Die Subkultur der Gothics


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

26 Seiten, Note: 2,3


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Gliederung

1. Einleitung

2. Was sind Subkulturen?

3. Die Anfänge der Gothicbewegung
3.1. Die Entwicklung der heutigen Gothicszene
3.2. Was treibt Jugendliche dazu, sich dieser Szene anzuschließen?
3.2.1. Helspers Meinung zu den Gründen der Jugendlichen
3.2.2. Kritik an Helsper

4. Zum äußeren Erscheinungsbild der Gothics
4.1. Accessoires der Gothics
4.2. Tanz und Musik

5. Zum Unterschied zwischen Satanisten und Gothics
5.1. Satanist oder Gothic?
5.2. Der Mordfall Ruda

6. Ist man als Gothic wirklich frei von gesellschaftlichen Zwängen? Und wie individuell ist man?

7. Schlusswort

1. Einleitung

Jeder hat sie schon einmal gesehen und vielen Menschen machen sie angst. Die seltsame Kleidung, die blasse Hautfarbe und ihr scheinbar extremes Auftreten schockiert und soll schockieren.

Die Rede ist von so genannten Gothics oder auch Gruftis.

In unserer Gesellschaft ist es nicht mehr sehr einfach aufzufallen. Jeder will anders sein und nach dem Krieg und der Emanzipation ist vieles erlaubt, was früher verpönt war. So leicht kann uns nichts mehr schocken. Es sei denn, es ängstigt uns. Man sagt Gothics nach, Satanisten zu sein. Nachts auf dem Friedhof herumzuschleichen, Leichen auszugraben und rituelle Opfer zu bringen. Auch von Blutopfern ist hierbei die Rede. Man denkt an Sekten, die in der Ruhe der Nacht auf Friedhöfen heimliche Messen zelebrieren und dabei Satan heiligen.

Doch entspricht dies der Tatsache? Wie vieles in unserer Gesellschaft, ist auch dies eines der Phänomene, die vor Klischees nur so wimmeln.

Auch wenn es heutzutage schwerer ist aufzufallen, so ist es immer noch relativ einfach Menschen Angst zu machen. Menschen fürchten, was sie nicht kennen und in den 60er Jahren haben selbst Hippies einigen Personen sehr viel Angst bereitet (nämlich der konservativen Bevölkerung).

Wenn dann jedoch noch Gerüchte um Teufelsanbetung hinzukommen, sind die Vorurteile schnell geschürt. Schnell erscheint es plausibel, dass diese Menschen das Blut ihrer Mitmenschen trinken und wenn nötig, sogar morden.

Es gibt zwar unter den Gothics durchaus Grabschänder; diese sind jedoch nicht akzeptiert und nutzen die Gothicbewegung als Deckmantel ihrer Taten.

Doch wenn dies alles nur Vorurteile sein sollen, wer sind die blassen Gestalten, die sich so anders kleiden und sich Gothics nennen dann wirklich?

Was motiviert sie und woher kommen sie?

Das soll im Laufe dieser Hausarbeit über die „ Subkultur der Gothics “ geklärt werden.

2. Was sind Subkulturen?

Subkulturen sind bestimmte Teilgruppen der Gesamtgesellschaft, die ihre eigenen Werte und Normen aufweisen und sich so von der Gesamtgesellschaft abgrenzen. Diese Werte und Normen teilen alle Mitglieder der Subkultur.

Subkulturen können heutzutage vor allem dadurch entstehen, dass die Jugendlichen heute mehr Zeit zur individuellen Freizeitgestaltung haben als noch vor 60 Jahren. Damals, in der Zeit des zweiten Weltkrieges, gab es zwar Widerstandsbewegungen gegen das Naziregime, doch es blieb keine Zeit für Freizeitgestaltung.

Heutzutage wird mehr Augenmerk auf eine gute schulische Bildung der Jugend gelegt. Da der Jugendliche länger lernt, kann er, denn er muss noch nicht so früh anfangen zu arbeiten, da er heute keinen Mitversorger der Familie mehr darstellt, sich mehr Zeit für seine Freizeitgestaltung lassen.

So kommt es zu einer Vielzahl von neuen Freizeitstilen, wovon einige eine Subkultur darstellen.

Jedoch kann eine Subkultur nicht mehr auf die Adoleszenz beschränkt werden, denn auch Erwachsene gehören bestimmten Subkulturen an.

Auch ist die Subkultur nicht abhängig vom Bildungsniveau ihrer Anhänger, da sich immer mehr Subkulturen herausbilden, denen Menschen verschiedenen Standes angehören, die sich auch alle in ein und derselben Gruppe bewegen. So etwas wäre früher unvorstellbar gewesen, als es noch Könige gab und das Volk, das ihnen unterwürfig war.

Es gab zwar im Mittelalter auch Gruppen, die man mit der Definition von Subkulturen erfassen könnte, zum Beispiel Hexen, jedoch gehörten diesen Gruppierungen dann nur Menschen eines Standes an.

Im 19. Jahrhundert ging die Provokation ebenfalls von gesellschaftlich Machtlosen und Außenseitern aus, denn Subkultur bedeutet auch immer Provokation, die darin die Möglichkeit sahen, ihre Hilflosigkeit der mächtigen Stände-Gesellschaft gegenüber auszudrücken, da es auch hier die Trennung von reich und arm, Adeligen und Arbeitern gab. Zwar gibt es immer noch verschiedene Schichten, diese können sich nun aber in der Subkultur mischen.

Häufig stellen Subkulturen heute einen Widerstand gegen die Gesamtgesellschaft dar und wollen auf die Missstände in dieser aufmerksam machen. Somit kennzeichnen sie die Probleme der Gesamtgesellschaft. Sie müssen sich vom normalen alltäglichen ablösen und auch Überschneidungen zu diesem aufweisen.

Äußerlich sind Subkulturen meist durch einen eigenen Modestil gekennzeichnet. Da es dem Jugendlichen meist an Macht fehlt, kann er seine Andersartigkeit am besten mit seinem eigenen Körper ausdrücken, in Form von auffälliger Kleidung, Tattoos und Piercings.

So versucht der Jugendlichen seine Missgunst der gesellschaftlichen Alltäglichkeit gegenüber auszudrücken. Durch dieses andere Aussehen kommt es jedoch auch zu den bestehen Vorurteilen den Subkulturen gegenüber, da viele Menschen hinter einem andersartigen Auftreten verbotenes vermuten.

Dies ist jedoch insofern positiv für die Subkultur, da sie so ihrem Ziel, das an die Öffentlichkeit zu bringen, was lange versteckt wurde, näher kommen. Denn andersartiges Auftreten löst auch Spekulationen aus und führt dazu, dass sich die restliche Gesellschaft mit der Position der Subkultur beschäftigt.

Die Subkultur der Gothicbewegung beschäftigt sich vor allem mit dem Umgang mit Tod, dem durch seine Omnipräsens das Furchteinflößende genommen werden soll.[1]

3. Die Anfänge der Gothicbewegung

Der Begriff „Gothic“ ist zum ersten Mal in England in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erschienen. Damals gab es so genannte „Gothic novels“[2], Geschichten, die an unheimlichen Plätzen wie Ruinen, Friedhöfen und dunklen Plätzen spielten.

Diese Geschichten waren sehr erfolgreich. Im 18. und 19. Jahrhundert kam es zu einer Romantikbewegung in der Gesellschaft, was ebenfalls die Entwicklung der heutigen Gothics bewirkte. Durch die Aufklärung, die jegliche Mystik und Romantik aus dem Leben der Gesellschaft verbannen sollte, kam es zu einer Gegenbewegung, die später durch die aufkommende Industrialisierung noch verstärkt wurde.

Hier waren keine romantischen Motive mehr gefragt, sondern Wachstum und Fortschritt.

Die frühen Gothics waren auf eine, an die Natur angepasste, Lebensweise bedacht. Sie wollten sich der Industrialisierung nicht fügen und sich die Romantik erhalten, weshalb auch heutzutage noch romantische Themen in der Gothicbewegung verankert sind.

3.1. Die Entwicklung der heutigen Gothicszene

Die Gothics, wie wir sie kennen, entwickelten sich vor allem Anfang der 80er Jahre aus kleinen Teilgruppen. Ihre Wurzeln liegen in der Punk und New Wave Szene, woher auch ihr politische Orientierung bzw. nicht Orientierung rührt.

Es gibt zwar klare Bewegungen gegen Rechtsradikalismus, jedoch ist die Szene nicht klar festgelegt. Es gibt auch Mitglieder, die schlichtweg keine Meinung zur Politik haben.

Ähnlich verhält es sich im Umgang mit der Religion. Dass man ein Gothic ist, bedeutet nicht, dass man keiner Religion angehören kann. Gothics beschäftigen sich mit Religion, können dieser jedoch meist nicht viel abgewinnen, da die Kirche in der Vergangenheit, ihrer Meinung nach, zu viele Fehler begangen hat.

Mystik, die es schon früh in der Entwicklung der Menschheit gab und die der Kirche immer ein Dorn im Auge war, wird zu einer Art Ersatzreligion für viele Gothics. Sie suchen nach Individualismus, den sie in der Kirche nicht zu finden vermuten, aber in der Mystik, weshalb diese sie so sehr fasziniert.

Nach einer ersten Welle der Faszination, die nun ein größeres Publikum erreichte, war die Gothicbewegung bereits Mitte der 80er Jahre dem Scheitern nahe.

Mit der deutschen Wiedervereinigung 1989/90 erhielten die Szene erneut einen Aufschwung, da Ost- und Westorientierung sich vereinten und die Szene wieder wachsen und populär werden ließ.

Durch immer mehr Bands und die immer populärer werdende Techno- und Waveszene erhielten die Gothics auch von solchen Personen Zulauf, die Szeneintern nicht geduldet werden, den so genannten „Mode-Gruftis“. Diese hatten keine Ahnung von der Überzeugung der richtigen Gruftis und waren nur Mitläufer, denen die Mode und die Musik gefiel.

Erschwerend hinzu kam eine, auch von der Presse ausgehende Faszination, der Szene. Die Medien wollten immer mehr über die Szene erfahren und haben dadurch vor allem Vorurteile über Satansanbetung et cetera geschürt. Dadurch verlor die Szene immer mehr ihrer Mystik, da immer mehr bekannt wurde und sich plötzliche jeder eine genaue Meinung zum Thema Gothic meinte bilden zu können.

Eine weitere Veränderung ist in der Szene heute zu beobachten, da diese Szene, die Anfangs vorwiegend aus Jugendlichen bestand heute immer „älter“ wird. Denn viele Anhänger der Szene bleiben ihr auch noch im Erwachsenenalter treu, was dazu führt, dass es immer mehr Gothics gibt und sie somit zu einer Art Massenbewegung werden.

Die echten Gothics werden mit diesem Massenzulauf eher verschreckt und finden ihre Ideale nicht mehr ausreichend vertreten. Manche wenden sich enttäuscht von der Szene ab.

Jedoch gibt es natürlich auch immer noch Jugendliche, die sich dieser Szene anschließen. Nicht aus modischen Gründen, sondern auf Grund von Faszination, Gruppenzugehörigkeit und scheinbaren Individualismus.[3]

3.2. Was treibt Jugendliche dazu, sich dieser Szene anzuschließen?

Jugendliche suchen vor allem in der Pubertät immer nach Möglichkeiten zur Identifikation. Die eigenen Eltern dienen dann nicht mehr als Vorbild und man sucht nach neuen Vorbildern. War Papa gestern noch der tollste Mann der Welt ist er dann nur noch der nervige Alte, der einen, mit seinen Verboten, davon abhält, Spaß zu haben.

Manche Jugendlichen machen das Gefühl des Entwurzeltseins durch. Sie kommen vielleicht aus zerrütteten Elternhäusern, was sie bereits verunsichert und auch die Veränderungen am eigenen Körper machen es ihnen zunehmend schwer diese Gefühle einzuordnen.

Gerade die Jugendlichen, die sich in ihrem Elternhaus nicht wohl fühlen suchen sich oft eine Ersatzfamilie, die sie dann in Form ihrer Freunde finden, oder sie suchen Anschluss bei bestimmten Gruppen.

Eine dieser Gruppen könnten die Gothics sein. Auch auf Jugendlichen hat die Aura, die die Gothics umgibt, eine anziehende Wirkung. Sie sind Geheimnisumwogenen, haben ihre eigene Lebensphilosophie und da den Jugendlichen die Selbstidentifikation schwer fällt, finden sie darin eine neue Möglichkeit zur Identifikation.

Die Gruppe folgt ihren Regeln, die die Jugendlichen aber lieber akzeptieren, als die des eigenen Elternhauses. Sie stellen sich gegen die unsinnig wirkenden Regeln der Eltern, brauchen aber dennoch Stabilität. Eben diese Stabilität gibt eine Gruppe, in der ein miteinander seinen geregelten Gang nimmt.

Zu dem hat man gerade in Subkulturen und Randgruppen ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Auch dies schätzen die Jugendlichen, besonders wenn ihre Eltern getrennt leben oder beide Ganztags arbeiten und keiner da ist, der dem Jugendlichen in der schweren Zeit seiner Entwicklung zum Erwachsenen zur Seit steht.

3.2.1. Helspers Meinung zu den Gründen der Jugendlichen

Helsper hat in seiner Studie zum „ Zusammenhang zwischen Okkultfaszination, satanistischen Okkultpraktiken und Lebensgeschichte[4], drei Gothicanhänger zu den Gründen befragt, die sie dazu bewogen sich der Gothicszene anzuschließen.

Helsper geht vor allem davon aus, dass Jugendliche sich dem Okkultismus zuwenden, wenn sie in der primären und sekundären Sozialisation nicht genügend Vertrauensbeziehungen zu signifikanten Anderen aufbauen konnten. Als allen einen gemeinsamen Grund nennt er ein

„…Lebensgefühl, eine(r) Traurigkeit und Melancholie vor dem Hintergrund ihrer Familienbiographien, verstärkt oder aktualisiert durch adoleszente Krisen, schulische Probleme, den Verlust nahe stehender Menschen oder das Ende erster Liebesbeziehungen…"[5]

Einengung sieht er ebenfalls als Grund für Jugendliche, sich der Gothicszene anzuschließen. Sie seien eingeengt durch die Religion, durch ihre Eltern und durch die Enge ihres Wohnortes.

Um der religiösen Enge zu entkommen, flüchten sie in den Okkultismus, der alles Religiöse in Frage stellt.

Eingeengt durch ihre dörfliche Umgebung und die Zwänge ihrer Eltern versuchen die Jugendlichen aus diesem Schraubstock der Erwartungen und Beobachtung herauszufinden und schließen sich Gruppen an, die ihnen das Gefühl von individueller Freiheit vermitteln.[6]

In ihrer Jugend wissen die Jugendlichen oft nicht mehr, wo sie stehen. Einerseits wollen sie schon erwachsenen sein und so behandelt werden, andererseits fühlen sie sich nicht mehr als Kinder und sind emotional sehr zerbrechlich und anfällig. Das ist ein Phänomen, das an die Midlife Krise im Erwachsenenalter erinnert. Die Überforderung mit dem eigenen Selbst kommt dadurch zustande, dass die alte Gussform, in der das Individuum sich selbst sah nicht mehr passt und die neue in der die Gesellschaft das Individuum sehen will, auch noch nicht so recht passen will. Gesellschaftliche Erwartungen sind sozialisiert, was es den Individuen besonders schwer macht, da sie versuchen müssen die Erwartungen der Gesellschaft mit ihren eigenen Vorstellungen über die neue Rolle zu vereinbaren.[7]

Die Jugendlichen schließen sich also einer Gruppe an, die ihnen neue Bezugspersonen bietet. Helsper gibt an, dass die drei Gothicanhänger als weitere Gemeinsamkeit die

„…Erfahrung des Isoliert-Seins und der Einsamkeit…“[8]

nennen. Sie haben eine einsame Kindheit gehabt, in der ihre Eltern sich nicht recht um sie gekümmert haben und suchen deshalb den Ausgleich in der Gruppe.

Zusammenfassend nennt Helsper also als Grund der Gothicanhänger sich eben dieser Bewegung anzuschließen, ein übermächtiges Elternhaus, eine schwere, einsame und trotzdem überwachte Kindheit und die Enge von Wohnraum und Religiosität.[9]

3.2.2. Kritik an Helsper

Die Tatsache, dass Helsper nur 3 Personen befragt hat, lässt die Frage zu, ob dies überhaupt repräsentativ für eine Subkultur sein kann, der doch seit den 80er Jahren eine Vielzahl von Menschen angehören. Zwar treffen seine Beobachtungen auf drei von ihnen zu, jedoch muss dies nicht bei allen Mitgliedern so sein. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass alle Jugendlichen, die vernachlässigt worden sind und ein strenges Elternhaus hatten sich den Gothics anschließen. Dann wäre sicher ein Drittel der Jugendlichen Gothics.

Zwar weiß man, dass ein sehr autoritäres Elternhaus dazu führen kann, dass die darin lebenden Jugendlichen sich rebellisch verhalten, indem sie sich gegen die Normen der Erwachsenen auflehnen, doch in einer Zeit, in der uns die „Super-Nanny“ Erziehungstipps via Fernseher gibt, weiß man, dass auch Anti-Autoritäre Erziehung, oder die romantische Erziehungsphilosophie, wie die Psychologie es nennt, nicht die Lösung darstellt.[10]

Jeder Mensch reagiert auf Einwirkungen durch die Gesellschaft verschieden und so kann es vorkommen, dass besonders labile Menschen sich Gruppen anschließen, in denen sie sich stärker fühlen.

Unsere Gesellschaft treibt uns zu immer mehr Leistung und hält dazu an, sich Emotionalität nicht zu erlauben. Diesen Leistungsdruck verkraften die Einen, die Anderen jedoch nicht. Das bedeutet nicht, dass sich alle labilen Menschen den Gothics anschließen, doch sie werden in unserer Gesellschaft zu Randgruppen, da sie im gesellschaftlichen Sinne nicht „richtig“ funktionieren.

Jugendliche sind noch labiler, da sie eben nicht nur den gesellschaftlichen Druck spüren, sondern sich auch noch mit sich selbst auseinander setzten. Kommt dann noch ein Elternhaus hinzu, das sich nicht ausreichend um sie kümmert, führt dies dazu, dass sie sich allein gelassen fühlen. Doch darauf reagiert der Eine in dem er sich aufgibt, der Andere mit Aggression gegen Dritte und noch ein Anderer schließt sich bestimmten Gruppen an.

Nach Helsper müssten die Gothics eine Subkultur aus depressiven, vernachlässigten Individuen sein, die sich ihrer beklemmenden Situation entziehen wollen.

Doch manche Menschen fasziniert die Szene einfach und sie wollen dazu gehören. Da ist die depressive Grundstimmung vielleicht nicht bei allen Anhänger gleichwertig.

Gothic ist in erster Linie eine Einstellung und ein Protest und diese Position vertreten auch Menschen, die nicht Zwangsläufig depressiv sind.

Auch Helspers Argument, die Jugendlichen würden der Enge ihrer Umgebung entfliehen wollen, mit der er das dörfliche Leben meint, kann man nicht einfach so akzeptieren.

Kommt es in einem Dorf zu einer Gruppenbildung, so gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder man schließt sich dieser Gruppe an oder man bleibt ein Außenseiter. Denn wenn es in einem Dorf zur Gruppenbildung kommt, ist nicht diese Gruppe eine Gruppe von Außenseitern, sondern der, der nicht dazu gehört. Jedenfalls ist dies unter Gleichaltrigen so. Natürlich werden die Dorfältesten nicht begeistert den Gothics beitreten, aber sie sind ja auch nicht deren Zielgruppe. Und dass sie über diese neue Gruppe schimpfen ist normal, da sich, in unserer Gesellschaft, über Generationen hinweg immer die Älteren über die Jüngeren beschweren.

In einem Dorf fallen Gothics natürlich nur mehr auf als in einer Stadt mit ihren tausenden von Einwohnern. Doch tatsächlich trifft man doch eher in der Stadt, auf der Straße, öfter Gruftis, als in einem Dorf.

Helspers drittes Argument, dass Jugendliche den Zwängen ihrer Religion entfliehen wollen, ist deshalb fragwürdig, da Religion, gerade bei Jugendlichen, heutzutage kaum noch einen großen Stellenwert hat.

Eine Befragung unter 150 Jugendlichen hat ergeben, dass die Jugendlichen, denen ihr Glauben wichtig ist, meist nicht katholisch oder evangelisch sind, sondern muslimisch oder griechisch-orthodox.[11]

Und den Anhängern dieser Religionen wäre ein Anschluss an eine Szene, wie den Gothics untersagt.

Den meisten Jugendlichen bedeutet Religion nicht viel und so ist kaum anzunehmen, dass sie viel Energie hineinstecken, um gegen sie zu rebellieren.

4. Zum äußeren Erscheinungsbild der Gothics

Gothics identifizieren sich neben ihrer Gesinnung vor allem über ihre Mode. In Gebieten die vorwiegend Industriell geprägt waren entwickelte sich ein entsprechender Stil. In den Gebieten, die viel alte Architektur aufwiesen, kleideten sich die Gothics romantischer. Daraus entstand diese gewisse Mischung, die heute als ihre Mode gilt. Doch eines haben sie alle gemeinsam:

sie tragen stets schwarz oder auch violett. Helsper sieht die Farbe Schwarz als

„Farbe herausgehobener, festtäglicher Anlässe…somit erhält die Farbe Schwarz die Bedeutung sozialer Distanzierung und Absetzung.“[12]

Doch diese Idee ist nicht neu. Schon Johnny Cash trug Schwarz, um sich von der Gesellschaft abzusetzen und Aufsehen zu erregen (was damals, in den 60ern, sicher noch leichter gelang als heutzutage).

In der Farbdefinition ist Schwarz gar keine Farbe. Heutzutage hat zwar jeder schwarze Kleidungsstücke im Schrank, aber Schwarz ist immer noch die Farbe der Trauer. Man trägt schwarz auf Beerdigungen. Auf Friedhöfen.

Somit ist diese Nicht-Farbe von den Gothics insofern klug gewählt, da man ihnen nachsagt, sich nachts dort herumzutreiben. Dann passen sie wenigstens farblich dorthin. Natürlich ist dies nicht so gemeint. Sie haben Schwarz vor allem deshalb gewählt, weil man damit Tod und Friedhof in Verbindung setzt. Doch vor allem Frauen tragen in der Gothic Szene auch violett.

Was ebenfalls sofort auffällt ist die blasse Gesichtshaut der Gothics. In einer Zeit in der Solarien boomen und „braun = schön“ gilt, ist dies ein gutes Mittel um aufzufallen.

Auch Leichen haben blasse Haut, was damit sicher impliziert werden soll.

Die meisten Gothics tragen außerdem Irokesenschnitte oder Undercut und haben ihre Haare schwarz gefärbt.

Ihr Auftreten soll dabei auch an das romantische Mittelalter erinnern, dass sie versuchen, sich zu bewahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[13]

„Typische“ Gothics in Biberach/Riss

4.1. Accessoires der Gothics

Tattoos und Piercings, die, je schmerzender sie aussehen, umso besser sind, schmücken viele Gothics. Die Motive sind meist mittelalterlich, gotisch, vor allem aber Totenköpfe, Skelette und Kreuze.

Frauen tragen viele aufwendige Accessoires. Mittelalterlich anmutende Ketten und Ringe, Kleider und Corsagen. Doch auch Männer tragen in der Gothic Szene Corsagen. Nicht selten steht die Sexualität im Vordergrund der Szene.

Durch Lack und Leder, zerrissene Kleidung bei den Männern und Miniröcken bei den Frauen wird hierauf ein deutliches Augenmaß gelegt.

Manche Gothic Frauen tragen um ihren Hals ein Halsband, zu dem der Partner die „Leine“ in der Hand hält. Dies ist eine offensichtliche, devote Haltung der Frauen, die jedoch in der Szene nicht verpönt, sondern, im Gegenteil, sogar erwünscht ist. Aus Asien kommt auch immer mehr der Trend der Gothic Lolita nach Europa. Dieser Modestil ist durch barocke Kleidung mit vielen anzüglichen Accessoires gekennzeichnet.

Sexualität und Tod sind in der Gothic Szene eng miteinander verbunden, weshalb auch das Auftreten der Gothics stets freizügig in ihrer Mode widergespiegelt wird.

4.2. Tanz und Musik

In der Musik liegt ebenfalls ein großer Wieder erkennungswert. Auch gibt es keinen richtigen Tanz, wie in der Popmusik beispielsweise. Gothics nennen es ihren Anti-Tanz, der ebenfalls ihr Anderssein widerspiegeln soll. Dabei bewegen sie sich scheinbar unkontrolliert und haben keine festen Schritte. Manchmal erinnert ihr Tanz auch an einfaches hin und her wiegen.

Aus dem Punk entstanden, gilt vor allem Wave- und Techno-Musik als Stilrichtung der Gothics. Mit dieser Musik können die Gothics sich identifizieren und ihre Stimmungen werden widergespiegelt. Themen der Musik sind vor allem Trauer, Tod, Verachtung, Verlassenwerden, Alleinsein, Todessehnsucht und Suizid.

Aber auch politische Themen werden in der Musik verarbeitet. In den 80ern entstanden, stand die Musik und dem Einfluss des kalten Kriegs, was man auch in den Texten hört, die vor allem, weil vom Punk geprägt, linksgerichtet sind.

Die Texte sind meist sehr poetisch, wobei die Musik ihnen fast ihre Poesie nimmt mit ihren Metallenen Tönen und ihrer Härte.

5. Zum Unterschied zwischen Satanisten und Gothics

Das es einen Unterschied zwischen diesen beiden Gruppierungen gibt, ist den meisten Menschen nicht ganz klar.

Wenn sie an eines von beiden denken, denken sie sofort an illegale Friedhofsriten, rituelle Opfer und Bluttrinken, Grab- und Leichenschändung und die Huldigung Satans.

5.1. Satanist oder Gothic?

Dies trifft jedoch auf Satanisten zu und nicht auf Gothics. Gothic ist, wie bereits erwähnt, aus dem Punk entstanden, der vor allem linksgerichtet und anarchisch ist. Gothics wollen auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam machen und den Tod als Akzeptables Ende eines Jeden Lebens erklären. Er soll keine Angst mehr machen, er soll entzaubert werden.

Satanisten hingegen heiligen Satan und schleichen nachts auf Friedhöfen umher. Nekrophilie und Mord (ritueller Mord) sind in dieser Szene weit verbreitet.

Im Satanismus ist kein Platz für Gott, der als ewiger Widersacher Satans gilt. Satanisten erheben sich selbst zu einer Art Gott. Dabei werden ethische Normen oder gesellschaftliche Beschränkungen nicht akzeptiert. Satan gibt Lebensenergie und stellt einen Sinn im Leben der Satanisten dar.

Dies ist in der Gothicbewegung nicht der Fall. Viele Gothics engagieren sich im Tier- und Umweltschutz.

Schwarz ist nicht gleich schwarz. Während Satanisten sich vor allem mit umgedrehten Kreuzen und den Zahlen 666[14] schmücken, welche Zeichen Satans sind, haben Gothics andere Motive. Zwar schmücken auch Gothics sich mit Kreuzen und Totenköpfe, doch ihre Kreuze sind nicht umgedreht; ihre Motive sind andere. Die meisten Gothics wollen einfach anders sein und einen Protest gegen Politik und Gesellschaft darstellen, in der ihnen die Solidarität fehlt.

Wir sehen also den klaren Unterschied, dass Satanismusanhänger durch Satan motiviert sind und sich allen gesellschaftlichen Regeln widersetzten, während Gothics vor allem ein Zusammengehörigkeitsgefühl und eine Art Ersatzfamilie suchen. Außerdem protestieren sie gegen die Politik, was jedoch ohne Gewalt und eher still passiert.

5.2. Der Mordfall Ruda

Am Beispiel des jungen Paares, Daniel und Manuela Ruda aus Witten, die „im Auftrag Satans“ einen gemeinsamen 33-jährigen Bekannten am 6. Juli 2001 ermordet haben, sieht man, dass Satanisten oft dazu bereit sind, für „ihren“ Satan, alle Wege zu gehen.

Zu ihren Motiven gab das Ehepaar an, dass Satan ihnen aufgetragen hätte, ihm ein Opfer zu bringen. Diesen „Auftrag“ haben sie mit 66 Hammerschlägen und Messerstichen erfüllt. Sie hatten ihr Opfer zu einer Abschiedsparty eingeladen, die ihm zu Ehren stattfinden sollte.

Die Wohnung sei schwarz gestrichen gewesen, überall Totenköpfe und am Fenster stand in blutroter Schrift „When Satan lives“, wie Polizeibeamte berichteten. Manuela Ruda habe sogar in einem Eichensarg geschlafen, in dem sie auch beerdigt werden wollte, wie sie es ihrer Mutter in einem Abschiedsbrief mitteilte.

Um das Opfer zu identifizieren sei eine DNA-Analyse notwendig gewesen.

Schon früher seien die Täter nachts auf Friedhöfen umhergeschlichen, haben im Austausch mit anderen Blut getrunken und rituelle Messen gefeiert.

Manuela Ruda erschien vor Gericht komplett schwarz gekleidet, hatte sich die rechte Kopfseite rasiert und dort ein schwarzes, umgekehrtes Kreuz hingemalt. Beide Angeklagten waren sehr aggressiv.

Ihr Opfer sei immer so lustig gewesen, sie wollten Satan einen Hofnarren schenken.[15]

Sicher ist dieser Prozess gegen das so genannte „Satanisten Paar“ Medienwirksam vermarktet worden, aber dies und auch die Äußerungen über rituelle Messen, zeigt, dass es so etwas wie Satanismus in unserer Gesellschaft wirklich gibt. Ob die Menschen psychisch krank sind, sei hier mal dahin gestellt, sicher ist jedoch, dass es Menschen gibt, die meinen, im Auftrag des Teufels zu handeln oder sogar handeln zu müssen.

6. Ist man als Gothic wirklich frei von gesellschaftlichen Zwängen? Und wie individuell ist man?

In der unserer Gesellschaft verfolgen viele Menschen die Ansicht, dass andere, die sich anders kleiden oder gar bestimmten Gruppen und Subkulturen angehören, sehr individuelle Menschen sind. Doch haben sie damit wirklich Recht? Macht es einen Menschen individuell, wenn er einer Subkultur angehört und sich anders kleidet als die übrige Bevölkerung.

Diese Abgrenzung zur restlichen Gesellschaft mag nicht der Norm entsprechen, doch frei von Normen ist dieser Mensch nicht. Es geht hierbei um das Wörtchen „frei“. Viele Menschen, die der Gothic oder auch der Schwarzen Szene angehören tun dies, um frei zu sein von gesellschaftlichen Normen und Zwängen. Doch sind sie das wirklich? Sie sind zwar Anti-konform mit ihrer speziellen Schminke, ihrer schwarzen Kleidung und ihrem fremden Lebensstil. Aber sie sind nicht frei.

In dem Buch „Individuelles Handeln und sozialer Einfluss: Einführung in die Sozialpsychologie.“ von Neuberger, Conradi und Maier sprechen sich die Autoren dafür aus, dass der Mensch immer gesellschaftlich geformt ist, auch wenn er sein Umfeld ändert und einer anderen Kultur angehört.

„ Normen übernimmt man als Mitglied von Gruppen- und verändert man, wenn man die Gruppe wechselt…wer im neuen Kollektiv akzeptiert werden möchte, muss das differenzierte Geflecht der gültigen Normen erkennen lernen und entsprechend handeln…“ [16]

Es gibt also keinen Fall, in dem man keiner Norm angehört. Der Mensch gehört immer Normen an und muss sich ihnen anpassen. Man kann nur die eine Norm verlassen, steuert dann jedoch sofort in eine neue Norm. Menschen kontrollieren gesellschaftliche Normen gegenseitig. Es ist verpönt, eine Frau zu schlagen. Wenn einer davon hört oder es sogar mit ansieht, wird er immer eingreifen oder, wenn er es nur von Bekannten hört, sich negativ darüber äußern. Es kommt bei Normverstößen zu negativen Sanktionen.

Schon dadurch, dass wir die Gothicbewegung als Subkultur begreifen, widerlegen wir die Ansicht, dass Gothics eine Anzahl von Individualisten sind. Denn laut Definition sind Subkulturen ja Gruppen mit eigenen Werten und Normen (siehe 2. „Was sind Subkulturen?“)

Sozialisation schafft Normen, denn durch unsere Sozialisation nehmen wir erst Werte und Normen, durch die signifikanten Anderen, auf. Ändern wir diese Normen, heißt das nicht, dass wir dann „Normfrei“ leben.

Auch die Schwarze Szene hat ihre Tabus, also Dinge, die der Norm widersprechen und sanktioniert werden. Schmidt und Neumann-Braun nennen als Beispiel hierfür die Studie von Helsper:

„…den so genannten Extrem-Gruftie, der sich durch die Verabsolutierung des schwarzen (Lebens-)Stils (etwa extreme und medienwirksame Formen, wie z.B. das Ausüben ‚harter’ okkulter Praktiken) selbst zum Klischee stilisiert.“ [17]

Das Tabubrechen bezieht sich vor allem auf die Handlungen, die in der richtigen Schwarzen Szene nicht erlaubt sind und ins Satanistische reichen.

„Das, was in der sozialen Typisierung der Gruftis von außen als das wesentliche Merkmal ihrer Kultur erscheint, ihre Grabrituale, ihre nekrophilen Aktivitäten und ihre Ausstattung mit Friedhofsgegenständen, wird in der Innerperspektive der Szene in einer Verkehrung eher zum Gruppentabu. Wer der äußeren, vor allem medialen Typisierung durch eine gruppenöffentliche extreme Selbstinszenierung entspricht, wird eher gemieden und zum Außenseiter.“ [18]

Dieses Beispiel beweißt, dass auch in der Subkultur Normen vorhanden sind. Denn der, der diese Normen bricht, wird zum Außenseiter. Und das, obwohl der Rest der Gesellschaft ihn schon vorher als Außenseiter gesehen hat. Er ist also wieder dort angekommen, wo er angefangen hat.

Ein ähnliches Beispiel gibt auch Richard in ihrem Buch „Todesbilder. Kunst, Subkultur, Medien.“ Hier ist von dem so genannten „Gool“ die rede, der ein Tabu der Gothicszene darstellt. Er ist ein Grabschänder, der Knochen ausgräbt und damit sein Zimmer schmückt. Der „Gool“ ist jedoch auch, genauso, wie er ein Tabu darstellt, auch ein Faszinosum der Szene, ebenso wie Suizid.[19]

Man sieht also, dass der Kontakt zu Toten und zum Grab in der Szene kritisiert wird und einen Bruch von Normen darstellt.

Der Tod ist in der Szene zwar Thema, aber dadurch, dass er so sehr thematisiert wird, stellt auch schon wieder keine Gefahr dar.

Gothic Anhänger versuchen sich nach Außen durch ihre Mode, helle Schminke im Gesicht, ihre Musik und vieles mehr abzugrenzen. Aber das macht sie nicht einzigartig, da es immer mehr Gothics gibt und die Modewelt auch so manches übernimmt. Diese Accessoires zur Unterstreichung ihres Glaubens, oder ihrer Gesinnung beweisen ebenfalls das bestehen von Normen in der Szene. Selten wird man einen braungebrannten Grufti mit einem gelben T-Shirt und Sandalen begegnen. Das ist nicht erlaubt, widerspricht der Norm und würde ihn in der Szene zum verpönten Außenseiter machen.

Helsper spricht davon, dass die Anhänger der Grufti Szene ihre Individualität gegenüber der Gruppe immer betonen. Doch wie individuell ist es wirklich, wenn in der Gothic Disco alle gleich aussehen?

Er spricht auch von einem zentralen Wert, der „Gewaltlosigkeit und der Friedfertigkeit“, was wieder dafür spricht, dass die Möglichkeit Individualität in der Szene aufzubauen stark eingeschränkt wird. Man möchte auffallen, klar, aber bitte nicht negativ.[20]

Sicher ließen sich an dieser Stelle noch mehrere Beispiele für das Bestehen von Normen und die dadurch eingeschränkte Individualität anführen, doch man sieht auch so, dass es schwer wird, daran festzuhalten, dass man nur dadurch, dass man einer Gruppe angehört, die anders aussieht und andere Hobbys zu haben scheint, zu einem Individualisten wird. Denn solange Mitmenschen da sind, gibt es bestimmte Regeln für ein ordentliches Miteinander und der, der diese Regeln nicht befolgt, gehört nicht mehr dazu.

„In dem Augenblick, in dem einer in die Welt eintritt, ist und bleibt er von anderen abhängig, die vor ihm da waren und neben ihm da sind.“[21]

7. Schlusswort

Wir haben nun also gesehen, was die Motive der Gothics sind, sich dieser Bewegung anzuschließen, was sie ausdrücken wollen, woran man sie erkennt und woran sicher nicht.

Man sieht, dass die gesellschaftlichen Vorurteile den Gothics gegenüber nicht greifen, was aber sicher nichts daran ändert, dass Vorteile weiter bestehen, denn diese gibt es in allen Bereichen des gesellschaftlichen Miteinander und wird es auch immer geben, da Menschen alles, was sie umgibt, beurteilen.

Natürlich sind nicht alle Gothics so harmlos, wie in diesem Referat dargestellt, denn auch unter ihnen gibt es Personen, die den Unterschied zwischen Satanismus und Gothicbewegung nicht kennen. Diese Personen sind aber die schwarzen Schafe der Szene und stellen eine Ausnahme dar.

Die Todessymbolik der Gothics, also das, was den meisten Menschen am meisten Angst einflösst, soll eine Kritik an der Gesellschaft sein, der die Gothics vorwerfen bestimmte Themen zu tabuisieren. Man könnte ihre Einstellung als kritische Betrachtungsweise der Gesellschaft sehen.

Themen wie Sterben und Tod werden unter der Oberfläche verborgen und man versucht sie zu verdrängen. Sie machen angst und sind negativ behaftet. Zwar weiß ein jeder, dass er einmal sterben muss, will sich dessen jedoch nicht öffentlich bewusst sein.

Diese Vorstellungen über den Tod sind nicht erst heutzutage entstanden. Schon früher galten Tote als unrein und Furcht einflössend. Man durfte zum Beispiel keine Nahrungsmittel im gleichen Haus aufbewahren, in dem sich eine Leiche befand, weil die Nahrungsmittel dann als verunreinigt galten.

Wenn ein Mensch stirbt, brechen all seine sozialen Kontakte ab, das heißt, der soziale Körper stirbt. Jedoch stört dies nicht denjenigen, der stirbt, sondern den Lebenden, der ohne jede Kenntnis darüber, wo der Tote sich psychisch jetzt befindet, zurückbleibt.

Diese Unkenntnis über das psychische Verbleiben des Toten macht den meisten Menschen angst.[22] Denn sie wissen nicht, wo sie einmal enden.

Gothics wählen den Weg der Konfrontation mit dem Lebensende, anstatt ihn zu verbergen. Sie machen sich in der Politik stark und im Tier- und Umweltschutz und sind eine Gruppe, die sicher nicht nur Trauer und Wut kennt. Vielleicht ist ein so offener Umgang mit dem Tod auch nicht die Lösung, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

[1] Aus Richard, B. (1995). „Todesbilder. Kunst, Subkultur, Medien“. München

2 URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Gothic_%28Kultur%29, Zugriff 02.05.2006

3 URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Gothic_%28Kultur%29, Zugriff 02.05.2006

4 Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. ,

Seite 67 f.

5 Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. ,

Seite 69 f.

6 Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. ,

Seite 69 f.

7 Whitbourne, S.K. & Weinstock, C.S. (1982). „Die mittlere Lebensspanne. Entwicklungspsychologie des Erwachsenenalters“ (Kap. 9 und 10). München: Urban & Schwarzenberg. Seite 221 f.

8 Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. ,

Seite 69 ff.

9 Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. ,

Seite 68 ff.

10 Montada, L. (1995). „Moralische Entwicklung und moralische Sozialisation.“ In R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), (Kap. 18) Weinheim: Beltz PVU.

11 Siehe Studie „Befragung an der Kerschensteiner Volksschule Augsburg zum Thema Schule, Freizeit, Zukunft“ von Draheim, Esser, Garip, Goerner, Wanninger, Weihing. Mai/ Juni 2006

12 Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. ,

Seite 72f.

13 URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Gothic_%28Kultur%29, Zugriff 02.05.2006

14 (1998) „Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Die Bibel. Gesamtausgabe.“, 4. Aufl., Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk Gmbh., Offenbahrung des Johannes, Offenbahrung Kapitel 13, Vers 18

15 http://rhein-zeitung.de/on/02/01/17/topnews/ruda.html

16 Aus Neuberger, O., Conradi, W. & Maier, W. (1985). „Individuelles Handeln und sozialer Einfluss: Einführung in die Sozialpsychologie“ (Kap. 4). Opladen: Westdeutscher Verlag 1985., Seite 135f.

17 Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster

konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 70f.

18 Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 70f.

19 Aus Richard, B. (1995). „Todesbilder. Kunst, Subkultur, Medien“. München. S 113 ff.

20 Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 71f.

21 Aus Neuberger, O., Conradi, W. & Maier, W. (1985). „Individuelles Handeln und sozialer Einfluss: Einführung in die Sozialpsychologie“ (Kap. 4). Opladen: Westdeutscher Verlag 1985., Seite 112f.

22 Macho, T. H. (1987). „Todesmetaphern. Zur Logik der Grenzerfahrung.“. Frankfurt/Main: Suhrkamp., S. 408 ff.

Bibliographie (1998) „Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Die Bibel. Gesamtausgabe.“, 4. Aufl., Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk Gmbh

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URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Gothic_%28Kultur%29, Zugriff 02.05.2006

[...]


[1] Aus Richard, B. (1995). „Todesbilder. Kunst, Subkultur, Medien“. München

[2] URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Gothic_%28Kultur%29, Zugriff 02.05.2006

[3] URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Gothic_%28Kultur%29, Zugriff 02.05.2006

[4] Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 67 f.

[5] Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 69 f.

[6] Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 69 f.

[7] Whitbourne, S.K. & Weinstock, C.S. (1982). „Die mittlere Lebensspanne. Entwicklungspsychologie des Erwachsenenalters“ (Kap. 9 und 10). München: Urban & Schwarzenberg. Seite 221 f.

[8] Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 69 ff.

[9] Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 68 ff.

[10] Montada, L. (1995). „Moralische Entwicklung und moralische Sozialisation.“ In R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), (Kap. 18) Weinheim: Beltz PVU.

[11] Siehe Studie „Befragung an der Kerschensteiner Volksschule Augsburg zum Thema Schule, Freizeit, Zukunft“ von Draheim, Esser, Garip, Goerner, Wanninger, Weihing. Mai/ Juni 2006

[12] Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 72f.

[13] URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Gothic_%28Kultur%29, Zugriff 02.05.2006

[14] (1998) „Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Die Bibel. Gesamtausgabe.“, 4. Aufl., Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk Gmbh., Offenbahrung des Johannes, Offenbahrung Kapitel 13, Vers 18

[15] http://rhein-zeitung.de/on/02/01/17/topnews/ruda.html

[16] Aus Neuberger, O., Conradi, W. & Maier, W. (1985). „Individuelles Handeln und sozialer Einfluss: Einführung in die Sozialpsychologie“ (Kap. 4). Opladen: Westdeutscher Verlag 1985. , Seite 135f.

[17] Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 70f.

[18] Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 70f.

[19] Aus Richard, B. (1995). „Todesbilder. Kunst, Subkultur, Medien“. München. S 113 ff.

[20] Aus Schmidt, A. & Neumann-Braun, K. (2004). „Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz.“ (Kap. 2) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. , Seite 71f.

[21] Aus Neuberger, O., Conradi, W. & Maier, W. (1985). „Individuelles Handeln und sozialer Einfluss: Einführung in die Sozialpsychologie“ (Kap. 4). Opladen: Westdeutscher Verlag 1985. , Seite 112f.

[22] Macho, T. H. (1987). „Todesmetaphern. Zur Logik der Grenzerfahrung.“. Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 408 ff.

26 von 26 Seiten

Details

Titel
Die Subkultur der Gothics
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Die gesellschaftliche Ordnung des Lebensendes- Sterben und Tod in kultursoziolischer Sicht
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V111172
ISBN (Buch)
9783640117840
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Subkultur, Gothics, Ordnung, Lebensendes-, Sterben, Sicht
Arbeit zitieren
Anna-Cathrin Esser (Autor), 2006, Die Subkultur der Gothics, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111172

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