Rap francais - Bedeutung und Entwicklung


Hausarbeit, 2004

22 Seiten, Note: 1,5


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Inhaltsverzeichnis

Einführung in die Thematik

Was ist HipHop?

Ursprung und Entwicklung

Der frankophone Rap – „exception française“?

NTM vs. IAM – der Rap von Paris nach Marseille

Thematische und sprachliche Analyse des Rap français

Heutige Entwicklung

Fazit

Bibliographie

Anhang

Einführung

HipHop hat sich in der modernen Gesellschaft besonders unter Jugendlichen zu einem eigenen Lebensstil, einer Kultur entwickelt. Diese beinhaltet zum einen Breakdance und Graffiti-Sprühen, zum anderen aber vor allem auch das DJ-ing und den Sprechgesang. Seinen Ursprung hat HipHop in den USA zu Beginn der 80er Jahre, verbreitete sich ein wenig später in Europa und etablierte sich in den 90ern vor allem in Frankreich als neue Kulturbewegung. Der Rap stellt heute ein sehr starkes Ausdrucksmedium für die multikulturelle Jugend Frankreichs dar, er symbolisiert die Sprachkultur der sozial Ausgegrenzten, und kann deshalb nicht nur als zeitgenössische Modeerscheinung abgestempelt werden. Um den französischen Rap analysieren zu können, muss man ihn unter anderem auch in den sozialen, kulturellen und medialen Kontext integrieren, d.h. HipHop und der Rap sind nicht nur ein musikalisches Phänomen sondern vor allem auch ein kulturwissenschaftliches.

HipHop ist ohne Zweifel wichtiger Bestandteil der französischen Popularmusik. Die Gattung der französischen Chansons lässt sich gut methodisch aufarbeiten, beim französischen Rap jedoch ist es nicht möglich aus der traditionellen Perspektive, das Genre zu analysieren. Es gibt tatsächlich nur wenige wissenschaftliche Analysen des Rap français bis zum heutigen Zeitpunkt. Man spricht aus musikalischer Perspektive von einem unbekannten Gebiet und obwohl so populär und aktuell existiert nur wenig Sekundärliteratur.

In meiner Hausarbeit versuche ich subjektive Elemente und eigene Interpretationen zu vermeiden, aber weite Teile der Arbeit resultieren aus eigenen persönlichen Recherchen und Erfahrungen. Es gibt sicherlich Analysen zu Raplyrics, aber es reicht nicht aus oberflächlich zu bleiben, um die Hintergründe, die sozialen Aspekte zu verstehen. Wir sind also gezwungen, tiefer in die Recherche einzugehen, um den Mythos des Raps in Frankreich besser nachzuvollziehen.

In meiner Hausarbeit werde ich zunächst erörtern, was die HipHop-Kultur ausmacht, was man unter ihr versteht und was die Künstler mit ihren Texten bezwecken wollen. Außerdem möchte ich herausstellen, warum man in Frankreich von einer „exception“ des Rap francais sprechen kann und die Besonderheiten der französischen Rapkultur im Detail darstellen und diese mit anderen Rapkreisen vergleichen. Darf man von einem kulturspezifischen Phänomen sprechen, wenn man über Rap français redet oder ist die HipHop-Kultur praktisch überall präsent auf der Welt? Darüber hinaus werde ich einige konkrete Beispiele von den wichtigsten Interpreten der französischen Rapszene erörtern, u.a. auch mit kurzen Textanalysen, die mir bei einer genaueren Analyse dieser Musikrichtung für unabdingbar erscheint. Zudem will ich die Rolle und Stellung des HipHops in der Gesellschaft herausarbeiten und den Rap als Phänomen des Kulturtransfers genauer erörtern, um noch einmal die Bedeutung für die multikulturellen Gesellschaftsschichten zu erörtern. Wichtig erscheint mir auch, die Entstehung des Rap français und ihre Geschichte aufzuschlüsseln, um - wie schon erwähnt - auch die kulturwissenschaftlichen bzw. historischen Elemente erklären zu können. Abschließend möchte ich noch einige Worte über die gegenwärtige Situation des Rap français schreiben und einen Ausblick in die Zukunft wagen.

Diese Hausarbeit dient dazu, einen Überblick über die Bedeutung des Rap français zu liefern. Dabei ist zu berücksichtigen, dass man sicherlich in vielen Bereichen noch mehr ins Detail gehen könnte und einige Aspekte – wie z.B. der musikalische – ein bisschen vernachlässigt werden müssen, um nicht ganz die Argumentationslinie zu verlieren.

Was ist HipHop?

Die HipHop-Kultur artikuliert sich über mehrere Ausdrucksmedien, dem tänzerischen Element (Breakdance), der Symbolik (Graffiti und tagging), seiner speziellen Musik (DJ-ing) und der sprachlichen Komponente – dem Sprechgesang – bekannt unter dem englischen Wort „Rap“ (engl. „to rap out“: „etwas melden, Fluch ausstoßen“). Dieser basiert im Wesentlichen auf mündlicher Interaktion, dem Dialog zwischen den Rappern, die sich „auch selbst als Chronisten einer spezifischen sozialen Wirklichkeit bezeichnen; nämlich der des Ausgeschlossenseins und einer besonderen Lebenserfahrung; der einer auf ihrer Andersartigkeit beruhenden Ablehnung“[1] und seinem Publikum, schreibt die Professorin für romanische Kulturwissenschaft Kimminich von der Universität Freiburg. Das Ziel des HipHops beschreib der Rapper Doc K von La Brigade, einer multikulturellen Pariser Rapgruppe, wie folgt: „ le premier but du hip-hop en général, c´est la revendication positive […], il visait à canaliser la violence et l´énergie des ghettos américains. On aborde les thèmes qui nous touchent le plus et qui préoccupent la jeunesse.“[2] Deutlich wird, dass vor allem der Inhalt der Texte im französischen Rap im Vordergrund steht, die begleitende Musik – Beats genannt – sind zwar wichtig aber sind beim Rap eher untergeordnet. Das Mixen von verschiedenen Tonelementen (Mixing) und das Scratchen nehmen dafür eher beim DJ-ing eine zentrale Rolle ein. Zu erwähnen sei auch, dass die französischen Musikelemente zwar in der weltweiten Rapszene eine Besonderheit darstellen, der „French Touch“, nur möchte ich sie eher an den Rand stellen und die inhaltlichen sowie die musikalischen Aspekte des Raps sollen dargestellt werden, um so auf die soziokulturelle Positionierung der Gruppen einzugehen.

Ursprung und Entwicklung

Sicherlich ist HipHop ein zeitgenössisches Phänomen, es existiert seit rund 20 Jahren, wer sich jedoch mehr mit der Thematik beschäftigt, wird feststellen, dass sich der Musikstil inzwischen zu einer festen Größe etabliert hat. Zur Zeit des absoluten Höhepunkts des französischen HipHops also Ende der 90er Jahre wurde sogar behauptet, dass der Rap in Frankreich die Rock- und Dancemusik überholt habe. Diese These wurde aufgrund der hohen Verkaufszahlen und der Beliebtheit unter Jugendlichen nach Aussage der Radiostation „Skyrock“ aufgestellt. Man stellt fest, dass sich die HipHop-Kultur in Frankreich auf einem hohen Niveau etabliert hat.

Die Geschichte des HipHops begann bereits in den 70er Jahren in den Ghettos von New York in den Vereinigten Staaten. Sie wurde von der marginalisierten Bevölkerungsgruppe, der Schwarzen, ins Leben gerufen, um gegen die Missstände, und der generellen Perspektivlosigkeit, die in den Slums herrschte, zu demonstrieren. Der Rapper Afrika Bambaata organisierte mit seiner selbstgegründeten „Zulu-Nation“ die ersten HipHop-Battles, die zur gewaltlosen Auseinandersetzung der Probleme der Jugendlichen in den Ghettos diente. Schon damals galt, dass HipHop als eine „Alternative zu Drogenmissbrauch, Kriminalität und Aggressionen [steht], [ er sollte] aber auch eine Analyse der Schattenseite unserer postmodernen Welt [liefern].[3] Die erste Schallplatte wurde erst im Jahre 1979 veröffentlicht. Durch den radiotauglichen Hit „Rapper´s delight“ von „Sugarhill Gang“ wurde die Gesellschaft landesweit auf die neue Musikart aufmerksam. In Frankreich hörte man diesen Song ebenfalls, und somit entwickelte sich vor allem mit der Gründung freier Radiosender Anfang der 80er Jahre ein verstärktes Interesse an der neuen Musikrichtung aus den schwarzen Vororten der USA. Es entstanden eigene Radiosendungen der ersten Künstler, wie z.B. „Dee Nasty“ bei Radio Nova , welches auch heute noch zu einem der wichtigsten unkommerziellen Radiosender für den französischen Rap zählt. Dort wurde auch das erste Rapalbum produziert und die ersten Künstler wie NTM und IAM machten bei „Deenastyle“ ihre ersten Schritte. 1984 entstand auf „TF 1“ die berühmte „achipé achopé“ als erste HipHop Radiosendung und gewann unter den Anhängern des neuen Musikstils in den Pariser „banlieues“ schnell an Popularität.[4] Die sogenannte erste HipHop-Generation mit Assassin, Ministère A.M.E.R und vor allem IAM sowie NTM begann, sich zu etablieren und erreichte über die Jahre hinweg Kultstatus, da sie als die Klassiker und die Antreiber der Rapszene in Frankreich betrachtet werden. Anfang der 90er Jahre lief Rap mehr und mehr auf französischen Radiosendern, man fing an, zu begreifen, dass sich dahinter ein lukratives Geschäft versteckte. Der Prozess der Kommerzialisierung setzte ein und der Rap fand Anschluss zum Mainstream-Geschäft. Wichtig ist, dass die französischen Rapper Ende der 80er anfingen, ihren eigenen Stil zu kreieren und sich somit immer mehr von ihren amerikanischen Vorbildern lösten. Es bildete sich eine neue, eigene Identität; der des Rap français – der im Gegensatz zu dem „gangsta Rap“ Amerikas auch eher als sozialer Rap gesehen wird – boomt und etablierte sich schließlich zur zweit größten Rapszene der Welt.

Warum dieser schnelle Aufstieg des Rap français? Wie kann man sich den Erfolg erklären? Was macht den französischen Rap so besonders? Um diese Entwicklung verstehen zu können, ist es notwendig, den Rap in Frankreich näher zu erläutern.

Der frankophone Rap – „exception française“?

Rap hat vor allem dort Hochkonjunktur in Frankreich, wo sich die Bevölkerung am Rande der Gesellschaft gedrängt fühlt, abgespalten vom kulturellen und politischen Leben, in den sozialen Brennpunkten. Heute hat der Rap français seine eigene Welt aufgebaut, mit eigenen Medien, z.B. neben den Radiostationen „Radio Nova“ und „Skyrock“ auch spezialisierte Zeitschriften wie l'Affiche, Groove, Radikal... und einem eigenen Festival, dem XXL Performances (welches im Sommer in Bobigny, einem Vorort von Paris, stattfindet). Dort werden neben der Musik auch diverse Facetten des Raps zur Schau gestellt: Dance, Graffiti, Film, Straßensport etc.

Für seine Anhänger steht Rap als Bestandsaufnahme des eigenen Alltags in ihrem Stadtviertel. Die Songs reflektieren ihre Probleme, wie z.B. Drogen, Aids, Kriminalität aber auch Hass und Rassismus. Der frankophone Rap hat sich im Wesentlichen in urbanen Randzonen entwickelt, in den „quartiers sensibles“, den sogenannten Cités (von der Pariser Gruppe „Ministère A.M.E.R.“ als „cages à plusieurs étages“[5] bezeichnet, um die Unmenschlichkeit des HLM-Lebens zu unterstreichen). In den vom ökonomischen, politischen und sozialen Leben ausgegrenzten banlieues, wo hohe Arbeitslosigkeit, Gewalt und Kriminalität an der Tagesordnung stehen („zones de non-droit“), kristallisiert sich eine eigene HipHop-Stadtviertel-Kultur. Das Leben im banlieue spielt im französischen Rap eine übergeordnete Rolle, man „rappt“ über das eigene Leben und das Leben in ihrem banlieue. Dadurch identifizieren sich die Zuhörer mit ihren Rappern, denn diese sind das Sprachrohr einer verlorenen Jugend, die sich ausgegrenzt und abgewertet fühlt. So bezieht sich zum Beispiel die Pariser Rapgruppe NTM ständig auf die Zahl 93, welches für ihr Département Seine-Saint-Denis steht, um ihren Stolz über ihre Herkunft zum Ausdruck zu bringen. Die angesagte Rap-Combo (Zusammenschluss mehrer Rapper) „Mafiak´1fry“ zelebriert mit breiter Brust ihr verdorbenes Ghettoleben und widmet es den Gleichgesinnten aus den banlieues „Orly“ und Umgebung (94). Dies zeigt deutlich, dass die Herkunft für die Rapper von großer Wichtigkeit ist und bei vielen französischen Rapgruppen in den Liedern thematisiert wird.

In den französischen Vorstädten wie Seine-Saint-Denis, Sarcelles (Paris) oder Félix Pyat (Marseille), aber auch in den banlieues der Provinzen (wie z.B. Bénin in Lothringen bei Forbach) wohnen weit mehr Immigranten und in Frankreich geborene, aus Immigrantenfamilien abstammende Menschen, als französische Familien. Der ursprünglich aus dem Maghreb, Schwarz- oder Westafrika abstammende Bevölkerungsteil erscheint als Inbegriff des Fremden, der sich der dominierenden Gruppen des Gastlandes wirtschaftlich und sozial untergeordnet fühlt, welches u.a. zu einem enormen Konfliktpotential führt. Sich abgeschoben fühlen, wird auf die „sozial, ökonomisch und kulturell marginalisierte pluriethnische Personengruppe [der banlieues] übertragen […] und der Bogen zur Wildheit, Rohheit und Gewaltbereitschaft unter den banlieusard ist schnell gezogen“[6], schreibt Kimminich. Der Ablehnungsmechanismus und die Hoffnungslosigkeit, nie dem Sumpf der cités entweichen zu können, machen die Bewohner der Trabantenstädte so starken Individuen mit großem Stolz auf ihr Umfeld.

Die „Racaille“[7] wird verherrlicht, sie werden in ihren Cliquen zu Helden gemacht, je mehr Gewalt und Respekt, desto stärker und höher angesehen in ihrem Viertel. Die eigentlichen Probleme der Jugend werden von der Gesellschaft nicht verstanden und aufgegriffen, deshalb bilden diese ihre eigene Welt mit eigenem Umfeld auf.

So schreibt auch der Professor der Linguistik an der Universität Provence Louis-Jean Calvet, dass man um den Rap in Frankreich verstehen zu können, ihn zunächst auch aus einer soziologischen Perspektive analysieren müsse. Wenn eine Gruppe sozial ausgeschlossen ist, oder sich an den Rand getrieben oder abgestoßen fühlt, entwickelt sich in ihr ein neues Gefühl voller Stolz und markiert selber neue Grenzen, um sich von den anderen abzugrenzen, als wolle man sich freiwillig von ihnen distanzieren. Calvet spricht von einem Phänomen der „Auto-exclusion“[8]. Dabei werden die eigenen Merkmale glorifiziert und verherrlicht, wie zum Beispiel auch bei den Afro-Amerikanern („Black is beautiful“). Der französische Rap ist für Calvet ein Paradebeispiel dieser Tendenz, zunächst die anfängliche Ausgrenzung, die später dann zur Gründung einer eigenen, neuen, selbstbewussteren Identität führte. In Frankreich setzte dieses soziale Phänomen Ende der 80er Jahre ein; die in vernachlässigten Vorstädten lebenden Jugendlichen mit maghrebinischen oder afrikanischen Vorfahren (les „beurs“ et les „blacks“), die jeden Tag mit schulischen Misserfolgen oder Arbeitslosigkeit konfrontiert werden, entdecken ihre eigenen graphischen Produkte („tags et graphiques“), ihren eigenen Kleidungsstil und neue sprachliche Charakteristika und „le verlan“.[9]

Der französische HipHop ist also als Lebensstil gegen die schlechte soziale Lage der Gesellschaft zu verstehen. Ein Auflehnen gegen die Missstände unserer Zeit, auf die Ungerechtigkeiten eines elitären Systems und eines zentralistischen Staates, das Verlangen etwas ändern zu wollen.

Sicherlich muss man hier abschließend zusätzlich erwähnen, dass der französische Rap u.a. auch dadurch Auftrieb gewann, dass die französischen Radiosender sich dazu gesetzlich verpflichten, zu 40% frankophone Musik zu spielen, um die eigene Musikindustrie und Kultur zu fördern. Von dieser gesetzlich auferlegten Maßnahme profitieren demnach die französischen Musiker aller Genres.

NTM vs. IAM, der Rap von Paris nach Marseilles

Wie schon in der Chronik des Rap français erläutert, entstand die französische HipHop-Szene zunächst nach dem amerikanischen Vorbild bevor sie ihren eigenen Stil entwickelte. Diese Evolution lässt sich unter anderem mit dem dazu gewonnen Selbstbewusstsein und dem Erfolg einiger ihrer Imitatoren erklären. Sehr gut in dieses Muster passt die Biographie der Pariser Gruppe NTM[10], die ich an dieser Stelle etwas näher erläutern will, da sie wie auch die Künstler Assassin und (zum Teil auch) Ministère Amer von Beginn an dem Pariser Hardcore-Rap angehörten. Sie sind die erste Generation, welche noch heute, als die Klassiker und Gründer einer Epoche, nämlich der des Rap français, verstanden werden. Zudem sind sie Ikonen in der Pariser banlieues, gelten als Sprachrohr für ihre cités und werden als Teil der Vorstadt-Kultur angesehen. Dabei möchte ich weniger auf die Details der Karriere und z.B. auf die Verkaufszahlen der einzelnen Alben der Gruppen eingehen, sondern eher die Punkte mit einbeziehen, die sich auf die Besonderheit und den Stellenwert der Gruppe bezieht, um herauszustellen, warum gerade diese Band so repräsentativ ist und wieso sie so viel Erfolg in Frankreich hat.

Die Gruppe NTM (die Anfangsbuchstaben für „Nique ta mère“ - welches schon als Kampfansage gegen das Etablissement betrachtet werden kann und die Wut der banlieues impliziert) wurde von den beiden Schulkameraden Kool Shen (Bruno Lopes) und Joey Starr (Didier Morville) gegründet. Sie sind weder ein Produkt der Musikindustrie, noch von Beginn an talentierte Musiker gewesen, sondern einfach passionierte Anhänger des neuen Musikstils, der Anfang der 80er Jahre von Amerika nach Europa herüberschwappte. Als Breakdancer machten sie zunächst auf sich aufmerksam und feierten mit ihrer Tanzgruppe „Aktuel Force“ erste Erfolge, wenn auch nicht auf musikalischer Ebene. Außerdem bedienten sie sich eines weitern Artikulationsmediums, nämlich dem des Graffiti, um erstmalig von sich Schlagzeilen in ihrem banlieue in Seine-Saint-Denis (93) zu machen. Es dauerte bis 1989, bis sie den Schritt wagten, auch musikalisch zu „rebellieren“ und vom anglophonen Denken und Kopieren Abschied nahmen, um etwas Eigenes in ihrer eigenen Sprache zu kreieren. Dieser Schritt war eminent für die Entwicklung des HipHop français, ein symbolischer Akt zur Schaffung einer neuen, eigenen Identität und dem Beginn eines neuen französischen Musikstils mit einer neuen Kultur.

NTM sind bekannt für ihre aggressiven als auch provozierende Texte. Sie gelten als Inbegriff für die Auflehnung gegen die Bourgeoisie. Ihre „hardcore“ Tendenz, dass heißt der Aufruf zur Gewalt und sich vor allem gegen die Staatsordnung zur Wehr zu setzten, führte unter anderem zu Problemen mit der französischen Justiz und Sanktionen wie zum Beispiel einem halbjährigen „Berufsverbot“ bzw. Geld- und Bewährungsstrafen. Wichtig hierbei ist aber, dass die „Gewaltverherrlichung“ bei den Jugendlichen in den tristen Vororten auf sehr viel Unterstützung und Rückhalt stieß und der Aufstieg NTMs ferner damit verbunden werden kann, dass sie dieses Gewaltpotential ansprachen und für die Jugend in den banlieues endlich jemand ihre Aggressionen, den Wut und Hass aufgriff. Zuvor hatte niemand gewagt, dies zu tun.

Obwohl die Karriere der Gruppe NTM und die der beiden Künstler Kool Shen und Joeystarr nur von kurzer Dauer war, ist sie um so charakteristischer für die Entwicklung sowie die Bedeutung des französischen Raps. Es ist die Mischung zwischen einem „Bad Boy“ Joeystarr, der sich selbst kaum beherrschen kann, somit ständig im Konflikt mit der Justiz und der Polizei steht, dazu eine so undeutliche Sprache spricht – gespickt mit Verlan und Floskeln der „racaille“ aus den Pariser banlieues - , so dass bei Interviews im französischen Fernsehen sogar Untertitel benutzt werden muss, um es für jeden (Franzosen wohl bemerkt) verständlich zu machen. Der eher intellektuelle Kool Shen will dazu aufrufen, nicht dem Sog des düsteren und kriminellen Lebens der banlieues zu verfallen. Er agiert sozusagen als Mentor und in gewisser Weise als „Pädagoge“.

Zeitlich synchron entwickelte sich im Süden Frankreichs – in einem Marseiller Vorort – die Gruppe IAM. Der Kürzel steht für Imperial Asiatic Man, Invasion Arrivant de Mars (Marseille), Indépendantistes Autonomes Marseillais oder einfach aus dem Englischen übersetzt: „Ich bin“, „ich existiere“. Daraus kann man schon ableiten, dass IAM zunächst einmal ihre Existenz bestätige, also ein Zeichen setzen wollen: „an alle Leute da draußen, wir existieren!“ Außerdem möchten sie ihre starke Verbundenheit mit ihrer Heimat Marseille zum Ausdruck bringen, was zudem beinhaltet, dass sie sich selber mit afrikanischen und asiatischen Kulturen, Traditionen und Riten identifizieren und diese in ihren Liedern mystifizieren. Dieses wird beim Betrachten ihrer Künstlernamen deutlich: Imhotep, Akhenation, Freeman, Shurik´n, Kheops, zum Beispiel Namen von ägyptischen Pharaonen. Die Band hat einen eigenen, anderen Stil, man spricht von einem südlichen Touch mit arabisch – afrikanischen Einflüssen, so hat auch jedes Bandmitglied verschiedene ausländische Herkunft, die mit in ihre Musik integriert werden. IAM beginnt zunächst als „Lively Crew“ später auch unter „B.Boys Stance“, bevor 1989 offiziell die heutige Band „IAM“ gegründet wird und ihre erste Kassette (!) „Concept“ aufgenommen wurde. IAM hat ein Ziel: einen neuen Stil in Frankreich zu etablieren, den des „HipHop de Marseille“. Seit Beginn ihrer Karriere haben IAM - neben vielen erfolgreichen Soloprojekten (vor allem Akhenaton) und den Soundtracks zu Filmen wie „Taxi (1-3)“ und „Comme un aimant“ - vier Alben herausgebracht, „De la planète Mars“, „Ombre et Lumière (1+2)“, „L´école du micro d´argent und im letzten Herbst « Renvoir du Printemps ». „L´école du micro d´argent“ hat sich über eine Millionen Mal verkauft und die Marseiller Rapper sind auch Übersee bekannt, so gab und gibt es auch heute noch häufig Kooperationen mit amerikanischen Gleichgesinnten.

Aber IAM ist mehr als nur eine Rapgruppe, ihr Engagement außerhalb der Musik, zum Beispiel ihr Vorgehen gegen Rechtsextremismus in einer Region, wo die „Front National“ etwa einen Drittel der Wählerstimmen bekommt oder auch ihre Tätigkeit für die MIB (Mouvement de l'Immigration et des Banlieues), hat sie zu Persönlichkeiten, Identifikationsfiguren oder gar Vorbildern für die Menschen aus Marseille und ihrer Umgebung gemacht. Auf der einen Seite rühmen sich die Rapper mit ihrem Herkunftsort, wo „Genies wie Leonardo da Vinci geboren sind“. Ihr Stolz ist unverkennbar. Auf der anderen Seite prangern sie die miserablen Zustände ihrer Wohngebiete an, so singen sie „Ich begann mein Leben in den Müllsäcken / dort, wo Junkies leben und wo die Kakerlaken unter deinen Füßen knirschen.“[11]

Der von IAM verkörperte Rap Marseillais besitzt musikalische, thematische und sprachliche Unterschiede zu anderen Rapgruppen in Frankreich. Musikalisch werden bei IAM sehr stark arabische und afrikanische Elemente mit einbezogen, die Begleitung wirkt weniger „aggressiv“. Oft werden mit Hilfe von Streichern und Klavier oder sogar eines ganzen Orchesters die Raplyrics begleitet. Dieses ist auch ein Grund dafür, dass sich eher die breite Masse angesprochen fühlt, was den weltweiten Erfolg der Gruppe erklärt.

Thematische und sprachliche Analyse der Raplyrics

Die Inhalte und die Sprache sind wichtigster Bestandteil des Raps und stehen neben dem DJing und der musikalischen Untermalung im Vordergrund. Diese Merkmale variieren stark in der französischen Rapszene, es gibt den oben schon erwähnten „hardcore“ Stil von Gruppen wie NTM, es gibt den sozialen, poetischen, arabisch angehauchten Rap aus der Marseiller Region, den immer populärer werdenden Spaß-HipHop und den stark amerikanisierten HipHop, der überwiegend in R&B (Rhythm and Blues) übergeht. Dabei gibt es natürlich gewaltige Überschneidungen und Vermischungen der Stile, jedoch lässt sich generell von einer französischen Ausnahme sprechen, was die Texte und Sprache betrifft.

Beim Anblick der Textinhalte der französischen Rapszene, bemerkt man, dass sie zum einen sehr kritisch und zum anderen sehr kreativ sind. Die Themenbreite hat sich seit der Entstehung erheblich erweitert. Viele Rapper sprechen von verbaler Kriegsführung, es geht um Themen, die einen beschäftigen, einen beunruhigen und für/gegen die man sich einsetzten will. So sind soziale Ungerechtigkeiten häufig im Themenkatalog vertreten.

Bei der Themenanalyse möchte ich jeweils ein repräsentatives Beispiel geben und dieses erörtern.

Im Vordergrund steht für die Rapper der Alltag, so schreibt auch Kimminich über die Textinhalte des französischen Raps: „ Zur Bestandaufnahme des eigenen Alltags im Stadtviertel, d.h. Drogen, Aids, Kriminalität, polizeiliche Kontrolle und Unterdrückung Gewalt, Erleben sozialer Ungerechtigkeit, verbale Angriffe auf die Staatsgewalt – [sowie] soziale und tagespolitische Themen wie Fremdenhass, Rassismus, Rechtsradikalismus und Faschismus [vor allem nach dem Wahlerfolg Le Pens] und […] die Beschäftigung mit Kolonialismus/Postkolonialismus.“[12] Über Rechtsextremismus und Le Pens Front National singt NTM z.B. in „Plus jamais ça“ schon Anfang der 90er:

„National est ce front, International est l´affront. Voilà pourquoi je fais front, Fronçant les sourcils quand le grand sénile, S'amuse à faire un score de 25% dans ma ville. Plus jamais ça, stoppons tout ça!“[13]

Der Pariser Fabe kontrastiert die französische Kolonialgeschichte mit einer anderen Perspektive, nämlich der, der Verlierer, der Kolonisierten unserer Geschichtsschreibung und den Marginalisierten der heutigen Gesellschaft, wie z.B. in „Questions“:

„A leur égard j´éprouve de la sympathie? – Non! 30 ans en France puis ils t´expatrient? – Non! C´est l´immigré qui tue l´économie? – Non! Ils s´intègrent eux dans leurs colonies ? – Non ! On croit que le tiers-monde a une dette ici ? – Non! […]“[14]

Die sozialen Ungerechtigkeiten und der Unterschied zwischen arm oder reich geboren zu sein, stellt IAM in ihrem Klassiker „Nés sous la même étoile“ dar: Während der eine jeden Abend um eine warme Mahlzeit bettelt, sich die Bildung nicht leisten kann und in die Kriminalität rutscht, genießt der andere alle Privilegien, in einer wohlhabenden Familie geboren worden zu sein.

„Certains naissent dans les choux et d´autres dans la merde. Pourquoi ça pue autour de moi, quoi, tu me cherches ? Pourquoi chez lui c´est des Noëls ensoleillés ? Pourquoi chez moi le rêve est évincé par une réalité glacée?“[15]

Ferner sei zu erwähnen, dass die Rapper jeweils auf das Recht der Meinungsfreiheit pochen, nach dem Motto: Sagt das, was euch bekümmert! Lasst euch nicht den Mund verbieten! Deutlich wird diese Aussage vor allem bei NTM, die auch vehement gegen die staatliche Aufsichtsbehörde für audiovisuelle Medien (CSA) Propaganda machten, da diese Mitte der 90er Jahre einige ihrer Lieder auf der Zensurliste der Radiosender setzte. In ihrem Song „On est encore là“ zeigen sie deutlich ihr „fureur de vaincre“, dass sie sich trotz Zensur nicht unterdrücken lassen werden und greifen einmal mehr verbal den Staat an.

Der Alltag und die damit verbundene Wut und Verzweiflung wird sehr gut bei Fonky Familys „Cherche pas à comprendre“ dargestellt. Ihre Nachricht lautet: Versuch gar nicht erst, nach Gründen zu suchen und eine Antwort auf das Warum? zu finden, du musst einfach damit leben.

„Catapulté dans ce monde, Où la rage est à la mode, Bracage, arnaque de code, Les jeunes veulent faire de la caille, Dans la rue ça mène des batailles […]“[16]

Bei der sprachlichen Analyse fallen einige Besonderheiten auf, welche eminent für das Verständnis der Texte sind. Sicherlich spielt die Umgangssprache - das „Argot“ – eine große Rolle, die Reime kommen aus dem Alltag und werden nicht verschönt oder modifiziert, um es für jeden verständlich zu machen. Die Sprache des Rap Francais ist eingebettet in die Jugendsprache, mit Ausdrücken und Schimpfwörtern aus dem Argot. Zudem finden sich verhäuft poetische und humorvolle Textinhalte, die sich sprachlich auf hohem Niveau befinden und kreativ erscheinen.

Zudem bedienen sich die französischen Rapper unter anderem verschiedener Sprachen (französisch, englisch, arabisch, spanisch, kreolisch, etc.); es entstehen Mischungen aus mehreren Sprachen, z.B. bei NTM: „Pose ton gun“, Freeman, IAM mit Khaled: „Bladi“ (arabisch), Shurik´n und Leila Rami „L´univers des lascars“ (sogar in 5 Sprachen). Die Sprache regionaler Minderheiten wird in die Songs eingegliedert, so singt die Marseiller Rapgruppe „Massilia Sound Système“ ein Teil ihrer Lieder auf „provencal“.

Ein weiterer Bestandteil des französischen Raps ist der Gebrauch des Verlans, ursprünglich der „traditionellen Geheimsprache“ der Schwarzen und Nordafrikaner, entstanden in den 70er Jahren in den Vororten Paris. Das Verlan hatte früher die Funktion, sich vom Rest der Gesellschaft abzugrenzen, eine eigene Sprache zu kreieren, um so den Unterschied zu markieren. Mittlerweile hat sich das Verlan (von „l´en-vers“) bei den Jugendlichen langfristig etabliert. Silben werden phonetisch inversiert; „famille“ wird zu „mille-fa“, racaille zu „cai-ra“ und gehört zum Standartvokabular vor allem in der Pariser Rapszene.

Heutige Entwicklung

Der französische Rap hat sich stark entwickelt in den letzten Jahren, auch wenn das Phänomen und der Aufstieg erst ein Jahrzehnt zurück liegen. Nach dem Boom Mitte der Neunziger und den sehr hohen Verkaufszahlen, schwächte die „Rap-Konjunktur“ Ende des letzten Jahrhunderts wieder ab und ihre Popularität liegt heute niedriger als damals. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Tendenz zum „Spass-HipHop“ verkörpert von Künstlern wie „Disiez la Peste“ und die Tatsache, dass der französische Rap nun eher als Unterhaltung für den Mainstream auf Partys dient, führte dazu, dass das „Niveau“, ihre Bedeutung und ihr Stellenwert zunehmend abnahmen. Der Rap, der Anfang der Neunziger aus den Ghettos kam und von Gruppen wie IAM und NTM initiiert wurde, war nicht nur eine Musikrichtung, sondern eine neue, spezielle und stolze Kulturbewegung. Als dieses Medium von der Allgemeinheit - stark kommerzialisiert - aufgegriffen wurde, ging ein Stück ihres Ursprungs verloren. Es entstanden viele neue Bands, oftmals sogenannte „Eintagsfliegen“ mit einem Hit, die schnell wieder von der Bildoberfläche verschwanden. Natürlich darf man hier nicht pauschalisieren. Es gibt durchaus ernstzunehmende Nachfolge der ursprünglichen HipHop-Generation durch das Auftreten von Gruppen wie Fonky Family, die oft als Nachfolger der Marseiller Humor und Poesie gesehen werden, Sniper, Rhoff und Oxmo Puccino, die, die Pariser Seite vertreten. Zunehmend sind auch weibliche Künstler wie DIAM und Laidy Laistee vertreten. Anzumerken sei ferner, dass die klassische Diachronie Marseille vs. Paris so heutzutage nicht mehr aktuell ist. Außerdem mischt sich der HipHop mehr und mehr mit dem amerikanischen R&B, d.h. der „French Touch“, die typischen und französisch speziellen Eigenschaften gehen mehr und mehr verloren. Eine allgemeine Amerikanisierung dieses Genres, z.B. aufwendige Videoclips und Nachahmungen der „Vorbilder“ Übersee, führt dazu, dass sich die Themen und die damit verbundenen Absichten und ursprünglichen Ziele des Rap français verändern und verloren gehen. Sicherlich trifft diese Entwicklung nicht nur auf den französischen Rap zu, sondern ist in vielen Musikrichtungen erkennbar, aber aufgrund der Tatsache, dass sich der Rap in Frankreich ursprünglich von der amerikanischen Bewegung abgespalten hat, um etwas eigenes aufzubauen und sich diese Entwicklung nun allmählich wieder umkehrt, kann man in diesem Fall von einer Art Rückentwicklung sprechen. Selbstverständlich gibt es wie schon erwähnt Ausnahmen und weiterhin Gruppen, die den Status des originalen Rap français treu bleiben, nur lässt die allgemeine Evolution darauf hindeuten, dass die Gründerepoche um IAM und NTM einmalig war und für ihre Zeit eine Besonderheit darstellten.

Abschließend möchte ich noch einen Kommentar eines Kenners der Szene zur aktuellen Situation und zur Zukunft des französischen Raps zitieren: „La tendance actuelle fait du RAP une musique „de variété“ : reprendre de vieux morceaux à succès, venter des valeurs matérialistes et machistes (belle voiture, argent, femmes nues à ses pieds), s'éloigner de ses origines.“[17]

Fazit

Der Rap hat in Frankreich einen anderen, einen außergewöhnlichen Status als es in anderen Ländern der Fall ist. Mit ihm wird eine ganze Kulturbewegung assoziiert, die Anfang der 90er in den tristen und verarmten Vororten der Großstädte entstand. Zu jener Zeit war der französische Rap eine wütende Protestbewegung, eine Auflehnung, ein „ras-le-bol“ gegen die miserable soziale Lage der banlieues und gegen die Ignoranz der Regierung. Rap hat sich dort entwickelt, wo ein Vakuum in der Bevölkerung existierte, endlich das zum Ausdruck zu bringen, was man schon immer sagen wollte. Er diente nicht dem kommerziellen Interesse, sondern als Sprachrohr einer verzweifelten jungen Generation. Ihre Sprache und ihre Wörter repräsentierten ihre Waffen. Außerdem hat sich das Publikum für den französischen Rap sehr gewandelt und beschränkt sich nicht nur noch auf Frankreich. Dank seiner Vitalität, Diversität und Originalität ist es dem französischen Rap in der Welt gelungen, sich zu etablieren.

Wenn man ihn mit dem deutschen HipHop vergleicht, der sich in etwa der gleichen Zeit begann zu entwickeln, sieht man, dass in Deutschland das Phänomen der banlieues gar nicht existiert und das sich der deutsche HipHop in ganz anderen sozialen Schichten mit anderen Zielen entwickelte. Die Themen, der Ursprung und auch die Dimensionen stehen in Frankreich in einem ganz anderen Verhältnis zum deutschsprachigen Rap. Zu den Vereinigten Staaten von Amerika, dem Mutterland des Raps gibt es deutliche Unterschiede im Bezug auf Musik, Thematik, Umfeld und Absicht. Jedoch muss man auch die zunehmende Amerikanisierung der französischen Rapszene erwähnen, obwohl man sich Ende der 80er Jahre eigentlich davon abgespalten hatte und einige Jahre seinem eigenen Stil nachging und somit für einige Zeit eine eigene Identität schuf.

Bibliographie

Kimminich, Eva. „Légal où illégal? Anthologie du rap francais. Stuttgart, Reclam, 2002.

Calvet, Louis-Jean. Quel temps fera-t-il sur la chanson francaise? Reader, 2004.

L´histoire du rap francais. < http://membres.lycos.fr/dejouradam/article34.html >

NTM – Biographie. <http://www.rfimusic.com/siteFr/biographie/biographie_8843.asp>

Dejour, Adam. Tendances et avenir du RAP. <http://membres.lycos.fr/dejouradam/article34.html >

IAM – Biographie, Diskographie. <http://www.ramdam.com/art/i/iam_bio.htm>

Raynal, Florence. The French rap scene is in full swing. <http://membres.lycos.fr/dejouradam/article34.html>

Anhang

Zusammenstellung von drei repräsentativen Beispielen französischer Raptexte:

IAM – Nés sous la même étoile

{Refrain: 2x}
La vie est belle, le destin s'en écarte.
Personne ne joue avec les mêmes cartes.
Le berceau lève le voile, multiples sont les routes qu'il dévoile.
Tant pis, on est pas nés sous la même étoile.

Pourquoi fortune et infortune, pourquoi suis-je né
Les poches vides, pourquoi les siennes sont elles pleines de tunes ?
Pourquoi j'ai vu mon père en cyclo partir travailler
Juste avant le sien en trois pièces gris et BMW ?

La monnaie est une belle femme qui n'épouse pas les pauvres
Sinon pourquoi suis-je là, tout seul marié sans dot ?
Pourquoi pour lui c'est crèche et vacances ?
Pour moi c'est stade de foot sans cage, sans filet,
Sans même une ligne blanche.

Certains naissent dans les choux et d'autres dans la merde.
Pourquoi ça pue autour de moi, quoi, tu me cherches ?
Pourquoi chez lui c'est des Noëls ensoleillés ?
Pourquoi chez moi le rêve est évincé par une réalité glacée ?

Lui a droit à des études poussées.
Pourquoi j'ai pas assez d'argent pour m'acheter
Leurs livres et leurs cahiers ?
Pourquoi j'ai dû stopper les cours ?
Pourquoi lui n'avait de frère à nourrir, pourquoi j'ai dealé chaque jour ?

Pourquoi quand moi je plonge, lui passe sa thèse ?
Pourquoi les cages d'acier, les cages dorées agissent à leur aise ?
Son astre brillait plus que le mien sous la grande toile.
Pourquoi ne suis-je pas né sous la même étoile ?

{Refrain, 2x}

Comme Issa, pourquoi ne suis-je pas né sous la bonne étoile ?
Veillant sur moi ? Couloir plein de toiles, crachats,
Tchatche à deux francs, courbettes des tapettes devant,
Supporter de grandir dans un franc, c'est trop décevant.

Simplement en culotte courte,
Ne pas faire la pelle mécanique plate avec des pots de yaourt.
C'est pas grave, je n'en veux à personne et si mon heure sonne
Je m'en irais comme je suis venu.

Adolescent incandescent chiant à tour de bras sur le fruit défendu,
Innocents, témoins de types abattus dans la rue.
C'est une enfance ? Une pourriture, ouais.
Je ne draguais pas mais virais des tartes aux petites avec les couettes.

Pâle de peur devant mon père, ma sœur portait le voile.
Je revois, à l'école les gosses qui la croisent se poilent.
C'est rien Léa, si on était moins scrupuleux,
Un peu de jeu du feu on serait comme eux.

Mais j'ai pleuré pour avoir un job, comme un crevard sans boire,
Les "Je t'aime" à mes parents seul dans mon lit le soir.
Chacun son boulet, sans ambition la vie c'est trop long,
Ecrire des poèmes, pisser violent dans un violon.

Tu te fixes sur un wagon, c'est la locomotive que tu manques.
C'est pas la couleur, c'est le compte en banque.
J'exprime mon avis, même si tout le monde s'en fiche.
Je ne serais pas comme ça si j'avais vu la vie riche.

{Refrain, 2x}

Fonky Family - Cherche pas à comprendre

Dans la vie
Cherche vraiment pas à comprendre
Faut que tu vois ça, que tu le vives
Les jeunes vont te surprendre
On a du vice à revendre
Et du pognon à prendre
L’Etat nous baise
Et tu le sais, on va se défendre

Cherche pas à comprendre
Je dis ce que je vis, et ce que je vois
Y’a pas que la mauvaise volonté
Qui t’écarte de la bonne voie
Dieu sait qu’ici bas
On a pas toujours le choix
Dans ma tête c’est l’orage
Même si la pluie ne tombe pas
J’ai suivi un droit chemin
J’ai pas besoin
Qu’on me félicite pour ça
Le malheur ne reste jamais loin
Le destin n’a pas béni les miens
La nuit tombe
L’impression d’être seul au monde
Ce soir le chacal erre
Comme un chien
Entre deux rondes de condés
Le trottoir est désert
A part des clochards par terre
Le long des murs
Cartons, couvertures
Les temps sont durs
A côté je vois passer des Mercédes
Et des Z3
Y’a des sous
Le tout est de savoir où
Et comment les prendre
On a faim а en fendre les pierres
Le coeur serré, frère
Cherche pas à comprendre

Catapulté dans ce monde
Où la rage est à la mode
Bracage, arnaque de code
Les jeunes veulent faire de la caille
Dans la rue ça mène des batailles
Où un type et sa mort
Est pire que la mort elle-même
Histoire de came
Pour mes frères, ça sera un drame
Faudrait peut-être sonner l’alarme
Les gosses n’ont plus rien
Font crâmer des arbres
Demain auront-ils des calibres
C’est la rage mon frère
La vie a un goût amère
Fait gaffe où sa travaille par derrière
Observe toujours tes arrières
Ou tu finis en galère
Dans la rue, plus que des coups en traоtre
Plus rien à faire
Plus rien à perdre
La prison c’est plus l’enfer

Tout gosse t’es plein de rêves, d’illusions
Pue la merde à la maison
T’ramène vite à la raison
C’est comme on est dans la vie
On fait pas toujours ce qu’on veut
Trop d’inégalités
Cause de l’illégalité
On s’en sort comme on peut
A l’école ils font tout
Pour que tu laches prise
Ils disent qu’il y a pas de débouchés
Pas de boulot dans les entreprises
On mise sur le Hip Hop
On tente de s’éloigner des traffics
A ras, frère
Les flics rappliquent
Franchement, j’ai rien à me reprocher
Mais savoir que des potes pourraient plonger
Me donne mal au coeur rien qu’à y songer
Le danger vient pas que de nous
On nous considère
Du mauvais côté de la barrière
Qu'est-ce que tu peux faire
Avec un petit frère, une mère
Qui ne peut plus travailler
C’est clair, par tous les moyens
Faut ramener la caille au foyer
Je fais pas dessins
J’essaie pas de nous faire passer pour des saints
On est comme on est
Ce depuis qu’on est né
C’est pas terminé
Des mecs partent
D’autres arrivent dans le circuit
Parmi eux
Peu finissent leurs jours vieux
Heureux et remplis
Je prie
Pour que la situation s’améliore
Qu’on se retrouve tous plus tard dehors
A rouler sur l’or
Sans s’effacer le passé
Je te garantis que même plein
Jamais de la vie j’oublierai d’où je viens
Hé, hé, hé, c’est compris?
Jamais de la vie on oubliera d’où on vient

Et yo
Y’a les lois, la rue
Et les lois de la rue
Les nécessités, contraintes
Petites putes qui portent plainte
Flics fachos fâchés
Popo cachés
Fouilles musclées
Insultes raciales
Bref des nuits gachées
Je donne ma vision des faits
Vue de l’intérieur
Prends pas peur
Si tu comprends pas
Viens, faut que tu vois ça

Trop de Robocop
Même la poulette en robe
Genre wonderwoman
Et stup, portrait bande
Vrai caïd, ouais man
Mais personne nous contrôle
Vraiment à part le fric
Le sale fric
Question de sous
Plus vifs qu’un sale flic
Rien ne marche
Riches narguent
J'part en chasse avec hargne
Caillasse charme
Sur la justice on s’acharne
Pourquoi? la rage, mon frère
Tourner la page sur les bavures, non
Comment faire
En restant dur envers le système
Plein de mystères
Niveau ministère
De la jeunesse
Beaucoup de jeunes en poster
Dans les bureaux
Et combien derrière les barreaux
Ou dehors planqués dans un coin
Avec une pique cousue а un garrot
Que ça plaise ou pas
Je représente la délinquance
Un impertinant de plus
Faisant face aux conséquances
J’emmerde les ?
Mon arme ??
??

Des potes se retrouvent en prison
Pourquoi? ma foi le fric
Non, c’est pire des fois les flics
Manquent de proies
Les villes du FN en profitent
Les cons d'képis
Traquent les fumeurs de shit
Et laissent libre
Les tueurs des petites
Trop de fuites
Dans le pays presque foutu
Si je parais grotesque ou fou
Je m’avoue pas battu
Nos familles ont toujours combattu
Sur le terrain
L’Etat voit que son intérêt
Et les jeunes deviennent des parains
Y’a des vrais, y’a des faux
Je parle des fous-furieux
Restons sérieux
Tuer un humain... hum curieux
Bref qui te cause c’est semplemsi de la FF
Il sont ni vendeurs de dope, ni SDF
Laisse des feuilles
Pour l’équipe du trèfle à quatre feuilles
Suivie de près par IAM et le 3ème Oeil
Pourquoi mes paroles sont vulgaires
Et je reste fier
Au ref on le sait
Tu veux le savoir ma soeur?
C’est la rage, mon frère

Cherche vraiment pas а comprendre
Ahhh, vraiment, faut que tu vois зa
Et ouais, c'est comme зa
Est-ce que vous le savez comment on se dйfend?

Hein?
On nique tout, on nique tout
Et sans rйmission

NTM - Laisse Pas Traîner Ton Fils

A l'aube de l'an 2000
Pour les jeunes c'est plus le même deal
Pour celui qui traîne, comme pour celui qui file
Tout droit, de tout façon y a plus de boulot
La boucle est bouclée, le système a la tête sous l'eau
Et les jeunes sont saoulés, salis sous le silence
Seule issue la rue même quand elle est en sang
C'est pas un souci pour ceux qui s'y sont préparés, si ça se peut
Certains d'entre eux même s'en sortiront mieux
Mais pour les autres, c'est clair, ça s'ra pas facile
Faut pas s'voiler la face, il suffit pas d'vendre des "kil"
Faut tenir le surin pour le lendemain
S'assurer que les siens aillent bien
Eviter les coups de surin
Afin de garder son bien intact
Son équipe compacte, soudée, écoute de scanner pour garder le contact
Ou décider de bouger, éviter les zones rouges, et
Surtout jamais prendre de congés
C'est ça que tu veux pour ton fils ?
C'est comme ça que tu veux qu'il grandisse ?
J'ai pas de conseil à donner, mais si tu veux pas qu'il glisse
Regarde-le, quand il parle, écoute-le !
Le laisse pas chercher ailleurs, l'amour qu'y devrait y avoir dans tes yeux

{Refrain:}
Laisse pas traîner ton fils
Si tu ne veux pas qu'il glisse
Qu'il te ramène du vice
Laisse pas traîner ton fils
Si tu veux pas qu'il glisse

Putain, c'est en me disant :"J'ai jamais demandé à t'avoir !"
C'est avec ces formules, trop saoulées, enfin faut croire
Que mon père a contribué à me lier avec la rue
J'ai eu l'illusion de trouver mieux, j'ai vu
Ce qu'un gamin de quatorze ans, avec le décalage de l'âge
Peut entrevoir, c'était comme un mirage
Plus d'interdit, juste avoir les dents assez longues
Pour croquer la vie, profiter de tout ce qui tombe
La rue a su me prendre car elle me faisait confiance
Chose qui avec mon père était comme de la nuisance
Aucun d'entre nous n'a voulu recoller les morceaux
Toute tentative nous montrait qu'on avait vraiment trop d'ego
Mon père n'était pas chanteur, il aimait les sales rengaines
Surtout celles qui vous tapent comme un grand coup de surin en pleine poitrine
Croyant la jouer fine. Il ne voulait pas, ne cherchait même pas
A ranger ce putain d'orgueil qui tranchait les liens familiaux
Chaque jour un peu plus
J'avais pas l'impression d'être plus coté qu'une caisse à l'argus
Donc j'ai dû renoncer, trouver mes propres complices
Mes partenaires de glisse
Désolé si je m'immisce

{au Refrain}

Que voulais-tu que ton fils apprenne dans la rue ?
Quelles vertus croyais-tu qu'on y enseigne ?
T'as pas vu comment ça pue dehors
Mais comment ça sent la mort ?
Quand tu respires ça, mec, t'es comme mort-né
Tu finis borné
A force de tourner en rond
Ton cerveau te fait défaut, puis fait des fonds
Et c'est vraiment pas bon quand t'en perd le contrôle
Quand pour les yeux des autres, tu joues de mieux en mieux ton orle
Ton orle de "caï-ra", juste pour ne pas
Qu'on te dise : "Voilà tu fais plus partie de la "mille-fa" d'en bas"
C'est dingue mais c'est comme ça
Sache qu'ici-bas, plus qu'ailleurs, la survie est un combat
A base de coups bas, de coups de "tom-ba"
D'esquives et de "Paw !" de putains de "stom-bas"
Laisse pas traîner ton fils
Si tu veux pas qu'il glisse
Qu'il te ramène du vice
Non laisse pas traîner ton fils

{au Refrain}

[...]


[1] Kimminich, Eva. „Légal où illégal? Anthologie du rap francais. Stuttgart, Reclam, 2002, S. 95 oben.

[2] Kimminich, Eva. s.o., S. 104, unten.

[3] Kimminich, Eva. s.o., S. 97 unten.

[4] L´histoire du rap francais.< http://membres.lycos.fr/dejouradam/article34.html > [Stand: 8.5.2004]

[5] Kimminich, Eva. s.o., S. 105, oben.

[6] Kimminich, Eva. s.o., S. 107, oben.

[7] eine Bezeichnung, für die es im Deutschen kein äquivalent gibt, z.B. die kriminelle Jugend, Bandenführer

[8] Calvet, Louis-Jean. Quel temps fera-t-il sur la chanson francaise? S. 59, 3. Absatz

[9] Calvet, Louis-Jean. s.o.? S.60, 2. Absatz

[10] NTM – Biographie. <http://www.rfimusic.com/siteFr/biographie/biographie_8843.asp> [Stand: 7.6.2004]

[11] aus : IAM. L´école du micro d´argent. Delabel, 1997.

[12] Kimminich, Eva. „Légal où illégal? Anthologie du rap francais. Stuttgart, Reclam, 2002, S. 101.

[13] NTM. „ Plus jamais ca“ aus dem Album „ Paris sous les bombes“. Epic,1995.

[14] Fabe. „ Questions “ 2000.

[15] IAM. „Nés sous la même étoile“ aus dem Album „L´école du micro d´argent“ , Delabel, 1997. Der ganze Text im Anhang.

[16] Fonky Family. Cherche pas à comprendre. aus dem Album Si Dieu le veut. Côté Obscur, 1997. Text im Anhang.

[17] Dejour, Adam. Tendances et avenir du RAP. <http://membres.lycos.fr/dejouradam/article34.html > [Stand : 25.6.2004]

22 von 22 Seiten

Details

Titel
Rap francais - Bedeutung und Entwicklung
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V108958
Dateigröße
1330 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Entwicklung
Arbeit zitieren
Florian Fangmann (Autor), 2004, Rap francais - Bedeutung und Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108958

Kommentare

  • Gast am 25.11.2004

    toulouse.

    hallo,

    leider konnte ich in der arbeit kein wort ueber die gruppe ZEBDA finden. wenn ich es nicht ueberlesen habe, dann fehlt sie in der hausarbeit; diese aus toulouse kommende gruppe ist sehr eigen in ihrer musik- um (nicht) zu sagen herausragend! sie haben bereits mehrere alben veroeffentlicht und sind mehr als erwaehnenswert!
    gruss,
    131074

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