Utopie und Utopieverlust bei Heiner Müller - Schwund von Idee und Thema?


Hausarbeit (Hauptseminar), 1996

23 Seiten, Note: 1


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Zum Abschied Heiner Müller

Der so lange das Zwiegespräch mit den Toten hielt,

Jetzt ist er tot. Der Chinese in Preußen, Der Meister

ist tot.

Über ihm hat sich die Welle geschlossen, das Wasser

Fließt ohne ihn weiter. Sein steinernes Werk Sinkt

langsam zum Grund.

Bevor er hinausspähen konnte ins nächste Jahrtausend,

Hat ihn sein Körper verraten, der Feind.

Der sich zu langsam sterben fühlte,

Der geduldig Wartende, jetzt erwartet ihn nichts mehr.

Sein Zynismus war Güte

Weil er die Untergänge bekanntgab, die Katastrophen

Von denen der Hausfrieden schwieg.

Der Terror, von dem er schrieb, kam aus Deutschland.

30.12.951

1. Wer war Heiner Müller? Ein Dramatiker in Nachrufen

[...] Heiner Müller war der begabteste Horrorfilmer unter den deutschen Dramatikern. 1

Schon „ Der Lohndrücker ” (1958) ... folgte ungebrochen dem revolutionären Glauben bis an die Grenzen des menschlichen Anstandes [...] „ Germania Tod in Berlin ” , in dem sogar Stalin verteidigt und die russischen Panzer vom 17. Juni 1953 als Befreier gefeiert werden [...] menschenverachtend [...] immer zynischer werdenden Wirklichkeitsfremdheit [...] 2

Wir wollten, daßfür sein Leben gilt, was sein Denken auszeichnete: die Negation.3

Das Beschreiben des Schreckens hat ihm den Ruf des Zynikers eingetragen, eines Verherrlichers des Stalinismus, eines Liebhabers der Apokalypse. Aber er war, was man von Shakespeare gesagt hat: gentle, was das Wörterbuch wiedergibt mit liebenswürdig, leise, leicht . 4

Müller war kein Zyniker. Er war vielmehr - und das kostete ihn Kraft und Schreiblust und schließlich seine Lebenszeit- das Gegenteil eines Zynikers, also nicht bereit,über diese Welt hinwegzusehen [...] Er war wohl der freundlichste Mann, den ich kennenlernte, von großer Zärtlichkeit Frauen und Kindern gegenüber. 5

Wir lebten von seiner Klugheit, ließen seinen Rat als einzige Gültigkeit gelten. 6

Heiner Müller in Zitaten aus seinen Nachrufen - ein ambivalentes Bild. Auf der einen Seite die stets wiederkehrenden, fast schon zum Allgemeingut erhobenen Beschreibungen als Zerstörer, Zyniker bei denjenigen, die ihn nicht persönlich oder lediglich aus dem 'literarischen Alltag' kannten.

Auf der anderen Seite überschwengliche Darstellungen seines Wesens bei Freunden und Mitarbeitern: Das Bild eines gütigen, geduldigen, nicht zuletzt mitfühlenden und trotzdem äußerst verschlossenen Menschen entsteht:

Er war unnahbar, selbst dann noch, wenn er charmierte 7.

Daneben der Unterschied der Rezeption in Ost und West:

Für den Westen ist Heiner Müller der unverbesserliche Utopist, der lange Zeit gegen die, wie man stets wußte, unvermeidliche Niederlage des Sozialismus anschrieb:

[...] sein Nachleben, sein Nachglühen mag noch ein wenig hinauszögern, daßdie DDRüberhaupt als l äß licher Fauxpas der Geschichte im Orkus des Vergessens verschwindet. 1

Nach Eintreffen des Unabwendbaren verschwand Müller nostalgisierend hinter den Rauchwolken seiner Zigarre, da man ihm die Basis seines Schreibens entzogen hatte:

Es war für ihn eine Katastrophe, als die Geschichte sich wieder beschleunigte und die DDR, Hort des Stillstands, verschwand [...] Nun half er, dies Theater (das BE, Anm. d. Verf.) zu einer ästhetischen Erinnerungsstätte an die gute, graue DDR zu machen.2

Des weiteren fällt auf, daß Heiner Müller fast schon ausschließlich vor dem Hintergrund seiner frühen Stücke, zudem in bescheidener Auswahl (v.a.D. DER LOHNDRÜCKER 1956, PHILOKTET 1964), verstanden wird. Einzig DIE HAMLETMASCHINE 1977 stellt eine gewisse Ausnahme dar. Daß seine politischen Haltung bei weitem nicht derartig einfach und eindeutig war, wie es von konservativ - westlicher Warte wiederholt nahegelegt wird, entzieht sich dem Blick. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang folgendes Zitat Müllers::

Ich habe nie gesagt, daß ich Kommunist bin.3

Auch wenn das Werk Heiner Müllers sicherlich nicht ohne Kenntnis seiner Sicht des Kapitalis- mus vollständig zu erfassen ist, ist doch eine Überbetonung dieses Aspektes in den westdeut- schen Nekrologen festzustellen. Ohne Frage beruht hierauf die oben erwähnte starke Beschränkung auf sein Frühwerk, daß der Umsetzungung politischer Ideen am offen- sichtlichsten verpflichtet ist. Doch zweifelsohne ist Heiner Müller nicht nur auf dieser Basis zu ver- stehen. Der durchgehend vorhandene unpolitische humane Grundzug verliert darüber an Beachtung. Heiner Müller ist nicht nur der zunehmend am Scheitern des (seines) Sozialismus' verzweifelnde Dramatiker. Dagegen spricht allein schon sein Festhalten an dieser Idee.

Überraschend ist die Vielfalt seiner in Interviews und Reden offenbarten politischen Optionen und Hoffnungen, die das enge Korsett der westlichen Reaktionen auf seinen Tod sprengen.1 Im Osten wird auf den Tod Heiner Müllers anders reagiert. Weniger das Werk steht im Vordergrund als seine Person. Betont wird die Bedeutung des Verstorbenen:

Für das Theater, für die Literatur bedeutet sein Tod einen Verlust, der sich in diesem ersten Moment der Trauer und des Schocks noch kaum fassen l äß t [...] 2

Ebenso wird deutlich, daß Heiner Müller als ureigenster Bestandteil der ehemaligen DDR verstanden wird, der teilweise wütend gegen jede westliche Vereinnahmung verteidigt wird:

'Heiner Müller ist tot.' Dieses Urteil verkündeten [...] mit ernsthafter Miene Nachrichtensprecher ihrem Publikum. Das, was diesem Verdikt folgte, gab einen Vorgeschmack auf das, was uns jetzt in der bürgerlichen Presse erwarten wird. Die Redaktionen des Rundfunks brachten jedenfalls keinen Satz ohne Lüge zustande. Müller sei einer 'unserer' Unbequemsten gewesen, [...] Der verlorene Sohn wird von der Familie heimgeholt. 3

Müller erscheint als eine Art Übervater, ohne das deutlich wird, wie er, der sich selbst ironisch als Aushängeschild4 bezeichnete, zu dieser Rolle gelangte5. Da Heiner Müller nicht aus Sicht des 'siegreichen' Kapitalismus gesehen wird, ist die Wahrnehmung seiner Person facettenrei- cher:

4.November auf dem Berliner Alexanderplatz. Jeder schmiert jedem Honig um die Backe. Nur Parisbar-Müller [...] l äß t den „ dritten Weg ” links liegen [...] und kommt dem enthusiasmierten Volk mit Schwei ß: „ Die nächsten Jahre werden für uns kein Zuckerschlecken. Der Staat fordert Leistung, bald wird er mit Entlassungen drohen. ” Unruhe, schließlich Pfiffe [...] 6

Müller wird also im Gegensatz zu häufig in westdeutschen Rezeptionen vertretenen Ansichten durchaus nicht als politischer Traumtänzer erlebt, sondern als aufmerksamer und wachsamer Beobachter von Gegenwart und gesellschaftlichen Tendenzen.

Immer wieder wird beanstandet, daß Müller im Nachhinein vom Westen vereinahmt wird, ohne das dort eine wirkliche Auseinandersetzung mit ihm stattgefunden hätte. Er werde lediglich funktionalisiert, ohne daß seinen wirklichen Wert zu erkennen, geschweige seine Rolle für die ehemalige DDR:

Denn während für die meisten altbundesdeutschen Nachrufer Müllers Leiche nur ein willkommener Anlaßist, um der Welt zu zeigen, wo Zeitgeist-Barthel schon lange nicht mehr den Most holt, ist sein Tod für viele Ostler ohneübertreibung ein existentieller Verlust. 5

Ebenso findet sich regelmäßig die Betonung der menschlichen Stärken Müllers, die quasi wie ein Bollwerk den Nachrufen aus den Altbundesländern entgegengestellt werden, wobei implizit wiederum zum Ausdruck kommt, wem Müller eigentlich zugehörig ist:

Wer ihn nicht kennt, kann sich nicht vorstellen, was für ein höflicher und taktvoller Mann er war. 1

Auffällig ist dabei, wie Müller gerade von den Zeitungen (ND, junge Welt) beansprucht wird, die sich nicht gerade rühmen dürften, Müllers Vorstellungen jederzeit und in allen Belangen verfochten zu haben. Bemerkenswert ist dabei die raffinierte Dialektik der 'jungen Welt', wenn man sich des Müller-Zitats auf S.3 entsinnt: Müller habe sich gerade deshalb nie als Marxist bezeichnet, weil er einer gewesen sei2.

Nicht zu vernachlässigen ist weiterhin, daß sich Heiner Müller sicherlich nicht in ein wie auch immer geartetes ideologisches System pressen läßt, ohne deswegen seine sozialistischen Grundzug zu übersehen. Vielmehr trifft für ihn zu, was Jürgen Busche zum Ausdruck bringt:

Mehr und mehr entzog er seine Stücke der Instrumentalisierbarkeit für die Debatten politisierenden Eiferertums. Er setzte auf die Wirkung des Theatralischen und vermied schließlich vollständig das konsensorientierte Paraphrasierbare. 3

2. Die Utopie des Heiner Müller - Verlust oder Wandel einer Idee?

Immer wieder findet sich die Meinung, Heiner Müller habe durch den Verlauf der Geschichte seine (Existenz-) Grundlage verloren. So finden sich in SPIEGEL und STERN die Bemerkun- gen:

Der „ Staatbankrott ” der DDR rißMüller den Daseinsgrund unter den F üß en weg. 1

Mit dem Untergang ist dann auch sein Schreibgegenstand untergegangen. 2 DIE ZEIT resümiert:

Sein Element war der Kalte Krieg. Zwei grundsätzlich gegensätzliche Blicke auf die Welt, jedes Einzelne konnte so oder so betrachtet werden. Die beiden Lager durcheinander zu bringen, machte ihm Spaß, davon lebte er. Die Vereinigung hatte ihm seinen Stoff genommen. 3

Glaubt man diesen Aussagen, so hätte Heiner Müller kein anderes Thema gehabt als die Entwicklung der DDR (oder des sozialistischen Lagers) und ihr Verhältnis zum Westen. Interessanterweise wird der angebliche Utopieverlust Müllers anhand von Werken aufgezeigt, die in den siebziger (!) Jahren entstanden wie HAMLETMASCHINE 1977oder LEBEN GUNDLINGS FRIEDRICH VON PREUßEN SCHLAF TRAUM SCHREI 1976, also lange bevor an ein Ende des Ostblocks überhaupt zu denken war.

Wenn man das Werk Heiner Müllers Revue passieren läßt, drängt sich jedoch eine andere Sichtweise auf. Im folgenden soll die Themenvielfalt im Werk Müllers umrissen werden, um gleichzeitig zu untersuchen, ob ein Utopieverlust feststellbar ist.

Die erste Betrachtung gelte dem LOHNDRÜCKER, 1956 zusammen mit seiner Frau Inge Müller verfaßt. Dieses Lehrstück steht in der Tradition Bert Brechts, entfernt sich jedoch bereits von ihm. So sind bei Müller die Charaktere vielfältiger gestaltet, besitzen eine Vergangenheit. Die Bedeutung, die Brecht für Müller hatte, verdeutlicht folgende Aussage:

Dieses Parteiergreifen für die DDR hing mit Brecht zusammen, Brecht war die Legitimation, warum man für die DDR sein konnte [...] 4

Sicherlich ist die Identifikation mit dem neuen Staat nicht allein an Brecht gebunden.

Doch wie viele andere Schriftsteller (u.a. Bert Brecht, Heinrich Mann, Anna Seghers, Arnold Zweig) sah Heiner Müller die Chance für einen völligen Neuanfang nach der alles erfassenden Katastrophe Deutschlands als unmittelbare Folge des Dritten Reiches.

Der Zeitpunkt schien gekommen, einen Neuaufbau unter sozialistischen und humanen Vorzei- chen zu wagen, einen Bruch zu vollziehen mit einer deutschen Geschichte und einem Staat, der seit 1848 einen Krieg an den anderen gereiht hatte.

Heiner Müller, Jahrgang 1929, kam aus sozialdemokratischem Arbeiterelternhaus. Die Verschleppung des Vaters in ein Konzentrationslager blieb ihm traumatisch in Erinnerung. Die Schrecken von Krieg und Flucht kannte er aus eigenem Erleben. Diesen Erfahrungen zufolge war es keine zufällige Entscheidung für den neuen Staat. Konsequenterweise blieb er später in der DDR zurück, als Mutter und Bruder in den Westen übersiedelten.1

Im LOHNDRÜCKER nun schafft sich die Hoffnung auf die Wandelbarkeit des Menschen Ausdruck. Viele der Arbeiter waren aktiv am Geschehen der zurückliegenden Jahre beteiligt. Es finden sich ehemalige SA-Mitglieder, Bomberpiloten, usw. Der sich in uneigennütziger Weise für den Aufbau einsetzende Aktivist Balke ist ein ehemaliger Rüstungsarbeiter, der einen seiner Kollegen (Schorn) denunzierte.

Der neue Staat und die damit verbundene Schwerstarbeit werden ablehnend beobachtet, selbst mit den Parteimitgliedern ist nicht absolut zu rechnen:

Direktor: [...]Leicht wirst du's nicht haben als Parteisekretär. Du bist der dritte. Den ersten hat der Schnaps kaputtgemacht [...] Der zweite [...] sitzt im Westen. Der Arbeiter hat kein Vertrauen zur Partei. Der Faschismus steckt ihm in den Knochen. Granaten haben sie gedreht mit allen Vieren, jetzt schreien sie >Akkord ist Mord<. 2

Es ist also keineswegs so, daß Heiner Müller, da sozialistisch eingestellt, parteihörig über alle Probleme hinweggeht. Im Gegenteil begleitet er die notwendige Aufbauarbeit sehr kritisch. Immer wieder tauchen die Parolen der Partei ironisiert wiedergegeben auf. Die Gesellschaft ist zerrüttet, die alten Werte korrumpiert, ohne daß Ersatz in Sicht wäre. Gerade die Arbeiter sind es, die doch die Träger des neuen Systems werden sollen, die den überbrachten Hierarchien und Qualitäten die Stange halten und allem Neuen mit Mißtrauen begegnen. Übermächtig steht die Vergangenheit im Hintergrund:

Stettiner: Genau wie früher. Der Arbeiter ist der Dumme. [...]

Bittner: Wir mauern, wie wir es gewöhnt sind, auf die alte Art. 3

Müller legt also die Finger auf die Wunden und beschönigt keineswegs, daß auch in der DDR die Bewältigung des Zurückliegenden nicht übergangslos vonstatten geht. Es gibt für ihn keine dreigeteilte deutsche Geschichte, in eine (vor)nationalsozialistische und zwei Nachkriegshisto- rien. Geschichte ist ein Kontinuum. Immanent ist lediglich die Überzeugung, daß diese Bewältigung ausschließlich dadurch zu vollbringen ist, daß Widersprüche und Zwiespälte offen dargelegt und nicht totgeschwiegen werden.

Müller setzt seine Hoffnung darauf, daß der Egoismus überwunden werden kann. Dieser ist nicht einfach als Teil des Menschseins zu verstehen, sondern ebenso Folge der Perversion von Idealen im Verlauf der Geschichte. So verdankt der Nationalsozialismus seinen Siegeszug nicht zuletzt dem gezielten Mißbrauch sittlich-moralischer Vorstellungen. Wenn Müllers Charaktere erst kurze Zeit zuvor Heilsversprechungen eines Staates bzw. einer Partei in einem Fiasko enden sahen, haben sie allen Grund, dem Neuentstehenden Vertrauen nur zögernd zuzugestehen.

Somit richtet sich die konkrete Kritik Heiner Müllers weniger gegen ein kapitalistisch orien- tiertes Wirtschaftssystem als gegen das Unvermögen der Arbeiter, die veränderte Lage als Möglichkeit zu begreifen: Es gilt, dem Bisherigen, daß als bedrückend erfahren wurde, gemeinsam etwas Eigenes entgegenzustellen. Insofern handelt es sich um einen Appell an die kreativ zu nutzenden Überzeugungen der Arbeiter. Stattdessen verharren sie in alten Denkschemata von Besitz:

Die Verkäuferin [...]: Macht 41 Mark, Kollege.

Karras [...]: Wieso?

Geschke [...]: Ist doch Volkseigentum. Lesen Sie keine Zeitung, meine Dame? 1

Heiner Müller verdeutlicht, daß ein Neuanfang allumfassend sein muß.

Wenn die Chance genutzt werden soll geht dies nur mit Ehrlichkeit und unter Nichtbeachtung eigener Ressentiments:

Schorn: Du wirst nicht mit den Zähnen mauern,

Balke. Balke: Mit Karras kann ich nicht arbeiten.

Schorn: Wer hat mich gefragt, ob ich mit dir arbeiten kann? [...]

Balke: Ich brauch dich, Karras. Ich frag dich nicht aus Freundschaft. Du mußt mir helfen. 2

In DIE UMSIEDLERIN ODER DAS LEBEN AUF DEM LANDE [1956-61] wird noch deutlicher, daß Heiner Müller nicht zu den eigenen Propagandisten 3 der DDR gezählt werden konnte. Diese Fehleinschätzung Müllers scheint indes keine Neuheit zu sein4. Immerhin führte dieses Stück zum Ausschluß Müllers aus dem Schriftstellerverband der DDR bis 1988 (!) und zeitweisem Berufsverbot.

In der UMSIEDLERIN thematisiert der Autor die Umstände der Kollektivierung.

Problem ist wiederum nicht die Maßnahme an sich, sondern die Art und Weise der Durchführung. Bürokratie und Korruption beherrschen das Geschehen. Das Wissen und die Gedanken der Betroffenen spielen keine Rolle.

Dabei wird bereits ein immer wiederkehrendes Motiv Müllers deutlich: die blinde Wiederholung der Schrecken am anderen Ort, zur anderen Zeit; Szenenwechsel der Ausbeutung, des Opfers und der Unterdrückung. 1 Die Opfer und Täter wechseln, doch die Strukturen bleiben auf erschreckende Weise dieselben. Solange der einzelne nicht Teil der Macht ist, heißt es:

Flint [...]: Ich will ja gar nicht viel, ich bin trainiert drauf

An Fleischtöpfen gradaus vorbeizugehn

Und keinen Daumen breit ab von der Linie

Fürs bessre Leben [...] 2

Doch sobald die Fronten gewechselt sind, ändert sich auch zwangsläufig diePerspektive:

Beutler: [...] Der Fortschritt sitzt mir auf den Fersen. Ein

Stolpern jetzt und im Stallgang lieg ich wieder

Abtritt für Rindvieh und Kulak. Die Hand

Ist weich geworden, Macht macht weiche Hände. 3

Macht beeinflußt, verzerrt die Idee. Diejenigen, denen die Gewalt fehlt, kämpfen mit un - tauglichen Mitteln für die Verwirklichung der neuen Gesellschaft:

Zweiter Bauer: Habt ihr das Buch „ Kartoffelernte ohne Saatkartoffeln ” ? [...]

Heinz: Nimm das.

Zweiter Bauer [...]: „ DIE FURCHEN SINGEN. Ein sozialistischer Bauernroman ” . [...]

„ DAS MORGENROT DES TRAKTORISTEN. Fünf Gesänge ” . Sein Frühstück wär mir lieber. Fünf Gänge. 4

Eine derartige Bloßstellung der offiziellen Linie weist auf sicherlich alles andere, nur nicht auf eine symbiotische Verstrickung 1 Heiner Müllers mit der DDR. Die Folgen waren wie geschildert entsprechend drastisch. Es sei nochmals wiederholt, daß damit nicht Heiner Müllers sozialistische Überzeugung in Frage gestellt werden soll. Doch ist er bei weitem nicht der Fahnenträger der DDR per se.

Konsequent entwickelt Müller den Gedanken weiter, daß Sozialismus nicht durch Bürokratie zu erhalten ist. In DER BAU [1963/64] nehmen die Hauptpersonen um Barka ihre Sache selbst in die Hand und setzen sich über die Parteiorder hinweg:

Schlee: Ist esüblich, daßeine Brigade der andern Beton stiehlt oder haben Sie das eingeführt hier, weil der Plan ein Fetzen Papier ist für Sie?

Barka: Die Welt ist ein Boxring und die Faust hat recht. [...] Sind Sie am Kraftwerk gewesen? [...]

Und den Plan sabotieren die Planer, sie werden bezahlt dafür, wir müssen uns selbst helfen seit 1880 [...] 2

Die Unterschiede zum LOHNDRÜCKER und der UMSIEDLERIN sind deutlich:

Im LOHNDRÜCKER überzeugt Balke durch seine Leistung sowohl in beruflichen wie in menschlichen Belangen, bleibt aber konform. In der UMSIEDLERIN ist es die Partei, die durch Zwang die Veränderung bewirkt. Im BAU nun sind es die Arbeiter als Gemeinschaft, die sich gegen als unsinnig eingeschätzte Verordnungen durchsetzen gerade um die propagier- ten Ziele umsetzen zu können. Des weiteren deutet sich ein Wandel an: Überzeugungsarbeit alleine reicht nicht. Im LOHNDRÜCKER noch umgesetzt, in der UMSIEDLERIN karikiert, wird im BAU die Abkehr vollzogen.

Im letzten Stück mit der Thematik des Aufbaus, ZEMENT 1972, findet wiederum eine Erweiterung statt. Die sozialen Veränderungen durch die russische Revolution treten in den Vordergrund. Das Augenmerk verschiebt sich auf Gruppen, die gesellschaftlich benachteiligt sind. Traten vorher Frauen lediglich als Randfiguren in Erscheinung, so tragen sie jetzt tatkräftig zum Geschehen bei und beeinflussen Entscheidungen, emanzipieren sich:

Dascha: [...] Viel ist geschehen. [...] Kennst du mein Leben. Arbeit. Das Komitee

Ausschüsse. Wir organisieren die Frauen. Das Heim

Haben wir abgeschüttelt, unser Joch. 3

Die alten Familienordnungen sind aufgehoben, teilweise mit zerstörerischer Wirkung (letztlich stirbt Daschas Tochter durch die Abschiebung in ein Heim).

Speziell die männlichen Charaktere erscheinen als Gefangene ihres Geschlechts und reagieren verstört auf die Forderungen der Frauen nach Gleichberechtigung.

Doch das immer wiederkehrende Motiv, die Erkenntnis des Gebundenseins des Menschen an seine Herkunft, seine Umwelt macht es unmöglich, in gewohnter Art und Weise zu urteilen. Wie im BAU wird klar, daß der Wandel im Denken nicht durch Agitation zu erreichen ist. Überzeugend kann lediglich die Akzeptanz des Menschen an sich wirken. Vergleichbar zum LOHNDRÜCKER ist der gesellschaftliche Neuanfang nur sehenden Auges möglich:

Dascha: Sind wir Kommunisten oder nicht.

Können wir leben mit der Wahrheit. Oder

Baun wir die Welt neu mit verbundnen Augen. 1

Wiederum erweist es sich als entscheidend, die Prägung durch das selbst Erlebte, die eigene Vergangenheit zu überwinden, den Gegner von gestern zu integrieren:

Iwagin: [...] Reden Sie mit Feinden wie mit Menschen. [...]

Tschibis: Im Namen der Werktätigen fordern wir euch auf, eure

Kräfte der Sowjetrepublik zur Verfügung zu stellen. 2

Interessant ist dieser Schluß im Vergleich zu MAUSER 1970. Dort erweist sich Gnade für den Feind in einer revolutionären Situation als vernichtend für die eigene Persönlichkeit. Zugleich wird das bestürzende Geschichtsverständnis Heiner Müllers deutlich:

B Wozu das Töten und wozu das Sterben

Wenn der Preis der Revolution die Revolution ist

Die zu Befreienden der Preis der Freiheit. 3 Die Revolution frißt ihre Kinder. Zur Fratze verzerren sich die Züge der Zeit durch die Paradoxie, daß, wenn es um die Emanzipation der Menschheit geht, der Feind der Feind der Menschheit ist, mithin als Mensch nicht mehr gelten kann. 4 Solange gilt

A [...] Gegen den Zweifel an der Revolution kein

Andres Mittel als der Tod des Zweiflers [...] 5 dienen Revolutionen nicht der Befreiung des Menschen, sondern führen zur

Entmenschlichung:

Chor Nicht Menschen töten ist dein Auftrag, sondern Feinde [...] 1

MAUSER ist in gewisser Hinsicht ein verzweifeltes Stück, Hoffnungslosigkeit vor der fast zwangsläufigen Pervertierung des moralischen Ursprungs von Revolution:

A Ein Mensch ist etwas, in das man hineinschießt

Bis der Mensch aufsteht aus den Trümmern des

Menschen [...] 2

Wer bezogen auf das letzten Zitats von regelrechten Entgleisungen 3 spricht, schießt am Ziel vorbei. Denn scheitern nicht Utopien zwangsläufig an ihrem eigenem Anspruch, solange nicht der Mensch im Mittelpunkt steht?

A [...] Mit meinem letzten Atem jetzt und hier

Frage ich die Revolution nach dem Menschen.

Chor Du fragst zu früh [...] 4

Wenn MAUSER die Geschichte als Kreislauf darstellt, weist ZEMENT einen Ausweg.

Insofern ist kein Utopieverlust bei Müller fertzustellen, es handelt sich lediglich um ein gewan- deltes Verständnis. In gewisser Weise wendet sich Müller vom Sozialismus ab, indem er die Verwirklichung als unrealistisch begreift; dabei bleiben seine persönlichen Wertsetzungene unverändert:

Keine Gesellschaftsutopie kann es bewerkstelligen, die Menschen zum friedlichen Umgang miteinander zu bringen. Dies gelingt einzig durch die Befähigung jedes Einzelnen zur Auseinandersetzung mit den Sichtweisen anderer.

Wir haben die Wahrheit nicht, und die Realität ist nicht die Wahrheit. 5

Als Konsequenz wendet sich Müller ab von sozialistischen Aufbaustücken und stellt den Konflikt in den Mittelpunkt seiner Arbeit.

Ich glaube an Konflikt. Sonst glaube ich an nichts. Das versuche ich in meiner Arbeit zu tun: das Bewußtsein für Konflikte zu stärken, für Konfrontationen und Widersprüche [...] Antworten und Lösungen interessieren mich nicht. Ich kann keine anbieten. 1

Das ändert nichts daran, daß für Heiner Müller der Sozialismus die beste Basis bietet, seine Vorstellungen verwirklichen zu können, weil dort die Utopie in der Verfassung verankert 2 ist Daraus resultiert unter anderem seine unbedingte Ablehnung des Kapitalismus':

Der Sozialismus wird immer störanfällig bleiben. Die Schwerkraft der Massen ist das Korrektiv der Politik, und nicht, wie im Westen, ihre Bedingung [...] In unserem System wird der Mensch immer stören, und diese Störung ist das Wesentliche. 3

Fortan stehen menschliche Zerrissenheit und Minderheiten im Blickpunkt, als Folge seines Interesses an Konflikten weitet sich die Thematik. Bei dieser thematischen Vielfalt kann keine Rede davon sein, daß ihm mit dem Ende des Sozialismus [...] die Themen abhanden gekommen 4 seien. Um menschliche Konflikte darstellen zu könnnen, greift Müller auf antike Vorlagen zurück. In PHILOKTET 1964, nach einer Tragödie von Sophokles, thematisiert er den Umgang mit der Wahrheit und der Manipulation von Menschen. Die Möglichkeit zur Beeinflussung (und zur Lüge) entsteht durch den Konflikt zweier Ziele:

Neoptolemos ist im Zwiespalt befangen, dem Sieg der Griechen über Troja sein Rachebedürf- nis gegen Odysseus unterzuordnen. Gezielt nutzt Odysseus dieses Dilemma zur Verfolgung eigener Ziele, der Gefangennahme seines Feindes Philoktet, dessen Bogen den Sieg über Troja bringen soll. Geschickt setzt er die Schwächen von Neoptolemos für seine eigenen Pläne ein.

Odysseus: Denn glaublich wirst du lügen mit der Wahrheit Und mit dem Feind geht mir der Feind ins Netz. Wenn Scham dich rot färbt, wird er glauben, Wut ists Sie ists vielleicht und selber weißt du nicht Was schneller in die Schläfe treibt dein Blut Scham, weil du lügst oder Wut, weil du nicht lügst Und glaublicher wird deine Wahrheit ihm je dunkler dir die Lüge das Gesicht schminkt. 5

Odysseus instrumentalisiert die Ehr- und Moralvorstellungen des unerfahrenen Idealisten Neoptolemos. Obwohl Odysseus ans Ziel gelangt, indem er skrupellos seine Gegenspieler manipuliert, ist er doch kein Lügner. Die Fallen sind so geschickt gebaut, daß Odysseus offen auf sie hinweisen, ja sie erklären kann, ohne dadurch die Umsetzung seiner Absichten zu gefährden. Allerdings fußt dies darauf, daßdie Figur, die den gr öß ten Aktionsradius hat, diejenige ist, die am wenigsten weiß- der Neoptolemos.1

Die Mehrdeutigkeit scheinbar eindeutigen Verhaltens, eindeutiger Sprache ermöglicht erst die Verwicklungen im Stück.

Die Bedeutung, die für Müller das Wort hat, wird ebenfalls in einer weiteren Bearbeitung eines antiken Stückes deutlich, in DER HORATIER 1968.

Nämlich die Worte müssen rein bleiben. Denn

Ein Schwert kann zerbrochen werden und ein Mann

Kann auch zerbrochen werden, aber die Worte Fallen

in das Getriebe der Welt uneinholbar Kenntlich

machend die Dinge oder unkenntlich. 2

Demzufolge sieht Müller in der durch Technisierung zunehmenden Kommunikationsunfähigkeit in den industrialisierten kapitalistischen Staaten eine große Gefahr. Sprache verursacht Mißverständnisse, aus denen Entwicklung resultiert.

Im reichen Teil der Welt sitzen die Leute bald nur noch vor ihren Bildschirmen und führen Selbstgespräche. Keiner bewegt sich mehr, denn alles, was man braucht, bekommt manüber Programme. Darunter bleibt nur noch das dumpfe Gemurmel derjenigen, die keinen Fernseher haben. Das ist die Utopie des Kapitalismus. 3

In MACBETH1971 wiederum ein neues Thema. Die Helden des Shakespeare'schen Dramas erscheinen bei Müller nicht als ritterliche Charaktere, sondern regelrechte Schlagetots. Wer letztlich die Regeln des Spiels bestimmt, ob Duncan, Macbeth oder Malcolm, spielt keine Rolle. Sie erscheinen alle nur bluttriefende Gewaltmenschen. Welt und Geschichte erscheinen, um ein überstrapaziertes Zitat zu verwenden, als Schlachthaus. Moralbegriffe erweisen sich als Mittel zum Zweck, um Macht zu behalten, bzw. sie erst zu erlangen. Sobald die Möglichkeit gegeben ist, werden die Fronten gewechselt. Unterschiede in Denken und Handeln der Mächti- gen sind für niemanden festzustellen. Herrschen ist Selbstzweck, das Volk stellt die dafür nötigen Mörder und Soldaten. Die Verhältnisse sind durch Willkür und Unsicherheit geprägt. Dem Wehrlosen wird ohne weiteres die Existenzberechtigung abgesprochen:

Macduff: Soll ich dich an die Pforte nageln, Pförtner.

Tut es mit dem Schwert.

Lenox: Ich will dir Beine machen, Armstumpf. Lauf.

Haut ihm das Stelzbein ab. [...]1

Doch die Verwirrung der gesellschaftlichen Verhältnissen macht vor den niederen Ständen nicht Halt. Die treulosen Totschläger finden sich genauso in niederen Ständen.

Mörder 1: Dein Handgeld.

Dritter Mörder zeigt es .

Mörder 2: In solchen Lumpen solcher Reichtum. Wir

Vertraun dir, Kamerad.

Mörder 1: Hier der Beweis

rennt dem dritten Mörder sein Messer in den Rücken 2

Andererseits findet sich Kontinuität vor, ist es doch schließlich wieder wie in PHILOKTET die Mehrdeutigkeit der Sprache (Prophezeiungen der Hexen), die die Tragödie ermöglicht. Die bereits angedeutete Ratlosigkeit Müllers angesichts der Verwirrung allenthalben (siehe zweites Zitat S.12) schlägt sich schließlich auch in der Form seiner Texte nieder. Es enstehen szenische Aneinanderreihungen, die sich dem direkten Verständnis verschließen (GERMANIA TOD IN BERLIN [1956-71], LEBEN GUNDLINGS FRIEDRICH VON PREUßEN LESSINGS SCHLAF TRAUM SCHREI 1976, DIE HAMLETMASCHINE 1977).

Ich habe, wenn ich schreibe, immer nur das Bedürfnis, den Leuten soviel aufzupacken, daßsie nicht wissen, was sie zuerst tragen sollen [...] Man mußjetzt möglichst viele Punkte gleichzeitig bringen, so daßdie Leute in Wahlzwang kommen. D.h., sie können vielleicht gar nicht mehr wählen, oder sie müssen schnell entscheiden, was sie sich zuerst aufpacken [...] Es geht, glaube ich, nur noch mitüberschwemmungen. 3

Es erinnert ein wenig, um einen laxen Ausdruck zu gebrauchen, an Sommerschlußverkauf. Doch wird darin nur das Bemühen Müllers deutlich, Alternativen aufzuzeigen, wie es ganz deutlich in folgendem Zitat zum Ausdruck kommt:

Frage: Wenn die Trennung zwischen Bühne und Zuschauerrraum vollkommen aufgehoben ist, was ist dann die Funktion -

H.M.: Dann hat das Theater erst seine eigentliche Funktion: nämlich das die Leute ihr Leben durchspielen können und Variationen von Situationen [...] Dann hat das Theater eine wirkliche Funktion als Laboratorium. 4

Dieses Durchgehen von möglichen Varianten spielt auch in Müllers Stücken eine Rolle, so z.B. in den ersten drei Teilen der WOLOKOLAMSKER CHAUSSEE [1984-86].

Im Mittelpunkt stehen Entscheidungen, die Bewahrung des als richtig Eingeschätzten in

Grenzsituationen. Das Todesurteil, bzw. die Degradierung eines Offiziers angesichts der scheinbar unaufhaltsam vorrückenden deutschen Wehrmacht im ersten, bzw. im zweiten Teil, im dritten Teil schließlich die Behauptung der eigenen Position angesichts der Streikenden des 17. Juni.

In RUSSISCHE ERÖFFNUNG (= Teil I) wird die mögliche Handlungsbreite besonders deutlich ausgemalt. Angesichts der bevorstehenden, von ihm angeordneten Erschießung eines Untergebenen stellt sich der Kommandeur die Frage nach dem Sinn seines Befehls und zieht die Möglichkeit der Begnadigung in Betracht.

Und mit geschlossenen Lippen sagte ich

Zieh deinen Mantel an [...]

Nimm deinen Platz ein [...]

Dann rißder Film und mein Kommando wischte

Das Bild weg Feuer und die Salve krachte 1

Geht es hier um die Einhaltung der Disziplin angesichts des bevorstehenden Kampfes, so ist in WALD BEI MOSKAU (= Teil 2) die Frage weiter gefaßt:

Der Disziplinverstoß ist nicht nur ein Verrat am militärischen und menschlichen Ehrkodex, sondern die Pflichtvergessenheit des Bataillonarztes ist zugleich ein Verrat an der gesellschaftlichen Ordnung, die ihm seine Ausbildung ermöglichte. Aber die Entscheidung des Kommandeurs ist im Gegensatz zur RUSSISCHEN ERÖFFNUNG nicht nur an dessen persönlichen Moralbegriffe gebunden. Denn die Degradierung eines Ranghöheren durch einen Rangniederen ist ebenso eine Gefährdung des Systems.

Und jeder ist sein eigner Kommandeur

Nach meinem Beispiel morgen wenn jetzt ich

Die Hände nicht mehr kommandieren kann

Und nehme das Gesetz unter den Stiefel 2

Zudem stellt sich die Frage nach bleibenden Werten. Gilt das, was heute gilt, auch noch morgen?

Die Sowjetordnung dachte ich wo bleibt sie

Wenn die Sowjetunion verschwunden ist 1

Die Entscheidung fällt schließlich genau aus diesem Grund: Werte zu erhalten, die die bestehende Gesellschaft begründen. Letztlich entziehen sich die gefällten Urteile aber einer objektiven Wertung, da, wie gesehen, Entscheidungen abhängig sind von Gesellschaft und Individuum. Demzufolge zieht Hamlet das Fazit:

Mein Platz [...] wäre auf beiden Seiten der Front, zwischen den Fronten, darüber. Ich stehe im Schweißgeruch der Menge und werfe Steine auf Polizisten Soldaten Panzer Panzerglas. Ich blicke durch die Flügeltür auf die andrängende Menge und rieche meinen Angstschweiß. Ich schüttle, von Brechreiz gewürgt, meine Faust gegen mich, der hinter dem Panzerglas steht [ ...] 2

Es gilt, Konjunktive zu sammeln für den Augenblick, wenn der Zirkel des Unheils aufspringt, wenn „ Schuld ” nicht länger Verbrechen erzeugt und Geschichte nicht länger Opfer. 3 :

Ich füttere mit meinen Daten die Computer [...] Ich bin die Datenbank. Blutend in der Menge. Aufatmend hinter der Flügeltür. 4

Entsprechend vertritt Müller eine veränderte Position zum Lehrstück (dabei sei berücksichtigt, daß sich Müller zum Zeitpunkt der Enstehung der HAMLETMASCHINE vom Lehrstück verabschiedet, vgl. Müller, Heiner: Material. Texte und Kommentare. Leipzig 1989, S.40):

[...] gelernt werden kann nicht - wie bei Brecht- durch kritische Distanz und Reflexion, sondern durch die Erzeugung von Furcht und Schrecken, von Mitleid und Mitgefühl. 5

Da sich Müllers Werk wie gesehen einer politischen Zuordnung entzieht, sondern auf einer humanistischen Grundhaltung basiert, ist den eingangs des Kapitels zitierten Autoren entge- genzuhalten:

Müllers Werk ist [...] keineswegs einer antibürgerlichen Pose verpflichtet, sondern der Rettung eines Bildes vom Menschen, eines emphatischen Begriffs des Individuums. Die Befreiung des Einzelnen ist die Voraussetzung der Befreiung der Menschheit. 6

Ein weiteres Motiv im Werk Müllers ist die Rolle der Frau als gesellschaftlich benachteiligte, bzw. den Machtmöglichkeiten des Mannes 'ausgelieferte' Figur (VERKOMMENES UFER MEDEAMATERIAL LANDSCHAFT MIT ARGONAUTEN 1982):

Medea: Was kann mein sein deiner Sklavin

Alles an mir dein Werkzeug alles aus mir 1

QUARTETT 1980 wirft ein interessantes Licht auf das Miteinander von Mann und Frau.

Durch die Vertauschung der Rollen (Valmont spricht den weiblichen, Merteuil den männlichen Part) entsteht Verwirrung. Die Sprachduelle entlarven die jeweiligen Rollenverständnisse. In diesem Spiel existiert kein Gewinner. Jeder ist Gefangener seines Geschlechts, den anderen durchschauend und doch nicht begreifend.

3. Resumée

Der Meinung, Heiner Müller habe seine (politische)Utopie verloren, wurde bereits widersprochen. Denn diese Ansicht stützt sich vor allen Dingen auf die beiden Stücke HAMLET- MASCHINE und LEBEN GUNDLINGS FRIEDRICH VON PREUßEN LESSINGS SCHLAF TRAUM SCHREI, was als magere Argumentationsgrundlage erscheint. Diese Stücke sind allenfalls ein Beleg für eine Neuorientierung, die ebenfalls schon erläutert wurde: die Abkehr von dem Ziel der Verwirklichung eines sozialistischen Staates (dies in einer Phase des politischen Stillstands) hin zum Versuch, durch literarische Angebote Strukturen in Denken und Handeln aufzubrechen, Alternativen zu zeigen.

Die Annahme einer Kapitulation, ja fast schon Selbstaufgabe Heiner Müllers angesichts des Verlaufs der Geschichte erscheint als zu einfach. Sein Thema war eben nicht nur die DDR. Sein als Beleg für diese These angeführtes Schweigen als Dramatiker könnte genauso dergestalt interpretiert werden, daß Müller es für unangebracht hielt, in diesen Zeiten gesellschaftlichen Wandels zu schreiben, sondern sich lieber einer Anwendung von Literatur, dem Theater, oder dem Gespräch widmete, um Einfluß auf Entwicklungen zu nehmen, um gehört zu werden. Denn gerade Müller glaubte stets an die Möglichkeiten von Theater:

Theater ist die Revolution auf dem Marsch. 2

Er war zugegen, wo seine Texte als das begriffen wurden, was sie wiederholter Selbstaussagen zufolge sein sollten: Material, an dem sich abarbeiten mochte, wer es alsästhetische und politische Strategie gegen die im politischen wie im kulturellen Milieu immer und immer wieder geforderten Verständlichkeits- und

Verständigungspostulate zu erkennen in der Lage war. 1

Sicher spielte Geschichte für ihn von jeher eine bedeutende Rolle. So ist der Satz nachzuvollziehen, Müller habe vom Versagen gelebt, vom immer neuen Scheitern des Versuchs, Geschichte an-ders zu machen als Geschichte von Macht und Unterdrückung, von Mord und Totschlag 2 , der sicherlich eine Motivation Müllers spiegelt: gegen das Vergessen anzuschreiben. Doch Geschichte ist nicht ein abstrakter Begriff, sondern wird von Menschen gemacht. Insofern ist Müllers Werk nicht als Ausdruck tiefer Resignation zu verstehen, sondern als Appell an den Menschen.

Ich habe ein neues Zeitalter nach dem andern heraufkommen sehn, aus allen Poren Blut Kot Schweißtriefend jedes. Die Geschichte reitet auf toten Gäulen ins Ziel.3

Dies Zitat aus LEBEN GUNDLINGS, oft wiedergegeben, hört sich sicherlich nach tiefer Hoffnungslosigkeit an. Doch schon ein Jahr später finden sich die Sätze

Im Namen der Opfer. Ich stoße allen Samen aus, den ich empfangen habe. [...] Ich ersticke die Welt, die ich geboren habe, zwischen meinen Schenkeln. [...] Nieder mit dem Glück der Unterwerfung. Es lebe der Haß, die Verachtung, der Aufstand, der Tod. 4

Sicherlich auch ein sinistres Szenario, doch zugleich eine Mahnung, nicht aufzugeben, sondern anzugehen gegen das als unrecht Erkannte.

So bleibt zum Schluß festzuhalten, um auf gleiche Weise zu enden wie begonnen wurde:

Sei Zynismus war Güte, die reine Menschenfreundlichkeit, weil er Konflikte zu Ende dachte, die andere - weit grausamer - mit Illusionen verschleierten. 5

Wie kaum ein anderer war Müller ein Deutscher. Er litt, er lebte im gespaltenen Zentrum eines elenden und doch so vermögenden Volkes. 6

Eine alte Tradition[...]. in der bombardierten, brennenden Stadt singt man „ Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen. ” Das gilt als menschlich, das greift ans Herz, das ist Kunst. „ Es brennt, Brüder, es brennt ” ist dagegen verschrien als der Ruf des Zynikers. 1

Literaturverzeichnis:

Primärliteratur:

Jahresangaben hinter Titeln beziehen sich auf die Enstehungszeit des Stückes

1 - Müller, Heiner: Gesammelte Irrtümer. Interviews und Gespräche. Frankfurt/M 1986 (= Theaterbibliothek)

2 - Müller, Heiner: Material. Texte und Kommentare. Leipzig 1989

3 - Müller, Heiner: „Zur Lage der Nation”. Heiner Müller im Interview mit Frank M. Raddatz. Berlin 1990

4 - Müller, Heiner: „Jenseits der Nation”.Heiner Müller im Interview mit Frank M. Raddatz. Berlin 1991

5 - Müller, Heiner: Krieg ohne Schlacht. Leben in zwei Diktaturen. Köln 1992

6 - Ich bin ein Neger. Eine Diskussion mit Heiner Müller.Darmstadt 1994

7 - Müller, Heiner: Der Lohndrücker. (1956) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.5-33

8 - Müller, Heiner: Die Umsiedlerin oder das Leben auf dem Lande. (1956-61) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach.Berlin 1988, S.35-115

9 - Müller, Heiner: Philoktet. (1964) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.117-146

10 - Müller, Heiner: Der Bau. (1963/64) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.147-201

11 - Mülle r, Heiner: Der Horatier. (1968) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.203-212

12 - Müller, Heiner: Mauser. (1970) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.213-226

13 - Müller, Heiner: Macbeth. (1971) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.227-275

14 - Müller, Heiner: Germania Tod in Berlin. (1956-71) In: Müller,Heiner: Stücke. Herausge- geben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.277-316

15 - Müller, Heiner: Zement. (1972) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.317-384

16 - Müller, Heiner: Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei. (1976) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.385-409

17 - Müller, Heiner: Die Hamletmaschine. (1977) In: Müller, Heiner: Material. Texte und Kommentare. Leipzig 1989, S.41-49

18 - Müller, Heiner: Der Auftrag. (1979) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.421-445

19 - Müller, Heiner: Quartett. (1980) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.447-464

20 - Müller, Heiner: Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten. (1982) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.465-475

21 - Müller, Heiner: Wolokolamsker Chaussee I-III. (1984-86) In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.565-589

Sekundärliteratur:

22 - Assheuer, Thomas: Der böse Engel. Heiner Müller und die Geschichte: Walzer im Schlachthaus. In: Frankfurter Rundschau, 2.1.1996

23 - Biermann, Wolf: Die Müller-Maschine. In: Spiegel, 2/96

24 - Busche, Jürgen: Mit ihm war kein Staat zu machen. Zum Tod von Heiner Müller. In: Wochenpost. Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft, Kultur, 4.1.1996

25 - Eke, Norbert: Heiner Müller. In: Steinecke, H. (Hrg.): Deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts. Berlin 1994, S.726-741

26 - Götze, Karl Heinz: Keine roten Fahnen über Rhein und Ruhr. Zum Tode des Dramatikers Heiner Müller. In: Freitag, 5.1.1996

27 - Hein, Christoph: Für Heiner Müller. In: Freitag, 12.1.1996

28 - Hermlin, Stephan: Zum Abschied von Heiner Müller. Rede zur Totenfeier für Heiner Müller im Berliner Ensemble am 16.1.1996. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.1.1996

29 - Heyme, Hansgünther: Reflexe aus westlicher Ferne. Eine Hommage an Heiner Müller, der heute 67 Jahre alt würde. In: Süddeutsche Zeitung, 9.1.1996

30 - Hörnigk, Frank: Zum Tode Heiner Müllers. Trauer als Gedächtnis. In: Neues Deutschland, 2.1.1996

31 - Iden, Peter: „Kommt Zeit, kommt Tod”. Der Tag, an dem Heiner Müller begraben wurde. In: Frankfurter Rundschau, 18.1.1996

32 - Iden, Peter: „Kunst hat und braucht eine blutige Wurzel”. Im eiseskalten Niemandsland zwischen den Fronten. Das Drama Heiner Müllers. In: Frankfurter Rundschau, 2.1.1996

33 - Jenny, Urs: Der Katastrophenliebhaber. In: Spiegel, 2/96

34 - Kohse, Petra/ Gro ß, Thomas: Gesamtdeutscher Individualanarchist. In: die tageszeitung, 2.1.1996

35 - Kopka, Fritz-Jochen: Ein Kern, der unberührt blieb. Heiner Müller und der Abstieg der DDR. In: Wochenpost. Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft, Kultur, 4.1.1996

36 - Lahann, Birgit: „Nun weiß ich, wo mein Tod wohnt”. Anarchistisches Genie zwischen beiden Deutschland. In: Stern, 3/96

37 - Meier, André: Der Terror kommt aus Deutschland. Für den Westen war Heiner Müller schon seit Jahren tot, für den Osten ist sein Tod ein existentieller Verlust. In: die tageszeitung 6./7.1.1996

38 - Mommert, Wilfried: Berliner Ensemble rückt enger zusammen. Ungewißheit an Brecht- Bühne nach dem Tod ihres Chefs. In: Ostseezeitung, 2.1.1996

39 - Moser, Dietz-Rüdiger: Neues Handbuch der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945. München 1990

40 - Raddatz, Frank M.: Die Erdung des Menschen. Der Tod im Werk Heiner Müllers. In: Freitag, 12.1.1996

41 - Reinecke, Stefan/ Lücke, Detlev: Etwas verschwindet. Mit Heiner Müller - kommunistischer Intellektueller, Whiskytrinker, Essayist - stirbt die DDR noch einmal. In: Freitag, 5.1.1996

42 - Roth, Jürgen: Kraft der Negation. Der Dramatiker und Regisseur Heiner Müller ist tot. In: junge Welt, 2.1.1996

43 - Runge, Heike/ Ripplinger, Stefan: Heiner Müller gestorben. In: junge Welt, 2.1.1996

44 - Schmidt-Mühlisch, Lothar: „Meine Gedanken sind Wunden in meinem Hirn”. Vom Irrglauben der Revolution zur sprachgewaltigen Weltverachtung: Zum Tode des Dramatikers und Theaterregisseurs Heiner Müller. In: Die Welt, 2.1.1996

45 - Serke, Jürgen: Das war Liebe, als ich von dir ging. Zwölf Jahre verheiratet mit Heiner Müller - verraten, verschwiegen, vergessen: Inge Müller vor ihrer Wiederentdeckung. In: Süddeutsche Zeitung, 22./23.6.1996

46 - Stadelmaier, Gerhard: Orpheus an verkommenen Ufern. Unter deutschen Irrtümern: Zum Tode des Dramatikers Heiner Müller. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.1.1996

47 - Sucher, C. Bernd: Zur Weltliteratur gezwungen. Zum Tod von Heiner Müller. In: Süddeutsche Zeitung, 2.1.1996

48 - Sundermeier, Jörg: Freiheit für Heiner Müller. In: junge welt, 2.1.1996

49 - Tragelehn, B.K.: In memoriam Heiner Müller. In: neue deutsche literatur. Zeitschrift für deutschsprachige Literatur und Kritik ,506.Heft März/April 1996 (= ndl)

50 - Widmann, Arno: Witz, Pathos, Zynismus. Tod in Berlin: Der Dramatiker Heiner Müller starb am vergangenen Samstag im Alter von fast 67 Jahren. In: Die Zeit, 5.1.1996

51 - Dramatiker Heiner Müller gestorben. AP/OZ-Meldung in: Ostseezeitung, 2.1.1996

52 - Müllers geheime Magie. Carmen-Maja Antoni, Mitglied des Berliner Ensembles, über die Stimmung im Haus nach Heiner Müllers Tod und Spekulationen über seine Nachfolge. In: die tageszeitung, 6./7.1996

53 - „Sein Vergnügen war die Logik des anderen”. Der Schriftsteller Durs Grünbein kannte Heiner Müller als einen boshaften Humoristen. Aufgezeichnet von Harald Fricke. In: die tageszeitung, 2.1.1996

54 - „Brandstiftender Clown”. Stimmen zu Heiner Müllers Tod. dpa-Meldung in: Frankfurter Rundschau, 2.1.1996

[...]


1 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.1.1996

1 Stadelmaier, Gerhard: Orpheus an verkommenen Ufern. Unter deutschen Irrtümern: Zum Tode des Dramatikers Heiner Müller. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.1.1996

2 Schmidt-Mühlisch, Lothar: „Meine Gedanken sind Wunden in meinem Hirn”. Vom Irrglauben der Revolution zur sprachgewaltigen Weltverachtung: Zum Tode des Dramatikers und Theaterregisseurs Heiner Müller. In: Die Welt, 2.1.1996

3 Sucher, C.Bernd: Zur Weltliteratur gezwungen. Zum Tod von Heiner Müller. In: Süddeutsche Zeitung, 2.1.1996

4 Tragelehn, B.K.: In memoriam Heiner Müller. In: neue deutsche literatur. Zeitschrift für deutschsprachige Literatur und Kritik ,506.Heft März/April 1996

5 Hein, Christoph: Für Heiner Müller. In: Freitag, 12.1.1996

6 Müllers geheime Magie. Carmen-Maja Antoni, Mitglied des Berliner Ensembles, über die Stimmung im Haus nach Heiner Müllers Tod und Spekulationen über seine Nachfolge. In: die tageszeitung, 6./7.1.1996

7 Heiner Müllers Sohn Bernd über seinen Vater. In: Serke, Jürgen: Das war Liebe, als ich von dir ging. Zwölf Jahre verheiratet mit Heiner Müller - verraten, verschwiegen, vergessen: Inge Müller vor ihrer Wiederentdeckung. In: Süddeutsche Zeitung, 22./23.6.1996

1 Jenny, Urs: Der Katastrophenliebhaber. In: Spiegel, 2/96

2 Stadelmaier, Gerhard: Orpheus an verkommenen Ufern. Unter deutschen Irrtümern: Zum Tode des Dramatikers Heiner Müller. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.1.1996

3 Ich bin ein Neger. Eine Diskussion mit Heiner Müller.Darmstadt 1994, S.34

1 vgl. die Interviewbände „Zur Lage der Nation” und „Jenseits der Nation”

2 Hörnigk, Frank: Zum Tode Heiner Müllers. Trauer als Gedächtnis. In: Neues Deutschland, 2.1.1996

3 Sundermeier, Jörg: Freiheit für Heiner Müller. In: junge Welt, 2.1.1996

4 Kohse, Petra/ Gro ß, Thomas: Gesamtdeutscher Individualanarchist. In: die tageszeitung, 2.1.1996

5 Eine mögliche Erklärung offeriert Andre Meier: Doch der Applaus drangüber den Zaun und ergoßsich als Sommerregenüber das von Minderwertigkeitsgefühlen ausgedörrte Land.

Meier, André: Der Terror kommt aus Deutschland. Für den Westen war Heiner Müller schon seit Jahren tot, für den Osten ist sein Tod ein existentieller Verlust. In: die tageszeitung 6./7.1.1996

6 siehe 4

1 Kopka, Fritz-Jochen: Ein Kern, der unberührt blieb. Heiner Müller und der Abstieg der DDR. In: Wochenpost. Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft, Kultur, 4.1.1996

2 Roth, Jürgen: Kraft der Negation. Der Dramatiker und Regisseur Heiner Müller ist tot. In: junge Welt, 2.1.1996

3 Busche, Jürgen: Mit ihm war kein Staat zu machen. Zum Tod von Heiner Müller. In: Wochenpost. Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft, Kultur, 4.1.1996

1 Jenny, Urs: Der Katastrophenliebhaber. In: Spiegel, 2/96

2 Lahann, Birgit: „Nun weiß ich, wo mein Tod wohnt”. Anarchistisches Genie zwischen beiden Deutschland. In: Stern, 3/96

3 Widmann, Arno: Witz, Pathos, Zynismus. Tod in Berlin: Der Dramatiker Heiner Müller starb am vergangenen Samstag im Alter von fast 67 Jahren. In: Die Zeit, 5.1.1996

4 Müller, Heiner: Krieg ohne Schlacht. Leben in zwei Diktaturen. Köln 1992, S.112

1 Ehrlicherweise ist zu erwähnen, daß Müller meint, seinen Verbleib in der DDR erst im Nachhinein politisch motiviert zu haben; siehe Müller, Heiner: „Zur Lage der Nation”. Heiner Müller im Interview mit Frank M.Raddatz. Berlin 1990, S.88

2 Müller, Heiner: Der Lohndrücker. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.17

3 siehe 1, S.10

1 Müller, Heiner: Der Lohndrücker. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.9

2 siehe1, S.33

3 Schmidt-Mühlisch, Lothar: „Meine Gedanken sind Wunden in meinem Hirn”. Vom Irrglauben der Revolution zur sprachgewaltigen Weltverachtung: Zum Tode des Dramatikers und Theaterregisseurs Heiner Müller. In: Die Welt, 2.1.1996

4 In GERMANIA.TOD IN BERLIN sah die FAZ bei der Premiere 1978 eine „ SED-Legende fürs DDR-Geschichtsbuch ” . Was die SED für Verrat hielt und zensierte, erschien dem bürgerlichen Feuilleton als Agitprop. In: Reinecke, Stefan/ Lücke, Detlev: Etwas verschwindet. Mit Heiner Müller - kommunistischer Intellektueller, Whiskytrinker, Essayist - stirbt die DDR noch einmal. In: Freitag, 5.1.1996

1 Assheuer, Thomas: Der böse Engel. Heiner Müller und die Geschichte: Walzer im Schlachthaus. In: Frankfurter Rundschau, 2.1.1996

2 Müller, Heiner: Die Umsiedlerin oder das Leben auf dem Lande. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach.Berlin 1988, S.77

3 siehe 2, S.52/53

4 siehe 2, S.85

1 Assheuer, Thomas: Der böse Engel. Heiner Müller und die Geschichte: Walzer im Schlachthaus. In: Frankfurter Rundschau, 2.1.1996

2 Müller, Heiner: Der Bau. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.

3 Müller, Heiner: Zement. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.328/329

1 siehe2, S.361

2 Müller, Heiner: Zement. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.383

3 Müller, Heiner: Mauser. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.217

4 Iden, Peter: „Kunst hat und braucht eine blutige Wurzel”. Im eiseskalten Niemandsland zwischen den Fronten. Das Drama Heiner Müllers. In: Frankfurter Rundschau, 2.1.1996

5 siehe 3, S.217

1 siehe3, S.220

2 siehe3, S.221

3 Schmidt-Mühlisch, Lothar: „Meine Gedanken sind Wunden in meinem Hirn”. Vom Irrglauben der Revolution zur sprachgewaltigen Weltverachtung: Zum Tode des Dramatikers und Theaterregisseurs Heiner Müller. In: Die Welt, 2.1.1996

4 Müller, Heiner: Mauser. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, , S.222

5 Müller, Heiner: „Jenseits der Nation”.Heiner Müller im Interview mit Frank M. Raddatz. Berlin 1991, S.100

1 1982, in: Müller, Heiner: Gesammelte Irrtümer. Interviews und Gespräche. Frankfurt/M 1986, S.86

2 Zitat aus der frz. Zeitung 'Libération', nach: „Brandstiftender Clown”. Stimmen zu Heiner Müllers Tod. dpa-Meldung in: Frankfurter Rundschau, 2.1.1996

3 Müller, Heiner: „Zur Lage der Nation”. Heiner Müller im Interview mit Frank M. Raddatz. Berlin 1990, S.19/20

4 heute-journal, 30.12.1995, zitiert nach: Roth, Jürgen: Kraft der Negation. Der Dramatiker und Regisseur Heiner Müller ist tot. In: junge Welt, 2.1.1996

5 Müller, Heiner: Philoktet. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.123

1 Müller, Heiner: „Jenseits der Nation”.Heiner Müller im Interview mit Frank M. Raddatz. Berlin 1991, S.41

2 Mülle r, Heiner: Der Horatier. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.211

3 Müller, Heiner: „Jenseits der Nation”.Heiner Müller im Interview mit Frank M. Raddatz. Berlin 1991, S.54

1 Müller, Heiner: Macbeth. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.245

2 siehe3, S.254

3 Müller, Heiner: Gesammelte Irrtümer. Interviews und Gespräche. Frankfurt/M 1986, S.20

4 siehe 1, S.40

1 Müller, Heiner: Wolokolamsker Chaussee I. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.572

2 Müller, Heiner: Wolokolamsker Chaussee II. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.580

1 siehe2, S.581

2 Müller, Heiner: Die Hamletmaschine. In: Müller, Heiner: Material. Texte und Kommentare. Leipzig 1989, S.46

3 Assheuer, Thomas: Der böse Engel. Heiner Müller und die Geschichte: Walzer im Schlachthaus. In: Frankfurter Rundschau, 2.1.1996

4 Müller, Heiner: Die Hamletmaschine. In: Müller, Heiner: Material. Texte und Kommentare. Leipzig 1989, S.46

5 Moser, Dietz-Rüdiger: Neues Handbuch der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945. München 1990, S.830

6 Raddatz, Frank M.: Die Erdung des Menschen. Der Tod im Werk Heiner Müllers. In: Freitag, 12.1.1996

1 Müller, Heiner: Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.468

2 1982, Müller, Heiner: Gesammelte Irrtümer. Interviews und Gespräche. Frankfurt/M 1986, S.89

1 Roth, Jürgen: Kraft der Negation. Der Dramatiker und Regisseur Heiner Müller ist tot. In: junge Welt, 2.1.1996

2 Götze, Karl Heinz: Keine roten Fahnen über Rhein und Ruhr. Zum Tode des Dramatikers Heiner Müller. In: Freitag, 5.1.1996

3 Müller, Heiner: Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei. In: Müller, Heiner: Stücke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim Fiebach. Berlin 1988, S.406

4 Müller, Heiner: Die Hamletmaschine. In: Müller, Heiner: Material. Texte und Kommentare. Leipzig 1989, S.47

5 „Sein Vergnügen war die Logik des anderen”. Der Schriftsteller Durs Grünbein kannte Heiner Müller als einen boshaften Humoristen. Aufgezeichnet von Harald Fricke. In: die tageszeitung, 2.1.1996

6 Heyme, Hansgünther: Reflexe aus westlicher Ferne. Eine Hommage an Heiner Müller, der heute 67 Jahre alt würde. In: Süddeutsche Zeitung, 9.1.1996

1 Hein, Christoph: Für Heiner Müller. In: Freitag, 12.1.1996

23 von 23 Seiten

Details

Titel
Utopie und Utopieverlust bei Heiner Müller - Schwund von Idee und Thema?
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1
Autor
Jahr
1996
Seiten
23
Katalognummer
V107201
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Arbeit wird die Rezeption von Müllers Werk in Ost und West untersucht sowie eine grundsätzliche Deutung seiner Person versucht. Grundlage sind seine Werke sowie die Nachrufe, die nicht nur die führenden deutschen Zeitungen/ Zeitschriften publizierten. zudem wird der Frage nachgegangen, inwieweit Müllers Intention sich wandelte.
Schlagworte
Utopie, Utopieverlust, Heiner, Müller, Schwund, Idee, Thema
Arbeit zitieren
Albrecht Trübenbacher (Autor), 1996, Utopie und Utopieverlust bei Heiner Müller - Schwund von Idee und Thema?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107201

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