Soziale Altenarbeit

Eine Übersicht über aktuelle familiale Entwicklungstendenzen und Generationenbeziehungen in Bezug auf ältere Menschen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Aktuelle familiale Entwicklungstendenzen
2.1 Die Familie im Wandel
2.2 Erwerbsarbeit und Familie
2.3 Folgen für die Altersstruktur der Bevölkerung

3 Generation und Generationsbeziehungen
3.1 der Begriff der Generation
3.2 Generationenbeziehungen auf Gesellschaftsebene
3.2.1 Der Staat und die ältere Generation
3.2.2 Die Gesellschaft und die ältere Generation
3.3 Generationenbeziehungen innerhalb der Familie
3.3.1 Die Rolle als Großeltern
3.3.2 Kontakte mit der Familie
3.3.3 Lernen der Älteren in Generationenbeziehungen

4 Resümee

5 Literaturliste

1 Einleitung

Unsere Gesellschaft wird im Schnitt immer älter. Mit dieser Überalterung entstehen neue Problemlagen und neue Chancen. Auch die soziale Arbeit muss sich auf diesen gesellschaftlichen Wandel einstellen. Das Seminar „Soziale Altenarbeit“ befasst sich eben mit jenem Aufgabenfeld der sozialen Arbeit und seinen einzelnen Teilbereichen.

Unser Referatsthema steht am Anfang des Seminars und beleuchtet zwei Teilaspekte des Alterns in der modernen Gesellschaft: Die aktuellen familialen Entwicklungstendenzen sowie den Begriff der Generation, verschiedene Generationsbeziehungen und wie diese gelebt werden können. Zusammen mit der zweiten Sitzung werden hier die aktuellen gesellschaftlichen Grundbedingungen besprochen, unter denen ältere Menschen in der heutigen Gesellschaft ihr Leben bewerkstelligen müssen. Diese Erkenntnisse werden als Grundlage für den weiteren Verlauf des Seminars dienen.

Da ich (Daniel Wilhelm) mein Grundpraktikum im Bereich der sozialen Altenarbeit absolviert habe und auch mein im nächsten Semester anstehendes Hauptpraktikum in diesem Arbeitsfeld angehen werde, war es für mich reizvoll, dieses Seminar zu besuchen. Zudem herrscht eine große Diskrepanz zwischen der Bedeutung der alternden Gesellschaft für die soziale Arbeit, und die an der Universität Tübingen dazu angebotenen Veranstaltungen. Wenn man sich die demographische Entwicklung der deutschen Bevölkerung betrachtet, ist es für uns nicht nachvollziehbar, warum die universitäre Ausbildung im sozialpädagogischen Bereich ihr Hauptaugenmerk vor allem auf Kinder und Jugendliche richtet, und nicht den Erwachsenen und älteren Menschen in der Bevölkerung ein größeres Forum einräumt.

Da wir beide davon ausgehen, im späteren Berufsleben mit Erwachsenen zu arbeiten, haben wir sehr gerne die Chance wahrgenommen, uns durch dieses Seminar dem oben genannten Bereich der Bevölkerung zuzuwenden und mehr über diese Altersgruppe zu erfahren.

2 Aktuelle familiale Entwicklungstendenzen

2.1 Die Familie im Wandel

In diesem ersten Teil unseres Referates beziehen wir uns vor allen Dingen auf Ergebnisse der Studie „Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und hierbei auf Erkenntnisse, die für die älteren Menschen in der Gesellschaft relevant sind.

Schon seit Jahrzehnten ist der Trend in den westlichen Industrienationen ein stetiger Rückgang der Geburtenzahlen verbunden mit dem Anstieg der Lebenserwartung. Die Folge davon ist eine zunehmende Überalterung der Gesellschaft. Gründe für diese Entwicklung gibt es viele, die Hauptursachen stellen zum einen die veränderte Rolle der Frau in der Gesellschaft dar, zum anderen die mangelhafte gesellschaftliche Anerkennung für „das Kinderkriegen“ (vgl. Woog 2006, S. 17). Tatsache ist allerdings, dass trotz allem jede(r) Zweite in Deutschland in einem Haushalt mit Kindern lebt und die „Normalfamilie“ immer noch die dominierende familiale Umgebung für heranwachsende Kinder ist. Der Anteil dieser Lebensform in der Gesellschaft ist aber aufgrund der weiter oben genannten Tatsachen seit langem rückläufig (vgl. BMFSFJ 2003, S. 2-3).

Um die aktuellen familialen Tatsachen und Zustände zu verstehen ist es hilfreich, einen Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung zu werfen. Seit Mitte der 70er Jahre zeichnet sich ein Trend ab, der folgende Merkmale aufweist und bis heute erkennbar ist: Zum einen steigt das Heiratsalter immer mehr an, es gibt immer mehr Ledige in der Bevölkerung und auch die Anzahl der Scheidungen nimmt zu (vgl. BMFSFJ 2003, S. 7). Diese Gründe sprechen allerdings nicht grundsätzlich gegen einen Kinderwunsch, allerdings wirken sich diese Entwicklungen negativ auf die Anzahl der geborenen Kinder aus: Bei einer späteren Heirat sinkt das Zeitfenster, indem Kinder geboren werden können, Geschiedene finden oft einen neuen Partner, der selbst Kinder hat und entscheiden sich dann gegen ein weiteres. Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland sieht folgendermaßen aus:

Im Jahre 1930 hatte jede Frau im Schnitt 2,2 Kinder, 1960 waren es nur noch 1,65, Mitte der 80er 1,5 und im Jahre 2000 1,36. Damit die heutige Generation der Kinder bei Erreichen des Erwachsenenalters zahlenmäßig so groß ist wie die Generation ihrer Eltern, müsste die ältere Generation im Schnitt 2,1 Kinder bekommen. Die sinkende Kinderanzahl hängt aber auch mit der steigendenden Bildungsqualifikation der Frauen ab. 44% aller Frauen die einen Hochschulabschluss anstreben bzw. haben, entscheiden sich dagegen, Kinder zu bekommen. Die Investition in Bildung geht oftmals einher mit einer fehlenden Investition in eine Familie. In der Gesamtbevölkerung bleiben dadurch ca. 29% der Frauen kinderlos. (vgl. BMFSFJ 2003, S. 8-9)

2.2 Erwerbsarbeit und Familie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Von der Hochschulqualifikation der Frauen abgesehen, ist auch die Erwerbsquote der Frauen in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich angewachsen und trägt indirekt zu einer zunehmenden Alterung der Gesellschaft bei. Denn diese Entwicklung führt zu problematischen Entscheidungssituationen für die Frauen, nämlich ob sie Kinder bekommen möchten oder nicht. Aufgrund des immer noch vorherrschenden patriarchalischen Gesellschaftsmodells auf der einen und mangelnden institutionellen Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder auf der anderen Seite entscheiden sich viele Frauen heutzutage für Berufstätigkeit und gegen Kinder (vgl. Woog 2006, S. 18). Wir gehen davon aus, dass mehr Frauen sich für Kinder entscheiden würden, wenn sich das gesellschaftliche Ansehen für Männer erhöhen würde, die sich dazu entscheiden, ihre Kinder daheim zu betreuen und nicht voll bzw. gar nicht berufstätig zu sein. Ebenso würde eine Verbesserung der Betreuungssituation für Kleinkinder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Frau erhöhen. Unsere Vermutung wird durch eine Studie aus dem Jahre 2000 bestätigt, in der deutlich wird, dass bei Frauen erhebliche Beschäftigungspotenziale bestehen, welche sie dann nutzen würden, wenn sie bessere Vereinbarungsmöglichkeiten zwischen Beruf und Familie hätten. Dieses Ergebnis der Studie bezieht sich zum einen auf ein erweitertes Angebot an institutioneller Kinderbetreuung als auch auf bessere Arbeitsbedingungen bzw. -Modelle wie z. B. die Möglichkeit zu Teilzeitarbeit. (vgl. BMFSFJ 2003, S. 15) Auch ein Blick auf die eigene Mutter lässt es für Frauen von heute notwendig erscheinen, einer eigenen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Denn deren Mütter sitzen heute oftmals in der Armutsfalle, da sie in den Familienjahren keine eigenen Rentenanteile erworben haben und die Rentenanteile der Männer allein oftmals keinen komfortablen Lebensabend ermöglichen (vgl. Woog 2006, S. 18).

2.3 Folgen für die Altersstruktur der Bevölkerung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die steigende Erwerbstätigkeit der Frauen und die unter anderem aus diesem Grund sinkende Geburtenrate eine tiefgreifende Veränderung für die Gesellschaft in Bezug auf ihre Größe und auf ihre Altersstruktur darstellt. Die Gesamtbevölkerung nimmt ab, der Anteil der über 65 jährigen wird von 16% im Jahre 2000 auf wahrscheinlich 29% im Jahre 2050 steigen. Im Gegensatz dazu wird der Anteil der Kinder und Jugendlichen in der deutschen Bevölkerung von 21% im Jahre 2000 auf wahrscheinlich 16% im Jahre 2050 sinken.

Eine weitere Veränderung der Altersstruktur wird sich daraus ergeben, dass der Anteil der Hochaltrigen (ab 80 Jahre) von derzeit 4% auf 11% im Jahre 2050 ansteigen wird. (vgl. BMFSFJ 2003, S. 11) Diese Hochaltrigen erreichen ihr hohes Alter z. B. aufgrund einer immer besser werdenden medizinischen Versorgung.

Mit der Verlängerung der Lebensspanne insgesamt einher geht ein eigener neuer Lebensabschnitt nach der Berufstätigkeit welche heutzutage meistens mit 65 Jahren endet. War das Rentenalter in der letzten Generation meistens eine Art „Abstellgleis“, so wird die heutige und alle weiteren Generationen im Schnitt immer fitter und immer noch mobil in diesen Lebensabschnitt eintreten und diesen gestalten wollen. Körperliche Beeinträchtigungen verschieben sich in ein höheres Lebensalter und es verlängert sich die Lebenszeit, in der die Älteren selbstständig und eigenbestimmt ihr Leben gestalten können. (vgl. Woog 2006, S. 18)

Diese Verlängerung der Lebenszeit insgesamt und die Zunahme von älteren Menschen in der Gesellschaft führt allerdings zu einer Verschärfung der schon bestehenden Rentenproblematik, da der Altersaufbau der Bevölkerung bisher für die Rentenfinanzierung von großer Bedeutung ist. Daher werden in allen EU-Staaten Anstrengungen unternommen, die Pensionssicherungssysteme diesen gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen.

Allerdings ist es heutzutage noch so, dass Sozialhilfe am seltensten von Älteren Menschen bezogen wird, und mit zunehmendem Alter die Anzahl einkommensschwacher Personen sinkt. Zudem besteht seit 2003 ein Gesetz zur Grundsicherung im Alter, welches die Existenzgrundlage für eine würdige Lebensführung im Alter schaffen soll. Diese Grundsicherung kann allerdings nur dann in Anspruch genommen werden, wenn das eigene Vermögen aufgebraucht ist. Das Einkommen der Kinder spielt aber bei der Grundsicherung keine Rolle (vgl. Woog 2006, S. 57-58). Wir könnten uns vorstellen, dass an dieser Stelle von Seiten der sozialen Altenarbeit Aufklärungsarbeit und Hilfe geleistet werden sollte, um die Möglichkeit dieser finanziellen Unterstützung für die Älteren bewusst und transparent zu machen. Uns überrascht es an dieser Stelle, dass das Thema Altersarmut zumindest in den letzten Jahren kein brennendes zu sein scheint. Vielmehr stellt es sich für uns so dar, dass eher Probleme im sozialen Bereich wie Einsamkeit und fehlende gesellschaftliche Integration als Hauptthemen die soziale Altenarbeit bestimmen.

Hochbetagt zu sein gehört heute im Schnitt zur Normalbiographie. Die Zahl der Hochaltrigen nimmt stetig zu, die drei-Generationenfamlilie ist zur Normalität geworden und selbst die vier-Generationenfamilie ist keine Seltenheit mehr. Astrid Woog schließt aus dieser Tatsache, dass die soziale Altenarbeit sich auf diese neuen Gegebenheiten einstellen muss und in Zukunft an Bedeutung zunehmen wird. (vgl. Woog 2006, S. 19) Das Verhältnis der Generationen zueinander und ihre veränderten Beziehungen heutzutage werden wir im späteren Teil des Referats näher beschreiben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am problematischsten für die Familie stellen sich die Hochbetagten dar. Deren Lebenssituation sieht heutzutage folgendermaßen aus: Im Jahr 2000 lebten 88% der über 80-jährigen in Privathaushalten und nicht in Heimen oder ähnlichen Institutionen. Auffällig ist hierbei, dass es einen Unterschied macht, ob es sich um eine hochbetagte Frau oder einen hochbetagten Mann handelt. Bei den Männern bleibt der Mehrpersonenhaushalt die dominierende Lebensform, wohin gehend die Frauen ab ca. 80 Jahren überwiegend alleine leben. Der Grund dafür liegt vor allem in der höheren Lebenserwartung der Frauen, sie tragen damit ein höheres Verwitwungsrisiko als die Männer. (vgl. BMFSFJ 2003, S. 4) Zudem wird es zukünftig durch die gestiegene Scheidungshäufigkeit und die sinkende Heiratsrate zu einer Zunahme der Ein-Personen Haushalte insgesamt kommen und partnerschaftliches Unterstützungspotential fehlen, auch für die Männer. Obwohl sich in Hinsicht auf die momentanen gesellschaftlichen Entwicklungen zunehmend neue Lebensformen auch im Alter bilden, wird auch hier die soziale Altenarbeit gefordert sein. Durch die oben aufgeführten Gründe wie z.B. die sinkende Geburtenrate wird es unserer Meinung nach in Zukunft immer mehr vereinsamte alte Menschen ohne Partner und pflegende Angehörige geben und diese Gründe erfordern es, diese alten Menschen auf ihrem Lebensweg im Alter zu unterstützen und sie wenn möglich in der Gesellschaft eingegliedert zu lassen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Soziale Altenarbeit
Untertitel
Eine Übersicht über aktuelle familiale Entwicklungstendenzen und Generationenbeziehungen in Bezug auf ältere Menschen
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Soziale Altenarbeit
Note
1,0
Autoren
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V112144
ISBN (eBook)
9783640107872
ISBN (Buch)
9783640109678
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Altenarbeit
Arbeit zitieren
Heike Matejka (Autor)Daniel Wilhelm (Autor), 2008, Soziale Altenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112144

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