Die Vorbereitungen meiner Reise nach Indien begannen bereits im Herbst 2006. Wir waren sieben Studierende der Fachhochschule Frankfurt mit Herrn Philipp Müller, Sozialarbeiter der Evangelischen Studentengemeinde in Frankfurt, der auch die Reiseleitung hatte und sich seit Jahren mit Indien eng verbunden fühlt. Er gab uns
einen ersten Einblick in die indische Wirklichkeit z. B. das Kastensystem, die verbreitete Kinderarbeit und die hygienischen Zustände. Ich hatte zuvor bereits Australien 5 Monate bereist, danach die USA und nun war ich sehr auf Indien gespannt. Während meine beiden ersten Reisen vor allem meiner sprachlichen
Entwicklung dienten, war das Indienpraktikum ganz anders angelegt: Es handelt sich vielmehr um ein Austauschprogramm mit Studierenden der Fachhochschule Frankfurt und Mitarbeitern der Community Development Society in Indien und beinhaltet den Besuch der National Campaign on Dalit Human Rights im Netzwerk für Menschenrechte der Dalits in Delhi und soll Einblicke in die Strukturen der Netzwerkarbeit vor Ort und deren Anbindung an internationale Organisationen gewähren. Indien stellte ich mir als ein hektisches, übervölkertes und schmutziges Land vor, das aber andererseits fröhlich, farbenfroh und geheimnisvoll wirkt. Was wir vor Ort antrafen, war für Europäer unvorstellbar. Hygiene gibt es nicht: Exkremente von Mensch und Tier umgeben die Straßen, Müll und Kadaver kommen hinzu und der Verkehr, der Lärm, der Smog, der Gestank, halbnackte Kinder, armselige Behausungen, Kühe überall Kühe kurzum die miserablen Lebensbedingungen dominierten zunächst meine Eindrücke.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung: meine Indienexkursion
2. Intention der Arbeit
3. Die indische Gesellschaft – Geschichte, Soziales, Wirtschaft und Politik
4. Hinduismus
5. Systeme sozialer Ungleichheit
5.1 Kastenwesen
5.2 Varna und Jati
6. Dalits (Unberührbare)
6.1 Begriff
6.2 Unberührbarkeit
6.3 Soziale Situation
6.3.1 Das Leben in Dörfern und in Städten
6.3.2 Charakteristika
6.4 Rechtliche und politische Lage der Frauen im Allgemeinen
6.5 Frauen und Kinder
6.5.1 Situation
6.5.2 Vision
7. Lösungsansätze
7.1 Indische Regierung
7.2 Dalit-Bewegung und NGOs
7.3 Beispiel CDS
7.3.1 Interview mit Manoj Macwan
7.3.2. Projekte
8. Kritische Würdigung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die prekäre wirtschaftliche und soziale Situation von Dalit-Frauen und Kindern in Indien unter besonderer Berücksichtigung der Community Development Society (CDS). Ziel ist es, in Deutschland ein Bewusstsein für die systematische Ausgrenzung dieser Bevölkerungsgruppe zu schaffen und aufzuzeigen, wie durch gezielte Hilfe zur Selbsthilfe und soziale Initiativen langfristige Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen erreicht werden können.
- Die sozio-ökonomischen Hintergründe und das Kastensystem in Indien
- Die doppelte Diskriminierung von Dalit-Frauen durch Kastenzugehörigkeit und Geschlecht
- Die Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen sowie von Nichtregierungsorganisationen (NGOs)
- Praktische Lösungsansätze anhand des CDS-Projekts
Auszug aus dem Buch
6.5.1 Situation
„Accamma lebte trotz ihres harten und beschwerlichen Lebens, das seine Spuren hinterlassen hatte, mit Stolz und Würde. Ihr Mann war Alkoholiker und hatte sie verlassen. Accamma wohnte im ‚Adi-Dravida-Teil’ des Dorfes, wo sie nur mühsam für sich und ihre Kinder den Lebensunterhalt verdienen konnte. Ihr Vermieter, ein Mann einer höheren Kaste, hatte schon zweimal versucht, sie sexuell zu belästigen, aber sie wies seine Annäherung zurück. Eines Tages, als sie auf dem Weg zur Arbeit an seinem Haus vorbei kam, sah sie ihn mit begehrlichen Blicken in seiner Tür stehen. Als Zeichen ihrer Verachtung spuckte sie den Saft der Betelnuss, die sie gerade kaute, in seine Richtung. Sie wollte nicht zulassen, dass ihr Frausein herabgewürdigt wurde. Am Abend bei ihrer Rückkehr von der Arbeit lauerten ihr fünf Männer auf, die sie grün und blau schlugen und halbtot liegen ließen. Auf Befragen antwortete der Vermieter: ‚Wie kann sie es wagen, in meine Richtung zu spucken? Sie ist eine Dalit und noch dazu eine Frau!“ (Ebenda, S. 98 f.).
Dr. Ambedkar beschrieb das Kastensystem als eine Pyramide von aufeinander gesetzten Tontöpfen: Es ist nicht nur so, dass Brahmanen und Kshatriyas an der Spitze und die Shudras und die Unberührbaren unten sind, sondern „in jedem einzelnen Topf sind die Männer oben und die Frauen der selben Kaste unten, wie zerbröckelte und wegzuwerfende Reste. Und ganz unten sind die Dalits und noch darunter die unterdrückten Dalit Frauen.“ (Ebenda, S. 99).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: meine Indienexkursion: Die Autorin reflektiert ihre persönliche Reise nach Indien, ihre ersten Eindrücke von den Lebensbedingungen vor Ort und die Verbindung zur Community Development Society.
2. Intention der Arbeit: Die Arbeit motiviert sich aus der tiefen Betroffenheit über die Lebenssituation von Dalit-Frauen und Kindern und dem Ziel, in Deutschland ein Bewusstsein für deren Lage und mögliche Lösungswege zu schaffen.
3. Die indische Gesellschaft – Geschichte, Soziales, Wirtschaft und Politik: Das Kapitel bietet einen Überblick über die demografischen, historischen und politischen Rahmenbedingungen Indiens sowie die wachsende Diskrepanz zwischen wirtschaftlichem Boom und weit verbreiteter Armut.
4. Hinduismus: Es wird die fundamentale Rolle der Religion für die Themenstellung und deren Einfluss auf die soziale Struktur, insbesondere das Konzept des Karma und Dharma, erläutert.
5. Systeme sozialer Ungleichheit: Dieser Abschnitt diskutiert die theoretischen Konzepte des Kastenwesens, von Varna und Jati als soziale Differenzierungsinstrumente.
6. Dalits (Unberührbare): Das Kapitel beleuchtet den Begriff „Dalit“, die soziale Realität der Unberührbarkeit, sowie die rechtliche und politische Lage von Frauen und Kindern innerhalb dieser diskriminierten Gruppe.
7. Lösungsansätze: Es werden staatliche Versuche der Armutsbekämpfung sowie das Engagement der Dalit-Bewegung und von NGOs analysiert, mit einem Fokus auf das Praxisbeispiel CDS.
8. Kritische Würdigung und Ausblick: Eine abschließende Reflektion über die Machtstrukturen in Indien, den Einfluss der Globalisierung auf die Dalits und eine Einschätzung der zukünftigen Möglichkeiten für echte gesellschaftliche Veränderungen.
Schlüsselwörter
Indien, Dalits, Unberührbarkeit, Kastenwesen, Dalit-Frauen, soziale Ungleichheit, Community Development Society, Armutsbekämpfung, Menschenrechte, Diskriminierung, NGO, Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, Hinduismus, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Lage von Dalit-Frauen und Kindern in Indien unter besonderer Berücksichtigung der Arbeit der Nichtregierungsorganisation „Community Development Society“ (CDS).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das indische Kastensystem, die Auswirkungen des Hinduismus auf soziale Strukturen, Diskriminierung, Bildungsarmut und der Widerstand der Dalits gegen Unterdrückung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf die massive soziale Ausgrenzung von Dalits in Indien aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass durch lokales Engagement und Hilfe zur Selbsthilfe Wege aus der Unterdrückung möglich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer qualitativen Einzelfallbetrachtung durch ein Interview mit dem Gründer der Organisation CDS, Manoj Macwan.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Kastenwesen, die rechtliche Situation, die Lebensbedingungen von Frauen und Kindern sowie verschiedene Lösungsansätze von staatlicher und privater Seite.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen neben „Dalits“ und „Indien“ auch „Menschenrechte“, „soziale Ungleichheit“, „Kastenwesen“ sowie „Empowerment“.
Warum ist das Projekt CDS für die Arbeit so wichtig?
Es dient als praktisches Beispiel, das zeigt, dass Eigeninitiative und internationale Unterstützung wie durch Spenden aus Deutschland konkret dazu beitragen können, die Lebensumstände von Dalit-Frauen zu verbessern.
Welche Rolle spielt die Bildung in diesem Kontext?
Bildung wird als wesentlicher Schlüssel zur Bewusstseinsbildung und zum sozialen Aufstieg betrachtet, wobei besonders das Projekt der Nähschule den Frauen neue berufliche Perspektiven eröffnet.
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- Dana Hardt (Author), 2008, Soziale Lage von Dalit Frauen und Kindern in Indien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112339