Europabewusstsein im FUSSBALL - ein Produkt der Politik der 50er Jahre?


Seminararbeit, 2004

39 Seiten, Note: 1


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Inhaltlicher Aufbau:

1. Einleitende Gedanken

2. Eine Vorgeschichte im organisierten Fußball

3. Der Prozess der Gründung der UEFA
3.1. Was waren die Gründe?
3.2. Die ersten Handlungen
3.3. Der Vollzug

4. Das Herangehen an europäische Wettbewerbe
4.1. Ein Anstoß von außen
4.2. Erster Kongress in Wien – eine Zerreißprobe
4.3. Eine Vielzahl von Konkurrenzen entsteht
4.4. Endlich auch eine Europameisterschaft

5. Erschwernisse durch die Politik

6. Die Bedeutung der Örtlichkeit Schweiz
6.1. Die Schweiz – Veranstalter der WM 1954
6.2. Die Auswahl des Sitzes der UEFA

7. Außereuropäische Mitglieder Fußball-Europas

8. Gefährliche Gruppenbildungen?

9. Die Beziehungen der UEFA zur FIFA

10. Die UEFA versus Europäische Union

11. Resümee

Anhang

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitende Gedanken:

Ein Europabewusstsein auch im Fußball lässt sich erstmals in den 50er Jahren mit großer Signifikanz feststellen, gerade zu einer Zeit, als in den verschiedensten Bereichen sehr viel Europäisches produziert wurde, wie etwa im wirtschaftlich-politischen mit der Einrichtung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, „Montanunion“) im Jahre 1951 oder dem Abschluss der „Römer Verträge“ 1957, aus denen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sowie die EURATOM (zur gemeinsamen und friedlichen Nutzung der Atomenergie) hervorgegangen sind. Ein weiteres Beispiel wäre der Zusammenschluss der Fernsehanstalten 1953 in der „Eurovision“. Dieses Zusammenfinden zwischen europäischen Staaten nach den Erfahrungen der Weltkriege war das Anlaufen der europäischen Integration wie wir sie heute in einer Europäischen Union (EU) mit 25 Mitgliedsstaaten kennen. Und genau dasselbe ist im Fußballsport ab dem Jahr 1954 eingetreten, als es zur Gründung einer gemeinsamen Institution für die europäischen nationalen Mitgliedsverbände innerhalb der bereits seit 1904 bestehenden Weltfußballorganisation FIFA (Fédération Internationale de Football Association) gekommen ist. Es handelt sich dabei um die UEFA (Union of European Football Associations), die heute weithin bekannt ist, gerade weil man sich damals nicht allein damit begnügte, einen kontinentalen Fußball-Dachverband zu schaffen, sondern zusätzlich noch in eben dieser Zeit europäische Fußballbewerbe (die Europacup-Bewerbe) ins Leben gerufen hat, von denen heute besonders die UEFA Champions League und die Europameisterschaft (Euro, EM) für Nationalteams durch ihre starke mediale Präsenz ein Begriff sind.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob und inwieweit die Gründungsphase dieser eigenen Fußball-Institution und –Bewerbe für Europa in den 50er Jahren mit der politischen Entwicklung zusammenhängt, und wenn ja, ob der Fußball sogar als ideologische Stütze dieser neuen Europa-Politik dienen sollte. Außerdem wird eine umfassende Gesamtdarstellung der Gründungsphase der UEFA im Auge behalten.

Die Recherchearbeit dazu wurde erheblich erleichtert durch das diesjährige 50-Jahr-Jubiläum der UEFA, worauf sie der Öffentlichkeit auf ihrem Kongress im April 2004 zwei Bücher über ihre Geschichte und Entwicklung und der ihrer Bewerbe präsentierte und in mehrfacher Ausführung an ihre Verbände verteilte. Ich werde mich vorwiegend darauf, auf Presseberichte zur Zeit ihrer Gründung und auf diverse Internetartikel beziehen. Außerdem werde ich eingangs auf die Seminararbeit von Petzold von der HU Berlin aus dem Jahr 2003 zurückgreifen, die die beiden einzigen bisher wissenschaftlich publizierten Bücher über die FIFA und ihre Belange von Darby[1] und Sugden/Tomlinson[2] kritisch bearbeitet hat.

2. Eine Vorgeschichte im organisierten Fußball:

Die oberste Instanz im Fußball war seit ihrer Gründung am 21. Mai 1904 in Paris die FIFA, in welcher von Anfang an die Europäer das Geschehen dominierten. Zwar wurde sie im Laufe der Zeit ein Weltverband (und als solcher war sie auch gedacht), doch waren ihre Gründungsmitglieder ausschließlich Europäer: Frankreich, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Schweden, die Schweiz und der Madrid Football Club (das heutige Real Madrid) im Namen Spaniens. (Der Beitritt der Engländer 1906 galt als eine wesentliche Verstärkung[3] ). Erst ein paar Jahre danach traten ihr mit Argentinien, Chile, der USA, Südafrika und Kanada außereuropäische Länder bei. In der Folgezeit wuchs der Anteil dieser Staaten allerdings kontinuierlich.[4]

Schon 1916 entstand eine erste, auf einen Kontinent bezogene Fußballkonföderation, die südamerikanische CONMEBOL, die später der UEFA als Vorbild galt.

Ein olympisches Fußballturnier fand erstmals 1908 statt[5], das jedoch nie das Prestige der 1930 erstmals im Rahmen der FIFA ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft (WM) erreichte. Die Verwirklichung der WM wird vor allem dem damaligen französischen FIFA-Präsidenten Jules Rimet zugesprochen, obwohl dieses erste Finalturnier, das 1930 in Uruguay ausgespielt wurde, in Europa noch auf wenig Widerhall stieß, da Europa sich in der Wirtschaftskrise befand. Eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft bedeutete für die Europäer nicht nur eine lange Schiffsreise, die Klubs mussten auch auf ihre besten, fest angestellten Spieler zwei Monate lang verzichten. So brachen immer mehr europäische Verbände ihr Teilnahmeversprechen, und nur Belgien, Frankreich, Jugoslawien und Rumänien machten sich auf den langen Weg.[6] Den ersten offiziellen Weltmeistertitel errang Gastgeber Uruguay. Die nächsten beiden Weltmeisterschaften 1934 in Italien und 1938 in Frankreich konnte Italien für sich entscheiden. Dieser Vier-Jahres-Rhythmus wurde bis heute nur durch den 2. Weltkrieg durchbrochen, denn die vierte Weltmeisterschafts-Endrunde, für dessen Veranstaltung sich nur Brasilien beworben hatte, fand erst wieder 1950 statt – und der Gewinner war zum zweiten mal Uruguay. Von Anfang an dominierten Europa und Südamerika das sportliche Geschehen, und bis heute gab es in 17 Weltmeisterschaften keinen Sieger aus einem anderen Kontinent, wobei wir bei 9:8 Siegen für Südamerika stehen.

Nach dem 2. Weltkrieg stellte sich neben dem Umgang mit den früheren Feinden Deutschland und Japan die Frage nach der Wiederaufnahme der britischen Verbände.[7] (England soll 1920 aus der FIFA ausgetreten sein, weil es nicht mit „bestimmten Ländern“ in Verbindung gebracht werden wollte).[8]

Deutschland und Japan wurden auf einem FIFA-Kongress im November 1945 „gebannt“, aber schon im Juni 1950 auf dem Kongress in Rio de Janeiro wurde ihre Wiederaufnahme beschlossen. Mehr Machtkämpfe gab es mit den vier britischen Verbänden (England, Schottland, Wales, Nordirland), denen man schließlich Sonderrechte einräumte. Zur gleichen Zeit soll auch die UdSSR über den

Beitritt zur FIFA verhandelt und die gleichen Rechte wie die britischen Verbände verlangt haben, die auch sie bekommen haben soll. All dies löste heftige Debatten mit den neuen FIFA-Mitgliedern aus der Dritten Welt aus, die es als Beweis für die globale Ungleichheit im Weltfußball und als „Manifestation der europäischen Macht in den internationalen Institutionen und administrativen Strukturen“ ansahen.[9]

3. Der Prozess der Gründung der UEFA:

3.1. Was waren die Gründe?

Der internationale Verband, die FIFA, selbst war bis in die Fünfzigerjahre hinein im Wesentlichen von Europäern geführt und widmete sich hauptsächlich europäischen Fragen. Als ihre Gründungsväter 1904 werden vor allem der Franzose Robert Guérin und der Holländer Carl Anton Wilhelm Hirschmann genannt.[10] Ihren Sitz hatte die FIFA bis 1932 in Paris und danach in Zürich. Darüber hinaus waren ihre Präsidenten bis 1974 ausschließlich Europäer. (Nur in der Zeit von 1974 bis 1998 war der Brasilianer Joao Havelange ihr Oberhaupt). Ein Artikel der FIFA-Statuten verbot den nationalen Verbänden im Übrigen, eigene Zusammenschlüsse zu bilden. Es gab zwar zwischen den neun Ländern Südamerikas eine Konföderation (die CONMEBOL), die auch alljährlich eine Meisterschaft zwischen ihren Mitgliedern ausrichtete, aber ihr Alter (seit 1916) und ihre Entfernung sollen gewissermaßen ihre Existenz gesichert haben.[11]

„Die Entwicklung des Fußballs ließ indessen [...] immer klarer erkennen, dass die FIFA und ihr winziges Büro in Zürich nicht auf ewig ein Reich regieren konnten, in dem die Sonne genauso wenig unterging wie in jenem Karls des Fünften“.[12] Denn die Zahl der dem Weltfußballverband angeschlossenen Länder war von sieben bei seiner Gründung auf 22 im Jahr 1914, 47 im Jahr 1934 und 79 im Jahr [...] 1954 angestiegen. Bei diesen Beitritten handelte es sich hauptsächlich um außereuropäische Länder.

So sprachen zwei gewichtige Argumente für eine Straffung der Bande zwischen den europäischen Verbänden und die Gründung einer Konföderation nach südamerikanischem Muster.

Erstens sollte durch eine Verstärkung der europäischen Macht der Gefahr entgegengetreten werden, die in der FIFA von der wachsenden Zahl der außereuropäischen Mitglieder ausging. Wenn sich die FIFA noch bereit erklärt hätte, bei Abstimmungen auf dem Kongress auf die Bedeutung bestimmter Verbände (nämlich mancher europäischer) im Verhältnis zu anderen Bedacht zu nehmen, wäre die Gefahr für Europa geringer gewesen, immer weiter in die Minderheit gedrängt zu werden (obwohl Europa damals vier Fünftel der Spieler des Planeten stellte). Aber da die FIFA der Regel „ein Land, eine Stimme“ treu blieb, war klar, dass der Einfluss der europäischen Stimmen im Weltkonzert mit der Zeit (wie bisher) immer mehr schrumpfen würde. Grundziel der Schaffung der UEFA war somit der Zusammenschluss der Europäer, damit sie (innerhalb der FIFA) solidarischer und folglich stärker wurden.[13] Insbesondere sollte der neue Verband der UEFA Meinungsverschiedenheiten innerhalb der europäischen nationalen Verbände vorbeugen (diese sollen laut Petzold auch aufgekommen sein), damit Europa mit einer Stimme sprechen kann, um so den Einfluss der FIFA-Gründungsmitglieder zu sichern.[14]

Hier klingt bereits der Machtkampf innerhalb der beständig wachsenden FIFA an, der auch bei Petzold der Hauptgrund für den Zusammenschluss der Europäer in der UEFA ist. Somit scheinen sportpolitische Gründe die Auslöser für das eingangs ausgemachte „Europabewusstsein im Fußball“ gewesen zu sein, und die Grundfrage dieser Arbeit ist zumindest teilweise widerlegt. Doch lohnt es sich, im Hinblick dieser Fragestellung dieses Thema weiter zu untersuchen.

Das andere Ziel der angestrebten Dezentralisierung war es laut UEFA-Jubiläumsbuch, dem geeinten und mit einer gewissen Selbständigkeit ausgestatteten europäischen Fußball die Möglichkeit zu geben, auf vielen Gebieten voranzugehen, so bei den Wettbewerben auf allen Ebenen, im Schiedsrichterwesen, im Fernsehen oder in der Ausbildung.[15]

Was einen Bewerb zur Ermittlung ihres jeweils besten Nationalteams angeht, waren jedoch andere Kontinente früher als Europa organisiert: Die Südamerikaner schon ab 1916, Nord- und Mittelamerika ab 1941, Asien ab 1956, Afrika ab 1957 und Europa erst ab 1958.[16]

An anderer Stelle wird im UEFA-Jubiläumsbuch vereinfacht erklärt, ein Mangel an internationaler Aktivität führte dazu, dass sich 30 Verbände zur Europäischen Fußballunion zusammenschlossen. Denn es habe außer der WM, dem Olympischen Fußballturnier sowie sporadischen Freundschaftsländerspielen keine Möglichkeit gegeben, auf internationaler Ebene Spielerfahrungen zu sammeln.[17]

Petzold vertritt die Ansicht, die Gründung der UEFA könne durchaus als eine Folge der nach dem 2. Weltkrieg durchgeführten Dekolonialisierung Asiens und der voraussehbaren gleichen Entwicklung in Afrika angesehen werden.

Denn 1945 zählte die FIFA 60 Mitglieder, wovon 32 Staaten aus Europa kamen, was einem Anteil von 53,3% entsprach.[18] 1953 war der Anteil der europäischen Staaten bereits auf 42,3% gesunken, da es zwischenzeitlich 18 Neueintritte in die FIFA gab, wovon Zypern der einzige europäische Staat war. Aus Afrika traten der Sudan und Äthiopien bei, aus Mittel- und Südamerika Honduras, Nicaragua und Venezuela. Das Gros dieser 18 Beitrittsländer kam aus Asien, nämlich 12, wovon nur der Iran und Afghanistan nicht als unmittelbar entkolonialisierte Staaten gelten können. Doch folgende 10 Länder seien in Zusammenhang mit ihrer jeweiligen Unabhängigkeitserklärung Mitglieder in der FIFA geworden: Indien, Indonesien, der Irak, Kambodscha, Laos, Neuseeland, Pakistan, Singapur, Sri Lanka und Südkorea.[19] Denn die Statuten der FIFA erlauben Ländern, die von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt und auch unabhängig sind, ihre Mitgliedschaft.[20]

3.2. Die ersten Handlungen:

Laut dem UEFA-Jubiläumsbuch dürften wohl ab der Weltmeisterschaft 1950 und dem damit verbundenen FIFA-Kongress in Rio de Janeiro mit diesen Hintergedanken im Kopf vor allem drei Männer an die Gründung einer Europäischen Fußballunion zu denken begonnen haben: Dr. Ottorino Barassi, der Präsident des italienischen Fußballverbandes, José Crahay, Generalsekretär der Königlich-Belgischen Fußballunion, und Henri Delaunay, Generalsekretär des französischen Fußballverbandes, der auch schon 1928 bei der Einführung der Weltmeisterschaft eine wesentliche Rolle gespielt hatte, und von dessen Rivalität zu Jules Rimet, dem amtierenden FIFA-Präsidenten (seinem „Freund-Feind von jeher“[21] ) jedermann gewusst haben soll. Anfang 1952 sollen Barassi und Crahay beschlossen haben, auf Henri Delaunay zurückzugreifen, da sie wussten, dass er seit langem ihre Vorstellungen teilte.[22]

(Die Neue Zürcher Zeitung [NZZ] dagegen schreibt zum 50-Jahr-Jubiläum der UEFA, dass die Initialzündung, wie schon 50 Jahre davor bei der Gründung der FIFA, abermals von französischer Seite ausgegangen sei, wobei als die „treibende Kraft“ Henri Delaunay genannt wird).[23]

Auch all dies deutet auf keinerlei Beeinflussungen durch die allgemeine Weltpolitik hin, ausgenommen dem oben besprochenen Dekolonialisierungs-„Problem“. Aber woher kommt der Zufall, dass sowohl Barassi (Italien), Crahay (Belgien) als auch Delaunay (Frankreich) Nationen angehörten, die seit 1951 in der EGKS verbunden waren? (Dazu gehörten noch die BRD, Niederlande und Luxemburg der EGKS sowie später der EWG an). Gibt es hier womöglich einen Zusammenhang? Er ließe sich äußerst schwer nachweisen. Es dürfte sich hier wirklich um einen Zufall handeln, denn diese Länder hatten alle große Fußballverbände, und man müsste sich ansonsten auch die Frage stellen, wie man die Vorreiterrollen Frankreichs

- bei der Gründung der FIFA,
- was den anfänglichen Sitz der FIFA in Paris angeht – und ebenso der UEFA,
- bei der Einführung der WM 1930,
- bei der „Erfindung“ der modernen Olympischen Spiele[24]
- und was die Initiative der französischen Sportzeitung L’Equipe zur Lancierung eines europäischen Klubwettbewerbes angeht (worauf ich später zurückkommen werde),

begründen könnte!

Im UEFA-Jubiläumsbuch heißt es weiters, die drei Männer, die von niemandem beauftragt (!), aber überzeugt waren, für das Gemeinwohl zu arbeiten, trafen sich von da an regelmäßig an verschiedensten Orten Europas, wo sie ihre beruflichen Verpflichtungen eben hinführten.

Am 27. Mai 1952 unterbreiteten sie in Zürich einen ersten Reglementsentwurf für eine Europäische Fußballunion den verschiedenen europäischen Verbänden, die ihrer Einladung gefolgt waren – also im Kern jene, die auch großes Interesse daran hatten. Anwesend waren schließlich 14 der 31 europäischen Verbände. Auf die Teilnahme verzichtet haben unter anderen die vier britischen. Hier wurden Meinungen ausgetauscht, doch noch ohne großen Erfolg.[25]

In der deutschsprachigen Presse erscheint dieses erste publik gewordene Treffen nur in der Neuen Zürcher Zeitung. Hier ist die Rede von einer „Internationalen Fußballkonferenz in Zürich“, wobei 13[26] europäische Verbände die Statuten und Reglemente der FIFA einer Beratung unterzogen und wobei der Wunsch formuliert wurde, eine Instanz zu schaffen, die den europäischen Verbänden alle Fragen vorlegt, die für sie von Bedeutung sein können. Auch die Abhaltung periodischer Konferenzen war vorgesehen, und das „Bureau“ dieser Instanz wurde mit Barassi, Crahay und Delaunay bestellt. Die nächste Konferenz werde Ende Juni in Paris abgehalten (worüber die NZZ dann nicht mehr berichtete), und ehe aber definitive Maßnahmen getroffen werden, erfolge eine Orientierung aller europäischen Verbände, die an der Zürcher Tagung nicht vertreten waren.[27]

Daraus können wir einige Gedanken festhalten:

1. Es wäre interessant, welche 14 (oder 13) Verbände großes Interesse daran hatten. Doch laut Auskunft der UEFA selbst seien keine Informationen darüber aufzufinden.
2. Der geringe Widerhall in den Zeitungen deutet auf die Nichtigkeit dieser Entwicklung zum damaligen Zeitpunkt hin.
3. Allein die Bezeichnung dessen als eine „Internationale Fußballkonferenz“, wo doch ausschließlich Europäer teilnahmen, erlaubt vielleicht den Schluss auf ein damals noch fehlendes Europabewusstsein, ein Jahr nach Gründung der EGKS.
4. Auch klingt eine gewisse Unbestimmtheit über das Aussehen der diskutierten Europäischen Fußballunion an.
5. Hier tritt erstmals offen die Absicht zu Tage, die Meinungen aller europäischen Fußballverbände einzuholen. Das inkludiert die kommunistischen Satellitenstaaten der Sowjetunion in Osteuropa sowie die 1952 noch von Stalin regierte UdSSR selbst, und dies in der Zeit des beginnenden Kalten Krieges!
6. Daraus folgert sich weiters die Vermutung, dass sich die Funktionäre im Fußballsport unabhängig zu ihren Politikern verhalten und somit eine Beeinflussung des Europabewusstseins im Fußball von der allgemeinen Weltpolitik immer unwahrscheinlicher wird.

Der FIFA-Kongress Ende Juli 1952, anlässlich der Olympischen Spiele in Helsinki, brachte den drei „Pionieren“ für die UEFA einen weiteren Beweis für die Gefahr, die den europäischen Verbänden drohte: In allen Tagesordnungspunkten, die Gegenstand langer, verbissener Verhandlungen gewesen sein sollen, sollen die südamerikanischen Delegierten der Reihe nach das Wort ergriffen haben, um einen sorgfältig durchdachten Standpunkt zu vertreten, während die europäischen Verbände „fast nicht wiedergutzumachende Fehler“[28] begangen haben sollen, weil sie verstreut und ohne vorheriges Abstimmen ihrer Meinungen vorgingen.[29]

Jedoch hat das Basistrio schnell prominente Verstärkung für sein Vorhaben gefunden: Ernst Thommen, Präsident des schweizerischen Fußballverbandes und Mitglied des Exekutivkomitees der FIFA (!), Sir Stanley Rous, Generalsekretär des englischen Fußballverbandes (der englische Verband ist zum ersten Treffen nicht erschienen!) und prominenter Vertreter des internationalen Fußballs (von 1961 bis 1974 FIFA-Präsident!) sowie Dr. Peco (Peter Joseph) Bauwens, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Unter deren Mitwirkung beschloss die FIFA auf einem außerordentlichen Kongress im November 1953 in Paris, die Bildung kontinentaler Konföderationen zuzulassen. Die Tür zur Gründung der UEFA war somit weit offen.[30]

Über diese wesentlichen Fortschritte wird wenig gesagt. Bei Darby lässt sich finden, dass besonders Barassi für die Idee einer UEFA in der ersten Hälfte des Jahres 1952 beträchtliche Unterstützung von mehreren prominenten Verbänden gewinnen konnte.[31] Doch dies war „nur“ die Vorarbeit für das Zürcher Zusammentreffen. Wie es konkret zum Umdenken in der FIFA gekommen ist, bleibt etwas rätselhaft.

Das Reglement der künftigen Europäischen Fußballunion wurde noch im Jahr 1953, wiederum in Paris, von nun bereits rund 20 europäischen Verbänden festgelegt. Barassi leitete die äußerst konstruktive Debatte, Delaunay fungierte als Sekretär und Dolmetscher. Es wurde beschlossen, an alle europäischen Verbände Fragebögen zu richten, die von der ständigen Kommission (Barassi-Crahay-Delaunay) ausgewertet werden sollten.[32]

3.3. Der Vollzug:

Die offizielle Geburtsstunde der neuen Konföderation war festgelegt mit dem Beginn der 5. WM-Endrunde 1954, die in der Schweiz ausgespielt wurde. Auf die Frage, warum man dafür die Schweiz ausgewählt hat, werde ich im Kapitel 6.1. noch genauer eingehen. So fand also diese entscheidende Tagung am 15. Juni 1954 (am Vorabend des WM-Anstoßes[33] ) im Hotel Euler in Basel statt. (Und dabei soll laut der NZZ das Schweizer FIFA-Mitglied Ernst B. Thommen Henri Delaunay, Barassi und Crahay „massgebliche Schützenhilfe“ geleistet haben[34] ). Der Aufforderung des Komitees zu erscheinen sind zwar nur 25 der 31 europäischen Verbände nachgekommen, doch die Zahl stieg rasch auf 28 an: Rumänien, das kein Visum erhalten hatte, war durch die Tschechoslowakei vertreten, Wales durch England, und die griechischen Delegierten trafen im Laufe der Sitzung ein. Polen war nicht vertreten, trat aber im folgenden Jahr bei.[35]

Verglichen mit Tabelle 2 im Anhang sind die zwei fehlenden Länder, welche auch immer es waren, auch noch 1954 der UEFA beigetreten.[36]

Doch Gründungsmitglieder soll es nur 29 gegeben haben.[37]

Wesentlich ist, dass sich alle Staaten Europas (ausgenommen der „Zwergstaaten“) in der UEFA vereinigt haben und somit im Fußball die Zweiteilung Europas in Ost und West überwunden wurde. In der Politik dagegen entstanden um diese Zeit eher Institutionen, die diese Teilung noch verstärkt haben: So etwa die NATO 1949, der Warschauer Pakt 1955 oder das COMECON 1949 (in dem die Volkswirtschaften der mittel- und osteuropäischen Staaten in eine von den Sowjets beherrschte Struktur eingebunden wurden, im Gegensatz zur Marshall-Hilfe der USA für den Westen[38] ). Der Sport war zwar immer ein Menschen verbindendes Element, aber in Anbetracht der starren politischen Verhältnisse in dieser Zeit ist der Zusammenschluss innerhalb der UEFA (innerhalb des Fußballs, der „Sportart Nummer 1“ auch im Europa der damaligen Zeit) durchaus sensationell. In Folge haben sich innerhalb der UEFA dadurch, wie fast zu erwarten, auch einige Probleme ergeben, die ich im Kapitel 5 behandeln werde. Letztlich stellt sich auch die Frage, ob man dieses Ost- und Westeuropa vereinigendes Gebilde der UEFA denn überhaupt mit dem aus Westeuropa ausgehenden politisch-wirtschaftlichen Europabewusstsein (EGKS, EWG) vergleichen kann. Dies dürfte wohl die letzten Hypothesen einer Beeinflussung des Fußballsports von der Weltpolitik zerplatzen lassen. Doch es gibt noch andere Berührungspunkte auszumachen.

An diesem 15. Juni 1954 wurde laut UEFA-Jubiläumsbuch der Zusammenschluss der europäischen Fußballverbände „in einer noch zu bestimmenden Form“ beschlossen, es wurde ein Komitee mit dem Auftrag eingesetzt, einen endgültigen Statuten- und Reglementsvorschlag zu formulieren, und gestützt auf ihre neue Solidarität wählten die Vertreter unter sich vorab ihre Mitglieder im neuen Exekutivkomitee der FIFA[39], welches eine Woche später am FIFA-Kongress in Bern zu bestellen war, und sie sprachen sich auch dafür aus, dass der Belgier Rodolphe-William Seeldrayers Nachfolger des nach 34 Jahren zurücktretenden Jules Rimet als FIFA-Präsident werden sollte. Kurzum: das geeinte Europa richtete sich auf seine Rolle in der Welt aus und beabsichtigte, in Zukunft mit einer Stimme zu sprechen. Ins UEFA-Komitee wählte man auf Vorschlag von Rous nur Personen, die keine hohen Funktionen in der FIFA hatten, damit die Unabhängigkeit der UEFA gewahrt bleibe. Am 22. Juni 1954 wählte das neue Komitee der „Gruppe der europäischen Verbände“, wie sie noch genannt wurde, den Dänen Ebbe Schwartz zum Präsidenten (der also als der erste UEFA-Präsident in ihre Geschichte einging), den Österreicher Dr. Josef Gerö zum Vizepräsidenten und Henri Delaunay zum Sekretär. Außerdem beschloss es, den Reglementsentwurf in den drei Sprachen Englisch, Französisch und Deutsch abzufassen.[40]

Obwohl die UEFA also ein gesamteuropäisches Phänomen war, beschritt man damals den Weg, sich genau auf dieselben offiziellen Sprachen festzulegen wie sie es heute in der EU sind.

In den Presseberichten wird einhellig von einer Gründung der „Europa-Union“ innerhalb der FIFA gesprochen.[41] Außerdem erwähnen sie schon Satzungen der „Europa-Union“, die vorsehen, dass ein Europa-Cup-Wettbewerb ausgeschrieben werden soll.[42] Jedoch werde die Entscheidung in dieser Frage erst in einer nächsten Sitzung fallen.[43]

Interessant und etwas verwirrend klingt die Meinung von Rimet, wonach sein Nachfolger Seeldrayers kein leichtes Amt haben werde, denn es bestünden innerhalb der FIFA starke Tendenzen zur Gruppenbildung und damit Uneinigkeit. Es sei zwar einzusehen, dass die einzelnen Kontinente ihre Angelegenheiten im eigenen Machtbereich erledigen wollen, doch sollte man die Gefahr einer Zersplitterung nicht übersehen, und er deutete an, dass die „revolutionären Strömungen“ in erster Linie von den Südamerikanern ausgingen. Um diesen Strömungen entgegenzuwirken, haben sich die 31 europäischen Verbände bereits in einem Europa-Dachverband zusammengefunden, der von Dr. Gerö geführt und seinen Sitz in Wien haben solle. Die Sanktionierung dieses Beschlusses werde beim FIFA-Kongress in Bern erwartet.[44]

1. Interessant dabei sind die „revolutionären Strömungen“ von den Südamerikanern.
2. Verwirrend und nicht weniger interessant in seiner Aussage ist die angebliche Führungsrolle des Österreichers Gerö sowie der Sitz in Wien.

Ende Oktober 1954 legte das selbe Komitee auf seiner Tagung in Kopenhagen den Namen der neuen Konföderation fest: auf Englisch „Union of the European Football Associations“ und auf Französisch „Union des Associations Européennes de Football“ (oder: „Union Européenne de Football-Association[45] ). (Die NZZ schreibt zum 50-Jahr-Jubiläum, die UEFA wurde erst hier in Kopenhagen „aus der Taufe gehoben“[46] ). Ebenso wurde festgehalten, dass die Beschlüsse der UEFA die nationalen Verbände nicht zwingend binden, sondern den Charakter vom Empfehlungen haben. (Ab 1961 wurden die Beschlüsse der UEFA dann für alle Verbände bindend[47] ).

Die Zielvorgaben entsprachen durchaus den Vorstellungen der ersten Gründer:

- Festlegung einer gemeinsamen Einstellung in der FIFA und Bestellung ihrer Vertreter
- alle vier Jahre Ausrichtung eines eigenen Wettbewerbs
- und Prüfung aller Fragen im Zusammenhang mit dem Fußball in Europa.[48]

Nach der Kopenhagener Tagung verkündete Henri Delaunay in einem Artikel „Kann im Fußball ein Europa aufgebaut werden?“[49] seinen lebhaften Optimismus für die Zukunft dieses großen Projekts. Denn es würde zweifellos allen beteiligten Verbänden die Möglichkeit gegeben sein, „Ideen auszutauschen und recht weit voneinander entfernte Standpunkte anzunähern“. Und für alle Länder würde es nützliche Informationen über aktuelle Probleme wie Fernsehen und Sportwetten geben – aber die Aufmerksamkeit müsse vor allem einem allen europäischen Verbänden offen stehenden Wettbewerb gelten. Eine Dreierkommission sei beauftragt worden, sich mit diesem schwierigen Unterfangen zu befassen, das weder zu einer unbegrenzten Überfülle an internationalen Spielen führen noch der Weltmeisterschaft schaden sollte.[50]

„Kann im Fußball ein Europa aufgebaut werden?“ Wenn diese Formulierung nicht etwas weiter reicht, als die ursprünglich zweckgerichteten Ziele der „Gruppe der europäischen Verbände“ in Bezug zur FIFA! Und weiters: „...für alle Länder nützliche Informationen über Fernsehen und Sportwetten...“. Hier sind deutlich über die ursprünglichen Ideen eines europäischen Zusammenschlusses hinausgehende Vorteile herauszuhören![51] Somit ließe sich die Hypothese aufstellen, es hat auch im Fußball ein neu entstandenes Europabewusstsein gegeben (auch wenn dies hier auch nur allein durch Delaunays Gedanken nachweisbar ist), das über rein sportpolitische Gründe hinausgeht und das ebenso wie jenes in der Politik als ein Aufbruch in eine bessere Zukunft wahrgenommen wurde. Und doch ist es nicht ganz mit jenem in der Politik vergleichbar, denn es inkludiert den gesamten Osten und Westen.

Man könnte hier vom „Europa des Fußballs“ sprechen, welches den europäischen Völkern „im Geist und im Herzen“ heute vielleicht näher steht als die EU selbst.[52]

Im Gegensatz dazu muss aber betont werden, wie gering das Interesse der Öffentlichkeit für diese ersten Aktionen des „Europa des Fußballs“ gewesen ist. Als laut UEFA-Jubiläumsbuch 1954 bekannt wurde, dass Ebbe Schwartz (zusammen mit anderen) mit dem Statutenentwurf der neuen Organisation beauftragt wurde, sei in seinem Heimatland Dänemark keine große Begeisterung zu spüren gewesen. Eine Reuter-Meldung sei der größten dänischen Zeitung „Politiken“ ganze 15 Zeilen wert gewesen. Mehr als drei Monate sollen (nach dem Juni 1954) vergangen sein, bevor jemand, außer Insidern, von der UEFA hörte. Und als die dänische Presse über die zweite Vorstandssitzung vom 29. und 30. Oktober 1954 in Kopenhagen berichtete, sollen einige Zeitungen die neue Organisation als FEFA (Fédération Européenne de Football Association) betitelt haben.[53]

4. Das Herangehen an europäische Wettbewerbe:

4.1. Ein Anstoß von außen:

Am 19. Dezember 1954 meldet „Die Presse“ den Vorschlag der französischen Sportzeitung „L’Equipe“ in ihrer Ausgabe vom Vortag, eine europäische Klub-Fußballmeisterschaft zu veranstalten, um einen Vergleichsmaßstab zwischen den besten Fußballklubs Europas zu erhalten. Das steigende Interesse am Fußballsport mache nicht nur einen Vergleich der besten Nationalmannschaften nötig, wie er bei den Weltmeisterschaften erfolgt, sondern auch die Ermittlung der besten Klubmannschaft. Wenn dies schon nicht im weltumspannenden Rahmen möglich wäre, so könnte doch ohne allzu große organisatorische Arbeit ein europäischer Bewerb ins Leben gerufen werden. Das von der FIFA gegenwärtig studierte Projekt einer Europameisterschaft der Nationalmannschaften werde, so schreibe L’Equipe, wahrscheinlich noch Jahre bis zu seiner Verwirklichung brauchen. (Etwas verwirrend, wieso sich die FIFA damit befassen sollte). Die Spiele einer Europameisterschaft der Klubmannschaften könnten, wie L’Equipe vorschlug, unter der Woche stattfinden (was auch heute noch so ist; denn am Wochenende waren traditionell die Spieltage der nationalen Meisterschaften).[54]

Das steigende Interesse am Fußballsport wird also als Grund herangezogen (was wohl nichts mit Europa im Besonderen zu tun hat), und die „Europameisterschaft für Klubmannschaften“ ist lediglich ein Kompensationsversuch für eine fehlende derartige Weltmeisterschaft.

Genaueres berichtet „Sport und Toto“: Sie beurteilen den Vorschlag der Franzosen als begrüßenswert. Ausgangspunkt sei die Behauptung der Engländer gewesen, die Wolverhampton Wanderers nach ihren Siegen gegen Spartak Moskau (4:0)[55] und Honvéd Budapest (3:2)[56] im Herbst 1954 als Europameister (oder gar Weltmeister[57] ) bezeichnen zu können. Dies habe die internationalen Fußballfachleute in Rage gebracht, und L’Equipe nahm die englische Übertreibung zum Anlass, eine Europameisterschaft vorzuschlagen. Nur jene Mannschaft verdiene den Titel, die ihn in einer Punktekonferenz tatsächlich erworben hat. Das wahre Kräfteverhältnis trete nicht durch einzelne Resultate zu Tage. Dies setzten französische Kritiker dem übersteigerten Selbstbewusstsein der Engländer (das im Fußball Tradition hatte) entgegen. Um den finanziellen Erfolg solch einer Konkurrenz brauche angesichts der prominenten Teilnehmer wohl niemandem bange zu sein. Teilnehmen daran sollten die jeweiligen Landesmeister, doch für das erste Jahr schlug L’Equipe Mannschaften dafür vor (Einladungen wurden an diejenigen Klubs verschickt, die am ehesten für Kassenschlager sorgen konnten.[58] ). Dieses Projekt sei von nahezu allen europäischen Ländern positiv aufgenommen worden und, so prophezeite „Sport und Toto“, dürfte daher schon im nächsten Jahr verwirklicht werden.[59]

Es waren also eindeutig sportliche Gründe, die zur Initiative der drei französischen Journalisten Gabriel Hanot, Jacques Ferran und Jacques Goddet führten[60]. Interessant wäre hierbei nur der offene Konflikt vor allem der Franzosen gegen die Engländer.

4.2. Erster Kongress in Wien – eine Zerreißprobe:

An diesem 2. und 3. März 1955[61] ging es um die Tagesordnungspunkte Fernsehen, Sportwetten, internationaler Spielkalender und Wettbewerb, wobei sich vor allem der letzte Punkt immer komplexer zu gestalten begann. Zwei äußerst wichtige Persönlichkeiten waren abwesend: Dr. Gerö, dessen Tod „Die Presse“ am 29.12.1954 gemeldet hatte, sowie Henri Delaunay, der an einer Krankheit litt, die ihn gegen Ende des gleichen Jahres dahinraffen sollte. Er wurde in allen seinen Ämtern (mit allgemeiner Zustimmung[62] ) durch seinen Sohn Pierre ersetzt, der in seine Fußstapfen getreten und mittlerweile selbst Generalsekretär der französischen Profiliga war.[63] (Er war es auch, der ab dem Wiener Kongress das Verhandlungsprotokoll geführt und sich zugleich „nach besten Kräften“ bemüht haben soll, das Projekt eines europäischen Wettbewerbs für Nationalmannschaften zu fördern, das nach den Vorstellungen seines Vaters unerlässlich für die Zukunft des europäischen Fußballs war[64] ).

Zu denken gibt die Wahl der Örtlichkeit dieser ersten Generalversammlung der neugegründeten UEFA. Denn sie hielt diesen mit Sicherheit gewichtigen Kongress in der österreichischen Hauptstadt ab, welche genau die Mitte Europas markiert, wenn man den kommunistischen Osten, so wie die UEFA es tat, in den Blickwinkel inkludiert. Und dies, wie könnte es der Zufall auch anders wollen, inmitten der für Österreich endlich fortschreitenden Verhandlungen um seinen Staatsvertrag, der dem Land zwei Monate später die Freiheit von der alliierten Besatzung gab. Das bedeutet, dieser Fußballkongress fand in einer Stadt statt, die zu diesem Zeitpunkt von den vier alliierten Mächten (die USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich) militärisch besetzt war! Wäre es nicht einfacher gewesen, eine freie westliche Stadt dafür auszuwählen? Hatte dies möglicherweise mit der Einreiseerlaubnis der kommunistisch regierten Verbände zu tun (die in Wien erscheinen konnten)? Hier stellt sich die interessante Frage, wenn Wien doch zu jenem Zeitpunkt noch unter den vier Besatzungsmächten aufgeteilt war, in wessen "Einflussbereich" wurde dieser Fußballkongress abgehalten? Im sowjetischen? Dies wäre die erste Annahme, wo man sich doch schon die besetzte Stadt Wien ausgesucht hat. Damit hätten die Sowjets alle Macht, den Kongress zu überwachen. Oder im amerikanischen Einflussbereich, der für Europas Fußball-Verbände so etwas wie ein neutrales Gelände darstellen würde? Auf jeden Fall liegen politische Gründe im Bereich des Möglichen, wie es zu diesem Kongress in Wien gekommen war.

„Sport und Toto“ (eine österreichische Zeitschrift) sprach im Voraus von der bedeutendsten Fußballtagung, die je in Wien stattgefunden habe. Sie werde für die weitere Entwicklung Fußball-Europas von außerordentlicher Bedeutung sein. Lediglich das kommunistische Albanien fehle in der Anwesenheitsliste[65], nachdem die Sowjetunion entgegen der ursprünglichen Annahme doch noch im letzten Moment die Einladung angenommen hätte. In einem Telegramm an den ÖFB (Österreichischer Fußballbund) hätte sie eine sowjetische Delegation angekündigt. „Sport und Toto“ verwendete auch den Ausdruck „Beobachter“ (...). Somit waren 30 Verbände anwesend. Zur sprachlichen Verständigung würden sechs diplomierte Parlamentsdolmetscher zur Verfügung stehen, um sämtliche Reden in Deutsch, Englisch und Französisch zu übersetzen. Der Kongress werde abgehalten im Festsaal des neuen ÖFB-Hauses in der Mariahilfer Straße („Haus des Fußballsportes“[66] ), wobei Unterrichtsminister (!) Dr. Drimmel ihn eröffnen sollte. Auch wurde der Ausdruck „Wiener Kongress“ (und dies ebenfalls vom „Kicker“) verwendet.[67]

Die Mariahilfer Straße bildet genau die Grenze zwischen dem 6. Wiener Bezirk "Mariahilf", der in der französisch besetzten Zone lag und dem siebenten, "Neubau", der dem US-amerikanischen Einflussbereich angehörte. Demnach gehörte eine Straßenseite hierhin und die andere dorthin. Das ehemalige ÖFB-Haus, Mariahilfer Straße 99 (heute befindet sich der ÖFB direkt im Ernst-Happel-Stadion im Prater), lag auf der "französischen Seite", an der Ecke zur Schottenfeldgasse.[68] War also auch dies von den in der Entwicklung des organisierten Fußballs führenden Franzosen beabsichtigt?!

Der heikelste Programmpunkt, so "Sport und Toto" weiter, scheine die vorgeschlagene Europameisterschaft der Nationalteams zu sein, die von Österreich und einigen anderen Mitgliederstaaten vermutlich abgelehnt werden dürfte. Man werde sich auch mit den UEFA-Statuten und anderen Problemen von gesamteuropäischem Interesse befassen. Darüber hinaus habe die Anwesenheit des türkischen Vertreters bei der UEFA-Tagung zunächst großes Kopfzerbrechen verursacht. Nach einer Bestimmung der FIFA durften nämlich nur jene Fußballverbände in der UEFA vertreten sein, die ihren Sitz in Europa hatten. Der türkische Verband war, seinem Sitz nach (in Ankara), eigentlich in Asien zu Hause und dürfte demnach in Wien gar nicht vertreten sein. So haben sich zur Klärung dieser Frage einige Tage davor UEFA-Präsident Schwartz, der türkische Delegierte und Stanley Rous zusammengesetzt, wobei der türkische Vertreter die Idee vorgebracht haben soll, den Sitz einfach von Ankara nach Istanbul zu verlegen, und die Türkei gehöre somit zu Europa... „Sport und Toto“ meinte, „so leicht lassen sich im Sport politische Probleme lösen...“.[69]

Der „Kicker“, ein deutsches Fußballblatt, schreibt einige Tage später, nach Präsident Schwartz’ Meinung habe die UEFA zuvörderst eine Europameisterschaft durchzuführen. In der Diskussion am Kongress um solch eine Europameisterschaft aber sollen besonders Dr. Bauwens (D), Dr. Barassi (I) und Dr. Andrejevic (YUG) hervor getreten sein und unterstrichen haben, dass die meisten Verbände auf Jahre hinaus ihre Termine festgelegt hätten und eine EM daher auch die Einengung des Länderspielverkehrs nach sich ziehe. Ganz abzulehnen sei eine Kopplung mit der Weltmeisterschaft. (Das hieße, die EM würde, wie heute, alle vier Jahre zwischen den WMs ausgetragen werden und diene jedoch gleichzeitig als europäische Qualifikation für die WM[70] ). So stimmten am Kongress nur zehn Vertreter für die Austragung einer EM. Eine aus Crahay, Delaunay[71] und Georges Graham (SCO) gebildete Kommission werde neue Pläne ausarbeiten. (Die Versammlung beschloss, es sei „verfrüht“, eine EM zu beschließen und beauftragte also ihr Komitee mit einer Neuprüfung[72] ). Danach solle Dr. Bauwens zu „wichtigeren Problemen“ übergeleitet haben, die „der Lösung harrten“. Und zwar Fernsehen und Rundfunk sowie die Jugendarbeit (Jugendförderung). Rous meinte, Fernsehübertragungen wirken sich nachteilig auf den Stadionbesuch aus, und Dr. Barassi soll das „interessante Argument“ gebracht haben (und dies schon 1955!), die Jugend sitze immer mehr vor dem Bildschirm, statt sich selber aktiv zu betätigen. Im Rahmen der Konferenz wurde auch vereinbart, den zuletzt 1938 ausgetragenen „Mitropacup“ im Frühsommer wieder aufzunehmen, woran die nationalen Meisterklubs und Pokalsieger Österreichs, Italiens, Ungarns, der Tschechoslowakei und Jugoslawiens teilnehmen würden. Eine Zulassung Rumäniens sei abgelehnt worden. Weiters erfahre der Europacup der Nationalmannschaften dieser Länder, unter weiterer Teilnahme auch der Schweiz, eine Neuauflage.[73] („Doktor-Gerö-Gedächtnis-Pokal“[74] ).

An diesen Übereinkünften ließe sich abermals ein Handeln auf Basis einer Tradition im Fußballsport und nicht auf der Grundlage politischer Gegebenheiten erkennen. Doch weitaus mehr ins Auge sticht, dass sich die UEFA gegen die (zentrifugale?) Initiative einer kleinen Gruppe ihrer Mitgliedsverbände offenbar nicht zur Wehr gesetzt hat. Und wie steht es damit mit einem Europa all-umspannenden Zusammengehörigkeitsgefühl im Fußball? Galt dieses in dieser Anfangsperiode nur dem Weltverband FIFA gegenüber?

Der „Klub-Wettbewerb der Pariser Sportzeitung Equipe“ werde an die nationalen Verbände verwiesen, und Anfang April 1955 sollen in Paris die Vertreter der eingeladenen Klubs zusammentreten.[75] Laut UEFA-Jubiläumsbuch fühlte sich die Versammlung zu jener Zeit nicht zuständig „für ein Projekt, das unmittelbar die Vereine berührt“. Jedoch sollen „drei der wichtigsten der in Wien anwesenden Fußball-Offiziellen und prominente Mitglieder der FIFA“ (die natürlich keine Funktionen in der UEFA hatten), nämlich Rous, Barassi und Thommen, dabei gewesen sein, letzte Hand an ein persönliches Wettbewerbsprojekt zu legen: der „Messestädtepokal“[76] (worauf ich später eingehen werde).

Zur Ablehnung des Projekts eines europäischen Wettbewerbs zwischen Nationalmannschaften, „das Henri Delaunay so sehr am Herzen lag“ und für das er sich „zweifellos inbrünstig eingesetzt hätte“ (wenn er am Kongress anwesend gewesen wäre), erklärt das UEFA-Jubiläumsbuch, dass es nicht verwunderlich war, dass sich die Vertreter, die Funktionen in der FIFA hatten, am meisten gegen dieses Projekt sträubten. So sollen Barassi und Bauwens (der aber kein FIFA-Mitglied war) die Befürchtung geäußert haben, dass ein europäisches Turnier der Weltmeisterschaft Konkurrenz machen und schaden könnte. Rous (ein Vertreter des englischen Verbandes und später FIFA-Präsident) soll im vertraulichen Gespräch gemeint haben, die UEFA habe nicht die Aufgabe, Wettbewerbe zu organisieren, sondern sie solle bestimmte gemeinsame Interessen wahren.[77]

In diesem Gewirr an geplanten Wettbewerben sollen nochmals folgende auseinander gehalten werden:

- die Europameisterschaft für Nationalmannschaften
- der Klub-Wettbewerb von L’Equipe
- der Mitropacup
- der Europacup für die Nationalmannschaften dieser Länder zuzüglich der Schweiz („Doktor-Gerö-Gedächtnis-Pokal“)
- der Messestädtepokal.

Es werden sich noch weitere hinzugesellen.

Das „Sport Magazin“ (ebenfalls aus Deutschland) brachte in seinem eigenen Bericht die Abhaltung des ersten UEFA-Kongresses in Wien mit der Einweihung des neuen Hauses des Österreichischen Fußballbundes in Zusammenhang.[78] (Kann dies als vollständige Erklärung dienen? Haben die Besatzungszonen gar keine Rolle gespielt?). „Die alte Kongreßstadt rief die 32 Nationen nach Wien, und alle, alle kamen! Selbst die Sowjetrussen, die am ersten Tag durch Abwesenheit glänzten, waren plötzlich da.“[79] Mit dem verstorbenen ÖFB-Präsidenten Dr. Gerö, „der selbst als Vizepräsident des neugegründeten Verbandes alle Fäden in der Hand haben sollte“, soll der „Initiator des ganzen“ (dieses ersten Kongresses?) gefehlt haben.[80]

Dies könnte darauf hindeuten, dass die Wahl Wiens als ersten Kongressort nun ebenfalls allein aus den Dynamiken des Fußballsports getroffen wurde und politische Gründe also keine Rolle gespielt haben. Alles könnte vom Einfluss Dr. Gerös ausgegangen sein.

Weiters sei die UEFA ein Unter- und keineswegs Gegenverband zur FIFA, der in Zukunft die Meinung der europäischen Fußballländer koordinieren solle, um als Vereinfachung bei FIFA-Verfahrensfragen zu wirken. Für die Versammlung sei die Debatte um den zu gründenden Europa-Cup (oder Europameisterschaft[81] ) der Nationalmannschaften ein kritsicher Augenblick gewesen. (Schon einige Wochen davor soll das „Sport Magazin“ die Idee dieses Cups als genial bezeichnet haben, doch er hätte kaum die Aussicht durchgeführt zu werden. Noch sei Europa nicht reif, eine EM durchzuführen, noch sei der Europa-Verband keine FIFA, die weltumspannend Differenzen aus dem Wege räumt.) Den ersten Einspruch gegen den vagen Plan hätte Barassi erhoben, Bestürzung im Exekutiv-Komitee sei die Folge gewesen, doch in jenem Augenblick habe Bauwens in einer eindringlichen Rede den ungeheuren Wert einer derartigen Zusammenkunft den Delegierten vor Augen gehalten und sie aufgefordert, eine Familie zu bilden. (!) Bauwens soll „Beifall auf offener Szene“ erhalten haben, „und die Sache war gerettet“, der Wiener Fußballkongress wieder geeinigt. Doch der „Europa-Cup“ der Nationalmannschaften[82] wurde für einige Monate „ad acta“ gelegt.[83]

„Ich weiß nicht, ob die Politik von den Fußballern, oder ob die Fußballer von der Politik gelernt haben.“[84] Denn die Beschlüsse seien in den Wandelgängen, beim Mittagstisch, beim gemeinsamen Theaterbesuch und bei der Stadtrundfahrt gefasst worden. Das große Forum brachte nicht das zustande, was die kleineren Ausschüsse leicht bewältigt haben sollen. Was bei diesen Gesprächen herauskam, sei bedeutend genug gewesen, um für die nächsten Jahre dem europäischen Fußball ein neues Gesicht zu geben.

Es sei jedoch sehr bedauerlich, dass es Deutschland (die BRD) versäumte, im „Doktor-Gerö-Gedächtnis-Pokal“, „nach der Art des ehemaligen „Europa-Cup“, Anschluss „an eine der größten Gruppen im Fußball“ (Ungarn, die CSR, Italien, Jugoslawien, Österreich und die Schweiz) zu suchen. Die Funktionäre aller dieser Länder hätten gesagt, dass Deutschland „ohne weiteres hätte mittun können“, wenn es gewollt hätte.[85]

Dies ist besonders interessant im Hinblick der Ende Oktober 1954, also nur vier Monate davor, geschlossenen „Pariser Verträge“ für die BRD, in denen unter anderem ihr NATO-Beitritt sowie ihre Aufnahme in die „Westunion“ gemeinsam mit Italien vereinbart wurde (wodurch die „Westunion“ gleichzeitig in „Westeuropäische Union“, WEU, umbenannt worden ist).[86]

Schließlich werde der „von verschiedenen Zeitungen propagierte Vereins-Cup Europas“ definitiv durchgeführt. Sämtliche Delegierten am Kongress hätten sich hoch interessiert gezeigt und spontan ihre Zustimmung gegeben, dass die besten Vereine Europas gewissermaßen den Europameister küren sollen.[87] (In der „Presse“ dagegen heißt es, Deutschland, Spanien, Portugal und die Sowjetunion hätten sich bisher noch nicht entschieden.[88] )

Aus den Berichten der „Presse“ über diese UEFA-Eröffnungssitzung in Wien lässt sich noch ergänzen, dass die bulgarischen und sowjetischen Delegierten erst am Nachmittag des 2. März 1955 in Wien eintrafen. Erster Punkt der Tagesordnung sei die Aufnahme der Türkei in die europäische Fußballunion auf Grund eines Antrages Griechenlands, dem sich Jugoslawien anschloss, gewesen. (Laut „Kleine Zeitung“ wurde die Türkei „auf Grund ihrer Orientierung zum europäischen Sport hin“ in die UEFA aufgenommen[89] ). In der Vormittagssitzung des 2. März wurden auch die ersten Statuten genehmigt. In der „lebhaften Debatte über die geplante Europameisterschaft der Ländermannschaften“ am Nachmittag wurde unter anderem angeführt, dass man sich nicht im Gegensatz zur FIFA (mit ihrer WM) stellen könne und dass eine Verpflichtung zur Teilnahme an einer derartigen Konkurrenz durch die UEFA unmöglich sei. UEFA-Präsident Schwartz habe festgestellt, dass die UEFA eigentlich mit dem Zweck zur Organisation einer Europameisterschaft geschaffen worden sei, und er sei daher über die neue Haltung der Landesverbände etwas erstaunt gewesen.

In den Punkten Radio, Fernsehen und Toto habe man Richtlinien ausgearbeitet, die eine gewisse Sicherung des Fußballsports gegenüber diesen Institutionen darstellten. Der zweite Kongress der UEFA wurde für Juni 1956, „zwei bis drei Tage vor dem FIFA-Kongress“, in Lissabon angesetzt.[90]

„Sport und Toto“ bringt nach all dem ein Interview mit dem FIFA-Funktionär Stanley Rous, in dem er seine Abneigung gegen neue Bewerbe kundtat. Der englische Verband werde seinen Vereinen keine Bewilligung zur Teilnahme an einem Cup, der von einer Zeitung anstatt von einem Verband veranstaltet werden solle, erteilen. Man habe keine Möglichkeit, im Falle von Disziplinwidrigkeiten einzuschreiten. Gegen eine EM der Nationalteams argumentierte er, „unser Team“ nehme schon an zahlreichen Turnieren teil (britische Meisterschaft, WM, Olympisches Turnier), das sei genug. Außerdem käme das Publikum besser auf seine Rechnung, wenn weiterhin die Freundschaftsspiel-Atmosphäre beibehalten werde. Alles in allem sieht er diese neuen Bewerbsprojekte als keine günstige Entwicklung des internationalen Fußballsportes.[91]

Zusammenfassend bleibt von diesem ersten Kongress das vorläufige Scheitern einer Europameisterschaft der Nationalteams, wie wir sie heute kennen, das allseits große Interesse an dem von „L’Equipe“ vorgeschlagenen Klub-Wettbewerb für Europa, wofür sich die UEFA jedoch nicht zuständig fühlte, sowie die Motivation für die Austragung mehrerer kleinerer Bewerbe.

4.3. Eine Vielzahl von Konkurrenzen entsteht:

Am Kongress in Wien waren einige Repräsentanten der L’Equipe anwesend, um der UEFA ihr Projekt zur Durchführung vorzuschlagen. Schwartz, Pierre Delaunay oder etwa Graham sollen dafür nicht viel Interesse gezeigt haben, aber Crahay soll die französischen Journalisten ermutigt haben, es weiterzuentwickeln und einen Schlussbericht auszuarbeiten.[92]

Inzwischen meldet „Die Presse“ noch drei andere bedeutende Bewerbe im Entstehen:

Der „ Internationale Cup Josef Gerö “ („Doktor-Gerö-Gedächtnis-Pokal“) mit den Ländermannschaften von Italien, Ungarn, der Tschechoslowakei, der Schweiz, Österreich und Jugoslawien (zum ersten mal als sechstes Land[93] ) sei noch am 3. März beschlossen worden und werde umgehend anlaufen. Er habe auf Antrag des italienischen Delegierten den Namen „Internationaler Cup Josef Gerö“ erhalten, anstatt wie früher „Europa-Cup“. Den Vorsitz im Europacupkomitee führte Italien.[94]

Der „ Messestädtecup “, der von Rous, Thommen und Barassi vorgeschlagen wurde, solle ebenfalls noch in diesem Jahr beginnen und soll schon im Dezember 1954 aktuell geworden sein. Nach den Propositionen werden daran die Auswahlmannschaften von zwölf Messestädten teilnehmen. Als Spieltermine sollen solche Tage gewählt werden, die in die Zeit von Handels- und Industriemessen der am Bewerb teilnehmenden Städte fallen. Folgende zwölf Städte haben im Prinzip zugestimmt, an dieser Konkurrenz mitzuwirken: Wien, Basel, Budapest, Lausanne, Barcelona, Frankfurt, Leipzip, London oder Birmingham, Mailand, Moskau, Paris und Zagreb. Auch Stockholm und Brüssel sollen Interesse gezeigt haben, doch man werde nicht mehr als zwei Starter pro Land und zwölf insgesamt zulassen.[95]

Der „ Mitropacup “: Nachdem die meisten Delegierten vom Kongress in Wien bereits die Heimreise angetreten hatten, sei am 4. März laut der „Presse“ die wichtigste Entscheidung gefallen sein. Die Vertreter der „historischen Mitropa-Cup-Länder“ (Österreich, Ungarn, CSR, Italien und Jugoslawien) beschlossen, „diesen volkstümlichsten aller internationalen Vereinsbewerbe“ wieder ins Leben zu rufen. Der überaus populäre Bewerb (der schon zwischen 1927 und 1939 ausgetragen worden war[96] ), werde auch noch in diesem Sommer (1955) starten, wobei die genauen Termine in einer Sitzung im April in Florenz festgelegt würden. An der Wiedererstehung dieses Bewerbs waren sogar die FIFA-Mitglieder Barassi von italienischer und Andrejevic von jugoslawischer Seite, sowie der neue UEFA-Vizepräsident Gustáv Sebes von ungarischer Seite beteiligt! Ein Ansuchen Rumäniens um die Aufnahme sei nicht behandelt worden, da die Mitglieder des Komitees übereinkamen, „vorderhand die Teilnahme auf fünf Länder zu beschränken“. Grundsätzlich werden die jeweiligen Meisterklubs und Pokalsieger dieser Länder in den Bewerb entsandt werden. In der Zwischenkriegszeit habe er wesentlich zur Festigung der internationalen Beziehungen beigetragen.[97]

Laut „Kleine Zeitung“ herrschte vor dem Kongress in Wien dagegen die Meinung vor, dass der Vereins-Europacup von L’Equipe keinesfalls gleichzeitig mit dem Mitropacup verwirklicht werden könne.[98]

Laut „Südost-Tagespost“ sei der Mitropacup eine Ersatzlösung für die missglückten Bemühungen um eine Europameisterschaft (die jedoch für Nationalteams vorgesehen war).[99]

L’Equipe habe schnell darauf reagiert und bereits am 2. April 1955 die Präsidenten der wichtigsten europäischen Klubs in Paris zusammengerufen, um die Zustimmung für ihr Projekt eines Vereins-Europaturniers zu erlangen. Dieses Treffen war ein großer Erfolg, denn es soll zwischen allen Teilnehmern reibungslos verlaufen sein und auch keine Anspielungen auf politische Affären gegeben haben. Eines der schwierigsten Themen war das Finanzielle.[100]

Laut der „Presse“ sollen es Delegierte von 15 führenden europäischen Fußballvereinen gewesen sein, die zusammengekommen sind. Der Bewerb sei ein Projekt der Stadt Reims zusammen mit L’Equipe. Es soll in den wesentlichen Fragen eine volle Einigung erzielt worden sein, und auch dieses Pokalturnier (aus heutiger Sicht das bedeutendste für Klubmannschaften weltweit, das unter dem Namen „ Europacup der Landesmeister “ bis zur Saison 1990/91 existierte und damit die Vorgängerin der UEFA Champions League war) werde noch im Jahr 1955 starten. Beteiligen daran werden sich die in Paris vertretenen 15 Klubs und einer der beiden Klubs, die der Einladung nicht folgen haben können. So sollen es im ersten Jahr folgende sein: Honvéd Budapest (Ungarn), Real Madrid (Spanien), RSC Anderlecht (Belgien), Partizan Belgrad (Jugoslawien), Servette Genf (Schweiz), Flamengo Holland Sport (Niederlande), AC Milan (Italien), Chelsea FC (England), FC Saarbrücken (für das unabhängige Saarland), Rot-Weiß Essen (Deutschland, BRD), Rapid Wien (Österreich), Bold Klub Kopenhagen (Dänemark), Sporting Lissabon (Portugal), Djurgarden Stockholm (Schweden) und Stade Reims (Frankreich). Als 16. Klub kamen Hibernians Edinburgh (Schottland), die wissen lassen haben sollen, dass sie teilnehmen möchten, oder Dynamo Moskau (Sowjetunion), die ihr Interesse durch den Ungarn Sebes (!) ausrichten haben lassen, in Frage. Das Endspiel werde im Frühsommer 1956 in Paris ausgetragen.[101]

Velasco nennt noch einen 18. eingeladenen Verein, Sparta Prag (Tschechoslowakei), der ebenfalls durch Sebes vertreten sollen hat sein. Außerdem wurden Honvéd, Holland Sport und BK Kopenhagen durch Vörös Lobogó Budapest, PSV Eindhoven und Aarhus GF aus den selben Ländern ersetzt. Djurgarden ist selbst schon Ersatz für das ursprünglich vorgesehene Malmö FF. Dynamo Moskau und Sparta Prag hätten es schließlich abgelehnt, dem Bewerb beizutreten. Chelsea FC sagte aus organisatorischen Gründen ab und wurde durch Gwardia Warschau (Polen) ersetzt.[102] (Im Dezember 1954 hatte L’Equipe ursprünglich den 1. FC Kaiserslautern als deutschen Vertreter vorgeschlagen[103] ).

Die UEFA verweigerte es anfangs, den Europacup der Landesmeister zu organisieren, und zog es vor, den Messestädtecup zu unterstützen. Dieser sei laut Velasco von den Städten, die jährlich Handelsmessen abhielten, angeregt worden, und die Regierungen hätten sogar die Organisationskosten dieser Konkurrenz auf sich genommen. Am 10. April 1955 gab es in Basel (Schweiz) ein Treffen zwischen Repräsentanten der UEFA und der Städte, wobei der Messestädtecup „aus der Taufe gehoben“ wurde.[104]

Am 7. Mai 1955 soll es in London eine FIFA-Versammlung gegeben haben, um die fortschreitende Situation im europäischen Fußball zu diskutieren und dafür eine Lösung zu finden. In diesen Gesprächen sei die Schaffung der drei verschiedenen europäischen Klubbewerbe (inklusive Mitropacup) offiziell anerkannt worden. Die FIFA habe verlangt, dass die Bewerbe von der UEFA organisiert und überwacht werden sollen und dass der ursprüngliche Name „Europacup“ des Bewerbes von L’Equipe für ein mögliches in Zukunft ausgetragenes Turnier für Nationalmannschaften reserviert werde und der Vereinswettbewerb daher „Europacup der Meisterklubs“ genannt werden sollte.[105]

Am 17. Mai 1955 akzeptierte das neu geschaffene Exekutivkomitee des Europacups der Meisterklubs die Vorgaben der FIFA. Daraufhin sollen sie UEFA-Präsident Schwartz eingeladen haben, ihnen beizutreten.

Am 21. Mai gab es ein weiteres Treffen in Paris zwischen Repräsentanten der UEFA und jenem neu geschaffenen Exekutivkomitee. Die UEFA übernahm die Organisation des neuen Bewerbes und respektierte alle bisher diesbezüglich getroffenen Entscheidungen. Dennoch wurde ein neues Exekutivkomitee mit den UEFA-Funktionären dafür bestimmt.[106]

Somit konnte das erste Spiel dieses UEFA-Bewerbes am 4. September 1955 in Lissabon zwischen Sporting Lissabon und Partizan Belgrad über die Bühne gehen.[107] Es endete 3:3.

Das Finale dieser ersten Spielsaison am 13. Juni 1956 im Pariser „Parc des Princes“ lockte zwar 38.000 Zuschauer ins Stadion, doch „Die Presse“ etwa berichtete darüber nur zwei Tage später in wenigen Zeilen: „Real-Madrid Europacupsieger“. Das Finale des Europacups für Fußballvereinsmannschaften habe nach spannendem Kampf mit einem „knappen 4:3-Sieg von Real Madrid gegen Stade Reims“ geendet. „Obwohl die Franzosen schon 2:0 und nach der Pause 3:2 führten, gelang den Spaniern neuerlich der Ausgleich und in der 79. Minute der Siegestreffer.“[108] Einen Tag vor dem Spiel wurde es kurz angekündigt, und ebenfalls, dass die Eurovision die zweite Halbzeit live aus Paris übertragen werde.[109]

In der zweiten Saison (dieser Europapokal wurde von Anfang an jährlich ausgetragen) starteten bereits 22 Teams als Meister ihres jeweiligen Landes. Die Anzahl der Teilnehmer sowie das Prestige nahmen stetig zu, doch Sieger blieb in den ersten fünf (!) Jahren immer Real Madrid.

Etwa eine Woche vor diesem Endspiel fand in Lissabon der zweite UEFA-Kongress statt. „Die Presse“ meldete, dass „man sich im Prinzip darüber einig“ wurde, analog zum „internationalen Europacup der Meister“ eine Konkurrenz für Cupsieger einzuführen. Dieser Bewerb solle bereits im nächsten Jahr starten.[110] Ich werde darauf zurückkommen. Das Mitropacupkomitee (diesen Bewerb hat die UEFA nicht wirklich übernommen) habe ebenfalls in Lissabon getagt.[111]

Eine weniger große Zukunft hatten die Bewerbe, die sich nur auf „Mitteleuropa“ konzentrierten, also der heute längst vergessene „Internationale Cup Josef Gerö“ (von 1955 an nur bis 1960 ausgetragen[112] ) sowie der Mitropacup, der sich eine gewisse längere Tradition bewahren konnte.

In der Wiener Zeitung erschien im Juni 2000 ein Artikel darüber: Die Geburtsstunde des Mitropacups, der von Anfang an als ökonomische Hilfe für die Vereine geplant gewesen sei, sei der Juli 1927 gewesen, als sich in Venedig die Verbände von Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei trafen, um einen gemeinsamen Bewerb zu beschließen, zu dem auch Jugoslawien und Italien beigezogen wurden. Der jugoslawische Fußball, zu dieser Zeit noch vom kroatischen Verband dominiert, soll sich durch einen engen Kontakt zu Österreich Unterstützung gegen den aufkommenden serbischen Verband versprochen haben, während das faschistische Italien (über den Fußball!) bessere politische Kontakte zu Mitteleuropa aufbauen habe wollen. Die dreißiger Jahre waren die Blütezeit des mitteleuropäischen Fußballs, die Nationalteams wie die Vereine Mitteleuropas wurden in die ganze Welt eingeladen, und auch das Legionärswesen florierte. (Dies war die Zeit des österreichischen „Wunderteams“ und jene, in der Italien zwei mal Weltmeister wurde). So sehr aber der mitteleuropäische Fußball nach außen hin als Einheit aufgetreten sei, so intensiv seien die inneren Differenzen gewesen. So gab es zahlreiche Ausschreitungen auf dem Rasen wie unter den Zuschauern. Friedrich Torberg formulierte, „Was ein richtiges Mitropacup-Match ist, muss auf der Botschaft zu Ende gespielt werden“. Der Mitropacup sei das Produkt ökonomischer und politischer Vorgaben gewesen, doch er soll mehr als das gewesen sein. Der Massensport Fußball hatte sich seine eigenen Regeln aufgestellt, wie etwa am Ausschluss Deutschlands oder an den ständigen Ausschreitungen, die den politischen Versuchen der Normalisierung der Beziehungen der mitteleuropäischen Staaten zuwiderliefen, deutlich werde. Der Nationalsozialismus soll dem mitteleuropäischen Fußball ein rasches Ende gesetzt haben. Zwar wurden in der NS-Zeit die Spiele zwischen der „Ostmark“, dem „Protektorat Böhmen und Mähren“ sowie dem deutschlandfreundlichen Ungarn fortgesetzt, freilich aber ohne größere Publikumsresonanz. Doch noch 1945 sei versucht worden, die mitteleuropäischen Sportkontakte zu reaktivieren. Trotz der politischen Veränderungen in Ungarn und der CSSR seien diese Länder an einer Erneuerung des Mitropacups interessiert gewesen. Während sich Italien nunmehr stärker an Westeuropa orientierte, bedeuteten für die Staaten des „Ostblocks“ die Westkontakte wichtige Devisen. Zudem galten sportliche Erfolge als Belege für den Erfolg des neuen politischen Kurses. Besonders Ungarns „Goldenes Team“ mit seinem Star Puskas wurde als Werbung für den kommunistischen Weg inszeniert. 1955, als der Mitropacup wieder ins Leben gerufen wurde, sollen sich abermals Vereine aus Italien, Österreich, Ungarn, der CSSR (und Jugoslawien[113] ) „zur Erneuerung der mitteleuropäischen Überlegenheit“ zusammengefunden haben.

Doch die Entwicklung des Fußballs nahm eine andere Richtung: Europäisierung und Kommerzialisierung hießen die Schlagworte, die in der Einführung des Europacups der Meister gipfelten. Italien soll die Zeitzeichen rasch erkannt haben und schied nach dem ersten Jahr des Mitropacups 1955 aus dem Bewerb aus, während Österreich, die CSSR und Ungarn an der Idee festhielten. ([114] ). Ende der fünfziger Jahre (in denen vor allem Ungarns Nationalteam bei den Weltmeisterschaften eine dominante Rolle gespielt hatte) war die große Zeit des mitteleuropäischen Fußballs vorbei. Andere Länder hatten die Vorherrschaft im europäischen Fußball übernommen und hatten gesamteuropäische Vereinsbewerbe installiert. Zwar hielten Österreich, Ungarn und die CSSR die Idee des Mitropacups bis 1992 aufrecht, doch Europa soll, nicht nur im Sport, die Konzepte und Entwürfe Mitteleuropas ebenso verdrängt haben wie ihre Praxen.[115]

Über den Messestädtecup berichtet das UEFA-Jubiläumsbuch, er diente auch als eine Art Testlabor für damals innovative Regeln wie die Auswärtstor-Regel und das Elfmeterschießen. Die Einführung dieses Wettbewerbes solle eine noch nie da gewesene Zusammenarbeit zwischen dem Fußball und der Wirtschaft begründet haben. Und dies in einer Zeit, in der zwischen den beiden durch den Eisernen Vorhang getrennten Welten noch kaum Beziehungen bestanden. Die treibende Kraft soll das Bestreben, „dem Fußball neues Leben einzuhauchen“, Grenzen zu überwinden (!!) und die Zugkraft des Fußballs für die Ankurbelung des internationalen Handels zu nutzen, gewesen sein.[116]

Damit waren, so kann festgestellt werden, Städte wie das kommunistische Budapest und Moskau mit solchen wie London und Paris über diesen Fußballwettbewerb wirtschaftlich in gewisser Weise miteinander verflochten! Und das in Zeiten des COMECON und, ab 1957, der EWG. Auch scheint es Absicht gewesen zu sein, bei diesem „Überwinden von Grenzen“ und dieser „Ankurbelung des internationalen Handels“ auch den Osten miteinzubeziehen.

Als der größte „Visionär“ und „Vater der europäischen Turniere“ wird hier Ernst Thommen bezeichnet. (Er lancierte doch diesen Bewerb zusammen mit Rous und Barassi). Er soll es auch als Präsident des schweizerischen Fußballverbandes gewesen sein, der die deutsche Nationalmannschaft aus ihrer Isolation nach dem Krieg herausgeholt hatte, indem er sie 1950 in die Schweiz einlud. Die Verbindung von Handel und Fußball soll seine Idee gewesen sein. Und er habe die Leitungsausschüsse von zwölf internationalen Messen zu einer Sitzung eingeladen. Auch sei es keine Überraschung gewesen, dass die Engländer, die sich an der Einführung eines Pokals der Meistervereine nicht groß interessiert gezeigt hatten, zur Teilnahme an diesem Bewerb bereit waren. (Es waren London und Birmingham. Auch war doch Stanley Rous im englischen Verband tätig!). Dieser Wettbewerb wird hier als der Vorreiter aller gesamteuropäischen Turniere angesehen, denn sein erstes Spiel wurde am 4. Juni 1955 zwischen einer Mannschaft aus Basel und London (das Resultat war 0:5) ausgetragen, genau drei Monate vor der ersten Begegnung im Pokal der europäischen Meistervereine. (Jedoch folgte das zweite Spiel erst im Oktober 1955!). Die Vertreter der Wirtschaft sollen eine „Überfrachtung der neuen Spielpläne“ befürchtet und gewünscht haben, dass die Begegnungen im Zusammenhang mit Handelsmessen ausgetragen würden, um damit „ihre Auswirkungen zu maximieren“ und die Möglichkeiten für die Unterstützung der Wirtschaftstätigkeit auszubauen. So dauerte es drei Jahre, bis die erste Ausführung des Turniers abgeschlossen war. (Auch Kopenhagen nahm Teil, und andere oben erwähnte Städte zogen sich zurück. Im „Rückspiel“ des Finales am 1. Mai 1958 in Barcelona gab es ein 6:0 des Heimteams über London[117] ). Der Schwachpunkt im Konzept dieses Turniers sei es gewesen, dass Begegnungen zwischen Städten auszutragen waren, unabhängig davon, ob eine Stadt über eine, zwei oder acht starke Mannschaften verfügte. Diese Idee kam daher bei den Fans nicht gut an, und im ersten Turnier ließen Barcelona, Mailand und Birmingham einen Verein die geographische Region vertreten.[118]

1961 führte die UEFA, die am Messestädte-Pokal (entgegen der Forderungen der FIFA von 1955) offiziell nach wie vor nicht beteiligt war, mit dem „Pokal der Pokalsieger“ (in Österreich bekannter unter dem Namen „Cup der Cupsieger“) einen zusätzlichen Wettbewerb ein. Nun wurden auch die Begegnungen im Messestädte-Pokal innerhalb einer vorgegebenen Spielzeit veranstaltet und sein Konzept als freundschaftliches Treffen von Handelsstädten wurde aufgegeben. Das Turnier wurde nun für führende Vereine geöffnet, die an keinem der beiden UEFA-Wettbewerbe teilnehmen konnten. Aus dem Wechsel zu Vereinsmannschaften resultierte in Kombination mit dem stark angestiegenen öffentlichen Interesse am europäischen Fußball ein starker Anstieg der Teilnehmerzahl.[119]

In der Saison 1971/72 löste der „ UEFA-Cup “ den Messestädtepokal mit dem Ziel ab, den internationalen Wettbewerbsbetrieb zu verstärken. Die UEFA wollte neben dem Pokalsieger-Pokal und dem Pokal der europäischen Meistervereine über ein weiteres Standbein verfügen. So habe man denjenigen europäischen Klubs neue Anreize schaffen wollen, die in der nationalen Meisterschaft weder den Titel noch den Ligapokal gewonnen hatten, „jedoch spielerisch gut genug waren, um auf der europäischen Fußballbühne aufzutreten“.[120]

Diese Namensänderung 1971 war eine Anpassung an die Realität. Denn der Messestädtecup hatte keine Verbindung mehr zu den internationalen Handelsmessen, wodurch die UEFA als einzige Organisation verblieb, „die über die notwendigen administrativen Kapazitäten und über das sportliche Know-how verfügte, um ihn weiterzuführen“.[121]

Laut UEFA-Jubiläumsbuch stieß der Cup der Cupsieger zu Beginn auf „ziemlich viel Skepsis“, weil einige UEFA-Mitgliedsverbände keinen nationalen Pokalwettbewerb durchführten. Nur ein halbes Dutzend Mitglieder soll 1958 Interesse bekundet haben, als die Idee dieses neuen Wettbewerbes aufgekommen sei und darüber debattiert wurde.[122] Anfangs war dieser Bewerb nur halboffiziell, im ersten Jahr (1960/61) sollen gerade zehn Länder teilgenommen haben (die BRD und DDR, England, Schottland, die Schweiz und die Mitropacup-Länder Italien, Jugoslawien, Österreich, die Tschechoslowakei und Ungarn), und er wurde auch durch das Komitee des Mitropacups organisiert! Im ersten offiziellen Wettbewerb in der Saison 1961/62 starteten 23 Vereine. Nach 38 Spieljahren wurde der Cup der Cupsieger nach der Saison 1998/99 nicht mehr ausgetragen.[123]

Als weiteres Novum wäre die Einführung des Europa/Südamerika-Pokals 1960 zu erwähnen[124] (ursprünglich „Interkontinental-Pokal“[125], auch „Weltpokal“ genannt), wobei sich die UEFA und die CONMEBOL gemeinsam, als „erste Brücke zwischen zwei Konföderationen“, über die Weisungen der FIFA hinweg setzten. 1960 standen sich Real Madrid und Penarol de Montevideo gegenüber. Nach einem 0:0 im „Hinspiel“ triumphierten die Spanier mit 5:1 im „Rückspiel“.[126] Seitdem wird diese Begegnung zwischen den beiden besten Meistervereinen dieser im Fußball führenden Kontinente einmal im Jahr ausgetragen, es treten die aktuellen Sieger der UEFA Champions League (früher: Europacup der Landesmeister) und der Copa Libertadores gegeneinander an.

Über all diese Bewerbe hinaus gab es die verschiedensten regionalen Bewerbe, die die UEFA irgendwann durch die immer weiter steigende öffentliche Aufmerksamkeit auf ihre eigenen sozusagen auf ganz Europa erweitert hat. So etwa den „Lateinischen Pokal“, den „Alpenpokal“, „Balkanpokal“ oder „Mittelmeerpokal“.[127] Oder die britische sowie die skandinavische Meisterschaft.[128]

4.4. Endlich auch eine Europameisterschaft

Die UEFA blieb zwar der in Wien 1955 eingegangenen Verpflichtung treu, weiter am Projekt eines Wettbewerbes zwischen Nationalmannschaften zu arbeiten (welchen nun Mitte der 50er Jahre fast alle Kontinente austrugen), der der noch jungen UEFA eine zusätzliche Existenzberechtigung sichern würde, doch musste man sich bis zu einem bescheidenen Anfang drei Jahre gedulden, zweifellos weil seine Gegner wie Rous und Barassi erhebliches Ansehen genossen. Aber sie konnten noch so viele Argumente gegen diesen Wettbewerb anführen (er würde den internationalen Spielkalender überladen, Leidenschaften entfachen und zur kommerziellen Operation verkommen), ihre Anklage habe die meisten nationalen Verbände nicht überzeugt, weil diese wussten, dass ein anderer Grund dahinterstand: die Angst der FIFA vor einem großen europäischen Wettbewerb.[129]

Dieser drohte eine Konkurrenz zu ihrer Weltmeisterschaft darzustellen. Demgegenüber begegnete die FIFA länderübergreifenden Meisterschaften von Vereinen eher mit Gleichgültigkeit. Das ist der Grund, warum die europäischen Klubwettbewerbe in den Anfangsjahren Priorität genossen.[130]

Schon 1927 soll Henri Delaunay (zusammen mit dem österreichischen Funktionär Hugo Meisl[131], der später als Teamchef des österreichischen „Wunderteams“ zur Kultfigur wurde) der FIFA die Durchführung einer Europameisterschaft vorgeschlagen haben, doch diese wäre damals mit der Organisation der Weltmeisterschaft beschäftigt gewesen und nahm die Idee nicht auf.[132] Diese Episode soll Henri Delaunay ausführlich am 22. März 1955, unmittelbar nach dem ersten UEFA-Kongress in Wien, in der Zeitschrift des französischen Verbandes beschrieben haben: Die Idee einer EM sei damals nicht unterstützt worden, „weil sich der Geist der Zentralisierung gegen den Geist der Dezentralisierung durchsetzte und weil der partikularistische Geist bereits die Oberhand behielt über das Gemeinwohl“.[133]

Ein Jahr später, 1928, wurde bekanntlich die Weltmeisterschaft beschlossen, wobei Delaunay ebenfalls eine entscheidende Rolle gespielt haben soll.[134] Sie sei zwar das „Geistesprodukt“ seines Landsmannes Jules Rimet gewesen, doch als 1928 in Amsterdam der FIFA-Kongress unter Rimets Vorsitz die Beratung über das Projekt verschieben habe wollen, „um das Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht zu verärgern“, soll sich Delaunay standhaft gewehrt haben und eine Resolution zur Organisation dieses Wettbewerbes durchgesetzt haben, der für die Auswahlmannschaften aller angeschlossenen nationalen Verbände offen ist.[135]

Bis zu seinem Tod am 9. November 1955 sei Henri Delaunay der Hauptträger der Idee einer Europameisterschaft gewesen. Danach soll sein Sohn Pierre ein Reglement für eine EM erarbeitet haben, das dem UEFA-Exekutivkomitee 1957 in Köln vorgelegt wurde. Am 28. Juni 1957 wurde es vom UEFA-Kongress im Parlamentsgebäude (!) von Kopenhagen verabschiedet.[136]

Der Beschluss sei 1958 in Stockholm gefasst worden, es sei sofort die erste Auslosung erfolgt, und das Turnier sei „unverzüglich“ angelaufen.[137]

An anderer Stelle des UEFA-Jubiläumsbuches heißt es, Pierre Delaunay habe 1958 auf dem Kongress in Stockholm das neue Reglement der Europameisterschaft vorgeschlagen und unter Mithilfe von Ebbe Schwartz und Gustáv Sebes eine Mehrheit von Verbänden zu seiner Annahme bewegen können.[138]

Das erste Spiel fand schließlich am 28. September 1958 zwischen der Sowjetunion und Ungarn (3:1) in Moskau statt.[139]

Wie es letztlich zum Einlenken der FIFA gekommen ist, bleibt etwas undurchsichtig.

Das Interesse unter Europas Verbänden für dieses Turnier war anfangs auch nicht sehr hoch, so bewarben sich lediglich 17 UEFA-Verbände um die Teilnahme. Darunter waren weder die vier britischen Verbände, noch die Italiener oder die BRD.[140]

Ebenfalls fehlten etwa die Schweiz, Niederlande und Belgien. Denn durch die Klubwettbewerbe, die Qualifikations- und Vorbereitungsspiele zur WM und letztlich die WM selbst, seien die Terminkalender der europäischen Verbände und Vereine bereits entsprechend gefüllt gewesen.[141]

Dabei waren dagegen die Tschechoslowakei, Frankreich, Portugal, Jugoslawien, Spanien, die Sowjetunion, Österreich, die Türkei, Irland, Rumänien, Bulgarien, Dänemark, Griechenland, die DDR, Norwegen, Ungarn und Polen.[142]

Vornehmlich die osteuropäischen Länder sollen in diesem Wettbewerb größere Chancen als im Meister- oder Messepokal gesehen haben und nahmen daher teil.[143]

Abgeschlossen wurde diese erste EM mit einem Viererturnier (dieser Modus wurde bis zur Endrunde 1976 beibehalten) 1960 in Frankreich. Vor allem, was die Publikumsresonanz betraf, war diese erste Endrunde des „Europapokals der Nationen“ (erst die dritte Auflage des Turniers 1968 trug den Namen „Europameisterschaft“, der Untertitel war von Anfang an „Henri-Delaunay-Pokal“[144] ) eine Enttäuschung. Möglicherweise lag dies daran, dass Gastgeber Frankreich zwei Jahre nach dem Gewinn der WM-Bronzemedaille 1958 in Schweden ohne die legendären Just Fontaine und Raymond Kopa angetreten war und gegen die starke osteuropäische Konkurrenz (die Sowjetunion, Tschechoslowakei und Jugoslawien) als Außenseiter galt. Im Endspiel am 10. Juli 1960 im „Parc des Princes“ in Paris vor nur etwa 18.000 Zuschauern rang das Kollektiv der Sowjetunion (mit ihrem Torhüter Lev Yashin) die Jugoslawen, die herausragende Einzelspieler hatten, in der Verlängerung 2:1 nieder.[145]

Für den zweiten Nationenpokal, der 1964 abgeschlossen wurde (und deren Vorrundenspiele in den Jahren 1962 und 1963 ausgetragen wurden), schrieben sich bereits 29 UEFA-Mitgliedsverbände ein.[146] Von den „großen Ländern“ fehlte in der Qualifikationsphase nur die BRD, die „mit dem Mauer-Bau beschäftigt“ gewesen sein soll.[147] (Eine Krise um Berlin in den Jahren 1960 und 1961, als Hunderttausende „Ostdeutsche“ in den Westen wechselten, führte zum Bau der Berliner Mauer ab August 1961[148] ). Als einer der Halbfinalisten bekam Spanien das Finalturnier zugesprochen, das im Endspiel im Bernabéu-Stadion von Madrid vor 125.000 Zuschauern die Sowjetunion 2:1 bezwingen konnte.[149]

Doch eines der bedeutendsten Ereignisse der Welt wurde die Fußball-Europameisterschaft erst in den 80er Jahren.[150]

Um der Gefahr der Übersättigung durch zu viele europäische Wettbewerbe und unzähliger TV-Übertragungen zu entgehen, wurden Anträge auf Einführung anderer Wettbewerbe in den 60ern von der UEFA abgelehnt, wie beispielsweise der Transatlantik-Cup oder ein europäisch-südamerikanischer Nationenpokal. Jedoch wurde 1970 auf Druck der zentralamerikanischen Konföderation (CONCACAF) ein UEFA/CONCACAF-Pokal beschlossen, der aber nie durchgeführt wurde, weil seitens Europas kein Interesse dafür bestanden haben soll. Das Ziel war, einzig die UEFA-Wettbewerbe zu einem wirklichen Markenzeichen werden zu lassen, was auch gelungen ist.[151]

5. Erschwernisse durch die Politik:

Trotz all dieser Eigenständigkeit des Fußballs haben unvermeidlicherweise in der Geschichte der UEFA gewisse Konfliktherde zwischen der Politik und dem Fußball bestanden. Vor allem durch die lange Trennung zwischen West- und Osteuropa, welche keine oder kaum diplomatische Beziehungen zwischen gewissen Staaten zuließ.

Bereits im UEFA-Gründungsjahr 1954 entstanden die ersten Einreiseprobleme für Delegationen (selbst für die Gründungsversammlung der UEFA in der Schweiz), dann für Mannschaften und Vertreter der Massenmedien zu UEFA-Spielen, und gar nicht zu sprechen für Zuschauer. Visaprobleme standen auch später an der Tagesordnung, doch in diesem Bereich kann auch heutzutage keine internationale Sportorganisation einen Einfluss auf Regierungen nehmen, da die Einreisebewilligungen zwischenstaatlicher Natur sind.[152]

Unter den Flüchtlingen, die 1956 wegen des sowjetischen Einmarsches in Ungarn ihr Land verließen, befanden sich herausragende Fußballer wie Ferenc Puskás, Zoltán Czibor und Sándor Kocsis, die später in großen Mannschaften im Westen wie Real Madrid und FC Barcelona ihren Weg machten.[153]

Im Viertelfinale des ersten Europapokals der Nationen verbot die spanische Regierung unter General Franco im Jahr 1960 ihrem Fußball-Nationalteam (aus ideologischen Gründen[154] ) die Reise nach Moskau, um dort gegen die UdSSR anzutreten. Die beiden Fußballverbände hätten sich bereits auf ein Spieldatum geeinigt gehabt. (Auch alle Versuche des spanischen Verbandes und der UEFA sollen nicht geholfen haben, Franco umzustimmen. Schließlich soll die UEFA versucht haben, das Match zu retten, indem es an einem neutralen Ort hätte ausgetragen werden sollen. Dies haben jedoch die Sowjets abgelehnt, da es gegen das Reglement des Bewerbes verstoßen hätte[155] ). Da die Spanier nicht antreten durften, war also die Sowjetunion automatisch für die Endrunde in Frankreich qualifiziert, wo sie in Folge den Titel holte.[156]

Im Jahr 1961 zog sich die DDR vom Internationalen Juniorenturnier in Portugal zurück, und mit ihr solidarisch Ungarn und Jugoslawien. (Wegen „diplomatischer Zwischenfälle“[157] ). So habe 24 Stunden vor dem ersten Spieltag ein neuer Spielkalender erstellt werden müssen. Zwei Jahre später hat die Alliierte Kontrollkommission in Berlin der DDR keine Einreisebewilligung zum Internationalen Juniorenturnier in England erteilt.[158]

1968 musste im Anschluss an den „Prager Frühling“ eine teilweise gelenkte Auslosung der Klubwettbewerbe vorgenommen werden. Denn Mannschaften aus der UdSSR, Bulgarien, Ungarn und der DDR hatten sich zurückgezogen. Gelenkte Auslosungen hatten sich schon früher als notwendig erwiesen, und zwar in Fällen, wo sich Länder noch im Kriegszustand befanden.[159]

Spieler, selbst ganze Mannschaften und Offizielle sollen sich während des Kalten Krieges aus dem Osten in den Westen abgesetzt haben.[160]

Um und nach 1990 entstand durch den Zerfall der UdSSR, durch die Auflösung Jugoslawiens und die Aufteilung der Tschechoslowakei eine Vielzahl neuer Fußballverbände. (Fast alle diese konnten auf einen vorher bereits bestehenden Verband zurückgreifen). Die Wiedervereinigung Deutschlands führte erneut zu einem vereinten Fußballverband, wie er vor dem 2. Weltkrieg bestanden hatte.[161]

Kriegswirren, politische Unruhen oder Aufstände führten zu unzähligen Spielverschiebungen, Spielabsagen oder zur Austragung von Begegnungen auf neutralem Boden (Kriege in Tschetschenien, Georgien und Jugoslawien).[162] Zum Beispiel weigerte sich Griechenland 1964 gegen Albanien zu spielen, denn die beiden Nationen standen praktisch im Krieg.[163]

Drastisch war 1992 die Verhinderung der Teilnahme des jugoslawischen Nationalteams an der EM in Schweden aufgrund der UNO-Sanktionen gegen dieses Land, das sich bereits im Krieg befand, obwohl es sich sportlich für die EM qualifiziert hatte. (An seine Stelle rückte Dänemark nach, das am Ende Europameister wurde).[164]

Auch die Lage in Israel brachte große Schwierigkeiten mit sich. So mussten etwa sämtliche Heimspiele israelischer Mannschaften in der Ausscheidung für die EM 2004 und den Klubwettbewerben der Saison 2002/03 aufgrund der angespannten Lage im Nahen Osten aus Sicherheitsgründen verschoben oder in andere Länder verlegt werden.[165]

Durch persönliche Beziehungen zwischen ihren Verbänden soll die UEFA indessen selbst in angespannten Lagen aber auch Drähte gehabt haben, die politische Kanäle abschwächen ließen. So konnten zum Beispiel Ende 1955 und Anfang 1956 die Spiele zwischen Real Madrid und Partizan Belgrad im Europacup der Landesmeister trotz unterbrochener diplomatischer Beziehungen zwischen Francos Spanien und Titos Jugoslawien ohne Zwischenfälle ausgetragen werden.[166]

Der 6. ordentliche Kongress der UEFA, der im April 1962 erstmals hinter dem „Eisernen Vorhang“ in Sofia stattfand, soll „auf jeden Fall einen geeinten, seriösen, europäischen Fußball, der sich seiner Aufgaben und seiner Zukunft bewusst war“ gezeigt haben.[167]

Aber nicht nur bilaterale Schwierigkeiten zwischen Mitgliedsverbänden, sondern auch die Einflussnahme supranationaler Gremien stellten den europäischen Fußball vor neue Herausforderungen. Mit der zunehmenden Integration Europas musste auch die UEFA ihre Reglemente ändern. So etwa um der Bestimmung, „der Fußballspieler gilt als Arbeitnehmer, folglich genießt er die Freizügigkeit innerhalb der EU“, zu genügen[168] („Bosman-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofes 1995, siehe Kapitel 10). So hat die EU, wenn auch nicht von Anfang an, doch noch auf die UEFA eingewirkt.

6. Die Bedeutung der Örtlichkeit Schweiz:

Es ist auffallend, dass sowohl die FIFA als auch die UEFA zuerst ihren Sitz in Paris hatten, um später in die Schweiz zu übersiedeln. (Die UEFA 1960). Ebenso sticht ins Auge, dass für die Austragung der ersten Fußball-Weltmeisterschaft in Europa nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1954, in der Zeit des Wiederaufbaus und in der der Kalte Krieg entbrannte, die Schweiz ausgewählt wurde.

Aus welchen Gründen erfolgte dies? War es die Sicherheit, die man sich von der Neutralität der Schweiz versprach?

6.1. Die Schweiz – Veranstalter der WM 1954:

Die „Neue Zürcher Zeitung“ klärte in ihrer diesjährigen Serie „100 Jahre FIFA“ einiges auf: Nachdem die Weltmeisterschaft 1950 in Brasilien stattgefunden hatte, war 1954 wieder Europa als Veranstalter an der Reihe. (Denn Amerika und Europa wechselten einander ab). Schon auf dem FIFA-Kongress 1946 habe die Schweiz die Option dafür bekommen. Und dies soll kein Zufall gewesen sein, denn die FIFA, die ihren Sitz seit 1932 in Zürich hatte, feierte 1954 ihr 50-Jahr-Jubiläum. (Vielleicht hat dies also zu einer glücklichen Verkettung für die Schweiz geführt). Vater der schweizer WM-Kandidatur sei Ernst Thommen gewesen, der auf dem FIFA-Kongress 1950 ins Exekutivkomitee gewählt und international bekannt geworden ist.

Dass ein so kleines Land (das auch im Fußball nicht die größte Rolle spielte) mit der Durchführung der WM betraut wurde, soll auch finanzielle Gründe gehabt haben: Denn so kurz nach dem Krieg sei die FIFA auf gesicherte Einnahmen aus der WM angewiesen gewesen, und Schweizer Franken seien damals gefragt gewesen. Die FIFA war nämlich eine private Institution, der keine regelmäßigen Zuschüsse zuflossen, und daher habe sie mit dem finanziellen Gewinn aus den Weltmeisterschaften immer die nächsten vier Jahre leben müssen.[169]

Vor Beginn der Weltmeisterschaft habe Jules Rimet (richtig, wie sich danach herausstelte) vorausgesehen, dass diese zweifellos die erste WM sei, die die gesamte Fußball-Weltelite ausnahmslos vereinige, und daher ein größeres Echo auslösen werde als alle vier vorangegangenen. Er solle die Schweiz als das „Musterland politischer Reife“, „wohldurchdachter Arbeit“, „echter Höflichkeit“ und „liebenswürdiger Gastfreundschaft“ bezeichnet haben.[170]

6.2. Die Auswahl des Sitzes der UEFA:

Wenn sich auch ihr späterer Sitz in der neutralen Schweiz angeboten hatte, da zahlreiche internationale Organisationen sich auch schon dort niedergelassen hatten[171], wieso war die UEFA anfangs in Paris stationiert, wo doch auch ihre Gründungsversammlung 1954 in Basel (Schweiz) über die Bühne gegangen ist?

Laut UEFA-Jubiläumsbuch bestand nie die Absicht, in Basel sesshaft zu werden. Da Henri Delaunay, die zentralste aller Figuren, ein Bediensteter des französischen Verbandes war und die UEFA anfangs kaum über finanzielle Mittel verfügte, schien es am praktikabelsten zu sein, den neugegründeten europäischen Verband in einer „Ecke“ der damaligen Büroräume des französischen Verbandes (Rue de Londres 22, im Pariser Stadtzentrum) einzumieten, wo sich der UEFA-Sekretär Henri Delaunay und später sein Sohn Pierre Delaunay (jeweils in Personalunion mit den Belangen des französischen Verbandes[172] ) um die ersten Aktivitäten der UEFA kümmern konnten.[173]

Dadurch soll es der UEFA mit der Zeit an Selbständigkeit zu mangeln begonnen haben, und es sollen sich ab 1957 „immer mehr Initiativen“ entwickelt haben, die darauf abzielten, der Teilung des Sitzes und des Sekretariats zwischen Frankreich und Europa ein Ende zu setzen. (Laut der NZZ soll es vor allem britische Forderungen nach stärkerer Unabhängigkeit gegeben haben[174] ). Am 3. Juni 1958 sei das Exekutivkomitee der UEFA zum Schluss gekommen, dass Pierre Delaunay ein Verwaltungssekretär zur Seite stehen sollte, der ihn ersetzen konnte. Und Stanley Rous (aus England!) soll einige Tage danach durchgesetzt haben, „dass der Stockholmer Kongress es als notwendig für die Europäische Fußballunion empfand, über eine vom Komitee vorgeschlagene und von der Versammlung beschlossene ständige Adresse zu verfügen“.[175]

Frankreich habe sich gegen diese „Drohung“ schlecht verteidigt. Der französische Verband schlug im Oktober 1958 vor, der UEFA drei eigene Büros zur Verfügung zu stellen. Doch diese antwortete im März 1959, dass „die Einrichtung des Sitzes in Paris nur provisorisch sein könne“. Drei Monate danach solle „alles entschieden“ gewesen sein.

Die UEFA hätte nach Zürich gehen können, wo sie die FIFA habe aufnehmen wollen. Es war aber beschlossen worden, unabhängig zu sein. Sogar ein Schreiben des Europarats sei bei der UEFA eingegangen, das eine Kandidatur Straßburgs als UEFA-Sitz enthalten haben soll![176]

Dagegen hat eine eigens gebildete „Kommission für den Sitz und das Sekretariat“ (bestehend aus Schwartz, Bauwens, Rous und dem Österreicher Alfred Frey) getagt und „Vorkehrungen getroffen“, um den Sitz in der Schweiz, in Bern, einzurichten und den von Rous stark geförderten Schweizer Hans Bangerter (ein „Neutraler“[177] ) als Generalsekretär zu verpflichten. Denn Pierre Delaunay habe erklärt, im Falle eines Umzugs in die Schweiz auf sein Amt zu verzichten.[178]

Nun mussten diese Beschlüsse noch von der Versammlung am außerordentlichen Kongress am 11. Dezember 1959 in Paris bestätigt werden. Die Franzosen sollen sich wehren hätten können und „hundert stichhaltige Argumente finden können“, um die Hauptstadt des europäischen Fußballs zu bleiben. Doch hätten sie aber längst resigniert, und der Jugoslawe Dr. Mihajlo Andrejevic habe sich „glanzvoll“ (aber letztlich erfolglos) für sie eingesetzt. Die Verlegung des Sitzes von Paris nach Bern wurde mit 16:9 Stimmen (bei 3 Stimmenthaltungen) beschlossen.[179]

Der außerordentliche Kongress stockte im Zuge dessen auch die Exekutive der UEFA eigens auf, um Pierre Delaunay „in Würdigung seiner bisherigen Tätigkeit und des Anteils Frankreichs an der guten Führung der UEFA“ (in einer anderen Position) aufnehmen zu können. Er wurde auch zum Sekretär der Organisationskommission der Europameisterschaft bestellt.[180]

Als Gründe für den Umzug nach Bern werden im UEFA-Jubiläumsbuch angeführt, schweizer Persönlichkeiten haben bei der Gründung und Entwicklung der UEFA eine ebenso bedeutende Rolle gespielt, und es sei daher nur natürlich gewesen, dass sie sich, dem Beispiel der FIFA folgend, in einem Land niederließ, „das im Herzen des Kontinents lag und für seine Neutralität, seine Gastfreundschaft und die Solidität seiner Währung berühmt war“. (Hauptanziehungsfaktor scheint also auch hier, wie ich meine, die Währung gewesen zu sein). Zweifellos soll die Bundeshauptstadt Bern zwar keine ideale Verkehrsanbindung gehabt haben, und ihr „provinzieller Charakter“ soll auf dem Pariser Kongress angesprochen worden sein, doch sollen diese Argumente keinen Bestand gehabt haben, da die Exekutive zumeist in anderen Städten oder Ländern tagte und es zum damaligen Zeitpunkt als gesichert gegolten haben soll, dass binnen Kurzem ein internationaler Flughafen im Raum Bern gebaut würde (was aber letztlich vom Berner Stimmvolk abgelehnt wurde).[181]

Weniger als einen Monat nach dem Umzugsbeschluss, am 4. Jänner 1960, weihte Präsident Schwartz den neuen Sitz ein, der bescheiden im Untergeschoß eines Gebäudes an der Kirchenfeldstraße 24 in Bern in einem Wohnviertel untergebracht war. (Es seien drei bescheidene Büroräume gewesen[182] ). Die Zahl der ständigen Mitarbeiter begann zu wachsen, Bangerter standen nun zwei Sekretärinnen zur Seite.[183]

Doch schon 1962 wechselte die UEFA ins „Haus des Sports“ in Bern, wo sich bereits mehrere schweizer Sportverbände befanden.[184] Dafür habe sich die UEFA von Anfang an entschieden, doch sei dieses Gebäude zum bestimmten Zeitpunkt noch nicht bezugsbereit gewesen.[185] Die UEFA belegte dort zunächst sechs, später zehn Räume.

1968 beschloss die UEFA aufgrund ihrer wachsenden finanziellen Ressourcen (dank den europäischen Wettbewerben[186] ), elf Millionen Schweizer Franken in ein eigenes 16-stöckiges Gebäude an der Jupiterstraße 33 (am östlichen Stadtrand Berns) zu investieren, das sie 1974 bezog. Für sich nutzte sie anfangs nur eines, schließlich vier Stockwerke.

Wieder aus Platzmangel und da Bern keinen internationalen Flughafen bekam, und auch aus Prestigegründen begann die UEFA in den 90ern ein eigenes Grundstück in der Westschweiz zu suchen und entschied sich für die kleine Stadt Nyon, nicht weit vom Genfer Flughafen. 1999 bezog man das neu gebaute „Haus des Europäischen Fußballs“, direkt am Genfersee, das 44 Millionen Schweizer Franken gekostet haben soll und 110 Arbeitsplätze biete.[187] (200 Angestellte seien es laut der NZZ im Hauptquartier[188] ).

7. Außereuropäische Mitglieder Fußball-Europas:

Als Grundfeststellungen gibt es in der UEFA kleine, mittlere und große Mitgliedsverbände, jeder Verband ist zugleich Mitglied seines Kontinentalverbandes (eben der UEFA im Falle Europas) und des weltweiten Dachverbandes FIFA, und das Hauptinteresse der nationalen Verbände ist die Teilnahme ihrer Nationalmannschaften und Vereine an den internationalen Wettbewerben.[189] Die anderen Kontinentalverbände („Konföderationen“) sind:

- CONMEBOL (für Südamerika, gegründet 1916)
- AFC (für Asien, gegründet so wie die UEFA 1954)
- CAF (für Afrika, gegründet 1957)
- CONCACAF (für Nord- und Mittelamerika, gegründet 1961)
- und OFC (für „Ozeanien“, also Australien und deren umliegende Inseln im Pazifik, 1966 ins Leben gerufen)[190]

Den „heute stärksten Kontinentalverband“[191], die UEFA (sie sei heute auch der einflussreichste europäische Dachverband in der Welt des Sports[192] ), sollen laut UEFA-Jubiläumsbuch und UEFA-Homepage 30 Verbände gegründet haben.[193] Diese Zahlen differieren. Hier werden vermutlich Albanien und Island mitgerechnet und dazu entweder das damals unabhängige Saarland oder Polen. Heute umfasst die UEFA 52 Mitglieder[194], wobei diese Zahl vor allem durch die Veränderungen in Osteuropa um 1990 stark angestiegen ist. Den ersten Grenzfall, ob ein Verband eindeutig Europa oder einem anderen Kontinent zuzuordnen ist, gab es bereits 1955 mit der Türkei, das, wie in Kapitel 4.2. behandelt, sich sehr bald Europa anschloss.

Doch wie kam es dazu, dass Länder wie Armenien, Georgien und Aserbaidschan, die geographisch gesehen in Vorderasien (südlich des Kaukasus) liegen, ja sogar Israel und Kasachstan, das weit nach Asien hineinreicht, heute zu Fußball-Europa gehören?[195]

In den frühen 90er Jahren soll die UEFA den Willen gehabt haben, die neuen aus der Zersplitterung der ehemaligen UdSSR hervorgegangenen Mitgliedsverbände zu unterstützen. Dies wurde mit der Osteuropa-Hilfstelle (OHS) konkretisiert, die diesen neuen Fußballverbänden finanzielle, technische und organisatorische Hilfe zukommen ließ.[196] Auf diesem Wege konnten Estland, Lettland, Litauen, die Ukraine, Weißrussland, Moldawien sowie die knapp hinter der Grenze zu Europa (der Kaukasus) in Asien gelegenen Länder Armenien, Georgien und Aserbaidschan der UEFA beitreten.[197]

Es stellt sich an diesem Punkt die Frage, woher dieser Wille der UEFA gekommen ist und weshalb man auch diese in Asien gelegenen ehemaligen sowjetischen Teilrepubliken zur Aufnahme in Betracht zog. Möglicherweise ist die Erklärung dafür einfach: Es ist das Bestreben der UEFA, Europa im Gesamten zu erfassen. Und diese drei hinter dem Kaukasus gelegenen Länder mögen eine starke Tendenz zu Europa gezeigt haben. Denn die Staaten Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Kirgisistan wurden dagegen von der UEFA schließlich nicht berücksichtigt. Außerdem könnte die UEFA eine andere Grenzziehung zwischen Europa und Asien verwendet haben.

Die Statuten der UEFA besagen diesbezüglich, dass grundsätzlich nur Verbände europäischer Länder, die von der UNO anerkannt und unabhängig sind, Mitglieder der UEFA werden können. Doch in Ausnahmefällen, und mit dem Einverständnis der FIFA, kann ein Landesverband Mitglied der UEFA werden, der geographisch zu einem anderen Kontinent gehört und nicht Mitglied einer anderen Konföderation ist.[198]

Armenien, Georgien und Aserbaidschan sind nach dem Zerfall der UdSSR der UEFA beigetreten, ohne dem asiatischen Kontinentalverband anzugehören. Doch war in deren Falle eine Zustimmung der FIFA erforderlich?

Anders verhielt es sich im Fall Kasachstan. Das Land wurde 1992 unabhängig, und dies warf die Frage auf, welchem kontinentalen Fußballverband man sich anschließen sollte, denn der Staat Kasachstan liegt sowohl am asiatischen wie auch mit dem westlichsten Teil am europäischen Kontinent!

Der Serie „Verband der Woche“ im Jubiläumsteil der UEFA-Homepage ist zu entnehmen, dass die überwiegende Mehrheit der Fußballspieler, die von einer Pressekampagne und dem Fernsehen unterstützt wurden, den kasachischen Fußballverband drängten, eine offizielle Einladung der UEFA anzunehmen. Diese Einladung sei an alle 15 ehemaligen sowjetisch kontrollierten Staaten verschickt worden! (Auch an die übrigen in Asien gelegenen). Doch die Verantwortlichen hätten sich dagegen entschieden und sich (1994[199] ) der AFC angeschlossen.[200]

Aus dem UEFA-Jubiläumsbuch geht hervor, dass alle ehemaligen Sowjetrepubliken einst Teil des UEFA-Mitglieds UdSSR waren und damit unter „UEFA-Protektorat“ gestanden seien.[201] Dies ist eine Antwort auf die oben gestellte Frage, weshalb sich die UEFA dieser in Asien gelegenen Länder angenommen hat.

Als Grund für die Entscheidung Kasachstans, sich der AFC anzuschließen, wird angeführt, dass man „alle Verbindungen nach Moskau kappen“ habe wollen, was jedoch die Entwicklung des kasachischen Fußballs zerstört haben soll. Denn die ersten Jahre der Unabhängigkeit Kasachstans wurden geprägt von einer instabilen Finanzsituation und einer großen Wirtschaftskrise. Auch der Fußball musste dadurch harte Zeiten durchmachen. Von daher habe man die Entscheidung für die AFC, in der schwächere Mannschaften als in der UEFA spielen, bald als kurzsichtig erkennen können. Im Jahr 2000 seien 98 Prozent der „Fußballgemeinde“ des Landes für den Anschluss an die Europäische Fußballunion gewesen.[202]

Im November 2000 und Jänner 2001 sollen dann die Präsidenten der FIFA und UEFA dem kasachischen Verband empfohlen haben, die AFC zu verlassen. Dadurch genoss Kasachstan die absolute Entscheidungsfreiheit über einen Konföderationenwechsel. Im Juni 2001 beantragte man dann die Freistellung aus der AFC und im Juli 2001 wurde ein Gesuch um Aufnahme in die UEFA eingereicht. Offizielles UEFA-Mitglied wurde Kasachstan schließlich im April 2002, worauf man bei Ligaspielen „unbeschreiblichen Jubel“ habe erleben können.[203]

Hauptargument für die Aufnahme in die UEFA sei gewesen, dass ein Teil des kasachischen Territoriums in Europa liegt.[204]

Aus einem Interview von uefa.com mit dem Kapitän der kasachischen Nationalmannschaft, Samat Smakov, geht ein großer Aufschwung des kasachischen Fußballs in Folge dieses Wechsels hervor. Motivierend wirke die Aussicht, im Europapokal zu spielen. Viele Stadien werden auf Vordermann gebracht, um dem europäischen Standard zu entsprechen. Auch an einem Lizenzierungsprogramm werde gearbeitet. Die Anforderungen der UEFA seien hoch, doch alle Spieler würden diese Entwicklung unterstützen. Denn sie seien es leid, in „heruntergekommenen“ Stadien zu spielen. Alles wende sich zum Guten.[205]

Diese (allerdings nur am Rande angesprochenen) Hilfestellungen der UEFA sollen als Beispiel ihrer heute weltweiten Initiativen in den verschiedensten Bereichen rund um den Fußball dienen. Außerdem lassen sich in obigem Interview gewisse Parallelen zur EU und deren Aufnahmekriterien für neue Mitglieder erkennen.

Geographisch nichts mit Europa zu tun hat Israel. Schon in der Zwischenkriegszeit gab es den Fußballverband von „Eretz Israel und Palästina“ (Eretz Israel-Palästina[206] ) als FIFA-Mitglied. Von 1956 an sei Israel ein (sehr) aktives Mitglied der AFC gewesen. 1964 wurde sogar der Asien-Pokal (das Pendant zur EM) gewonnen. Doch zu Beginn der 70er Jahre soll sich die „arabisch-muslimische Fußballfraktion“ in Asien gegen die Israelis aufgelehnt haben, die daraufhin den AFC 1974 verließen.[207] Laut UEFA-Jubiläumsbuch sei Israel schließlich aus dem AFC ausgeschlossen worden. Der israelische Verband habe dadurch von einer anderen Konföderation übernommen werden müssen, um seinen internationalen Fußballbetrieb zu sichern.[208]

Seit 1991 hat Israel regelmäßig in Europa mitgespielt. Und „nach langem Hin und Her“ (nach einem langwierigen Verfahren[209] ) sei der israelische Verband schließlich 1994 als Vollmitglied in die UEFA aufgenommen worden.[210]

Unklar bleibt dabei der Grund, weshalb sich Israel nach seinem Ausschluss aus der AFC an Europa orientiert hat. Denn auch Afrika (die CAF) käme für ein Land im Nahen Osten prinzipiell in Frage. Wohl dürfte die UEFA aufgrund ihrer prestigeträchtigen Wettbewerbe und finanziellen Verlockungen die attraktivere Option gewesen sein.

8. Gefährliche Gruppenbildungen?

In den frühen 60er Jahren hatte die UEFA mit dem Problem der „sportpolitischen Einflussnahme des internationalen Verbindungskomitees der nationalen Ligen auf das Fußballgeschehen in Europa“ zu kämpfen, damit innerhalb der noch jungen Union kein „Staat im Staat“ entstehe.[211]

Im Herbst 1958 hatten sich nämlich unabhängig von der UEFA einige Profiligen im „Comité International de Liaison des Ligues“ zusammengeschlossen, um gemeinsam Probleme des Berufsfußballs zu beraten, Spiele zwischen Repräsentativmannschaften der Ligen zu organisieren und ganz allgemein die Beziehungen vorerst zwischen den drei Gründerligen Italien, Frankreich und England als treibende Kräfte und später zwischen weiteren Ligen zu vertiefen.[212]

Auch diese Verbindung Englands mit Frankreich und Italien deckt sich nicht mit jenen in der Politik. Viel interessanter ist diese Eigeninitiative der französischen Liga (zusammen mit den anderen), wo doch die UEFA noch ihren Sitz in den Räumlichkeiten des französischen Verbandes hatte! Dies jedoch zu einer Zeit, in der das Bestreben der UEFA, Frankreich zu verlassen, bereits konkrete Formen angenommen hatte.[213]

Dieser Zusammenschluss war für die UEFA natürlich eine unerwünschte Erscheinung, die laut UEFA-Jubiläumsbuch zu einer „gefährlichen und völlig unangebrachten Spaltung im europäischen Fußball“ hätte führen können. Doch 1964 sei es dem zweiten UEFA-Präsidenten (seit 1962), Gustav Wiederkehr (Schweiz), „nach harten Verhandlungen insbesondere mit dem damaligen Präsidenten des französischen Verbandes“ (hat sich auch dieser gegen die UEFA gestellt?), Antoine Chiarisoli, gelungen, dieses Verbindungskomitee aufzulösen. Die führenden Vertreter der Ligen habe man schon zuvor in die UEFA-Kommission für Nichtamateur- und Berufsfußball integriert. Diese seien in einer „Konferenz am runden Tisch“ in Paris im Februar 1963 von dieser Notwendigkeit überzeugt worden. Somit sei die Grundlage geschaffen gewesen, „um gemeinsam auf einer Linie zu arbeiten“.[214]

Eine reibungslose Vereinigung aller Staaten Europas unter einem Dach war also auch im Fußball eine Illusion. Feststellen ließ sich oben wieder die Konfrontation zwischen einem Schweizer und einem Franzosen, kurz nachdem sich die UEFA von Frankreich in die Schweiz verabschiedet hatte.

Mit der Ausweitung und Entwicklung der internationalen Wettbewerbe sowohl für Nationalmannschaften als auch insbesondere für Klubwettbewerbe der UEFA ist bis heute jedoch der Anspruch der nationalen Ligen nach direkter Mitbestimmung und Mitwirkung (von neuem?) gewachsen. Innerhalb der UEFA haben sich Zirkel der Ligen gebildet, und auf Vereinsebene haben die „Großen“ (G 14) eine Interessensvertretung gegründet. Beide, die Ligen und die Großvereine, verfolgen teilweise unterschiedliche Ziele: Während die G 14 einen großen (wirtschaftlichen) Anteil in der Liga und von der UEFA fordern (sie drohten mehrmals mit der Durchführung eines eigenen Wettbewerbes, den sie selbst vermarkten würden), sehen die Ligen ihre Aufgabe in der Wahrnehmung der Interessen der gesamten (nationalen) Liga.[215]

Darüber hinaus hat es auch Gruppierungen innerhalb der UEFA gegeben. Laut UEFA-Jubiläumsbuch sei es verständlich, „in der Rückblende betrachtet“, dass die verschiedenen Mitgliedsverbände, „die damals schon eine unterschiedliche Struktur hatten“, sich mit Nachbarländern (oder „verwandten“ Nationen), in Gruppen zusammenschlossen, „da die Ideen und Vorstellungen der ständig wachsenden Union vielen Verbänden nicht ausreichend bekannt waren“. Diese Länder haben sich aus geographischen, politischen (!) und sportpolitischen Gründen vereinigt, um gemeinsame Anliegen vorzubringen oder „gewisse Forderungen“ zu stellen. Die Gruppierungen sollten jahrzehntelang bis 1994, als sie inoffiziell aufgelöst wurden, eine wichtige Rolle im Leben der UEFA spielen.[216]

Im Konkreten waren es die Gruppenbildungen

- der vier britischen Verbände (England, Schottland, Wales, Nordirland)
- der nordischen Verbände (Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Island und zuletzt auch die Färöer Inseln)
- der Ostblockländer (Albanien, Bulgarien, die Tschechoslowakei, Polen, Rumänien, die DDR und die Sowjetunion)
- und der „Entente de Florence“ (west- und südeuropäische Länder).[217]

Schon 1954, bei der Gründung der UEFA in Basel, sollen sich jene sieben Ostblockländer zur „Gruppe der östlichen Länder“ vereinigt haben. Die Initianten dafür seien Vladimir Granatkin (UdSSR) und Gustáv Sebes (Ungarn) gewesen – obwohl Ungarn eigenartigerweise als einziges Ostblockland nicht in dieser Gruppierung aufgezählt wird. Die erste Zusammenkunft von Vertretern dieser Fußballverbände soll am 1. März 1955 stattgefunden haben, einen Tag vor dem ersten UEFA-Kongress in Wien. Hauptzweck sei es gewesen, die Tagesordnungspunkte des Kongresses zu besprechen und sich darüber zu einigen. Auch sei beschlossen worden, solche Zusammenkünfte jedem UEFA- und FIFA-Kongress vorausgehen zu lassen. Sogar jährliche Konferenzen der östlichen Länder seien im Juni 1956 beschlossen worden.[218]

Dieser Zusammenschluss basiert eindeutig auf politischen Gegebenheiten. Das Motiv der Ostblockländer, mit einer Stimme zu sprechen, entspricht genau jenem der Gründung der UEFA innerhalb der FIFA. Doch anscheinend ist es der UEFA gelungen, die Gründung eines Subverbandes zu verhindern.

Die Entente de Florence wurde am 4. Mai 1963 auf Antrag des späteren UEFA-Präsidenten Dr. Artemio Franchi (!) in Florenz gegründet. Der Auslöser sei darin gelegen, dass 1962 die damaligen Ostblockländer bei der Wahl eines Mitglieds in das Exekutivkomitee der UEFA auf dem Kongress in Sofia auf Kosten der „Mitteleuropäer“ einen der skandinavischen Gruppe angehörenden Vertreter unterstützten. Mit der „Entente de Florence“ haben die west- und südeuropäischen Fußballverbände ein Gegengewicht zu den Gruppierungen der vier britischen Verbände, der Skandinavier und der Ostblockländer schaffen wollen. Das wesentliche Ziel sei es gewesen, der „Entente“, ihrer Bedeutung entsprechend, eine angemessene Vertretung in der Exekutive und in den übrigen Gremien der UEFA zu sichern.[219]

Auch hier sind die Parallelen zur Gründung der UEFA innerhalb der FIFA unübersehbar.

Diese vier etablierten Gruppierungen innerhalb der UEFA haben während Jahren jeweils für ein verbandspolitisch ausgewogenes Gleichgewicht in der Besetzung wichtiger Ämter gesorgt. Doch Anfang der 90er Jahre habe man „angesichts der Entwicklung auf dem europäischen Kontinent“ ihren Fortbestand hinterfragt. Dies nicht zuletzt, um die Einheit der UEFA nicht zu gefährden. So wurde die Auflösung 1994 (im Sinne einer gesamteuropäischen Solidarität[220] ) „ohne großes Abschied Nehmen“ Tatsache.[221]

9. Die Beziehungen der UEFA zur FIFA:

Diese „bewegte Geschichte“ begann zum Beispiel, als die UEFA 1955 in Belfast eine „spektakuläre Begegnung“ zwischen einer kontinentalen und einer britischen Auswahl organisierte und sich anschickte, direkte Beziehungen zur südamerikanischen Konföderation anzuknüpfen, um Begegnungen zwischen Vereinen oder Nationalmannschaften abzuschließen. Sehr bald gab die Europäische Fußballunion den Eindruck, sich in Themen einmischen zu wollen, die als Reservat der FIFA galten, wie das Olympische Turnier oder die Weltmeisterschaft.[222]

Und als die FIFA auf die Anfrage meinte, dass die Türkei nicht Europa, sondern Asien angeschlossen werden sollte, setzte sich die europäische Versammlung darüber hinweg und registrierte den Beitritt des türkischen Verbandes.

Mitunter soll sich das Klima verschlimmert haben, so zum Beispiel, als sich die UEFA anmaßte, eine Frage unmittelbar auf die Tagesordnung des FIFA-Kongresses zu setzen oder 1% von den Einnahmen aus den Länderspielen in Europa forderte.[223]

„Die Verwirrung“ sei auch aus der Zugehörigkeit einflussreicher europäischer Offizieller zur FIFA und deren Bemühen, niemandem zu missfallen, entstanden. Zweifellos soll es die UEFA „der Weisheit und der Diplomatie“ ihres Präsidenten zu verdanken gehabt haben, dass es nie zur offenen Auseinandersetzung kam. Und so konnte sie am 5. März 1959 nach einer Begegnung zwischen Vertretern der beiden Organisationen in Amsterdam erklären, dass „die Beziehungen zwischen der UEFA und der FIFA offenbar besser werden“. Es soll ein gegenseitiges „Streben nach Harmonie“ gegeben haben.[224]

Laut Lennart Johansson, aktueller UEFA-Präsident, hat jede Unstimmigkeit zwischen der UEFA und der FIFA „nie die Ausmaße der Feindseligkeit erreicht, wie sie teilweise in der Vergangenheit von gewissen Medien lüstern berichtet oder sogar erfunden wurden“. Das Beharren auf ihrem Standpunkt und Widersetzen gegen Initiativen (was auch andere Konföderationen und Zusammenschlüsse „von Zeit zu Zeit“ machen), die ihrer Ansicht nach „nicht in ihrem besten Interesse sind“ sei weder ein ungewöhnlicher noch ein ungesunder Zustand der UEFA – er zeige vielmehr Engagement und Verantwortungsbewusstsein.[225]

Hauptverantwortlich für die ersten Spannungen zwischen der UEFA und der FIFA war ja das Stimmrechtsverhältnis (ein Land, eine Stimme) der FIFA, denn durch die stetige Zunahme außereuropäischer Staaten und deren Aufnahme in die FIFA wurde Europa immer mehr in die Minderheit gedrängt.[226] Heute, 2004, kommen nur mehr 25% der FIFA-Mitglieder aus Europa.[227] Für diesen verhältnismäßig geringen Einfluss Europas am FIFA-Kongress seien die Europäer allerdings zum Teil selbst verantwortlich. Denn, so Johansson, vor allem in den unmittelbaren Nachkriegsjahren, als sie stimmenmäßig noch in der Lage gewesen wären, ein „pluralistisches Stimmsystem“ zu erzwingen, insbesondere am außerordentlichen Kongress der FIFA 1953, hätten sie nicht die nötige Weitsicht gehabt, dieses System einzuführen. Und an den folgenden Kongressen des Weltverbandes seien sie viel mehr als Zuhörer denn als Wortführer aufgetreten.[228] Auf der anderen Seite haben Europäer immer eine Schlüsselrolle in den wichtigsten Kommissionen der FIFA gespielt.[229]

1962 ist eine Konsultativkommission FIFA/UEFA gebildet worden, die nach Unterbrechungen wieder in Kraft ist, und deren Ziel darin bestehe, die Beziehungen zu verbessern.[230] Dies soll gleich nach dem Umzug der UEFA nach Bern auf Empfehlung von Ernst Thommen geschehen sein. Die Konsultativkommission bestand aus Vertretern der FIFA, wie Dr. Ottorino Barassi, und Vertretern der UEFA, wie etwa Dr. Bauwens. Als „Verbindungsmann“ habe „selbstverständlich“ Sir Stanley Rous gewirkt, der dann 1961 vom Amt des Vizepräsidenten der UEFA direkt zum Präsidenten der FIFA gewählt wurde. Die Kommission, die 1960 zweimal tagte, hatte unter anderem die Aufgabe, den Entwurf einer Abänderung der FIFA-Statuten zu prüfen. Eine Reorganisation der FIFA sei zwingend geboten gewesen. In seiner Antrittsansprache als neuer FIFA-Präsident soll Rous erklärt haben, dass die FIFA nicht mehr aufmerksam genug die Tätigkeit jedes ihrer bereits 115 Mitgliedsverbände verfolgen könne, sodass die kontinentalen Konföderationen zu einer „absoluten Notwendigkeit“ geworden seien. Folglich soll zwischen dem europäischen und dem Weltfußball nie mehr Harmonie als zu Beginn der 60er Jahre geherrscht haben.[231]

Am UEFA-Kongress 1971 in Monte Carlo wurde dann unter anderem auch bestimmt, dass der UEFA-Präsident zugleich ein FIFA-Vizepräsident (von mehreren) ist, „um als direktes Bindeglied zwischen den beiden Institutionen zu wirken“.[232]

„Die UEFA will nicht dominieren, sie will aber dank ihres Potentials respektiert werden“, so Lennart Johansson. Auch sei sie ein loyaler Partner den anderen Konföderationen gegenüber und unterstütze sie „nach besten Möglichkeiten“.[233]

10. Die UEFA versus Europäische Union:

Die Entwicklung ab den 50er Jahren in Richtung europäischer Einheit mit den vier Hauptzielen Freizügigkeit der Arbeitnehmer, freier Güter-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr zog beträchtliche Folgen für den Sport nach sich. Ein Schlüsselfaktor in dieser Entwicklung war die 1986 unterzeichnete „Europäische Einheitsakte“, die einen „wahrhaft grenzenlosen Bereich“ für die Wirtschaft in ganz Europa schaffen sollte („Einheitsmarkt“, der schließlich 1992 zustande kam[234] ). Und da der Sport zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig geworden ist, hat das EU-Recht auch eine nachhaltige Auswirkung auf seine Struktur.[235]

Dies zeigte sich erstmals 1973 im „Fall Walrave und Koch“[236], als der Europäische Gerichtshof (EuGH) befand, dass die Ausübung eines Sports dem EU-Recht unterliegt, sofern sie eine wirtschaftliche Tätigkeit darstellt. Fragen von rein sportlicher Natur berührt das EU-Recht jedoch nicht.

Doch mit der zunehmenden kommerziellen Bedeutung des Sports, natürlich auch des Fußballs, mag nicht immer klar sein, ob eine Regel von „rein sportlicher Natur“ ist.[237]

Bedeutend waren in Folge auch der „Fall Dona“ (1976) und in den 80ern der „Fall Heylens“.[238] Doch der berühmteste war der „ Fall Bosman “, der die europäische Fußballwelt komplett umgewälzt hat. Jean-Marc Bosman, ein belgischer Fußballer, der für den belgischen Royal Football Club de Liège (Lüttich) spielte, klagte, nachdem sein Wechsel zum US Dunkerque (Dünkirchen) in Frankreich im Sommer 1990 gescheitert war, den belgischen Verband und in Folge die UEFA mit der Begründung an, dass die damaligen Transferregelungen seine im EU-Recht verankerte Freizügigkeit behinderten. (Bei einem Vereinswechsel musste der erwerbende Verein für den Spieler eine Ablösesumme bezahlen, auch wenn der Vertrag des Spielers mit dem Verein, den er verlässt, ausgelaufen war).

Im Verlaufe des Prozesses bot sich auch die Gelegenheit zur Anfechtung der 1991 eingeführten „3+2-Regel“, auf die die UEFA zurückgriff, um die Zahl der für die europäischen Klubwettbewerbe spielberechtigten ausländischen Spieler je Mannschaft zu begrenzen. Nach dieser Regel konnten Vereine höchstens drei ausländische Spieler und zwei „assimilierte“ Spieler (solche, die fünf Jahre im Land gelebt und drei Jahre in der Jugendmannschaft gespielt hatten) in einem Spiel aufstellen. Diese 3+2-Regel war tatsächlich im sogenannten „Gentleman’s Agreement“ von 1991 zwischen der UEFA und der Europäischen Kommission anerkannt worden. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass letztlich nicht alle die besten Spieler für eine begrenzte Zahl von Mannschaften in einer begrenzten Zahl von Ländern spielten. (Was seit dem Wegfall dieser Regel 1995 bis heute faktisch eingetreten ist). Mit dem zunehmenden Einfluss des Geldes im Profisport und besonders im Fußball wurde zugestanden, dass eine Regelung dieser Art notwendig war, um eine gewisse Ausgewogenheit und nationale Repräsentation der in paneuropäischen Wettbewerben antretenden Vereinsmannschaften zu wahren. Eine Regelung dieser Art ließ sich zwar nur schwer mit dem EU-Recht vereinbaren, doch die Europäische Kommission hatte dem Sport eingeräumt, dass er in diesem Bereich „spezifische Bedürfnisse“ habe.

Doch der EuGH befand in seiner Entscheidung vom Dezember 1995 („ Bosman-Urteil “), dass sowohl das Transfersystem als auch die 3+2-Regel den Bestimmungen der EU in Bezug auf die Freizügigkeit der Arbeitnehmer zuwider laufen. (Ablösesummen für Spielertransfers müssen seitdem nur mehr bei noch laufenden Verträgen bezahlt werden).

Die Folgen dieser Entscheidung beschränkten sich keineswegs nur auf den Fußball. Denn jeder Berufssportler ist im Sinne des EU-Rechts ein „Arbeitnehmer“. Jede Regelung zur Begrenzung der Zahl der „ausländischen“ Spieler in einer Mannschaft innerhalb der EU kann seitdem nicht mehr gegen Staatsangehörige eines anderen EU-Mitgliedslandes durchgesetzt werden. Die Folgen reichten so weit, dass Vereine wie zum Beispiel die Glasgow Rangers und Chelsea FC Mannschaften aufgeboten haben, in denen überhaupt keine schottischen beziehungsweise englischen Spieler mehr standen. Andererseits haben traditionell starke Mannschaften wie zum Beispiel Ajax Amsterdam in diesem neuen Umfeld gelitten, da „reichere“ Vereine in den größeren Fernsehmärkten (vor allem England, Spanien, Italien und Deutschland) nun deren Spieler abwerben können und soviele „ausländische“ Spieler erwerben dürfen, wie sie wollen.[239]

11. Resümee:

Ganz deutlich hervorgegangen ist in dieser Darstellung der Zeit des Beginns eines auf Europa konzentrierten Fußballgeschehens, vor allem mit der Gründung einer für Europa zuständigen Fußballorganisation, der UEFA, und der Einführung mehrerer innereuropäischer Fußballbewerbe, im Gegensatz zum schon länger bestehenden Weltfußballgeschehen, eine weitgehende Eigenständigkeit der handelnden Akteure im Hinblick auf politische Vorgaben der Zeit. In keiner Phase konnte die Rede davon sein, dass der Fußball den anlaufenden europäischen Föderalismus, die Europapolitik der 50er Jahre, begleiten oder gar ideologisch stützen sollte. Die Gründung der UEFA 1954 resultierte in direktem Sinne aus rein sportpolitischen Gründen. Wohl entwickelte der Fußball zur selben Zeit sein Europabewusstsein, doch das „Europa des Fußballs“ war von Anfang an gesamteuropäisch orientiert und inkludierte den gesamten kommunistischen Osten. Dadurch kann es meiner Meinung nach nicht direkt mit dem wirtschaftlich-politischen Europa-Denken dieser Zeit verglichen werden, das sich doch nur auf Westeuropa bezog. Auszuschließen ist von meiner Seite her jedoch nicht eine gewisse Vergleichbarkeit des „Europa des Fußballs“ mit dem politischen Europa dieser Zeit im Hinblick auf eine spürbare Aufbruchstimmung „in eine bessere Zukunft“. Sei es in der Politik und in der Wirtschaft durch das Ende der Katastrophen der Weltkriege und durch das Trachten, eine Wiederholung dessen zu vermeiden. Und sei es im Fußballsport durch das Erlangen einer bis dahin unbekannten Eigenständigkeit durch die Abkoppelung von den Zwängen in der Politik des Weltfußballs. Auch möchte ich eine eventuelle Beeinflussung des Handelns der federführenden Personen in der neuen UEFA durch das sie ständig umgebende neue Europa-Denken der Allgemeinheit, wie stark entwickelt und wie verbreitet es um die Mitte der 50er Jahre auch schon gewesen sein mag, nicht grundsätzlich ausschließen. Man kann hier vielleicht von einer indirekten Wirkung auf die Entscheidungen im Fußball sprechen. Doch im Ganzen ist ganz klar festzuhalten, dass man im Fußball seine eigenen Wege gegangen ist, wobei es auf jeden Fall bemerkenswert ist, mit welcher Selbstverständlichkeit man im Sport inmitten des Beginns des Kalten Krieges die Grenzen des Eisernen Vorhangs überwunden hat. Zuallerletzt war auch an vielerlei Beispielen zu erkennen, wie politische Gegebenheiten selbst mit dem unbekümmertsten Vorgehen zu Schranken für den Fußball werden mussten.

Anhang:

Tabelle 1: [240]

Der ständig abnehmende Anteil europäischer Länder im Weltverband der FIFA.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: [241]

Neu in die UEFA aufgenommene definitive Mitglieder seit ihrer Gründung 1954.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[242] [243] [244] [245] [246]

Literatur- und Quellenverzeichnis:

Literatur:

UEFA (Hg.), 50 Jahre UEFA. 2 Bde. 2004 (gedruckt in der Schweiz, ohne Ortsangabe).

Paul Darby, Africa, Football and FIFA – Politics, Colonialism and Resistance. London 2002.

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Gregor Schöllgen, Geschichte der Weltpolitik von Hitler bis Gorbatschow 1941-1991. München 1996.

Quellen:

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Ein Traum wird wahr. In: http://de.uefa.com/uefa/Jubilee/associationweeks/ association=65146/newsId=185648.html (am 16.07.2004).

Kasachstans Wiedergeburt. In: http://de.uefa.com/uefa/Jubilee/associationweeks/ association=65146/newsId=185632.html (am 16.07.2004).

Israel auf dem Vormarsch. In: http://de.uefa.com/uefa/Jubilee/AssociationWeeks/ Association=65/ newsid=182190.html (am 28.06.2004).

Statuten der UEFA (Ausgabe 2004). In: http://de.uefa.com/newsfiles/64675.pdf (am 29.07.2004).

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Bearbeiten von Mariahilf. In: http://de.wikipedia.org/w/wiki.phtml?title=Mariahilf& action=edit&section=2 (am 22.07.2004).

Die Mauer wird gebaut (1961 – 62). In: http://www.die-berliner-mauer.de/61.html (am 29.07.2004).

Presseberichte:

Neue Zürcher Zeitung.

Sport und Toto (eine österreichische Sportzeitschrift, Vorgängerin der „Sportzeitung“).

Die Presse.

Kicker Süd/Südwest.

Kleine Zeitung (Grazer Ausgabe).

Südost-Tagespost (aus Österreich).

Sport Magazin (Nürnberg; Das Sport Magazin ist seit 1968 mit dem Kicker vereinigt und heißt heute „Kicker-Sportmagazin“).

Teletext:

EM-Rückblick. In: ORF-Teletext vom 09.06.2004. S. 271/1.

[...]


[1] Paul Darby, Africa, Football and FIFA – Politics, Colonialism and Resistance. London 2002.

[2] John Sugden / Alan Tomlinson, FIFA and the contest for world football – who rules the people's game? Cambridge 1998.

[3] FIFA, größter Weltsportverband. In: Sport und Toto vom 15.06.1954. S. 3.

[4] Thorsten Petzold, Die UEFA – globale Herrscherin über den Fußball? In: http://www.hausarbeiten.de/ faecher/hausarbeit/gee/22491.html (am 06.04.2004).

[5] Geschichte der FIFA. In: http://www.fifa.com/common/printerfriendly.html?articleid=&storepageid=/ cds/StaticHTML/HistoryofFIFA_D.jsp (am 13.05.2004).

[6] Ebda.

[7] Petzold, globale Herrscherin.

[8] UEFA (Hg.), 50 Jahre UEFA. Bd. 1. 2004 (gedruckt in der Schweiz, ohne Ortsangabe). S. 162. 1924 soll es seine FIFA-Migliedschaft wieder aufgenommen, doch sich schon 1928 wieder zurückgezogen haben.

[9] Petzold, globale Herrscherin. Laut UEFA-Jubiläumsbuch sei Russland jedoch schon 1912 der FIFA beigetreten! (UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 216).

[10] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 44

[11] Ebda.

[12] Ebda.

[13] Ebda.

[14] Petzold, globale Herrscherin.

[15] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 44.

[16] Ilia Toumadjanov, The Story of 1960 Nations Cup. In: http://www.trianglefc.org/Triangle%20Futbol %20Club-Ilia%20Article%203.htm (am 13.04.2004).

[17] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 42.

[18] Siehe Tabelle 1 im Anhang. Vorsicht sei geboten bei den Zahlen von 1945, die Petzold FIFA-Statistiken entnommen hat, wogegen die Tabelle aus dem UEFA-Jubiläumsbuch etwas anderes besagt.

[19] Petzold, globale Herrscherin.

[20] Statuten der FIFA (von Oktober 2003). In: http://www.fifa.com/fifa/statutes/statutesdocs/ FIFA_statutes_10_2003_D.pdf (am 16.07.2004). Art. 10. S. 9.

[21] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 45.

[22] Ebda.

[23] 50 Jahre UEFA. Gratulation zum Jubiläum. In: Neue Zürcher Zeitung vom 15.06.2004. S. 40.

[24] Europa-Nationenpokal 1960 – Frankreich. In: http://de.euro2004.com/history/ Year=1960/index.html (am 16.07.2004).

[25] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 45.

[26] Diese Zahlenangaben differieren aus unerklärlichen Gründen immer wieder leicht.

[27] Fußball. Internationale Fußballkonferenz in Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung vom 31.05.1952.

[28] Laut José Crahay. Es ging hier um Angelegenheiten innerhalb der FIFA.

[29] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 45.

[30] Ebda.

[31] Darby, Africa, Football and FIFA. S. 46.

[32] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 45f.

[33] 50 Jahre UEFA. Gratulation zum Jubiläum. In: Neue Zürcher Zeitung vom 15.06.2004. S. 40.

[34] Ebda.

[35] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 46. Laut Tabelle 2 im Anhang, ebenfalls aus dem UEFA-Jubiläumsbuch, ist Polen aber auch noch 1954 beigetreten.

[36] Es liegt die Vermutung nahe, dass es Albanien und Island waren. (Siehe Kapitel 4.2.).

[37] Fußball-Europameisterschaft in Portugal. (= Sonderheft des Kicker zur EM 2004). In: http://www.olympia-verlag.de/data/EM04-Info.pdf (am 14.04.2004).

[38] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 18.

[39] Dieses Recht stand Kontinentalgruppen gemäß den neuen FIFA-Statuten von 1953 zu. (Gründung der Union europäischer Fußballverbände. In: Neue Zürcher Zeitung vom 17.06.1954).

[40] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 46.

[41] Gründung der Union europäischer Fußballverbände. In: Neue Zürcher Zeitung vom 17.06.1954, sowie Jules Rimet: Höhepunkt meines Lebens. In: Kleine Zeitung vom 17.06.1954. S. 16, als auch Neuer FIFA-Präsident: W. L. Seeldrayers? In: Kicker Süd/Südwest vom 21.06.1954, S. 23.

[42] Gründung der Union europäischer Fußballverbände. In: Neue Zürcher Zeitung vom 17.06.1954, sowie Jules Rimet: Höhepunkt meines Lebens. In: Kleine Zeitung vom 17.06.1954. S. 16.

[43] Gründung der Union europäischer Fußballverbände. In: Neue Zürcher Zeitung vom 17.06.1954.

[44] Europäische FIFA-Zentrale in Wien. In: Sport und Toto vom 22.06.1954. S. 6.

[45] Fernsehen schadet dem Besuch. Sebes stellt Kontinent-Elf auf. In: Kicker Süd/Südwest vom 07.03.1955. S. 15.

[46] 50 Jahre UEFA. Gratulation zum Jubiläum. In: Neue Zürcher Zeitung vom 15.06.2004. S. 40.

[47] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 58.

[48] Ebda. S. 46f.

[49] Leider wird nicht erwähnt, wo dieser erschienen ist.

[50] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 47.

[51] Diese hier erkannten Vorteile wurden schließlich auch verwirklicht.

[52] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 20.

[53] Ebda. S. 104.

[54] Konkurrenz der europäischen Fußballmeister. In: Die Presse vom 19.12.1954.

[55] Oliver Birkner, Die Geburt des Europapokals. In: http://www.sport1.de/coremedia/generator/www.sport1.de/ Sportarten/Fussball/Championsleague/ Historie/ fus__cl__historie__geburt__und__ entstehung__mel.html (am 22.07.2004).

[56] Der ungarische Fußball wurde zur damaligen Zeit berechtigterweise sehr hoch eingeschätzt.

[57] Laut Birkner titelten die (englischen) Gazzetten: „Wolves Weltmeister!“ (Birkner, Geburt des Europapokals).

[58] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 2. S. 69.

[59] Fußball-Europameisterschaft – ein begrüßenswerter Vorschlag der Franzosen. In: Sport und Toto vom 21.12.1954. S. 1f.

[60] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 49. Üblicherweise werden als Initiatoren entweder Gabriel Hanot oder Jacques Ferran angegeben.

[61] Es wurden jedoch auch Entscheidungen an den Tagen davor und danach getroffen.

[62] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 116.

[63] Ebda. S. 47.

[64] Ebda. S. 116.

[65] Es wurde dabei vergessen, auch das Fehlen Islands explizit zu erwähnen. Denn man hat die Türkei stillschweigend mitgerechnet, ohne zu beachten, dass es damit bereits 32 UEFA-Mitglieder gab. (Fernsehen schadet dem Besuch. Sebes stellt Kontinent-Elf auf. In: Kicker Süd/Südwest vom 07.03.1955. S. 15).

[66] Tagung der europäischen Fußballnationen. In: Kleine Zeitung vom 03.03.1955. S. 11.

[67] Der Wiener Fußballkongress tagt. In: Sport und Toto vom 01.03.1955.

[68] Laut Auskunft der „Büchereien Wien“ sowie des ÖFB. Eine Karte mit der Einteilung Wiens in Besatzungszonen findet sich unter: Besatzungszonen in Wien. In: http://www.aeiou.at/aeiou.history.docs/ 51324.htm (am 22.07.2004). Zum Vergleich: Positionskarte des 6. Wiener Gemeindebezirks. In: http://de.wikipedia.org/wiki/ Bild:Kartewien6.png (am 22.07.2004). Dass der 6. Bezirk Mariahilf im Norden von der Mariahilfer Straße eingegrenzt wird, bestätigt: Bearbeiten von Mariahilf. In: http://de.wikipedia.org/w/wiki.phtml?title=Mariahilf&action=edit&section=2 (am 22.07.2004).

[69] Der Wiener Fußballkongress tagt. In: Sport und Toto vom 01.03.1955.

[70] Europas Fußball-Diplomaten in Wien. In: Kleine Zeitung vom 02.03.1955. S. 8.

[71] Es geht nicht klar hervor, ob damit der erkrankte Henri Delaunay oder sein Sohn Pierre gemeint war (was eher anzunehmen ist). Doch „Die Presse“ erwähnt diesbezüglich Henri. (Fußball-Europameisterschaft gescheitert. In: Die Presse vom 03.03.1955).

[72] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 47.

[73] Fernsehen schadet dem Besuch. Sebes stellt Kontinent-Elf auf. In: Kicker Süd/Südwest vom 07.03.1955. S. 15.

[74] F. Fahrensteiner, Europameisterschaft der Vereine von allen Teilnehmern spontan gefordert. In: Sport Magazin vom 07.03.1955. S. 17.

[75] Fernsehen schadet dem Besuch. Sebes stellt Kontinent-Elf auf. In: Kicker Süd/Südwest vom 07.03.1955. S. 15.

[76] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 47.

[77] Ebda.

[78] F. Fahrensteiner, Europameisterschaft der Vereine von allen Teilnehmern spontan gefordert. In: Sport Magazin vom 07.03.1955. S. 17.

[79] Ebda. Dass alle gekommen seien, ist nicht richtig. Unter anderen berichtete auch „Die Presse“ vom Fehlen Albaniens und Islands. (Fußball-Europameisterschaft gescheitert. In: Die Presse vom 03.03.1955.).

[80] F. Fahrensteiner, Europameisterschaft der Vereine von allen Teilnehmern spontan gefordert. In: Sport Magazin vom 07.03.1955. S. 17.

[81] Variierende Bezeichnungen für diese erst in Planung befindlichen Wettbewerbe sollen nicht verwirren.

[82] Man hat irrtümlicherweise den Wortlaut „Vereinsmannschaften“ gedruckt.

[83] F. Fahrensteiner, Europameisterschaft der Vereine von allen Teilnehmern spontan gefordert. In: Sport Magazin vom 07.03.1955. S. 17.

[84] Ebda.

[85] Ebda.

[86] Gregor Schöllgen, Geschichte der Weltpolitik von Hitler bis Gorbatschow 1941-1991. München 1996. S. 98f.

[87] F. Fahrensteiner, Europameisterschaft der Vereine von allen Teilnehmern spontan gefordert. In: Sport Magazin vom 07.03.1955. S. 17.

[88] Verhandlungen um den Europacup. In: Die Presse vom 04.03.1955.

[89] Tagung der europäischen Fußballnationen. In: Kleine Zeitung vom 03.03.1955. S. 11.

[90] Fußball-Europameisterschaft gescheitert. In: Die Presse vom 03.03.1955. S. 8.

[91] Sport und Toto vom 08.03.1955. S. 8.

[92] Santiago Velasco, The Beginning of Champions Cup. (= Euro Cups Online). In: http://galeb.etf.bg.ac.yu/ ~mirad/archive.html (am 21.05.2004).

[93] Nach Meisterschaftsende wieder Mitropa-Cup. In: Kleine Zeitung vom 05.03.1955. S. 12.

[94] Internationaler Cup Josef Gerö. In: Die Presse vom 04.03.1955.

[95] Sebes wird Kontinentalelf aufstellen. In: Die Presse vom 04.03.1955.

[96] Velasco, The Beginning.

[97] Der Mitropacup ist wiedererstanden. In: Die Presse vom 05.03.1955. S. 10.

[98] Europas Fußball-Diplomaten in Wien. In: Kleine Zeitung vom 02.03.1955. S. 8.

[99] Schon heuer wieder Mitropa-Cup! In: Südost-Tagespost vom 05.03.1955.

[100] Velasco, The Beginning.

[101] Pokalturnier europäischer Spitzenteams. In: Die Presse vom 03.04.1955.

[102] Velasco, The Beginning.

[103] Konkurrenz der europäischen Fußballmeister. In: Die Presse vom 19.12.1954.

[104] Velasco, The Beginning.

[105] Ebda.

[106] Ebda.

[107] Ebda.

[108] Real-Madrid Europacupsieger. In: Die Presse vom 15.06.1956.

[109] Die Presse vom 12.06.1956.

[110] Europabewerb auch für die Cupsieger. In: Die Presse vom 13.06.1956.

[111] Prag und Belgrad sind einverstanden. In: Die Presse vom 13.06.1956.

[112] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 2. S. 134.

[113] Wurde hier möglicherweise bloß vergessen.

[114] Wieder wurde Jugoslawien nicht erwähnt.

[115] Matthias Marschik, Der Mythos vom Donaufußball. In: http://www.wienerzeitung.at/frameless/ lexikon.htm?ID=8269 (am 07.06.2004).

[116] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 2. S. 131.

[117] Inter-Cities Fairs Cup 1957/58. (= Euro Cups Online). In: http://galeb.etf.bg.ac.yu/ ~mirad/Archive/ FC1958.HTM (am 22.07.2004).

[118] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 2. S. 132f.

[119] Ebda. Bd. 2. S. 133f.

[120] Ebda. Bd. 2. S. 98.

[121] Ebda. Bd. 2. S. 99.

[122] Dies widerspricht der oben erwähnten Meldung der „Presse“, nach der schon im Juni 1956 die Idee dieses Bewerbes aufgekommen sei. (Europabewerb auch für die Cupsieger. In: Die Presse vom 13.06.1956).

[123] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 2. S. 93.

[124] UEFA. In: http://de.cocacola.euro2004.com/asp/microsites/CocaCola/page.asp?page=UEFAHistory (am 29.07.2004).

[125] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 54.

[126] Ebda.

[127] Ebda. Bd. 1. S. 37.

[128] Ebda. Bd. 1. S. 58.

[129] Ebda. Bd. 1. S. 50.

[130] Ebda. Bd. 2. S. 38.

[131] Ebda. Bd. 1. S. 115, sowie Adrian Harte, Der Henri Delaunay-Pokal. In: http://de.euro2004.com/ Features/Kind=64/newsId=156678.html (am 14.04.2004).

[132] Ebda. Bd. 2. S. 50.

[133] Ebda. Bd. 1. S. 115.

[134] Ebda. Bd. 1. S. 114.

[135] Harte, Henri Delaunay-Pokal. Genau dasselbe besagt das UEFA-Jubiläumsbuch (UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 114).

[136] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 2. S. 50.

[137] Ebda. Bd. 1. S. 50.

[138] Ebda. Bd. 1. S. 117.

[139] Ebda. Bd. 2. S. 38.

[140] Ebda. Bd. 1. S. 50.

[141] Fußball-Europameisterschaft in Portugal. (= Sonderheft des Kicker zur EM 2004). In: http://www.olympia-verlag.de/data/EM04-Info.pdf (am 14.04.2004).

[142] 1960 European Championship Qualifying. In: http://www.rdasilva.demon.co.uk/ football/ec/ecq1960.html (am 13.04.2004).

[143] Fußball-Europameisterschaft in Portugal. (= Sonderheft des Kicker zur EM 2004). In: http://www.olympia-verlag.de/data/EM04-Info.pdf (am 14.04.2004).

[144] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 47.

[145] Ebda. Bd. 2. S. 40f.

[146] Ebda. Bd. 2. S. 41.

[147] EM-Rückblick. In: ORF-Teletext vom 09.06.2004. S. 271/1.

[148] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 17. Der Bau der Mauer begann am 13. August 1961 und zog sich etwa über ein Jahr, also bis August 1962 [Die Mauer wird gebaut (1961 – 62). In: http://www.die-berliner-mauer.de/ 61.html (am 29.07.2004)]. Man sagt auch, die Berliner Mauer wurde am 13. August 1961 gebaut.

[149] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 2. S. 42.

[150] EM-Rückblick. In: ORF-Teletext vom 09.06.2004. S. 271/1.

[151] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 66.

[152] Ebda. Bd. 1. S. 14.

[153] Ebda.

[154] Toumadjanov, Story of 1960 Nations Cup.

[155] Ebda.

[156] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 16.

[157] Ebda. Bd. 1. S. 55.

[158] Ebda. Bd. 1. S. 16.

[159] Ebda.

[160] Ebda.

[161] Ebda.

[162] Ebda. Bd. 1. S. 16 und 18.

[163] UEFA-Europameisterschaft. In: http://de.euro2004.com/history/Kind=2/newsId=146296.html (am 22.07.2004).

[164] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 18.

[165] Ebda.

[166] Ebda.

[167] Ebda. Bd. 1. S. 55.

[168] Ebda. Bd. 1. S. 18.

[169] Günther Furrer, 100 Jahre FIFA. (= Serie, Teil III). In: Neue Zürcher Zeitung vom 22./23.05.2004. S. 42.

[170] Vor dem Fußball-Weltmeisterschaftsturnier. 50 Jahre Internationaler Fußballverband. In: Neue Zürcher Zeitung vom 15.06.1954.

[171] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 136.

[172] 50 Jahre UEFA. Gratulation zum Jubiläum. In: Neue Zürcher Zeitung vom 15.06.2004. S. 40.

[173] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 136.

[174] 50 Jahre UEFA. Gratulation zum Jubiläum. In: Neue Zürcher Zeitung vom 15.06.2004. S. 40.

[175] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 52.

[176] Ebda.

[177] 50 Jahre UEFA. Gratulation zum Jubiläum. In: Neue Zürcher Zeitung vom 15.06.2004. S. 40.

[178] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 52.

[179] Ebda.

[180] Ebda. Bd. 1. S. 117.

[181] Ebda. Bd. 1. S. 52.

[182] Ebda. Bd. 1. S. 136.

[183] Ebda. Bd. 1. S. 53.

[184] Ebda. Bd. 1. S. 136.

[185] Ebda. Bd. 1. S. 53.

[186] 50 Jahre UEFA. Gratulation zum Jubiläum. In: Neue Zürcher Zeitung vom 15.06.2004. S. 40.

[187] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 136f.

[188] 50 Jahre UEFA. Gratulation zum Jubiläum. In: Neue Zürcher Zeitung vom 15.06.2004. S. 40.

[189] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 140.

[190] Sugden / Tomlinson, FIFA and the contest. S. 6.

[191] UEFA-Jubiläumsbücher im Angebot. In: http://de.uefa.com/uefa/Jubilee/News/kind=134217728/ newsId=208961.html (am 22.07.2004).

[192] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 42.

[193] UEFA-Jubiläumsbücher im Angebot. In: http://de.uefa.com/uefa/Jubilee/News/kind=134217728/ newsId=208961.html (am 22.07.2004) sowie UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 141.

[194] Siehe Tabelle 2 im Anhang.

[195] Die Recherche zur Frage, ob es von Anfang an geplant war, die Sowjetunion in die UEFA aufzunehmen, geht über den Umfang dieser Arbeit hinaus und kann daher nicht behandelt werden. Wohl kann festgestellt werden, dass sich ihre zentralen Städte wie Moskau, St. Petersburg etc. natürlich allesamt auf europäischem Boden befinden.

[196] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 148.

[197] Siehe Tabelle 2 im Anhang.

[198] Statuten der UEFA (Ausgabe 2004). In: http://de.uefa.com/newsfiles/64675.pdf (am 29.07.2004). Art. 5. S. 8.

[199] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 183. 1994 wurde Kasachstan auch ein FIFA-Mitglied.

[200] Ein Traum wird wahr. In: http://de.uefa.com/uefa/Jubilee/associationweeks/association=65146/ newsId=185648.html (am 16.07.2004).

[201] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 14.

[202] Ein Traum wird wahr. In: http://de.uefa.com/uefa/Jubilee/associationweeks/association=65146/ newsId=185648.html (am 16.07.2004).

[203] Ebda.

[204] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 183.

[205] Kasachstans Wiedergeburt. In: http://de.uefa.com/uefa/Jubilee/associationweeks/association=65146/ newsId=185632.html (am 16.07.2004).

[206] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 178.

[207] Israel auf dem Vormarsch. In: http://de.uefa.com/uefa/Jubilee/AssociationWeeks/Association=65/ newsid=182190.html (am 28.06.2004).

[208] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 14.

[209] Ebda. Bd. 1. S. 179.

[210] Israel auf dem Vormarsch. In: http://de.uefa.com/uefa/Jubilee/AssociationWeeks/Association=65/ newsid=182190.html (am 28.06.2004).

[211] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 61.

[212] Ebda.

[213] Siehe Kapitel 6.2.

[214] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 61.

[215] Ebda. Bd. 1. S. 347.

[216] Ebda.

[217] Ebda. Bd. 1. S. 62-64.

[218] Ebda. Bd. 1. S. 63f.

[219] Ebda. Bd. 1. S. 64.

[220] Ebda. Bd. 1. S. 379.

[221] Ebda. Bd. 1. S. 64f.

[222] Ebda. Bd. 1. S. 51.

[223] Ebda.

[224] Ebda.

[225] Ebda. Bd. 1. S. 378.

[226] Ebda. Siehe auch Kapitel 3.1.

[227] Ebda. Siehe auch Tabelle 1 im Anhang.

[228] Ebda.

[229] Ebda. Bd. 1. S. 379.

[230] Ebda.

[231] Ebda. Bd. 1. S. 54f.

[232] Ebda. Bd. 1. S. 379.

[233] Ebda. Bd. 1. S. 380.

[234] Ebda. Bd. 1. S. 332.

[235] Ebda. Bd. 1. S. 331.

[236] Auf diese ersten Fälle kann hier nicht genauer eingegangen werden.

[237] UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 331.

[238] Ebda. Bd. 1. S. 332.

[239] Ebda. Bd. 1. S. 334-336.

[240] Ebda. Bd. 1. S. 381.

[241] Ebda. Bd. 1. S. 141.

[242] Das zu dieser Zeit noch unabhängige Saarland hat man hier stillschweigend weggelassen. Erst am 1. Jänner 1957 wurde es wieder in die Bundesrepublik Deutschland eingegliedert. (Schöllgen, Geschichte der Weltpolitik. S. 99).

[243] Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 ging der Fußballverband der DDR (DFV) in jenen der BRD (DFB) über. (UEFA, 50 Jahre UEFA. Bd. 1. S. 141).

[244] Der ehemals gesamt-jugoslawische Verband existierte weiter als Rest-Jugoslawien. Heute trägt er den angepassten Namen seines Landes: Serbien und Montenegro.

[245] Nicht Erwähnung findet hier Russland, das nach der Aufsplitterung der UdSSR stillschweigend die Tradition des sowjetischen Verbandes fortführte.

[246] Ebenfalls wird Tschechien nicht erwähnt, das die Tradition des ehemals tschechoslowakischen Verbandes übernahm.

39 von 39 Seiten

Details

Titel
Europabewusstsein im FUSSBALL - ein Produkt der Politik der 50er Jahre?
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Veranstaltung
Proseminar
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
39
Katalognummer
V109424
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fußball: Gründung der UEFA (1955) und Europacupbewerbe auch auf www.stud.uni-graz.at/~03hoedlh/europabewusstsein.html
Schlagworte
Europabewusstsein, FUSSBALL, Produkt, Politik, Jahre, Proseminar
Arbeit zitieren
Helmut Hödl (Autor), 2004, Europabewusstsein im FUSSBALL - ein Produkt der Politik der 50er Jahre?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109424

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