Zum Wesen expressionistischer Prosa, Dramatik und Lyrik


Seminararbeit, 2003

18 Seiten, Note: 2


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche Einordnung

3. Zum Wesen von Prosa und Dramatik

4. Zum Begriff „expressionistische Lyrik“

5. Interpretation des Gedichtes „Sebastian im Traum“

6. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

Kasimir Edschmid schrieb einst: „Der Expressionismus hat vielerlei Ahnen, [...]. Was die Menschen heute an ihm sehen, ist nur das Gesicht, das, was erregt, das, was epatiert.“[1] Man kann sich wohl einig werden, dass der Expressionismus eine provozierende Richtung in der Literaturgeschichte darstellt, aber es bleibt unter anderem die Frage offen, nach welchen Kriterien die literarische Zeit festgelegt werden kann, ob es stilistische, formale und thematische Gemeinsamkeiten gibt. Rein zeitlich gesehen ist man sich heute mehr oder weniger einig, die Zeit expressionistischen Schaffens, in einem Zeitraum von 1910 bis ung. 1925 anzusiedeln. Nun lässt es sich trefflich darüber Streiten, ob diese Zeit eine für Deutschland maßgebliche Dichtungsepoche war, aber es lässt sich nicht leugnen, dass der Expressionismus eine ästhetische und weltanschauliche Bewegung war.[2] Er kann ‚„vielmehr als eine geistige Auffassungsweise und generelle Bewußtseinsänderung, die über die Literatur weit hinausreichte, sämtliche Künste – Malerei, Bildhauerei, Architektur, Tanz usf. - umfaßte und im Denken jener Zeit auffällige strukturelle Parallelen besaß’“[3], bestimmt werden.

In dieser Arbeit soll ein allgemeiner Überblick zum Wesen des Expressionismus gegeben werden. Aus der genannten Problematik ist zu erkennen, dass jeder einzelne Autor formal, stilistisch und thematisch für sich betrachtet werden muss. Deshalb versuche ich hauptsächlich den Gehalt zu betrachten, also den Antrieb der Bewegung, die Gemeinsamkeiten. Dieser Antrieb hat in den verschiedenen Gattungen zu unterschiedlichen Problemen und Wegen geführt. Ich lege mich bei den Betrachtungen auf einzelne Autoren fest und erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

2. Geschichtliche Einordnung

Es ist möglich, sich zur Erfassung des literarischen Expressionismus über die möglichen historischen, politischen und ökonomischen Hintergründe zu einigen und diese relativ genau festzulegen, aber es bleibt weitestgehend unmöglich, verlässliche Kategorien zur Erfassung und Einordnung der einzelnen dichterischen Programme zu erstellen. Das größte Problem, welches sich auf diesem Gebiet ergibt, ist die Frage nach dem spezifischen Stil. Einen solchen hat es nie gegeben. So stoßen stilgeschichtliche Untersuchungen schnell an ihre Grenzen. Trotzdem sprechen wir von einer Bewegung. Dies ist zulässig, weil im Expressionismus wirklich etwas in `Bewegung´ geraten ist, diese Bewegung allerdings verschiedenste stilistische Ausprägungen hatte.[4] Im allgemeinen Vordergrund steht die Idee der Erschaffung eines neuen Menschen. Doch ist dies nicht die allumfassende Formel. Die verschiedenen stilistischen Ausprägungen haben ihren Kern auch in der „[...] tiefgreifenden Erfahrung der Verunsicherung, der Dissoziation des Ich, der Zerrissenheit der Objektwelt, der Verdinglichung und Entfremdung von Subjekt und Objekt, [...]“[5]

Der deutsche literarische Expressionismus entstand, bezieht man die frühen Werke Kokoschkas „Mörder [,] Hoffnung der Frauen“ und Döblins „Lydia und Mäxchen“[6] in die Betrachtung als frühexpressionistische Werke ein, ung. 1906 und endete relativ abrupt mit langsam verebbten Ausläufern gegen 1925, da, wie noch gezeigt wird, die Ziele zu hoch und weit gesteckt waren und sich nur in der Theorie erschöpften. Somit erlangte er keine Breitenwirkung.

Zeitgeschichtliche Indikatoren finden sich im Imperialismus und im ersten Weltkrieg (1914-18), doch reicht dies zur Beschreibung der Intentionen nicht aus, da auch andere Richtungen, wie z.B. Dadaismus und Symbolismus von diesen Ereignissen, sowie den technischen Entwicklungen und ihren negativ wahrgenommenen Auswirkungen, beeinflusst waren. Im Betrachtungsaspekt der Technisierung der Welt wurden einige Expressionisten auch von Nietzsches Texten inspiriert.[7] Der Expressionismus findet seine geschichtliche und thematische Bestimmung unter anderem in einem Gegenprogramm zu Impressionismus und Naturalismus. Er zeichnet sich durch seinen Willen zur Erneuerung aus. Dieses Element wird stark durch einen rationellen Aspekt getragen, der die gefühlte, vorherrschende und voranschreitende Entindividualisierung des Ichs im frühen 19. Jahrhundert zum Inhalt hat.

Es ist sinnvoll, eine Aufgliederung des Expressionismus in Früh- und Hochexpressionismus zu unternehmen. Leider gehen mit dieser strickten Einteilung einige Probleme einher. Es ist nicht möglich, durch die Entstehungsdaten einzelner Werke eine klare Strukturierung zu erreichen. Hier ist es notwendig, auf den Inhalt der Werke selber zu schauen, um eine Einteilung vornehmen zu können.

„Um die Dinge zu vereinfachen und auf eine akzeptable Formel zu bringen, ließe sich feststellen, daß im Frühexpressionismus eine exzessive Ich-Bezogenheit vorherrscht, während im Hochexpressionismus der Wille zur Destruktion zum entscheidenden Kennzeichen wird.“[8]

Der Frühexpressionismus hat seine Wirkungsphase ung. von 1906 bis 1910 und später. Diese Phase der Vorkriegszeit widmet sich hauptsächlich der Herausbildung neuer ästhetischer Konzepte.[9]

Die Autoren fühlen sich gefangen in einer Lebensumwelt, die gesellschaftlich und wirtschaftlich festgefahren ist. Es gibt keinerlei Möglichkeiten der menschlichen Entwicklung mehr. Als verstärkende Elemente, der so empfundenen Sinnlosigkeit, kommen eine gottlos gewordene Gesellschaft und das Gefühl einer dunklen, bösen und tief ängstigenden Vorahnung hinzu. Dieser Hintergrund führte nicht etwa zu einer Ohnmacht, sondern zu einer Aufbruchsstimmung, einer Stimmung der Veränderung, dem Bestreben, eine Änderung herbeiführen zu wollen. Aus dieser „Kampfansage“ entstanden neue ästhetische Konzepte. „Es handelt sich also um einen graduellen Entwicklungsprozess, um eine aus tiefsten Quellen gespeiste Wandlung oder Ver-Wandlung, die mit den Bestimmungen `Egotismus´ und `Destruktion´ nur sehr generell charakterisiert ist.“[10] Es bleibt zu beachten, dass die einzelnen Autoren andere Wege gewählt haben, um der Destruktion Ausdruck zu verleihen.

Das Credo der frühen expressionistischen Bemühungen ist die antibürgerliche Bewegung, das Aufheben bürgerlichen Denkens und somit die „[...] kennzeichnende Einstellung zur Kunst, die in der fundamentalen „Verwandlung“ des Menschen durch Kunst ihre eigentliche Aufgabe sieht.“.[11] Diese Verwandlung sollte durch neue ästhetische Konzepte herbeigeführt werden, die ihre Umsetzung z.B. in grotesken Darstellungen der Welt, in Sprachzerstörungen und in einem egoistischen Ich, das den Boden unter seinen Füßen verliert, finden.

Der Hochexpressionismus schließt nicht nahtlos an den Frühexpressionismus an. Zwischen beiden liegt eine Phase des langsamen Übergangs, der gegenseitigen Existenz. So ist eine Zeit der künstlerischen Beiträge erst ab ung. 1915 an zusetzten. Diese Beiträge finden ihr Ende gegen 1925. In dieser Schaffenszeit schlägt sich radikal der Verlauf und die Auswirkungen des „Ersten Weltkriegs“ nieder. Diese nun noch schrecklichere Atmosphäre führt zwangsläufig zu einer Verstärkung der Gesellschafts- und Zivilisationskritik. Die Destruktion drängt sich in den Vordergrund der Köpfe, der Autoren, allerdings nicht als eine Resignation über die Umstände der weltpolitischen Lage, sondern als Möglichkeit der Umstrukturierung der Welt. Futuristische und utopische Menschenbilder werden erschaffen. Die Aufbruchsstimmung hat einen Träger, nämlich den Krieg, gefunden. Das Traktat besteht in der Hoffnung einer neuen, besseren Ordnung. Der Krieg zerstört zwar, aber birgt doch die Möglichkeit eines Neuaufbaus. Trotz dieser Ansicht schlagen die Meinungen für den Krieg schnell ins Gegenteil um, und der Expressionismus wird ein Forum für Antikriegsäußerungen. Der Gedanke des Neuaufbaus, im Sinn der expressionistischen Theorie, bleibt allerdings eine Hoffnung der Autoren. In dieser Theorie herrschen futuristische, nihilistische und mythische Elemente.[12] So sind auch hier die Programme der einzelnen Autoren höchst unterschiedlich.

3. Zum Wesen von Prosa und Dramatik

Die Prosadichtung nimmt im Expressionismus nur einen geringen Teil ein. Doch ist sie zur Veranschaulichung des Teils des expressionistischen Programms, der sich mit der wissenschaftlich entfremdeten und entarteten Welt beschäftigt, sehr dienlich. Unter einigen Autoren herrscht ein großer und grundlegender Zweifel am Geltungsanspruch der technischen und pragmatischen Lebensformen im deutschen Kaiserreich. In dieser Gesellschaft gibt es, ihrer Meinung nach, keine Wandlungsmöglichkeit mehr, da das Spießbürgertum und die Bildungsphilister die Oberhand hatten. Es erscheint den Expressionisten so, dass sich eine grundlegende Bequemlichkeit bei den Menschen eingestellt hat. Man polemisiert gegen das Wilhelminische Kaiserreich und den damit verbundenen spießigen Bürgertum, indem man ein abstraktes Gegenbild zu dieser Form der Gesellschaft erschafft, um die Stagnation und empfundene Ich- Entfremdung zu zeigen und als nächsten Schritt versucht zu überwinden.

Dieses Gegenbild spiegelt sich sehr einleuchtend in der Figur des Arztes Rönne aus Gottfried Benns „Rönne – Novellen“[13], aber auch in anderen Werken wieder. Benn gebraucht in diesen Werken eine äußerst hochstilisierte und hochentwickelte Sprache, die dazu dient, über die Abgründe menschlicher Existenz hinfort zu tragen. Benns Novellen können kurz als die „,[...] Versuche eines mit seinem Autor identischen ’Helden’, sich mit Hilfe einer unerhört komplexen Prosa selbst zu orten, Skizzen, deren movens die frei-spielende und vom Leser oft nicht mehr nachvollziehbare Gedankenassoziation ist“[14] beschrieben werden.

1917 erscheint die erste Rönne Geschichte unter dem Namen Gehirne. Ich werde an ausgesuchten Textstellen kurz die Entlarvung der Wissenschaft und der Entfremdung darstellen.

Der Arzt Rönne bespricht mit seinen Schwestern dienstliche Angelegenheiten fern und kühl, lässt sie alle Aufgaben selber erledigen. „Er überließ ihnen, alles zu tun: das Herumdrehen der Hebel, das Befestigen der Lampen, den Antrieb der Motore, [...] – es tat ihm wohl, die Wissenschaft in eine Reihe von Handgriffen aufgelöst zu sehen.“[15] An dieser Stelle zeigt sich der Automatismus des Arztes, er hat ein gestörtes Verhältnis zur Wirklichkeit, zur fremd gewordenen Arbeit. Der komplexe Ablauf der Wissenschaft teilt sich in immer wiederkehrende Aktionen und Handlungen auf. Diesen Vorgang spitzt Benn im weiteren Verlauf zu, so dass Rönne sogar den Sinn seiner Arbeit in Frage stellt. Diese Entfremdung des Arztes dient zur Aufzeigung der ganzen entfremdeten Wirklichkeit, die Rönne nur noch schemenhaft wahrnimmt. Das reale Problem, welches Benn durch Rönne zu zeigen versucht, ist der Gesellschafts- und Wirklichkeitszerfall in seiner Zeit. Rönne steigert sich im weiteren Verlauf immer weiter in Gedanken über die Auflösung dieser entfremdeten Welt. „Ich wollte immer auffliegen wie ein Vogel aus der Schlucht; nun lebe ich in einem Kristall.“[16] Für Rönne hat sich der Geltungsanspruch der Logik, der Naturwissenschaften, aufgelöst, die strenge und obligatorisch sachliche Arbeit eines Wissenschaftlers hat die Welt in seinen Augen „verwischt“[17]. Er sieht den Sinn nicht mehr in dem, was er tut. Ihn treibt der Wunsch nach einem neuen Leben, einem Leben in einem neuen (alten, ursprünglichen) Ich, in seinem eigenen Ich. Dies wird an der Abschlussszene deutlich, die durch einen Bewusstseinstrom dargestellt wird und so eine totale Verwirrung und Entfremdung Rönnes zeigt, die mit dem Befreiungswunsch und Erneuerungswunsch einhergeht.

Durch diese kurze Interpretation zeigen sich die Eckpfeiler der Prosa Gottfried Benns sehr deutlich.[18] Aller Fortschritt trägt nur zur Entfremdung und zur Stagnation bei und dieser Zustand führt zu einem unzugänglichen Verständnis der Welt, das wiederum zu einer Ich- Entfremdung führt. Rönne tritt als ein Mensch, der dieses erkannt hat, aus der Gesellschaft heraus, jedenfalls hat er den Willen dazu. Er zerschlägt für sich die Wirklichkeit, um in Rönnes Worten zu bleiben, den Kristall, der ihn gefangen hält und aus dem er mit logischen und wissenschaftlichen Mittel nicht entkommen kann.

Die grundlegende Intention der Dramatik in der expressionistischen Zeit wird wohl am besten an Autoren wie Carl Sternheim oder Georg Kaiser deutlich. Sie sind uns heute nicht mehr so zugänglich, obwohl auch sie den aristotelischen oder nicht-aristotelischen Gesetzen unterstehen.[19] Die traditionsbehaftete Wirklichkeit wird abgelehnt, somit auch weitestgehend der traditionelle Dramenbegriff. Allerdings ist es nicht ohne weiteres möglich, traditionelle Dramenformen nicht zu beachten und die Autoren bedienen sich weitestgehend der offenen Form. Auch im Drama wird eine innere Verwandlung angestrebt, die zu einer Erlösung, einem neuen Menschen, führen soll, allerdings auf eine andere Art und Weise als in der Lyrik und in der Prosa. Die dramatischen Bemühungen bleiben oft in einer Utopie hängen und gleichen ’schönen’ Konstrukten. Es zeigt sich zwar oft eine starke Zivilisationskritik an konkreten Beispielen und es wird gezeigt, dass die normalen, bürgerlichen Wege nicht aus der entfremdeten Wirklichkeit führen, aber es wird letztlich kein Konzept gegeben, das der Umsetzbarkeit genügt. Der Mensch erlangt durch seine innere Wandlung die Erlösung, aber wie dies in der Realität aussehen soll, bleibt im Verborgenen.

Durch die äußere, nicht zu leugnende Form des Dramas sind „Dem ungehemmten Ausbruch der Ichhaftigkeit [...] Grenzen gesetzt,[...].“[20]. Hieraus lässt sich der Schluss ziehen, dass erst mit dem Erkennen des Gegensatzes zum gefangenem Ich, durch Schwarz- Weiß- Malerei des positiven Helden, der innerlich bewegt und äußerlich bewegend ist, oder des negativen Helden, der innerlich stagniert und äußerlich bewegungshemmend wirkt, die Helden zu ihrer Bestimmung als konträrer Punkt zum menschlichen Urkonflikt oder zur Kontroverse mit der nicht mehr akzeptierbaren Wirklichkeit kommen. Ohne diese Schwarz-Weiß- Technik ist es im Drama nur schwer möglich, den Ich- bezogenen Helden zu zeigen, der sich in einem Akt der Wandlung befindet. Die Entwicklung des Helden findet nicht in der Wirklichkeit statt, also z.B. durch einen konkreten Gegenspieler, sondern stellt sich als eine Idee dar, als die Idee einer entfremdeten Welt.

Georg Kaiser setzt in seinem Drama „Von morgens bis mitternachts“ die Schwarz-Weiß-Malerei durch die Stationentechnik um. Hierdurch kann er den Protagonisten beliebig viele Konflikte erleben lassen, die von Szene zu Szene gestiftet und ausgetragen werden. Als Gegenspieler dient ihm der materialistische Irrglaube, dass sich der Mensch durch Geld sein ’Glück’ erkaufen kann. Kaiser zeigt, wie sein Protagonist, der Kassierer, anfänglich an dem Glauben der Glückseeligkeit des Geldes hängt. Der Tauschwert des Geldes bildet die Grundlage für Glück.[21]

Dies ist die grundlegende Fehleinschätzung des Kassierers. Diese spielt Kaiser in verschiedenen Stationen immer wieder durch. Dieser Anfang, der das eigentliche Problem aufzeigt, nimmt in seiner Totalität der Darstellung das Ende voraus, den Tod des Kassierers, der erkennen muss, dass es aus diesem materialistischen Glauben keinen Ausweg außer den Tod gibt. Der Kassierer stemmt sich in den verschiedenen Stationen, auf unterschiedlichsten Ebenen, immer weiter gegen die Macht des Geldes und versucht verzweifelt, es zu entmachten, da es ihn nicht zum Glück führt. In letzter Konsequenz scheitert er aber.

Hier ist ein Problem der Dramatik zu erkennen, das unter Punkt 2. kurz angesprochen wurde. Am Beispiel des Kassierers zeigt sich zwar der Kampf gegen Formen der Gesellschaft und Entfremdung, es bleibt aber der gezeigte Ausweg nur ein Konstrukt, eine utopische Idee und eine in der Realität leere Hülle ohne Ansätze der Umsetzbarkeit.[22]

4. Zum Begriff „expressionistische Lyrik“

Die „expressionistische Lyrik“ bindet die zentrale Bedeutung in sich, wenn beim Expressionismus von einer ’Bewegung’ gesprochen wird. „Sie kam dem primär subjektivistisch-kreativistischem Charakter des Expressionismus, diesem neuen Siegeszug des Ich durch die deutsche Literatur, am unmittelbarsten entgegen.“[23] Nur reicht dies für die Bildung eines Begriffes von „expressionistischer Lyrik“ aus? Sie lässt sich zwar „[...] thematisch in Arbeiter- und Kriegsdichtung, in revolutionäre und religiöse Lyrik einteilen, oder wie bei Kurt Pinthus in seiner Menschendämmerung in <<Sturz und Schrei>>, <<Erweckung des Herzens>>, <<Aufruf und Empörung>> und <<Liebe den Menschen>>[...]“[24], nur geht damit kein Fundament für die Bildung eines einheitlichen Begriffs einher. Inhaltlich spiegeln sich in ihr alle genannten Intentionen, Postulate und Bestimmungen wieder, die sich auch in der Dramatik und Prosa finden lassen. So ist auch hieran keine eindeutige, für die Lyrik grundlegende Bestimmung festzumachen. Das einzige Merkmal der Lyrik, welches zu fassen ist, ist die Reduzierung auf die Sprache. Erst auf diesen Standpunkt zurückgesetzt ist eine Bewertung und Beurteilung der „expressionistischen Lyrik“ überhaupt erst möglich. „Das heißt, diese vorwiegend auf das Phänomen der Sprache reduzierte Lyrik, die sich jeder scheinbaren anderen Ordnung und jedes anderen Zusammenhanges begibt, gleichsam als einen deutschen Kristallisationspunkt [...]“[25] zu sehen. Doch es hat den Anschein, als ob die aufbegehrenden Dichter ihren destruktionistischen Impulsen nur durch die Sprache Ausdruck verliehen haben, ihre ’Zertrümmerung der Formen’ vorwiegend an der Sprache ausgelassen haben. Also steht die Sprache, das Wort, im Mittelpunkt der Begriffsbildung. Betrachtet man diese Zertrümmerung allerdings näher, ist es nicht möglich, die Dichtung auf einen stilistischen Nenner zu bringen, um eine Basis zu bilden. Es herrscht eine Nichtvergleichbarkeit der Theorie der Sprachzertrümmerung zwischen den einzelnen Autoren vor. Es erweist sich als unfruchtbar, den Begriff der „expressionistischen“ Lyrik „[...] auf Grund theoretischer, stilistischer Kriterien zu erklären, auf Grund von Begriffen wie Ausdruck oder Autonomie des Wortes,[...]“[26] fassen zu wollen. Das auftretende Paradox besteht in der Nichtbestimmbarkeit des ’Arbeitsmaterials’, der Sprachzertrümmerung.

„Schon die Tatsache das der Expressionist ihr so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat, legt den Verdacht nahe, daß er die Sprache zum Prügelknaben für etwas gemacht hat, was die Sprache recht eigentlich beinhaltet, sich von ihm aber nicht dingfest machen ließ.“[27] Die Dichtung fand keine eigene, neue Sprache, sondern kam über das Stadium des Experimentierens nicht hinaus.

Die Lyrik teilt sich stark in die genannten Phasen des Frühexpressionismus und Hochexpressionismus auf. Die eigentlich Leistung der Lyrik liegt, chronologisch gesehen, in der frühen Phase, in der versucht wird, das emotionale Element in Worte zu fassen und zu einer neuen Sprachform zu überführen. In der Folgezeit ebbte das Sprachniveau wieder ab und wurde recht trivial. Die Gründe hierfür liegen in der Annäherung an den Krieg und die Nachkriegszeit, in der die Lyrik immer mehr politisiert wurde. Die frühen Werke sind oft nur schwer zugänglich, da ihnen meist persönliche Erfahrungen und Schicksalsschläge zu Grunde liegen.

Leider ist es mir nicht möglich, mir einen allgemeinen Begriff „expressionistischer Lyrik“ zu bilden, aber es kann doch die Leistung bewertet werden. Sie besteht „In dem Vermögen, durch die Macht der Sprache, ihren Klang, Rhythmus und die ihr innewohnende Struktur eine Realität zu schaffen, [...]“[28]

In der folgenden Interpretation des Gedichtes „Sebastian im Traum“ wird der versuchte Entwurf einer neuen, ästhetisch anspruchsvollen Sprache recht deutlich. Auch lässt sich die schwere Entschlüsselung des Gedichtes anhand der einfließenden persönlichen Erfahrungen sehr gut zeigen.

5. Interpretation des Gedichtes „Sebastian im Traum“

Um in diesem Gedicht jegliche Art einer übergeordneten Struktur erkennen zu können bedarf es einiger Zeit und Mühe. Zeit und Mühe, die nicht nur in das Gedicht gesteckt werden muss, sondern in die Person Trakl selber und vor allem in seine weltanschauliche Position. Diese Position ist in der Geschichte des Expressionismus einzigartig in ihrer Komplexität. „Von einer revolutionären Verhaltensweise seiner Zeit gegenüber kann bei diesem Dichter jedenfalls nicht die Rede sein, denn die Ablehnung als solche war bei ihm völlig passiv. Sein Denken und Dichten wurde, bei aller Offenheit für religiöse Perspektiven, für Mythisches und Transzendentales, vielmehr durch persönliche Schuldgefühle bestimmt,.[...].“[29]

In „Sebastian im Traum“ vermischt sich Trakls religiöse Offenheit, die sich als ein invertiertes und introvertiertes Konstrukt zu einem nicht mehr be- greifbaren Gott darstellen lässt, mit seinen persönlichen Erlebnissen und Schuldgefühlen.

Ein erster Versuch einer Strukturierung fußt, unter diesen Gesichtspunkten, auf dem Deuten der zahlreichen religiösen Bilder. Schon in der ersten Zeile lässt sich ein verschwommener Hinweis hierfür finden. „Mutter trug das Kindlein im weißen Mond,“[30]. Die Mutter, die ihr Kind trägt könnte dieses auch austragen. Es könnte eine Anspielung auf die geschwängerte Maria sein, die in der Nacht einen Unterschlupf für sich und ihre Familie sucht. Des weiteren findet sich die Zeile „Neigte im Mitleid sich über jene ein bärtiges Antlitz“.[31] Diese Zeile steht am Ende der ersten Strophe. Hier bleiben einige Deutungsmöglichkeiten offen. Ich meine das an dieser Stelle Gott gemeint sein könnte, der sich mitleidig über die Mutter mit dem Kind neigt und seinen Schutz anbietet. „In grauer Nacht sein Stern über ihn kam“[32]. Nur acht Zeilen weiter liegt nun die Vermutung nahe, einen Vergleich mit der christlichen Weihnachtsgeschichte zu ziehen. Den Heiligen drei Königen leuchtete ein heller Stern am Himmel den Weg. Dieser Stern ist nun in Trakls Gedicht „sein“ Stern, der Stern Jesus, zu dem die Könige pilgerten. Auf Zeile 1 und 8 zurückbezogen lässt sich nun sagen, dass die Mutter Maria und das Kind, welches von Gott mitleidig beschütz werden soll Jesus ist. Neun Zeilen weiter findet diese Strukturierungsmöglichkeit eine weitere Bestätigung. „Die dunklen Gestalten der Hirten am alten Weiher;“[33]. Aufgrund dieser ersten Analyse stelle ich die Hypothese auf, dass sich Trakl als zeitlichen Rahmen für sein Gedicht die Eckpfeiler des christlichen Kirchenjahrs genommen hat. Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Diese These wird im weiteren Verlauf bestätigt.

„Oder wenn er an der harten Hand des Vaters

Stille den finsteren Kalvarienberg hinanstieg

Und in dämmernden Felsennischen

Die blaue Gestalt des Menschen durch seine Legende ging,

Aus der Wunde unter dem Herzen purpurn das Blut rann.“[34]

In diesen Zeilen werden die Geschehnisse der Kreuzigung beschrieben. Der Tod Jesus und die damit verbundene Befreiung der Menschen. Die blaue Gestalt als Bild für das Schlechte im Menschen, das Jesus auf sich nahm (das durch seine Legende ging) und mit in sein Grab nahm. Es lassen sich noch weitere Bilder finden, die in das Bild des Kirchenjahrs und somit der christlichen Religion aufgehen. Es eröffnet sich unter diesem Ansatzpunkt zwar eine mögliche Interpretation, doch ist diese in keiner Weise erschöpfend. Es ist eine Strukturierung zu erkennen, aber liegt die Entschlüsselung der Bilder in einem bloßen Übertrag auf heilsgeschichtliche Geschehnisse, eine solcher Deutungsversuch bleibt auf der Strecke der Ungenauigkeit liegen und bietet höchstens interessante Verknüpfungspunkte.

Wie soll man aber dieses Gedicht entschlüsseln? Die Frage nach strukturierenden Elementen erscheint mir hier trotzdem als angebracht und gehaltvoll. Hier zeigen uns die religiösen Bilder einen zweiten Ansatzpunkt, der von der Religion losgelöst betrachtet werden muss. Die Beziehung zwischen Jesus und Maria ist die Beziehung zwischen dem Sohn zu seiner zu seiner Mutter, zu seinen Eltern. „Und dem Knaben leise sein rosiger Engel erschien.“.[35] Die Mutter wird von ihrem Sohn als Engel beschrieben. Sie kümmert sich sehr liebevoll um ihn und er liebt sie von tiefstem Herzen. In einem ähnlichen Sinn lässt sich Zeile 1 umdeuten. Eine liebevolle Mutter geht des Nachts mit ihrem Sohn spazieren. Es ist allerdings schwer möglich diesen Ansatz gradlinig durchhalten zu können, da es schwer möglich ist das Bild des Kindes von dem Bild Jesus zu lösen.

Doch ist der Weg, die Betrachtung auf das Kind zu legen, die gehaltvollste Möglichkeit einer Interpretation. Nach mehrmaligem Lesen entstand bei mir der Eindruck einer Atmosphäre der traumhaft erzählten Kindheitserinnerung, die in religiöse Bilder verschlüsselt wurde. Die dunklen und verschwommenen traumhaften Erinnerungen sind mit den Bildern Herbst, Holunderbeerbaum und Nussbaum verknüpft. „Lag im Verfall; Liebe und herbstliche Träumerei.“.[36] Die mögliche Ankündigung eines Traumes. Jemand erinnert sich an seine Kindheit, an die Schatten der kindlichen Erlebnisse.

„Im Schatten des Nußbaums, uralten Holunders,“.[37]

„Ein blaues Lüftchen sich heiter im alten Holunder fing,

In dem Schattengewölbe des Nußbaums;“[38]

Der Nussbaum steht für die Zeit, für das Vergessen, für die Verschleierung der Erlebnisse und Erinnerungen über die Jahre, während der Holunder die Erinnerung selbst darstellt. Die Erinnerungen an die Kindheit, die versuchen aus dem Schatten herauszutreten.

Gewinnt der „Holunder“ den Kampf gegen das Vergessen, dann nehmen die Erinnerungen Formen an. „Und dem Knaben leise sein rosiger Engel erschien.“.[39] Der Eindruck der verschleierten Kindheitserinnerungen wird durch die allgemeine dunkle Atmosphäre des Gedichtes verstärkt. Wörter die in irgendeiner Weise etwas mit Nacht und Dunkelheit zu tun haben bestimmen das Bild des Gedichtes. Hierbei ist keine bestimmte Wortgruppe hervorzuheben. Die Gesamtkonzeption vermittelt das Gefühl von tiefer Einsamkeit. Ich halte es für mühsam hierfür Beispiele anzugeben, da jemandem diese Atmosphäre auf den ersten Blick ins Auge fallen muss.

Leider erlauben diese Erkenntnisse noch lange keine vollständige Interpretation des Gedichtes. Bis zu diesem Zeitpunkt können wir von verschwommenen Kindheitserinnerungen versteckt in dem Bild des christlichen Kirchenjahrs sprechen. An diesem Punkt endet für mich die Interpretationsmöglichkeit aus dem Gedicht selbst heraus. Die weiteren Metaphern sind nur noch im Vergleich mit anderen Werken zu entschlüsseln und es bleibt dann fraglich, ob eine Struktur über das komplette Gedicht gezogen werden kann. „Ein blauer Falter aus der silbernen Puppe kroch.“.[40] Dieser Satz ist in Beziehung auf den Text nicht deutbar. Er verschließt sich dem Rezipienten.

Trakl setzt als hauptsächliches Mittel die Metapher ein und verschließt, durch die Totalität der Metaphern, den Sinn, da hier jede Entschlüsselung einer Metapher die nächste Metapher inhaltlich dem ersten Sinn folgend meist unmöglich macht. Mal können persönliche Erfahrungen, mal religiöse Einstellungen, mal Übergriffe auf andere Werke und mal Rückgriffe auf das Gedicht selbst zur Deutung führen, aber es bleibt ein Gesamtzusammenhang und Sinn im Dunklen verborgen.

Trakl bildet so eine neue, ästhetisch anspruchsvolle Sprache durch das Mittel der „totalen“ Metapher. Dieses Gedicht bildet ein ausgesprochen gutes Beispiel für die „Zertrümmerung der Sprache“ im lyrischen Frühexpressionismus, wie sie vorigem Kapitel angesprochen wurde.

6. Schlussbetrachtung

Abschließend bleiben einige Fragen offen. Kann der Begriff „expressionistische Lyrik“ überhaupt gebildet werden? Kann vom Expressionismus als eine „Bewegung“ gesprochen werden? Können sich expressionistische Untersuchungen vorrangig an Einzelbeispielen erschöpfen und können auf diesem Weg formal stilistischen Gemeinsamkeiten gefunden werden?

Zur Beantwortung dieser Fragen reichen meine bisherigen Untersuchungen bei weitem nicht aus. In der Wissenschaft gehen die Antworten zu diesen Fragen in die verschiedensten Richtungen und ich habe versucht, in meiner Arbeit einen kleinen Einblick in die Materie zu geben. Es bleibt unbestreitbar, dass es im frühen zwanzigsten Jahrhundert einige große Autoren gegeben hat die in irgendeiner Art und Weise alle von zeitgeschichtlichen Faktoren beeinflusst wurden, aber kann ich Abschließend keine stilistischen und formalen Gemeinsamkeiten erkennen. Hierfür sind schon die unterschiedlichen Definitionen der „Sprachzertrümmerung“ ein Indikator und es lassen sich noch mehr Probleme in den anderen Gattungen finden, die es äußerst schwierig machen, gemeinsame Fundamente zu finden.

„Wie immer man diese Epoche bezeichnen mag, als Gegenbewegung zum Impressionismus, als Bruch mit der Tradition, als radikalen Desillusionierungsprozeß, als <<kosmische Entgrenzung>>, Schrei oder politisches Programm, so macht dieser Überblick (in Ansätzen) wohl deutlich, daß wir für diese wie für die moderne Lyrik ganz allgemein noch keine ihr gemäße Systematik besitzen.“[41]

Dieses Zitat von Edgar Lohner beschreibt meine derzeitige persönliche Auffassung wohl am Ehesten und lässt einen Blick in die Zukunft offen.

Quellenverzeichnis

Benn, Gottfried: Gehirne. 1915

Kaiser, Georg: Von morgens bis mitternachts. Reclam, Stuttgart 1994

Lohner, Edgar: Die Lyrik des Expressionismus. In: Rothe, Wolfgang (Hrsg): Expressionismus als Literatur. Gesammelte Studien. Francke Verlag, München u.a. 1969

Paulsen, Wolfgang: Deutsche Literatur des Expressionismus. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main u.a. 1983 (=Germanistische Lehrbuchsammlung Band 40)

Stark, Michael: Für und wider den Expressionismus. Die Entstehung der Intellektuellendebatte in der deutschen Literaturgeschichte. Metzler, Stuttgart 1982

Trakl, Georg: Sebastian im Traum. Erstveröffentlichung im Kurt-Wolff-Verlag, Leipzig 1915

Vietta, Silvio/Kemper, Hans-Goerg: Expressionismus. 5., verbesserte Auflage. Wilhelm Fink Verlag, München 1994

Anhang

Georg Trakl

Sebastian im Traum

Für Adolf Loos

Mutter trug das Kindlein im weißen Mond,

5. Im Schatten des Nußbaums, uralten Holunders,

Trunken vom Safte des Mohns, der Klage der Drossel;

Und stille

Neigte in Mitleid sich über jene ein bärtiges Antlitz

Leise im Dunkel des Fensters; und altes Hausgerät

10. Der Väter Lag im Verfall; Liebe und herbstliche Träumerei.

Also dunkel der Tag des Jahrs, traurige Kindheit,

Da der Knabe leise zu kühlen Wassern, silbernen Fischen hinabstieg,

Ruh und Antlitz;

15. Da er steinern sich vor rasende Rappen warf,

In grauer Nacht sein Stern über ihn kam;

Oder wenn er an der frierenden Hand der Mutter

Abends über Sankt Peters herbstlichen Friedhof ging,

Ein zarter Leichnam stille im Dunkel der Kammer lag

20. Und jener die kalten Lider über ihn aufhob.

Er aber war ein kleiner Vogel im kahlen Geäst,

Die Glocke lang im Abendnovember,

Des Vaters Stille, da er im Schlaf die dämmernde Wendeltreppe hinabstieg.

Frieden der Seele. Einsamer Winterabend,

25. Die dunklen Gestalten der Hirten am alten Weiher;

Kindlein in der Hütte von Stroh; o wie leise

Sank in schwarzem Fieber das Antlitz hin.

Heilige Nacht.

Oder wenn er an der harten Hand des Vaters

30. Stille den finstern Kalvarienberg hinanstieg

Und in dämmernden Felsennischen

Die blaue Gestalt des Menschen durch seine Legende ging,

Aus der Wunde unter dem Herzen purpurn das Blut rann.

O wie leise stand in dunkler Seele das Kreuz auf.

35. Liebe; da in schwarzen Winkeln der Schnee schmolz,

Ein blaues Lüftchen sich heiter im alten Holunder fing,

In dem Schattengewölbe des Nußbaums;

Und dem Knaben leise sein rosiger Engel erschien.

Freude; da in kühlen Zimmern eine Abendsonate erklang,

40. Im braunen Holzgebälk

Ein blauer Falter aus der silbernen Puppe kroch.

O die Nähe des Todes. In steinerner Mauer

Neigte sich ein gelbes Haupt, schweigend das Kind,

Da in jenem März der Mond verfiel.

45. Rosige Osterglocke im Grabgewölbe der Nacht

Und die Silberstimmen der Sterne,

Daß in Schauern ein dunbler Wahnsinn von der Stirne des Schläfers sank.

O wie stille ein Gang den blauen Fluß hinab

Vergessenes sinnend, da im grünen Geäst

50. Die Drossel ein Fremdes in den Untergang rief.

Oder wenn er an der knöchernen Hand des Greisen

Abends vor die verfallene Mauer der Stadt ging

Und jener in schwarzem Mantel ein rosiges Kindlein trug,

Im Schatten des Nußbaums der Geist des Bösen erschien.

55. Tasten über die grünen Stufen des Sommers. O wie leise

Verfiel der Garten in der braunen Stille des Herbstes,

Duft und Schwermut des alten Holunders,

Da in Sebastians Schatten die Silberstimme des Engels erstarb.

[...]


[1] Diese Eingangsformel gebraucht Edschmid, Kasimir: Über den dichterischen Expressionismus. 1917

[2] Vgl. Stark, Michael S. 26

[3] Vgl. Ebd. S. 26

[4] Vgl. Paulsen, Wolfgang S. 67

[5] Vgl. Vietta, Silvio S. 21

[6] Vgl. Paulsen, Wolfgang S. 58

[7] Vergleiche hierzu Nietzsche. In seinen Texten zeichnet sich eine neue Autonomie gegenüber der Logik, Wissenschaft und Technik, also zu logischen Überlegungen, ab, zur Logik, wie sie in der Naturwissenschaft gebräuchlich ist. ‚„ Jenes ungeheure Gebälk und Bretterwerk der Begriffe, an das sich klammernd der bedürftige Mensch sich durch das Leben rettet, ist dem freigewordenen Intellekt nur ein Gerüst und ein Spielzeug für seine verwegensten Kunststü>

[8] Vgl. Paulsen, Wolfgang S. 58-59

[9] Vgl. Ebd. S. 57

[10] Vgl. Ebd. S. 59

[11] Vgl. Vietta, Silvio S. 30

[12] Vgl. Paulsen, Wolfgang S. 59

[13] Vgl. Ebd. S. 120

[14] Vgl. Paulsen, Wolfgang S. 121

[15] Vgl. Benn, Gottfried: Gehirne

[16] Vgl. Ebd.

[17] Vgl. Ebd.

[18] Dies ist keine Umfangreiche und alles Aspekte berücksichtigende Interpretation. Sie zeigt nur kurz und exemplarisch eine mögliche praktische Umsetzung der expressionistischen Prosa zu den, am Beginn dieses Kapitels erläuterten Motiven. Ich habe es mir ausgespart auf spezielle sprachliche und stilistische Mittel einzugehen, da diese in für das Aufzeigen der Motive nicht notwendig sind, sie verstärken allerdings die Wirkung in den einzelnen Texten.

[19] Vgl. Paulsen, Wolfgang S. 71

[20] Vgl. Ebd. S. 71

[21] Vgl. Kaiser, Georg S. 26

[22] Natürlich waren nicht alle Dramen auf diese Art und Weise aufgebaut, doch lässt sich an diesem Beispiel sehr gut das große Problem expressionistischer Dramatik darstellen. Das Problem in einer mehr oder weniger engen Form eine starke Ich- Bezogenheit darstellen zu können und diese als Mittel zur Verwandlung zu zeigen.

[23] Vgl. Paulsen, Wolfgang S. 69

[24] Vgl. Lohner, Edgar S. 115

[25] Vgl. Lohner, Edgar S. 112

[26] Vgl. Ebd. S. 117

[27] Vgl. Paulsen, Wolfgang S. 70

[28] Vgl. Lohner, Edgar S. 126

[29] Vgl. Paulsen, Wolfgang S. 102

[30] Vgl. Trakl, Georg Z. 1 (Gedicht liegt im Anhang bei)

[31] Vgl. Ebd. Z. 8

[32] Vgl. Ebd. Z. 16

[33] Vgl. Trakl, Georg Z. 25

[34] Vgl. Ebd. Z. 29 - 34

[35] Vgl. Ebd. Z. 38

[36] Vgl. Trakl, Goerg Z. 11

[37] Vgl. Ebd. Z. 5

[38] Vgl. Ebd. Z. 36-37

[39] Vgl. Ebd. Z. 38

[40] Vgl. Trakl, Goerg Z. 41

[41] Vgl. Lohner, Edgar S. 126

18 von 18 Seiten

Details

Titel
Zum Wesen expressionistischer Prosa, Dramatik und Lyrik
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Veranstaltung
Proseminar
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V107808
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Versuch, einen Überblick zu geben.
Schlagworte
Wesen, Prosa, Dramatik, Lyrik, Proseminar
Arbeit zitieren
Alexander Krüger (Autor), 2003, Zum Wesen expressionistischer Prosa, Dramatik und Lyrik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107808

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