Einordnung des Buches "Eine Woche voller Samstage" von Paul Maar in die Tradition der fantastischen Literatur


Hausarbeit, 2004

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale der traditionellen fantastischen Literatur
2.1 Die Themen der fantastischen Literatur
2.2 Die Themen der neueren fantastischen Literatur

3. Merkmale in: „Eine Woche voller Samstage“
3.1 Neue Kennzeichen fantastischer Literatur in: „Eine Woche voller Samstage“

4. Einordnung in den Kontext der fantastischen Literatur

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird das im Jahre 1973 erstmals erschienene Buch von Paul Maar: „Eine Woche voller Samstage“[1] in die Tradition der fantastischen Literatur eingeordnet. Es handelt sich hierbei um den ersten Band der Sams- Reihe des Autors.

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich belegen, ob es sich um ein Buch aus dem Bereich der traditionellen, fantastischen Literatur handelt. Hierfür werde ich einleitend die festgelegten Merkmale der Fantastik, aus der von mir ausgewählten Sekundärliteratur, darlegen. Die Themen der fantastischen Werke stelle ich nur sehr kurz im theoretischen Teil vor. Nach der Klärung der traditionellen Merkmale wird sich das Augenmerk auf die obig angegebene Primärliteratur richten. Lassen sich diese Merkmale und Themen bei Paul Maars` Text wieder finden, oder vermischt er modernere Kennzeichen der fantastischen Literatur mit denen der traditionellen Fantastik? Es bleibt demnach zu recherchieren, ob es überhaupt neuere Erkennungszeichen für diese spezielle Gattung in der Literaturwissenschaft gibt.

2. Merkmale der traditionellen fantastischen Literatur

Tzvetan Todorov hat sich 1970 sehr ausführlich mit dem Versuch beschäftigt, das Fantastische zu definieren.[2] Die Kennzeichen der fantastischen Literatur sind von ihm, überwiegend anhand französischer Lektüre, herausgearbeitet worden. Er verweist jedoch auch auf Beispiele deutscher Definitionsversuche.

Für die Gattung der fantastischen Literatur, ist nach Meinung Todorovs`, der bestehende Zweifel zwischen der Realität und einer imaginären Welt von großer Bedeutung. Dieser Zweifel zwischen den beiden Welten soll bis zum Schluss bestehen bleiben. In Deutschland ist zum damaligen Zeitpunkt dieser Zwiespalt nur bei der handelnden Person als bedeutsam gesehen worden.[3] Der russische Philologe Wladimir Solowjow hält diesen Zwiespalt zwischen den zwei Welten beim Leser für ein entscheidendes Kriterium.[4] Diese Ansicht teilt auch der Engländer Montagu Rhodes James.[5]

Todorov hat diese beiden Meinungen versucht für sich zu belegen und ist zu folgendem Schluss gekommen: „Das Fantastische impliziert also die Integration des Lesers in die Welt der Personen.“[6].

Demnach soll der Leser keine Distanz zum Werk haben, sondern sich in die Geschichte einleben. Der Leser bleibt genauso unschlüssig wie die handelnde Person. Die Zweifel an dem Geschehen müssen beim Leser auf jeden Fall vorhanden sein, können allerdings bei den handelnden Personen fehlen.[7]

Weiterhin hält Tzvetan Todorov die Haltung des Lesers für ein entscheidendes Kriterium der fantastischen Gattung:

„Dann ist noch wichtig, dass der Leser in bezug auf den Text eine bestimmte Haltung einnimmt: er wird die allegorische Interpretation ebenso zurückweisen wie die >poetische< Interpretation.“[8]

Die Doppeldeutigkeit der Geschehnisse hängt nach Meinung Todorovs` von der Schreibweise des Schriftstückes ab:„Imperfekt und Modalisation.“[9]

Die Begrifflichkeiten werde ich an dieser Stelle nicht näher erläutern. Sie werden bei der Untersuchung des Primärtextes erneut aufgegriffen.

Am Ende einer fantastischen Geschichte kommt es zu einer Entscheidung des Lesers. Er trifft die Wahl zwischen einer imaginären Welt oder einer natürlichen Lösung der Ereignisse. Genau an dieser Stelle wechselt das entsprechende Werk seine Gattung. Es wird zu einem Werk des Unheimlichen, oder zu einem Werk des Wunderbaren.[10]

Fantastische Literatur lässt das Wunderbare und das Unheimliche nicht ausschließen, es gibt in dieser Art von Lektüre Vermischungen. Fantastisch-Unheimliche Geschichten sind durch die ganze Erzählung unheimlich, finden jedoch am Ende eine logische Erklärung.[11]

Fantastisch- wunderbare Lektüre erkennt am Ende das Übernatürliche an und ist somit der reinen fantastischen Literatur am nächsten.[12]

Die Unvermischt- Unheimliche Lektüre werde ich nicht weiter ausführen, da sie für diese Hausarbeit ohne Bedeutung ist. Die Unvermischt- Wunderbare Literatur ist ebenfalls nicht von Bedeutung für die Einordnung des Buches: „Eine Woche voller Samstage“. Es sei lediglich erwähnt, dass das Wunderbare in dieser Gattung nichts Überraschendes ist. Es wird als völlig normal angesehen.[13]

Tzvetan Todorov benennt drei weitere Merkmale der fantastischen Literatur:

1. Bestimmter Gebrauch des bildlichen Diskurses. Hierbei entsteht das Übernatürliche dadurch, dass eine übertragene Bedeutung wörtlich genommen wird.[14]
2. Die Verwendung des bildlichen Diskurses. Gemeint ist die Redeform des Erzählers. Er redet in fast allen fantastischen Geschichten in >ich< Form und repräsentiert das Erzählte.[15]
3. Der syntaktische Aspekt. Hierunter ist der Spannungsverlauf des Textes zu verstehen. Todorov hält einen Spannungshöhepunkt am Schluss jedoch nicht für zwingend notwendig.[16]

2.1 Die Themen der fantastischen Literatur

Es wird bei Todorov in so genannte „Ich- Themen“ und „Du- Themen“ unterschieden.

Die Ersteren stammen aus dem Bereich des Wahnsinns, die Letzteren aus dem Bereich der Tabuthemen. Als Tabuthemen bezeichnet er z.B. „Inzest, Homosexualität, Liebe zu mehreren, Nekrophilie, exzessive Sinnlichkeit“.[17] Die Benutzung fantastischer Elemente war im 19. Jahrhundert ein Hilfsmittel, um einem Urteil, oder einer Zensur zu entgehen. Im 20. Jahrhundert hat sich die Denkweise in Bezug auf die Psychoanalyse verändert. Todorov stellt die Behauptung auf:„die Psychoanalyse hat die fantastische Literatur ersetzt (und damit überflüssig gemacht)“.[18]

2.2 Die Themen der neueren fantastischen Literatur

Tabuisierten Themen müssen sich im 20. Jahrhundert nicht mehr hinter der fantastischen Literatur verstecken. Die Fantastik erhält vor allem eine neue syntaktische Funktion. Es geht unter anderem um „das Ereignis und um die erzählerischen Effekte.“[19]

Am Anfang einer Erzählung soll es jetzt eine stabile Situation geben, die dann durch irgendetwas in ein Ungleichgewicht gebracht wird. Zum Ende der Geschichte wird dann das Gleichgewicht wieder hergestellt, allerdings mit einer Veränderung der Rolle, der handelnden Person.[20]

[...]


[1] Maar, Paul: Eine Woche voller Samstage. Hamburg: Oetinger 2000

[2] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S. 25-39.

[3] Vgl. Reimann, Olga: Das Märchen bei E. T. A. Hoffmann. Diss. München 1926. S. 73.

[4] Vgl. Tomaschewski, B.: Thematique; In: Theorie de la litterature. Paris 1965. S. 288.

[5] Vgl .James, Montagu Rhodes:Indroductions, In: V.H. Collins, Ghosts and Marvels. Oxford 1924. S. 6.

[6] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.31.

[7] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.33

[8] Ebd.

[9] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.37

[10] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.40-42.

[11] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.43.

[12] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.49.

[13] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.51.

[14] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.70.

[15] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.75-76.

[16] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.79-80.

[17] Vgl. Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S.141

[18] Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S. 143

[19] Vgl. Lovecraft, H. P.: Supernatural Horror in Literture. New York 1945. S. 59.

[20] Vgl. Todorov, T.: Einführung in die fantastische Literatur. S. 145-146.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Einordnung des Buches "Eine Woche voller Samstage" von Paul Maar in die Tradition der fantastischen Literatur
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
Paul Maar
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V111389
ISBN (eBook)
9783640094608
ISBN (Buch)
9783640573714
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einordnung, Buches, Eine, Woche, Samstage, Paul, Maar, Tradition, Literatur, Paul, Maar
Arbeit zitieren
Aletta Krüger (Autor), 2004, Einordnung des Buches "Eine Woche voller Samstage" von Paul Maar in die Tradition der fantastischen Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111389

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