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Wald als Traumlandschaft

Title: Wald als Traumlandschaft

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 19 Pages , Grade: Sehr gut (1,0)

Autor:in: Christian Hein (Author)

Film Science
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Wälder waren und sind seit jeher Quellen der Inspiration für Künstler jedweder Richtung gewesen. Zum einen mag dies auf ihre Unergründlichkeit zurückzuführen sein, zum anderen auch auf ihr erdgeschichtlich hohes Alter und die daraus resultierende mythologische Aufladung. Wälder können verschiedene Funktionen in der Kunst einnehmen: als pittoreskes Beiwerk, als Ort der Erholung, der Stille, der Träumerei, aber auch als Verursacher von Phobien. In einigen Filmgenres wie z.B. dem Märchenfilm oder dem Gruselund Horrorfilm ist der Wald ein nahezu unverzichtbares Element, wobei er gerade dort nicht nur die Rolle des Handlungsortes übernimmt, sondern aktiv in die Geschichte miteinbezogen wird - als Protagonist oder Antagonist.

Unter den vielen möglichen Waldbildern erscheint mir der Wald als Handlungsort von Träumen - als Traumlandschaft - als lohnendes Objekt einer näheren Untersuchung. In solchen Traumlandschaften finden sich wiederum andere Formen der Walddarstellung wieder, daher ist es notwendig, auf diese unterschiedlichen Darstellungsarten anhand exemplarischer Untersuchungen einzugehen.

Im Rahmen dieser Arbeit ist es selbstverständlich nicht möglich, auf alle erdenklichen Aspekte der Walddarstellung einzugehen. Ich beschränke mich auf diejenigen, die mir hinsichtlich der Thematik der Traumlandschaft relevant erscheinen. Zunächst werde ich mich ausgewählten Aspekten des Waldbildes der Romantik widmen. In einer Art Gegendarstellung wende ich mich der rationalen Waldrezeption, insbesondere der Rezeption der Aufklärung, zu, die als Wegbereiter der Moderne auch in unserer Zeit noch gültig ist. Die Abstraktion auf die Traumebene resultiert aus einer Konfrontation dieser beiden gegensätzlichen Rezeptionen.

Die aufgezeigten Ergebnisse werde ich anschließend anhand Neil Jordan’s The Company of Wolves von 1984, der auf den beiden Kurzgeschichten The Company of Wolves und Wolf-Alice der britischen Autorin Angela Carter basiert, noch einmal verdeutlichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vom romantischen Wald zum Traumwald

2.1 Der romantische Wald

2.2 Der feindliche Wald

2.3 Die verbotene Zone

2.4 Wald als Traumlandschaft

3 The Company of Wolves

3.1 Symbole des Übergangs

3.2 Die Enklave in einer feindlichen Umgebung

3.3 Das Animalische und die Vernunft

4 Schlußbemerkung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht den Wald als filmischen Handlungsort, insbesondere in seiner Funktion als Traumlandschaft, und analysiert die wechselseitige Beziehung zwischen menschlicher Vernunft und unterdrückten emotionalen Trieben. Ziel ist es, durch ein dialektisches Modell die unterschiedlichen filmischen Walddarstellungen – vom romantischen bis zum feindlichen Wald – zu systematisieren und die Bedeutung des Waldes als Projektionsfläche für das Unbewusste anhand des Films „The Company of Wolves“ aufzuzeigen.

  • Die historische und symbolische Bedeutung des Waldes als Ort der Inspiration und der Phobien.
  • Die Gegenüberstellung von romantischer Naturrezeption und rational-aufgeklärter Waldnutzung.
  • Die Psychoanalyse des Traums als Raum für das Verdrängte innerhalb der filmischen Waldlandschaft.
  • Die Transformation von Kindheit zu Erwachsensein und die Integration des Animalischen am Beispiel von Neil Jordans „The Company of Wolves“.

Auszug aus dem Buch

3.1 Symbole des Übergangs

Der erste Traum Rosaleens in THE COMPANY OF WOLVES zeigt, wie ihre ältere Schwester durch den Wald irrt und anschließend durch ein Rudel Wölfe getötet wird. In dieser Sequenz legt der Film die Symbolik fest, der er bis zum Schluß folgen wird.

Der Wald wird sexualisiert, und zwar auf eine bewußt eindeutige, wenig subtile Weise: durch Fruchtbarkeitssymbole wie rote Beeren, überreife Früchte oder phallische Symbole wie schleimige Riesenpilze, Schlangen und Kröten. Diese Direktheit in den traumhaften Manifestationen der erwachenden Sexualität in Rosaleen unterstreicht die Unsicherheit und Unerfahrenheit, mit der Rosaleen ihrer Entwicklung noch entgegentritt. Die Bilder von Sexualität, die Rosaleen heraufbeschwört, sind direkt und unreflektiert, noch ohne Deutung und ohne Wertung.

Der Traumcharakter wird hier hervorgerufen durch die betonte Künstlichkeit der Umgebung. Künstlichkeit und Kulissenhaftigkeit im Gegensatz zu dem Natürlichen, dem nativ Gewachsenen: Diese Welt ist konstruiert, gebaut aus den Erinnerungen, Erfahrungen, Wünschen und Abneigungen Rosaleens, und diese manifestieren sich in dieser Traumwelt. Wir sehen Bilder aus Rosaleens realem Leben, die sich in diese surreale Kunstwelt als Relikte eines vergangenen Lebens, nämlich dem der Kindheit, eingeschmuggelt haben: der Teddybär, die Miniaturausgabe des Elternhauses (ein Indiz dafür, wie sehr das Korsett des behüteten Aufwachsens Rosaleen immer mehr einschnürt), oder die verstaubte und von Spinnweben überzogene Standuhr. Diesen Relikten, diesen Symbolen für unschuldige Jugend, Geborgenheit und Ordnung, werden die schon vorhin angesprochenen Symbole für das Verbotene, das „Obszöne“, zur Seite gestellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Fragestellung ein, wie der Wald als filmischer Traumort fungiert und welche Bedeutung er als Protagonist oder Antagonist in der Erzählung einnimmt.

2 Vom romantischen Wald zum Traumwald: Hier werden die theoretischen Grundlagen gelegt, indem der Wandel vom romantischen Naturverständnis über die rationale, feindliche Waldauffassung bis hin zur psychologischen Deutung als verbotene Zone und Traumraum nachgezeichnet wird.

3 The Company of Wolves: Das Kapitel analysiert die konkrete Umsetzung der theoretischen Waldbilder in Neil Jordans Film, wobei insbesondere Übergangssymbole und der Konflikt zwischen animalischem Trieb und Vernunft untersucht werden.

4 Schlußbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung des dialektischen Beschreibungsmodells und gibt einen Ausblick auf weitere lohnenswerte Forschungsfelder hinsichtlich der Landschaftsdarstellung im Film.

Schlüsselwörter

Wald, Filmwissenschaft, Traumlandschaft, Romantik, Aufklärung, Psychoanalyse, The Company of Wolves, Unbewusstes, Sexualität, Adoleszenz, Trieb, symbolischer Raum, Genre-Film, Naturrezeption, Identitätssuche.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Wald als komplexen, symbolischen Handlungsort in Filmen und untersucht, wie sich kulturelle und philosophische Konzepte von Natur in der filmischen Darstellung widerspiegeln.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen den Gegensatz zwischen Romantik und Aufklärung, die psychoanalytische Deutung von Traumlandschaften und die filmische Darstellung von pubertären Reifeprozessen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, ein dialektisches Modell zu entwerfen, das es erlaubt, verschiedene filmische Walddarstellungen systematisch in einen wissenschaftlichen Kontext einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein dialektisches Beschreibungsmodell genutzt, das die Stadien vom romantischen Waldbild über die Antithese des feindlichen Waldes zur Synthese der „verbotenen Zone“ und schließlich zur Abstraktion als Traumlandschaft führt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird die theoretische Herleitung der verschiedenen Waldbilder mit einer detaillierten Filmanalyse von Neil Jordans „The Company of Wolves“ verknüpft, um die psychologische Dimension der Kulisse zu beleuchten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wald, Traumlandschaft, Psychoanalyse, Romantik, Aufklärung und Transformation charakterisieren.

Welche Rolle spielt der „Huntsman“ im Film „The Company of Wolves“?

Der „Huntsman“ dient als Verkörperung des animalischen Triebes, der hinter einer charmanten, höfischen Maske verborgen ist und den Übergang der Protagonistin von der kindlichen Unschuld zum Erwachsensein markiert.

Warum wird der Wald im Film als „verbotene Zone“ bezeichnet?

Der Wald fungiert als Inkarnation des vom modernen Menschen verdrängten Ursprünglichen und des Animalischen, das durch Regeln, gesellschaftliche Moral und Vernunft kontrolliert werden soll.

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Details

Title
Wald als Traumlandschaft
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Filmwissenschaft)
Course
Landschaft und filmischer Raum
Grade
Sehr gut (1,0)
Author
Christian Hein (Author)
Publication Year
2003
Pages
19
Catalog Number
V11103
ISBN (eBook)
9783638173568
Language
German
Tags
Wald Traumlandschaft Landschaft Raum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Hein (Author), 2003, Wald als Traumlandschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11103
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