb
- Schwarzwald
- Molassebecken
2.2. Die zweite Reliefgeneration - Oberpliozän und Ältestpleistozän
- Allgemeines
- Schichtstufenlandschaft
- Albtrauf
- Entwicklung des Gewässernetzes
- Donauschotter und andere Höhenschotter
2.3. Die dritte Reliefgeneration - Kaltzeiten-Pleistozän
- Allgemeines
- Verstärkte Ausbildung der Täler und Abtragung
- Permafrostböden und Schotterflächen
- Lößablagerungen
- Eisvorstöße
- Moränen
- Eigenvergletscherung der Mittelgebirge
- Sonstiges
2.4. Die vierte Reliefgeneration - Das Holozän

3. Zusammenfassung und Fragen/ Anhang

4. Bibliographie

Einleitung

Die Erforschung der Reliefgenerationen

Das Gesamtrelief der Erde setzt sich aus mehreren Reliefgenerationen zusammen. Die Inein- anderverschachtelung von verschiedenen Formengruppen, an denen die Genese ablief oder sich auch heute noch abspielt, repräsentiert verschiedene Reliefgenerationen. Der Grund für solche Formungen liegt im Wechsel der klimatischen Bedingungen im Laufe der Erdgeschichte. Die reichste Abstufung von Reliefgenerationen in den Mittelbreiten und Subtropen fand daher seit dem Ausgang des Tertiärs statt aufgrund der starken Wechsel von Kalt- und Warmzeiten, während im Holozän relativ schwach einwirkende Formungsmechanismen zu beobachten sind. Unser Formenerbe ist deshalb vor allem auf ältere Reliefgenerationen zurüchzuführen.

Definition von Reliefgenerationen:

1) „ Alters- und Proze ß dokument der Geomorphogenese eines Gebietes, ausgehend geo- morphgenetisch- geomorphochronologischen Ansatz. Nach diesem ist die Gesamtheit des Georeliefs der Erde, aber auch eine regionale Formengruppe, eine meist altersbedingte Formenabfolge, die im Laufe ihrer Entwicklung sehr verschiedenartigen geomorphologi schen Prozessen unterlag...“ (Leser 1997, S.: 699)
2) „Als Reliefgenerationen werden Formen oder auch eine Gruppe von Formen bezeichnet, die von einem gleichartigen Formungsmechanismus geprägt wurden. Eine jüngere Reliefgeneration setzt ein, wenn neue Formen entstehen, die meist in die alten eingeschachtelt sind. Es hat sich damit auch der Formungsmechanismus oder das Proze ß gef ü ge verändert.“ (Büdel 1977, S. 25)

Reliefgenerationen

2. Die Reliefgenerationen

2.1. Die erste Reliefgeneration - Tertiäre Rumpfflächensysteme

Allgemeines:

- Die erste Generation ist vorherrschend von mehrgliedrigen tertiären Rumpfflächensys- temen geprägt, die vom Eozän bis ins Mittelpliozän datiert werden. Das Relief wird be- stimmt von mesozoischen Tafelländern und mancher aus alttertiären Schichten aufgebau- ten Hügelländern. Teilweise zeigt sich eine Ablösung durch ein kleinkuppiges Relief (Bsp.: schwäbische Kuppenalb)
- Außerdem findet unter den tropischen bis subtropischen Klimabedingungen eine rasche flächenhafte Verwitterung statt, die die aufgewölbten mesozoischen Gesteinspakete kappt. So findet man ursprünglich übereinanderliegend abgelagerte Gesteinsschichten an der Oberfläche räumlich nebeneinander. → Abtragung
- Die Altflächen können ansonsten unterteilt werden in mehrgliedrige Rumpftreppen bzw. Schichtstufen, beinflußt durch die rasche Hebung im Tertiär (Oberrheingrabenbildung: v.a. Eozän). Zeitweilig kommt es zu einer randlichen Zerschneidung der Gebirge. In al- len Höhenlagen Mitteleuropas stehen die Flächen der ältesten Generation noch ohne Bezug zum heutigen Talnetz bzw. Gewässernetz.
- Die erste Reliefgeneration ist insgesamt gekennzeichnet durch eine flächenhafte Abtra- gung .(Gäuflächen, Hochflächen im Keuperbergland, „Liasebenen“ wie Albhochfläche) entgegen der gleichzeitigen Hebungsphasen

= epirogene Hebung und flächenhafte Abtragung

Oberrheingraben, Alpen, Alpenvorland, Meteroiteneinschläge, Vulkanismus:

- Einsenkung des Oberrheingrabens im Verlauf des Tertiärs und Heraushebung der Vo- gesen und des Schwarzwaldes
- Auffalten der Alpen im Süden
- Absenkungen im Alpenvorland: Molassebecken mit zahlreichen Sedimentationen durch das vorstoßende Meer (Eozän - Miozän)
- Im Mittelmiozän vor ca. 15 Mio Jahren kam es durch den Einschlag von Meteroiten zur Ausschleuderung großer Kalksteinbrocken, das Entwässerungsnetz wurde zum grö0ßten Teil verschüttet. In den Einschlagskratern (Nördlinger Ries und Steinheimer Becken) bil- deten sich Süßwasserseen mit reichem Tierleben in subtropischer Landschaft.
- Vulkanismu s: Kaiserstuhl, Katzenbuckel, Hegauberge, Steinsberg (Mittel- und Obermi- ozän)→ Ausgeschleuderte Tuffe überdeckten Umgebung und wurden teilweise über- schwemmt und es kam zur Ausbildung von Maareseen mit Ablagerungen und Hervorsto- ßen von warmen Quellen (Wannenberg, Riedöschinger Travertin). Im Miozän zeigte sich auch auf der mittleren Alb vulkanische Aktivität (Kegelberge: Limburg bei Weilheim, der Georgenberg bei Pfullingen, Jusi am Albtrauf bei Metzingen): Maarebildung (Randecker Maar), Dolinenbildun g durch abfließendes Quellwasser (Donstetten, Zainingen)
- Ausklingen der vulkanischen Aktivitäten vor ca 7 Mill Jahren, Molassebecken wurde an- gehoben und fiel trocken

Schwäbische Alb:

- Die Schwäbische Alb läßt sich in zwei Großreliefformen einteilen. Zum einen das nord- westliche Kuppenrelief. Es sind Formenreste eines an die dort vorhanden Riffkalkstot- zen angepaßten altmiozänen Tropenkarstes. Zum anderen die südöstliche Flächenalb. Diese war noch weit überflutet, daher zeigt sich hier ein flaches Relief.
- Insgesamt war die Albfläche tendenziell von flächenhafter Abtragung geprägt:→ präo- ligozän angelegt, miozän verschüttet und pliozän wieder freigelegter Tafelrumpf
- Die Trennlinie zwischen den beiden Reliefformen bildet die Klifflinie. Sie ist Grenzlinie der größten Meeresbedeckung des helvetischen Tertiärmeeres (OMM) im Alpenvorland. Auch heute noch hebt sich diese alte marine durch Brandung erzeugte und bis zu 100 m hohe Felsküste im Relief hervor.
- Durch Hebungs- und Senkungsbewegungen brach die Kalksteintafel der Uralb in kleine Schollen, die sich gegeneinander verschoben. Die Folge waren Verwerfungen mit grös- seren Sprunghöhen und Grabenbrüchen. (Lauterbachgraben, Hohenzollerngraben). Alle diese Brüche sind teil des dogenannten „Schwäbischen Lineament“.

Schwarzwald:

- Länge; 160km, Breite: Süden bis 61km, Norden bis 23km, Gesamtfläche: 5180m²
- Bis zum unteren Pliozän bildete der Schwarzwald ein weitergebildetes System von Rumpfflächen.
- Der Schwarzwald läßt sich in zwei wesentliche Abschnitte gliedern.
- Auf den höchsten Teilen des Gebirges findet ein fast völliger Abtrag des Deckgebirges statt. Darauf lassen sich auch die heutigen sanften, flachen Geländeformen auf der Höhe ableiten, da die Granite und Gneise des Rumpfgebirges sehr homogen beschaffen sind. Durch jüngere Zertalung sind aber auch hier tiefere Einschnitte im Grundgebirge vorhan- den. In der Gegend des Katzenbuckels kam es zu einer Abtragung von 700-800 m Gestein.
- In der Nord- und Ostabdachung des Schwarzwaldes bildet der Buntsandstein die 1. Schichtstufe für das schwäbisch-fränkische Schichtstufenland, allerdings nicht über- all. Hier geht das Gebirge allmählich in die Schichtstufenlandschaft über. Im W zeigt sich ein steiler Abfall zur Oberrheinischen Tiefebene mit Vorbergzone. (Hochfläche des oberen Buntsandsteins, Süden: Hochrhein verläuft genau an Grenze zwi- schen Grund- und Deckgebirge, Norden: Grundgebirge und Buntsandstein verschwinden unter Muschelkalk und Keuper des Kraichgaus).

Molassebecken:

- Das Molassebecken ist eine 70-100km breite Geosynklinale. Durch die zeitweise Verbin- dung zu Meeren und der Brack- und Süßwasserfüllung kam es zu großen Sedimentations- vorgängen → Sedimentationsschichten der Molasse im Oligozän und Miozän
- Anfangs nahm dies nur einen flachen muldenartigen Streifen am Alpenrand ein. Dann weitete sich die Senkungszone immer weiter nach Norden aus und überschritt die heutige Aare- Donau- Linie. Damit einhergehend senkte sich der Beckenboden nach Süden hin und v. a. im Obermiozän füllte sich die Mulde mit Sedimenten aus den Flüssen von Schwarzwald und Alb kommend. (Juranagelfluh)
- Graupensandrinne: ehemaliges Gewässernetz (Breite: 10-20 km) entgegen der Donau am Alprand
- Klifflinie bildete die äußerste Grenze der Meeresausdehnung im Untermiozän.

2.2. Die zweite Reliefgeneration: Oberpliozän und Ältestpleistozän:

Allgemeines:

- Zeitliche Einordnung: vor 5 Mio-ca. 0,8 Mio Jahren, Hochphase: 2 Mio-0,8 Mio Jahren
- Im Klima des Pliozäns und des Ältestleitozäns zeigt sich ein Wechsel vom tropischen zum subtropischen Klima. Deutlich kündigt sich mit dem Beginn des Pleistozäns eine starke Abkühlung an.
- In den Hochlagen der Gebirge kommt es zu einer verstärkten randlichen Zerschneidung der höheren Altrumpfflächen. Es setzt eine flache Talbildung ein, die als in die Altflächen eingesenkte Breitterassen sichtbar wird. Am Rande laufen die Terrassen in Flussflächen aus (Glacisfächer). Es zeigt sich eine erste Fixierung der heutigen Flußgebiete.
- Durch den Wechsel von Akkumulation und Tieferlegung füllten sich die Talböden mit Schotterstreu und teilweise Sand und es kam zu einer Freilegung von Schichtflächen. Da- mit bildete sich die heutige „klassische Schichtstufenlandschaft“ mit Stufenrändern und Stufenflächen aus. (und Zeugenberge)
- Mit dem Wandel der Verwitterungsart kam es mit fortschreitender Entwicklung durch Tiefenerosion zu einem Einsetzten der Trogflächenbildung, das Einzugsgebiet des Rheins begann sich zu individualisieren.

Büdel: Generationen

Schichtstufenlandschaft:

- Südwestdeutsche Schichtstufenland ist der östliche Flügel eines Antiklinalstufenlandes (Stufenhänge, die nach innen zu einem Wölbungszentrum weisen), dessen Gewölbe über der Oberrheinischen Tiefebene eingebrochen (ORG) und dessen Westflügel Teil des fran- zösischen Schichtstufenlandes ist.
- Im Relief zeigt sich zudem ein fächerförmiges Auseinanderstrahlen der Stufen vom Klettgau im S nach NO, entsprechend den strukturellen Merkmalen, sind im S die Stufen, im N dagegen die Flächen das landschaftlich dominierende Element.
- Auf der Schwäbischen Alb bilden sich Schichtstufen mit einer Höhe von 250-300m.. Harte Schichten treten im Relief durch verstärkte Zertalung im Pleistozän deutlicher her- vor.

Geomorph.Schichtstufen

Albtrauf:

- Seit dem Obermiozän zeigt sich am Albtrauf eine Stufenrückverlegung um bis zu 23 km. Eindrucksvolles Beispiel sind die Weißfura- Beta- Einschlüsse in obermiozänen Vul- kanschloten der Liasplatten bei Nürtingen und Scharnhausen. Die Trümmerstücke des Weissen Jura sind erst am Steilanstieg der Schwäbischen Alb zu finden aufgrund von Ab- tragungen, die durch den Neckar und seine Zubringerflüsse verstärkt wurden, und bedingt durch Quellerosion.
- Vor dem Albtrauf blieben Zeugenberge (Hohenzollern, Staufen, Achalm) liegen. (bis heute Diskussionen über Ausmaß und Vorgang (hydrologisch, Mächtigkeitsrelatio nen, Schichtneigung, Reliefenergie) der Stufenrückverlegung)

Albtrauf

Entwicklung des Gewässernetzes:

- Die Entwicklung des Gewässernetzes zeichnet sich aus durch den Kampf um die Was- serscheide zwischen Rhein und Donau.
- Die Donau wurde seit dem jüngeren Tertiär durch Neckar und Rhein, die eine höhere Re- liefenergie durch Zurückweichen der Schichtstufen nach SO und durch Wasserzufuhr aus Karstsystemen besaßen, abgegraben →Verschiebung der Wasserscheide nach Süden
- Durch Zurückweichen des Albtraufs floßen Neckar und Urlone zusammen: Der Lauf leg- te sich tiefer und sägte sich rückwärts in die Alb ein.
- Teile der heutigen Trockentäler auf der Albhochfläche stammen von den Nebenflüssen der alten Donau. Durch die tektonische Heraushebung Süddeutschlands verschob sich die Donau an den Südrand.

Donauschotter und andere Höhenschotter:

- Beleg für ein im Jungtertiär kräftig ausgebildetets Tal- und Schichtstufenrelief sind die Donauschotter. Diese befinden sich zum Teil auf verschiedener Höhenlage der heutigen Donau.
- Mittel- und oberpliozänen Schotter liegen auf einer bis zu 10km Breite auf den Flächen- resten einer Schnittfläche am Südrand der Schwäbischen Alb.
- Höhensande auf Hochflächen der Ostalb beiderseits des Brenztals aus dem Urbrenz in mehreren Terrassenstufen, im Schichtstufenbland nördlich der schwäb. Alb: Höhen- schotter aus Übergangszeit Pliozän / Pleistozän aus (Neckar, Enz): später Abtragung

2.3. Die dritte Reliefgeneration - Kaltzeiten-Pleistozän

Allgemeines:

- Gegen Ende des Tertiärs waren zwar die Großformen Südwestdeutschlands ausgestaltet, die Landschaft erhielt aber ihr eigentliches Gesicht erst durch die geologischen Vorgänge in der vorletzten Periode der Erdgeschichte, im Quartär. Ablagerungen aus dieser Zeit bedecken weite Teile Baden-Württembergs, hauptsächlich im Alpenvorland und im Ober- rheingraben. Die Pflanzen- und Tierwelt änderten sich, klimatisch bedingt, drastisch.
- Im Quartär fand eine weltweite Klimaverschiebung statt. In weitern Teilen sank die Durchschnittstemperatur während einer Reihe von Kaltzeiten in mehreren langen glazia- len Phasen um 10 - 15 °C ab. Schnee- und Eisflächen vergrößerten sich. Inlandeis und Gletscher nahmen 8 -10% der Erdoberfläche ein (Heute 3%).
- Glaziale (Kaltzeiten) und kurze Interglaziale (Warmzeiten) wechselten sich ab.
- Das Quartär umfasst die letzten 2,6 Millionen Jahre der Erdgeschichte und beginnt mit dem Pleistozän (Eiszeitalter).
- Am häufigsten bekannt sind die 7 großen Eiszeiten. Sie erhielten für den Alpenraum gül- tige Namen nach Flüssen: Biber, Donau, Günz, Haslach, Mindel, Riß und Würm. Jedoch haben Bohrungen ergeben, dass es weit mehr als 7 Kalt- und Warmzeiten gegeben hat.

Verstärkte Ausbildung der Täler und Abtragung:

- Voraussetzung für die Ausbildung der Täler ist das eiszeitliche Klima und das Fehlen ei- ner schützenden Vegetationsdecke. Dadurch wurde die Erosionsenergie der Flüsse des Oberrheingrabens gefördert. Mit dem stärkeren Gefälle der Flüsse und der tieferen Ein- schneidung in das Grundgebirge kam es zu einer verstärkten Abtragung des Deckgebirges.
- Auf Grund der stärkeren Reliefenergie des Rheins gegenüber der gemächlich fließenden Donau verschob sich die Wasserscheide nach Osten. Mit Beginn des Eiszeitalters über- wand der Rhein auch die Kaiserstuhl-Wasserscheide. Heute befindet sich die Wasser- scheide auf der Schwäbischen Alb.

Permafrostböden und Schotterflächen:

- Der größte Teil Süddeutschlands war nicht vereist, stand jedoch unter dem Einfluss des trockenkalten Klimas, was zum völligen Verschwinden der Wälder führte. An ihre Stelle trat eine Steppenvegetation mit Gräsern, Moosen und niedrigen Sträuchern.
- Das Eiszeitalter hat dort aber seine Spuren in Form von Ablagerungen hinterlassen. Ein großer Teil des Gerölls, Gesteinsschuttes, welche der Abtragung (Denudation) in den Eis- zeiten durch Gletscher oder durch Frostsverwitterung unterlagen kommen nicht in Morä- nen zur Ablagerung, sondern werden durch die Schmelzwasser weiter verfrachtet und spä- ter in unterschiedlicher Form und Höhe abgelagert.
- Das eiszeitliche Klima begünstigte die Entstehung von Abtragungsschutt, der als Folge der intensiven Frostsprengung beim häufig wechselnden Gefrieren und Wiederauftauen des Sickerwassers in den Klüften und Spalten der Gesteine anfiel. Mächtige Schutthalden entstanden.
- Kaltzeitliche Decken- und Terrassenschotter sind weit verbreitet, da die Schmelzwässer der Gletscher in Flüssen transportiert wurden, welche ihre Sedimentfracht bei nachlassen- der Transportkraft ablagerten.
- Der einsinkende Oberrheingraben wirkte als riesiges Sammelbecken für die Sediment- fracht der Rheins und von den Seiten her einmündenden Flüsse. An den Grabenrändern entstanden dabei auch große Schwemmkegel; die bedeutendsten sind vom Neckar und der Dreisam.
- Deckenschotter sind hochgelegen und durch die rückschreitende Erosion, die von der an der darunter liegenden Tertiärobergrenze ausgehen, zertalt. Deckenschotter stellen die höchstgelegenen Schotterkörper dar. Teilweise zeigen die Schotterzüge eine erhebliche Breite von einigen Kilometern auf, was zeigt, dass die damaligen Flusstäler sehr breit wa- ren. Die Deckenschotter sind tiefgründig verwittert. Infolge ihres hohen Alters und ihrer hohen Lage hat die Abtragung sie besonders stark zerlappt. Auch die Schotter des Alt- pleistzäns (Günz, Hanslach und Mindel), welche meist zu Nagelfluh verbacken sind und deshalb häufig Decken auf Erhebungen bilden, nennt man Deckenschotter.
- Hochterrassenschotter sind entsprechend ihrem geringen Alter und weniger hohen Lage gegenüber der lokalen Erosionsbasis weniger zertalt als die Deckenschotter. Die Verwitte- rung greift weniger tief, ist jedoch meist doch so intensiv, dass gelöster, in die Tiefe ab- gewanderter Kalk dort die Kiese zu Konglomeraten verkitten konnten. (Rissschotter). Während Moränensedimente meist die Hügel aufbauen, bestehen die Hochterrassen aus risszeitlichen Schottern. Diese liegen deutlich tiefer als die jüngeren Deckenschotter, aber erheblich über der Niederterrasse, die von würmzeitlichen Schottern gebildet wird.
- Niederterrassenschotter erheben sich meist nur wenig über den gegenwärtigen Talbö- den, zum Teil verläuft ihre Schotterflur sogar in oder unter der gegenwärtigen Talauen. Die Kieselsande sind in der Regel noch nicht verfestigt, an der Oberfläche nur wenig ver- wittert, die Bodenbildung auf ihnen nur geringmächtig. Die Schotterfelder aus der Würm- Eiszeit sind infolge ihrer tiefen Lage und ihres geringen Alters so gut wie nicht zertalt, sie lassen sich bis zu den Endmoränen verfolgen und mit diesen verknüpfen. In der Nähe der Moränen sind die Niederterrassen vielfach in eine Mehrzahl von Einzelterrassen geglie- dert.
- Häufig wurden diese Schuttmassen durch Bodenfließen (Solifluktion) hangabwärts wei- ter verfrachtet. Während des eiszeitlichen Sommers taute der mehrer Zehner bis Hunderte Meter tief gefrorene Boden oberflächlich auf. Da der tiefere Untergrund gefroren blieb (Dauerfrostboden, Permafrostboden), konnte das Auftauwasser nicht versickern. Es entstand ein wasserübersättigter, beweglicher Bodenbrei, in dem Gesteinsschutt und Blö- cke auch bei sehr geringer Geländeneigung weit transportiert werden konnten (Hunderte von Metern und mehr). Ausgedehnte Hangschuttdecken gehen auf diese Vorgänge zurück.

Lößablagerungen

- Die großen Schotterflächen im Oberrheingraben und im Alpenvorland, welche nicht eisbedeckt waren, haben zur Bildung von Löß geführt, denn das eiszeitliche Klima ver- hinderte das Aufkommen der Vegetation auf den großen Kies- und Sandflächen. Die fei- nen Bestandteile der zeitweise trockenliegenden Fluss- und Schmelzwasserablagerungen wurden von den vorherrschenden Südwestwinden ausgeblasen (äolischer Prozess) und mit Staubstürmen über das ganze Land verfrachtet und besonders auf der Leeseite von Bergen und Hügeln als kalkreicher Löß wieder abgelagert, wenn die Transportkraft des Windes nachließ. Der äolisch verfrachtete Staub häuft sich vorwiegend dort zu Löß an, wo Vegetation (hauptsächlich Gras) ihn vor neuer Auswehung oder Ausschwemmung schützt.

Aufgrund der Windverfrachtung findet man Löß nicht nur in der Umgebung von Schotter- flächen, sondern er ist - z.T. vermengt mit Verwitterungslehm - auch im Schichtstufen- land bis hinauf zur Schwäbischen Alb (Filder) und vor allem im Kraichgau, einem tiefen Sammelbecken zwischen Schwarzwald im Süden und Odenwald im Norden9913131313, weit verbreitet.

Eisvorstöße

- Die vorstoßenden Gletscher haben markante Spuren hinterlassen: Moränensedimente, Schmelzwasserschotter, Seesedimente mit Torf, Grundmoränen (aus schluffig-tonig- sandigem Material) und Endmoränen sowie Drumlins.
- Die Riß-Gletscher hatten ihre größte Ausdehnung, sie reichten nach Norden fast bis zur Mitte des Molassebeckens. Die Moränen aus dieser Zeit sind, ebenso wie die nur in klei- nen Breichen oberflächlich aufgeschlossenen Mindel-Moränen, schon stark abgetragen und eingeebnet; landschaftlich handelt es sich um ein flachwelliges Altmoränen-Gebiet. Im weiter südlich gelegenen Bereich der würmzeitlichen Jungmoränen haben sich die kuppig-hügeligen Formen besser erhalten.
- Während der letzten Vergletscherung in der Würmkaltzeit war die Eisausdehnung geringer. Die Donau wurde längst nicht mehr erreicht. Die beiden Endmoränenwälle der würmzeiltichen Gletscher sind jedoch mit frischen Formen vorzüglich erhalten und fast ohne Unterbrechung zu verfolgen.
- Die zahlreichen Seen des Alpenvorlandes (Ammer-See, Chiemsee) verdanken ihre Ent- stehung ebenfalls der würmzeitlichen Vergletscherung. Es sind meist durch Gletscherzun- gen ausgeräumte Becken, nachdem riesige Toteis-Blöcke liegengeblieben waren und sich in Senken bildeten, als sie mit erheblicher Verzögerung abtauten.

Moränen

- Da das Eis der zweitletzten großen Vorlandvergletscherung (Riß-Glazial) in Oberschwa- ben eine maximale Ausdehnung erreichte, wurden die Spuren älterer Vergletscherungen oder Kaltzeiten dort weithin ausgetilgt. Die Informationen über das voreiszeitliche Ge- schehen beruhen daher auf dem außerhalb der Riß-Endmoräne liegenden Gebiet.
- Beim Zurückschmelzen des Eises blieben dagegen glazigene Formen erhalten. Altmoränen sind nur außerhalb des Jungmoränengebietes erhalten. Dort wo sie vom Eis der jüngeren Eiszeiten überfahren wurden, sind sie zum Teil abgeschürft, zum Teil auch unter der last des Eises umgeprägt worden. (Stauchmoränen, Drumlins). Deshalb prägen die Altmoränen auch eine ausgeglichene Landschaft. Auch die Anordnung der Altmorä- nen, insbesondere der Endmoränen, zeigt die Aufspaltung des damaligen Rheingletschers in einzelne Loben mit den zugehörigen Zungenbecken: Wurzacher Becken, Biberacher Becken, Buchauer Becken, Riedlinger Recken, der Untersee). Der Rißgletscher drang ca. 12km weiter nach Norden als der Würmgletscher. Die Grundmoräne besteht aus schluff- sandigem Kies mit einer 30 Meter bis 20cm dicken Verwitterungsdecke. Die Altmoränen- landschaft wird durch mehr oder weniger breite Talzüge unterbrochen.
- Jungmoränen sind noch in frischem Zustand erhalten: Endmoränen, Hohlformen wie Zungenbecken oder Toteislöcher, sowie ein lebhaftes, noch wenig ausgeglichenes Relief. Charakteristisch ist auch die geringe Verwitterungstiefe. Die Jungmoränen werden der Würm-Eiszeit zugeordnet. Man kann mehrere Endmoränenzüge verfolgen. Der äußerste entspricht dem Maximalvorstoß des würmeiszeitlichen Rheingletschers. Da die letzte Eis- bedeckung eine geringere Ausdehnung hatte, als die vorausgehenden, nimmt die Jungmo- ränenlandschaft nur den inneren Teil des Rheingeltscher-Beckens ein, während außerhalb Altmoränen vorkommen. Die Grundmoräne besteht aus lockerem, ungeordnetem Schotter bis hin zu sandigem bzw. lehmigen Schluff und hat eine flachgründige Verwitterungsde- cke (40cm - 60cm).

Eigenvergletscherung der Mittelgebirge

- Auch Schwarzwald und Vogesen trugen im Pleistozän mehrfach Eisdecken. Im Süd- schwarzwald baute sich während der letzten würmzeitlichen Vereisung in Höhen über et- wa 1000 m eine ungefähr 700 km2 große Eiskappe auf, deren höchste Region das Feld- berg-Massiv war. Besonders auffallende Zeugen der Schwarzwälder Vereisung sind Kare (vom Eisumgestaltete Felsnischen) (Feldsee). Der Schluchsee und der Titisee sind hinter Endmoränen beim Abschmelzen des Eises aufgestaut worden.

Sonstiges

- In Warmzeiten des Jungpleistozäns entstanden an einigen Stellen SW-Deutschlands von Quellwässern ausgeschiedene Süßwasserkalke (Kalktuff, Travertin).
- „Kalktuff ist eine Form des porösen Kalksteins, die zellig-porös und daher leicht und geomorphologisch wenig widerständig ist. Der Kalktuff setzt sich im Wasser, meist um Blätter, Moose oder sonstige Pflanzen ab.(...)“ (W ö rterbuch Allgemeine Geographie).
- Berühmt ist vor allem das vorherrschend von Mineralquellen abgesetzte und aus mehreren Warmzeiten stammende Stuttgarter Travertin.

2.4. Die vierte Releifgeneration - das Holozän

- Das Holozän stellt also den jüngsten Abschnitt der Erdgeschichte dar, der zur erdge- schichtlichen Gegenwart überleitet und ist zugleich das Ende des Quartärs. Es umfasst ca. die letzten 10.000 Jahre der Erdgeschichte, die sich an die letzte Eiszeit (Würm-Eiszeit) anschloss. Das Holozän zeichnet sich durch eine zunehmende Erwärmung aus, was dazu führte, dass die Vegetation in den eisfreien Gebieten zurückkehrte. In den Alpen zogen sich die Gletscher erst später zurück, so dass das Holozän dort erst später begann.
- Wichtige spätwürmzeitliche bis holozäne Ablagerungen mit relativ weiter Verbreitung sind die jungen Talfüllungen bestehend aus Kies, Sand und Lehm im Überschwem- mungsbereich der Flüsse und Bäche, sowie organische Sedimente wie Torf.
- Am bekanntesten sind die Auenlehme. Die Aue ist der tiefste, ebene Teil des Talbodens. Sie wird bei einem Hochwasser überflutet und besteht aus feinkörnigen Fluvialsedimen- ten, dem Auenlehm. Dieser ist sandig-lehmig und teilweise humushaltig und weist eine Mächtigkeit von zum Teil über mehrere Meter auf. Auf dem Auenlehm wächst häufig verbreitet der feuchtigkeits- und nährstoffliebende Auenwald.
- Die Lößablagerungen setzten sich im Holozän fort.
- Die aufgrund geringer Schmelzwassermassen aus den Gebirgen und abnehmender Relief- energie nachlassende Transportkraft der Flüsse führte dazu, dass die Flüsse heute eher ruhig fließen. Die breiten Schottersohlen der Flüsse aus der Würm-Eiszeit blieben somit weitgehend erhalten. Die Schotterdecken werden also kaum weiterbewegt oder umgela- gert, höchstens bei einem großen Hochwasser.
- Im Spätwürm und im Holozän ereigneten sich in vielen tief eingeschnittenen Tälern große Bergstürze (Filstal, Wutachtal) ebenso am Albtrauf.
- In zahlreichen Tälern, besonders der Schwäbischen Alb wurden im Holozän erneut Süß- wasserkalke, meist Kalktuff durch Quellen und Bäche abgelagert. Bsp.: Kalktuffterras- sen des Uracher Wasserfalls.
- Bei den holozänen Bildungen sind noch Torfe und Mudden (schlammige Sedimente) zu erwähnen. Sie sind in der Jungmoränenlandschaft verbreitet, meist als Verlandungsmoore, die kalkreiche Mudden an der Basis aufweisen.
- Im Holozän erfolgten also keine großen Veränderungen des Landschaftsbildes, abgesehen von der Vegetation.

4. Zusammenfassung

- zahlreiche Diskussionen über Reliefgenerationeneinteilung und Reliefentwicklung vor allem in der tertiären bzw. pleistozänen Zeit (z. Bsp.: Schichtstufentheorien): Abtragungs- intensitäten
- periglaziale Formung: vorwiegend physikalische Gesteinsaufbereitung: Solifluktion, Kry- oplanation, Spülvorgänge) sowie äolische bzw periglazial-solifluidale Ablagerungen
- klimatische Faktoren sind wichtiger Bestandteil bei der Betrachtung der Morphogenese: Mechanik und hydrologisches Verhalten
- Faktor der Vegetation: heute bedeutende Stellung in der Hemmung von Denundation und Abtragung, in periglazialen Zeiten: elimierbarer Faktor
- Entsprechende Morhogenese ist auch in anderen Teilen der Welt heute zu beobachten (Tropen).

Fragen:

1. Wie entwickelte sich der Albtrauf seit dem Obermiozän?
2. Was kennzeichnet die erste Reliefgeneration?
3. Was versteht man unter einer Schichtstufenlandschaft am Bsp. SWD?
4. Warum sind die Altmoränen heutzutage meist nicht mehr erhalten?
5. Warum findet man nur noch an manchen Stellen Deckenschotter?
6. Wie und wann konnte sich der Löß bilden?

5. Bibliographie

Barth, H.K. (1975): Das südwestdeutsche Stufenland in der neueren geomorphologischen Forschung.- Geographische Rundschau, Band 27, S. 379-385

Birkenhauer, J (1997).: Morhogenese Rheno-Danubischer Reliefregionen zwischen Oberkreide und Jungtertiär.- Münchener Geographische Abhandlungen, Band A 48. München

Büdel, J (1938): Das Verhältnis von Rumpftreppen zu Schichtstufen in ihrer Entwicklung seit dem Alttertiär.- Petermanns Geographische Mittelungen, 7/8, S. 229-238

Büdel, J.(1977): Kima Geomorphologie.- Gebrüder Bornträger, Berlin/ Stuttgart

Büdel, J. (1977): Beiträge zur Reliefgenese in verschiedenen Klimazonen.- Würzburger Geographische Arbeiten. Würzburg, Band 45

Busch, P. (1986): Geomorhologie.- Ferdinand Schöningh. Paderborn, München, Wien Zürich

Geyer, O., Gwinner,M.(1991): Geologie von Baden-Württemberg. Stuttgart, 4. Aufl.

Gwinner, M.(1977): Zur Natur der Schichtstufen im Schichtstufenland von Südwestdeutschland.- Mannheimer Geographische Arbeiten, Band 1, 277-293

Harms, H.(1987): Physische Geographie uns Nachbarwissenschaften.- List/ Schroedel,, Trier, 11.Aufl.

Illies, H.(1967): Ein Grabenbruch im Herzen Europas - Erdgeschichte und Relief der Landschaft am Oberrhein.- Geographische Rundschau, Band 19, S. 281 ff.

Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (1998): Erläuterungen zur Geologische Schulkarte 1:1 000 000. Freiburg

Leser, H. (1997): Diecke-Wörterbuch der Allgemeinen Geographie.- dtv. München

Liedke, H., Marcinek, J.(1994): Physische Geographie Deutschlands.Gotha

Semmel, A.(1984): Geomorphologie der BRD.- Geographische Zeitschrift. Franz-Steiner Verlag Wiesbaden GMBH. Stuttgart, Band 81-87

Semmel, A.(1996): Geomorphologie der Bundesrepublik Deutschland.- Erdkundliches Wissen, Stuttgart, Band 30

Wagner, G., Koch, A.(1963): Raumbilder zur Erd- und Landschaftsgeschichte Südwestdeutschlands.- Spectrum Verlag. Stuttgart

Zeese, R.(1976): Die Reliefentwicklung zwischen Alb und Gäulandschaften in Ostwürttemberg.- Zeitschrift für Geomorphologie. Berlin Stuttgart, Band 24, S. 48-55

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Die Reliefgenerationen Südwest-Deutschlands
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Physisches Proseminar
Note
1,5
Autor
Jahr
2001
Seiten
12
Katalognummer
V106513
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reliefgenerationen, Südwest-Deutschlands, Physisches, Proseminar
Arbeit zitieren
Aike Rettenmaier (Autor), 2001, Die Reliefgenerationen Südwest-Deutschlands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106513

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Reliefgenerationen Südwest-Deutschlands


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden