Karl Liebknecht und Genossen - Die 'Ausrottung der Armenier' während des Ersten Weltkrieges und die deutsche politische Linke


Scientific Essay, 2006
64 Pages

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Inhaltsverzeichnis

Übersicht

1. Rahmenkonzept;

2. „Ausrottung der türkischen Armenier“;

3. Zensur(buch);

4.Verborgene Fäden´;

5. „Kleine Anfragen“;

6. Das Verbrechen des Schweigens;

7.Gegen den Strom;

8.Über die „armenische Frage“:
8.8.1. Hinweise von Marx und Engels;
8.2. Rosa Luxemburg über die deutsche „Orientpolitik";
8.3. Aktuelle Völkermorddokumentationen;
9. Völkermord[en] als totalitäre Vernichtungspolitik;

10. Ausblick;

11. Anmerkungen;

12. Literatur;

13. Summary;

14. Autor

Rahmenkonzept

In ihrer „Sittengeschichte des Ersten Weltkrieges“ nannten Magnus Hirschfeld und Andreas Gaspar 1929 die „Ausrottung der armenischen Bevölkerung in der Türkei“ das „fraglos größte Verbrechen des Erstens Weltkriegs“ (zit. Albrecht 1989, 79). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Erkenntnis zunächst überschattet, sodann verdeckt und schließlich verdrängt von dem, was auch Hannah Arendt 1962 nur noch höchst vage und unscharf als „armenische Pogrome von 1915“ erinnerte; zugleich aber angesichts der auch von dieser gebildeten und engagierten politischen Wissenschaftlerin (vgl. Albrecht 2005: Politische Philosophie) behaupteter „Beispiellosigkeit“ der Verbrechen „gegen die Menschheit, verübt am jüdischen Volk“ (Arendt 1986: Eichmann, 314-318), nicht weiter behandelt.

Inzwischen herbstet es auch in Deutschland, 2005. Und nun zeigt sich zunehmend, daß nicht der Holocaust (auch Shoa) genannte Völkermord an europäischen Juden während des Zweiten, sondern eher der Armenozid genannte Genozid an osmanischen Armeniern während des Ersten Weltkriegs[1] der „Prototyp“ staatlich geplanter und organisierter genozidaler oder Völkermordhandlungen war - eine Erkenntnis, die der US-amerikanische Sozialwissenschaftler Louis I[rving] Horowitz zuerst formulierte (Horowitz 1980; vgl. Dadrian 1988; Albrecht 1989). Insofern könnte sich auch weiter erweisen, daß, was als behauptete „Singularität“ oder Einzigartigkeit des Holocaust erscheint, tatsächlich nichts Anderes ist als die Fortsetzung des deutschen Sonderwegs auch in der Genozid- oder Völkermordpolitik(forschung) (ähnlich Brumlik 2004; beide Sustantiva: Völkermord und Genozid, werden hier synonym, also bedeutungsgleich, benützt). Darauf deuten jedenfalls, zu Ende gedacht, auch neuere wissenschaftliche Studien und Publikationen etwa von Dadrian (2005: Armenien; 2005: Einleitung), Gust ([Hrg.] 2005; 2005: Partner...) und Albrecht (2005: Armenozid) hin.

„Ausrottung der türkischen Armenier“

Der folgende Beitrag bleibt zunächst unterhalb dieser -demnächst um einen neuen Autorentext zum Genozid-Armenozid-Serbozid-Komplex als GAS-Trilogie zu erweiternden - komparatistischen Ebene zu genannten drei historischen Völkermorden oder Genoziden im vergangenen Jahrhundert (Albrecht 2004; 2005; 2006). Er nimmt in Form einer speziellen wissenschaftlichen Fallstudie oder eines Forschungsberichts Hinweise eines früheren Beitrags (Albrecht 2004, 75-78) zur Kritik an Politik-, Rechts- und Sprachgeschichte am Beispiel der bis heute im Deutschen gebräuchlichen Schlüsselmetapher vom „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ - dieser Jahrhundertuntertreibung (Arendt 1986: Eichmann, 324) - wieder auf: Ging es dort um von der reichskaiserlich-bürokratischen Zensur 1914 (wenn nicht veranlaßte, so doch) begünstigte Sprachmanipulationen durch bewußte und doppelte Falschübersetzungen, so daß „ces nouveaux crimes contre l´ humanité“ (et civilisation) auf „dieses neue Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ heruntergespielt wurde - so geht es hier und vor jeder Verallgemeinerung zunächst um einen ebenfalls bis heute vernachlässigten Einzelaspekt deutscher Politikgeschichte während des Ersten Weltkriegs: Es geht um den Kampf deutscher politischer Linker unter den Bedingungen wilhelminisch-bürokratischer Zensur u n d militärdiktatorischer Unterdrückung (oder Repression). Um so wichtiger, daß zuletzt auch im Sachbuch „Türkei, Deutschland und der Völkermord an den Armeniern“ an ein wichtiges Ereignis dieses Kampfes erinnert wird (Hosfeld 2005, 256/257):

„Am 11. Januar wird ein Gespräch, das Karl Liebknecht mit Lepsius führte, Anlaß zu einer Anfrage des sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstag. Es ist ein solitärer Vorstoß, der im Parlament kaum Resonanz findet: „Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt“ - so Liebknecht -, „daß Professor Lepsius geradezu von einer Ausrottung der türkischen Armenier gesprochen...“ Hier wird der Vortrag durch die Glocke des Präsidenten mitten im Satz unterbrochen. Es kommt zu tumultartigen Szenen, der Redner versucht vergeblich weiterzusprechen. Rufe „Ruhe ! Ruhe !„ werden laut. Der Präsident des Reichstags: „Herr Abgeordneter, das ist eine neue Anfrage, die ich nicht zulassen kann !“

Zensur(buch)

Wie allgemein bekannt, waren das Deutsche und das Osmanische Reich während des Ersten Weltkriegs „Bundesgenossen“ - in der deutschen Kriegspropaganda meist „Waffenbrüder“ genannt. Wie weiter bekannt, gab es im Deutschen Reich während des Erstens Weltkriegs offizielle (Vor-) Zensur mit „amtlichem Zensurbuch für die deutsche Presse“ (Mühsam 1918, 27-59; Fischer [Hrg., 1973], 194-275; v. Gerlach 1926; Vierbüchel 1930). Dies läßt in der Tat auch auf einen inneren „Belagerungszustand“ schließen (Illustrierte Geschichte 1930, 105-109); oder, so Emil Lederer als kundig- zeitgenössischer sozialwissenschaftlicher Beobachter: Der Krieg suspendierte, was heute Zivilgesellschaft (societá civile) genannt wird und was zeitgenössisch die "Gesellschaft im Staat" hieß, und organisierte sie in militaristischer Weise neu als - vermeintliche - „Schicksalsgemeinschaft" nach dem Modell des Heeres (Lederer 1915).

Weniger bekannt, daß - wie die "Ausrottung" armenischer Arbeiter seit Anfang 1914, Monate vor Kriegeintritt der Türkei (im November 1914) - die (Vor-) Zensur im Deutschen Reich schon vor formellem Kriegseintritt im Zusammenhang mit dessen Vorbereitungen, nämlich am 3.6.1914 durch das „Gesetz gegen den Verrat militärischer Geheimnisse“ und am 31.7.1914 durch die reichskanzlerische Verordnung zu "Veröffentlichungen über Truppen- und Schiffsbewegungen und Verteidigungsmittel“ begann und damit begründet wurde, „auf der ganze Linie von Indien und Zentralasien bis Ägypten und Marroko den ´heiligen Krieg´ zu entflammen“ (Jastrow 1914, zit. 50, 52, 14; Schwanitz 2003; 2004; 2004: Berliner „Djihadisierung“ als Zusammenfassung seiner Forschungsergebnisse).

Im offiziellen „amtlichen Zensurbuch“ gab es später, die „armenische Frage“ betreffend, im Herbst/Winter 1915 z w e i zentrale Hinweise; erstens am 7.10.1915 zu Armenien mit der Anweisung: „Veröffentlichungen über die armenische Frage unterliegen der Vorzensur“:

„Über die Armeniergreuel ist folgendes zu sagen: Unsere freundschaftlichen Beziehungen zur Türkei dürfen durch diese innertürkische Verwaltungsangelegenheit nicht nur nicht gefährdet, sondern im gegenwärtigen, schwierigen Augenblick nicht einmal geprüft werden. Deshalb ist es einstweilig Pflicht zu schweigen. Später, wenn direkte Angriffe des Auslandes wegen deutscher Mitschuld erfolgen sollten, muß man die Sache mit größter Versicht und Zurückhaltung behandeln und später vorgeben, daß die Türken schwer von den Armeniern gereizt wurden.“

Zweitens am 23. 12. 1915 zur Türkei, wobei hier der besondere Sprachduktus vom vagen „irgendwie“ bis zum konditionalen „könnte“ auffällt:

„Über die armenische Frage wird am besten geschwiegen. Besonders löblich ist das Verhalten der türkischen Machthaben in dieser Frage nicht ! [...] Alle Ausführungen, die das Ansehen unserer türkischen Bundesgenossen irgendwie herabsetzen könnten, müssen vermieden werden [...] Aufsätze über die armenische Frage unterliegen der Vorzensur“ (Fischer [Hrg.] 1973, 99; 266; Mühsam 1918, 78; Vierbücher 1930, 78)

Aus diesen Zensurdirektiven ergibt sich die Verlogenheit von Äußerungen über angeblich "unzuverlässige, blutrünstige, gewalttätige armenische Elemente" (Kapitänleutnant Ernst zu Rewentlow, Oktober 1915), gegen die der (jung)türkische Staat a l l e Unterdrückungsmaßnahmen anwenden dürfe.

´Verborgene Fäden´

Daß namentlich der deutsche Reichstagsabgeordnete Karl Liebknecht (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Liebknecht) als ehemaliger Sozialdemokrat und späterer Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands (K.P.D.) sowohl Zentralobjekt von Zensurmaßnahmen als auch als selbstbewußter Akteur bemüht war, diese zu umgehen, ist so einsichtig wie öffentlich angedeutet (Mühsam 1918; Fischer [Hrg.] 1973), jedoch im Détail noch unaufgeklärt.

Dieser gewiß nötige, freilich als Versuch, ´verborgene Fäden´ aus der Halb- und Illegalität klandestinen politischen Handelns im Untergrund sichtbar zu machen, müßte auch heute noch durchaus möglich sein (vgl. Albrecht 1987) - ist allerdings nur höchst arbeitsaufwändig zu leisten (Albrecht 1987, bes. 190-229 [und] 305-324 [Anmerkungen]) und mithin von staatlich alimentierten karrierebewußten Jungwissenschaftler(innen) im so gegen- wie widerwärtigen Deutschland nicht zu erwarten und hier nur am Beispiel der von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg (http://de.wikipedia.org/Rosa_Luxemburg) verkörperten politischen Linken und ihrer Verbindungen zu Johannes Lepsius (http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Lepsius) einerseits und zu anderen ´Zimmerwalder Linken´ in die damals neutrale Schweiz andererseits als doppelter Zusammenhang angesprochen. Und auch Johannes Lepsius´, dessen Kernaussage „von einer Ausrottung der türkischen Armenier“ Karl Liebknecht in seiner Reichstagsanfrage vom 11. Januar 1916 zitierte, mutige Aufklärungsaktivitäten unter den Bedingungen von Zensur und Repression sind bisher noch nicht umfassend dokumentiert: So erinnerte Lepsius („Orient Zeitschrift „Orient“ (1. 1919, 31), an (s)einen Vortrag vor der reichshauptstädtischen „Pressevereinigung“ in Berlin Anfang Oktober 1915 ...

„Kleine Anfragen“

Karl Liebknechts zitierte Reichstagsanfrage vom 11. Jänner 1916 (Verhandlungen des Reichstags, XIII/II, Band 306 [Berlin 1916], 512-513; Auszug bei Gust [Hrg.] 2005, 422-423) leitete eine Reihe strategischer „kleiner Anfragen“ dieses einzelnen, später fraktionslosen, noch später als „Armierungssoldat“ zwangsrekrutierten und zuletzt ins Zuchthaus verbrachten Dr.iur. Karl Liebknecht, MdR, ein. Dabei benützte Karl Liebknecht das durch Änderung der Geschäftsordnung im Deutschen Reichestag ab Mai 1912 geschaffene Institut der „Kleinen Anfrage“ eines einzelnen Reichstagsmitglieds, kurzfristig von der Reichsregierung Auskünfte zu erhalten (ohne daß über eine sogenannte „Interpellation“ dazu dreißig MdR´s mitunterschreiben mußten) sowohl in Umgehung der Zensur durchs fragende Ansprechen von Tabuiertem wie hier der „Armenierausrottung“ das Parlament als „Tribüne“ als auch jeweils weiter nachzufragen - und dies schließlich in teils provokatorisch-regelverletzender, teils humoristisch, teils sarkastischer Form, so daß er, bevor ihm sodann das Abgeordnetenwort reichstagspräsidentisch entzogen wurde, auch noch Lacher hervorrief...

Diese Handlungsstrategie hat Karl Liebknecht selbst später am Beispiel seiner zitierten Anfrage vom 11. 1. 1916 so gekennzeichnet:

„Die türkische Regierung hat ein furchtbares Gemetzel unter den Armeniern angerichtet; alle Welt weiß davon - und in aller Welt macht man Deutschland dafür verantwortlich, weil in Konstantinopel die deutschen Offiziere die Regierung kommandieren. Nur in Deutschland weiß man nichts, weil die Presse geknebelt ist. Auf diese Schandtaten hinzuweisen, war ein Verdienst.“

Karl Liebknechts Genossin Dr. Rosa Luxemburg, selbst damals inhaftiert und gleichwohl schriftstellerisch engagiert und publizistisch (nicht nur) in den „Spartakusbriefen“ aktiv, bezeichnete in einem illegalen Flugblatt („Wofür kämpfte Liebknecht ?“ [Oktober 1916]; in: Werke Band 4, 219-225) den Deutschen Reichstag als Tribüne und „Posten, von dem aus er [Liebknecht] an die Massen des Proletariats appellierte, sie an die Pflicht der internationalen Solidarität mahnte, sie zum Kampf gegen Völkermord, gegen den Imperialismus aufrüttelte.“

Weitere „Kleine Anfragen“ Karl Liebknechts, die sich auf „den kranken Mann am Bosporus“, wie das Osmanische Reich zeitgenössisch auch genannt wurde, beziehen, finden sich sowohl in den Reichstagsprotokollen (XIII. Legislaturperiode) als auch in den illegalen „Spartakus-Briefen“, etwa darauf, daß die deutsche Diplomatie „die Türkei in den Krieg gehetzt“ hätte (Nr. 3/Dezember 1916, 278). Dort ist auch Liebknechts Reichstagsrede vom 7. April 1916 referiert mit der Enthüllung, daß in deutschen Kriegsgefangenenlagern „die mohammedanischen Kriegsgefangenen systematisch zum Kriegsdienst gegen den Staat, dem sie angehören, gepreßt und eingefangen“ werden. (Nr. 7/November 1917, 395).

Freilich finden sich in den Reichtagsprotokollen keineswegs alle Proteste Karl Liebknechts gegen den imperialistischen Krieg und die deutschen Kriegsziele. Liebknechts Protest im Zusammenhang mit seiner Nichtbewilligung der Kriegskredite im Deutschen Reichstag – handschriftlich am 3. Dezember 1914 eingereicht und gleichentags eingangsbestätigt – wurde reichstagspräsidentisch-handschriftlich am 4. 12. 1914 „mündlich abgelehnt“ und erschien damit im offiziellen Reichstagsprotokollband nicht. Dies ist eine bis heute in Deutschland gängige amtlich-parlamentarische „Protokoll“praxis, die sich an die des britischen Unterhauses anlehnt und auf die bereits der ´frühe´ Friedrich Engels in seinen Beiträgen „Die englische Konstitution“ 1844 hingewiesen und betont hatte, daß im House of Commons „nie ein authentischer Abdruck der Protokolle“ durchgesetzt werden konnte (MEW 1, 569-592, zitiert 579). Der ´späte´ Friedrich Engels führte am Beispiel eines von Lujo Brentano (1844-1931) gegen Karl Marx verbreiteten Falschzitats methodisch eindringlich vor, daß damit immer zeitnahe Zeitungsberichte als ´authentische´ Quellen für Unterhausreden anzusehen sind („In Sachen Brentano contra Marx wegen angeblicher Zitatsfälschung. Geschichtserzählung und Dokumente“: MEW 22, 93-185; sowie zusammenfassend Engels im Vorwort zur vierten Auflage von „Das Kapital“ [1890]: MEW 23, 41-46)

Das Verbrechen des Schweigens

In Rolf Hosfelds Buch und neuerlicher Gesamtschau zum „Völkermord an den Armeniern“ findet sich im Anschluß an die zitierte Erinnerung von Karl Liebknechts Reichstagsanfrage vom 11. 1. 1916 ein bedenkenswerter Hinweis, der sowohl „verborgene Fäden“ im militärzensurbestimmten Deutschland während des Ersten Weltkriegs als auch auf einen (sozial-) psychologischen Protektions- oder Schutzmechanismus zur Angst- oder Bedrohungsabwehr („selective ignorance“) anspricht und verdeutlichen mag, daß und warum das Geschehen ´hinten in der Türkei´, nämlich die „Ausrottung der türkischen Armenier“, so und zu wenig wahr- und aufgenommen wurde. Nicht nur im historischen Fall(beipiel) während des Ersten Weltkriegs 1915/18 wird deutlich, daß es bestimmter Voraussetzungen bedarf, damit Menschen, auch im Sinne ideeller Humanität und praktischer Mitmenschlichkeit, in der Lage und fähig sind, alternativ und wirksam - hier gegen übermächtig erscheinende so stabile wie repressive Machtstrukturen und Herrschaftskonfigurationen - handeln zu können. Fehlen diese wie vorliegend jedoch weitgehend, sind eher sowohl ängstliches Nichtwahrnehmung bzw. Wegschauen als auch destruktive Handlungsblockaden bzw. Aggressionsverschiebungen zu erwarten. Das totalitär verfaßte Gesellschaftssysteme kennzeichnende „Prinzip der Furcht“ mit seiner Konsequenz der „absoluten Ohnmacht“ (Hannah Arendt) führt nämlich zu jener subjektiven „Befindlichkeit der Ausgeliefertheit an eine existentielle Bedrohungssituation aufgrund erfahrener Handlungsunfähigkeit“ (Klaus Holzkamp 1983). Das nun bedeutet sozialpsychologisch auch: Dem ´von oben´ - hier konkret-historisch militärdiktatorisch durch Vorzensur - induzierten "Verbrechen des Schweigens" der Wenigen entspricht ´von unten´ jenes Nicht-Wissen-Wollen der Vielen, die weder dafür noch dagegen sind, sondern schlicht überleben (wollen). Es ist dies ein Phänomen, das noch in jeder bystander-Empirie des Wegschauens und Bloß-Nicht-Drum-Kümmern aufscheint...

Rolf Hosfeld schreibt in seinem Buch (Hosfeld 2005, 257-258; so kritisch wie zutreffend zu späteren Dokumentenpublikation von Lepsius [Hrg.] 1919 und der Neuauflage von dessen Bericht 1919: Gust 2001; Gust, Magisches Viereck; Gust [Hrg.] 2005; zusammenfassend Gust 2005: Partner im Schweigen):

"Eigentlich ist es so, dass in Deutschland kaum jemand wissen will, was im Inneren der Türkei wirklich vorgeht. Die Presse schweigt sich aus oder übernimmt unkommentiert die verzerrten Meldungen der osmanischen Nachrichtenagentur. Die Verbrechen des Kriegs, auch auf deutscher Seite, sind ohnehin kein Thema.

Doch im Sommer 1916 veröffentlicht Lepsius, der sich während der Reise nach Konstantinopel 1915 mit umfangreichen Informationen versorgt hatte, seinen Bericht »Die Lage des armenischen Volkes in der Türkei". Trotz der drohenden Militärzensur und einer diplomatischen Intervention des osmanischen Botschafters Hakki gelingt es ihm, 20 000 Exemplare davon privat verteilen zu lassen, vergehen mit dem Vermerk: »Als Handschrift gedruckt ! Streng vertraulich !« Es ist ausschließlich dieser Kraftakt zivilen Ungehorsams, der die Publikation und die Verbreitung der Schrift ermöglicht hat. Selbst Mitarbeiter von Lepsius weigern sich, teils aus Angst, teils aus Gründen nationaler Besorgnis, sich an dem Unternehmen zu beteiligen. Niemand will das Buch drucken, bis sich endlich der Berliner Reichsbote und eine Druckerei in Neubabelsberg dazu bereit erklären. Zwei Rollwagen bringen schließlich die Tausende von Paketen zur Post, adressiert an die Superintendenten der evangelischen Kirche und versehen mit der Bitte, die Broschüren an die ihnen unterstellten Pfarrer weiterzuleiten. Fünfhundert Exemplare erreichen auf anderen Wegen ausgewählte Persönlichkeiten und die Redaktionen der größeren deutschen Tageszeitungen. Am 29.7.1916 geht je ein Exemplar an Reichskanzler Bethmann-Hollweg und Botschafter Wolff-Metternich sowie an die Außenamtsmitarbeiter Jagow und Zimmermann.

Am 7. August 1916 wird die Broschüre von der Militärzensur verboten und, soweit greifbar, beschlagnahmt. Danach verlässt der evangelische Pfarrer Johannes Lepsius Deutschland und siedelt ins neutrale Holland über, wo noch während des Kriegs eine niederländische Übersetzung seines »Berichts« erscheinen kann. Sie muß allerdings ohne Namensnennung des Autors anonym publiziert werden, weil die deutsche Botschaft in Den Haag Lepsius öffentliche Aktivitäten in der armenischen Angelegenheit streng untersagt hatte. Agathon Bey [...] übersetzt den Bericht ins Französische. Schon 1916 liegt diese Übersetzung vor und kann in ausgewählten Exemplaren im damals "feindlichen Ausland" zirkulieren, bevor sie nach dem Krieg 1918 auch als Buch erscheint."

Dr. Johannes Lepsius hat dann noch am 2. 6. 1921 als Gerichtssachverständiger im Teilirian-Prozess vor dem Berliner Schwurgericht zutreffend darauf hingewiesen, daß der Istanbuler Kriegsgerichtshof (Akcam 2004²) am 5. 7. 1919 die ehemaligen jungtürkischen Ittehadisten-Führer und osmanischen Staatsfunktionäre Talaat, Enver und Djemal Bey sowie Dr.med. Mehmed Nazim als Hauptverantwortliche am Völkermordgeschehen und Urheber der ihm unterliegenden „phantastischen Idee, ein pankürkisches, panislamisches Reich zu schaffen, in dem es für Christen keinen Platz gäbe“, zum Tode verurteilte (Lepsius, in: Völkermord vor Gericht, 1921, 65-61; vgl. als Beleg für Lepsius´ These: Alp 1915)

Was im Deutschen Reich vor und während des Ersten Weltkrieges die Zensur wirksam veranstaltete, könnte auch als frühe Illustration der aktuellen These von William Blum gelesen werden: „The media´s most effective tool - silence“.

Gegen den Strom...

Karl Liebknechts mutiges persönliches Engagement und öffentliches Eintreten gegen den Völkermord an Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs war weder zufällig noch voraussetzungslos. Wer immer sich Liebknechts (erst später den Bänden VIII und IX seiner Werkausgabe veröffentlichte) Aufzeichnungen aus seinen letzten Lebensjahren - er wurde wie Rosa Luxemburg und Leo Jogiches (http:// wikipedia.org/wiki/Leo_Jogiches) am 15. Jänner 1919 in Berlin von faschistischen Militärs umgebracht (Abendroth 1979) -, also von 1916 bis 1918, genauer ansieht, wird, wenn auch nicht auf entwickeltem wissenschaftlichem Niveau[2] und aus der Kritik der Politischen Ökonomie so begründet wie etwa bei Rosa Luxemburg, einen auch theoretisch nachdenklichen Politiker entdecken, der zweierlei sicherlich nicht ist: Ein individueller „Querulant“ - so Gustav Noske (http://www.wikepdia.org/wiki/Gustav_Noske), als SPD-„Kolonialexperte“ einer seiner Gegenspieler in der Reichstagsfraktion und später einer der Auftraggeber für seine Ermordung (Gietinger 1995); und ein politischer Opportunist - wie zur gleichen Zeit der "zentristische" SPD-Ideologe Karl Kautsky (http://www.wikepdia.org/wiki/Karl_Kautsky), der sich in seinen Beiträgen 1916/17 zur „Befreiung der Nationen“ wohl gegen „jede Vergewaltigung einer Volksschicht im Staate und in der Gesellschaft“ und gegen „jede Vergewaltigung einer Religionsgemeinschaft“ (Kausky 1916/17, 200) ausspricht - aber kein Wort über die „Ausrottung der türkischen Armenier“ (Karl Liebknecht) verliert.

Liebknecht schloß vielmehr ans frühere Engagement etwa seines Genossen Dr. Eduard Bernstein (http://www.wikepdia.org/wiki/Eduard_Bernstein) vom „rechten“ sozialdemokratischen Parteiflügel an; „Ede“ Bernstein hatte bereits 1902 als erstmalig gewählter Reichtagsabgeordneter, am 27.7.1902 in Berlin, öffentlich die osmanische „Ausrottungspolitik“ angeprangert, sowohl an ein christliches Hilfsgebot („Was Ihr nicht gethan habt einem unter diesen Geringsten, das habt Ihr mir auch nicht gethan“) als auch an die „Erklärung der Menschenrechte von 1793“ erinnert und gefordert (Bernstein 2005):

„Die Mißwirtschaft der Türkei muß ein Ende nehmen, den Armeniern muß geholfen werden, das Foltersystem des Sultans [Abdul Hamid II.] muß verschwinden von der Erde !“ -

Eine entsprechende, von Bernstein geschriebene „Resolution“ wurde dann auch auf der Versammlung („mit allen gegen eine Stimme“) angenommen. Dort hieß es:

„Die Forderung von Recht und Sicherheit für Armenien ist in keiner Weise von einer Voreingenommenheit gegen die türkische Nation dictiert. Die Versammlung ist vielmehr der festen Überzeugung, daß die wahren Interessen der großen Masse des türkischen Volkes die Schaffung gerechter Zustände in Armenien erheischen, daß das türkische Volk mit den Armeniern das gleiche Interesse daran hat, der heutigen verrotteten Beamtenwirtschaft im Lande ein Ende zu machen [...].“

Auch Karl Liebknechts Gefängnisaufzeichnungen zeigen eindeutig, daß der Autor in der „Entfesselung des Ersten Weltkriegs“ Ansätze eines neuen Weltsystems sieht. Speziell die „türkische Frage“ und mit ihr Bagdadbahn, Achse Berlin-Bagdad und ein pantürkisch bestimmtes „Türkisch-Asien“ werden kritisch kommentiert, ebenso Maßnahmen türkischer und deutscher Innenpolitik - hier spricht Liebknecht am 10. 6. 1916 von der „deutschen Technik des Massenmords“ - im Zusammenhang mit dem „deutschen Orientimperialismus“ (VIII, 113; 484 ff.; 571 etc.; IX, 22, 47, 49, 65, 82, 95, 186/187, 194, 201; 273, 469, 577 etc.). Auffällig zugleich aber auch, daß Liebknecht selbst, der im Gegensatz zur Mehrheit auch seiner links-sozialdemokratischen bzw. -sozialistischen Genossen das historisch Neue am Völkermorden im Osmanischen Staat erkennt, in zwei wichtigen Texten auf jeden Hinweis zur „Ausrottung der türkischen Armenier“ verzichtet, nämlich im Aufruf zum 1. Mai 1916 und, Ende November 1918 nach seiner Freilassung aus dem Zuchthaus Luckau, im Aufruf „An die Proletarier aller Länder !“

Marx und Engels über die „armenische Frage“

In den „Blauen Bänden“ der Marx-Engels-Werke gibt es zur „armenischen Frage“ verschiedene und verstreute Bemerkungen von Karl Marx (http://de.wikepedia.org/wiki/Karl_Marx) und Friedrich Engels (http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Engels) seitdem „Armenien“ weltpolitisch“ im Zusammenhang mit dem türkisch-russischen Konflikt, der dann zum Kriegkrieg 1853-1856 führte, angesprochen wurde. Sowohl Marx als auch - und vor allem - Engels kommentierten in Beiträgen für die „New York Daily Tribune“ den aktuellen Kriegsverlauf. Dabei ging es auch um die „armenische Frage“ als Teil der Lage in der „asiatischen Türkei“ unter osmanischer Türkenherrschaft, die am 7.4.1853 so beschrieben wird: Allein Türken gehörten „der bevorrechteten Religion und Nation an“ und hätten „das Recht, Waffen zu tragen, und der höchstgestellte Christ muß dem niedrigsten Moslem den Weg freigeben, wenn er ihm begegnet.“ (MEW 9, 3-12, zit. 8) Die armenische“ Nation“ verfügt über keinen eigenen Staat, sondern siedle ums Handelszentrum Trapezunt sowohl (südlich) in der osmanischen Türkei als auch nördlich im zaristischen Rußland (MEW 9, 13-17; 22-27).

Friedrich Engels erwähnt später beiläufig im „Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates“ (1884) armenische Tempelprostituierte und in seiner Neue-Zeit-Serie (1894/95) „Zur Geschichte des Urchristentums“ eine altarmenische Ehebrecher-Sage (MEW 21, 68/69; MEW 22, 451). Engels kommt nur noch einmal öffentlich im politischen Artikel zur Außenpolitik des russischen Zarenreichs (Die Neue Zeit [1890]) auf eine Besonderheit Armeniens - und des hellenischen Kretas - zurück: Daß es nämlich wegen beider Minderheiten im Osmanischen Staat „keinen europäischen Krieg“ mehr geben werde und Rußland - fälschlich - versuche, sich als „Befreier“ Armenien darzustellen (MEW 22,13-48, zit. 41, 43)

In den zunächst unveröffentlichten Briefen von Marx und Engels aus den Jahren ab 1877 zeigen die wenigen Bemerkungen, daß beide Armenien trotz fehlenden Staats immer als eigenständiges Volk und damit als unterdrückte „Nation“ (oder nationale Minderheit) im Osmanischen Staat betrachteten (Briefwechsel Marx-Engels: MEW 34, 42, 49 [1877]; 1882: MEW 35, 92, 96). - Schließlich bekannte Friedrich Engels in seinem Altersbrief am 23.11.1894 gegenüber dem armenischen Sozialdemokraten J.N. Atabekijan (1870-1916) - Übersetzer des „Manifest der Kommunistischen Partei“ (1848) und von Engels

„Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ (1880) -, daß er die „armenische Frage“ aus „eignem Studium“ n i c h t beurteilen könne, daß es sich aber „um ein unterdrücktes Volk“ handelte, „das das Unglück hat zwischen der Skylla des türkischen und der Charybdis des russischen Despotismus eingekeilt zu sein“. Dabei sieht Engels als Voraussetzung für „die Befreiung Armeniens von Türken und von Russen“ den Sturz des russischen Zarismus (MEW 39, 327).

Rosa Luxemburg über deutsche „Orientpolitik“

Im Anschluß an ihre eigenständige Imperialismus-Analyse hat die herausragende polnisch-deutsche marxistische Theoretikerin, Publizistin und Politikerin Rosa Luxemburg (http://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Luxemburg) versucht, bereits während des Ersten Weltkriegs seine Ursachen herauszuarbeiten (und damit, hierin W. I. Lenin vergleichbar, theoretisch ´Gleichzeitigkeit´ herzustellen...).

Dabei glaubte Rosa Luxemburg, besonders in der deutschen Orientpolitik im asiatischen Teil des (nach den „Balkankriegen“ 1913 geschrumpften) Osmanischen Staates eine wichtige Ursache zum in Deutschland damals „Großen Krieg“ genannten historischen Destruktionsereignis erkannt zu haben. Denn sie sieht speziell in der deutschen Orientpolitik in der (klein-) asiatischen Türkei, daß sich das Deutsche Reich in Gegensatz zu allen anderen „imperialistischen Mächten“, besonders England, Frankreich und Rußland, der „Triple-Entente“, setzt. Rosa Luxemburg begründete ihre (später vor allem von Wolfgang Fritz [George W. F.; G.W.F.] Hallgarten dokumentarisch verdichtete) politikwissenschaftliche These der deutschen Orientpolitik als Ursachenmoment des Ersten Weltkriegs interessenstrukturell sowohl mit allgemeinen Hinweisen zum ´verspäteten Imperialismus´ dieser „verspäteten Nation“ (Hellmuth Plessner) als auch mit der Bewertung der Türkei bzw. des zerfallenden Osmanischen Herrschaftssystems seit der Berliner Konferenz (1878) als „wichtigstem Operationsfeld des deutschen Imperialismus“ durch entscheidende ökonomisch-politische Akteursgruppen. Rosa Luxemburgs allgemeine These zum Kriegsursachenfeld wurde später von G.F.W. Hallgarten, der in der „Zertrümmerung der Türkei in ihren letzten Auswirkungen“ eine Kriegsursache sah, anerkannt. (Hallgarten 1935, 258; Anhang: 340-344: Deutsche Rüstungsgeschäfte am Goldenen Horn; Hallgarten 1963; vgl. auch Fischer 1961, besonders 140 ff. [zum „Heiligen Krieg“]; 780 ff. [zum Erdöl]; Trumpener 1968; im Vergleich zur von Rosa Luxemburg vorgetragenen imperialistischen Interessensstrukturanalyse des Ersten Weltkriegs ist das zuletzt 2004 von Wolfgang J. Mommsen veröffentlichte Buch "Der Erste Weltkrieg. Anfang vom Ende des bürgerlichen Zeitalters" [Mommsen 2004] so quellenignorant wie politapologetisch: Albrecht [2005: Armenozid]).

In ihrer "Junius"-Broschüre, in der sie sich zur Bewertung der imperialistischen "Orientpolitik" des Deutschen Reiches im 20. Jahrhundert mehrfach auf Veröffentlichungen von Paul Rohrbach bezieht, kennzeichnet Rosa Luxemburg das "Aufkommen des Imperialismus" zunächst zeitdimensional:

"In Deutschland kann das Aufkommen des Imperialismus, das auf die kürzeste Zeitspanne zusammengedrängt ist, in Reinkultur beobachtet werden. Der beispiellose Aufschwung der Großindustrie und des Handels seit der Reichsgründung [1871] hat hier in den achtziger Jahren zwei charakteristische eigenartige Formen der Kapitalakkumulation hervorgebracht: die stärkste Kartellentwicklung Europas und die größte Ausbildung sowie Konzentration des Bankwesens in der ganzen Welt [...] So konnte man voraussehen, daß dieser kraftstrotzende, von keinerlei Hemmungen beschwerte Imperialismus, der auf die Weltbühne mit ungeheuren Appetiten trat, als die Welt bereits so gut wie verteilt war, sehr rasch zum unberechenbaren Faktor der allgemeinen Beunruhigung werden mußte." (Luxemburg 1969, 262/263)

Speziell zu deutsch-imperialen Interessen in der asiatischen Türkei wird weiter ausgeführt (Luxemburg 1969, 268-278): Das Grundinteresse sei der Erhalt des Osmanischen Reichs sowohl unter alttürkischer Herrschaft (Adbul Hamid II.) als auch unter den jungtürkischen Machthabern; es ginge ums Zusammenhalten dieses "morschen, zerfallenen Haufen von Trümmern" dieses orientalischen Despotismus der Türken als "kleiner Minderheit" einer "regierenden Erobererkaste" mit ihren vielfältigen "nationalen Fragen, welche den türkischen Staat zersprengten: der armenischen, kurdischen, syrischen, arabischen, griechischen". Über seine Interessen an der "asiatischen Türkei" hielte das Deutsche Reich diese "morsche Baracke" [Türkei] am Leben und sorgte besonders für ihre innere Militarisierung durch Militärhilfe und Militärberater: "Der türkische Militarismus [als] Dependenz des preußisch-deutschen Militarismus" - die "türkische Regierung [als] gehorsames Werkzeug [und] Vasall der deutschen auswärtigen Politik."

In diesem Zusammenhang betont Rosa Luxemburg, die sich schon 1896/97 mit der „nationalen Frage“ und der deutschen „Orientpolitik“ beschäftigte, in ihrer „Junius“-Broschüre zur Sprengkraft nationaler Minderheiten wie der armenischen und griechischen für die türkische Herrschaft im Osmanischen Staat (zitiert nach Luxemburg 1969, 273/274):

„Daß bei der Vielfältigkeit der nationalen Fragen, welche den türkischen Staat zersprengen: der armenischen, kurdischen, syrischen, arabischen, griechischen (bis vor kurzem noch der albanischen und mazedonischen), bei der Mannigfaltigkeit der ökonomisch-sozialen Probleme in den verschiedenen Teilen des Reiches, bei dem Aufkommen eines kräftigen und lebensfähigen Kapitalismus in den benachbarten jungen Balkanstaaten, vor allem bei der langjährigen zersetzenden Wirtschaft des internationalen Kapitals und der internationalen Diplomatie in der Türkei, daß bei alledem eine wirkliche Regeneration des türkischen Staates ein völlig aussichtsloses Beginnen ist und alle Versuche, den morschen, zerfallenden Haufen von Trümmern zusammenzuhalten, auf ein reaktionäres Unternehmen hinauslaufen, war für jedermann und namentlich für die deutsche Sozialdemokratie seit langem ganz klar. Schon aus Anlaß des großen kretischen Aufstandes im Jahre 1896 hatte in der deutschen Parteipresse eine gründliche Erörterung des Orientproblems stattgefunden, welche zur Revision des einst von Marx vertretenen Standpunkts aus der Zeit des Krimkrieges und zur definitiven Verwerfung der »Integrität der Türkei« als eines Erbstücks der europäischen Reaktion führte. Und nirgends war das jungtürkische Regime in seiner inneren sozialen Unfruchtbarkeit und seinem konterrevolutionären Charakter so rasch und genau erkannt, wie in der deutschen sozialdemokratischen Presse. Es war auch eine echt preußische Idee, daß es lediglich strategischer Eisenbahnen zur raschen Mobilisation und schneidiger Militärinstrukteure bedürfe, um eine so morsche Baracke wie den türkischen Staat lebensfähig zu machen.“

Die Türkei wurde ab 1883 mit der Zulassung deutschen Kapitals in die Türkei "wichtigstes Operationsfeld des deutschen Imperialismus" (Luxemburg, 268-277): 1899 ging die Konzession zum Eisenbahnbau an die Deutsche Bank, die 1901 auch die Konzession für die militärstrategisch bedeutsame Bagdadbahn erhielt. Das war der "Ruin des kleinasiatischen Bauerntums" durch Aussaugung über Steuerzehnten- und Pachtsystem: die kleinasiatische Agrarökonomie wurde "Objekt eines wohlorganisierten Aussaugungsprozesses zu Nutzen und Frommen des europäischen, in diesem Falle vor allem des deutschen Bank- und Industriekapitals". Und der "Saugapparat, die türkische Regierung [wird] zum gehorsamen Werkzeug, zum Vasallen der deutschen auswärtigen Politik." Daher läge die "Stärkung der türkischen Staatsmacht" zur Verhinderung ihres Zerfalls im politischen Interessen des deutschen Imperialismus.

Die (jung-) türkische Machtübernahme 1908 habe an dieser Interessens- und Machtkonstellation nichts geändert -auch wenn die Absetzung Abdul Hamid II. zunächst als "Bankrott der deutschen Orientpolitik" erschien. Die neuen jungtürkischen Machthaber kehrten nämlich als "Konterrevolutionäre" bald schon "zu den altväterischen Herrschaftsmethoden Abdul Hamids, das heißt zu dem periodisch organisierten Blutbad zwischen den aufeinandergehetzten unterjochten Völkern und zur schrankenlosen orientalischen Auspressung des Bauerntums als zu den zwei Grundpfeilern des Staates zurück" (Luxemburg 1969, 273; vgl. auch Carthill 1924, 89-94: „Massenmord [als] Teil des orientalischen Regierungsmechanismus“; Arendt 1986: Elemente, 233, 296/297, 308/309, 349). Dem entspräche auch der Staatsstreich zur "Aufhebung der Verfassung" 1912 als "formelle Rückkehr zum Regiment Abdul Hamids" (Luxemburg 1969, 275/76)

Die - historisch gesehen - nachzüglerische industrie- und finanzkapitalistische Durchdringung oder Penetration der asiatischen Türkei vor allem durch die Deutsche Bank und die im Zusammenhang mit der Bagdadbahn und Mesopotamien und Anatolien verwirklichten Kapitalprofite bedeutete nicht nur die "Stärkung des türkischen Militarismus unter deutschem Einfluß", sondern verstärkte zugleich den Interessengegensatz namentlich zu England (dem Vereinigten Königreich) - und ließ manche deutsche Kolonialideologen -wie Paul Rohrbach- schon von der militärstrategisch erwünschten türkischen Eroberung Ägyptens träumen... (Luxemburg 1969, 267/277).

Greifbares Resultat hingegen war die Entfesselung des Ersten Weltkriegs, als dessen wichtiges Ursachenmoment Rosa Luxemburg, wie zitiert, auch die deutsche "Orientpolitik" von 1888 bis 1914 wertet.

Aktuelle Völkermorddokumentationen

In den letztbeiden Jahren erschienen in Deutschland zwei wichtige Dokumentationen zum Völkermord an Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs: Erstens eine Neuauflage der Studie zu den Istanbuler Nachkriegsprozessen 1919 und zweitens eine Neuedition zum Völkermord an den Armeniern 1915/16.

Im Zusammenhang mit den Istanbuler Prozessen nach Beendigung des ersten Weltkriegs bestätigte das Istanbuler Militärgericht 1919, daß die Vernichtung der Armenier systematisch „von einer vereinigten zentralen Kraft organisiert" worden war, nämlich vom Ittihad-Zentralkomitee der jungtürkischen politischen Partei, von Innenminister Talaat Pascha und Kriegsminister Enver Pascha sowie, als Organisatoren, Dr. Mehmed Nazim vom jungtürkischen zentralen Kommitte für Einheit und Fortschritt und Dr. Bahaeddin Sakir, den Leiter der „Teskilat-i Mahsusa“ genannten ´Spezialorganisationen´. Das Istanbuler Gericht verurteilte siebzehn Angeklagte zum Tode, darunter Talaat (der im März 1921 in Berlin von einem armenischen Studenten in Form eines Attentats ermordet wurde). Weil die führenden Jungtürken geflohen waren, gab nur drei Hinrichtungen. Die genozidalen Abläufe auf Basis der regierungsamtlichen „Verfügung gegen Personen, die in Kriegszeiten der Regierung zuwiderhandeln“ vom 28. Mai 1915 hat das Istanbuler Kriegsgericht präzise beschrieben (Akcam 2004, 178):

"Durch die Kolonnenwächter, die sie aus einer Reihe von moralisch niederträchtigen Personen, Wiederholungstätern sowie Angehörigen der Gendarmerie [...] zusammengestellt hatten, liessen sie die Armenier, die der Verteidigungsmöglichkeiten beraubt waren, zwecks Umsiedlung in Bewegung setzen. Als sie sich aus der Stadt entfernt hatten, liessen sie an Plätzen, die [...] vor Blicken ziemlich geschützt waren, die Männer und Frauen voneinander trennen. Nachdem daraufhin ihre Sachen durch Räuberbanden geplündert worden waren [...] liessen sie die Männer durch verschiedene Grausamkeiten ermorden und vernichten. Die hilflosen Frauen brachte man an andere Plätze, wo man auch ihnen den Schmuck und das Bargeld und den meisten von ihnen die Kleidung und sonstige Gegenstände abnahm [...] und vergewaltigte viele von ihnen. Danach liessen sie sie [...] in entfernte Gebiete in Bewegung setzen, wobei man sie zu Fuss monatelang marschieren liess, so dass sie völlig erschöpft waren und viele von ihnen vor Hunger, Durst und durch die Strapazen des Marsches starben. Einen Teil der Frauen, die sie in Trabzon ließen, und männliche und weibliche Kinder, die sie an väterliche Anwesen und Krankenhäuser verteilten, um sie angeblich zu schützen, ließ man unter dem Vorwand, sie würden gesondert über das Meer in andere Gebiete gebracht werden, mit Schiffen und Booten ab transportieren. Nachdem man auf das Meer hinausgefahren und nicht mehr in Sichtweite war, warfen sie sie ins Meer und ertränkten sie."

Dies kann auch als Bestätigung der These des US-amerikanischen Sozialwissenschaftlers und Genozidforscher Louis L. Horowitz gelesen werden. Horowitz hatte schon 1980 betont, daß das Schicksal der Armenier der Prototyp des Genozids im 20. Jahrhundert ist:

“The fate of the Armenians is the essential prototype of genocide in the twentieth century.” (Horowitz 1980, 16)

Die Besonderheit des Akcam-Buchs liegt nicht in der Person des Autors (er ist gebürtiger Türke). Sondern in der systematisch-kritischen Aufarbeitung und Präsentation des vorliegenden Quellenmaterials in arabischem Türkisch (Osmanly). Dieses wurde 1928 als Schriftsprache im Zusammenhang mit weiteren europaorientierten Maßnahmen wie "Türkisches Bürgerliches Gesetzbuch" (1926), Abschaffung von Sultanant und Kalifat und "Huterlaß" (1926: Die Kopfbedeckung des Türken ist der Hut) von Kemal Pascha, seit 1934 "Atatürk" (Vater aller Türken), abgeschafft und durch ein leicht modifiziertes lateinisches Alphabet ersetzt - mit der Folge, daß osmanische Quellen heute selbst von gebildeten Türken nicht mehr gelesen werden können (sondern nur noch von Sprachspezialisten). Dies nun ist in der Tat ein Paradox der türkischen Nationalgeschichte des 20. Jahrhunderts - schrieb doch Atatürk selbst in einem Brief an die neugegründete Gesellschaft für Türkische Geschichte im August 1931:

"Geschichte schreiben ist genau so wichtig wie Geschichte machen."[3]

Im Anschluß an die nach dem Ersten Weltkrieg 1919 erschienene Aktenpublikation von Johannes Lepsius (erweiterte Neuauflage 1986²) und diese wo nötig und möglich zu Recht kritisierend, weil und wenn die Rolle des damaligen Deutschen Reiches teils ausgeblendet, teils beschönigend dargestellt wird, dokumentierte Wolfgang Gust (2005) in einer exzellenten politikhistorischen Dokumentenedition aus zeitgenössischen deutschen Quellen, vor allem der Jahre 1915/16 und aus dem Auswärtigen Amt der Reichsregierung, sowohl das Mordgeschehen selbst, seine vor allem von deutschen (Vize-) Konsuln, Militärs, kirchlichem, Gesundheits- und Lehrpersonal wie Pfarrern, Stationsschwestern und Lehrern beobachteten Abläufe in verschiedenen Orten und die unsäglichen Leiden von Armeniern als Opfern, als auch die politische Mitverantwortung des deutschen Staates dafür, was sein "Waffenbruder", der osmanische Staat, als ersten historischen Völkermord des 20. Jahrhundert "hinten in der Türkei" veranstaltete.

Die authentisch-zeitgenössischen Berichte und amtlichen Texte sind Quellen ersten Ranges - gerade weil sie nicht zur Veröffentlichung vorgesehen waren. Insofern wußten die militärbürokratische Zensurbehörden des Deutschen Reiches, die 1915 verfügten, daß "Veröffentlichungen über die armenische Frage der Vorzensur unterliegen", durchaus, warum über "die Armeniergreuel [...] zu schweigen" ist.

Beide aktuellen Bücher sind erstens dokumentarische "Meilensteine“ der Genozid/Völkermordforschung im allgemeinen und zum Völkermord an Armeniern im Osmanischen Reich 1915/16 im besonderen. Zweitens bringen beide Dokumentationen, in ihrer quellengesättigten Dichte wichtige Argumente gegen jene "Ewiggestrigen" (Willy Brandt) und Völkermordleugner in und außerhalb des gegenwärtigen postkemalistisch-türkischen Machtbereichs, die den Armenozid genannten ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts "hinten in der Türkei" als Erfindung der armenischen Diaspora und ihrer gutgläubigen fellow-travellers - zuletzt aller der „Armenien“-Resolution zustimmender deutscher Bundestagsabgeordneter im Juni 2005 (dokumentiert bei Albrecht 2005) darstellen. Und drittens zeigen nicht zuletzt die Forschungen von Akcam und Gust wie auch die des US-amerikanischen Gelehrten armenischer Herkunft, Vahakn N. Dadrian, der schon vor Jahrzehnten die damals noch Bonner Akten (im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes) durchsah und später ausführlich über politische Verantwortung und Mittäterschaft („complicity“) des Deutschen Reiches am Völkermord an Armeniern publizierte (Dadrian 1996; 1997²) und nun auch Gusts Edition bevorwortete (7-16), daß und wie weit inzwischen dieser erste historische Völkermord des 20. Jahrhunderts realwissenschaftlich aufgearbeitet ist und daß es dazu keiner staatsalimentierten Geschichtskommisisonen, sondern, historisch wie aktuell, so mutiger politischer Linker wie so kundiger wie engagierter Gelehrter und Forscherpersönlichkeiten wie der genannten bedurfte.

Völkermord[en] als totalitäre Vernichtungspolitik

Wer immer sich, auch im Vergleich mit den Hinweisen von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Texte der internationalen politischen Linken wie der „Zimmerwalder Bewegung“ 1914-1919 (Balabanoff 1926, 310 ff.; 1927, 232 ff.) ) anschaut, wird bemerken, daß wohl vom „tragischen Schicksal“ (auch) des armenischen Volkes die Rede ist, das, vergleichbar „Belgien, Polen, den Balkanstaaten“, „als Beutestücke“ imperialistischen Profitstrebens, „ganz oder in Teile zerrissen“ oder „annektiert“ zu werden droht (September 1915: Manifest der I. Zimmerwalder Konferenz; Balabanoff 1926, 323-326). Im „Rundschreiben an alle angeschlossenen Parteien und Mitglieder“ (Ende Februar 1916) zur Vorbreitung der 2. Zimmerwalder Konferenz ist die Rede vom „tragischen Schicksal Serbiens und Armeniens“ als „Schachfiguren“ in dem "imperialistischen Spiel der Großmächte“; konkret zum Völkermord „hinten in der Türkei“ wird jedoch, obgleich „Armenien“ als „Nation“ im Sinne des theoretischen Marxismus ausdrücklich anerkannt wird, nichts ausgeführt, auch wenn die Resolution der 2. Zimmerwalder Konferenz (Juni 1916 in Kiental) von „allgemeinen Schlächtereien“ spricht und wenn es um Maßnamen gegen die „Vergewaltigung der schwächeren Nationen“ geht, abstrakt-allgemein auf „Schutz der nationalen Minderheiten und Autonomie der Völker auf dem Boden der vollen Demokratie“ verweist (Balabanoff 1926, 347-350). Und auch im Aufruf „An die Arbeiterklasse !“ vom 6. Jänner 1917 (Balabanoff 1926, 359-363) findet sich kein Hinweis auf/gegen den ersten historischen Völkermord des 20. Jahrhunderts...

Bedenkt man, daß gerade in der (neutralen) Schweiz 1915/16 zahlreiche Berichte (anstatt weiterer: Material..., zwei Bände, 1916) und Presseartikel erschienen, dann erstaunt schon, daß gerade führende Vertreter der politischen Linken 1915/16 das qualitativ neue Staatsverbrechen des Genozid im Osmanischen Reich nicht erkannten, sondern von herkömmlichen Unterdrückungsmaßnahmen wie Umsiedlungen und Vertreibungen als Formen gewaltsamer Angliederungen und Unterwerfungen fremder Gebiete und Völker ausgingen. In dieser Hinsicht und bei aller hart zu kritisierenden Problematik seiner späteren außenamtsoffiziell-editorischen Tätigkeit mit dem Auftrag, „die deutschen verbalen Anstrengungen zur Rettung der Armenier“ herauszustellen (Gust 2005: Partner..., 91) - was nicht ohne zahlreiche Quellenfälschungen möglich sein konnte (Lepsius [Hrg.] 1919; kritisch Gust 2001; Gust, Magisches Viereck; zuletzt Gust [Hrg] 2005) - hat Johannes Lepsius in seinem Bericht 1916 klar erkannt, daß die jungtürkischen Maßnahmen über herkömmlich-periodische alttürkische „Massaker“ seit 1895 unterm ´roten Blutsultan´ Abdul Hamid II. hinausgehen; genauer: daß es sich „um die Vernichtung der armenischen Nation“ und damit staatlich geplanten und organisierten „Völkermord, den die Jungtürken auf dem Gewissen haben“, handelte (Lepsius 1919: Mein Besuch, 23, 33). So gesehen, kann auch der letzte Hinweis des bedeutenden armeno-amerikanischen Gelehrten Vahakn N. Dadrian auf eine „Kultur der Straffreiheit“ gegenüber dem Menscheitsverbrechen Genozid/Völkermord nur einen Aspekt des Geschehens erklären helfen - auch wenn seine These zutrifft, daß „die ungestraften Massaker der Vorkriegszeit [...] als Vorbedingung des Genozids“ anzusehen sind (Dadrian 2005: Einführung, 45/46). Und auch wenn während des Ersten Weltkrieges mit seinen barbarischen „Massenschlächtereien“ und massenhaftem Abschlachten ("mass slaughter" [Martin Shaw]) Humanität und Zivilisation allgemein hintanstanden und „Völkermord“ als planmäßig organisierte „Ausrottung einer Nation“ (zu) vielen Europäern unvorstellbar erschien - so bleiben doch immer noch manche Seiten dieses Geschehens und seiner Duldung wenn nicht rätselhaft so doch weiter aufzuklären. (Auf der politischen Linken könnte auch die jahrzehntelange Bezeichnung alttürkischer Massaker als „Ausrottungspolitik“ [Eduard Bernstein] den Blick aufs Besondere von Völkermord[en] verstellt haben...)

Ausblick

Der Völkermord während des Erstens Weltkriegs erscheint als Vorbote neuartiger „totalitärer“ Politik im Sinne Hannah Arendts, also nicht jener „Machtpolitik im alten Sinn, auch nicht im Sinn einer noch nie dagewesenen Übertreibung und Radikalisierung des alten Strebens nach Macht nur um der Macht willen: hinter totalitärer Machtpolitik wie hinter totalitärer Realpolitik liegen neue, in der Geschichte bisher unbekannte Vorstellungen von Macht und Realität überhaupt. Auf diese Begriffsverschiebung kommt alles an, denn sie und nicht bloße Brutalität, bestimmt die außerordentliche Schlagkraft wie die ungeheuerlichen Verbrechen der totalen Herrschaft. Es handelt sich bei totalitären Methoden nicht um Rücksichtslosigkeit, sondern um die völlige Nichtachtung aller berechenbaren äußeren Konsequenzen, nicht um chauvinistische Greueltaten, sondern um die Nichtachtung aller nationalen Interessen und die völlige Wurzellosigkeit derer, die sich der Bewegung als solcher verschrieben haben, nicht um die vulgäre Durchsetzung irgendwelcher personaler oder Cliqueninteressen, sondern um die ruchlose Verachtung aller Zweckmäßigkeitserwägungen [...]. Der unerschütterliche Glaube an eine ideologisch-fiktive Welt, die es herzustellen gilt, hat die politischen Verhältnisse der Gegenwart tiefer und entscheidender erschüttert, als Machthunger oder Angriffslust es je hätten tun können“ (Arendt 1986: Elemente, 703 ff.). Daraus schloß Hannah Arendt: "Zu erklären ist das totalitäre Phänomen aus seinen Elementen und Ursprüngen so wenig und vielleicht noch weniger als andere geschichtliche Ereignisse von großer Tragweite" (Arendt, ebenda, 705).

Hannah Arendt sprach, freilich ohne "das Phänomen" gründlich wissenschaftlich zu analysieren[2], am historischen Beispiel der „Zusammenhänge zwischen Imperialismus und totalitären System“ (Speitkamp 2005, 10) das in die conditio humana des homo sapiens grundlegend eingelagerte menschliche Destruktionspotential an. Es gehört im Gegensatz zur Konrad-Lorenz-Legende von der Instinkthemmung zur Tötung „eigener Artgenossen“[4] wie alle lebensschaffende und lebenserhaltende Kreativität zum menschlichen „Gattungswesen“ (Marx) als Ausdruck unserer real-empirischen Lebens- und Existenzbedingungen, ohne deren radikale Analyse Genozid/Völkermord unbegriffen bleiben ... wobei es auch hier wissenschaftsmethodisch darauf ankommt, aus den "gesellschaftlichen [...] "ihre verhimmelten Formen" (Marx 1867, 393) -also, politiksoziologisch: genozidale Ideologie/n und, sozialpsychologisch, genozidale Mentalitäten - herauszuarbeiten. Dies ist eine, gewiß nicht die einzige, mögliche Form, um eine "furchtbare Wahrheit" (Georg K. Glaser) intellektuell und moralisch bewältigen zu können, die der deutsche Soziologe Heinrich Popitz (1925-2002) im Versuch, Gewalt als besondere Form von Macht(ausübung), "Todesmacht von Menschen über Menschen" eingeschlossen, anthropologisch zu verorten und soziologisch zu präzisieren, so beschrieben hat (Popitz 1986, 76, 82, 83):

"Der Mensch muß nie, kann aber immer gewaltsam handeln, er muß nie, kann aber immer töten [...] - jedermann. [Denn] Gewalt überhaupt und Gewalt des Töten im besonderen ist [...] kein bloßer Betriebsunfall sozialer Beziehungen, keine Randerscheinung sozialer Ordnungen und nicht lediglich ein Extremfall oder eine ultima ratio (von der nicht so viel Wesens gemacht werden sollte). Gewalt ist in der Tat [...] eine Option menschlichen Handelns, die ständig präsent ist. Keine umfassende soziale Ordnung beruht auf der Prämisse der Gewaltlosigkeit. Die Macht zu töten und die Ohnmacht des Opfers sind latent oder manifest Bestimmungsgründe der Struktur sozialen Zusammenlebens.“

Anmerkungen

*) Dies ist die erweiterte und vom Autor autorisierte online-Publikation seines gleichnamigen Beitrags. Er erschien bisher gedruckt sowohl in der Fachzeitschrift „Internationale Wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ (Berlin: 41. Jg. [2005] Heft 3, pp. 310-329) als auch in Richard Albrechts neuesten Buch: Völkermord(en). Genozidpolitik im 20. Jahrhundert (Aachen: Shaker, 2006, 184 p. [= Beiträge zur Rechtswissenschaft; Allgemeine Rechtswissenschaft], pp. 95-119).

[1] Armenozid ist ein Kunstwort. So heißt auch eine wichtige deutsche Netzseite (Website), die von Wolfgang [und] Sigrid Gust als Herausgeber (editors) veranstaltete http://www.armenocide.de. Gebräuchlich war das artifizielle Wortkonstrukt:

Armenocide zunächst in armeno-amerikanischen Überlebenden-, Publikations- und Forschergemeinschaft/en der Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Seit den 1970er Jahren, also innerhalb der letzten drei(undhalb) Jahrzehnte, wurde Armenocide im Zusammenhang mit der medienvermittelten „Holocaust“-Diskussion internationalisiert und wird heute auch innerhalb der Wissenschaftler/innen, die zum Völkermord (Genozid) forschen, also jener "scientific community" genannten Wissenschaftler-"Gemeinschaft mit ihren eigenen Sitten und Gebräuchen" (Carl Djerassi), benützt. Armenozid ist das deutsche Substantiv von armenocide. Beide Worte sind von Armenius cidere abgeleitet und und meinen den Völkermord im Osmanischen Staat an Armeniern als religiöser, ethnischer und politischer Minderheit während des Ersten Weltkriegs 1915/18. Im Wort finden sich sowohl die Opfergruppe (Armenier) als auch das Mordgeschehen (cidere) wieder. Über die Form des Massenmord(en)s ist, im Gegensatz zum viel bekannteren Begriff und Kunstwort: Holocaust (wörtlich: holokaustos im Sinne von völlig verbrannt), bei Armenozid nichts ausgesagt...obwohl doch, beim Wort genommen, im historischen Völkermordgeschehen während des Ersten Weltkriegs eher Armenier lebendig verbrannt wurden als später, während des Zweiten Weltkriegs, Juden: „Das Verbrechen dieses Völkermords [ist] in seiner kalten unmenschlichen Planung und in seiner tödlichen Wirksamkeit in der menschlichen Geschichte einmalig“ (Kohl 1987). Im Holocaust-Wortfeld findet sich in noch allen Bedeutungsvarianten das Moment der Tötung durch Feuer, also der Verbrennung von Menschen. Genozid schließlich meint einen Stamm töten (genus cidere) und wird im deutschen Sprachgebrauch meist zur Kennzeichnung der gesamten oder teilweisen gewaltsamen Ausrottung eines Volkes oder einer Volksgruppe (Ethnie) verstanden (Albrecht 1989, 69: Synopse). Armenozid hieß früher, vor dem Ersten Weltkrieg, im umgangssprachlichen Deutsch auch verbreitet kurz [der] „Armeniermord“ (so wie nach dem Zweiten Weltkrieg Holocaust und Shoah auch kurz [der] „Judenmord“ genannt wurden). In Friedrich Naumanns populärem politischen Buch ´Asia´ zum Beispiel findet sich 1909 unter Hinweis auf Armeniermassaker des „türkischen Barbarentums“ 1894/96 unterm (später wegen des Blutbads der ´rote Sultan´ genannten) Abdul Hamid der Ausdruck Armeniermord mit 80-100.000 Menschenopfern (Naumann 1909, 135-140; Albrecht 1989, 69; Dadrian 1988, 151-169, mit Hinweis auf eine spätere Auflage des Naumann-Buchs; historisch Lepsius 1896). Jenseits jeden ideologisch-apologetischen Gedächtnisses war, was politisch seit dem Berliner Vertrag von 1878 mit seinem in Artikel 61 geforderten Reformen für im Osmanischen Reich lebende Armenier als christliche Minderheit „armenische Frage“ genannt wurde, jahrzehntelang historisch auch immer mit „armenischen Greuel“ (Meyers Lexikon 1924, 7. Auflage, 1. Band, 867) verbunden

[2] Wissenschaft ist als Substantiv ein Kompositum, das sprachgeschichtlich auf Wissen und Schaffen beruht: Es geht darum, etwas eigenständig zu erkennen, auch: durch eigene geistig-intellektuelle Leistung etwas herausarbeiten und zustandebringen (Pfeiffer u.a. 1995³). Wissenschaftler/in ist in diesem -präzisen- Wort-Sinn, wer durch selbständige (Er-) Forschung Wissen produziert und Erkenntnis hervorbringt. Sozialwissenschaftler/innen tun dies im Bereich des von Natur und Denken unterschiedenen, diese freilich durch Arbeit und Sprache vermittelnden, Sozialen aus der "Notdurft des Verkehrs mit andern Menschen" (Karl Marx/Friedrich Engels: Die Deutsche Ideologie [1845/46]: MEW 3, 30): "Gesellschaft besteht nicht aus Individuen, sondern drückt die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese Individuen zueinander stehn." (Carl Marx: Grundrisse [1857/58]; http://en.wikiquote.org/wiki/Karl_Marx). - Werner Hofmann umschrieb Wissenschaft zunächst formal als "methodische (d.h. systematische und kritische) Weise der Erkenntnissuche" und verdeutlichte sodann inhaltistisch: Wissenschaft ist "ihrem allgemeinen Inhalt nach gerichtet: 1. auf das Erscheinungsbild der Wirklichkeit (als sammelnde, beschreibende, klassifizierende Tätigkeit, als Morphologie, Typologe usw.); 2. als theoretische Arbeit auf Zusammenhang, Bedeutung, Sinngehalt der Erscheinungen, auf wesentliche Grundsachverhalte, auf Gesetze der Wirklichkeit. Die Erschließung des Erfahrungsbildes der Welt arbeitet der theoretischen Deutung vor; sie begründet deren empirische Natur und die Überprüfbarkeit ihrer Ergebnisse. Die Theorie aber stiftet erst die Ordnung des Erfahrungsbildes; sie erst gibt der empirischen Analyse ihren Sinn und nimmt die Erscheinungssicht vor der bloßen Form der Dinge in Hut. In diesem dialektischen Widerspiel von Erfassung und Deutung der Wirklichkeit ist konstitutiv für Wissenschaft die Theorie. Nicht immer verlangt das Verständnis von Wirklichkeit nach Theorie; doch erst mit der Theorie hebt Wissenschaft an." (Hofmann 1968², 50). Auch der Sozialwissenschaftler Theodor Geiger betonte: "Die Soziologie kann sich nicht mit dem bloßen Registrieren menschlicher Handlungsweisen begnügen, sondern muß auch versuchen, die ihnen zugrundeliegenden subjektiven Prozesse aufzudecken und zu beschreiben" (Geiger, 1948/49). - Den Doppelcharakter von Wissenschaf t - nämlich als Erkenntnisform und als Handlungssystem - in hochentwickelt-arbeitsteiligen Gesellschaften mit indirekten Herrschaftssystemen hat Carl Djerassi im Postscript zu Cantor´s Dilemma (1989) bündig so beschrieben: "Wissenschaft ist sowohl ein selbstloses Streben nach Wahrheit als auch eine Gemeinschaft mit ihren eigenen Sitten und Gebräuchen und ihrem eigenen gesellschaftlichen Regeln"

[3] Diese Attatürk-Formel lautet im Original: „Tarih yazmak, tarih yapmak kadar önemlidir“ (Mitteilung eines Fachreferenten der Regierung der Republik Türkei [mfa.gov.tr] an den Autor am 30.12.2003); die dort bevorzugte englische Version lautet: „Writing history is as important as making it.“ - Die Attatürk-Formel mit deutscher Übersetzung findet sich inzwischen auch einmal im Netz bei http://www.yilmaz-biliciler.de/Atam.htm: "Tarih yazmak, tarih yapmak kadar mühimdir. Yazan, yapana sadık kalmazsa, değişmeyen hakikat, insanlığı şaşırtacak bir mahiyet alır." - "Geschichte schreiben, ist genauso wichtig wie Geschichte machen. Auch der Schreiber muss treu und Loyal bleiben, ohne diese Eigenschaft, wird die Geschichte für den Mensch immer im Zweifel bleiben."

[4] Das ist der Kern des Konrad-Lorenz-Mythos: Konrad Lorenz (1903-1989) war nicht nur als habilitierter Zoologe Lehrstuhlpsychologe und Wehrmachtspsychiater (1940-1944), sondern auch - so die deutsche Netzenzykopädie Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Lorenz [31.10.2005] - "einer der wichtigsten Vertreter der so genannten klassischen vergleichenden Verhaltensforschung. Er selbst nannte dieses Forschungsgebiet bis 1949 „Tierpsychologie“ und wird im deutschsprachigen Raum als dessen Gründervater angesehen. Der „Spiegel“ bezeichnete ihn einmal als den „Einstein der Tierseele“. Ihm wurde 1973 gemeinsam mit Karl von Frisch und Nikolaas Tinbergen der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für ihre Entdeckungen betreffend den Aufbau und die Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltenselementen (im Original: „for their discoveries concerning organization and elicitation of individual and social behaviour pattern“) zugesprochen". - Von Lorenz, der sich nie vom Nationalsozialismus distanzierte (Taschwer; Föger 2001; zusammenfassend Freitag, 23.3.2001: http://www.freitag.de/2001/13/01131102.htm; Freitag, 7.11.2003: http://www.freitag.de/2003/45/03451801.php) und dessen (zunächst "tierpsychologisch", später "ethologisch" genannte) Forschungen wenn nicht überhaupt auf Fälschungen beruhen, so doch in ihren Ergebnissen zumindestens wegen ihres anekdotischen Charakters höchstzweifelhaft sind (zusammenfassend: Vogel 2000), stammt die inzwischen sowohl als Lorenz-´Schule´ bekannt gemachte als auch in Lehrbüchern ´geronne´ Behauptung (Vogel/Angermann 1990, 401 ff.) von der Sonderstellung des Menschen als Gattungswesen: Allein der Mensch hätte - so Lorenz´ eingängige, das aktuelle zivilisiert-humane Selbstverständnis ausdrückende und bestärkende, Kernthese - im Unterschied zum Tier "instinktive Hemmungen gegen das Töten von Artgenossen" (Lorenz 1955). Weiter unterstellt Lorenz 'moralanaloge' Verhaltensformen bei Tieren etwa in Form ´gegnerschonender´ Kommentkämpfe. Dies ist der Kern der Konrad-Lorenz-Legende. Sie schließt auch an an eine Rede von Reichsführer-SS Heinrich Himmler, Chef der Deutschen Polizei und seit 20. August 1943 auch Reichsinnenminmister, vor SS-Gruppenführern in Posen über die absolute Brutalisierung des Vorgehens gegen nichtgermanische »Menschentiere« (4. Oktober 1943): "Ein Grundsatz muß für den SS-Mann absolut gelten: Ehrlich, anständig, treu und kameradschaftlich haben wir zu Angehörigen unseres eigenen Blutes zu sein und zu sonst niemandem." (zitiert nach dem Auszug (Dokument 315) auf der Direktmedia-CD-Rom der Digitalen Bibliothek Bd. 49: Manfred Overesch et.al., Das Dritte Reich. Daten – Bilder – Dokumente, Berlin 2004, S. 8.837-8.838; diese Kernpassage aus Himmlers „Posener Rede“ (IMT-Dok. 1919-PS) zitierte der US-Hilfsankläger, Major W.F. Farr, im Zusammenhang mit dem „verbrecherischen Charakter der SS“ und ihrem „Hass gegen andere Rassen“ im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß am 19.12.1945, vgl. Der Nürnberger Prozeß. Das Protokoll des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof 14. November 1945 - 1. Oktober 1946. M.e.Einf.v. Christian Zentner (Direktmedia-CD-Rom, Digitale Bibliothek Band 20, Berlin 2004², S. 3.867). - In Himmlers Reichsinnenministerium wurde noch 1944 zur politischen Rechtfertigung des faschistischen Rassismus ein nationalsozialistisches "Gesetz zur Behandlung Gemeinschaftsfremder" in Abgrenzung von "Mindestanforderungen der Volksgemeinschaft" entworfen (Peukert 1982, besonders 246-279). - Gegen die Konrad-Lorenz-Legende hat Hartmut Böhme (2001), freilich ohne den faschistischen Charakter der Konrad-Lorenz-These zu erwähnen, unter Bezug auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse zum "Töten von Menschen" von Christian Vogel (1933-1994) betont: "Der Jagd/Kampf-Komplex von Carnivoren schließt im Tierreich ebenso wie in der Frühgeschichte der Hominiden und dann des Homo sapiens innartliche Tötungen, aber auch Fetozid, Infantizid und Kannibalismus ein. Christian Vogel weist nach, daß die Tötung von Artgenossen nicht maladaptiv, sondern im Rahmen "reproduktionsstrategischer Maßnahmen" [Vogel 2000 , 77] normal ist. Eine Tötungshemmung beim Menschen kann nicht nachgewiesen werden. Hingegen ist die Programmierung auf innerartliche Konkurrenz universal. Sie führt zur Aufteilung nach ingroup/outgroup-Zugehörigkeit und dabei zu antagonistischen Codes von Verhalten, Affektmodellierung und Sexualitäts-/Reproduktionsmechanismen. Man kann dies eine bioevolutionär angelegte "doppelte Moral" nennen. Nach Vogel kann eben deswegen die Naturgeschichte überhaupt kein Kriterium für moralisches Handeln hergeben." (vgl. auch zum Gewaltphänomen allgemein Hinweise bei http://de.wikipedia.org/wiki/Gewalt; speziell zur menschlichen Tötung von/durch Menschen Popitz 1986, 76, 82, 83). Die bündigste, wenn auch implizite, Kritik am Konrad-Lorenz-Mythos lautet: "Der Mensch ist der einzige unter den Primaten, der die Tötung seiner Artgenossen planvoll, in größerem Maßstab und enthusiastisch betreibt. Der Krieg gehört zu seinen wichtigsten Erfindungen." (Enzensberger 1996², 9)

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Summary

Karl Liebknecht and "The Extermination of Ottoman Armenians"

During World War I. - A historical case-study

„First comes the act and then comes the word: first [the crime of] genocide is committed and then the language emerges to describe a phenomenon.“

(Louis Irving Horowitz, Taking Lives. Genocide and State Power. News Brunswick (N.J.) - London: Transaction Books, 1980, 183)

In his scholarly essay, the author - an experienced social scientist/psychologist - goes the road from Anatolia within Minor Asia as ruled by the Young Turks to the German capital Berlin under the régime of William II.

When reporting on what was going on down there "back in the very Turkey" (J.W. Goethe) since early 1914 in Anatolia, and, especially when prominent Armenian politicians, clergymen, and intellectuals, were deported also in Constantinople since 24th April, 1915, the German evangelist Johannes Lepsius playes an important role. Although the author, for this time, does his piece without publishing underground connections of the German political resisters towards the imperialistic and militaristic régime under Imperator Wilhelm II 1914-1918, he give insight views into political actions of three prominent dissenters, fighting against a specific crime - “the crime of silence” (as William Blum recently stated: „The media´s most effective tool - silence“)

(i) Dr Johannes Lepsius, who, in 1915, did succeed when, in a clandestine manner, partly publishing his most relevant book on the "Armenian atrocities" as lethal "taking-live-policy" (Irving L. Horowitz) the Young Turk leadership was running. (In 1919, Lepsius himself named the destruction of the Armenian people as planned, and organized, by a bureaucratic state apparatus dominated by the Ittehadist elite in 1914/18 "genocide");

(ii) Dr Karl Liebknecht, a bold man, left-wing politician and an elected member of the German Reichstag where he, in December 1914, was the first and, for years, the only MP who did not agree with the credits but refused to that economical basis of German imperialistic policy running World War I. As an individual MP he productively used the instrument of "smart inquiries" which was to be answered by a German official, either member of the government or of the high-ranked bureaucracy;

(iii) Dr Rosa Luxemburg, a bold woman, a brilliant left intellectual, and as a Polish-German Marxist partly beloved by left-wing socialists within Europe when giving public lectures to her comrades, - who analysed, when flung into jail, in 1916, the very imperialistic policy of "late-coming" German economic forces like Deutsche Bank, working out that in this specific field lays one of the complexe causes of World War I.

(Moreover, the author gives a brief overview on what Carl Marx and Frederick Engels as "founding fathers" of marxism thought and published on the "Armenian Question" since the Turkish-Russian war, in 1853, and reviews actual scholarly publications on the Armenocide).

In his outlook Richard Albrecht characterises what he names Armenocide -in German: “Armenozid” - not only as the first modern genocide within 20th century but also as a most outstanding destructive feature anticipating a specific new quality of lethal policy (which was defined lateron, e.g. by Hannah Arendt, as totalitarianism).

Finally, the author, as a social psychologist, describes, and tries to explain in short, the very effectiveness of human silence (advancing anti-humanity and barbarism) whenever faced with the first outstanding crime against mankind, humanity, and civilisation, as an basic expression of deep and basic human fear of disabling people to act self-consciousness as civilized humans.

Autor

Richard Albrecht (*1945) studierte in Kiel, Heidelberg und Mannheim Sozialwissenschaften (Philosophie, Politik, Soziologie, Sozialpsychologie, Statistik) und absolvierte nach dem Diplom ein Voluntariat. Er ist als Dr. phil. et habil. kulturanalytischer Sozialpsychologe, historisch arbeitender Politikwissenschaftler und online-Editor von rechtskultur.de -> http://de.geocities.com/earchiv21/rechtskulturaktuell. In den 1980er Jahren arbeitete Richard Albrecht als Wissenschaftspublizist und Dozent, in den 1990er Jahren als kritischer Qualitätsjournalist, zuletzt hatte er 2003/04 an der fh bund den Lehrauftrag „Sozialwissenschaftliche Grundlagen des Verwaltungshandelns“. - Richard Albrecht veröffentlichte zuletzt die Bücher: StaatsRache. Texte gegen die Dummheit im deutschen Recht(ssystem). Beiträge zur Rechtskultur (München: GRIN Verlag für akademische Texte, 2005, iii/149 p.; ISBN 3-921-383-01), als sein erstes e-Buch; das Vorwort ist online -> http://www.wissen24.de/vorschau/36391.html, und Völkermord(en). Genozidpolitik im 20. Jahrhundert (Aachen: Shaker, 2006, 184 p. [= Beiträge zur Rechtswissenschaft: Allgemeine Rechtswissenschaft]; ISBN 3-8322-5055-3). - Der 1991 als Essay veröffentlichte alternative Forschungsansatz zur empirischen Kultur- und Sozialforschung, The Utopian Paradigm (gekürzt -> http://www.grin.com/en/fulltext/phg/25119.html) weist Richard Albrecht als engagierten Vertreter der „Bremer Schule“ aus. Der Autor ist Mitglied der FG Sozialpsychologie, der VG Wort und lebt in Bad Münstereifel; e-Postadresse -> dr.richard.albrechtgmx.net

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Details

Title
Karl Liebknecht und Genossen - Die 'Ausrottung der Armenier' während des Ersten Weltkrieges und die deutsche politische Linke
Author
Year
2006
Pages
64
Catalog Number
V110316
File size
876 KB
Language
German
Notes
Richard Albrecht ist Sozialwissenschaftler (Dr.phil., Dr.rer.pol.habil.) und lebt als Sozialpsychologe, Autor und Ed. von rechtskultur.de in Bad Münstereifel.
Tags
Karl, Liebknecht, Genossen, Ausrottung, Armenier, Ersten, Weltkrieges, Linke
Quote paper
Dr. Richard Albrecht (Author), 2006, Karl Liebknecht und Genossen - Die 'Ausrottung der Armenier' während des Ersten Weltkrieges und die deutsche politische Linke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110316

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