Exogene technologische Effekte - Die Klassifikationen nach Hicks, Harrod und Solow


Hausarbeit, 2001

18 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 ARTEN DES TECHNISCHEN FORTSCHRITTS

3 DIE KLASSIFIKATION DES TECHNISCHEN FORTSCHRITTS
3.1 Klassifikation nach Hicks
3.1.1 Neutraler Fortschritt im Sinne von Hicks
3.1.2 Arbeitsparender Fortschritt im Sinne von Hicks
3.1.3 Kapitalsparender Fortschritt im Sinne von Hicks
3.1.4 Alternative Darstellungsformen
3.2 Klassifikation nach Harrod
3.2.1 Neutraler Fortschritt nach Harrod
3.2.2 Arbeit- und kapitalsparender Fortschritt nach Harrod
3.2.3 Aufspaltung des neutralen Fortschritts in zwei Komponenten
3.3 Klassifikation nach Solow

4 FAZIT

5 LITERATURVERZEICHNIS

6 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 Einleitung

Das Automobil, das Fließband und der Personal Computer sind Innovationen, die dazu geführt haben, dass die wirtschaftliche Leistung in großen Sprüngen gewachsen ist. Technischer Fortschritt ist ein weit verbreiteter Begriff, der als Erklärung herangezogen werden kann, um wirtschaftliches Wachstum zu beschreiben. Traditionelle Wachstumsmodelle betrachten jedoch nur die Vermehrung des Arbeitsangebotes und des Kapitalstocks als Möglichkeiten, Wachstum herbeizuführen. Sie gehen bei linear-homogener Produktionsfunktion von sowohl konstanter Pro-Kopf-Produktion als auch konstantem Pro-Kopf-Einkommen aus, da das Einkommen gleich der Arbeit und des Kapitals wächst. Damit würde aber extensives Wachstum vorliegen.[1]

Neoklassische Ökonomen der 50er und 60er Jahre erkannten diese unzureichende Sichtweise, denn in der Realität ist die dauerhafte Erhöhung der Pro-Kopf-Produktion und des Pro-Kopf-Einkommens bei sinkenden Pro-Kopf-Erträgen empirischer nachgewiesen[2]. Als Erklärung dafür könnte man die Existenz einer überlinear-homogenen Produktionsfunktion unterstellen. Mit Berücksichtigung auf das Grundmodell, in dem im Wachstumsgleichgewicht das Sozialprodukt gleich dem Arbeitskräftepotential steigt und damit eine linear-homogene Produktionsfunktion besteht, führten die Ökonomen einen effizienzerhöhenden Faktor ein, der die sinkenden Pro-Kopf-Erträge ausgleicht: Den exogenen technischen Fortschritt, der eine Verschiebung der Produktionsfunktion bewirkt.[3]

Die vorliegende Ausarbeitung des Referats gleichen Titels beschäftigt sich mit den einflussreichsten Modellen des exogenen technischen Fortschritts, die von Hicks, Harrod und Solow stammen. Es werden die unterschiedlichen Definitionen und die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Dabei beziehe ich mich ebenfalls auf das Grundmodell aus Arbeit und Kapital und lasse der Einfachheit halber die Einbeziehung erschöpfbarer natürlicher Ressourcen außen vor.

2 Arten des technischen Fortschritts

Nach Barro[4] lässt sich zwischen selbst herbeigeführtem und exogenem (oder autonomem) technischen Fortschritt unterscheiden. Der erste Fall erklärt den technischen Fortschritt durch Aktivitäten wie Forschung und Entwicklung, die zielgerichtet von Universitäten, staatlichen oder privaten Forschungsstellen durchgeführt werden.[5] Allerdings sind die hierzu bestehenden Modelle sehr komplex. Einfacher hingegen ist der zweite Fall, in dem Innovationen von außen herbeigeführt werden und somit laut Rose[6] als ,,Manna vom Himmel" auf die Produktionsfaktoren fallen. Dieses häufig benutzte Bild entspricht zwar nicht der Realität, da beispielsweise die bei der Forschung entstehenden Lerneffekte vernachlässigt werden. Es liefert aber eine einfache theoretische Grundlage für das Verständnis der Effizienzerhöhung durch Innovationen.

Technischer Fortschritt kann sich weiterhin auf verschiedene Art und Weise vollziehen. Rose[7] unterscheidet zwischen Produktinnovationen und Verfahrensinnovationen. Das Radio ist beispielsweise eine Produktinnovation, die nach Fox zwar große Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten und soziale Verhaltensmuster hatte, aber das Wirtschaftswachstum nur gering beeinflusst hat.[8] Interessanter für uns ist somit die Prozessinnovation, da diese sich auf die Produktivität und die Effizienz der Produktionsfaktoren auswirkt. Durch technischen Fortschritt können sich also sowohl der Kapital- als auch der Arbeitseinsatz pro Produkteinheit vermindern. Als produktivitätserhöhende Prozessinnovation könnte man zum Beispiel den Einsatz von Computern und Informationstechnologien und die dadurch veränderten Arbeitsabläufe nennen. Allerdings ist auch hierbei Skepsis geboten, denn Robert Solow bemerkt kritisch, dass man Computer überall sehen könne, außer in Produktivitätsstatistiken.[9]

Müller definiert den Begriff folgendermaßen: ,,Technischer Fortschritt liegt vor, wenn eine Erweiterung des technischen Wissens eine Erhöhung des Outputs erlaubt, ohne dass der Einsatz an Produktionsfaktoren erhöht werden müsste."[10] Man könnte diesen faktorvermehrenden Tatbestand auch als Quasi-Vermehrung der Produktionsfaktoren bezeichnen.[11]

Weiterhin unterstellen wir bei den von uns betrachteten Fällen der Einfachheit halber ungebundenen (oder unverkörperten) Fortschritt nach Rose.[12] Bei diesem wird der gesamte Faktorbestand zu gleichen Bedingungen von der Neuerung beeinflusst und die Homogenität des Faktorbestandes bleibt somit konstant. In der Realität wiederum werden die Innovationen meist nur bei einem Teil des Faktorbestandes produktivitätserhöhend eingesetzt werden können, denn das beispielsweise eine Leistungssteigerung bei allen Maschinen den gleichen Erfolg hat, ist eher selten. Meistens ist die Konstruktion von neuen Maschinen notwendig, in denen der technische Fortschritt dann ,,verkörpert" ist, weshalb man auch von gebundenem (oder verkörpertem) Fortschritt spricht. Es ergibt sich daraus eine heterogene Zusammensetzung des Faktorbestandes aus alten und neuen Maschinen.

Besonders sichtbar war dieser Tatbestand bei der Einführung der Elektrizität. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde intensiv in die Elektrifizierung von Industriebetrieben investiert, aber erst um 1920 waren deutliche Produktivitätssteigerungen messbar. Die Erklärung dafür ist einfach: Die Betriebe mussten nicht mehr ihren eigenen Strom produzieren, sondern konnten auf billigen Strom zugreifen und -noch wichtiger- neue Produktionsprozesse basierend auf der neuen Technologie einführen. Elektrizität ermöglichte nämlich völlig neue Produktionsmöglichkeiten, die mit der Dampfmaschinen-Technologie nicht zu realisieren waren. Eine ähnliche Entwicklung ist übrigens auch für Informationstechnologien denkbar, so dass in Zukunft die von Solow vermissten Produktivitätssteigerungen durch Computer erkennbar werden könnten. [13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 (nach Rose, Grundlagen, S. 146)

Erfindungen ermöglichen es also, mehr Output mit gleicher Faktormenge oder den gleichen Output mit einer geringeren Faktormenge zu produzieren. Der letztere Fall ist in Abb. 1 durch die verschobene Isoquante yt+1 dargestellt.

3 Die Klassifikation des technischen Fortschritts

Innovationen können arbeitssparender, kapitalsparender oder neutraler Natur sein.[14] Von Hicks, Harrod und Solow stammen die wichtigsten Theorien über technischen Fortschritt. Ihre jeweiligen Konzepte unterliegen allerdings verschiedenen Definitionen, die im Folgenden erläutert werden. Jedes der drei Konzepte arbeitet mit der Annahme der Neutralität in Bezug auf bestimmte Größen, woraus sich voneinander abweichende Sekundärwirkungen ergeben, so zum Beispiel auf die Entlohnung der Produktionsfaktoren oder die Veränderung des Kapitalkoeffizienten. Daher ergeben sich verschiedene Klassifikationen, deren trennende Merkmale in der Annahme der Neutralität liegen.

[...]


[1] Vgl. Rose, Grundlagen, S. 145.

[2] Vgl. Barro, Economic Growth, S. 32.

[3] Vgl. Rose, Grundlagen, S. 145.

[4] Vgl. Barro, Economic Growth, S. 32f.

[5] Hierzu: Nelson, Richard R., Institutions, S. 312-326.

[6] Vgl. Rose, Grundlagen, S. 147.

[7] Vgl. Rose, Grundlagen, S. 145f.

[8] Vgl. Fox, Internet, S. 90.

[9] Vgl. Solow, ohne Quellenangabe; zit. nach: Fox, Internet, S. 92.

[10] Müller, Wachstumstheorie, S. 44.

[11] Vgl. Müller, Wachstumstheorie, S. 44.

[12] Vgl. Rose, Grundlagen, S. 146f.

[13] Vgl. Fox, Internet, S. 93.

[14] Vgl. Barro, Economic Growth, S. 33.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Exogene technologische Effekte - Die Klassifikationen nach Hicks, Harrod und Solow
Hochschule
Universität Lüneburg  (FB VWL)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
18
Katalognummer
V10781
ISBN (eBook)
9783638171182
ISBN (Buch)
9783638942249
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Allokation, Wettbewerb und Verteilung
Arbeit zitieren
Jan Gahde (Autor), 2001, Exogene technologische Effekte - Die Klassifikationen nach Hicks, Harrod und Solow, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10781

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