Struktur und Entwicklung der Wirtschaft im Erzgebirge


Referat (Ausarbeitung), 2003

13 Seiten


Leseprobe

1. Geschichte und Entwicklung der Wirtschaft im Erzgebirge

Das Erzgebirge war einst ein unzugängliches Waldgebiet. Aufgrund der natürlichen Grundlagen wie eine schier unerschöpfliche Wasserkraft, Holzreichtum und ein hoher Mineralgehalt von Erzen, entstand hier frühzeitig ein Bergbau-, und Industriegebiet. Der Ackerbau war stets schon schwierig und unrentabel, weil das Klima rau war und der Boden steinig. Die Geschichte der Besiedelung und Nutzung des Erzgebirges beginnt im 12. Jahrhundert mit großen Silberfunden. Seitdem beschäftigen sich die Männer mit dem Abbau von Erzen (Silbererz), und die Frauen mit Kleinhandwerk, sowie Klöppeln und Sticken. Das kann als Basis für die spätere Entstehung von Textilindustrie gesehen werden.

Die Wasserkraft und den Holzreichtum nutzend werden einfache Verhüttungswerke und Hammerwerke angelegt um das metallische Erz weiter verarbeiten zu können. Inzwischen stößt man auf andere mineralische Rohstoffe wie Eisenerze, oder Zinn. Im Mittelalter entstehen dann aus der zunehmenden Zuwanderung in das Erzgebirge und aufgrund neuer Erzfunde die Städte Schneeberg, Freiberg, Annaberg, Buchholz usw.., die viele Immigranten aufnahmen, welche im Erzgebirge Arbeit und Wohlstand suchten.

Erste Probleme kommen auf, als in England die Walzwerke erfunden werden, wodurch die Hammerwerke nicht mehr konkurrenzfähig und rentabel werden. Der Versuch der Etablierung der neuen Technik im Erzgebirge scheitert weitestgehend. In dieser Zeit entwickeln sich Industrien der Maschinen-, Blech-, und Emaillierwarenherstellung, sowie die Besteckindustrie. Hierzu sind vor allem die reichhaltigen Erfahrungen der Bevölkerung mit der Metallgewinnung und –Verarbeitung sehr dienlich. Die Industrie entwickelt sich sprunghaft als der Deutsche Zollverein 1833 gegründet wird; einen weiteren Schub erhält sie durch den Bau der Eisenbahnlinie von Aue über Schwarzenberg nach Zwickau im Jahre 1858. Somit können heimische Produkte auf der Leipziger Messe präsentiert werden. Zusätzlich wird das Erzgebirge zur Jahrhundertwende zum Zentrum der sächsischen Textilindustrie. Die Erfindung des Holzschleifverfahrens und des Sulfit-Zellstoffverfahrens lässt mit der Kombination von großen Holz-, und Wasserressourcen Papierindustrien entstehen. Aus der Produktion von Papier entwickelt sich ein Druckereiwesen. Der um die Jahrhundertwende aufkommende Fremdenverkehr, meist in Form von Kurbesuchen, steigert den Absatz einheimischer Produkte. Durch die zunehmende Industrialisierung erlebt der sekundäre Sektor eine starke Diversifikation in Form von Maschinen-, und Metallbau, Druckereien, Schmuckindustrie, Papierherstellung, sowie einer Lebens-, und Genussmittelindustrie. Im Zuge dieses Prozesses verliert der Bergbau jedoch sehr stark an Bedeutung.

In der Zeit der sowjetischen Besatzungszone (ab 1945) und der DDR werden die Betriebe enteignet und in ein „Volkseigentum“ (in der Form von Volkseigenen Betrieben) übergeführt. Die Wirtschaftsstrukturen werden weitgehend beibehalten, den Schwerpunkt bilden der Metall-, und Maschinenbau (Metallwarenfabrik, Waschmaschinenfabrik und Zulieferer für die DDR-Fahrzeughersteller). In der DDR nimmt nochmals der Fremdenverkehr im Erzgebirge zu. Durch rigide Ausreisebestimmungen ins Ausland, wird die Region neben der Ostseeküste und der Mecklenburgischen Seenplatte als Ferienziel entdeckt. Es entstehen viele ostblocktypische „Datschen“, also Ferienhäuser, die meist den höheren Parteifunktionären gehören. In dieser Zeit wird massiv versucht, den Bergbau im Erzgebirge wieder zu beleben. Die sowjetische Aktiengesellschaft „Wismut“ findet in der Gegend von Johanngeorgenstadt, Schneeberg und Schlema abbauwürdige Mengen Uran und baut diese ab. Am Anfang des kalten Krieges war diese Firma der drittgrößte Uranlieferant der Welt. Die ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des intensiven Uranabbaus werden heute von der bundeseigenen „Wismut“ behoben.

Nach der Wiedervereinigung werden viele Betriebe, die aufgrund der Umstellung auf eine freie Marktwirtschaft nicht mehr rentabel sind, geschlossen. Die Arbeitslosigkeit steigt rapide an, ebenso wie die Abwanderung von meist jungen und hochqualifizierten Arbeitskräften nah Westdeutschland.

2. Die heutige Struktur der Wirtschaft im Erzgebirge

Der heutige Aufbau der Wirtschaftsstruktur basiert zum großen Teil immer noch auf den alten, persistenten Strukturen. Einerseits positiv, da das Know-how, die Einstellung, die Erfahrung, sowie gewisse infrastrukturelle Voraussetzungen noch vorhanden sind, andererseits negativ, da viele alte unmodernisierbare Industrien die Innovationskräfte bremsen. Den heutigen Schwerpunkt bilden die Zuliefererindustrie für Maschinen-, und Fahrzeugbau, Möbelindustrie und das Papiergewerbe. Die Region wirbt in diesem Sinne mit „anspruchsvollen ingenieurtechnischen Produkten und Lösungen“. Weiterhin wichtig sind außerdem die textil-, und holzverarbeitende Industrie, sowie die Lebens-, und Genussmittelbranche. In der Region arbeiten etwa 140 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 28% davon im verarbeitenden Gewerbe. Die Verteilung der Beschäftigten auf die Wirtschaftszweige verdeutlicht die folgende Grafik:

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Struktur und Entwicklung der Wirtschaft im Erzgebirge
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
3-tägige Exkursion Erzgebirge
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V110411
ISBN (eBook)
9783640085842
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kurzes Referat über die Wirtschaft im Erzgebirge, 4.Semester Studium Wirtschaftsgeographie
Schlagworte
Struktur, Entwicklung, Wirtschaft, Erzgebirge, Exkursion
Arbeit zitieren
Martin Doskoczynski (Autor), 2003, Struktur und Entwicklung der Wirtschaft im Erzgebirge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110411

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