Bislang gibt es keine Theorien, die sich konkret auf Smarte Quartiere beziehen. Die Arbeit stellt Theorien vor, die auf Smarte Quartiere angewendet werden können. Diese Arbeit erläutert, was Smarte Quartiere sind, und betrachtet diese mithilfe der Theorien von Eric Lansdown Trist, Michel Foucault und Sigmund Freud.
Das Konzept der Smarten Quartiere geht über einzelne Gebäude hinaus und nimmt ganze Wohnviertel in den Fokus, die zu Meilensteinen im Aufbau einer Smart City werden. Anders als bei Privathäusern und Privatwohnungen sind es hier nicht die Wohnungs- bzw. Hauseigentümer*innen, die für sich die Entscheidung für oder gegen ein Smart Home treffen, sondern es treten Wohnbaugenossenschaften und Stadtplanung als Hauptakteure auf, obwohl sie die Objekte später nicht selbst bewohnen.
Ob diese Objekte von potenziellen Bewohner*innen dann auch gerne angenommen werden, muss daher im Vorfeld untersucht werden. Andernfalls besteht die Möglichkeit, dass sich nicht genügend Interessent*innen für neu gebaute Smarte Quartiere finden und es dort zu Leerstand kommt. Bewohner*innen von bereits bestehenden Quartieren wenden sich möglicherweise gegen die Neuerungen, da ihre Interessen und Bedürfnisse nicht mit den Zielen und Visionen der Planenden übereinstimmen. Eventuell kommt es zu Auszügen und Vandalismus.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Smarte Quartiere
3 Theorien
3.1 Evolution sozio-technischer Systeme nach Eric Lansdown Trist
3.2 Panoptizismus nach Paul-Michel Foucault
3.3 Die psychologische Bedeutung der Wohnung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung smarter Quartiere unter Berücksichtigung sozio-technischer und psychologischer Aspekte, um theoretische Erklärungsmodelle für deren Akzeptanz oder Ablehnung durch Bewohner zu identifizieren und mögliche Konfliktpotenziale zu analysieren.
- Konzeptualisierung von Smarten Quartieren
- Anwendung der Theorie sozio-technischer Systeme
- Diskurs um digitale Überwachung und Privatsphäre (Panoptizismus)
- Psychologische Schutzfunktion und Bedeutung der Wohnung
- Herausforderungen bei der Akzeptanz durch Bewohner
Auszug aus dem Buch
3.1 Evolution sozio-technischer Systeme nach Eric Lansdown Trist
Das Konzept der Evolution sozio-technischer Systeme wird von Eric Lansdown Trist in seiner Veröffentlichung „The evolution of socio-technical systems. A conceptual framework and an action research program“ (1981) beschrieben. Trist war ein britischer Sozialpsychologe, der sich unter anderem mit der Organisationsentwicklung beschäftigte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er am Tavistock Institute in London angestellt. Gemeinsam mit Kenneth Bamforth erforschte er im Jahr 1949 im Auftrag des Tavistock Institutes Arbeitssysteme in britischen Steinkohlebergwerken, in denen neue „longwall mining“-Verfahren (im Deutschen als Strebbau bezeichnet) eingeführt worden waren. Im Zuge dieser Forschung entstand der Begriff des sozio-technischen Systems und sie regte die Theorie der sozio-technischen Systeme an (vgl. Trist 1981: 5ff. und Austrom 2018: 2). Trist postulierte, dass das technische System und das soziale System nicht nur von- einander getrennt zu betrachten seien, sondern auch die Beziehung zwischen den beiden Systemen untersucht werden müsse (Trist 1981: 7).
Das sozio-technische System begreift Mensch und Technik in einer Beziehung zu- einander, die sich durch gegenseitige Abhängigkeit und das gemeinsame Arbeiten auf dasselbe Ergebnis hin auszeichnet. Diese „human-computer interaction“ (Felici 2006:70) bzw. „Mensch-Maschine-Einheit“ (Ropohl 2009: 58) lässt sich am Beispiel der Texterstellung am PC verdeutlichen:
„Wenn Text geschrieben wird, tut das nicht allein der Mensch, aber es ist auch nicht allein der Computer, der den Text schreibt; erst die Arbeitseinheit von Mensch und Computer bringt die Textverarbeitung zuwege.“ (ebd.)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der smarten Quartiere ein und stellt dar, dass für diesen Bereich bislang keine dedizierten Theorien existieren, weshalb die Arbeit bestehende Ansätze auf das smarte Wohnen anwendet.
2 Smarte Quartiere: Dieses Kapitel erläutert das Konzept smarter Quartiere, definiert die Begriffe "smart" und "Quartier" und beleuchtet die Herausforderungen bei der Implementierung sowie die Akzeptanz durch Bewohner.
3 Theorien: In diesem zentralen Kapitel werden die sozio-technischen Systeme nach Trist, der Panoptizismus nach Foucault sowie die psychologische Bedeutung der Wohnung als theoretische Erklärungsansätze für smarte Quartiere analysiert.
Schlüsselwörter
Smarte Quartiere, Smart Home, sozio-technische Systeme, Eric Lansdown Trist, Panoptizismus, Paul-Michel Foucault, Privatsphäre, digitale Überwachung, Nutzerakzeptanz, psychologische Bedeutung, Wohnung, Mensch-Maschine-Einheit, Lebensqualität, Stakeholder-Partizipation, Datensicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen smarter Quartiere und untersucht, wie soziologische und psychologische Theorien genutzt werden können, um die Akzeptanz von Smart-Home-Technologien durch die Bewohner besser zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen sozio-technische Systeme, Konzepte der Überwachung im digitalen Kontext sowie die psychologische Schutzfunktion des privaten Wohnraums.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, das Fehlen spezifischer Theorien für smarte Quartiere zu adressieren, indem verschiedene disziplinübergreifende Ansätze auf dieses Feld angewendet werden, um potenzielle Akzeptanzhürden aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und der Zusammenführung existierender Modelle (Systemtheorie, Philosophie, Psychologie), um diese auf das Phänomen der smarten Quartiere zu transferieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst das Konzept smarter Quartiere definiert und anschließend drei spezifische Theorien vorgestellt: die sozio-technischen Systeme, der Panoptizismus und die psychologische Bedeutung der Wohnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Smarte Quartiere, sozio-technische Systeme, Privatsphäre, Panoptizismus und digitale Überwachung.
Inwiefern beeinflusst die Theorie von Trist die Betrachtung smarter Quartiere?
Trists Theorie der sozio-technischen Systeme verdeutlicht, dass technische Ausstattung und soziale Gemeinschaft (Bewohner) in einer wechselseitigen Abhängigkeit stehen; ein Erfolg hängt davon ab, ob das System soziale Bedürfnisse erfüllt.
Was besagt die Anwendung des Panoptizismus auf das smarte Wohnen?
Durch die ständige Datenerzeugung mittels Sensoren in einem Smart Home könnten Bewohner das Gefühl entwickeln, jederzeit überwacht zu werden, was zu einer internalisierten Selbstzensur oder Paranoia führen kann.
Warum ist die psychologische Bedeutung der Wohnung für die Untersuchung wichtig?
Die Wohnung fungiert als psychologischer Rückzugsort und Ersatz für den Mutterleib; eine zu starke Digitalisierung könnte diese Schutzfunktion gefährden und somit eine Ablehnung durch die Bewohner provozieren.
- Arbeit zitieren
- M. Bernt (Autor:in), 2019, Smarte Quartiere. Wohnen und Stadtplanung mit Trist, Foucault und Freud, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1119635