Körpergeruch und Distanzverhalten. Eine ökopsychologische Betrachtung.


Hausarbeit, 2002
15 Seiten

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Gliederung

1 Einleitung

2 Persönlicher Raum und Distanz
2.1 Definition und Einordnung der Begriffe Persönlicher Raum und Distanz
2.2 Einflußfaktoren auf den Persönlichen Raum
2.2.1 Wahrnehmung der Einflußfaktoren
2.3 Verletzungen des Persönlichen Raumes

3 Olfaktorische Wahrnehmung
3.1 Psychologische Aspekte des Geruchssinns
3.2 Körpergeruch in westlichen Kulturen

4 Körpergeruch und Distanzverhalten
4.1 Theoretische Überlegungen
4.2 Empirische Untersuchung
4.3 Ergebnisse

5 Zusammenfassung und Kritik

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

In Patrick Süßkinds Roman „das Parfum“ geht es um die Macht der Gerüche, die in der heutigen zivilisierten, westlichen Welt nicht mehr existent zu sein scheint.

„Unbegreiflich dieser Duft, unbeschreiblich, in keiner Weise einzuordnen, es durfte ihn eigentlich gar nicht geben. Und doch war er da in herrlichster Selbstverständlichkeit. Grenouille folgte ihm, mit bänglich pochendem Herzen, denn er ahnte, daß nicht er dem Duft folgte, sondern daß der Duft ihn gefangengenommen hatte und nun unwiderstehlich zu sich zog“ (Süskind, 1985, S. 52).

In der vorliegenden Hausarbeit soll der Versuch unternommen werden, Geruchssinn und Gerüche von Personen als Einflußvariable auf den Persönlichen Raum und das Distanzverhalten darzustellen.

Die Mehrzahl der Forschung zum Persönlichen Raum nähert sich den Fragestellungen auf der Basis visueller und auditiver Wahrnehmung, jedoch erscheint es sinnvoll die Fragestellungen zum Persönlichen Raum auch aus „olfaktorischer Perspektive“ zu betrachten.

Wir wahren gegenüber anderen Menschen eine bestimmte Distanz, die nach Persönlichkeitsvariablen und Situationsvariablen differiert. Diese Distanz wird Persönlicher Raum genannt. Der Persönliche Raum umgibt uns wie eine unsichtbare Blase, in die niemand eindringen soll. In Straßenbahnen oder im Kino bemüht man sich, möglichst einen freien Sitzplatz zwischen sich und den anderen zu lassen. Tritt uns jemand zu nahe, fühlen wir uns unbehaglich. Es scheint, als würde ein ungeschriebenes Gesetz existieren (vgl. Mann, 1972).

Nach Hall (1976) kennzeichnet ein Abstand bis zu 75 cm die olfaktorische Wahrnehmung anderer Personen, jedoch ergeben sich im Alltag Situationen, in denen Personen auch über eine sonst angemessene Distanz gerochen werden können. Personen, die sich sinnbildlich in eine „Duftwolke“ aus Parfüm gehüllt haben, oder extrem nach Schweiß riechende Personen dürften viele Menschen schon einmal erlebt haben.

Für diese Hausarbeit sind vor allen Dingen positiv bewertete Düfte und ihr Einfluß auf das Distanzverhalten relevant. Dabei wird die Frage erörtert inwieweit gegenüber einer parfümierten Person eine geringere Distanz toleriert und eingenommen wird als gegenüber einer nicht parfümierten Person. Nach Definition und Erläuterung der Begriffe Persönlicher Raum und Distanz, sowie deren Abhängigkeit und Wahrnehmung, werden die psychologischen Aspekte des Geruchssinns kurz skizziert und die Bedeutung des Körpergeruches in westlichen Kulturen dargestellt. Anschließend wird ein Zusammenhang zwischen visueller und olfaktorischer Personenwahrnehmung und Beurteilung anhand einer Studie aufgezeigt. Aus diesen Darstellungen wird die Frage nach dem Einfluß des (Körper-) Geruches auf das zwischenmenschliche Distanzverhalten entwickelt. Anhand einer Studie von Tachikawa und Daibo wird der Einfluß von Parfümbenutzung auf den Persönlichen Raum belegt. Mit einer Zusammenfassung und kritischen Beurteilung der Ergebnisse werde ich diese Hausarbeit beenden.

2 Persönlicher Raum und Distanz

2.1 Definition und Einordnung der Begriffe Persönlicher Raum und Distanz

Den meisten Menschen ist es unangenehm, wenn ihnen jemand grundlos zu nahe kommt. In Bussen werden zuerst alle freien Sitzreihen besetzt und auch im Konzertsaal läßt man gerne einen Platz zwischen sich und den anderen frei. Diese Distanz, die gewöhnlich zwischen den Menschen eingehalten wird, bezeichnet man als Persönlichen Raum.

Der Psychologe Sommer beschreibt den Persönlichen Raum als eine den Menschen umgebende, unsichtbare Blase, in die keiner eindringen soll (vgl. Altman, 1975). Bei dieser Blase handelt es sich jedoch nicht um eine feste symmetrische Zone, sondern um bestimmte personen- und situationsabhängige Regelmäßigkeiten in der Einhaltung räumlicher Interaktionsbedingungen. (Schultz-Gambard, 1990). Leon Mann (1972) bezeichnet den Persönlichen Raum auch als „Intimsphäre“ und seine Relevanz zeigt sich erst in der sozialen Situation über die eingenommenen Distanzen. Gifford definiert Persönlichen Raum „ as the distance component of interpersonal relations. It is both an indicator of, and an integral part of, the growth, maintance, and decline of interpersonal relationships“ (1987, S. 105).

Der Anthropologe Edward T. Hall (1976) unterscheidet vier Distanzzonen, die in jeder Kultur zu finden seien, allerdings durch die jeweiligen sozialen Normen untereinander differieren. Er klassifiziert seine Distanzzonen nach grundsätzlichen Beziehungen, die Menschen miteinander eingehen können und bezeichnet sie als intime, persönliche, soziale und öffentliche Distanz. Interpersonale Distanzen informieren beide Interaktionspartner und außenstehende Betrachter über die Beziehungen der Personen zueinander (vgl. Hellbrück & Fischer, 1999)

2.2 Einfluß faktoren auf den Persönlichen Raum

Altman (1975) nennt individuelle und kulturelle, interpersonale und situationale Bedingungen, die den Persönlichen Raum und das Distanzverhalten beeinflussen. Ähnlich differenziert Gifford (1987) drei Kategorien von Einflußvariablen: Personelle, Situationale und kulturell- ethische.

Vergleichsweise beanspruchen ängstliche, introvertierte oder gewalttätige Personen mehr Persönlichen Raum, Frau und Mann halten geringere Abstände zueinander ein als gleichgeschlechtliche Paare, Araber benutzen geringere Interaktionsdistanzen als Amerikaner, Freunde stehen sich näher als Fremde. In hohen Räumen wird vergleichsweise weniger Persönlicher Raum beansprucht als in niedrigen und in verallgemeinert positiv erlebten Situationen weniger als in negativ erlebten Situationen. (Schultz-Gambard, 1990).

Ebenfalls beanspruchen Personen geringere Persönliche Räume, wenn sie sich anziehend oder attraktiv finden, als wenn sie sich neutral gegenüberstehen (vgl. Kurs 3230)

2.2.1 Wahrnehmung der Einflußfaktoren

Für Hall (1976, S.118-121) konstituieren die jeweilig wechselnden sensorischen Inputs die verschiedenen Distanzen, dabei verläuft der größte Teil des Distanzempfindens außerhalb des Bewußtseins. Da primär die eingenommenen Distanzen aus der Beziehung der Personen resultieren und nur Variationen durch Personale- und/oder Umwelteinflüsse relevant sind, ist für Hall die Art der Wahrnehmung der Einflußfaktoren kennzeichnend für diese Distanzen.

Als Beispiel hat die intime Phase (0 bis ca. 20cm) das größte Kommunikationspotential und ist insgesamt die Stimulationsreichste. Berührungs-, Wärme- und Geruchswahrnehmung sind möglich. Visuelle und akustische Wahrnehmung sind sehr differenziert.

Für diese Hausarbeit soll die Wahrnehmung von Körpergerüchen als Einflußfaktor auf das Distanzverhalten herausgestellt werden.

In Alltagssituationen ist prinzipiell die Geruchswahrnehmung auch über die von Hall (1976) beschriebenen Distanzen möglich, wenn ein starker Geruch von der Person ausgeht oder die Geruchsmoleküle durch Luftzug, Wind oder Bewegungen der Person weiter getragen werden.

Die Beschreibung des Persönlichen Raumes als unsichtbare Blase (vgl. Altman, 1976, vgl. Gifford, 1987) ist sehr „anschaulich“ und demonstriert „den Primat des Sehens vor allen anderen Modi“ (Kruse, 1974, S.111), jedoch bedeutet es nicht, daß diese Blase nicht zum Beispiel akustischer oder olfaktorischer (den Riechnerv betreffender) Natur sein kann.

2.3 Verletzungen des Persönlichen Raumes

In den vorangegangenen Beschreibungen zum Persönlichen Raum und in einer großen Zahl von Experimenten wurden Verletzungen des Persönlichen Raumes durch physisches Eindringen einer anderen Person verursacht. Diese Verletzungen und das damit verbundene Eindringen in den Persönlichen Raum kann jedoch auch durch Anstarren, eine laute Stimme oder durch Geruch geschehen und als unangenehm und erregungssteigerd erlebt werden (vgl. Mann, 1972). Das deutsche Umweltbundesamt (2000, Nr.14) gibt in einer Pressemitteilung eine Warnung vor übermäßigem Gebrauch von natürlichen oder künstlich hergestellten Riech- und Aromastoffen heraus. Falls der Markt, wie in der Pressemitteilung dargelegt, rasch expandiert, wird man wohl über Reglementierungen nachdenken müssen, wie es eine Bundesweite Selbsthilfegruppe fordert (Multiple Chemical Sensivity, 1987).

3 Olfaktorische Wahrnehmung

3.1 Psychologische Aspekte des Geruchssinns

Bis heute ist der Geruch in allen wissenschaftlichen Disziplinen der am wenigsten erforschte aller Sinne und wird häufig im Vergleich mit visueller und auditiver Wahrnehmung den „niederen“ Sinnen zugeordnet (Burdach, 1987, Raab, 2001)

Im Vergleich zu den Tieren ist der menschliche Geruchssinn wenig ausgeprägt, denn der Mensch vermag einen Duftstoff ab einer Konzentration von 10 Millionen Molekülen pro mm3 riechend wahrzunehmen; der Hund riecht bereits bei 10 Molekülen pro mm3.

Gerüche können nicht nur starke Gefühle erregen, sondern auch intensive Erinnerungen hervorrufen, wie zum Beispiel beim Geruch eines geliebten Menschen oder beim Geruch von Mottenkugeln, der an die Großmutter erinnert (vgl. Kollbrunner, 2000).

Gerüche werden im Vergleich mit Sehen, Hören oder Tasten in wesentlich stärkerem Maße von emotionalen und hedonistisch-bewertenden Reaktionen begleitet. Bei der Beschreibung von Duftstoffen dominieren Bewertungen auf der Skala „angenehm - unangenehm“ (vgl. Gschwind, 1998). Einem Geruch kann man sich nicht entziehen, außer man geht auf Distanz. (vgl. Burdach, 1987, Raab, 2001)

3.2 Körpergeruch in westlichen Kulturen

Die natürlichen Gerüche des eigenen Körpers, wie Achsel- und Intimgeruch oder auch der Geruch der eigenen Ausscheidungen, haben in westlichen Kulturen einen Wandel zur Inakzeptanz erlebt (Classen, Howes & Synnott, 1994, Corbin, 1988). Schon die Vorstellung, jemand könnte unseren Schweißgeruch wahrnehmen, erfüllt uns mit peinlicher Besorgnis und veranlaßt eine Reinigung der betreffenden Körperstelle, oder des ganzen Körpers. In westlichen Gesellschaften wird der Körper de-odoriert, von möglichst allen natürlichen Körpergerüchen befreit, um gleichzeitig und oftmals zusätzlich eine re-odorierung vorzunehmen. Der Markt mit Parfum und Rasierwasser, wohlriechenden Waschmitteln, Shampoos, Cremes, Haarsprays und vielem mehr, boomt (vgl. Ebberfeld, 2000).

Es kann angenommen werden, daß bei dem Wunsch gut zu riechen und den vermeintlich schlechten Körpergeruch durch Parfüm und ähnliches zu neutralisieren, der natürliche Eigengeruch einer Person nicht verloren geht. Es entsteht in Verbindung mit dem Parfüm eine individuelle Duftcharakteristik, die so ausgeprägt sein kann, daß auch ungeübte Wahrnehmer einzelne Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit am Duft identifizieren können (Streblow et al., 1995). Aufgrund dieser Ergebnisse sollen für diese Hausarbeit Parfumdüfte zu den menschlichen Körpergerüchen gefaßt werden.

4 Körpergeruch und Distanzverhalten

4.1 Theoretische Ü berlegungen

Dringen als aversiv erlebte Körpergerüche anderer Personen in den Persönlichen Raum ein, kann angenommen werden, daß größere Distanzen eingenommen werden (vgl. Maiworm, 1993).

Unter subjektiv positiv erlebten Umständen ist der Persönliche Raum kleiner, als unter neutralen oder als negativ erlebten Umständen, ebenso wird im Vergleich mit attraktiven Personen eine geringere Distanz eingenommen, als gegenüber weniger attraktiven Personen (Kurs 3230).

Die physische Attraktivität (Schönheit) gilt als eine der wichtigsten Kategorien in der Personenwahrnehmung (Fischer & Wiswede, 2002, S. 200). Das nicht nur die Schönheit bei der Attraktivitätsbeurteilung Relevanz besitzt, sondern auch der Körpergeruch der Person, konnten Rikowski und Grammer (1999, S. 869-874) in ihrer Studie nachweisen, indem sie deutliche Korrelationen zwischen visueller und olfaktorischer Attraktivitätsbeurteilung feststellten. Wenn eine Person aufgrund ihres Körpergeruches als attraktiv eingestuft wurde, korrelierte diese Beurteilung auch bei Darbietung eines Fotos der betreffenden Person. Auch Maiworm (1993) weißt auf die Bedeutung von Gerüchen, die empirisch isoliert wurden, bei der Situations- und Personenbeurteilung hin.

Diese Ergebnisse lassen vermuten, daß ein als subjektiv positiv wahrgenommener Körpergeruch einer anderen Person das Abnehmen des Persönlichen Raumes veranlaßt.

Ist einerseits Attraktivität ein wichtiger Einflußfaktor auf den Persönlichen Raum, so ist Ähnlichkeit ebenfalls ein relevantes Kriterium. Es ist nachgewiesen worden, daß Personen sich anziehender finden, wenn Ähnlichkeit im Alter, im sozialen Status und der Rassenzugehörigkeit erkannt wurden (vgl. Kurs 3230). Für den Körpergeruch anderer Personen würde dann einer dem eigenen Geruch oder der eigenen Geruchspräferenz ähnlicher, oder zum allgemeinen Geschmack passender Körpergeruch anziehender wirken.

4.2 Empirische Untersuchung

Tachikawa und Daibo (2000, S. 307-309) untersuchten in Ihrer Studie den Einfluß von Parfümbenutzung auf den Persönlichen Raum. In Ihrem Experiment wurden 30 Universitätsstudenten aufgeteilt, um unter drei verschiedenen Bedingungen (ohne Parfüm, Parfüm A, Parfüm B) mit der stop- distance-Methode aus vier verschiedenen Richtungen ( vorne, hinten, rechts und links) auf eine unparfümierte, mit Parfüm A und mit Parfüm B beduftete, in der Mitte des Raumes sitzende Person zuzugehen und in einem Abstand zu der Person stehenzubleiben, der Ihnen (noch) angenehm war.

Parfüm A wurde als frischer, fruchtiger, blumiger Typ klassifiziert und Parfüm B als frischer, wäßriger, Bukett Typ.

4.3 Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, daß im Vergleich zu der Bedingung ohne Parfüm, bei Parfümbenutzung der Persönliche Raum kleiner wird. Parfüm A und B veranlassen das Abnehmen des Persönlichen Raumes von 50% und 20%. Dabei hatte Parfüm A einen stärkeren Effekt auf das Abnehmen des Persönlichen Raumes, als Parfüm B. Die Teilnehmer des Experimentes beschrieben den Duft des Parfüm A als sensationell und des Parfüm B als intim (vertraut).

In dieser Studie konnte kein Grund für das Abnehmen des Persönlichen Raumes festgestellt werden, ebensowenig konnte geklärt werden, warum das als offensichtlich „exotischer“ empfundene Parfüm A ein stärkeres Abnehmen des Persönlichen Raumes veranlaßte, als das als vertrauter eingestufte Parfüm B. Dieses Ergebnis das Gegenteil der Hypothese: „je mehr ein Duft zum allgemeinen Geschmack paßt, um so größer ist das Abnehmen des Persönlichen Raumes“ (Tachikawa & Daibo, 2000)

5 Zusammenfassung und Kritik

Die Ergebnisse der Studie zeigen, daß Parfümbenutzung Einfluß auf das Distanzverhalten hat. Der Duft dringt in den Persönlichen Raum ein und wird offenbar nicht als Verletzung erlebt, sondern beeinflußt das Abnehmen des Persönlichen Raumes. Inwieweit diese Person nun attraktiver beurteilt wird, konnte nicht festgestellt werden, ebensowenig konnte ein anderer Grund für das Abnehmen des Persönlichen Raumes ermittelt werden. In der Studie wurden zwei verschiedene Parfumdüfte verwendet, um zu ermitteln, ob ein dem allgemeinen Geschmack entsprechende Parfum das Abnehmen des Persönlichen Raumes stärker beeinflußt, als ein „exotischeres“ Parfüm. Die Resultate zeigen, daß die Hypothese von der Ähnlichkeit der Körpergerüche, bzw. daß ein zum allgemeinen Geschmack passender Körpergeruch anziehender wirkt, nicht bestätigt werden konnte.

Der Einfluß des Körpergeruches auf das Distanzverhalten läßt sich jedoch nicht auf westliche Kulturen übertragen, da es sich um eine Japanische Studie handelt. Distanzzonen lassen sich zwar in jeder Kultur finden, differieren allerdings durch die jeweiligen sozialen Normen (Hall, 1976), insofern ist die Klassifizierung, sowie Beurteilung von Parfümbenutzung nicht auf andere Kulturen zu übertragen. Anzumerken ist allerdings, daß Parfümdüfte in der westlichen Gesellschaft allgemein als positiv bewerteter Körpergeruch eingeschätzt werden.

In der Studie selbst wurden zwei Parfümdüfte verwendet, die im Allgemeinen von Frauen benutzt werden, jedoch bevorzugen Männer gewöhnlich andere Duftnoten, somit ist es fraglich, ob dieses Experiment mit 30 Personen sich auch in Japan auf Alltagssituationen verallgemeinern läßt, da Frauen- und Männerdüfte sich deutlich unterscheiden und unterschiedliche Einflüsse auf das Distanzverhalten auslösen können. Auch kann eine Laborsituation das Ergebnis verfälschen, ähnlich äußert sich King (1988, S. 157) „There is no doubt that the psychological effect of a fragrance is highly dependent on the context in which it is encountered“.

Zusammenfassend möchte ich feststellen, daß der Körpergeruch einer Person in Verbindung mit künstlich hergestellten Duftstoffen eine Vielzahl von Variablen und Fragestellungen enthält, die in dem Experiment von Tachikawa und Daibo nicht beantwortet werden konnten.

Als Beispiel gilt die gegengeschlechtliche Anziehung durch körpereigene Duftstoffe (Pheromone) als erwiesen (Maiworm, 1993) ; Aromatherapie und Raumbeduftung in Kaufhäusern, die die Menschen zum längeren Verweilen in dem betreffenden Geschäft veranlassen, sind Ausblicke, die die Komplexität des Themas und den Einfluß auf die menschliche Psyche erkennen lassen. Zum Abschluß dieser Hausarbeit bin ich jedoch von Körpergerüchen, die uns magisch anziehen können, wie auch die eingangs erwähnte Figur Grenouille des Romans von Süskind, überzeugt und empfinde es spannend, mich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Nicht zuletzt, weil die Welt der Düfte geheimnisvoll und nicht greifbar erscheint, da man geneigt ist nur an das zu glauben, was man sieht.

Literaturverzeichnis

Altman, I. (1975). The environment and Social Behavior. Privacy, Personal Space, Territory, Crowding. Monterey, Ca.: Brooks/Cole.

Burdach,K.J. (1987). Geschmack und Geruch: Gustatorische, olfaktorische und trigeminale Wahrnehmung. Bern; Stuttgart; Toronto: Huber.

Classen,C., Howes,D. & Synnott,A. (1994). Aroma. The cultural history of smell. London: Routledge.

Corbin, A. (1988). Pesthauch und Blütenduft. Eine Geschichte des Geruchs. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag.

Ebberfeld, I. (2000). (Internetrecherche vom 17.08.2002: http://www.uni- bremen.de/campus/campuspress/impulse/299/ebber.php3).

Fischer, L. & Wiswede, G. (2002). Grundlagen der Sozialpsychologie. München; Wien: Oldenbourg Verlag.

Gifford, R. (1987). Environmental Psychology. Principles and Practice. Boston; London; Sydney; Toronto: Allyn and Bacon, Inc.

Gschwind, J. (1998). Repräsentation von Düften. In P. Neumann, & M. Schleidt (Bearb., erg. und hrsg.), Repräsentation von Düften. Augsburg: Wißner.

Hall, E.T. (1976). Die Sprache des Raumes. Düsseldorf: Pädagogischer Verlag Schwann.

Hellbrück,J. & Fischer,M. (1999). Umweltpsychologie. Ein Lehrbuch. Göttingen; Bern; Toronto; Seattle: Hogrefe.

King, J.R (1988). Anxiety reduction using fragrance. In Van Toller, S. & Dodd, G.H. (Hrsg.), Perfumery. The psychology and biologie of fragrance. (S.157). London: Chapman & Hall.

Kollbrunner, J. (2000). Die Nase. Ihre Bedeutung aus psychologischer Sicht. Ars Medici, 23, S. 1423-1427.

Kruse,L. (1974). Räumliche Umwelt. Berlin: Walter de Gruyter.

Maiworm,R.E. (1993). Menschliche Geruchskommunikation. Einflüsse körpereigener Duftstoffe auf die gegengeschlechtliche Attraktivitätsbeurteilung. Münster; New York: Waxmann.

Mann,L. (1999). Sozialpsychologie. Weinheim; Basel: Beltz.

Multiple Chemical Sensitivity (1997). Wie im Mittelalter...!!! (Internetrecherche vom 01.10.2002: http://klinik-tv.de/mcs/pranger.htm)

Raab,J. (2001). Soziologie des Geruchs. Ü ber die soziale Konstruktion olfaktorischer Wahrnehmung. Konstanz: UVK-Verl.-Gesellschaft.

Rikowski, A. & Grammer, K. (1999). Human body odor, symmetry and attractiveness. Proceedings of the Royal Society of London/ B, 266, 869-874.

Schulz-Gambard, J. (1990). In Kruse,L., Graumann, C.-F. & Lantermann, E.- D. (Hrsg.). Ö kologische Psychologie: Ein Handbuch in Schlüsselbegriffen. München: Psychologie-Verl.-Union.

Streblow,L., Graf,L., Junghans,U. & Eggert,F. (1995). Ein Hauch von Individualität. Dragoco Report, 5, 220-224.

Süskind, P. (1995). Das Parfum. Zürich: Diogenes Verlag AG.

Tachikawa, K. & Daibo, I. (2000). Psychological Research on Fragrance (2). Influence of Fragrance on Personal Space. J. Soc. Cosmet. Chem. Japan, 34 (3), 307-309.

Umweltbundesamt (2000). Pressemitteilung Nr.14. Duft- und Aromastoffe nicht unüberlegt in Innenräumen einsetzen. (Internetrecherche vom 01.10.2002: http://dgmcs.de/pub/ubaduft.htm).

Anhang

Erklärung

Hiermit erkläre ich, daß ich die vorliegende Hausarbeit mit dem Thema:

Körpergeruch und Distanzverhalten

Eine ökopsychologische Betrachtung

ohne fremde Hilfe erstellt habe. Alle verwendeten Quellen wurden angegeben. Ich versichere, daß ich bisher keine Hausarbeit oder Prüfungsarbeit mit gleichem oder ähnlichem Thema an der FernUniversität oder an einer anderen Hochschule eingereicht habe.

Duisburg, den 11.Oktober 2002

- Birgit Trappmann-

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Körpergeruch und Distanzverhalten. Eine ökopsychologische Betrachtung.
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V107425
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gut recherchierte Arbeit, hätte noch etwas ausführlicher sein können.
Schlagworte
Körpergeruch, Distanzverhalten, Eine, Betrachtung
Arbeit zitieren
Birgit Trappmann (Autor), 2002, Körpergeruch und Distanzverhalten. Eine ökopsychologische Betrachtung., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107425

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