Die Bedeutung der Musik im Religionsunterricht zur Weihnachtszeit


Diplomarbeit, 2003
104 Seiten, Note: 1

Gratis online lesen

Inhaltsverzeichnis

VORWORT

EINLEITUNG

1. UNTERSCHIED ZWISCHEN FEIER UND FEST
1.1. Begriffsdefinition von Fest und Feier
1.2. Gegenüberstellung Fest und Feier:

2. BRAUCHTUM
2.1. Was heißt Brauchtum? - Begriffserklärung
2.2. Die Bedeutung von Brauchtum und Ritualen für Kinder
2.3. Brauchtum in der Adventzeit 10
2.3.1. Rorate
2.3.2. Der Adventskranz
2.3.3. Der Adventskalender
2.3.4. Christbaum
2.3.5. Was bedeuten die Weihnachtlichen Symbole?

3. DER WEIHNACHTSFESTKREIS
3.1. Advent
3.2. Beginn des Kirchenjahres
3.2.1. Martinstag
3.2.2. Barbara-Tag
3.2.3. Nikolaus
3.2.4. Das Weihnachtsfest
3.2.5. Stephanus - 26. Dezember
3.2.6. Apostel und Evangelist Johannes - 27. Dezember
3.2.7. Silvester, Altjahrsabend - 31. Dezember
3.2.8. Neujahr - 1. Januar
3.2.9. Dreikönig - Epiphanie: 6. Januar
3.2.10. Unschuldige Kinder - 28. Jänner
3.2.11. Maria Lichtmess - 2. Februar

4. WEIHNACHTEN IN ALLER WELT:
4.1. Europa
4.1.1. England
4.1.2. Frankreich
4.1.3. Schweiz
4.1.4. Italien
4.1.5. Niederlande
4.1.6. Schweden
4.1.7. Spanien
4.1.8. Russland
4.1.9. Luxenburg
4.2. Amerika
4.2.1. Kanada
4.2.2. U.S.A.
4.3. Mittel- und Südamerika:
4.3.1. Argentinien
4.3.2. Aruba
4.3.3. Brasilien
4.3.4. Ecuador
4.3.5. Guatemala
4.3.6. Kolumbien
4.3.7. Kuba
4.3.8. Mexiko
4.3.9. Venezuela
4.4. Australien
4.5. Asien
4.5.1. Philippinen
4.5.2. Indien
4.5.3. Weihnachtsinseln

5. MUSIKPÄDAGOGISCHE ÜBERLEGUNGEN ZUR PRAXIS
5.1. Musikpädagogische Ziele
5.1.1. Psychologische Ziele
5.1.2. Soziale Ziele
5.1.3. Motorische Ziele
5.1.4. Musikalische Ziele
5.2. Was wäre Weihnachten ohne Musik und Gesang?
5.2.1. Singen ist nicht gleich Singen
5.2.2. Singen hat Geschichte
5.2.3. Welche Lagen mag die Stimme?
5.2.4. Instrumente sind nicht ‚egal‘
5.3. Carl Orff
5.3.1. Carl Orffs pädagogische Idee

6. BAUSTEINE FÜR DIE DIDAKTISCHE UMSETZUNG
6.1. Advent- und Weihnachtslieder 73
6.1.1. Stille Nacht, heilige Nacht
6.1.2. Ihr Kinderlein kommet
6.1.3. O du fröhliche
6.1.4. Weihnachtsstern (Indianische Weise)
6.1.5. Es ist ein Ros´ entsprungen
6.1.6. O Tannenbaum, O Tannenbaum
6.1.7. Jingle Bells
6.2. Advents- und Weihnachtsspiele 85
6.2.1. Das Spiellied - Drei Ebenen greifen ineinander
6.2.2. Advents- und Weihnachtsspiellieder

SCHLUSSWORT

LITERATUR:

INTERNET:

ANHANG

Bettler = Klangstäbe

Die Bedeutung der Musik im Religionsunterricht zur Weihnachtszeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Wir sollten Brücken bauen

von der Erde zum Himmel

damit das Licht der Weihnacht

hell leuchte in das Dunkel unserer Erde

und uns den Weg zeige zu Frieden und Eintracht.“

(Elisa Hennek)1

Vorwort

Advent und Weihnachten ruft bei mir Erinnerungen an meine Kindheit wach. Mit Weihnachten verbinde ich schöne Gefühle, die ich gerne an die Kinder weiter geben möchte. Dieses Fest ist für mich schon immer ein großes Ereignis gewesen, das ich voller Ungeduld erwartete. Die alljährlich aufgestellte Weihnachtskrippe, der bunt geschmückte Weihnachtsbaum der im Lichterglanz der Kerzen erstrahlt, wenn das Glöckchen des Christkindchens läutet und nicht zuletzt die geheimnisvoll eingepackten Geschenke, lassen bis heute mein Herz immer ein wenig höher schlagen.

Aber auch die Zeit des Wartens, die Adventzeit, hält viele Überraschungen und Geheimnisse bereit.

Schöne alte Bräuche, Geschichten, fröhliches Singen, der gemeinsame Aufbau der Krippe lassen jedes Jahr die Weihnachtszeit wieder lebendig werden und prägen sich unauslöschlich im Gedächtnis ein.

Deshalb habe ich dieses Thema gewählt, weil die Advents- und Weihnachtszeit bei mir mit diesen tiefen positiven Gefühlen verbunden ist.

In dieser „schönsten Zeit des Jahres“ möchte ich, dass die Kinder erleben und genießen

können, möchte mit ihnen Momente der Ruhe, Stille und das Gefühl der Geborgenheit teilen.

Ich möchte gerne mit den Kindern eine besinnliche, vor allem stressfreie Vorweihnachtszeit erleben. Bei Advents- und Weihnachtsliedern und stillen Spielen sollten wir gemeinsam die Hektik hinter uns lassen und zur Ruhe kommen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Professor Mag. Dr. Alois Hadwiger bedanken, den ich während meines Studiums nicht nur als Professor sondern auch als Mensch kennen lernen durfte.

Einleitung

Die Weihnachtszeit ist ein Fest der Familie, der Besinnlichkeit und des Zusammenseins. In der Adventzeit freuen wir uns schon auf die Geburt Jesus, dem Fest der Liebe und des Lichts. In dieser Vorbereitungszeit, vertreiben wir uns die Zeit mit backen, spielen, Weihnachtsgehschichten, Gesang und Meditationen. Durch Geschmückte Räume und Weihnachtslieder werden wir auf dieses kommende Fest eingestimmt.

Die Kinder sollen im Religionsunterricht die Weihnachtszeit nicht nur durchs singen kennen lernen, sondern auch durch das Spielen und durch gemeinsames Musizieren soll diese Zeit „greifbar“ und verständlich gemacht werden.

Nicht nur unsere Art von Fest und Brauchtum sollen auf diesem Weg den Kindern vermittelt werden. Auf diesem Weg können zwischen Kulturen und Religionen Brücken geschlagen werden.

Es gibt wohl keine bessere Methode einem Kind etwas beizubringen als durch Musik.

1. Unterschied zwischen Feier und Fest

Heute unterscheidet man zwischen Feier und Fest, früher jedoch haben diese beiden Ausdrücke das gleiche bedeutet. Nach wie vor sind beide Begriffe eng miteinander verbunden, die Unterscheidung beleuchtet daher ein- und dieselbe Sache von zwei Seiten: Die Feier ist die Stillere und Besinnlichere, während das Fest die Freude über das Gefeierte zum Ausdruck bringt. Eine Feier muss nicht unbedingt ein Fest sein, wie es zum Beispiel bei Totengedenkfeiern der Fall ist. Genauso gibt es Feste ohne Feiern, wie zum Beispiel Fasching.

Je öfter man aber Feiern veranstaltet, umso eher geht der Sinngehalt verloren. Die wirkliche Gefahr dabei ist, dass die Besinnung durch Oberflächlichkeit und Zerstreuung ersetzt wird. Der idealste Fall wäre, wenn am Beginn eine Feier steht, die dann in einem Fest ausklingt.2

1.1. Begriffsdefinition von Fest und Feier

„Unser deutsches Wort „Fest“ leitet sich ab vom lateinischen „festum“ und bezeichnet im Alltag der Römer den Tag der Arbeits- und Gerichtspause. Dieser Tag ist der religiösen Feier gewidmet. Eng verbunden damit ist auch das Wort „Feier“, es leitet sich ebenfalls aus dem Lateinischen ab: „feriae = Ruhetage“. „Festum“ und „Feriae“ haben als gemeinsames Urwort „fesua“, d.h. Heiligtum. Fest und Feier stehen also in enger Verbindung mit dem Heiligen, mit dem Kultischen.“

1.2. Gegenüberstellung Fest und Feier:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten3

Kurz zusammengefasst:

Beim Fest wird das Erleben durch die Steigerung der Wahrnehmungsmöglichkeiten gesteigert. Die Feier ergibt die Steigerung in Form der Sensibilisierung der Psyche.

2. Brauchtum

2.1. Was heißt Brauchtum? - Begriffserklärung

„Der Terminus „Brauchtum“, ein volkskundliches Fachwort unseres Jahrhunderts, kommt vom Verb „brauchen“. Das Verb hat eine lange Wortgeschichte. Das gotische „brukjan“, althochdeutsch „bruhhan“ und mittelhochdeuscht „bruchen“ … ist wohl verwandt mit „frui“ (=genießen), „fructus“ ( Ertrag, Ackerfrucht) und „frux“ (=Feldfrucht). Primär ist also wohl „Nahrung aufnehmen, genießen“ gemeint, wobei der spätere Wortsinn „nötig haben“ mitschwingt. Brauch ist also etwas, was „genossen“ wird (wie Brot und Wein), was wir „nötig haben“.4

2.2. Die Bedeutung von Brauchtum und Ritualen für Kinder

Rituale gliedern den Tag, den Monat und das Jahr. Sie kehren regelmäßig wieder und schaffen Vertrauen. Sie geben den Kindern eine äußere Ordnung und helfen ihnen, sich zu orientieren. Das beginnt bereits bei den Vorbereitungen. Wenn die Kinder dabei einbezogen werden, fühlen sich die Kinder miteinander verbunden und in die Gesellschaft integriert. Sie entdecken, dass auch andere Kinder voller Vorfreude gespannt auf das kommende Ereignis warten. Außerdem erfahren sie bei den gemeinsamen Vorbereitungen, dass manche Kinder dieses Fest mit anderen Bräuchen und Ritualen feiern.

Neben der Vorfreude haben doch auch viele Kinder auch Angst vor dem Weihnachtsfest, obwohl Knecht Ruprecht seine Rute kaum noch benutzt. Ängstlich blicken sie auf das vergangene Jahr zurück. In diesem Fall ist es gut, wenn die Kinder mit anderen zusammen sind und über eventuell folgende Strafen sprechen können. Das Backen bietet eine gute Gelegenheit, um in entspannter „Atmosphäre“ über ihre „Missetaten“ des letzten Jahres zu sprechen und diese so aufzuarbeiten.

Für die Kinder ist es auch wichtig einen Brief an das Christkind zu schreiben, denn der Wunschzettel soll ja erfüllt werden. Die Zeit bis zum Fest kann das Kind mit Liedern, Spielen und Gedichte gestalten. Ein Adventskalender, der des Jahr an der selben Stelle hängt schafft Vertrautheit. Es ist zwar jedes Jahr derselbe Kalender, aber ist doch immer wieder neu und hilft dem Kind.5

Folgende Ziele können angestrebt werden:

- „Das Kirchenjahr wird als christlicher Lebensrahmen erfahren.
- Kirchliches Brauchtum erhält seinen Sinn nur in Bezug zum jeweiligen Fest.
- Christliche Bräuche haben den Sinn, den Glauben zu „verleiblichen".
- Christliches Brauchtum kann erklärt und mit Sinn gefüllt werden.
- Bräuche sind mit christlichem Gedankengut zu füllen, wenn sie nicht zur bloßen Folklore werden sollen.
- Kenntnisse über Feste und Bräuche können einen neuen Zugang zu Christus dann
-röffnen, wenn sie selbst auch als Bereicherung erlebt werden.
- Erlebte Feste sind gemeinschaftsförderlich und tragen zur christlichen Identifikation bei.
- Kenntnis von Herkunft und Sinn der zu den Festen gehörenden Symbole und Zeichen.
- Wissen darum, dass die Ursprünge christlicher Feste und Bräuche aus Antike, Germanentum. Judentum und der christlichen Tradition stammen."6

2.3. Brauchtum in der Adventzeit

2.3.1. Rorate

„An den Wochentagen bis 16. Dezember hält man die Roratemessen. Ursprünglich Votivmessen zu Ehren Marias an den Andventsamstagen, wurden sie oft vor ausgesetztem Allerheiligsten oder mit Allerheiligsten oder mit sakramentalem Schlussegen gefeiert. Ihren Namen haben sie vom lateinischen Liedanfang >>Rorate coeli de super et nubes pluant iustum<< (>>Tauet Himmel dem Gerechten<<). Wegen des Evangeliums von der Verkündung des Herrn durch den Engel Gabriel nannte man sie Engelmessen. Vielfach verbinden sich nostalgische Erinnerungen mit Kerzenlicht und der frühen Beginnzeit der Rorate. Beides hat historische und praktische Gründe: Früher erlaubte das kirchliche Recht nur Messen zwischen Sonnenaufgang und Mittag, erst im Zweiten Weltkrieg durften sie auch am Abend gefeiert werden - so gibt es durchaus auch abendliche Raoratemessen.“7

Religionspädagogische Überlegungen:

Für die Kinder sind diese Rorate - Messen von der Tageszeit her (früh am Morgen) nicht durchführbar. Außer vielleicht samstags und sonntags, wenn kein Unterricht ist. Für die Kinder könnte so eine Frühmesse sicherlich zu einem besonderen Erlebnis werden: das viele Kerzenlicht (jeder Kirchengeher hat eine Kerze vor sich), die Kirchenatmosphäre in aller "Herrgottsfrühe", das gemeinsame Singen und Beten und als schönen Abschluss -ein gemeinsames, harmonisches und gutes Frühstück.

2.3.2. Der Adventskranz

In der Vorweihnachtszeit darf der Adventskranz nicht fehlen.

Dabei gibt es ihn noch gar nicht so lange: erst seit der Jahrhundertwende.

Damals schmückte der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern (*1808, +1881), seinen Kronleuchter mit viel Tannengrün und setzte 24 Kerzen darauf. Für jeden Tag im Dezember bis zum Heiligabend eine.

1925 hing ein Adventkranz mit 4 Kerzen zum 1. mal in einer katholischen Kirche in Köln , seit 1930 fortan auch in München. Dieser Brauch verbreitete sich bis heute weltweit. Um 1935 werden dann die ersten häuslichen Adventkränze auch kirchlich geweiht, so wie es bis heute Brauch ist.

Immergrünes in der Wohnung allerdings gab es schon vor 600 Jahren. Zweige von Wacholder, Misteln und Tannen symbolisierten ungebrochene Lebenskraft, Haus und Hof sollten vor Schaden bewahrt bleiben.

Und auch die Kerzen haben ihre Geschichte: Im 14. Jahrhundert galten sie als Zeichen der Hoffnung auf eine neue, hellere Zeit. Kerzen in der Adventszeit waren traditionell rot, sinnbildlich für das Blut, welches Christus für die Menschen vergoss.

Heute werden nur noch 4 Kerzen auf einen Kranz gesetzt, für jeden Sonntag im Advent eine. Die Kerzen kann man in verschiedenen Größen kaufen, so dass am 4. Advent alle Kerzen gleich hoch sind.8

Religionspädagogische Überlegungen:

Der Adventskranz kann im Familien- oder Freundeskreis selbst gewunden und gebunden werden. Auch die Kerzen können selbst gegossen werden, wenn man z.B. das Wachs, welches übers Jahr anfällt, sammelt.

Eine besinnliche, wunderschöne und vorweihnachtliche Atmosphäre entsteht, wenn sich die Familie allabendlich im Advent um den Adventskranz versammelt, liest, betet, Adventslieder singt und diese Zeit für ein "Miteinander" nützt.

Auch im Unterricht soll dieser Kreis um den Adventskranz stattfinden, mit Liedern, Gedichten und Erzählungen. Auch in einer interreligiösen Klasse bietet es sich an. Denn das grüne Reisig steht für das Leben und die Kerzen stehen für das Licht, nach dem sich ein jeder Mensch in der dunklen, kalten Winterszeit sehnt, irrelevant welcher Glaubensrichtung man angehört. Auch das Lied ,,0 Tannenbaum" ist somit unverfänglich. Wobei man prinzipiell dieses Problem der Glaubenshaltung in einem Elternabend abklären sollte, da es sonst vielleicht wirklich zu unbeabsichtigten jedoch unangenehmen Missverständnissen kommen könnte.

Im Religionsunterricht ist das begleitende Gespräch über den Sinn des Advents wichtig, das jahrtausendelange Warten der Menschheit und des Gottesvolkes auf den Erlöser der Welt, den Bringer des Heils.

2.3.3. Der Adventskalender

Die Adventskalender, sollen vor allem den Kindern helfen, die für sie so endlos lange Wartezeit bis Weihnachten etwas zu versüßen.

In der Adventszeit ist er nicht mehr wegzudenken. Der Adventskalender entstand erst am Anfang dieses Jahrhunderts. Die eigentlichen Ursprünge lassen sich jedoch bis in das 19.

Jahrhundert zurückverfolgen. Die ersten Formen kommen aus dem protestantischen Umfeld. So wurde in religiösen Familien im Dezember 24 Bilder nach und nach an die Wand gehängt. Eine einfache Variante: 24 an die Wand oder Türe gemalte Kreidestriche, von denen die Kinder täglich einen wegwischen durften (sog. Strichkalender). Oder es wurden Strohhalme in eine Krippe gelegt, für jeden Tag bis Heilig Abend. Weitere Formen sind die Weihnachtsuhr, oder aber eine Adventskerze die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abgebrannt werden durfte.

Die wohl früheste Form eines selbstgebastelten Adventskalenders stammt wohl aus dem Jahre 1851. Das erste gedruckte Exemplar verdankt seine Existenz den Kindheitserlebnissen eines schwäbischen Pfarrersohnes aus Maulbronn - Gerhard Lang (1881 - 1974). Seine Mutter zeichnete 24 Kästchen auf einen Karton - auf jedes war ein "Wibele" genäht. Als Teilhaber der lithographischen Anstalt Reichhold & Lang verzichtete Gerhard Lang auf die Gebäckstücke und verwendete stattdessen farbenprächtige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen Pappkarton geklebt werden konnten. 1908 verließ dieser erste, wenn auch noch fensterlose Adventskalender die Druckpresse. Damals sprach man noch von "Weihnachts- Kalender", oder "Münchener Weihnachts- Kalender".

Seit ca. 1920 erschienen die ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen auf dem Markt, so wie wir sie heute kennen.

Ebenso fertigte die badische Sankt Johannis Druckerei Anfang der 20er Jahre religiöse Adventskalender, deren geöffnete Fenster Bibel Verse anstatt Bilder zeigten.

Ende der 30er Jahre musste Gerhard Lang seinen Betrieb aufgeben, bis zu diesem Zeitpunkt hatte er etwa 30 verschiedene Motive herausgegeben.

Der 2. Weltkrieg setzte dem Höhenflug des Adventskalenders ein jähes Ende. Grund hierfür war die Knappheit des Papiers und das Verbot, Bildkalender herzustellen. Erst in der Nachkriegszeit konnte der Adventskalender wieder an seinem Erfolg anknüpfen.9

Religionspädagogische Überlegungen:

Der Adventskalender kann mit den Kindern in der Klasse und zu Hause im Kreise der Familie selbst hergestellt werden.

Die Fenster können mit Sprüchen und Bildern gestaltet werden, die auf Weihnachten vorbereiten.

Ein Problem muss aber beim Adventskalender noch berücksichtigt, werden: die Adventszeit ist nicht immer gleich lang. Das heißt, dass die Adventszeit einmal mehr und einmal weniger Tage hat. Beim Herstellen eines Adventskalender muss also von vornherein darauf geachtet werden. Außerdem stellt sich das Problem der Kinderanzahl in der Klasse, wie löst man das Problem, wenn zu viele Kinder in der Klasse sind bzw. zu wenige, wobei dies das kleinere Problem zu sein scheint, weil man dann auch z.B. andere Lehrpersonen mit einbeziehen kann. Man muss auch die Wochenenden bedenken, an denen ja unterrichtsfrei ist, lässt man z.B. schon am Freitag auch das Fenster vom Samstag und Sonntag ? Diese Fragen muss man, bevor man mit den Kindern ans Werk geht, abklären.

2.3.4. Christbaum

Er ist mit etwa 400 Jahren ein noch recht junges Kind in der Familie der Bräuche und löste eine andere Tradition ab.

Bevor nämlich der Christbaum eingeführt wurde, hatten die Familien ihre Zimmer wie eine "Sommerlaube" bis zur Decke mit immergrünen Zweigen dekoriert.

Später waren es nicht mehr nur Zweige, sondern gleich ganze Bäume, die unter der Decke hingen. Erst im 17. Jahrhundert wurde der Baum so wie heute aufgestellt. Der Baumschmuck wurde sorgfältig ausgesucht: Blankgeputzte, rotbackige Äpfel erinnerten an Adam und Eva und galten als Fruchtbarkeitssymbol, knusprige Lebkuchen sollten langes Leben schenken, und Rosen aus Seidenpapier ließen die Christbäume auch im Winter "blühen".

Heute stellt man einen Nadelbaum in den Raum, je nach Geschmack verwendet man verschiedene Tannen, Fichten, Föhren oder auch einen künstlichen Baum. Die Bäume werden mit echten Kerzen oder Lichterketten versehen und in den verschiedensten Arten geschmückt. Als Baumschmuck verwendet man Kugeln,

Figuren aus Holz, Glas oder Kunststoff.

In einigen Familien wird der Baum auch mit Naschzeug und Keksen versehen.

Eine schlechte Angewohnheit ist es in einigen Familien, den Weihnachtsbaum im Wald zu stehlen. Da liegen unter einem geklauten Weihnachtsbaum Geschenke für ein paar Hundert Mark.10

2.3.5. Was bedeuten die Weihnachtlichen Symbole?

Was wir an die Zweige hängen, erfreut nicht nur das Auge, sondern hat oft auch Symbolgehalt.

Der duftende Apfel verheißt Sommer mitten im Winter. Die Früchte sind Sinnbild für Fruchtbarkeit und im Sack des Weihnachtsmannes Geschenk für brave Kinder. Christus wird öfter mit einem Apfel in der Hand dargestellt. Dies bedeutet die Erlösung von der durch den Sündenfall bedingten Erbsünde. So wird auch die Feier der Geburt Christi Sinnbild des durch ihn wiedereroberten Paradieses durch den Weihnachtsbaum mit Äpfeln symbolisiert. Auf Darstellungen der Freuden des himmlischen Lebens halten Erlöste Äpfel in den Händen.11 Der Weihnachtsbaum ist ein Baum des Lichts. Er ist ein Himmlischer Baum, der in der Nacht leuchtet. Er stellt die Wiedergeburt dar, an dem jede Kerze bzw. jedes Licht eine Seele darstellt. Ein immergrüner Baum verkörpert immerwährendes Leben, unsterblichen Geist und Unsterblichkeit. Demgegenüber ist ein abgestorbener Baum das Sinnbild von Sünde, Tod und Vergänglichkeit.12

Der Mistelzweig ist geheimnisvoll, da er nicht aus der Erde herauswächst. Auch er ist immergrün. Wenn sich Feinde einander unter Menschen treffen, versöhnen sie sich.13

Christbaumkugeln stehen in enger Beziehung zur Apfelsymbolik. Die Glasbläser entwickelten die Kugelform aus kleinen Glasperlen und -früchten. Die perfekte Form steht für Vollkommenheit und Göttlichkeit. Im Reichsapfel findet sie sich als Zeichen für Macht; als Form ohne Anfang und Ende symbolisiert sie Ewigkeit.14

„Die Nuss vereinigt in ihrer Gestalt drei Substanzen: Leder (grüne Hülle), Schale und Kern. Die Hülle bedeutet das Fleisch, die Schale der Knochen, der Kern die Seele. Als Christussymbol bezeichnet die Hülle das Fleisch Christi, das die Bitterkeit der Passion gekostet hat, der Kern das süße Innere der Gottheit, die Nahrung spendet und durch ihr Öl das

Licht ermöglicht, die Schale das Holz des Kreuzes.“ Erläuterung von Augustinus.15

Geschenke: „Sie erinnern an die Gaben der Heiligen Drei Könige für das Kind, symbolisieren Nächstenliebe und Hingabe. Die Christen erinnert das Schenken zudem daran, dass die Geburt des Gottessohnes das größte denkbare Geschenk ist. Daran möchten sie andere symbolisch teilhaben lassen.

Die Geschenktradition ist aber nicht auf den christlichen Raum beschränkt. In die Zeit, in der wir heute Weihnachten feiern, fielen früher die römischen Saturnalien, ein Fest, bei dem Beamte und Sklaven mit Geschenken bedacht wurden., Auch die Wikinger bedachten im Mittwinter während der großen Fruchtbarkeitsfeiern, ihre Gefolgsleute für treue Dienste mit Geschenken.“16

„Das Austauschen von Geschenken zum Weihnachtsfest ist heute allgemein üblich. Der Brauch hat seinen Ursprung darin, dass Herrschaften, Stadtregierung und Klöster ihren Bediensteten, Bürgern und Insassen zu Weihnachten bestimmtes Gebäck geschenkt haben. Weihnachtssemmeln und Wecken, Honig-Lebkuchen wurden verteilt. Es entstanden landschaftlich verschiedne Figurengebäcke und Gebildebrote. Der Weihnachtsstollen, eine Dresdener Spezialität, wird erstmals im Jahre 1329 urkundlich erwähnt. Eine soziale Komponente der Weihnachtsgaben ist darin zu sehen, dass ursprünglich Jugendliche, Arme und Leute, im Winter ohne Einkommen waren, sich zu Weihnachten Gaben von Vermögenden erbitten konnten und zum Dank dafür Glückwünsche, Gesänge und Musik (>>Weihnachts-Anblasen<<, >>Kindlein-Anblasen<<) darbrachten.“17 Ähnlich wie Nüsse sind auch die Tannenzapfen ein Fruchtbarkeitszeichen. Gleichzeitig stehen sie für Jungfräulichkeit und damit auch für die Jungfrau Maria. Manchmal sehen sie aber eher wie Eiszapfen aus und symbolisieren so den Winter.

Der Symbolgehalt von Vögeln wird unterschiedlich interpretiert. Es kommt darauf an, um welche Art es sich handelt: Störche sind Frühlingsboten, Glücks- und Kinderbringer.

Käfigvögel symbolisieren Häuslichkeit, Tauben sind Friedensvögel und stehen für Vergeistigung. Eulen gelten als Zaubertiere und Symbole für Weisheit. Radschlagende Pfauen sagt man alle erdenklichen Zauberkräfte nach, ihr schillerndes Gefieder erinnert an die Pracht des Nachthimmels.

Fische sind aus vielerlei Gründen als Weihnachtsschmuck beliebt - sie sind alte Symbole für Wasser, Leben und Fruchtbarkeit, und sie erinnern an die biblische Geschichte: Christus speiste einst mit wenigen Fischen ganze Volksscharen. Für die Urchristen war der Fisch das Erkennungszeichen.18

Glückssymbole sind beliebte Objekte für den Baumbehang. Besonders nett sind die kleinen Marienkäfer. Ihnen sagt man schon immer eine himmlische Herkunft nach, was auch ihr anderer Name verrät: Herrgottskäfer. Sie bringen nach altem Glauben frohe Botschaften vom Himmel. Wer Geldbeutel an den Baum hängt, hofft natürlich auf finanziellen Segen.19 Herzen haben eine klare, einfache Botschaft. Sie sind eine Liebeserklärung an den Betrachter und symbolisieren Liebe, Lust, Freude und Lebenskraft.

Engel sind Boten Gottes. Sie sind die Mittler zwischen Gott und den Menschen, dem Himmel und dieser Welt. Fast alle Religionen kennen Engel, die zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre vermitteln. An Weihnachten bevölkern goldene und silberne Flügelwesen die Bäume; manche ähneln Feen, andere wirken ernst und mächtig. Sehr häufig thront ein Engel an der Spitze des Christbaums, denn Engel verkündigen nach der Bibel die Geburt des Heilands. Die bekanntesten Engelssymbole sind: flammende Schwerter, Trompeten, Zepter, Pilgerstab und -tasche, Turibula (Weihrauchfässer), Musikinstrumente und die Lielie.20 21

Aus Posaunen, den Instrumenten der Engel, wurden Trompeten für den Weihnachtsbaum. Da früher die Nachrichten auf dem Marktplatz verlesen wurden, nachdem die Boten die Menschen mit Trompetensignalen gerufen hatten, signalisieren sie auch gute Neuigkeiten. Außerdem erinnern sie an den alten Brauch, böse Geister mit Getöse auszutreiben. Sterne versinnbildlichen den Wissensschatz der Astrologie. Sie prangen am Baum als Symbole der Hoffnung auf ein gütiges Schicksal. Strohsterne erinnern daran, dass das Christkind auf Stroh in der Krippe lag. Der Stern auf der Spitze lässt an das Sternenwunder von Bethlehem denken.22

Das Wort Engel kommt vom griechischen Wort angelos, das "Bote" oder "Gesandter" bedeutet. Beide Worte werden in der Bibel sowohl für den gewöhnlichen menschlichen Boten, als auch für den himmlischen Götterboten verwendet.

Die Symbolik der Glocke bezieht sich auf die Tatsache ihres Klingens. Schon früh bediente man sich der Zymbeln, Schellen und Handklingeln. Große Glocken riefen die Menschen zum Gottesdienst.23

Glocken läuten zur Heiligen Nacht und begrüßen das Neue Jahr. Die erste Kirchenglocke hat in Europa wohl im sechsten Jahrhundert in Italien geläutet. Glocken rufen, jubeln und erinnern. Da sie vor Gefahren warnen, sind Glocken am Weihnachtsbaum auch als Unglücksverhüter gedacht. Am Heiligabend verkünden sie eine frohe Botschaft: Kommt zum Fest! Kommt zur Bescherung!24 25

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Ochse ist im Gegensatz zum Stier ein Symbol der Güte, Ruhe und friedlichen Kraft. „Das Bild des Ochsen bezeichnet die Kraft und die Macht, die Fähigkeit, geistige Fruchen zu ziehen, die die fruchtbaren Regengüsse des Himmels empfangen, während die Hörner seine bewahrende und unbesiegliche Stärke symbolisieren“ (PS.-Dionysius Areopagita)26

Der Esel wurde als edles, geschicktes und kluges, wenn auch geduldiges Tier betrachtet. Später wurde es zum Lasttier dekradiert. Auf frühen Sarkophagreliefs in Rom und Mailand tauchen Ochs und Esel als Attribute des Christuskindes and der Krippe auf. Auf Maria und Josef konnte man anscheinend verzichten. Das hat demnach eine tiefere Bedeutung als nur die des Hinweises auf die Stallatmosphäre. Diese Bedeutung wird mit dem Matthäusevangelium dahingehend erläutert, dass hier eine Erfüllung der Weissagung des Propheten Jesaja (1,3) vorliegt: „Der Ochse kennt seinen Herrn und der Esel die Krippe seines Herrn.“27

3. Der Weihnachtsfestkreis

Die Feier der Geburt Jesu Christ ist das Zentrum des Weihnachtsfestkreises. Diese Festzeit wird in drei Abschnitte unterteilt:

- In der vorbereitenden Adventzeit,
- In dem jüngeren, heute in der westlichen Christenheit vorherrschenden Weihnachtsfest vom 24. bis zum 26. Dezember und

In dem älteren Fest der Erscheinung mit den von diesem geprägten nachfolgenden Sonntagen bis hin zur zehnten Woche vor dem Osterfest. Das Erscheinungsfest (Epiphanias) wird hauptsächliche von der orthodoxen Christenheit gefeiert.28

3.1. Advent

Die Adventszeit ist seit Gregor dem Großen die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest. Schon in der Niederschrift des Konzils von Saragossa im Jahre 380 wurden die frühchristlichen Gläubigen angehalten, sich während des Advents (lateinisch „die Ankunft“) auf die Geburt Jesu Christi vorzubereiten.

Damals richtete man sich jedoch noch nicht am 24. Dezember als dem Tag der Geburt des Heilands aus, sondern am 6. Januar, dem Tag der Erscheinung des Herrn. Die Adventszeit beginnt mit dem 1. Sonntag nach dem 26. November, oder anders erklärt: Es ist der 4. Sonntag vor dem 25. Dezember. Die Adventzeit endet immer mit dem 25. Dezember und enthält somit die 4 Sonntage vor Weihnachten; mit dem 1. Adventssonntag beginnt das Kirchenjahr.

Thematisch sind die Adventssonntage in der Kirche wie folgt aufgebaut:

1. Adventsonntag: Die Texte im Gottesdienst sind geprägt von der Wiederkunft Christi am Letzten Tag.

2. und 3. Adventsonntag: Die Gestalt Johannes des Täufers steht im Mittelpunkt.

4. Adventsonntag: Gewidmet Maria, der Mutter Gottes.

Viele Bräuche während der Adventszeit zeugen von den mannigfaltigen Einflüssen, denen der Advent im Laufe der Zeit, durch regionale Eigenarten verstärkt, ausgesetzt war. Die Bräuche zu Nikolaus oder am Barbaratag, entstammen nicht nur christlicher Tradition, sondern in ihnen leben alte germanische Vorstellungen der Glaubenswelt unserer heidnischen Vorfahren fort.

Viele dieser alten Sitten haben das Licht, durch Kerzen und andere Feuer symbolisiert, zum Inhalt. Unsere Vorfahren liebten es, gerade in den Wintermonaten, wenn die Nächte immer länger wurden, zur Beschwörung und Abwehr „böser Kräfte“ Lichter an den verschiedensten Stellen im Hause anzuzünden.

Einer der jüngsten Adventsbräuche ist der Adventskranz. Er ist erst seit dem Ersten Weltkrieg in Deutschland zu Hause.

3.2. Beginn des Kirchenjahres

„Während sich das bürgerliche Jahr seinem Jahr seinem Ende zuneigt, beginnt mit dem 1. Adventsonntag das Kirchenjahr. Das Wiener Direktorium verweist auf den doppelten Charakter der Adventzeit: >>Sie ist einerseits Vorbereitungszeit auf die weihnachtlichen Hochfeste mit ihrem Gedächtnis des ersten Kommens des Gottessohnes zu den Menschen. Anderseits lenkt die Adventzeit…die Herzen hin zur Erwartung der zweiten Ankunft Christi am Ende der Zeiten.<<29

3.2.1. Martinstag

Der Martinstag wird am 11. November gefeiert.

Warum ich mit dem Martinstag beginne? Nun, der 11. November fällt zwar noch nicht in die Vorweihnachtszeit. Aber St. Martin ist bestimmt der rechte Begleiter auf dem Weg in den Advent. Er, der ehemalige Soldat, war ein Mann des Friedens und der Nächstenliebe. Er fand es nicht in Ordnung, dass er sich in einen Mantel hüllen konnte, während ein Bettler fror. Da teilte er den Mantel. Er teilte ihn mit dem Schwert, mit der Waffe, deren Aufgabe es ist, den Tod zu bringen. So zwang Martin auch sein Schwert, Gutes zu tun.

Ich finde deshalb, das wir am Martinstag damit beginnen dürfen, an Weihnachten zu denken, uns auf Weihnachten zu freuen.

Die Legende des Heiligen St. Martin:

Martin von Tours ( 316 - 398 ) in Ungarn geboren war Offizier des römischen Kaisers. Nach der Legende begegnete ihm in einer kalten Winternacht ein Bettler, der nur noch Lumpen auf dem Leib trug und vor Kälte wimmerte. Als Martin ihn sah, nahm er sein Schwert und schnitt damit seinen eigenen Mantel mitten durch. Die eine Hälfte gab er dem Armen, die andere Hälfte legte er sich selbst wieder um.

In der folgenden Nacht soll dem Martin Jesus Christus im Schlaf erschienen sein. Er soll jenes Mantelstück getragen haben, das Martin dem Bettler am Abend gegeben hatte. Matin ließ sich bald darauf im Alter von 18 Jahren taufen.

Mit 40 Jahren quittierte er seinen Dienst im Heer, wurde Missionar und wirkte seit 371 als Bischof von Tours.

Besonders auf dem Lande war früher der Martinstag von besonderer Wichtigkeit. An diesem Tage erhielten die Mägde und Knechte ihren Lohn, da jetzt die Ernte eingebracht und der Wein gekeltert war. Der Martinstag bedeutete somit den Abschluss eines Wirtschaftsjahres.

Gleichzeitig mussten aber auch die Abgaben an Zinsen und Pacht bezahlt werden. Viele Bauern leisteten ihre Abgaben nicht finanziell, sondern in Form von Landwirtschaftlichen Produkten, z.B. einer Kuh, einem Schwein oder einer Gans.

Weil die Gänse oft vorher geschlachtet wurden, um dem Gutsherren einen fetten Gänsebraten zu servieren wurden diese Gänse nach dem Namen des Tages, also Martinsgans genannt.30 In vielen Gegenden erhalten die Kinder auch heute noch kleine Geschenke zum Martinstag. Der Heilige St. Martin kommt z.B. in Franken als Pelzmärtel zu den Kindern. Auch spezielle Backwaren findet man zum Martinstag: z. B. Martinshörner, Martinsbrezel, Martinerle

Ein anderer Brauch am Vorabend mit der Laterne herumzuziehen und Laternenlieder zu singen ist weit verbreitet. In einigen Gegenden führt diesen Laternenzug ein Reiter als St. Martin an. Oft wird dann auch die Legende mit dem Bettler nachgespielt.

Hier ist die Geschichte vom heiligen Martin:

An einer Straßenecke kauerte ein Mann auf der kalten Erde; der hatte nur ein Tuch um die Lenden geschlungen, nichts sonst trug er im eisigen Wind. Der Mann streckte nicht wie andere Bettler eine zitternde Hand bittend aus, und auch seine Lippen bewegten sich nicht. Die Haut seines hageren Leibes war bläulich von der grausamen Kälte; wie ein Erfrorener saß der Mann da. Aber seine Augen schauten die vorüberhastenden Menschen genau an, und eine große Traurigkeit lag um Augen und Mund. Der Mann musste einmal sehr schön gewesen sein; jetzt durchfurchten viele Falten sein ganzes Gesicht. Schon lange saß der Mann still da und sagte kein Wort. Er sah nur auf die Menschen, die vorübereilten, und wartete auf ihre Hilfe. 'Viele Menschen sahen den Mann gar nicht an und gingen achtlos vorbei. Viele gab es auch, die sahen ihn, aber sie schämten sich vor den Leuten, sich niederzubeugen zu einem so Elenden und so gingen auch sie vorbei.

Da kam ein Mann auf einem Pferd daher. Der hielt sein Pferd an, spannte mit dem Arm seinen Mantel und schnitt ihn mit dem Schwert in zwei gleiche Teile. Er beugte sich vom Pferd herab und ließ eine Hälfte des Mantels behutsam zu dem Frierenden niedergleiten. Dann schlang der Reiter die andere Hälfte um seinen Leib und verschwand wortlos in der Menge. Dieser Reiter war Martin, den man später den heiligen Martin nannte. Mit seinem seltsamen Umhang kam er ins Lager der Soldaten zurück. Er wollte sich gleich schlafen legen. Niemand brauchte zu wissen, was er getan hatte. Aber er musste durch einen Raum gehen, in dem seine Kameraden bei Würfel- und Kartenspiel saßen. Alle waren ganz ins Spiel vertieft, und keiner bemerkte ihn. Aber als er gerade in den Schlafraum treten wollte, kam ihm ein anderer Soldat entgegen. "Ha", rief der, "schaut euch unseren stillen Martin an! Wo mag der wohl gewesen sein? Mit einem halben Mantel kommt der wieder!" Die Spieler blickten alle auf, sahen Martin in seinem halben Mantel und lachten ihn aus. Martin wollte den Kameraden nicht erzählen, was er getan hatte, aber sein Vorgesetzter befahl ihm zu sprechen. "Ich habe die Hälfte meines Mantels einem alten Mann gegeben. Es fror ihn so", sagte Martin nur. Für einen Augenblick verstummten die Soldaten, bis einer von ihnen rief: "Warum hast du nicht auch gleich dein Pferd halbiert, Martin?" Da brach ein wildes Gelächter unter den Soldaten aus, Martin wandte sich still ab. Aber sie spotteten weiter über ihn, und sie zupften und rissen an seinem Mantel und riefen: "Gib uns auch ein Stück von deinem Mantel! Uns ist auch so kalt!" Das Gelächter und Gespött scholl Martin noch lange nach.31

Religionspädagogische Überlegungen:

Das Symbol Mantel:

„Eine der zentralen Aussagen der Martinslegende ist die Mantelteilung. Dadurch, dass Martin nicht nur etwas hergibt, sondern dass er etwas das er am Körper trägt, teilt, wird er zu einem lebendigen Symbol des Teilens.

Der Mantel ist auch ein Sinnbild des Schutzes, und entwickelt sich deshalb schon sehr früh zu einem Herrschaftszeichen, woraus sich seine besondere Stellung als Schutzmantel im Rechtleben erklären lässt. Der Volksglaube im Mittelalter hebt den blauen Schutzmantel Mariens stark hervor, unter den sich alle Gläubigen symbolisch stellen können. Die Martinslegende bietet sich an, speziell mit dem Mantel neue Erfahrungen zu machen, durch verweisende Aussagen, biblische und kirchliche Bezüge, aber auch zeit- und religionsgeschichtliche Gegebenheiten.“32

Passend zum Symbol Mantel könnten die Kinder einen Mantel selbst herstellen. Dabei gestaltet jedes Kind einen Teil des Mantels. Entweder wird das Teil gewebt oder jedes Kind bekommt zur Gestaltung ein Stück weißen Stoff. Die fertigen Teile werden zusammengenäht. Der Mantel soll aus zwei Teilen bestehen und in der Mitte mit Druckknöpfen versehen werden, damit man ihn beim Martins-Spiel "teilen" kann.

In der Zeitschrift Kinder Missio habe ich auch ein passendes Theaterstück gefunden:

„Martins - Spiel“:33

Zwei Szenen aus dem Leben des Hl. Martin werden von den Kindern gespielt, die dritte gesprochen. Es können auch zu jeder Szene ein Bild gemalt werden und die Texte dazu mit verteilten Rollen vorgelesen werden.

1. Szene: Martins Jugend

Sprecher: Martin wird vor langer Zeit (im Jahr 316 nach Christus) in Ungarn geboren. Sein Vater ist Soldat in der Armee des römischen Kaisers. Deshalb wächst Martin in Italien auf (Pavia). Mit etwa 12 Jahren lernt er zum ersten Mal Christen kennen. Er möchte auch Christ werden und sich taufen lassen. Seine Eltern erlauben es aber nicht, Sie glauben an Jupiter, Mars und andere römische Götter.

Mit 15 Jahren soll Martin Soldat werden, und zwar ein Reiter der kaiserlichen Garde. Martin möchte nicht ~ und widerspricht seinem Vater, aber der bleibt hart.

Vater: So ein Unsinn, sich taufen zu lassen. Christ werden. Du wirst ein Diener von Mars, dem Kriegsgott. Schließlich haben wir dich nach ihm benannt: Martinus. Außerdem sind die Zeiten unruhig und der Kaiser braucht Soldaten. Mein Sohn ist kein Drückeberger! Martin: Ich will aber kein Soldat werden. Die Christen sagen: Du sollst nicht töten! Sie sagen, gut leben können wir nur, wenn wir uns gegenseitig achten und lieben. Vater: Pah, Liebe und so, du bist ein Mann, du wirst kämpfen. Du gehst in die kaiserliche Garde! Basta.

Sprecher: Und so wurde Martin Soldat -Reiter in der Garde des römischen Kaisers. Aus dieser Zeit wird von Martin berichtet, dass er ein sehr freundlicher Kamerad war, immer bereit, anderen zu helfen.

2. Szene: Die Mantelteilung am Stadttor von Amiens

Sprecher: Martin - er ist jetzt 18 Jahre alt -wird von der römischen Armee nach Frankreich, in die Stadt Amiens, geschickt.

Es ist Winter, ein sehr kalter Winter. Eines Abends kommt Martin mit einem anderen

Soldaten von einem Ausritt in die Stadt zurück. Vor dem Stadttor müssen sie kurz warten.

Soldat: He, Martin, weißt du noch, wie wir hier in der Stadt ankamen und alle Leute sich duckten, soviel Angst hatten sie vor uns, den besten Soldaten des Kaisers? - Pfui, immer diese Bettler. Sollen was arbeiten, dann brauchen sie nicht zu betteln. Schau dir den mal an: Der hat nicht einmal was Richtiges zum Anziehen! Selber schuld.

Martin: So kalt wie es ist, erfriert der noch in dieser Nacht, wenn niemand ihm hilft! Soldat: Na und, ein Bettler weniger. Wen stört das schon?

Martin: He, Torwache! Macht das Tor auf! (Zum Bettler) Komm mit in die Stadt, hier draußen erfrierst du ja bei diesem kalten Wind. (Er reißt seinen weiten Mantel durch und gibt dem Bettler eine Hälfte) Da hast du die Hälfte von meinem Mantel! Soldat: He, was machst du denn da. Bist du verrückt? Mit deinem halben Mantel siehst du total komisch aus. Heute Nacht wirst du aber frieren. Das ist doch deine Schlafdecke. Wenn das keinen Ärger gibt. ..

Sprecher: Es gab Ärger. Die Kameraden haben Martin wochenlang ausgelacht. Und er wurde bestraft, weil er den Mantel kaputt gemacht hatte - denn der Mantel gehörte dem Kaiser, wie alles in der römischen Armee. Und als Decke und Regenschutz war er jetzt auch nicht mehr richtig zu gebrauchen.

3. Szene: Martin wird Bischof

Sprecher: Noch zwei weitere Jahre bleibt Martin Soldat, dann verlässt er die Armee des Kaisers. Danach lebt er mit Freunden zusammen in einem Kloster, mitten in Frankreich.

Martin betet viel, predigt in den Dörfern und heilt Kranke. Die Menschen lieben ihn. Als der Bischof von Tours stirbt, wählen sie sich Martin als neuen Bischof.

Auch als Bischof bleibt Martin wie er war. Er trägt weiter seine Mönchskutte -und kein prächtiges Bischofsgewand. Er lebt meistens in seinem Kloster - nicht im Bischofspalast. Und er geht weiter zu den einfachen Leuten, zu den Armen, er redet mit ihnen und hilft ihnen, wo er kann. Weil er ein solches Leben geführt hat, haben ihn die Leute zum Bischofgewählt.

Zum Abschluss kann man mit den Kindern das Lied vom Sankt Martin singen.34

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weiters gibt es im Anhang (S.98) eine Klanggeschichte die man mit den Kindern machen könnte.

3.2.2. Barbara-Tag

Der 4. Dezember, der Tag der Heiligen Barbara, war schon vor Einführung des Christentums ein besonderer Tag: Frau Holle, Bertha, Perchta oder Holda oder andere verzauberte Gestalten ließen sich am Vorabend blicken und jagten den Menschen Furcht ein. In Oberfranken gab es in machen Orten noch bis vor wenigen Jahren die Bärbeli, mit Fetzen verkleidete Burschen, die junge Mädchen, die bei Eintritt der Dunkelheit noch nicht zu Hause waren, beschimpften und mit Ruten schlugen.

In Niederösterreich war die Barbaranacht die erste große Losnacht. Wer um Mitternacht an einer einsamen Kreuzung lauschte, konnte erfahren, was ihm im kommenden Jahr bevorstand. Orakeltag war der 4. Dezember seit jeher.

Früher war es üblich, dass man die Obst bäume mit Stroh umwand. Man erhoffte sich von diesem Brauch reichlicheren Fruchtsegen. Das Einströmen der neuen Säfte, so glaubte man, könne durch das Strohband vor der Einwirkung dunklen Zauber bewahrt werden.

Am bekanntesten aber ist die Sitte, am 4. Dezember die sogenannten Barbarazweige zu schneiden, ins Haus zu holen und in Wasser zu stellen. Sie sollen an Weihnachten blühen.

Meist sind es Kirschzweige. Aber auch Weichsel-, Apfel-, Birnen-, Zwetschgen-, Flieder- und Linden- und andere Zweige mit Blütenknospen eignen sich für dieses Vorhaben. Wem sie zu Weihnachten blühten, der durfte dies als ein glückbringendes Omen sehen. „Barbarabäume“ hießen die zu Weihnachten blühenden Zweige in den Alpen. In Niederösterreich wurde jedes Zweiglein mit Namenszettel der einzelnen Familienmitglieder versehen, damit jeder sein eigenes Glück voraussehen konnte. Bei jungen Mädchen verhieß ein üppig blühender Zweig baldige Heirat. Schon beim Schneiden der Zweige mussten in manchen Orten bestimmte Regeln beachtet werden. In Böhmen durfte man dabei nur mit einem Hemd bekleidet sein, und das Gesicht musste vom Baum oder Strauch abgewandt sein. Anderswo durfte das Schneiden nur während des Vesperläutens stattfinden. Apfel- oder Pflaumenzweige in voller Blüte verheißen gute Obsternte, die Haselnuss kann Glück und Reichtum bedeuten: Den Kelten galten Blüten und Früchte als Symbole der Klugheit, und in den Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, suchten Rutengänger mit Haselzweigen nach Gold- und Silberadern. Kastanien, die auch nach rigorosem Schnitt immer wieder austreiben, sollen Christi Auferstehung bedeuten, Quitten die Freuden und Leiden der Zweisamkeit: Die Blüten duften so wundervoll wie die Liebe, doch die Früchte haben trotz ihrer Süße einen bitteren Beigeschmack.

Der Brauch bekam in Verbindung mit dem Christfest einen neuen Sinn. Die knospenden und blühenden Zweige wurden zum Bild jenes „Reises auser Wurzel Jesse“, das nach der Prophezeiung des Jesajas Blüte bringt (11,1). Besungen wir es in dem Volkslied: „Es ist ein Ros entsprungen…“.35

„Jesajas Traum von einer besseren Welt“

Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften. Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land wird voll Erkenntnis des HERRN sein, wie Wasser das Meer bedeckt. (Jesaja 11,1-9)

Reichen Erntesegen verspricht der Barbaraweizen, den man am 4. Dezember in eine Schale sät, wenn er zu Weihnachten einen dichten sattgrünen Rasen bildet. Mit einem roten Band umwunden, schmückt die frisch aufgegangene Saat dann den Weihnachtstisch. Der Brauch kam nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Südosten Europas und erinnert an das Adonisgärtchen der Mittelmeerländer zu Ostern.

Nach einer anderen Überlieferung gehört diese Tellersaat zum Luzientag am 13. Dezember.

Dahinter steckt vermutlich eine Legende aus dem späten Mittelalter: Während der Flucht nach Ägypten lockte ein Bauer die Verfolger der heiligen Familie auf die falsche Fährte. Als diese ihn nämlich fragten, ob er die Flüchtlinge gesehen habe, erwiderte er so wahrheitsgemäß wie listig, dass sie ihm beim Säen seines Kornfelds begegnet seien. Doch inzwischen war ein Wunder geschehen, das Getreide stand prachtvoll im Halm und täuschte den Schergen des Herodes ein paar Monate vor, obwohl nur ein paar Minuten vergangen waren. Und so gaben sie die Verfolgung auf.

Die heilige Barbara gilt als eine der 14 Nothelferinnen. In der bildenden Kunst wird sie jeher mit dem dreifenstrigen Turm, mit dem Kelch oder der Hostie dargestellt. Sie ist die Patronin für alle Sterbenden, weil sie noch vor ihrem Tod darum gebetet haben soll, dass jeder Christ, der and die heilige Passion denkt und an ihre eigene Marter, beim Letzten Gericht verschont werden solle. Hostie und Kelch sind das Symbol für die heilige Eucharistie und die letzte Ölung und weisen als Attribut der Heiligen auf ihre Hilfsbereitschaft in der Sterbestunde hin. So wurde sie besonders in Pestzeiten verehrt.

Der Turm, in dem sie gefangen war, ließ sie zur Patronin der Baumeister Turmwächter, Bergleute, Feuerwehrleute, Glockengießer, Glöckner und Artilleristen werden.

Aus dieser Schutzherrschaft heraus ist mancher Brauchtum entstanden. So feuern die Artilleristen in Basel und St. Gallen in der Schweiz am 4. Dezember beim Barbaraschießen 22 Kanonenschüsse zu Ehren der Heiligen ab.

Bei den Bergleuten war der 4. Dezember früher Ruhe- und Feiertag, an dem man das Hochamt besuchte und ein festliches Mahl abhielt. Noch heute gibt es vorweihnachtliche Feiern bei den Bergleuten zu Ehren der heiligen Barbara.

Seit dem 14. Jahrhundert wird die heilige Barbara mit einer Krone dargestellt, die auf ihre vornehme Herkunft hinweisen soll. Oftmals sieht man sie auch mit einem ausgebreiteten Mantel. Wie eine Schutzmantelmadonna hütet sie dabei die ihr anvertrauten Gläubigen.36

Die Legende:

Barbara, die ganz besonders schön gewesen sein soll, wurde von ihrem Vater in einem Turm eingesperrt, um sie von jeder fremden Annäherung fernzuhalten. Das Mädchen jedoch, so wird erzählt, nahm heimlich Verbindung mit dem christlichen Theologen Origenes auf und ließ sich taufen. Als ihr heidnischer Vater eines Tages wieder einmal verreist war, veranlasste Barbara, dass in ihre Badestube ein dreigeteiltes Fenster gebaut wurde. Außerdem ritze sie an den Rand einer Marmorschale vier Kreuzchen. Als ihr Vater zurück kam, stellte er sie zur

Rede und fragte, was es mit dem Fenster und der Schale auf sich habe. Als sie ihm zur Antwort gab, dass sie das Kreuzchen zum Gedenken an den Kreuzestod Christi habe anbringen lassen und dass sie selbst Christin geworden sei, geriet dieser vor Zorn außer sich.

Er schleppte sie zum Richter, der Barbara - da sie sich nicht an Götzen glauben wollte - grausam foltern und schließlich im Jahr 306 enthaupten ließ.

Das Brauchtum mit den Barbarazweigen soll auf ihre Gefangenschaft zurückgehen. Hier hat sie einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt. In den letzten Tagen im Bewusstsein ihres Todesurteils fand sie Trost darin, dass der Zweig in ihrer Zelle blühte.37

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten38

"Heilige Barbara, du edle Braut, dir sei Leib und Seele anvertraut. Sowohl im Leben als auch im Tod, komm mir zur Hilfe in letzter Not. Mach´, dass ich vor meinem End, empfang das hochheilige Sakrament und von Gott die Gnad erwerb, dass ich in keiner Todsünd sterb´."

Am Barbaratag

Geh in den garten am Barbaratag.

Geh zum kahlen Kirschbaum und sag:

„Kurz ist der Tag, grau ist die Zeit.

Der Winter beginnt, der Frühling ist weit.

Doch in drei Wochen, da wird es geschehen:

Wir feiern ein Fest wie der Frühling so schön.

Baum, einen Zweig gib du mir von dir!

Ist er auch kahl, ich nehm’ ihn mit mir.

Und er wird blühen in leuchtender Pracht

mitten im Winter in der Heiligen Nacht.

Josef Guggenmos39

Religionspädagogische Überlegungen:

Dieser Barbarbrauch kann in der Klasse erlebbar gemacht werden. Die Kinder, die die Möglichkeit haben, sollen einen Zweig mitbringen. Alle Zweige werden zu einem Strauß zusammengefügt. Nun beginnt das Warten und Hoffen darauf, dass der Strauß mitten im Winter zu blühen beginnt.

3.2.3. Nikolaus

Nikolaus wird am 6. Dezember gefeiert.

Der echte Sankt Nikolaus lebte 340 nach Christus als Bischof im türkischen Myra. Er galt als barmherzig und sehr mildtätig: Alles, was er besaß und darüber hinaus noch erbetteln konnte, verschenkte er an Arme und an Kinder.

Ganze Kontinente, Asien, Europa und Amerika verehren den Bischof aus Myra. In den Ostländern tragen Tausende von Kirchen seinen Namen. In Europa war Nikolaus der am weitesten bekannte Heilige aller Zeiten. Sowohl die orthodoxe Kirche als die Lutherisch- evangelische und die Katholische verehren den Heiligen Nikolaus. Der Heilige einigte während der Religionskriege sogar die Kirchen. Als im Jahr 1054 der päpstliche Abgesandte die Exkommunizierung der Ost-Kirchen auf den Altar der Heiligen Sophia (heute Moschee) in Konstantinopel legte, kam es zur Kirchenspaltung, die orthodoxe Kirche entstand. Als dann im Jahr 1087 die katholische Kirche beschließt, die Gebeine des Heiligen Nikolaus nach Bari zu überführen, schließt sich die orthodoxe Kirche an.40

Die Gebeine des Heiligen Nikolaus

Kaum einer, der in Süditalien seinen Urlaub auf dem "Teutonengrill" verbringt weiß, dass hier bei Bari der Heilige Nikolaus, begraben liegt. Es begann im Jahr 1087, als einige Männer beschlossen, nach Myra (heute Türkei) zu reisen, um die Leiche des berühmten Heiligen zu rauben. Man wollte damit die reiche Kirche an Geld und Ansehen schädigen. Die Leiche wurde also aus der Kirchengruft gestohlen, der Schrein mit den Heiligenknochen an Bord eines Schiffes gebracht und nach Bari verfrachtet. Wie die Geschichte ausging, weiß man nicht genau. Fest steht jedenfalls, dass die heiligen Knochen da blieben und man alljährlich ein großes Kirchenfest zu Ehren des Heiligen feiert. So kann die Stadt gleich zweimal das Fest des Heiligen Nikolaus feiern, einmal am 8. Mai (Ankunftstag) und einmal am 6. Dezember (Todestag). Viele Tage vor dem Fest wird unter den Fischern ausgelost, welches Boot die Ehre hat, die Statue des Heiligen zu transportieren. Ab 11 Uhr morgens wird die Nikolausstatue auf einem reich geschmückten Fischerboot an der Küste vor Bari hin und her gefahren. Tausende von Pilgerbooten rudern hinaus, um den Heiligen zu ehren.

Was ist an den Gebeinen des Heiligen Nikolaus so wertvoll?

Am 8. Mai steigt der Abt des Klosters vom Heiligen Nikolaus, in die Gruft hinunter und lässt ein 80 cm langes Rohr durch eine Klappe in das ansonsten versiegelte Grab hinab. Mit diesem Rohr wird eine Flüssigkeit abgesaugt und in bereitstehende Ampullen gefüllt. Die Gläubigen verehren diese Flüssigkeit als "Manna" des Heiligen Nikolaus. Wissenschaftlich gibt es dafür keine Erklärung. Man weiß nicht, wie sich in einem vollkommen trockenen Raum Flüssigkeit bilden kann. Im Laufe der Jahrhunderte sind Tausende Menschen, die sich mit dieser

Flüssigkeit bestrichen, von schwersten Krankheiten geheilt worden. Das ist belegt! Noch immer bewahren die Mönche in Ampullen das "Manna" wie einen Schatz auf und bringen es den Kranken. Moderne Analysen zeigen, dass dieses "Manna" vor allem aus Wasser besteht und nichts mit dem Manna zu tun hat, welches Gott den Juden einst in der Wüste zukommen ließ.

Noch in der Biedermeierzeit war Nikolaus der Gabenbringer, zu dessen Namensfest (fallweise am Christtag oder in der Neujahrsnacht) die Bescherung stattfand.

Selbst während der Reformation gelingt es den lutherischen und calvinistischen Kirchen nicht, den Nikolauskult auszurotten. Die Ablehnung der Heiligenverehrung stellt ja einen wichtigen Punkt in der Kirchenreform Luthers.

Nach seinem Tod (an einem 6. Dezember) lebte er in vielen Legenden weiter.41

Grab des Hl. Nikolaus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten42

Legenden über Nikolaus

Eine aus dem 9. Jahrhundert erzählt beispielsweise von einem gottesfürchtigen Mann, der so arm war, dass er seinen drei Töchtern keine Aussteuer geben konnte. In seiner Verzweiflung wusste er keinen anderen Rat, als die Mädchen "zu Liebesdiensten auf die Straße zu schicken". Um dies zu verhindern, warf Sankt Nikolaus drei Klumpen Gold durch den Kamin der Familie. Sie fielen direkt in die zum Trocknen aufgehängten Socken. Daher stammt der Brauch, am Vorabend des 6. Dezember möglichst große Schuhe vor die Tür zu stellen... Eine andere erzählt, dass der Heilige Nikolaus einst die Stadt Myra vor einer Hungersnot und noch Schlimmeren bewahrte. Seeräuber waren aufgetaucht und hatten alle Getreideschiffe gekapert. Da die Stadt nicht genug Lösegeld aufbringen konnte, verlangten die Seeräuber die Kinder der Stadt als Sklaven. Nikolaus opferte den gesamten Kirchenschatz und die Seeräuber zogen zufrieden ab.43

Nach einer anderen Legende hat der Hl. Nikolaus drei Schüler, die ein geiziger und geldgieriger Wirt erschlagen, zerstückelt, und in ein Fass gestopft hat, wieder zusammengesetzt und ihnen das Leben wiedergegeben. „Daher wurde der Hl. Nikolaus als Patron der Kinder und Schüler und als Gabenbringer verehrt. Am Tag der Unschuldigen Kinder (28. Dez.) wurde im Mittelalter in Klosterschulen ein Schulfest gefeiert. Ein Schüler wurde zum Bischof oder Abt gewählt und durfte an diesem Tag in bischöflicher Kleidung den Bischof spielen. Er belohnte die Guten und bestrafte die Bösen. Dieses „Kinderbischofsspiel“ wurde zum Darstellungsspiel umfunktioniert. D.h. der Nikolaus kommt und hält Gericht über die Kleinen. Das Vorbild aller Darstellungsspiele ist das Passions- und Osterspiel der

Osternacht.In Holland wird der Hl. Nikolaus (Sinterklas) auch als Schutzpatron der Schiffer verehrt.44

Nikolaus gilt sonst seit jeher als Schutzpatron der Kinder. Brave und fleißige belohnt er, faule lässt er von einem Gehilfen bestrafen: von Knecht Ruprecht auch Hanstrapp, Pelzmärtl, Hans Muff, Krampus oder Klaubauf genannt. Ein finsterer Typ in schwarzen Lumpen, mit schweren Ketten und großem Sack, in den er die ganz bösen Kinder packt und mitnimmt. Doch gilt er nicht überall als übler Bursche. In manchen Regionen, in Sachsen zum Beispiel, brachte Knecht Ruprecht die Weihnachtsgeschenke.

Martin Luther war es, der den Nikolaus fast arbeitslos machte. Im 16. Jahrhundert wetterte der Kirchenreformator gegen die Verehrung von Heiligen und lehnte Sankt Nikolaus als einen Gabenbringer ab. Statt dessen machte er den Geburtstag des Herrn zum Gabentag: den Heiligen Abend. Und ließ das Christkind die Geschenke bringen. Der heilige Nikolaus darf seither eigentlich nur noch an seinem Todestag die Socken und Schuhe füllen.45

„Knecht Ruprecht“46

von Theodor Storm

Von drauß vom Walde komm ich her;

ich muß Euch sagen es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen

sah ich goldene Lichtlein blitzen;

und droben aus dem Himmelstor

Sah mit großen Augen das Christkind hervor.

und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,

da rief's mich mit heller Stimme an:

Knecht Ruprecht, rief es alter Gesell,

hebe die Beine und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,

das Himmelstor ist aufgetan,

Alt’ und Junge sollen nun

von der Jagd des Lebens einmal ruhn.

Und morgen flieg ich hinab zur Erden,

denn es soll wieder Weihnachten werden!

So geh denn rasch von Haus zu Haus.

such mir die guten Kinder aus,

damit ich ihrer mag gedenken

mit schönen Sachen sie mag beschenken.

Ich sprach: O lieber Herre Christ,

Meine Reise fast zu Ende ist.

Ich soll nur noch in diese Stadt,

Wo's eitel gute Kinder hat.

Hast denn das Säcklein auch bei dir?

Ich sprach: Das Säcklein, das ist hier,

Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern

Essen fromme Kinder gern.

Hast denn die Rute auch bei dir?

Ich sprach: die Rute die ist hier.

Doch für die Kinder, nur die schlechten,

die trifft sie auf den Teil, den rechten.

Christkindlein sprach: So ist es recht.

So geh mit Gott, mein treuer Knecht!

Von drauß, vom Walde komm ich her,

Ich muß euch sagen es weihnachtet sehr!

Nun sprecht wie ich's hierinnen find:

sind's gute Kind., sind's böse Kind?

Religionspädagogische Überlegungen:

Die Gestalt des Hl. Nikolaus wird oft als Erziehungsstütze missbraucht. „Der Streich mit der Rute - vom Nikolaus oder vom Krampus bedeutet keine Strafe, sondern Segen. Die Rute ist das lebendige Reis, dessen Berührung Fruchtbarkeit verheißt. Zur strengen und drohenden Rute ist der Zweig erst im Lauf der Zeit geworden, als man den alten Sinn völlig vergessen hatte und das Bestrafen der Kinder eine größere Rolle spielte. (Es ist aber ein heidnischer Brauch.)“47 Vielmehr war aber der heilige Nikolaus kein strenger, sondern ein gütiger und liebevoller Mensch.

Die Geschenke sind nicht das Wichtigste. Die Kleinigkeiten die verschenkt werden, sollen vielmehr Freude bereiten. Dieses Fest soll uns daran erinnern, wie wichtig es ist aufeinander zu schauen, einander zu helfen und Freude zu bereiten.

Es kann vorkommen das einige Kinder Angst vor dem Heiligen Nikolaus haben. Hier könnte man die Kinder Bilder zum Thema Nikolaus malen lassen. Diese werden dann anschließend miteinander besprochen. Wichtig ist hier ein offenes Ohr für die Kinder, ob sie Ängste in Bezug auf die Gestalt des Nikolaus haben. Hier kann die Aufklärung sehr wichtig sein, um bei den Kindern Alpträume, Angst vor der Dunkelheit, Schlaflosigkeit und ähnliches zu vermeiden, die durch Ängste vor Nikolaus und Krampus entstehen können.

Wenn man als LehrerIn merkt, dass ein Kind dahin gehend Ängste zeigt, sollte man die Eltern einbeziehen. Man kann die Eltern zum Nikolausfest einladen, wo sie eine Aufklärung über den wahren Nikolaus erfahren und vielleicht den Nikolaus nicht mehr als Erziehungsmittel einsetzen.

3.2.4. Das Weihnachtsfest

„ >>Ze den wihen nachten<< wurde diese Festzeit in der mittelhochdeutschen Sprache also im 12. bis 14. Jahrhundert genannt. >>Wihen<< bedeutet >>geweiht<<, >>heilig<<. Heute noch spricht man von der >>Heiligen Nacht<< und dem >>Heiligen Abend<<, mit dem am 24. Dezember das Weihnachtsfest eröffnet wird. >>Weihnachten<< ist der volkstümliche Name dieses Festes. Im kirchlichen Sprachgebrauch wird es >>Christfest<< genannt (ev.), bzw. in feierlichem liturgischen Ton das >>Hochfest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus<< (kath.), um den Sinn und Inhalt des Festes deutlicher herauszustellen.“48

Die Bezeichnungen „Weihnachten“ und „Heilige Nacht“ zeigen die Bedeutung dieser Nacht. Die Besonderheit liegt darin, dass sie die längste Nacht im Kreislauf des Sonnjahres ist. Es wurde als gefährliche und anstrengende Zeit empfunden. Deswegen hatte dieser Wendepunkt zur aufsteigenden Sonne schon in vorchristlicher Zeit eine große religiöse Bedeutung. Der Termin des Festes hängt also vom Sonnenjahr ab.

In vorchristlicher Zeit lag hier ein göttliches Siegesfest, an welchem der Sieg des Lichtes, des unbesiegbaren Lichtgottes, über die Macht der Finsternis, der Kälte und Leblosigkeit gefeiert wurde. Im Zeitalter der christlichen Religion hat Weihnachten den Platz dieses Festes eingenommen als das Fest der Geburt Jesu Christi.49

Im 4. Jahrhundert hatte das Christentum in Rom sich über das Heidentum durchgesetzt.

„Durch das Geburtsfest des Herrschers (Herrn) Jesus Christus“ (Dies natalies - nativitatis - Domini) sollte das heidnische Hochfest des Sonnengottes verblassen. In den romanischen Ländern klingt der ursprüngliche Name in den landessprachlichen Bezeichnungen Natall, Natal, Noël usw. noch an.

Im germanischen Niorden verschob sich der Sinn des festes. Zuerst feierte man die Geburt eines Kindes das Gott war, es wurde der Akzent auf das Göttliche gelegt, später verlagerte man ihn auf das Menschliche durch die Umkehrung der Aussage: Gott ist in diesem Kind Mensch geworden. Und dabei konzentrierte sich die Volksfrömmigkeit immer mehr auf das Jesus kind.50

Der christliche Sinn des Brauches

1) Die das Gute belohnende und das Böse bestrafende Bischofsfigur erfüllt einmal eine erzieherische Aufgabe.
2) Im Herabsteigen des Heiligen vom Himmel zur Erde äußert sich der Glaube an die Menschenfreundlichkeit Gottes und die Wirkmächtigkeit der himmlischen Fürbitter.51

Die Weihnachtsgeschichte (Lukasevangelium, Kapitel 2,1 - 20 )

Die Geschichte von der Geburt Jesu in der Bibel Die Geburt Jesu.

In jenen Tagen geschah es, dass vom Kaiser Augustus ein Befehl ausging, dass der gesamte Erdkreis aufgezeichnet werde. Diese erste Aufzeichnung geschah, als Quirinius Statthalter von Syrien war. Alle gingen hin, sich eintragen zu lassen, ein jeder in seine Stadt. Auch Joseph zog von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt - weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, um sich eintragen zu lassen zusammen mit Maria, seiner Verlobten, die gesegneten Leibes war. Während sie dort waren, geschah es, dass sich die Tage erfüllten, da sie gebären sollte, und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, hüllte ihn Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil nicht Platz für sie war in der Herberge.

Offenbarung an die Hirten

In der selben Gegend waren Hirten auf freiem Felde und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen, und es umstrahlte sie die Herrlichkeit des Herrn, und sie fürchteten sich sehr. Der Engel aber sprach zu ihnen: "fürchtet euch nicht! denn seht ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volke zuteil werden soll: Euch wurde heute in der Stadt Davids ein Retter geboren, der ist Messias und Herr. Und dies soll euch zum Zeichen sein: Ihr werdet ein Kindlein finden, in Windeln eingehüllt und in einer Krippe liegend!" Und auf einmal erschien mit dem Engel eine große Schar des himmlischen Heeres, die Gott priesen mit den Worten: "Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden unter Menschen eines guten Willens!"

Und es geschah, als die Engel von ihnen weg zum Himmel entschwanden, sagten die Hirten zueinander: "lasst uns hinübergehen nach Bethlehem und schauen, was da geschehen ist, von dem der Herr uns Kunde gab!" Und sie gingen eilends und fanden Maria und Joseph und das Kind , das in der Krippe lag. Als sie es sahen, berichteten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, wunderten sich über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. Maria behielt alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. Die Hirten aber kehrten zurück und priesen und lobten Gott, für all das, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.

3.2.5. Stephanus - 26. Dezember

Der heilige Stephan gilt als erster Märtyrer, als "Erzmärtyrer" des Christentums. Er wurde von missliebigen Landsleuten aus der Stadt Jerusalem getrieben und gesteinigt, weil er sich zum christlichen Glauben bekannte. So berichtet es die Bibel. Einer der Rädelsführer war übrigens der spätere Apostel und Kirchenfürst Paulus, damals freilich noch ein "Saulus". Dieses blutigen Ereignisses wird am "Stephanitag" gedacht.

3.2.6. Apostel und Evangelist Johannes - 27. Dezember

Dieser Tag ist dem Apostel Johannes gewidmet, der als Verfasser des Johannes-Evangeliums, der Johannes - Briefe und der Offenbarung gegolten hat. Dieser Gedenktag ist bereits im 4. Jahrhundert bezeugt. Mit ihm verbunden ist die Umformung eines vorchristlichen Volksbrauches, der an die in der Antike üblichen Trankopfer zu Ehren der Götter anknüpft. Am Tag des Apostels und Evangelisten Johannes kann in katholischen Kirchen der sog. Johanniswein gesegnet werden. Das Buch der Segnungen (Benediktionale)erklärt zur Begründung dieses Brauches: „Die Legende berichtet vom Apostel Johannes, er habe einen Becher vergifteten Weins gesegnet und so vom Gift befreit. Der Johanniswein erinnert uns an das Gebot argloser Liebe, das dieser Apostel besonders geprägt hat.52

3.2.7. Silvester, Altjahrsabend - 31. Dezember

Silvester ist heute der eigentliche Tag des Jahresendbrauchtums. Dieser Tag gedenkt des bekanntesten Papstes, der seine Popularität aber nicht selbst verdient, sondern dadurch geschenkt bekommen hat, dass er am 31. Dezember 335 verstarb und dieser Tag seit dem 17.

Jahrhundert als letzter Jahrestag gefeiert wird. Silvester war von 314 bis 335 Papst. In seine Zeit fällt die epochale Veränderung im Verhältnis von römischem Staat und christlicher Kirche unter Kaiser Konstantin I. (306 - 337), der dem Papst gegenüber dominierte. Zur Zeit des Papstes Silvester fand das Konzil von Nicäa (325) statt, wo - gegen Arius - die Gottheit Christi im Sinne der Wesensgleichheit mit dem Vater definiert wurde. In seine Regierungszeit fällt auch die Errichtung der drei großen römischen Basiliken: St. Johann im Lateran, St. Peter im Vatikan und St. Paul vor den Mauern.53

Das Silvesteressen im Kreis der Familie und Freunde bildet sichtbar den geschlossenen magischen Kreis, der für keinen Dämon aufzubrechen ist. Gemeinsam Altes zu beenden und Neues zu beginnen wirkt gemeinschaftsstabilisierend. Traditionell ist die Erbsensuppe das Silvestergericht. So zahlreich und schmackhaft wie Erbsen sollen Geld und Wohlstand im neuen Jahr im Haus sein. Symbolischen Charakter hat auch das Fischessen zu Neujahr. Der Neujahrsfisch wurde als Symbol für Fruchtbarkeit, Fülle und Vermehrung verspeist, weil man glaubte, dass alles, was an Neujahr geschah, den Rest des Jahres bestimmte. Hier drückt das Fischessen Hoffnung auf Erfolg und Gewinn aus. Verschiedentlich wurde gemeinsam das Silvesterkönigspiel vollzogen, das dem Dreikönigsspiel vom „Bohnenkönig" entsprach. Gutjahrsessen nannten sich zwei unterschiedliche Bräu-che: Bei dem einen richtet die Zukünftige für die Freunde und Kollegen ihres Zukünftigen ein Essen aus. Das bedeutete einerseits Training in Sachen Gastlichkeit (heute: „learning by doing"), bot andererseits aber auch die willkommene Gelegenheit, unbeobachtet und unter Seinesgleichen zu sein. In Südwestdeutschland wurde mit dem gleichen Begriff das gemeinsame festliche Silvesteressen der Familie mit allen Kindern und Kindeskindern und angeheirateten Partnern bezeichnet. Als Nachspeise gibt es dabei den Gutjahrsring, ein Hefegebäck, das - verziert mit Fruchtbarkeits- und Glückssymbolen - mit vielen Rosinen und anderen leckeren Zutaten hergestellt wurde. Silvester galt als Bechtelitag, d.h. der Tag, an dem Knechte und Mägde den Arbeitgeber wechselten. Auf dem Hof gab es deshalb ein Abschiedsessen, das Bechtelsmahl. Der Begriff „Bechteln" bezeichnet jene Feiern, die durch junge Frauen und Männer vorbereitet und gefeiert wurden. Auch zu Hause wurde zu Silvester/Neujahr und Dreikönige gebechtelt, denn der Hausherr spendierte für Familie und Personal ein Festessen, bei dem man - dort, wo man sich das leisten konnte - auch vom neuen Wein kredenzte. Dem festlichen Essen voraus ging in der Regel ein Silvestergottesdienst, die Jahresabschlussmesse, bei der der Pfarrer die Silvesterpredigt hielt, die ihm Gelegenheit zu einer grundsätzlichen, das letzte Jahr und die bevorstehende Ewigkeit bedenkenden Predigt gab.

Kurz vor 24 Uhr an Silvester steigt man auf einen Stuhl, um pünktlich mit dem ersten Glockenschlag „ins Glück zu springen". Der „Sprung ins Glück" oder „Neujahrssprung" deutet symbolhaft den Ausstieg aus dem alten Jahr an und akzentuiert gleichzeitig den aktiven Beginn des neuen Jahres. Wohl kein Zusammenhang besteht zwischen dem Sprung ins Glück und dem Silvester- bzw. Neujahrswunsch „Guten Rutsch". Es wird vermutet, dass sich dieser Wunsch von der jüdischen Bezeichnung für Neujahr (Rosch Ha-Schana) herleitet.54

3.2.8. Neujahr - 1. Januar

Im 6. Jahrhundert hatte sich in Gallien und Spanien ein „Fest der Beschneidung des Herrn" am 1. Januar ausgebildet, das Bezug nahm auf die Angabe bei Lk 2, 21: „Als acht Tage vergangen waren und das Kind beschnitten werden sollte, erhielt das Kind den Namen Jesus, wie der Engel es genannt hatte, noch bevor es im Mutterschoß empfangen war." Wenn man den 25. Dezember mitzählt, ist der achte Tag der 1. Januar. Rom übernahm dieses Fest im 9. Jahrhundert und verdrängte dafür ein Marienfest. Das Fest der Beschneidung des Herrn oder lat. „In Circumcisione Domini" wurde mit der Liturgiereform 1969 aufgegeben. Zurückgegriffen wurde für den 1. Januar wieder auf das alte römische Erbe. Der Tag nennt sich heute „Hochfest der Gottesmutter Maria und des Namens Jesu".

Neujahr als Datum des Beginns eines neuen Jahres ist kein kirchliches Fest. Martin Luther hat sich gegen die kirchliche Begehung als Neujahr gesträubt und gefordert, man solle sich an die alte kirchliche Sinndeutung dieses Tages halten und über die Beschneidung Christi und den Namen Jesu predigen. Trotzdem werden heutzutage in den Kirchen Gottesdienste gehalten, die auf den Jahresbeginn ausgerichtet sind.55

Bräuche an diesem Tag:

Wünsche nach Glück und Gutem, Glückwünsche eben, kann man vielfältig ausdrücken:

mündlich, schriftlich, symbolisch. Gutes und gutes Glück - Glück bezeichnet ursprünglich nur „Schicksal", „Geschick" und deshalb musste man zwischen gutem oder bösem Glück unterschieden - konnte man hintragen und aussprechen oder in schriftlicher Form hintragen lassen. Was Glück ist, lässt sich nicht eindeutig und für immer definieren. Was als Glück empfunden wird, ist abhängig vom Empfänger und seinen Rahmenbedingungen. Wann was wem wie lange als Glück erscheint, lässt sich somit trefflich diskutieren. Einigkeit lässt sich nur darin erzielen, dass Glück kein Dauergast ist; wäre das Glück für jemanden von Dauer Gast, wäre es nicht nur unmenschlich, sondern würde als Normalzustand und damit nicht mehr als Glück empfunden. Glück ist säkularisierte Gnade, ein ungeschuldeter und ersehnter Zustand, der mir mehr bringt, als ich eigentlich verdient habe. Es ist nur natürlich, dass sich die Menschen immer nach diesem Übernatürlichen sehnen. Glücksbringer sollen dem ersehnten Glück nachhelfen. Glück wird beschworen durch symbolische Gaben, durch das Verschenken von Glücksbringern oder Glückssymbolen, die das Geld anlocken sollen wie z. B. Fischschuppen oder Glückspfennige im Portemonnaie. In Verbindung mit Neujahr gibt es zahlreiche Glücksymbole: Glücksklee, Glücksschwein, Hufeisen, Schornsteinfeger.

Als Glücksklee gilt das vierblättrige Kleeblatt. Da nach einem Sprichwort der Deuvel bekanntlich nitt op die kleenen Hauffen schitt, besteht die durch das Glücksklee ausgedrückte Hoffnung darin, dass Seltenes nicht alleine bleibt, sondern andere Seltenheiten anzieht. Wie die eine Fischschuppe (als Symbol für Geld) im Portemonnaie den „pars pro toto"-Wunsch ausdrückt, nämlich von dem einen Beispiel möglichst viel zu erhalten, versteht sich der Glückspfennig: Er soll möglichst viele seiner „Artgenossen" anlocken. Das Glücksschwein wird oft auf den wilden Eber, das den Germanen heilige Opfertier, bezogen. Dies scheint falsch zu sein. Das unverdiente Glück, das durch das Glücksschwein ausgedrückt wird, stammt möglicherweise von einem alten Kartenspiel her: Hier wurde das As „Sau" genannt und diese war auch auf der Karte abgebildet. Eine andere, ebenfalls nicht unwahrscheinliche Deutung bezieht sich auf den alten Brauch, bei Wettspielen und Schützenfesten neben der Auszeichnung der Besten auch dem Letzten und Schlechtesten einen ironisch verstandenen Trostpreis zukommen zu lassen. In der Regel war das ein Schwein, das er unter dem Hohn und Spott seiner lieben Mitmenschen durch das Dorf nach Hause treiben musste. Dieser Vorgang dürfte im übrigen die Vorlage für den heute nur im übertragenen Sinn verstandenen Spruch hergeben, wonach jemand die Sau durch das Dorf getrieben habe. Im Zusammenhang mit Neujahr findet sich das Glücksschwein heute meist auf Abbildungen, in vielen Fällen wird es aber auch symbolisch als Marzipanschweinchen verschenkt. Der Schornsteinfeger, der übrigens nicht nur zu Neujahr als Glücksbringer gilt, ist nur da nötig, wo der Schornstein (schon) raucht. Man sieht ihn gerne, weil sein Erscheinen auf den Wohlstand der Besuchten schließen lässt. Ein anderer Grund für die Deutung des Schornsteinfegers als Glücksbringer liegt darin, dass früher die Schornsteinfegergesellen zu Neujahr die Jahresrechnung in den Häusern einkassierten und unter Glückwünschen Gaben für sich sammelten. Sie überreichten dabei bis in die jüngste Zeit ein Kalenderblatt, das einen Glückwunsch enthielt. So waren die Schornsteinfeger die ersten Neujahrsgratulanten. Aus dem Rückschluss, dass dort, wo der Schornsteinfeger - auch nur symbolisch als Geschenkebringer - auftaucht, er auch Glück bringt, wird er zum Glücksbringer.56

3.2.9. Dreikönig - Epiphanie: 6. Januar

„Wir haben seinen Sterne gesehen” - Heiden entdecken den Messias

nach Dr.theol. Manfred Becker-Huberti

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten57

Im Rahmen der Geburtserzählung berichtet der Evangelist Matthäus (2, 1 - 16), und nur er, von Magiern - ohne eine Anzahl anzugeben - (gr. mágoi; im engeren Sinn Angehörige der medischpersischen Priesterkaste; im weiteren Sinne Astrologen, Traum-, Orakeldeuter, Seher), die einen „Stern" („Stern von Bethlehem") gesehen haben, dem sie über Jerusalem bis zum Geburtsort Christi gefolgt sind. Herkunft und Namen der Magier werden nicht genannt. Anhand der drei symbolischen Geschenke - Gold, Weihrauch und Myrrhe - wurde schon von Origines (um 185 - 254) die Dreizahl der Magier angenommen, was bald Allgemeingut wurde. Tertullian (um 160 - 220) verweist auf Jes 60, 3 und Ps 72, 10: „Könige von Tarschisch, Saba und Scheba bringen Geschenke". Spätestens seit Caesarius von Arles (469 - 542) sind die drei Magier zu Königen geworden. Als letztes bilden sich für die drei Könige Namen aus. Die „Legenda aurea" nennt noch die angeblich hebräischen Namen „Appelius, Amerius, Damscus" und die angeblich griechischen "Galgalat, Balthasar, Melchior". Aber schon das berühmte Mosaik aus dem 6. Jahrhundert in Ravenna (S.Apollinare Nuovo) listet auf: Der Älteste heißt Caspar, der mittlere Balthasar, der jüngste Melchior. Keiner der drei hatte zu diesem Zeitpunkt eine schwarze Hautfarbe. Seit dem 9. Jahrhundert sind Caspar (persisch: Schatzmeister), Melchior (= Gottesschutz) und Balthasar (= Lichtkönig) üblich.

Einer davon, zunächst überwiegend Kaspar, dann aber Melchior, galt als „Mohr" und Vornehmster der Drei. Seit Beda Venerabilis (674 - 735) repräsentieren die Dreikönige die drei Lebensalter: Jüngling, Mann "in den besten Jahren" und Greis. Die Dreikönige versinnbildlichen darüber hinaus die drei damals bekannten Kontinente: Asien, Europa und Afrika. Über den weiteren Lebensweg der Dreikönige erzählen die Apokryphen. Das ProtoEvangelium des Thomas (6. Jh.) berichtet von ihrer Taufe. Sie sollen später zu Priestern und Bischöfen geweiht worden sein und - nach einer gemeinsamen Weihnachtsfeier - seien alle drei kurz nach 53 hintereinander gestorben.

Die Reliquien der Dreikönige sollen durch Kaiserin Helena (+ 330), Mutter des ersten christlichen römischen Kaisers Konstantin (um 280 - 337), aufgefunden worden sein. Sie gelangten nach Konstantinopel und wurden von dort durch Bischof Eustorgius I. im 4.

Jahrhundert nach Mailand gebracht. Sie ruhten in einem großen römischen Sarkophag in San Eustorgio. Als Kaiser Friedrich Barbarossa 1162 Mailand eroberte und zerstörte, bemächtigte er sich auch der Reliquien der Stadt. Die Reliquien der hl. Dreikönige überließ er seinem Kanzler, dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel (1159 - 1167), der sie am 23. Juli 1164 (Fest der Translation) feierlich in die Stadt Köln überführte. Hier wurde 1180 - 1225 durch den „Meister von Verdun" für die Reliquien ein kostbarer Reliquienschrein, der aus der Kombination von drei Schreinen bestehende „Dreikönigsschrein", angefertigt, der größte erhaltene des gesamten Mittelalters. Er wurde Anlass zum Bau der Kölner gotischen Kathedrale, für die 1248 der Grundstein gelegt wurde. Um 1200 trennte man bei den Reliquien die Häupter ohne Unterkiefer ab und stellte sie gekrönt auf einem sogenannten Häupterbrett aus. 1904 wurde ein Teil der Reliquien vom Erzbistum Köln an Mailand zurückgegeben. Dort werden sie in einer Urne unter dem Altar von S. Eustorgio verehrt.

Die hl. Dreikönige galten als Reichsheilige, waren den deutschen Königen und Kaiser Vorbild und Fürbitter, weshalb sie nach ihrer Krönung in Aachen nach Köln zogen, zum Gebet vor dem Dreikönigsschrein. Die „Realpräsenz" von königlichen Heiligen, die als erste Heiden Christus selbst in der Krippe gesehen und angebetet haben, darf für mittelalterliche Menschen nicht unterschätzt werden. Den Heiligen wurden starke Schutzkräfte zugesprochen: Sie helfen gegen Schicksalsschläge, sie wenden alles Böse von Mensch, Vieh und Haus. Die Bedeutung spiegelt sich bis heute in ihrem überaus kostbaren Reliquienschrein, in der für diesen Schrein gebauten Kathedrale, dem Kölner Dom als „Nonplusultra" der Gotik, dem Wappen der Stadt Köln usw. Bis heute haben zahlreiche Gaststätten nicht nur im Rheinland Namen, die daran erinnern, dass Pilger an ihnen vorbei auf dem Weg nach Köln gezogen sind: Stern, Mohr, Dreikönige ...

Der Dreikönigstag (auch: Groß-Neujahr genannt, weil der Termin zeitweise auch als Jahresanfang galt) galt als Perchtentag, an ihm enden die Rauhnächte, die gefürchteten Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönige; die Nacht vom 5. auf den 6. Januar ist die schlimmste und gefährlichste der Rauhnächte, die Oberstnacht. An diesem Tag wurde das - ursprünglich apotropäische - Türkreuz angebracht, das im Segenszeichen der Sternsinger (z.B.: 19*C+M+B*98) aufging.

Die heiligen Dreikönige waren natürlich auch Gegenstand der Weihnachtskrippe und des Krippenspiels. Als letzteres aus dem Kirchenraum „auswanderte" (richtig hieße es:

ausgewandert wurde) und in Puppentheatern (Hänneschen-Theater) heimisch wurde, gerierte Caspar zum Kasperle.

Die Frage der „Echtheit" der Reliquien und des "Beweises" der Echtheit ist eine moderne Fragestellung. So wenig wie sich die Echtheit beweisen lässt, ist bisher die Unechtheit der Reliquien bewiesen. Gesichert ist, dass diese Gebeine seit dem Altertum verehrt wurden, dass sie in Stoffen aufbewahrt werden, die sich nur mit denen aus Palmyra in Syrien vergleichen lassen. Möglicherweise hat auch schon das Mittelalter die Frage der Echtheit der Reliquien als nicht erweisbar angesehen. Es fällt auf, dass das ikonographische Programm der Darstellungen am Dreikönigsschrein - im Gegensatz zu allen anderen Schreinen des Mittelalters - nicht auf die Darstellung des Lebens der Heiligen abhebt, sondern auf den theologischen Kontext: Nicht das Leben der drei Magier, sondern das Leben Jesu Christi wird dargestellt. Die Magier kommen nur in ihrer heilsgeschichtlichen Rolle anbetend bei der Geburtsszene vor. Aus der Gestaltung des ikonographischen Programms wird die Frage nach der „Echtheit" der Reliquien überflüssig.

Auch für moderne Menschen haben die Drei Könige, die nie förmlich heilg gesprochen wurden, etwas zu sagen: Sie sind ein Vorbild für die irdische Pilgerschaft, für die Fähigkeit, vertrauensvoll dem Stern zu folgen, mit dem Gott den Weg weist; sie sind Vorbild (königlicher) Herrschaft, die die Relativität ihrer eigenen Macht erkennt und vor dem Kind in der Krippe das Knie beugt; sie sind schließlich Vorbild für die menschliche Vernunft, die in der Lage ist, auch den Ungläubigen zum Heil und zum Heiland zu führen - wenn er sich führen lässt.58

3.2.10.Unschuldige Kinder - 28. Jänner

Der Gedenktag der unschuldigen Kinder bezieht sich auf die bekannte Erzählung vom Kindermord in Bethlehem (Mt 2,16 - 18), die auch in vielen größeren Krippen dargestellt wird. Ein nordafrikanisches Verzeichnis aus dem Jahr 505 nennt diesen Gedenktag. In der katholischen Kirche kann an diesem Feiertag eine Kindersegnung vorgenommen werden.59

Der Kinderbischof - ein Spiel der Umgekehrten Ordnung

„Das Kinderbischofspiel, Knabenbischofsspiel oder - in Klöstern - Kinderabtspiel, ist ein uralter Brauch in Mitteleuropa. Bereits 867/870, auf dem Konzil von Konstantinopel, wird das „festum puerorum", „festum stultorum", ludus episcopi puerorum oder - später - „fêtes des fous" verboten. Ursprünglich wurde dieses Spiel am Tag der Unschuldigen Kinder (28. Dezember) als ein Narrenfest gefeiert, das möglicherweise in der Tradition orientalischer Narrenkönige, römischer Saturnalien und eventuell auch keltischer Tiervermummung stand. Weder das Verbot des Konzils von Konstantinopel, noch die Verbote der Konzilien von Basel oder Trient haben das „Spiel der umgekehrten Ordnung" abgeschafft. Im 11. Jahrhundert lässt sich das festum puerorum im Abendland, in Rouen, erstmals nachweisen und hält sich dort bis in das 18. Jahrhundert. Seit dem 13. Jahrhundert, mit der Popularität des Nikolaus als Schülerpatron, bürgert sich der 6. Dezember als Festauftakt ein, wobei die gesamte Feier entweder bis zum 28. Dezember dauert oder aber am 28. Dezember abschließende Feierlichkeiten stattfinden.

Das eigentliche Spiel bestand darin, dass die Schüler an Kloster-, Stifts- und Domschulen, mancherorts sogar die Kleriker selbst, einen „Abt" oder „Bischof" wählten, der ein pompöses Fest und pomphafte Umzüge durchführte. Mancherorts wurde bei diesen Feiern die Liturgie nicht ausgespart: In den Kirchen fanden liturgische Feiern unter Leitung des Kinderbischofs statt. Ausgestattet war der Knabenbischof wie ein Bischof: mit Chorkleidung, Mitra und Stab. Zum Teil oder aber für eine bestimmte Zeit galt auch die Regel, dass die eigentlichen Bischöfe den Anordnungen der Knabenbischöfe zu folgen hatten. Schon vor der Reformation geriet das Knabenbischofsspiel in die Kritik. Im Einflussbereich der Reformation verschwand des Bischofsspiel deshalb im 16. Jahrhundert, in katholischen Gegenden spätestens während

der Aufklärung. Insofern ist es interessant zu bemerken, dass das Knabenbischofsspiel in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts in Hamburg durch eine evangelische Bischöfin wiederzubeleben versucht wurde. Auch im Erzbistum Köln hat es schon wieder einen Kinderbischof gegeben: Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten zum Jahrestag des heiligen Suitbert in Kaiserswerth trat ein Knabenbischof auf.

Einige Volkskundler nehmen als Auslöser von Brauchtumsformen liturgische Festtagstexte an. Unter Hinweis auf das „Magnifikat", in dem es heißt: "...er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen" (vgl. Lk 1, 52; Ez 21, 31; Ps 147, 6; Hiob 5, 11;12,19), wird ein Bezug zwischen dem Knabenbischofsspiel und dem Magnifikat hergestellt. Das Magnifikat ist jedoch kein typisches Gebet für das Fest der Unschuldigen Kinder. Mit der gleichen Berechtigung ließe sich verweisen auf Mt 23, 12: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden" (vgl. Lk 14, 11; 18, 14). Es ist wahrscheinlicher, dass eines der Tagesgebete aus der Liturgie, die nur am Fest der Unschuldigen Kinder gebetet wurden, Auslöser waren. Vor der jüngsten Liturgiereform hieß es zum Beispiel im Introitus: „Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen, o Gott, verschaffst du dir Lob, Deinen Feinden zum Trotz" (Ps 8, 2). Oder in der Oratio: „Gott, am heutigen Tage haben die Unschuldigen Kinder Dein Lob verkündet, ...". Im Advent gab es im Mittelalter einen dem Knabenbischofsspiel vergleichbaren Brauch: An bestimmten Tagen hatten die Knechte und Mägde „das Sagen" hatten und spielten die Rolle der Herrschaft spielten, während diese die Rolle der Mägde und Knechte übernahm.“60

3.2.11.Maria Lichtmess - 2. Februar

„Die dunkle Winterzeit geht langsam zu Ende. Von diesem Tag an konnten die Menschen früher ohne Kerzenlicht oder Öllampen auskommen. Darüber freuten sie sich sehr und feierten Lichtschwemmen: Sie bastelten Schiffchen aus Baumrinden, setzten brennende Kerzen darauf und ließen sie auf Bächen oder kleinen Flüssen davonschwimmen. Dabei riefen sie fröhlich:

Maria bläst’s Licht aus,

Michael zündt’s wieder an!

Für die Christen hatte das Fest eine Bedeutung: Es erinnert daran, wie Maria und Joseph das Jesuskind 40 Tage nach seiner Geburt in den Tempel von Jerusalem brachten, um Gottes Segen zu erbitten. Und Jesus wurde ein Segen für die Menschen, ein richtiger Lichtblick. Wir spüren das beim Kerzenlicht.

Die Christen erinnerten sich in den folgenden Jahrhunderten mit einer Lichterprozession an diesen Tag. So bekam der Festtag seinen Namen: Maria Lichtmess. Seit dieser Zeit ist es auch Brauch, die Kerzen zu weihen, die im Jahr gebraucht werden: bei der Geburt eines Kindes zum Beispiel wie auch beim Tod eines lieben Menschen oder bei Krankheit und Unwetter. Die Menschen zündeten sie an und baten Gott um Schutz und Hilfe. An Maria Lichtmess geht auch die Weihnachtszeit endgültig zu Ende. Früher gingen die Kinder mit den gesegneten Kerzen in Laternen durch den Ort und sangen Lieder. In Frankreich bekamen die Kinder sogar Waffeln.“61

„Der Lichtmesstag am 2. Februar hat ein biblisches Ereignis als Festanlass: Weil das mosaische Gesetz vorschrieb, ein neugeborenes Kind innerhalb einer bestimmten Frist in den Tempel zu bringen (vgl. Ex 13, 11 - 16; Lev 12, 1 - 8; Jes 8, 14 - 15; 42, 6) folgten - der Tradition nach - auch die Eltern Jesu dieser Vorschrift. Von dem greisen Simeon und der Prophetin Hanna wird er als der eigentliche Herr des Tempels erkannt und benannt (Lk 2, 22 - 40). Dieses biblische Ereignis wurde zu einem christlichen Festanlass. In der Ostkirche wurde der Tag zu einem „Fest der Begegnung des Herrn”: Der Messias kommt in seinen Tempel und begegnet symbolisch dem Gottesvolk des Alten Bundes. Im Westen wurde es mehr ein Fest Mariens: „Reinigung Marias” nach den mosaischen Vorschriften. Seit Anfang des 5. Jahrhunderts wurde in Jerusalem dieses Fest am 40. Tag nach der Geburt Jesu gefeiert. In Rom führte man dieses Fest 650 ein. Kerzenweihe und Lichterprozession kamen erst später hinzu, wodurch sich der Name „Mariä Lichtmess” einbürgerte. Das hatte seinen Grund darin, dass an diesem Tag die für das nächste Jahr benötigten Kerzen der Kirchen und der Familien geweiht wurden, weshalb Wachsmärkte, eben Licht(er)messen, durchgeführt wurden. Seit der Liturgiereform wird dieser Tag wieder als Herrenfest gefeiert und führt den Namen „Darstellung des Herrn”.

Bei der Berechnung des Tages nahm man im Mittelalter unterschiedliche Ausgangspunkte:

Wo Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wurde, ergaben die 40 Tage, nach denen Jesus im Tempel dargestellt worden sein soll, den 2. Februar; war aber der 6. Januar Ausgangspunkt, kam man auf den 14. Februar. Letzteres war in Gallien der Fall. Es wird vermutet, dass nach der Verlegung des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember und der Abwanderung von Lichtmess auf den 2. Februar, der alte Festtermin, der 14. Februar, neu gefüllt wurde und so der Valentinstag oder Vielliebchentag zustandekam.

Zu Mariä Lichtmess kommt noch einmal die weihnachtliche Lichtsymbolik zur Geltung: In der Kirche fand eine Lichterprozession statt und eine Kerzenweihe. Mancherorts wurden die Kerzen unterschieden: weiße Kerzen für Männer, rote für Frauen. Andernorts wurden besonders lange Kerzenstöcke in die Kirche getragen und geweiht, die dann zu Hause zerschnitten und den einzelnen Hausgenossen zugewiesen wurden. Das Licht, eben Christus, holte man so ins Haus und hatte ihn bei gemeinsamem Gebet, bei dem die Kerzen brannten, unter sich. Das galt besonders für das häusliche Rosenkranzgebet, bei Unwettern, bei schwerer Krankheit, Sterben und Tod. An diesem Tag fanden früher auch Lichterumzüge der Kinder statt. Festgebäck waren die Crêpes, Pfannkuchen, die im Rheinland lautmalerisch an die französische Vokabel erinnern: Kreppchen hießen sie hier. Der Hausfrau, die beim Pfannkuchenbacken den ersten Pfannkuchen - natürlich ohne Zuhilfenahme anderer Mittel - so wendete, dass dieser Lichtmesscrêpe wieder in der Pfannenmitte landete, ging das ganze Jahr über das Geld nicht aus. An diesem Tag wurden die Dienstleute entlohnt und hatten einige Tage arbeitsfrei.. Die Knechte und Mägde besuchten ihre Angehörigen und feierten das Wiedersehen mit Umzügen und Festessen. Für die Bauern begann nun die Feldarbeit, die Weihnachtszeit war offiziell zu Ende. Für die Handwerker hörte die Arbeit bei Kunstlicht auf, die Montag nach dem Gedenktag des Erzengels Michael (29. September) begonnen hatte. Zur Feier des Tages gaben die Meister den Gesellen und Lehrlingen oft den Nachmittag frei, der so die Bezeichnung Lichtblaumontag erhielt und damit, wie Experten meinen, die sprachliche Vorlage für den berüchtigten Blauen Montag geboten hat.“62

4. Weihnachten in aller Welt:

In Wien haben sich viele Kulturen mit unseren Traditionen und unserer Kultur verwoben. Täglich arbeiten Pädagogen mit Kindern verschiedener ethnischer und religiöser Herkunft zusammen. Doch alle Kinder haben eines gemeinsam: ihre besonderen Feier- und Festtage. Sie prägen den Alltag der verschiedenen Kulturen und Religionen. Wenn wir diese vielen Feier- und Festtage im Unterricht nutzen, können wir zumindest einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Traditionen und Kulturen erhalten. Feste sind ein gemeinsames Erlebnis. Egal ob es im großen oder kleinen Kreis begangen wird.

„In der pädagogischen Arbeit darf das gemeinsame Feiern jedoch nicht auf Exotik reduziert werden oder eine Karnevalveranstaltung gleichkommen. So darf sich das beliebte Thema „Kinder aus aller Welt“ nicht auf das Verkleiden beschränken. Interkulturelles lernen geht weiter, es beginnt viel früher und darf niemals aufhören. Das Feiern der Feste dieser Welt bedeutet vor allem, sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede der Feste herauszuarbeiten.

So gibt es in vielen Kulturen dieser Welt Lichterfeste, die jedoch verschiedenen Ursprungs sind und jeweils eigenen Regeln folgen. Beispielsweise liegt dem Brauch des Austausches von Geschenken oftmals eine vollkommen unterschiedliche Bedeutung zugrunde. Erst wenn wir nach der Geschichte dieser Feste fragen, werden wir den Sinn der Bräuche und Traditionen verstehen lernen.

Die Kinder können viel zum gegenseitigen Verständnis beitragen - vorausgesetzt, wir lassen dies zu und akzeptieren, dass wir Pädagogen nicht alles wissen können. Wir müssen die Kinder ernst nehmen und ihren Erzahlungen über die Feste aus aller Welt unvoreingenommen zu hören. Beim gemeinsamen Feiern sollten Sie sich der Mithilfe möglichst aller Familien versichern. So können alle voneinander lernen, sich angenommen fühlen und einander akzeptieren. Die Verschiedenheit wirkt nicht mehr trennend sondern wird immer vertrauter: Auf diese Weise können wir alle eine gemeinsame Welt schaffen, in der jeder Mensch würdig leben und sich wohl fühlen kann.“63

4.1. Europa

4.1.1. England

Die Engländer feiern ihr Christmas am 25.12. In England werden traditionsgemäß am Weihnachtsabend die Strümpfe an den Kamin gehängt. Denn Santa Claus prescht mit seinem Rentierschlitten über die Dächer und wirft Geschenke in der Nacht vom 24. Auf den 25. Dezember durch den Kamin. Auch der Weihnachtsbaum gehört seit Mitte des letzten Jahrhunderts in jede englische Weihnachtsstube. Der deutschstämmige Prinz Albert brachte als Ehemann von Königin Victoria diese Tradition nach England.

Ein liebenswerter englischer Brauch ist das Dekorieren der Zimmer mit dem immergrünem Ilex und Mistelzweigen, unter denen bei jeder Begegnung geküsst werden darf. Zum traditionellen Weihnachtsessen am 25. Dezember gehören für die Briten der mit Brot und Hackgemisch oder sauren Äpfeln und Backpflaumen gefüllte Truthahn, Plumpudding und Eierpunsch Beim Schmausen lieben es die sonst so steifen Engländer etwas ausgeflippt: Alle tragen Papphütchen und lassen Knallbonbons platzen. Gegen 15 Uhr versammelt sich die Familie dann vor dem Fernseher. Um der 10minütigen Ansprache der Queen ans Commonwealth zu lauschen.64

4.1.2. Frankreich

Bei den französischen Weihnachtsbräuchen muss die Entwicklung im Elsaß teilweise separat von Traditionen im übrigen Frankreich betrachten werden.

Eine (der vielen) Legenden besagt, der Weihnachtsbaum wurde im Elsaß erfunden. Urkunden bezeugen, sein Licht erstrahlte vor 1605 in dieser Gegend. 1840 wurde der erste Christbaum durch die Herzogin von Orleans in Paris aufgestellt.

"Buche de Noel" (Weihnachtsklotz) wärmte in den anderen Gebieten das Zimmer. Der Feuerschein vertrieb die bösen Geister und die Asche wurde nach den Feiertagen auf das Feld gestreut. Reiche Ernte sollte der Glücksbringer bescheren.

"Buche de Noel" erfreut als Schokoladen - Biskuitrolle die Leckermäuler unserer Generationen.

Die französischen Krippenfiguren, die Santons, sind originelle Gestalten. Fröhliche Handwerker, Bauern, Fischer auch Wäscherinnen in der Kleidung des 19. Jahrhunderts überbringen Grüße an die Heilige Familie.

Santons bedeutet "kleine Heilige".

So schenken diese Meisterwerke den Helden des Alltags, den arbeitenden bzw. arbeitssuchenden Menschen, verdiente Hochachtung.

Le Reveillon (der Weihnachtsschmaus) am Heiligen Abend ist der Höhepunkt der Weihnachtszeit. Die Franzosen sind ja bekanntlich Fachleute von kulinarischen Genüssen, da kann man sich leicht vorstellen, dass jeder bei diesem Mahl auf seine "Kosten" kommt. Begleitet von Père Fouttard (bzw. Hans Trapp im Elsaß) beglückte St. Nikolaus die französischen Kinder. Doch auch in Frankreich wurde Nikolaus entlastet und Père Noël (der Weihnachtsmann) trat in den Vordergrund. Er füllt in der Nacht zum 25. Dezember die blankgeputzten Schuhe der Kids.65

4.1.3. Schweiz

Mit Lärm und wilden Jagden versuchte man böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Selbst die Christianisierung konnte kein Verbot dieser liebgewordenen Sitten und Gebräuche durchsetzen. So unterlegte man den alten heidnischen Kult mit einer christlichen Figur, dem Bischof Nikolaus von Myra.

Manchmal kam es zu unangenehmen Auswüchsen. Der Lärm von Pistolenschüssen löste das Peitschenknallen ab.

Am 28. November 1928 trafen sich einige eifrige Klausjäger. Nach ausgiebiger Diskussion beschlossen die Teilnehmer, den Klausabend am 5. Dezember 1928 würdig zu begehen. Die Küssnachter St. Niklausengesellschaft wurde gegründet.66

4.1.4. Italien

In Italien werden um die Weihnachtszeit verschiedene Feste gefeiert. Am 6.Dezember kommt San Nicola, am 13. Dezember beschenkt Santa Lucia die Kleinen, am 25.Dezember wird Il Bambinello Gesu (Christkind) überall in Italien gefeiert, und am 6. Januar freuen sich alle Kinder auf La Befana (die gute Hexe).

Erst am 6. Januar hängen sie ihre Socken an den Kamin, damit ihnen die Dreikönigshexe "Befana" Geschenke hineinlegt. Der Legende nach wurde Befana von den "Heiligen Drei Königen" aufgefordert, sie bei der Suche nach dem Jesuskind zu begleiten. Befana folgte der Aufforderung aber nicht, sondern begab sich später alleine auf die Suche. So macht sie es seither jedes Jahr und verteilt dabei Geschenke an brave Kinder.

Am 6. Dezember finden die Kinder die Geschenke von San Nicola vor der Tür des Schlafzimmers. San Nicola ist nicht wie in Deutschland als Bischof gekleidet und besucht auch nicht die Kinder in den Familien.

Santa Lucia lebte nur in der Phantasie und im Herzen der Kinder. Die Heilige Lucia wurde im Jahre 281 in Sizilien geboren, sie vermachte ihr ganzes Vermögen an die Armen. Noch heute wird an dem Tag "Torrone die poveri," eine Mahlzeit für die Armen vorbereitet.

Am 25. Dezember kommt dann endlich Il Bambinello Gesu (das Jesuskind), meist früh am Morgen. Wenn die Kinder aufstehen, finden sie ihre Geschenke vor der Tür des Schlafzimmers oder unter dem Tannenbaum neben der Krippe. Verschiedene Formen von Fest und Feier haben sich in den Regionen Italiens eingebürgert. In manchen Gegenden wird ein Olivenbaum gefällt und für das Feuer im Kamin bereit gehalten. In Rom und Neapel tragen die Kinder einen großen Stern aus Pappe über einer kleinen beleuchteten Krippe von Haus zu Haus. Die wohl berühmteste Krippe ist in Rom, das Santo Bambino, und La Befana, die gute alte Hexenfigur der italienischen Kinder am 6. Januar kommt . Am Abend stellen die Kinder die Schuhe vor die Tür oder hängen ihre Strümpfe vor den Kamin. La Befana fliegt von Dach zu Dach und durch die Schornsteine ins Haus hinein: Für die artigen Kinder hinterläßt sie Süßigkeiten, für die unartigen schwarze kohlen. La Befana sollte sich der Legende nach nicht schnell genug auf den weg zur Krippe gemacht haben und verpaßte den Stern. Seit dem irrt sie auf der Welt nach der Suche nach dem Christkind. Sie hinterläßt in jedem Haus ihre Geschenke, in der Hoffnung, dort das Christkind zu finden.

In Italien steht nicht der Weihnachtsbaum, sondern die Krippe im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Die Krippenfiguren sind oft handgeschnitzt und mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

4.1.5. Niederlande

Mittelpunkt der niederländischen Weihnachtszeit ist der Nikolaustag am 6. Dezember. Viel wichtiger als das Christkind ist für die Kinder in den Niederlande Sinterklaas. Am Vorabend wird ein großer Sack vor die Tür gelegt, den Sinterklaas dann mit seinen Geschenken füllt. Neben dem Kamin legen die Kinder ihren Wunschzettel, eine Möhre sowie eine Schüssel mit Wasser für das Pferd des Nikolaus. Dieser hat in den Niederlanden übrigens ein etwas offizielleres "Outfit". Er ist nicht wie der angelsächsische Santa Claus gekleidet, sondern trägt eine Bischofsmütze und hat einen Bischofsstab. Er bringt den Kindern nachts die Geschenke und steckt auch ein kurzes Gedicht über das beschenkte Kind in den Schuh. Vom Hafen zieht eine große Prozession zum Königspalast, wo der Heilige von Königin Beatrix empfangen wird.

4.1.6. Schweden

Weihnachten auf schwedisch heißt Jul. Ein Höhepunkt der vorweihnachtlichen Julzeit ist der 13. Dezember, das Fest der heiligen Luzia. Die älteste Tochter erscheint als Luziabraut in einem weißen Kleid und einem Kranz aus Breiselbeer- zweigen und brennenden Kerzen auf dem Kopf. Die "Lussibrud" weckt die Familie und serviert das Frühstück ans Bett. Weihnachten wird in Schweden wie in Deutschland bereits am 24.12. gefeiert. Der schwedische Weihnachtsmann, Jultomte genannt, ist mit seinem Rentierschlitten unterwegs ... und natürlich mit einem großen Sack voller Geschenke. Viele Schweden stellen den Weihnachtsbaum frei in die Mitte des Wohnzimmers, damit am Julabend die ganze Familie um den Baum herumtanzen kann. Zum "Julfest" aber auch gehören Julgeiß und Julbock. Wie das opulente Menü bis zu 38 Gängen! Bei dem auch die "Julkorv", eine besondere Bratwurst, serviert wird. Sie hat so große Bedeutung, dass sich auch Königin Silvia und ihre Familie dabei selbst an den Herd stellen.

4.1.7. Spanien

Die Adventszeit verläuft in Spanien sehr ruhig, dafür gibt es in der Zeit zwischen dem 24 Dezember und dem 6. Januar verschiedene Feste, die sehr unterschiedlich begangen werden. Zu den traditionellen Weihnachtsbräuchen gehört das Erscheinen des Olentzero (des Köhlers), der aus den Bergen ins Dorf kommt. Er wird von den Einwohnern des Dorfes auf den Schultern getragen. Weit verbreitet sind auch die Weihnachtsaufführungen, wie z.B. der von Herodes angeordneten Kindermordes und das Fest der Meßdiener (Fiesta de Loco- sy Obissi Mos), bei dem ein Junge ausgewählt wird, der sich als Bischof verkleidet. In der Zeit vom 30.Dezember bis zum 1.Januar findet die Fiesta de la Coretta statt. Bei diesem Fest wird Brennholz gesammelt und eine Kiefer gefällt. Diese wird dann geschmückt in den Ort getragen und gesegnet. Ein weiterer Höhepunkt ist das Dreikönigsfest (Dia de los Reges). Es wird ein biblisches Spiel (Corderados) aufgeführt, und es gibt einen Umzug (Cabalgota de Reges).67

4.1.8. Russland

In Ländern mit orthodoxem Glauben, gilt noch der julianische Kalender. Der 25. Dezember bedeutet für strenggläubige Menschen das Ende der Fastenzeit. Es ist ein normaler Arbeitstag. Der 31. Dezember ist der wichtigste Festtag. Bunte Lichterketten erhellen die Straßen. Auf großen Plätzen werden die Tannenbäume geschmückt.

Wenn sich der Feierabend nähert, beginnt man im Kollegenkreis mit kleinen Betriebsfeiern. Im Anschluss fährt man nach Hause oder zu seiner Datscha (russ. Holzhaus). Hartgesottene feiern im Freien. Hier schmücken sie den Christbaum, genießen die Natur und zelten im Schnee.

Väterchen Frost bringt den Kindern die Geschenke. Er wird von einem Mädchen (der Schneeflocke) und einem Jungen (Neujahr) begleitet. Viele Kinder werden zu den im Kreml stattfindenden Konzerten eingeladen.

Die Kinder verdienen sich durch Gedichte, Geschichten und Lieder die Gaben. An dieser Stelle muss die Kreativität der russischen Süßwarenindustrie gelobt werden. Alle Verpackungen tragen Motive aus Märchenwelt oder Natur. Bei so schönem Bonbon- und Schokoladenpapier, siehe Foto, läuft einem das Wasser im Munde zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Winter freut man sich auf die phantasievollen Märchen aus alter Zeit. Bis 1990 wurde zum Frühstück im DDR (danach DFF) Fernsehen zwischen Weihnachten und Neujahr jeden Tag ein anderes Schneemärchen ausgestrahlt.

Der aufgehende Morgenstern am 7. Januar läutet das eigentliche Weihnachtsfest ein. Diesen Feiertag gestaltet man besinnlich im Kreise der Familie. Vier Tage später, am 11. Januar beginnt das Neue Jahr. Als Filmtitel würde man hier "Neujahr II" sagen. Mit diesem Tag endet die russische Weihnachtszeit und die Tannenbäume erhalten ihr natürliches grünes Kleid zurück.

Pozdrevlyayu s prazdnikom Rozhdestva is Novim Godom68

4.1.9. Luxenburg

Luxenburg ist von den Beneluxstaaten flächenmäßig das kleinste Land. Luxemburgs Geschichte begann im Jahre 963, als Graf Siegfried das Land um die Burg Lucilinburhuc erwarb.

In der Weihnachtszeit freuen sich die Luxenburger schon auf die Ankunft vom Klees'chen (Sankt Nikolaus), der von den Hoùsekern (Schwarze Peter) begleitet wird. Wochen vor der Bescherung beobachtet Klees'chen die Kinder. Der vorweihnachtliche Test hat viele angenehme Seiten. Nikolaus füllt die Schuhe mit Schokolade und Bonbons; der Stock der Hoùseker kommt kaum zum Einsatz. In der Nacht zum 6. Dezember verteilt Klees'chen die großen Gaben.

In der Weihnachtszeit kauft man die Geschenke und die Dekoration in den geschmückten Läden oder auf den Weihnachtsmärkten (Place d'Armes und Place de Paris in der Stadt Luxemburg). Die Geschäfte öffnen ihre Türen auch an den Adventssonntagen.

Am Heiligen Abend geht es unter dem Tannenbaum bei guten Speisen recht familiär zu. Nach der Christmette werden die unter dem Weihnachtsbaum liegenden Geschenke ausgepackt. Man wünscht sich gegenseitig einen SCHÉI CHRËSCHTDEEG69

4.2. Amerika

4.2.1. Kanada

In Kanada leben ebenso wie in den USA Menschen, die aus vielen Ländern eingewandert sind. Weihnachten wird hier häufig fast so wie in den USA gefeiert, vielerorts werden aber auch noch die Sitten und Gebräuche der Einwanderer z.B. aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland gepflegt. Im Laufe der Jahre haben sich diese Weihnachtsbräuche in einigen Gegenden noch durch die aus den benachbarten USA ergänzt So ist Kanada ein Land, in dem die Weihnachtsbräuche aus vielen Ländern eine gemeinsame Heimat gefunden haben. Die Ureinwohner Kanadas begehen das Weihnachtsfest meist auf ihre ganz eigene Art. Die Inuit veranstalten teilweise regelrechte Winterfestivals, bei denen nicht nur Geschenke überreicht werden, sondern auch viel getanzt und gesungen wird. In Labrador gibt es eine Art Halloween zu Weihnachten: Während der sommerlichen Ernte werden Rüben zur Seite gelegt, die dann zu Weihnachten ausgehöhlt und mit einem Kerzenlicht versehen den Kindern geschenkt werden. In Neuschottland singt man zu Weihnachten immer noch die gleichen Lieder, die schon die vor 200 Jahren aus dem schottischen Hochland eingewanderten Vorfahren gesungen haben. In Vancouver gleiten bei der Carolship Parade lichtergeschmückte Schiffe übers Wasser. Wunderschön sehen zu Weihnachten auch die Niagara-Fälle in Ontario aus, wo sich das Licht von Tausenden Lampen in den tosenden Wassermassen bricht.

In Winnipeg, der Weihnachtshauptstadt Kanadas, warten sage und schreibe eine Million Weihnachtsbäume auf Abnehmer.

Wo wir gerade bei den Weihnachtsbäumen sind:

Die Stadt Lunenburg auf der kanadischen Halbinsel Neuschottland (Nova Scotia) nennt sich "Welthauptstadt des Weihnachtsbaumes". Jahr für Jahr werden im County Lunenburg Tausende von Bäumen speziell für den weihnachtlichen Gebrauch gepflanzt und dann per Schiff in die USA und nach Mexiko exportiert. Ein ganz besonders schönes und großes Exemplar geht jedes Jahr an die Stadt Boston - als Dank für die große Hilfsbereitschaft der Bürger dort bei einer der größten Katastrophen, die sich in Kanada jemals ereignet haben. Am 6. Dezember 1917 kollidierten in der neuschottischen Hafenstadt Halifax zwei Schiffe und in der bis dahin größten von Menschen verursachten Explosion starben viele Menschen und weite Teile Halifax wurden zerstört. Hilfssendungen aus ganz Nordamerika halfen den Bewohnern der Hafenstadt, den Winter zu überstehen. Die größte kam dabei aus Bosten, mit Hilfsmaterialien im Werte von mehreren Millionen Dollar.70

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten71

4.2.2. U.S.A.

Unendlich viele Lichterketten schmücken in der Weihnachtszeit die Straßen, Häuser und Vorgärten. Die Geschäfte haben aufwendig dekorierte Schaufenster, die voller Überschwang geradezu um die Aufmerksamkeit der Menschen in "Gods own country" zu buhlen scheinen. "Happy Xmas" prangt es von überall her - Xmas, das ist übrigens keine Abkürzung aus Zeitnot. Mit dem "X" beginnt die griechische Schreibweise von Christus. Die Redewendung ist also christlichen Ursprungs.

Doch Weihnachten in den USA hat auch eine stille Seite und für die stillen Sehnsüchte der Menschen hat Irving Berlin (*1888 - †1989) versucht, die winterliche Stimmung musikalisch festzuhalten. "White Christmas" ist neben dem österreichischen "Stille Nacht" das bekannteste Weihnachtslied. Die Komposition wurde 1941 von Irving Berlin uraufgeführt und seit dem wurden mehr als 30 Millionen Schallplatten allein mit der Fassung von Bing Crosby (vom 29.05.1942) veräußert. Im Guinness Buch liest man von mehr als 200 Millionen verkauften Singles.

Weihnachten in den USA ist natürlich auch ein Fest der Vielfalt, bedingt durch die vielen unterschiedlichen Herkunftsländer der Einwohner - insbesondere die englischen Einflüsse sind nicht übersehbar. Aber die Vielfalt ist auch bedingt durch die Größe des Landes und seine unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, während für die Bewohner der nördlichen Landesteile die Weihnachtszeit mit unberührten Schneelandschaften verbunden ist, kennt so manch ein Amerikaner in den südlichen Staaten Schnee nur aus Filmen. Eines jedoch verbindet: An "Christmas Eve", dem Weihnachtsabend, hängen festlich verzierte Strümpfe an den Kaminen, die Santa Claus in der Nacht mit Geschenken füllt.72

4.3. Mittel- und Südamerika:

4.3.1. Argentinien

In Argentinien werden die Häuser mit roten und weißen Girlanden geschmückt, am Christbaum bunte Lichter und Ornamente aufgehängt und an der Haustür die Stiefel des Weihnachtsmannes angebracht. Das Fest beginnt mit dem gemeinsamen Kirchgang (92 Prozent der Argentinier sind katholisch). Nach dem Gottesdienst trifft sich die Familie zum festlichen Abendessen mit vielen landestypischen Leckereien, z..B. Schweinefleisch, Truthahn, überbackene Tomaten, Pasteten und vieles mehr. Um Mitternacht prostet man sich bei einem feierlichen Toast mit einer Art Bowle aus Fruchtstücken, Saft und Apfelwein zu. Anschließend werden Spiele gespielt, wird getanzt oder das große mitternächtliche Feuerwerk bewundert. Die Geschenke werden erst kurz vor dem Schlafengehen ausgepackt!

4.3.2. Aruba

Mit "Bon Pasco" grüßt man sich auf der zu den Niederlanden gehörenden karibischen Insel Aruba zu Weihnachten. gefeiert wird mit Gesang und Tanz und die traditionelle Speise besteht aus Schinken und Lachs.

4.3.3. Brasilien

Die brasilianische Weihnacht ist ein temperamentvolles Fest. Eingeläutet wird die Weihnachtszeit mit dem Einflug des Nikolaus im Hubschrauber in das Maracana-Stadion, das größte Fußballstadion der Welt mit 205.000 Plätzen. Dort gibt es Dann ein riesiges Fest mit feierlichen Ansprachen und vielen Showeinlagen. weit verbreitet sind in Brasilien, dessen Bevölkerung übrigens zu fast 90% katholisch ist, auch Weihnachtsspiele, in denen die Nacht von Bethlehem nachgestellt wird und die in vielen Kirchen, Schulen und auf öffentlichen Plätzen dargeboten werden. Natürlich gibt es auch Weihnachtsbäume, meist Pinien oder Palmen. Die Geschenke werden nach der Mitternachtsmesse überreicht.

4.3.4. Ecuador

Mit bunt geschmückten und mit den Früchten ihrer Felder und sonstigen Gaben schwer bepackten Lamas ziehen die Indios von den Hochebenen Ecuadors an Weihnachten zu den meist tiefer liegenden Anwesen ihrer Arbeitgeber herunter, Dort legen sie vor der im Gutshaus aufgebauten Krippe ihre Gaben nieder und die Kinder bitten um den Segen für ihre Familien und deren Tiere. Danach wird unter freiem Himmel ein großes Fest mit Tanz und Gesang gefeiert. Zum üppigen Festmahl gehören gebratenes Lamm, gebackene Kartoffeln und Zuckerbrot. Nach dem Fest teilt man die Reste des Mahls unter sich auf, packt sie auf die Lamas und tritt die Heimreise an.

4.3.5. Guatemala

Die letzten neun Tage vor Weihnachten werden auf dem Lande unter Gesängen und dem Klang von Trommeln die Figuren von Maria und Josef von Haus zu Haus getragen und schmücken so jeden Tag eine andere Krippe in einem anderen Haus - immer auf der Suche nach Zuflucht, wie ihre biblischen Vorbilder. Die Bewohner des letzten Hauses, in das Maria und Josef einziehen, richten ein großes Fest aus, zu dem sich das ganze Dorf einfindet. Den Weihnachtsbaum gibt es auch in Guatemala, deutsche Einwanderer haben ihn mitgebracht - wie auch so manch anderen Brauch wie z.B., dass die Geschenke vor der Bescherung unter den Baum gelegt werden. Die Erwachsenen tauschen ihre Geschenke erst zu Neujahr aus.

4.3.6. Kolumbien

Da 90% der Bevölkerung katholisch sind, finden sich in Kolumbien zur Weihnachtszeit viele katholische Bräuche. Am 7. Dezember werden zu Ehren der Jungfrau Maria in den Familien zahlreiche Kerzen entzündet. Der Tag darauf ist in Kolumbien nationaler Feiertag, im Gedenken an die unbefleckte Empfängnis. Am Abend des 14.12. wird im Rahmen eines Festes die Krippe, für die man den Tag über Moos gesammelt hat, aufgestellt. Zwei Tage später, am 16.12., findet traditionell der Weihnachtsbaum seinen Platz im Haus und wird üppig mit Kerzen, Kugeln und Figuren geschmückt. Nun wird bis zum Heiligen Abend jeden Abend gemeinsam gesungen und gebetet. Nach der Mitternachtsmesse in der Nacht zum 25.12. beginnt das eigentliche Weihnachtsfest mit einem großen Feuerwerk. Auf der Straße singen und tanzen alle Leute. Am Morgen des 25.12. finden die Kinder (die Erwachsenen schenken sich meist nichts) ihre Geschenke unter ihren Betten, sie beschränken sich meist nur auf Kleinigkeiten oder Süßigkeiten.

4.3.7. Kuba

Die Heilige Nacht (La Nochebuena) wird in vielen Familien der Karibikinsel mit einem Festessen begangen. Um Mitternacht besucht man die Heilige Messe. Kleine Geschenke - meist nur für die Kinder - gibt es am 6. Januar, dem Dreikönigstag.

4.3.8. Mexiko

Das wohl ungewöhnlichste Fest in der Weihnachtszeit findet in Brasilien, in der mexikanischen Stadt Oaxaca statt. Am 23.12. feiert man als Erinnerung zur Einführung dieser Gemüsesorte durch die spanischen Kolonialherren Mitte des 18. Jahrhunderts das Radieschenfest. Die mexikanischen Radieschen werden nicht selten kartoffelgroß und nehmen bedingt durch den meist steinigen Untergrund oft sehr bizarre Formen an. Dies wiederum regt künstlerisch ambitionierte Mexikaner an, aus ihnen allerlei zu schnitzen. Z.B. Maria und Josef und viele andere Krippenfiguren. Die besten Arbeiten werden dann prämiert, bevor die "Nacht der Radieschen" von einem großen Feuerwerk erleuchtet wird. Farbenfrohe Umzüge, die "Psadas", in denen Marias und Josefs Suche nach einer Herberge nachgestellt wird, sind ebenfalls fester Bestandteil der Weihnachtszeit. Nach der Messe werden neun geschmückte Tongefäße, die "Pinatas", an Schnüren von der Kirchendecke herabgelassen. Sie sind mit Früchten und Süßigkeiten gefüllt. Mit verbundenen Augen versuchen zuerst die Kinder, dann die Jugendlichen und später die Erwachsenen die Pnatas zu zerschlagen, wer erfolgreich ist, darf den Inhalt verspeisen.

4.3.9. Venezuela

Auch in den Weihnachtsbräuchen Venezuelas zeigen sich die Einflüsse verschiedenster Kulturen, dominiert werden sie jedoch von den Bräuchen des spanischen Katholizismus. In vielen Familien wird eine Krippe aufgestellt, das Jesukind zieht jedoch erst gegen Mitternacht des 24.12. in sie ein. Vor oder nach der Mitternachtsmesse "Misa de Gallo" gibt es die Geschenke.

4.4. Australien

Australien

Bei hochsommerlichen Temperaturen muss Santa Claus in Australien ganz schön schwitzen und die Einwanderer Australiens mussten ihre Weihnachtsbräuche dem "Australia-Summer- Christmas" anpassen.

So verwundert es nicht, dass man Santa Claus eher in Badehosen am Strand antrifft als am warmen Kamin und die Bescherung nicht selten auf der Strandparty stattfindet. Und da Milch in der Hitze auch nicht das Wahre ist, stellt man Santa Claus meist ein kühles Bier auf das Fensterbrett.

Doch trotz Hochsommer gleicht Vieles des australischen Weihnachtsfestes dem um in dieser Zeit kühleren Gefilden. So sind die Straßen und Kaufhäuser festlich geschmückt, im Queen Victoria Shopping Centre in Sydney z.B. beleuchten mehr als 20.000 Birnen den Tannenbaum.

Ein Höhepunkt sind die "Carols by Candlelight". Hunderttausende kommen hier her und wenn berühmte Sänger, Chöre und Symphonieorchester Weihnachtslieder vortragen, stimmt das begeisterte Publikum - ein jeder in seiner Sprache - mit ein. Die Tausenden brennenden Kerzen der Zuschauer tauchen alles in eine wunderschöne und friedvolle Weihnachtsatmosphäre.

Da die Australier auf allerlei weihnachtliche Spezialitäten, die im australischen Sommer einfach nicht so recht schmecken wollen, nicht dauernd verzichten möchten, kam man in den letzten Jahren auf die Idee, einfach "Christmas II" im australischen Winter (Juni/Juli) zu feiern. Dann schmeckt auch - z.B. in den Snowy Mountains oder Southern Highlands - der Glühwein so richtig.

Ein Gericht darf allerdings auch im sommerlichen Weihnachten Nr. 1 in Australien nicht fehlen: Der Plumpudding am Heiligen Abend. Und in den Zeiten des Internets bestellen weniger Kocherfahrene oder Eilige einfach über das selbige.

Ein großes weihnachtliches Ereignis ist auch die berühmte "Regatta von Sydney nach Hobart". Sie startet alljährlich am 26. Dezember.

4.5. Asien

4.5.1. Philippinen

Weihnachten wurde laut historischen Aufzeichnungen zum ersten Mal auf den Philippinen - dem einzigen Staat in der südostasiatischen Region mit mehrheitlich christlicher Bevölkerung - in der Zeit zwischen 1280 und 1320 gefeiert, also rund 200 Jahre bevor Magellan die Inselgruppe entdeckte.

Damals hatte sich der Franziskanermönch Bruder Odoric mit einer Handvoll Begleitern in den Fernen Osten aufgemacht, um die 400 Jahre zuvor nach Asien ausgezogenen nestorianischen Christen zu suchen. Auf dem Rückweg machte er auf den Philippinen halt. Dort schafften es er und seine Männer, die anfänglich feindlich gesinnten Eingeborenen von ihrer Friedlichkeit zu überzeugen und neben der Aufstellung eines Kreuzes wurde auch ein "Weihnachtsbaum" gepflanzt. Am 25.12. feierte Bruder Odoric hier zusammen mit seinen Begleitern hier die erste Weihnachtsmesse auf den Philippinen.

Das heutige philippinische Weihnachtsfest ist eine Mischung aus spanischen, amerikanischen und lokalen Traditionen, die auf die spanische und seit 1898 amerikanische Kolonialzeit zurückgehen. Der eigentlichen Weihnachtszeit, die am 16. Dezember mit einer feierlichen Messe genannt "Misa de Gallo" und der Verlesung der biblischen Geburtsgeschichte Jesu, beginnt, gehen beginnend im November nächtliche Feuerwerke voraus, die auch nach Weihnachten bis Sylvester weiter gehen.

"Maligayan Pasko" - fröhliche Weihnachten - wünschen sich die Philippinos und an jedem Abend in der Weihnachtszeit spielt ein Pärchen die Suche Marias und Josephs nach einer Bleibe auf den so genannten "Panunuluyan" nach. Auf den Straßen singen Chöre, die "Chumbancheros", und zu den beliebtesten Lieder zählt das "Maligayan Pasko" zur Melodie von "Happy Birthday". Um niemand vom Weihnachtsfest auszuschließen und sicher zu stellen, dass wirklich jeder teilnehmen kann, finden am ersten Weihnachtstag stündlich Messen statt, bei denen Hirtenspiele, die "Pastores", aufgeführt werden.

4.5.2. Indien

Über 950 Millionen Menschen leben in Indien. Die verbreitetsten Glaubensrichtungen sind Hinduismus (bei rd. 80 % der Bevölkerung) und Islam (rd. 11 %). Andere Kirchen, z.B. christliche Glaubensgemeinschaften, spielen nach Prozenten keine nennenswerte Bedeutung. Du solltest Dir aber verdeutlichen, 7 % der indischen Einwohner sind mehr Menschen, als in der Bundesrepublik insgesamt wohnen.

Bunt und farbenfroh begehen die Christen das indische Weihnachtsfest. Es wird begleitet mit Musik und Tanzvorführungen. Mit Lichtern werden die Häuser dekoriert. Tannenbäume sind keine "typisch" indischen Pflanzen. Man nimmt einen Mangobaum oder ein anderes Gewächs aus dem Garten. In Goa werden z.B. zu Weihnachten und Silvester die Stämme der Palmen mit Lichterketten verziert.

Aus Kaschmir kommen buntbemalte Glocken und Christbaumkugeln aus Pappmache und es gibt wunderschöne Sterne aus Gold- oder Silberfolie.

In Südindien werden Öllämpchen aus Ton rund ums Haus und aufs Dach gestellt und lassen die Häuser in schönem Licht leuchten, wie zu Diwali, dem Lichterfest der Hindus. Speziell für die Kinder und die Angestellten werden auch Geschenke verteilt. In manchen Teilen Indiens wird am Weihnachtsmorgen dem "Haushaltsoberhaupt" eine Zitrone als Symbol der "Verehrung" mit Glücks- und Erfolgswünschen überreicht. Eine Art Mitternachtsmesse, die manchmal 2 oder 3 Stunden dauert und bei der viel gesungen wird, feiert man in der Kirche.

Der Hinduismus

Brahma (Schöpfer), Wischnu (Erhalter) und Schiwa (Zerstörer) sind die Hauptgötter des Hinduismus. Seelenwanderung und Wiedergeburt sind wesentliche Merkmale dieses Glaubens.

Für die Hindus ist das Lichterfest Diwali im Oktober / November wichtigste Feierlichkeit des Jahres und Zugleich auch der Beginn des "Hindu - New - Year."

Diwali ist vergleichbar mit einer Mischung aus Weihnachten und Silvester. Es brennen unzählige Lichter und Öllämpchen vor allen Häusern. Es wird getanzt, gesungen und was sehr wichtig ist, tagelang werden Feuerwerke und Kracher bis in die halbe Nacht hinein angezündet.73

4.5.3. Weihnachtsinseln

Gleich zweimal wurden zu Weihnachten Inseln entdeckt und wie die berühmteren Osterinseln verdanken seit dem ein Eiland im Pazifik und eines im Indischen Ozean ihren Namen dem Zeitpunkt ihrer Entdeckung.

Die heute zu Kiribati gehörenden, östlich der Philippinen im Pazifik liegenden Weihnachtsinseln sind das älteste Atoll der Welt. Entdeckt wurden sie von dem großen Entdecker James Cook. Sie sind bekannt als Taucherparadies, die knapp 2000 Einwohner leben hauptsächlich vom Tourismus, Fischfang und der Kobra-Produktion.

Im Indischen Ozean setzte an einem 25. Dezember der britische Captain William Mynors als erster einen Fuß auf eine kleine Insel, die heute zu Australien gehört. Weihnachten spielt auf den Weihnachtsinseln allerdings kaum eine Rolle. Auf der zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel sind z.B. noch nicht einmal 20% der Bevölkerung Christen, hauptsächlich leben hier Buddhisten und Moslems sowie chinesische, malaysische, indische und zahlreiche andere Minderheiten.74

5. Musikpädagogische Überlegungen zur Praxis

5.1. Musikpädagogische Ziele

5.1.1. Psychologische Ziele

- Allgemeines Erziehungsziel und Ziel der Elementaren Musikpädagogik ist, dass die Teilnehmer …
- …Geborgenheit erfahren, sich sicher fühlen.
- …in der Selbstwahrnehmung gefördert werden.
- …durch Identifikationsprozesse mit verschiedenen Lebewesen, Naturerscheinungen und unbelebten Objekten Ich-Erwatungen erfahren.
- …Ideen entwickeln.
- …persönlich herausgefordert werden, sich präsentieren, Unsicherheiten bestehen.
- …Spannung aushalten, Durchhaltevermögen steigern, Befriedigungsaufschub ertragen.
- …Initiative ergreifen, Entscheidungen fällen.
- …Beziehungen zur Gruppe, zum Partner aufbauen
- …zurückzutreten, verzichten können, Selbstkontrolle ausüben.

5.1.2. Soziale Ziele

Allgemeines Erziehungsziel und Ziel der Elementaren Musikpädagogik ist, dass die Teilnehmer …

- …den/die anderen wahrnehmen.
- …abwarten, eine Reihenfolge einhalten.
- …die Ideen anderer akzeptieren.
- …aufeinander reagieren, in Kommunikation zueinander treten.
- …aufeinander Rücksicht nehmen.
- …sich mitverantwortlich fühlen.
- …sich als Gruppe Regeln setzen.
- … ein Gruppengefühl entwickeln.

5.1.3. Motorische Ziele

Ziel Elementarer Bewegungspädagogik und Elementarer Musikpädagogik ist dass, die Teilnehmer…

I. …sich ihre Bewegungsfreude erhalten oder ihre Bewegungsfreude wiederentdecken.
II. …die kinästhetischen und eutanen Sinnensysteme differenzien.
III. …das Körperschema festigen und über ein gutes Körperbewusstsein verfügen.

Diesen Kernzielen sind die folgenden Ziele zugeordnet:

Ziel Elementarer Bewegungspädagogik und Elementarer Musikpädagogik ist dass, die Teilnehmer…

1. …sich gestisch und pantomimisch äußern.

2. …Körperteile differenziert wahrnehmen.

3. …motorische Grundfunktionen ausdifferenzieren:

3.1. in der Fortbewegung: laufen, drehen, springen, gehen (vorwärts, rückwärts, seitwärts), hüpfen, anstellen (seitwärts, vorwärts, rückwärst),
3.2. in Balance- und Geschicklichkeitsübungen,
3.3. in der Feinmotorik; Hand-, Finger-, Fußmotorik.

4. …Körperspannung aufbauen.

5. …den ganzen Körper oder verschiedene Körperteile mit Intensitätsvarianten einsetzen

(Kraft- und Schnelligkeitsdosierung).

6. …zwischen verschiednen Bewegungsqualitäten umschalten:

6.1. zwischen Bewegung und Ruhe (Aktion - Inhibition),
6.2. zwischen spontanen(freien/improvisatorischen und verbindlichen/vereinbarten/erarbeiteten Bewegungen,
6.3. zwischen zwei oder mehreren erarbeitet Bewegungsformen.

7. …koordinierte Bewegungen in folgenden Handlungsbereichen ausführen:

7.1. Ich - Ich: Körperteilkoordination
7.2. Ich - Objekt: mit einem Material, einem Gerät, einem Instrument,
7.3. Ich - Ihr (= Massen- Du) / Du: vor der Gruppe, mit einem Partner, z.B.: in Spiegel- und Schattenspielen,
7.4. Ich - Wir: mit der Gruppe, z.B. in leichten Kinder- und Volkstänzen.

8. …Strukturen in Bewegung umsetzen über

8.1. selbstproduzierte Stimmaktionen:

- experimentelle Aktionen,
- Verse,
- Lieder

8.2. akustische Impulse:

- instrumentale Bewegungsstimulation,
- live - Bewegungsmusiken,
- Bewegungsmusiken von Tonträgern;

8.3. optische Impulse:

- grafische, bildliche Darstellungen,
- Raumbezüge,
- soziale Bezüge in den Relationen Einzelner, Gruppe, Partner.

9. …metrische Bewegungen ausführen

9.1. in geradem und ungeradem Takt,
9.2. in wechselnden Taktarten.

10. … Bewegungen artikulieren

11. …Bewegungsfluss spüren, Bewegungen fließend miteinander verbinden.

5.1.4. Musikalische Ziele

Ebene D: Musikalische Ziele

Ziel der Elementaren Musikpädagogik ist, dass die Teilnehmer…

I. …die Musik als ein Medium erleben, das Ausdruck ihrer physischen und psychischen Energien ist.
II. …den auditiven Sinn differenzieren, aktiv lauschen, konzentriert hören/horchen.
II. …über differenzierte Handlungsmöglichkeiten im Bereich von Stimme, Instrument und Körper verfügen.

Diesen Kernzielen sind folgende Ziele zugeordnet: Ziel der Elemanteren Musikpädagogik ist, dass die Teilnehmer…

1. …Freude an neuen und bekannten musikalischen Aktionen haben, dass sie Neugier, Begeisterung und Faszination als Handlungsmotive erleben. Damit erschließen sie sich folgende Handlungsfelder:

1.1. Stimme

- variantenreicher Einsatz der Sprache,
- rhythmisches Sprechen,
- experimenteller, lautmalerischer Umgang mit dem Vokalapparat,
- intoniertes Singen;

1.2. Instrumentalspiel

- experimentelle Klangaktionen,
- metrisch gebundene Aktionen,
- rhytmische Muster, Ostinati,
- melodische Gestalten.

2. …auditive Sensibilität entwickeln, indem sie

2.1. horchen, hinören
2.2. Klänge im Raum wahrnehmen,
2.3. Instrumentalklänge unterscheiden,
2.4. musikalische Schwerpunkte empfinden,
2.5. musikalische Gestalten erfassen.

3. vielfältige Klangerfahrung sammeln, Klangdifferenzierung vornehmen.

4. …Klangvorstellung und -phantasie entwickeln, und zwar

4.1. von außen noch innen: Empfindung eines musikalischen Ausdrucksgehalts; ein musikalischer Impuls löst eine innere Vorstellung aus;
4.2 von innen nach außen: eine innere Vorstellung wird musikalisch umgesetzt.

5. Musik interpretieren. Dabei können Teilnehmer

5.1. zur Musik malen,
5.2. sich zur Musik bewegen,
5.3. Geschichten zur Musik erfinden,
5.4. Musik instrumental begleiten.

6. …Klangverläufe strukturieren, indem sie mit musikalischen Formprinzipien (z.B. Wiederholung, Kontrast, Rondo, Variation) umgehen.

7. musikalische Spannungsverläufe mitvollzien.

8. musikalische Parameter darstellen, fortschreitend von den Extremen zum mittleren Abstufungsbereich, von relativen zu absoluten Verhältnissen. Diese Kompetenz entwickelt sich fortschreitend in folgenden Bereichen.

8.1. die Wahrnehmung betreffend in Bezug auf

- Klangfarbe (in der Wahrnehmung eine Funktion von Dynamik, Tonhöhe, Artikulation),
- Tempo,
- Dauer.75

5.2. Was wäre Weihnachten ohne Musik und Gesang?

Die Stimme: Singen mit Kindern - aber wie?

5.2.1. Singen ist nicht gleich Singen

Kinder singen grundsätzlich gern. Wie viel, was und vor allem wie gesungen wird, ist jedoch von ihrem Umfeld und ihren Vorbildern abhängig. Sicher gibt es mannigfaltige Gründe, die dazu führen, dass viele Kinder heute entweder gar nicht oder wenn, dann auf physiologisch problematische Weise singen. Gegen den pädagogischen Grundsatz, Kindern möglichst alle Gelegenheiten zur Entwicklung ihrer Anlagen zu geben, wird besonders beim Singen mit Kindern in der Vor- und Grundschulzeit verstoßen, wenn es darum geht, die gesamten stimmlichen Möglichkeiten (auch die Höhe) auszuloten und damit zu experimentieren. Das sollte auch in den Grunderziehungszielen wiederzufinden sein. Dass dies nicht geschieht, liegt wahrscheinlich zum großen Teil an der mangelnden Kenntnis der Zusammenhänge. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, Kinder nur auf Dinge am Boden aufmerksam zu machen oder etwa Bewegungen mit den Armen nur nach vorne und oben ausführen zu lassen. Nur beim Singen wird Kindern oft das Benutzen der Kopfstimme nicht gezeigt oder verweigert. Wenn letzteres passiert, haben Erzieher/-innen und Lehrer/-innen diese Erfahrung meist selbst nicht gemacht. Häufig sind sie außerdem auf eine Mode in der stimmlichen Äußerung festgelegt.

5.2.2. Singen hat Geschichte

In unserer Singtradition sind Wellenbewegungen und Brüche festzustellen. Singen hat eine starke Wirkung auf den Menschen erkannt. Über Gefühle lassen sich - bewusst oder unbewusst - Inhalte transportieren. Das beeinflussende Singen war so stark in das tägliche Leben integriert, dass in der Fachliteratur auch von einer "Singediktatur" gesprochen wird. In den fünfziger Jahren begann eine teilweise heftig geführte Diskussion über das umgangsmäßige Singen. Dabei standen sich Musikpädagogen, die glaubten, man könne an die Singbewegung der zwanziger Jahre wieder anschließen und Kritiker wie Theodor W. Adorno gegenüber. Dieser sah - verkürzt gesagt - das umgangsmäßige Singen aus den oben genannten Gründen als problematisch an. Im Zuge der Bildungsreform in den sechziger und frühen siebziger Jahren trat das Singen in der Schule in den Hintergrund. Auch in Familie und Freizeit wurde aus unterschiedlichen und vielschichtigen Gründen - weniger traditionell gesungen. Zunehmende Reizüberflutung und eine wachsende Vielfalt an Freizeitangeboten waren andere Gründe dafür. Gleichzeitig gab es für viele Kinder immer weniger Lebensraum, in dem sie sich ausgiebig bewegen und (auch laut) akustisch äußern konnten. Ende der sechziger Jahre wurden der 'Folk' und in Deutschland die Liedermacherbewegung populär und bewirkten, dass zunächst unter Jugendlichen und dann mit Kindern wieder mehr gesungen wurde. Da in dieser Musik viele Lieder aus dem erzählenden Sprechgesang zur Gitarre entstanden sind (man denke an Reinhard Mey), liegen diese in der Lage der Sprechstimme entsprechend oft sehr tief. Ähnlich verhält es sich auch mit den leicht singbaren Titeln aus der Popmusik. Wenn etwas höher gesungen wird, dann meistens so hoch, wie es den Singenden mit der Bruststimme gerade noch möglich ist. Wer nun seine möglichen höheren Töne im Bereich der Kopfstimme nie entdeckt hat, für den wird es etwa zwischen h´ und d´´ bereits mühsam.

Ganz fatal für die Entwicklung der Kinderstimme aber ist es, wenn

- keine Gelegenheit zum Entdecken aller stimmlichen Möglichkeiten - einschließlich der hohen Region mit der Kopfstimme - gegeben wird,
- Kinder beim Singen durch Erwachsene in deren unteren Lagenbereich gezwungen werden, weil es für diese gerade so bequem ist, beispielsweise unter c´.

Eine ausschließliche Orientierung an Erfolgsprodukten der Musikindustrie ist nicht entwicklungsfördernd wie das Bewahren wollen unzeitgemäßer Volkslieder. Es gibt hingegen vieles von zeitlos guter Qualität in allen Epochen und Stilen zu entdecken.

Ein Zurück gibt es nicht, Vielfalt schon

Im Vor- und Grundschulbereich hat sich ein Singstil entwickelt, dessen Defizite fast schon ästhetisches Leitbild geworden sind. Kindermusicals sowie szenische Lieder und Songs offenbaren dies in besonderem Maße.

Auf Rhythmus und Text wird genauso Wert gelegt, wie auf die selbstbewusste Darstellung "starker" Kinder. Das ist eine wichtige Errungenschaft des Kindertheaters der siebziger und achtziger Jahre. Der Einsatz der Vollstimme und die genaue Arbeit an Melodie und Klang sind jedoch weit in den Hintergrund getreten. Wohlgemerkt, es geht nicht darum, einer vergangenen Ästhetik nachzutrauern, sondern mit Kindern so zu singen, dass diese in einer wichtigen Phase ihrer Entwicklung ihre physiologischen Möglichkeiten in der Fülle nutzen und nicht ein Teil (die tiefe Bruststimme) auf Kosten des anderen (der Randstimme) überstrapaziert wird. Auch Singtheater, Musicals und Liedmaterial aus dem Genre der Populären Musik lassen sich dadurch reichhaltiger und farbiger gestalten! Falsches Sprechen und Singen, das bedeutet physiologische Gegebenheiten teilweise nicht in Anspruch zu nehmen (die dann verkümmern) und sie andererseits zu überbeanspruchen, also mit sich selbst unökonomisch umzugehen. Die Zahl der Lehrer/-innen und Erzieher/-innen, die ihren Sprechberuf frühzeitig aufgrund von Stimmproblemen nicht mehr ausüben können, ist enorm gestiegen. Eine gesunde und robuste Stimme ist heute mehr denn je Voraussetzung für erfolgreiche Erziehungsarbeit, weshalb der Stimmhygiene hier ein deutlich höherer Stellenwert zugemessen werden muss.

5.2.3. Welche Lagen mag die Stimme?

Antwort: Alle möglichen. Bereits Säuglinge verfügen über einen größeren Stimmumfang, als früher angenommen wurde. Sie haben zunächst nur noch keine bewusste Kontrolle darüber. Bei Kleinkindern erweitert sich der Stimmumfang bald auf c´ bis f´´ und danach darüber hinaus nach oben bis a´´ und nach unten bis a/g, wobei die Töne unter d´ anteilig selten und vor allem ohne Kraftanstrengung gesungen werden sollen. Eine gute Kernsinglage liegt zwischen d´ und f´´. Der Umfang alleine ist aber nicht das einzige Kriterium für die Liedauswahl. Es kommt auch darauf an, wo sich das Zentrum der Tonart befindet und in welchem Bereich sich die Stimme dabei überwiegend bewegt. So ist "Bruder Jacob" in F-Dur angemessen zu singen (Umfang c´-d´´), da die meisten Töne zwischen f´ und d´´ liegen; nur in der letzten Zeile wird c´ im Sprung erreicht:

"Rhythm and Syncopation" dagegen läge für kleinere Kinder in C-Dur zu tief. Obwohl der tiefste Ton auch hier c´ wäre, so bewegte sich die Melodie dabei überwiegend zwischen c´ und g´. E-Dur wäre in diesem Falle angebrachter:

Grundsätzlich gilt für Kinder wie Pädagogen/innen auch hier der Grundsatz, Singende dort abzuholen, wo sie gerade sind.

Zwei Strategien sollten nebeneinander versucht werden:

- Lieder immer wieder schrittweise ein wenig höher singen,
- Auch einmal direkt eine Terz bis Sexte (etwa zwei bis fünf Tonstufen) höher ‚springen‘.

Kinder entdecken und nutzen dann zuweilen selbst ihre Kopfstimmfunktion, weil schon der Beginn des Liedes dies erfordert. Dass ungeübt die jeweils obersten Singtöne zunächst ein wenig Mühe machen, sollte zum Weitermachen und zur Gewohnheit führen und nicht dazu, diese Töne zu meiden!

5.2.4. Instrumente sind nicht ‚egal‘

Zur Begleitung des Singens lassen sich viele Gegenstände und Instrumente verwenden. Hier einige Gedanken über Instrumente für das (Vor-)Spielen und Begleiten von Melodien. Prinzipiell sollte jede/r, der/die mit Kindern singt, den Umgang mit der Stimmgabel beherrschen oder üben. Ob mit oder ohne Stimmgabel, Metallophonstäbe von c´ bis g´´ leisten gute Dienste (am besten ‚Klingendes Stäbe‘ mit Resonanzkästchen, die sowohl nebeneinander als auch einzeln verteilt werden können). Zur Begleitung des Singens eignen sich auch tiefere Klänge. Die Schlägel dürfen für Kinderhände nicht zu lang und schwer sein. Aus dem Kniesitz heraus lässt sich meist gut spielen. Es ist sehr leicht zu sehen, ob das Anschlagen für Kinder einen natürlichen Bewegungsablauf darstellt.

Ansonsten müssen Sitz oder Stand dem Instrument - oder umgekehrt - angepasst werden. Xylophontöne werden wegen ihres kurzen Klangs in den ersten Anfängen des Singens als Melodietöne oft nicht so gut erkannt. Sie werden zudem in der Praxis meist mit zu weichen Schlägeln gespielt. Es ist erwiesen, dass Kinder höhere und obertonreiche Klänge besonders gut übers Ohr aufnehmen können. Das Glockenspiel ist dennoch nicht unproblematisch, das es meist ein bis zwei Oktaven über der Kinderstimme liegt und von kleinen Kindern motorisch oft t nicht genau zu handhaben ist. Die Töne der Sopranflöte klingen eine Oktave höher als die Singtöne (weshalb in Flötennoten eine kleine 8 über dem Violinschlüssel steht), können aber verwendet werden. Bei tieferen Flöten, die eigentlich noch in der Singlage tönen, wird der Klang von Kindern durch seine Farbe oft als tiefer empfunden. Darum ist darauf zu achten, dass Kinder hier nicht in ihren untersten Stimmbereich wechseln. Gleiches gilt für die Gitarre, die eigentlich ein Tenor/Bassinstrument ist. Sie klingt eine Oktave tiefer (weshalb bei Gitarrennoten eine kleine 8 unter dem Violinschlüssel steht). Ein Melodievorspiel auf der Gitarre in der Singlage findet daher nur auf der h- und der oberen e-Saite statt.

In der Praxis werden Lieder mit Gitarrenbegleitungen oft zu tief angestimmt, weil die besser geeignete Tonart "schwer" zu greifen ist. Dieses Argument entfällt bei Verwendung eines Capodasters.

Erklärung wichtiger Begriffe:

Bruststimme: In dieser Funktion schwingt hauptsächlich der innere Stimmbandmuskel, die Randregion außen jedoch kaum bis gar nicht.

Kopfstimme: In dieser Funktion - auch Randstimme genannt - schwingen nur die Ränder der Stimmlippen.

Stimmlippen: Die schwingenden, von Bändern mit Schleimhaut ummantelten Muskeln (daher auch Stimmbänder genannt).

Vollstimme: Hier schwingen die ganzen Stimmlippen einschließlich der Ränder.76

5.3. Carl Orff

Namensgeber war der Komponist und Musik-Pädagoge Carl Orff (1895-1982). Er gründete 1924 zusammen mit Dorothee Günther eine Schule für Gymnastik, Musik und Tanz in München und schrieb zwischen 1930 und 1935 das Schulwerk: Musik für Kinder, das die Grundlage der gesamten heutigen musikalischen Früherziehung bildet.

In seiner kompositorischen und pädagogischen Arbeit experimentierte er mit verschiedenen neuen Instrumenten, die er zusammen mit dem Instrumentenbauer Karl Maendler entwickelte. Stabspiele, Xylophone und Metallophone bildeten den Grundstock des von Orff geschaffenen Schlagwerk-Orchesters. Orff wurde hierbei stark von der afrikanischen und indischen Musik beeinflusst. In beiden spielt der Rhythmus und die Improvisation eine entscheidende Rolle.

In seinen Kompositionen kombinierte er die herkömmlichen Instrumente wie Geige, Cello, Querflöte, usw. häufig mit diesen Instrumenten.

Auch in seiner elementaren Musikerziehung wurden die Instrumente benutzt, da sie leichter zu handhaben sind als beispielsweise Klavier und Gitarre. Sie können schon von Kleinkindern und Kindergartenkindern gespielt werden, denn sie erfordern keine komplizierten Bewegungen in der Ausführung. Alle Orff-Instrumente sind vielfältig einsetzbar und können so gemäß den pädagogischen Zielen Carl Orffs den Kindern helfen, eine ganzheitliche Welt aus Musik, Bewegung und Sprache kennen zu lernen.77

5.3.1. Carl Orffs pädagogische Idee

5.3.1.1. Verknüpfung von Sprache, Musik und Tanz

Die gemeinsame Wirkung von Sprache, Musik und Tanz geben immer wieder Anlass, das Sprechen mit dem Singen, das Musizieren mit dem Tanzen, das Sich- Bewegen mit dem Sich- Begleiten zu verbinden. Für das Kind sind Sprache, Musik und Tanz ein noch nicht differenziertes Handlungsfeld; eins ergänzt sich mit dem anderen. Als formende Kraft ist der Rhythmus allen gemeinsam. „Elementare Musik ist nie Musik allein, sie ist mit Bewegung, Tanz und Sprache verbunden“, sagt Carl Orff.

5.3.1.2. Instrumentale Dimension

Für viele Jugendliche und Erwachsene, die keine Gelegenheit hatten, ein Musikinstrument zu erlernen, bietet das Orff Instrumentarium einen direkten Kontakt zur Musik. Zur gesunden Melodie kommt nun der Rhythmus, das Metrum, der Klang des begleitenden Instruments. Diese Instrumente erlauben auch heute die Gestaltung von Klagspielen, die Begleitung der singenden und tanzenden Kinder, die instrumentale Improvisation.

Das von Orff eingeführte Instrumentarium ermöglicht es, die Schüler zu einem handlungsorientierten Musikunterricht zu motivieren.

5.3.1.3. Erfahrung der Gestaltbarkeit

Carl Orff fordert, dass im elementaren Musizieren und Tanzen nicht nur Modelle wiedergegeben werden, sondern dass diese eine eigenständige Auseinadersetzung provozieren, gewissermaßen als Impuls selbstständige Gestaltung verstanden werden sollen. Durch aktive Produktivität wird das Verhältnis des Menschen zur Musik, sein Verhalten gegenüber der Musik wesentlich verändert.

5.3.1.4. Das Orff’sche Instrumentarium

Rassel:

Sie besteht aus einem Hohlkörper, der bewegliches Material enthält, das bei einer Schüttelbewegung ein Rasselgeräusch erzeugt. Eine Rassel kann sich jedes Kind selber herstellen.

Holzblocktrommel:

Der Name beschreibt Material und Bauart dieses Instrumentes. Es wir mit Holzkopf- oder Gummikopfschlägeln gespielt. Der harte, helle Klang der Holzblocktrommel ist sparsam zu verwenden, um die Wirkung nicht durch übermäßigen Gebrauch zu entwerten.

Schlagstäbe:

Darunter versteht man ein paar Stäbe aus gutklingendem Holz, Bambus oder anderem Material, die gegeneinander geschlagen werden. Sie sind so anzufassen, dass die Stabenden frei bleiben. Besonders gut sind sie in Bewegungsspielen einsetzbar.

Cymbeln und Becken:

Darunter versteht man Instrumente bzw. Instrumentenpaare, die aus runden Metallplatten, -schalen oder -tellern bestehen, deren Rand schwingt, während die Mitte ruht und daher auch ohne Schaden für den Klang mit einem Halteriemen versehen wird.

Triangel:

Der Triangel, ein dreieckiger gebogener Metallstab, wird mit einem Faden oder einer Darmseite an einem Winkel aufgehängt bzw. mit der linken Hand hängend hochgehalten und mit einem Metallstab angeschlagen. Der Einsatz dieses Instrumentes sollte gut überlegt sein.

Rahmentrommel:

Rahmentrommeln sind Einfelltrommeln, deren Fell über einen Holzrahmen gespannt sind. Sie werden in verschiedenen Größen mit und ohne Spannschrauben gebaut und können mit einer Hand oder mit einem Schlägel gespielt werden. Eine Rahmentrommel mit Schellen heißt Schellentrommel. ( Irrtümliche Bezeichnung: „Tamburin“).

Kleine Trommel:

Sie ist eine Doppelfelltrommel, die mit und ohne Schnarrsaiten zu verwenden ist. Sonstige Trommeln und anderes Schlagzeug:

Schellenbänder, Schellenrasseln, größere Doppelfelltrommeln, Bongos, Congas, Tamtams, Fasstrommel, Schrapphölzer, Ratschen und andere Geräuschinstrumente.

Die Stabspiele

Die erste Gruppe sind die Stabspiele. Sie werden zum Anbahnen des Melodiebewusstseins und der Liedbegleitung, aber auch beim reinen instrumentalen Spielen eingesetzt.

Unter Stabspielen versteht man Schlaginstrumente, die aus einem Resonanzkasten und einer Reihe abgestimmter Klangstäbe aus Holz oder Metall bestehen, die mit Schlägeln zu Klingen gebracht werden. Stabspiele mit Holzstäben heißen Xylophone, solche mit Mettstäben Glockenspiele und Metallophone. Die Stabspiele können mit Schlägel verschiedener Art gespielt werden, doch hat jeder Instrumententyp eine bestimmte Schlägelart, die hauptsächlich verwendet wird und dem Wesen des Instrumentes am besten entspricht. So werden Xylophone meist mit Hartfilz- oder Gummikopfschlägeln gespielt. Glockenspiele hingegen werden vornehmlich mit Holzschlägeln gespielt. Das Metallophon wird mit Holzkopfschlägeln angeschlagen.

Bassinstrumente:

Dies sind oft tiefe Saiteninstrumente.

5.3.1.5. Aufstellen der Instrumente und Gruppierung der Musizierenden

Ein sehr wichtiger Punkt beim gemeinsamen Musizieren ist das Aufstellen und Wegräumen der Instrumente, das möglichst bald den Kindern überlassen werden sollte. Das Ordnen der Stäbe bei den Stabspielen bedeutet für die Kinder keine besondere Schwierigkeit, da sie, wenn sie die Reihenfolge der Töne noch nicht wissen sollten, die Blättchen nach der Größe auflegen können.

Die Aufstellung der Instrumente erfolgt nun folgendermaßen:

Rechts vom Lehrer werden die tiefen, links die hohen Instrumente angebracht. Das Schlagwerk kann beliebig verteilt werden und je nach der Rolle, die es spielt, seinen Platz erhalten. Der Lehrer muss auch darauf achten, dass jedes Kind genügend Bewegungsraum hat.

6. Bausteine für die didaktische Umsetzung im Religions- und/ oder im Musikunterricht

6.1. Advent- und Weihnachtslieder

Bei allen christlichen Völkern gibt es sie in großer Zahl. In England heißen sie Christmas Carols. Die ältesten deutschen Weihnachtslieder wurden schon im 11.-14. Jahrhundert aufgezeichnet. Die heute volkstümlichsten Weihnachtslieder entstanden meist erst im 18. und 19. Jahrhundert. Besonders bekannt ist die Entstehungsgeschichte von "Stille Nacht, heilige Nacht".

6.1.1. Stille Nacht, heilige Nacht

Geschichtliches: In der ganzen Welt kennt man dieses für viele Menschen schönste Weihnachtslied, das um die Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Siegeszug über die Grenzen des Ursprungslandes Österreich antrat. Im Unterschied zu vielen älteren Weihnachtsliedern sind hier Dichter und Komponist bekannt. Den Text schrieb der katholische Pfarrer Joseph Mohr und die Noten der Lehrer Franz Xaver Gruber. Die Uraufführung war am 24. Dezember 1818. Mohr wurde in Salzburg als Sohn eines Musketiers und einer Strickerin geboren. Väterliche Gönner ermöglichten dem aufgeweckten Knaben den Besuch der Laienschule des Stifts Kremsmünster. In Salzburg empfing er 1815 die priesterlichen Weihen und kam über eine Bergpfarrei im Lungau in den etwa eine halbe Autostunde von Salzburg entfernten Marktflecken Oberndorf, wo er den als Organisten tätigen Lehrer Gruber aus dem Nachbarort Arnsdorf kennen lernte und bald zum Freund gewann. Aus dieser Verbindung entstand das vielleicht innigste Weihnachtslied, das zur Christmette des Jahres 1818, zweistimmig zur Gitarre gesungen, in der Dorfkirche von Oberndorf seine Welturaufführung erlebte und die anwesenden einfachen Menschen sofort in seinen Bann schlug. Im Jahre 1838 wurde das Lied von einem Zillerthaler Quartett nach Leipzig gebracht und fand 1843 Aufnahme in Gebhardts "Musikalischen Hausfreund".78

Stille Nacht, heilige Nacht 79

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Musikpädagogische Überlegungen:

Trotz der Wiegenlied Melodie ist es eigentlich kein Kinderlied. Aber ich finde, dass man es schon in der Grundstufe I anbieten könnte, da es die Kinder wahrscheinlich von der Familie, aus den Medien oder vom Gottesdienst her kennen.

Außerdem würde ich es den Kindern frei lassen ob sie mitsingen, mitsummen oder nur zuhören wollen.

Ich kann mir vorstellen, dass die Kinder die nicht so gerne singen mit einfachen Orff –Instrumenten im Grundton und im Metrum das Lied begleiten. Stabspiele und die Triangel klingen sicher sehr gut dazu.

In der Grundstufe II bietet sich eine richtige Erarbeitung des Liedes mit Gitarre, Flöten und Orff - Instrumenten an. Vielleicht funktioniert auch die Erarbeitung der 2. Singstimme. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man von der 1. Klasse an mit den Kindern aktiv singt und musiziert.

(Playback Version dieses Liedes im Anhang auf der CD.)

6.1.2. Ihr Kinderlein kommet

Der Hofkapellmeister Johann Abraham Peter Schulz schrieb 1794 in Kopenhagen die Melodie - allerdings für ein ganz anderes Lied. Die neue Textunterlegung nahm 1811 der Dinkelsbühler Priester und Jugendschriftsteller Christoph Schmid vor.

Ihr Kinderlein kommet80

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.1.3. O du fröhliche

Ein sizilianisches Schifferlied lieferte die Melodie für dies in unseren Breiten mit zu den beliebtesten Weihnachtsliedern zählende Lied. Von Johannes Daniel Falk (1768-1826), dem Erbauer des "Lutherhofs", eines Hauses für 'Waisen und gefährdete Kinder' in Weimar, stammt der Text.

O du fröhliche81

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. O du fröhliche, o du selige,

gnadenbringende Weihnachtszeit!

Christ ist erschienen

uns zu versühnen

freue, freue dich, o Christenheit!

3. O du fröhliche, o du selige,

gnadenbringende Weihnachtszeit!

Himmlische Heere

jauchzen dir Ehre,

freue, freue dich, o Christenheit!

Musik- und religionspädagogische Überlegung:

Dieses Lied ist sicher in der Grundstufe II zu erlernen. Hier bietet es sich wieder an mit Orff Instrumenten zu arbeiten.

6.1.4. Weihnachtsstern (Indianische Weise)

Dieses Lied gefällt mir persönlich sehr gut. Es ist sehr einfach und schlicht und ich finde gerade das ist daran so bestechend. Eine Orff-Begleitung mit Rumbakugel, Cymbeln und Triangel klingt sicherlich gut dazu. Und dann noch die 2.Stimme im Mittelteil -ein wirklich wunderschönes Lied.

Das Lied ist auch schon für die Grundstufe I -2.Klasse geeignet, weil sich ein jedes Kind bemühen wird, dieses Lied zu können.

Weihnachtsstern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.1.5. Es ist ein Ros´ entsprungen

Bei den ältesten Fassungen von 1599 und 1605 handelt es sich um ein katholisches Marienlied, dem die Legende von einer zur Weihnachtszeit erblühten Rose unterlegt wurde. In Wirklichkeit ist das Wort Ros' (=Reis) Hinweis auf die Abstammung Jesu von Jesse, dem Vater des Königs David. Die heutige zweistrophige Version stammt von Michael Praetorius (1621) aus dem Jahre 1609.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es ist ein Ros´ entsprungen82

2. Das Röslein, das ich meine,

davon Jesaias sagt,

hat uns gebracht alleine

Marie,die reine Magd.

Aus Gottes ew'gem Rat

hat sie ein Kind geboren,

wohl zu der halben Nacht.

Musik- und religionspädagogische Überlegungen:

Eingige Kinder werden dieses Lied sicher entweder vom Gottesdienst oder von zu Hause kennen.

Dieses Lied ist sehr schwierig im Text und auch in der Melodie. Dieses Lied passt von seiner Aussage her eigentlich nur in die Religionsstunde, bei der der Schüler Erklärungen zu diesem Lied erhält und ich glaube es eignet sich nicht für eine interreligiöse Klasse. Wenn man dieses Lied mit den Schüler singen möchte, wird es frühestens, so glaube ich, in der 4. Klasse möglich sein.

6.1.6. O Tannenbaum, O Tannenbaum

Dies ist ein ausgesprochen fröhliches Lied - kein Wunder, denn die Melodie ist eine Mazurka, die ursprünglich zu verschiedenen Studentenliedern gehörte. 1820 wurde daraus ein heiteres Liebeslied, das mit "O Tannenbaum" begann. Vier Jahre später dichtete der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz die zweite und dritte Strophe um, so dass daraus das bekannte Weihnachtslied wurde.

O Tannenbaum, O Tannenbaum83

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. O Tannenbaum, o Tannenbaum,

du kannst mir sehr gefallen.

Wie oft hat doch zur Weihnachtszeit

ein Baum von dir mich hoch erfreut.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,

du kannst mir sehr gefallen.

3. O Tannenbaum, o Tannenbaum,

dein Kleid will mich was lehren:

Die Hoffnung und Beständigkeit

gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,

dein Kleid will mich was lehren.

6.1.7. Jingle Bells

Von diesem Lied gibt es natürlich auch eine deutsche Fassung, ansonsten gäbe es damit in der Volksschule Probleme.

Dieses Lied wird sicher sehr begehrt werden, da es zum singen, tanzen und mitspielen einlädt. (Die Orff Begleitung zu diesem Stück ist im Anhang, Abbildung 4, und stammt von Franz Moser)

Jingle Bells (Original Fassung)

C F

1. Dashing through the snow in a one-horse open sleigh,

G G7 C

o´er the fields we go, laughing all the way.

F

Bells on bobtail ring, making spirits bright,

G G7 C

what fun it is to ride and sing a sleighing song tonight.

C F C

Jingle bells, jingle bells, jingle all the way,

F C D G - G7

oh, what fun it is to run in a one-horse open sleigh.84

C

Jingle bells, jingle bells, jingle all the way,

F C G G7 C

oh, what fun it is to run in a one-horse open sleigh.

C F

2. A day or two ago, I thought I`d take a ride,

G G7 C

and soon Miss Fanny Bright was seated by my side.

F

The horse was lean and lank, misfortune seemed his lot,

G G7 C

we got into a drifted band and we, we got upset. + Refrain

C F C

Jingle bells, jingle bells, jingle all the way,

F C D G - G7

oh, what fun it is to run in a one-horse open sleigh.

C

Jingle bells, jingle bells, jingle all the way,

F C G G7 C

oh, what fun it is to run in a one-horse open sleigh.

Jingle Bells (Deutsche Fassung)

C

Jingle Bells, Jingle Bells, klingt es weit und breit -

F C D7 G

schön ist eine Schlittenfahrt im Winter, wenn es schneit.

C

Jingle Bells, Jingle Bells, klingt es weit und breit -

F C G7 C

mach mit mir ´ne Schneeballschlacht, denn nun ist Winterzeit!

C F

Ein kleiner weißer Schneemann, der steht vor meiner Tür,

d G C

ein kleiner weißer Schneemann, war gestern noch nicht hier!

C F

Und hinter´m Haus der Schlitten, der läd uns alle ein,

d G C

zur aller ersten Schlittenfahrt ins Winterland hinein!

C

Jingle Bells, Jingle Bells, klingt es weit und breit -

F C D7 G

schön ist eine Schlittenfahrt im Winter, wenn es schneit.

C

Jingle Bells, Jingle Bells, klingt es weit und breit -

F C G7 C

mach mit mir ´ne Schneeballschlacht, denn nun ist Winterzeit!

C F

Durch den Winterwald saust der Schlitten schnell

d G C

Die Peitsche lustig knallt, Glöckchen klingen hell!

C F

Gelächter weit und breit aus aller Munde springt.

d G C

Wie schön ist doch die Winterzeit, wenn´s Schlittenlied erklingt!

C

Jingle Bells, Jingle Bells, klingt es weit und breit -

F C D7 G

schön ist eine Schlittenfahrt im Winter, wenn es schneit.

C

Jingle Bells, Jingle Bells, klingt es weit und breit -

F C G7 C

mach mit mir ´ne Schneeballschlacht, denn nun ist Winterzeit!85

Zu diesem Lied gibt es auch einen Tanz den man mit den Kindern tanzen könnte.

Jingle Bells - Tanz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufstellung: Paarweise im Flankenkreis. Tänzerin steht rechts neben dem Tänzer. Blick in Tanzrichtung. Kreuzhandfassung vorne (rechter Arm des Tänzers über dem linken Arm der Tänzerin.).

A Takt 1 - 2: Vier kleine Seitgaloppschritte zur Kreismitte und wieder zurück.

Takt 3 - 4: Dasselbe wird wiederholt. Die Tanzpaare bewegen sich dabei im Zickzack nach vor.

Takt 5 - 8: Der Tänzer schwingt den rechten Arm hoch und dreht seine Tänzerin ohne die Fassung zu lösen nach außen. Beide stehen nun mit dem Rücken zur Kreismitte. Die gefassten Arme sind in Schulterhöhe gestreckt. So wird im Galoppschritt in Tanzrichtung getanzt. Am Schluss dreht der Tänzer mit seiner rechten Hand die Tänzerin wieder nach links zur Gegenüberstellung zurück.

B1 Takt 1 (3x): Dreimal in die eigenen Hände klatschen und dreimal in die Hände des Partners.

Takt 2 (5x): Fünfmal in die eigenen Hände klatschen.

Takt 3 - 4: Die Partner haken mit den rechten Armen ein und gehen zweimal mit kleinen Gehschritten im Uhrzeigersinn um ihre eigene Achse.

B2 Takt 1 - 4 : Wiederholung des Teiles B1, jedoch links einhaken und kreisen gegen den Urzeigersinn.

Wird der Jingle - Bells mit Partnerwechsel getanzt, gehen die Paare bei der Wiederholung von B2 Takt 3 - 4 nur einmal links herum, worauf die Fassung gelöst wird und der Tänzer zur nächsten Tänzerin vorgeht.86

6.2. Advents- und Weihnachtsspiele

6.2.1. Das Spiellied - Drei Ebenen greifen ineinander

Gehen wir vom Begriff des Spielliedes aus, dann wird deutlich, dass drei Ebenen für Erfahrungen ineinander greifen:

™- Das Spiel vermittelt Spaß am gemeinsamen Tun, verlangt Spontaneität und eröffnet Chancen zum sozialen Lernen.
-™ Die Liedmelodie bietet Gelegenheit für musikalisierende Erfahrungen.
™- Und der Liedtext stellt konkrete Inhalte in ryhtmisierter Form dar und garantiert den Kindern ein (lern-) Erlebnis durch mehr oder weniger deutlich formulierte Regeln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten87

6.2.2. Advents- und Weihnachtsspiellieder

6.2.2.1. Ein Weihnachtslied als szenisches Spiel

Hier habe ich versucht das Lied „Was hat wohl der Esel…“ Spielbar zu machen.

Außerdem habe ich einige Weihnachtslieder, die vom Zusammenhang gut hinein passen, eingebaut.

Darsteller:

Erzähler (Sprechrolle)

Esel (Sprechrolle)

Maria (Singrolle)

Josef (Singrolle)

4 Wirte (nur Gesangsrolle)

Sänger (Rest der Klasse)

Benötigtes Material:

1 Puppe

1 Krippe

Gewandt zum Verkleiden

„Was hat wohl der Esel gedacht?“

Erzähler: Ihr wisst ja alle und habt es gerade gehört, dass Jesus in einem Stall auf die Welt gekommen ist. Schaut mal her, dort steht er. Seht ihr ihn?

Esel: IAAH!

Erzähler: Was war das denn? Esel: IAAH!

Erzähler: Ja tatsächlich, da wohnt ja schon einer drin!

Esel: Natürlich wohnt hier einer drin. Ich der Esel! Das ist mein Stall!

Erzähler: Ist ja gut. Es will dir ja auch keiner deinen Stall wegnehmen.

Esel: Und was wollen die vielen Leute hier? Warum gucken die mich alle so an? Erzähler: Die wollen Weihnachten feiern!

Esel: In meinem Stall?

Erzähler: Nein, die bleiben bestimmt draußen! Esel: Da bin ich ja beruhigt.

Erzähler: Na, das war ja ein Schreck. Dass der Esel da wohnt, hätte ich ja fast vergessen.

Du Esel, sollen wir den Kindern und den Erwachsenen erzählen, was damals geschah? Esel: Au ja!!

Erzähler: Maria und Josef wohnten in Nazaret. Josef war Zimmermann. Maria seine Braut war schwanger.

(2 Kinder spielen Maria und Josef und gehen auf der Bühne auf und ab - oder durch die Klasse.)

Jetzt machten sie sich auf. Sie gingen nach Bethlehem. Die Nacht war dunkel.

Und der Weg war weit. Endlich kamen Maria und Josef an. Sie waren müde und suchten eine Unterkunft. Sie klopften an alle Türen.

Doch so lange Josef auch suchte, niemand wollte die beiden aufnehmen. Endlich zeigte einer ihnen den Stall. Josef dachte sich, das ist immerhin besser als nichts. Und die beiden gingen hinein.

Lied: Wer klopfet an? - Herbergssuche (Gesungen von Maria, Josef und den 4 Wirten)

(Siehe Abbildung 1 im Anhang)

Erzähler: Als sie in dem Stall angekommen waren, kam für Maria die Zeit der Geburt. Sie brachte ihren Sohn Jesus zur Welt. Und weil sie keinen anderen Platz fand, nahm sie als Bettchen für ihr Kind die Krippe.

(Maria legt das Jesuskind (Puppe) in eine Krippe.)

Lasst uns nun dem Jesuskind ein Lied singen.

Lied: Ihr Kinderlein, kommet (Hier können alle Kinder mitsingen)

(Siehe Kapitel 7.1.3.)

Erzähler: Na Esel, das war aber eine Überraschung für Dich. Das ist doch schön - oder? In deinem Stall wurde Jesus geboren. Deine Futterkrippe war sein Bettchen. Du hast dich doch sicher gefreut?

Esel: Nichts da, im Gegenteil! Geärgert habe ich mich! Ihr habt dem Kind gerade ein Lied gesungen. Ich habe ihm auch ein Lied gesungen, aber ein ärgerliches. Ich habe mich nämlich fürchterlich geärgert, dass die gerade so

Erzähler unterbricht:

Aber Esel, wusstest du denn nicht, wer das war, der da geboren wurde?

Esel: Nein, wie sollte ich denn? Niemand hat mir ja etwas gesagt. Die kommen einfach rein, kriegen ein Kind und legen es in meine Krippe! Da wärst du doch sicher auch sauer geworden! Aber dann ging es ganz komisch weiter. Plötzlich leuchtete ein heller Stern über meinem Stall auf:

(Ein Kind trägt den Stern herbei und stellt ihn neben die Krippe.)

Und dann höre ich Engel singen. Stellt euch das vor: Engel. Sie singen: Freut euch, ja freut euch ihr Menschen. Jesus ist geboren!

Und Hirten kommen zu meinem Stall, kommen hinein, knien sich nieder und beten das Kind an und sagen:" Ja, Jesus, du bist Gottes Sohn. Endlich bist du zu uns auf die Erde gekommen. So lange haben wir schon auf dich gewartet". So dankbare Menschen habe ich noch nie gesehen . Und plötzlich bin ich richtig rot geworden. Der große Gott ist in meinem Stall ein kleiner Mensch geworden und ich, ich ärgere mich, ich motze sie an..

Au man, bin ich ein Esel! Ein richtiger Esel!!

Am Anfang hätte ich ja die drei am liebsten rausgeschmissen. Aber jetzt, jetzt bin ich richtig stolz. Jesus ist in meinem Stall geboren und Maria hat ihn in meine Krippe gelegt. Dann bin ich ganz schüchtern zu dem Kind hingegangen und habe es angeschaut. Und stellt Euch vor, es hat mich angelächelt! Und Maria und Josef haben mich hinter den Ohren gekrault. Da war der ganze Ärger vergessen. Und als die Engel wieder gesungen haben, haben die Hirten mitgesungen und ich natürlich auch!

Lied: O Jubel, o Freud

(Siehe Anhang Abbildung 2)

Esel: Ja und dann, dann haben sich die Hirten wieder hingekniet und haben Jesus erzählt, was sie auf dem Herzen haben. Sie haben ihm ihre Bitten gesagt.

Abschlusslied: Was hat wohl der Esel …

(Siehe Anhang Abbildung 3)

6.2.2.2. Spiellied - Sinas Wunschzettel

Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine besonders bewegungsarme Zeit, weil draußen meist Matschwetter herrscht, es bald dunkel wird und die Kinder deshalb kaum ins Freie kommen. Aber auch, weil dadurch bedingt noch mehr Zeit vor dem Fernseh- oder Videogerät und vor dem Computer verbracht wird. Gleichzeitig sind viele Erwachsene gestresst und verbreiten auch zu Hause vorweihnachtliche Hektik. Im Kindergarten beginnt für die Kinder eine eher stille Zeit mit Kerzenschein und besinnlichen Geschichten und die innere Spannung auf das Weihnachtsfest wächst und wächst und wächst. Da ist es wichtig, einen „bewegten

Ausgleich“ zu schaffen. Was liegt näher, als Teile der Weihnachtsgeschichte in Bewegung umzusetzen und deren Inhalt über Sinne und Bewegung zu vermitteln? Und warum nicht einmal, statt in den Gruppen- oder Intensivraum, in den Turnraum gehen und BARFUSS spielen? Wenn die Kinder warme Trainingshosen tragen, werden die „Barfüße“ als angenehm und temperaturausgleichend empfunden und für die Kräftigung und Abhärtung der Füße ist es gesund barfuss zu laufen. Die Füße tragen uns von morgens bis abends durch das Leben und werden von uns viel zu wenig beachtet. Auch in der Weihnachtsgeschichte „Das Volk Israel soll gezählt werden“ spielen die Füße eine wichtige, aber wenig beachtete Rolle. Die Kinder sollen durch die Beispiele nicht nur Freude an der Bewegung haben, sie sollen Sinneserfahrungen mit ihren Füßen machen und die erzählte Geschichte sinnlich erleben. Im Folgenden beschreib ich zwei Bewegungsspiele zur Weihnachtszeit mit einigen Tipps für Lehrerinnen. Die Kinder freuen sich jedes Jahr ganz besonders auf das Weihnachtsfest, denn da gibt es schöne Geschenke. Fleißig malen oder schreiben sie ihre Wunschzettel.

Alle Leute kaufen Weihnachtsgeschenke und in den Geschäften herrscht Hochbetrieb. Viele Leute fahren mit der Eisenbahn in die nächst größere Stadt. Alle Kinder stellen sich hintereinander und legen dem Vorderkind die Hände auf die Schultern. Dann kann die Reise losgehen. Die Eisenbahnschlange bewegt sich in Kurven durch den Raum, bis sie ankommen. Alles aussteigen! Nun seid auch ihr zum Einkaufen unterwegs und eilt durch die Stadt. Ist das eine Hektik! Alle Kinder eilen kreuz und quer und in Kurven umeinander herum, ohne zusammen zu stoßen. Was wünschen sich die Kinder denn? Alle von den Kindern genannten Begriffe stellen diese pantomimisch dar:

- Kreisel: Im Stehen, im Sitzen, in Bauch- oder Rückenlage am Ort drehen;
- Auto: Im Stehen oder Sitzen als Auto „fahren“;
- Ball: Im Stehen hüpfen, in der Bauchlage seitwärts rollen oder Purzelbaum machen;
- Malstifte: Mit dem Zeigefinger auf den Boden oder in die Luft malen;
- Katze oder Hund: Auf allen Vieren krabbeln;
- Puppe: Marionettenhaft bewegen, mit den Wimpern klimpern

Später fahren alle wieder mit der Eisenbahn heim (wie schon beschrieben).

Als das Christkind abends heimlich durch die Fenster schaut, um zu gucken, ob die Kinder brav sind, sieht es den kleinen Sinan seinen Wunschzettel schreiben. Eine Partnerübung: Die Paare sitzen hintereinander im Schneidersitz und das hintere Kind malt dem Partnerkind alles wie vorgegeben auf den Rücken. Wenn die Abfolgen der Wünsche den Kindern noch neu sind, immer vorher kurz ansagen, was als nächstes gemalt wird.

So, und nun dürft ihr selbst einen Weihnachtsbaum malen. Aber nicht mit den Händen, sondern mit den Füßen! Alle Kinder erhalten ein großes Blatt und Filzstifte, da diese sich leichter mit den Füßen handhaben lassen. Im Sitzen klemmen die Kinder den Stift zwischen die Zehen eines Fußes und malen. Große Kinder, die das schon können, dürfen zuletzt noch ihren Namen auf das Bild schreiben - natürlich mit den Füßen! Unter dem Titel „Mit den Füßen gemalt“ können die Bilder ausgestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6.2.2.3. Spiellied - Die Weihnachtsgeschichte

In Israel sind viele Menschen unterwegs, weil Kaiser Augustus sein Volk zählen will. Alle müssen in die Stadt, aus der sie stammen, denn dort werden sie gezählt. Wisst ihr, wo ihr geboren seid? Sicher wissen etliche Kinder noch nicht, wo sie geboren wurden. Alle erhalten den Auftrag zu Hause die Eltern zu fragen und mit ihnen über ihre Geburt zu sprechen. Viele Menschen machen sich auf den Weg, Große und Kleine, Eltern und Kinder und auch die Großeltern. Es gibt noch keine Eisenbahn, keine Omnibusse und keine Autos. Die meisten Menschen sind arm und sind zu Fuß unterwegs. Alle Kinder gehen kreuz und quer, in Kurven umeinander herum. Manche Kinder freuen sich, ihre Geburtsstadt wieder zu sehen und hüpfen vor Freude. Alle Kinder hüpfen vorwärts. Manche haben es unglaublich eilig. Alle Kinder eilen oder rennen durch den Raum.

Manche sind schon sehr müde vom weiten Weg, vielleicht haben sie schon Blasen an den Füßen und können kaum noch laufen. Alle Kinder gehen langsam oder humpeln. Wer blind ist, muss von einem Familienmitglied geführt werden. Partnerübung: Ein Kind lässt sich mit geschlossenen Augen vom Partnerkind führen. Bei dieser Übung sollten die Rollen unbedingt gewechselt werden. Einige Familien haben einen Esel und das schwächste oder müdeste Familienmitglied darf auf dem Esel sitzen. Partnerübung: Ein Kind geht in die Bankstellung und das Partnerkind setzt sich auf seinen Rücken. Vorsichtig krabbelt das untere Kind vorwärts. Viele gehen barfuss und ihre Füße fühlen die Erde. Sie ertasten steinige Wege, Sand, Wiesen oder Felder. Vielleicht waten sie auch durch kleinere Gewässer. Sicher wollen eure Füße auch einmal besondere Fühl-Erfahrungen machen. Dafür habe ich verschiedene Materialien mitgebracht, aus denen ihr einen Weg legen dürft. Alle Kinder bauen einen Weg aus einem Wollschal, Schmirgelpapier, einem Sisalteppichstück, einer Styroporplatte, einer Metallplatte, einer Schaumgummiplatte, einem Pelzstück, einem Frotteehandtuch, usw. und gehen mehrmals darüber. Eventuell diese Übung auch als Partnerübung gestalten: Ein Kind lässt sich mit geschlossenen Augen über den Weg führen. Danach werden die Rollen getauscht.

Die Menschen aus Israel haben unterwegs viele Begegnungen und Erlebnisse, die wir uns nun mit den Füßen vorspielen. So funktioniert das Fußtheater: Ein Betttuch wird so aufgehängt, dass es 20 cm Raum über dem Boden frei lässt. Je zwei Kinder dürfen hinter dem Vorhang mit den Füßen eine zuvor von ihnen ausgemachte Begegnung spielen. Ein Beispiel: Die Kinderfüße kommen gemeinsam von einer Seite bis zur Vorhangmitte, fangen dort einen Streit an - z.B. aufstampfen, treten, wegdrehen - vertragen sich dann wieder - z.B. streicheln - und gehen gemeinsam in die andere Richtung weiter. Wenn dies für die Kinder völlig neu ist, empfiehlt sich eine Demonstration durch zwei LehrerInnen

Kaiser Augustus lässt die geplante Zählung bekannt machen und viele Menschen machen sich auf den Weg. Auch Maria und Josef sind unterwegs. Sie sind auf dem Weg nach Bethlehem. Maria erwartet ein Kind und ist vom weiten Weg schon sehr müde. Sie sitzt auf einem Esel und Josef geht neben ihr. In Bethlehem wird sie ihr Kind bekommen und alle Christen feiern noch heute diesen ganz besonderen Tag.

Spielvorschlag

„Ausrufer mit Flüstertüte" steht auf einem Stuhl.

Viele Kinder gehen Kreuz und Quer und setzen sich dann wieder hin, außer Maria auf dem Eselkind und Josef bleibt noch ein Kind übrig. Dieses singt: „Ich muss noch nach..." und nennt seine Geburtsstadt. Maria und Josef antworten.

Ein Kind steht mit Cimbeln auf einem Stuhl, davor legen sich Maria und Josef schlafen.88

Schlusswort

Als ich mit dieser Diplom arbeit anfing, wollte ich eigentlich nur über Weihnachten schreiben, wie er in Österreich gefeiert wird, mit seinen Festen und Bräuchen. Doch dann hab ich ein Buch in die Hand bekommen. Es heißt Lichterglanz in aller Welt und wurde von Elke Anders verfasst. Ich fand es sehr interessant, nicht nur über die Österreichische Weihnachtskultur zu forschen, da ich ja selbst ein Mischlingskind bin.

Abschließend möchte ich noch festhalten, dass mir diese Arbeit, wenn sie auch zeitweise mühsam erschien, sehr viel Freude und Nutzen gebracht hat, und das in beiden Themenbereichen.

In Religion habe ich sehr viel dazugelernt bzw. mein Wissen und auch meinen Glauben wieder "aufgefrischt", in Musik durfte ich mich unter anderem mit dem Orff-Instrumentarium auseinandersetzen, mit dem ich vorher noch nicht allzu regen Kontakt hatte, habe also auch hier davon profitiert.

Literatur:

Regine Bestle-Körfer, Annemarie Stollenwerk: Winter zaubert alles weiß - Mit Kindern die Jahreszeiten erleben. Christophurus Verlag, 2001

Bernhard Lins, Kyrima. Trapp (Illustrator): Kindertheater zur Weihnachtszeit - 13 kurze Rollenspiele. Annete Betz Verlag, 1999 Wien

Christamaria Krahl: Neue Advents- und Krippenspiele. Für Kinder und Jugendliche. St. Benno Verlag, 2001

Hermine König: Das große Jahrbuch für Kinder -Feste feiern und Bräuche neu entdecken. Kösel - Verlag, München 2001

Alois Hadwiger: Religionspädagogische Bausteine, Wien 1997

Helga Maria Wolf: Das neue Brauchbuch - Alte und junge Rituale für Lebensfreude und Lebenshilfe. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien 2000

Marina Thudichum: Weihnachten für alle - Vom Martinstag bis zum Dreikönigsfest. Verlag Ludwig Auer, Donauwörth 1980

Brigitte Suppan: Hausarbeit - Advents und Weihnachtszeit - eingebettet in Feste und Bräuche - getragen von traditionellem und modernem Liedgut.“ Wien 1997

Willi Fährmann: Als die Blüten den Winter besiegten - Geschichten und Legenden von St. Barbara. Echter Verlag, Würzburg 1991

Dietrich Sattler (Hrsg.): Der Adventskranz und seine Geschichte - Bräuche und Feste in der advents- und Weihnachtszeit. Agentur des Rauhen Hauses Hamburg 1997

Georg Schwikart: Von Advent und Weihnachten den Kindern erzählt. Butzon & Bercker Kevelaer Verlag, Hannover 2001

Marianne Mehling: Großmutters goldene Weihnachtszeit - Geschichten, Lieder, Gedichte und viele Anregungen für die Advents- und Weihnachtszeit. Gondrom Verlag, Bindlach 1997

Christoph Baumgartiner, Alfred Habichler (u.a.): Religionspädagogik in einer veränderten Welt. Jugend & Volk Verlag, Wien 2002

Atje Flad, Marion Krätschmer, Paul Mangold: Wunderschöne Weihnachtsgeschichten. Egmont Pestalozzi Verlag, München 2002

Alberts Wolfgang: Schulfeste und Schulfeiern - Theoriekonzepte und Praxisanalysen. Ludgerus Verlag Hubert Wingen, Essen 1983

Waqldemar Bloch: Algemeine Musikkunde - Eine Einführung in die Grundbegriffe der usik für jedermann. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1994

Ingrid Scherl: Die schönsten Weihnachtsgeschichten.Franz Deuticke Verlag, Perlen-Reihe, Band 307, Wien

Elke Andersen: Lichterglanz in aller Welt - Multikulturell durch die Winter- und Weihnachtszeit. Herder Verlag, Breisgau 2002

Rupert Leitner, Hans Fink (u.a.): Religionspädagogik 1 - Theoretische Grundlagen und Arbeitsmaterialien. Jugend und Volk Verlag, Wien 1987

Franz Moser: Musikstücke für Orff Instrumente. Veritas Verlag, Linz 1991

Manuela Treitmeier: Brauchtum und Feste im (Kirchen) Jahr. Band 1 + 2, Pb-Verlag, Puchheim 1997

Lorenz Mierhofer, Renate Kern, Walter Kern: Sim-Sala-Sing - Lieder zum Singen, Spielen und tanzen. Edition Elbling Verlag, Innsbruck/Neu-Rum 1995

Religionspädagogische Praxis. Handreichungen für elementare Religionspädagogik, 10. Jahrgang, Heft 4/, Landshut 1985

Cornelia Nitsch: Weihnachtsstern und Mandelkern - 24 Tage warten aufs Christkind - Spiele,

Geschichten, Verse und Überraschungen für die Adventszeit. Mosaik verlag, München 1998

Reinhold Müller: Singen musizieren - Stundenbilder für den Musikunterricht für die 3 und 4 Klasse. Verlag Ludwig Auer, Donauwörth 1991

Hans Förster: Weihnachten -Eine Spurensuche. Kadmos Verlag, Berlin 2003-01-23

J.C. Cooper: Illustiertes Lexikon der traditionellen Symbole. Drei Lilien Verlag, Leipzig 1986

Cordula Pertler, Eva Reuys: Advent und Weihnachten - Feste feiern mit Kindern. Don Bosco Verlag, München 2002

Sybil Schönfeldt, Ilse Ströbl - Wohlschläger: Das große Weihnachtsbuch. Gutenberg Verlag; München 1972

Herbert Vicon: Die Feste des Christentums - Woher sie kommen - wie sie gefeiert werden. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1997

Hermann Kirchhoff: Christliches Brauchtum - Von Advent bis Ostern. Kösel Verlag, München 1984

Alois Hadwiger: Miteinader glauben - Schwerpunkte der religiösen Erziehung im Kleinkindund Vorschulalter. Riedldruck, Wien 1991

Walter Heim, Thomas Perler: Christliches Brauchtum gestern und heute. Kanisius Verlag, Freiburg 1985

Andreas Herb: Elementere Musikerziehung in der Grundschule. Ludwig Auer Donauwörth Verlag, Donauwörth 1975

Gerd Heiz-Mohr: Lexikon der Symbole - Bilder und Zeichen der christlichen Kunst. Eugen Dietrichs Verlag, München 1998

Internet:

http://weihnachten.marion-schoelzel.de/

www.weihnachtsmanndorf.de

Gerade für Kinder eine schön gemachte Seite. Besonders gut beschrieben ist die Bastelanleitung für einen Fröbelstern

www.Geschichtenzauber.de

Eine große und schöne Geschichtensammlung, nicht nur zur Weihnachtszeit von Lady Deliah http://www.bischof-nikolaus.de/

rund um den Bischof Nikolaus dreht sich diese Seite http://www.kinder-weihnachten.de/

Regionale und überregionale Tipps & Informationen rund ums Thema Weihnachten mit Kindern.

www.engelchen.de

Ein umfangreiches Angebot. Das Menü führt wochenweise durch die Weihnachtszeit. www.weihnachtsseite.de

Besonders hervorzuheben sind hier die Beschreibungen über Glasschmuck in Lauscha, außerdem zeigt er Weihnachten in Wien, New York und Frankfurt http://www.christkindlmarkt.at/

http://www.weihnachtenseite.de/erzgeb.html

http://www.acht-seligkeiten.de/jahreskreis.htm

vgl. http://www.kinderzeit.com/Magazin/Bewegung4_01.htm

Anhang

Abbildung 1

Wer klopfet an

Herbergssuche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Volkslied aus Tirol und Salzburg : mit verteilten Rollen zu singen

Abbildung 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jingle Bells für Orff Begleitung89

Abkürzungen:

F = Flöte oder andere Melodieinstrumente

X = Xylophon

M = Metallophon

Klanggeschichte

Instrumente:

Pferd = Kokosnussschalen

Zaumzeug = Schellenband

Wind = Rascheln mit Seidenpapier

Kirchenuhr = Xylophon

Schnee = Glockenspiel

Bettler = Klangstäbe

Schwert = Glissando auf dem Glockenspiel

Mantelteilung = Papier wird zerrissen

Geschichte:

Es ist schon lange her, dass Martin bei uns auf der Erde wohnte. Er war noch sehr jung, als er Soldat wurde. Schnell wurde er ein guter Reiter unter den Soldaten. Manchmal musste er in die Stadt reiten, um wichtige Dinge zu besorgen.

Eines Tages sollte Martin wieder einmal in der Stadt etwas erledigen. Er holte sein Pferd aus dem Stall, legte ihm das Zaumzeug an und sattelte es. Dann schwang er sich auf das Pferd und ritt in den kalten Morgen hinaus. Erst trabte das Pferd langsam dahin, aber Martin spornte es an und im Galopp ging es nun die Landstraße hinunter. Es war ein Tag im November und es war sehr kalt. Martin hatte einen Helm und seinen warmen Mantel angezogen. So war er gut gegen den kalten Wind geschützt, der schon kräftig wehte. In der Stadt schlug die Turmuhr gerade neunmal, als Martin ankam. Er brauchte den ganzen Tag, um seine Arbeit zu erledigen.

Als er alles besorgt hatte, war es schon dunkel. Die Kirchenuhr schlug sechsmal und es war nun höchste Zeit, sich auf den Heimweg zu machen. Martin ritt los. Es begann zu schneien. Der Wind blies stärker als am Morgen und es war bitterkalt.

Das Pferd konnte nicht mehr so schnell laufen, denn der Wind wehte immer stärker und die Schneeflocken fielen immer dichter. Plötzlich bewegte sich etwas am Straßenrand. Ging da nicht jemand?

Martin zügelte sein Pferd. Ja, ganz deutlich hatte er gesehen, wie sich eine Gestalt mühsam fortbewegte und noch deutlicher hatte er gehört, wie ein Stock immer wieder auf den festgefrorenen Boden schlug. Martin ritt nun näher und erkannte einen Bettler, der sich auf seinen Stock stützte und sich langsam durch das Schneetreiben schleppte.

Martin sah, dass der Bettler nur zerrissene Kleider anhatte und fror. Er wusste gleich, wie er dem Bettler helfen konnte. Martin zog das Schwert aus der Hülle, nahm seinen dicken, warmen Mantel von den Schultern und teilte ihn mit dem Schwert mittendurch. Eine hälfte des Mantels reichte er dem Bettler, die andere hälfte legte er sich wieder um die Schultern. Dann steckte er sein Schwert zurück, schwang sich auf sein Pferd und ritt schnell davon. Er ritt mit frohem Herzen durch die Nacht, so dass er gar nicht den eisigen Wind bemerkte. Auch das Schneetreiben machte ihm nichts mehr aus, denn er war glücklich, einem Menschen geholfen zu haben

[...]


1 http://stephanscom.at/search/search_results_html/articles/2002/12/19/a1720

2 vgl. Suppan, Brigitte: Hausarbeit 1997

3 aus: Hadwiger, Alois: „Aus der Werkstatt“. Broschüre, Wien 1996

4 vgl. Kirchhoff, Hermann: Christliches Brauchtum - Von Advent bis Ostern. Kösel Verlag, München 1984

5 vgl. Anderson Breisgau 2002

6 Kall, S.10

7 vgl. Helga Maria Wolf, Das neue Brauchbuch, Wien 200, S. 278f

8 vgl. Sattler, Dietrich: Der Adventskranz und seine Geschichte, S. 6ff

9 vgl. www.weihnachtsstadt.de und Großmutterszeit, S. 38

10 vgl. Vincon, S. 31ff

11 vgl. Heiz - Mohr: Lexikon der Symbole,1998, S. 34f

12 vgl. J. C Cooper S. 19f

13 vgl. Hadwiger, Religionspädagogische Bausteine 1997, S. 26

14 vgl. www.weihnachtsstadt.de)

15 vgl. Heiz - Mohr: Lexikon der Symbole,1998, S. 240

16 vgl. www.weihnachtsstadt.de

17 vgl. Vicon 1997, S. 33

18 vgl. Heiz - Mohr: Lexikon der Symbole,1998, S. 114

19 vgl. www.weihnachtsstadt.de

20 vgl. J.C. Cooper, S. 44

21 Bild: http://www.weihnachtsstadt.de/Grafik/engel.htm

22 vgl. www.weihnachtsstadt.de

23 vgl. Heiz - Mohr: Lexikon der Symbole,1998, S 125

24 vgl. www.weihnachtstadt.de

25 Bild: www.weihnachtsstadt.de/Grafik/glocken.htm

26 vgl. Heiz - Mohr: Lexikon der Symbole,1998, S 240

27 vgl. Heiz - Mohr: Lexikon der Symbole,1998, S 99

28 vgl. Vincon, 1997, S. 12

29 vgl. Helga Maria Wolf, Das neue Brauchbuch, Wien 200, S. 278

30 vgl. Helga Maria Wolf, Das neue Brauchbuch, Wien 200, S. 263

31 vgl. Thudichum Marina: 1980, S. 11

32 EDELBAUER, SEIFRIED, Aktion St. Martin 2002 - Teilen - den Mantel und das Leben. Zeitschrift Kindermissio; Wien 2002.

33 EDELBAUER, SEIFRIED, Aktion St. Martin 2002 - Teilen - den Mantel und das Leben. Zeitschrift Kindermissio; Wien 2002.

34 Hans-Rainer Preiss: Musik Lieder. http://www.worksheets.de/Musik- Lieder/_St_Martin___Du_darfst___Kinde/_st_martin___du_darfst___kinde.html; Lernmedien Design Verlag, (17.04.2003).

35 vgl. Kirchhoff 1995. S. 39

36 vgl. Mehling: Großmutters goldene Weihnachtszeit, S. 51f

37 (vgl. Als die Blüten den Winter besiegten, S. 61ff (Das Mädchen im Turm))

38 Bild und Gebet aus: http://www.kathkirchebottrop.de/Kalender-Dateien/04.12.htm

39 aus: Hermine König: das große Jahrbuch für Kinder, Feste feiern und Bräuche neu entdecken, Kösel-Verlag, München 2001, S. 38

40 vgl. Großmutterszeiten, S. 80

41 vgl. www.Weihnachtsstadt.de

42 http://michael.soemer.bei.t-online.de/ich.htm

43 vgl. Großmutters goldene Zeiten S. 80ff)

44 vgl. Hadwiger, Religionspädagogische Bausteine 1997, S. 24

45 vgl.Großmutters goldene Zeiten S. 80ff

46 aus: Großmutterszeiten S80

47 Hadwiger, 1997, S. 25

48 Vincon 1997, S.23

49 vgl. Vicon 1997, S. 23

50 vgl. Heim/Perler S. 16

51 Hadwiger, Religionspädagogische Bausteine, 1997, S. 25

52 vgl. Vicon, 1997, S. 36

53 vgl. Vicon, 1997, S. 36f

54 vgl. http://www.religioeses-brauchtum.de

55 vgl. Vicon, 1997, S. 37f

56 vgl. http://www.religioeses-brauchtum.de

57 Bild: http://www.religioeses-brauchtum.de/fruehjahr/dreikoenige_2.html (17.04.2003)

58 vgl. Becker-Huberti, Religiöses Brauchtum - http://www.religioeses- brauchtum.de/fruehjahr/dreikoenige_2.html, Köln (17.04.2003)

59 vgl. Vincon. S. 36

60 http://www.religioeses-brauchtum.de/winter/u_kinder.html

61 Hermine König, 2001, S.112

62 vgl. www.religöses-brauchtum.de

63 Andersen, Freiburg im Breisgau 2002, S. 11f

64 vgl. http://www.de.christmascarnivals.com/aroundtheworld/ und Anderson, Lichterglanz in aller Welt, Breisgau 2002

65 http://www.engelchen.de/world/frankr1.htm und Anderson, Lichterglanz in aller Welt, Breisgau 2002

66 vgl. http://www.engelchen.de/index2.htm

67 vgl. http://www.de.christmascarnivals.com/aroundtheworld/

68 Text + Bild: vgl. http://www.engelchen.de/world/russia1.htm

69 vgl. http://www.engelchen.de/world/nieder4.htm

70 vgl. www.weihnachtswelt.de und Anderson, Lichterglanz in aller Welt, Breisgau 2002

71 Bild: www.weihnachtswelt.de

72 vgl. www.weihnachtswelt.de und Anderson, Lichterglanz in aller Welt, Breisgau 2002

73 vgl. http://www.weihnachtswelt.de/

74 vgl. http://www.engelchen.de

75 Juliane Ribke, Elementare Musikpädagogik. Persönlichkeitsbildung als musikerzieherisches Konzept. ConBrio. Regensburg 1995

76 vgl. RIZZI, Werner: Erziehung durch Klang und Rhythmus in Kindergarten und Grundschule" aus der Zeitschrift: musikpraxis Heft 80 (4. Quarttaal 1998) - Fidula - Verlag 56154 Boppard / Rhein.

77 vgl. Suppan, Brigitte: Hausarbeit1997

78 vgl. www.engelchen.de

79 Aus: http://www.weihnachtswelt.de/

80 Aus: http://www.weihnachtswelt.de/

81 Aus: http://www.weihnachtswelt.de/

82 Aus: http://www.weihnachtswelt.de/

83 Aus: http://www.weihnachtswelt.de/

84 http://www.mannyffm.de/JINGLEBELLS.txt

85 http://www.mannyffm.de/songs/jinglebells_deutsch.htm

86 Aufgezeichnet von Hannes Nepp. In: Hans Schäfer: „Tanzt mit uns“ Fidula Verlag, 1957.

87 vgl. Holthaus ;Schmitter-Wallenhorst(Hrsg.): Musik Praxis , Heft 94 24. Jahrgang, S. 1

88 vgl. http://www.kinderzeit.com/Magazin/Bewegung4_01.htm

89 aus: Moser 1989, S. 42f

104 von 104 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Musik im Religionsunterricht zur Weihnachtszeit
Hochschule
Pädagogisches Institut des Bundes in Wien
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
104
Katalognummer
V108205
ISBN (Buch)
9783640118779
Dateigröße
4074 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Musik, Religionsunterricht, Weihnachtszeit
Arbeit zitieren
Daniela Weiss (Autor), 2003, Die Bedeutung der Musik im Religionsunterricht zur Weihnachtszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108205

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bedeutung der Musik im Religionsunterricht zur Weihnachtszeit


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden