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Zu: Robert Musil 'Die Amsel'

Azweis Flucht aus der Wirklichkeit: Versuch eines Individuationsprozesses

Title: Zu: Robert Musil 'Die Amsel'

Seminar Paper , 2007 , 18 Pages , Grade: 5.5

Autor:in: Séverine Gonin (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die vom österreichischen Autor Robert Musil geschriebene Novelle Die Amsel wurde in Der Neuen Rundschau im Jahre 1928 veröffentlicht. Die Niederschrift der Novelle zog sich über 10 Jahre hinaus. Robert Musil schrieb Die Amsel nicht in einem Zug, sondern bearbeite sie mehrmals. In den Tagebüchern kann der Leser die Spur von in Der Amsel aufgenommenen und von Musil beliebten Themen oder gar wortwörtliche Übertragungen verfolgen; beide bieten die Basisstruktur für die Novelle. Insgesamt sind vier Fassungen entstanden: Fassung A, Fassung B, Erstdruck (in der Neuen Rundschau, Heft 39) und die Ausgabe aus letzter Hand (‚Nachlass zu Lebzeiten) . Die Amsel muss also als ein mehrfach überarbeiteter Text betrachtet werden, wo der Autor seine Persönlichkeit und sein Erlebte einfliessen lässt.

Die Novelle fängt mit der Einführung der zwei Hauptfiguren Aeins und Azwei durch einen Ich-Erzähler an, der die Jugend von den beiden Figuren in einem religiösen Institut in groben Zügen darstellt und geht sowohl auf ihre frühere Freundschaft ein, als auch auf ihre Trennung nach dem Verlassen des Instituts. In dieser kurzen Einleitung erfährt der Leser mehr über Azweis Studentenzeit und seine „beträchtliche[n] Fehlschläge[n]“ (Amsel, S.133). Die drei Geschichten, die dieser Einführung folgen, werden von Azwei selber erzählt. Der Grund dieser Erzählung ist am Anfang der Novelle nicht ganz klar aber der folgende Satz weist auf einen gewissen Befreiungs- und Verständnisbedarf von Azwei hin: „ Azwei erzählte das nun Folgende in der Art, wie man vor einem Freund einen Sack mit Erinnerungen ausschüttet, um mit der leeren Leinwand weiterzugehen“ (Amsel, S.134). Wie ein Maler, der vor der leeren Leinwand steht und nicht weiss, wie er weitergehen soll, steht Azwei vor einer leeren Leinwand, bzw. vor seiner bedeutungslosen Existenz. Obwohl er viele Bilder im Kopf hat (in Form von Erinnerungen), ist er nicht in der Lage, etwas mit ihnen anzufangen. Azwei erzählt seinem Freund Geschichten aus seinem Leben in der Hoffnung, dass sein Vertrauter dann ihren Sinn verstehen kann. Dieser Erzählsituation folgt jedoch kein Dialog zwischen den beiden Figuren, sondern nur eine Art Selbstgespräch. In seiner im Jahre 1972 veröffentlichen Analyse über Die Amsel betrachtet Friedrich Krotz dieses Selbstgespräch als eine Anamnese, die Vorgeschichte einer Krankheit. Er fährt dann mit seiner Analyse fort und stellt eine Diagnose über Azweis mögliche Krankheit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung:

2 Der andere Zustand: auf dem Weg zur Individuation:

2.1 Definitionen: Realzustand und anderer Zustand

2.1.1 Erste Schritte zur Individuation

2.2 Azweis Flucht aus seinem monotonen Leben

2.2.1 Azweis Versuch eines Individuationsprozesses

2.3 Azweis Erlebnis mit dem Fliegerpfeil

2.3.1 Azweis Schwierigkeit, die Individuation zu erreichen

2.4 Azweis Reise zurück in die Kindheit

2.4.1 Scheitern der Individuation

3 Fazit:

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Individuationsprozess der Hauptfigur Azwei in Robert Musils Novelle "Die Amsel" und analysiert, inwiefern ihm die Flucht in den von Musil beschriebenen "anderen Zustand" zur Selbstverwirklichung verhilft.

  • Analyse des "anderen Zustands" im Gegensatz zum "Realzustand"
  • Untersuchung der Entfremdung und der Suche nach Identität
  • Thematisierung der Mutter-Sohn-Beziehung und deren symbolische Darstellung durch die Amsel
  • Psychologische Deutung des Scheiterns des Individuationsprozesses

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Azweis Versuch eines Individuationsprozesses

In seiner Berliner Umgebung kann sich Azwei nicht selbst verwirklichen. Nur dank eines Ausbruchs aus diesem Leben wird er in der Lage sein, sein Leben zu ändern und die Individuation zu erreichen. Nachdem er den anderen Zustand erlebt hat und danach die Entscheidung getroffen hat, seine Frau zu verlassen, sagt Azwei folgendes: „ Ich zündete eine Kerze an und betrachtete die Frau, die neben mir lag“ (Amsel, S.138). Wie man eine Kerze in einer Kirche für die Verstorbenen anmacht, zündet Azwei eine Kerze für die neben ihm liegende Frau an. Dies zeigt also, dass Azweis Frau in seinem Leben nicht mehr existiert; Er hat sich schon distanziert und tritt nicht mehr in seiner Rolle als Mann auf. Der Gebrauch des bestimmten Artikels anstatt des Possessivpronomens verstärkt diese Distanzierung. Expliziter sagt Azwei weiter: „ Nun bist du mir ganz fremd geworden“ (Amsel, S.139). Dies führt ihn zu der schon früher erwähnten Entfremdung. Er gehört nicht mehr zu dieser Existenz, denn er hat sich von seinen sozialen Bindungen entfernt. Das ist der erste Schritt zur Individuation.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Publikationsgeschichte der Novelle ein und erläutert die psychologische Erzählweise sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.

2 Der andere Zustand: auf dem Weg zur Individuation: Hier werden die zentralen Begrifflichkeiten von Realzustand und anderem Zustand definiert und Azweis gescheiterte Versuche der Selbstfindung anhand verschiedener Episoden analysiert.

2.1 Definitionen: Realzustand und anderer Zustand: Dieses Unterkapitel legt die theoretische Grundlage zur Unterscheidung zwischen der gesellschaftlich normierten Realität und dem mystisch-subjektiven Bereich der Freiheit.

2.1.1 Erste Schritte zur Individuation: Der Fokus liegt hier auf Azweis Abkehr von politischem Engagement und dem Übergang zur psychologischen Selbstauseinandersetzung nach Carl Gustav Jung.

2.2 Azweis Flucht aus seinem monotonen Leben: Es wird untersucht, wie die beengende Umgebung der Berliner Mietskaserne Azweis Identitätskrise verschärft und als Auslöser für seinen Fluchtversuch dient.

2.2.1 Azweis Versuch eines Individuationsprozesses: Das Kapitel beschreibt den konkreten Bruch mit seinem bisherigen sozialen Leben und die symbolische Distanzierung von seiner Ehefrau.

2.3 Azweis Erlebnis mit dem Fliegerpfeil: Hier wird die kriegerische Episode als weitere, jedoch ambivalente Flucht in den anderen Zustand analysiert, in der erneut ein symbolischer Auslöser die Wahrnehmung verändert.

2.3.1 Azweis Schwierigkeit, die Individuation zu erreichen: Dieses Kapitel thematisiert Azweis Egoismus und die Unfähigkeit, die mütterliche Verbundenheit zugunsten einer eigenständigen Individuation zu überwinden.

2.4 Azweis Reise zurück in die Kindheit: Es wird die letzte Erzählung analysiert, in der die Beziehung zur Mutter als zentrales, hinderliches Element für den Reifeprozess offenbart wird.

2.4.1 Scheitern der Individuation: Das Kapitel führt aus, warum die psychische Ablösung von den Eltern trotz physischer Distanz misslingt und Azwei in eine kindliche Abhängigkeit zurückfällt.

3 Fazit: Die abschließende Zusammenfassung konstatiert, dass der Individuationsprozess gescheitert ist und Azwei stattdessen in der Vereinsamung und Rückkehr zur Kindheit endet.

Schlüsselwörter

Robert Musil, Die Amsel, Individuation, anderer Zustand, Realzustand, Selbstverwirklichung, Entfremdung, Psychologie, C.G. Jung, Mutterkomplex, Identitätskrise, Literaturanalyse, Novelle, Subjektivität, Bewusstsein

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Novelle "Die Amsel" von Robert Musil und untersucht den Individuationsprozess der Hauptfigur Azwei im Kontext von Musils Theorie des "anderen Zustands".

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind die Spannung zwischen Realität und Mystik, die menschliche Entfremdung in der Massengesellschaft und die psychologische Entwicklung zum Individuum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es herauszufinden, ob und wie Azwei versucht, sich selbst zu verwirklichen, und warum dieser Prozess am Ende als gescheitert betrachtet werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin wendet eine literaturwissenschaftliche Analyse an, die psychologische Konzepte (insbesondere von C.G. Jung) nutzt, um die Entwicklung der literarischen Figur zu interpretieren.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von drei Erzählepisoden, in denen Azwei versucht, dem monotonen Alltag durch den "anderen Zustand" zu entfliehen, sowie die Untersuchung seiner gestörten Mutter-Sohn-Beziehung.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die wichtigsten Begriffe sind Individuation, anderer Zustand, Robert Musil, Selbstverwirklichung und Entfremdung.

Warum gelingt Azwei die Individuation laut der Analyse nicht?

Azwei scheitert, weil er sich nicht psychisch von seiner Mutter lösen kann; er bleibt in einer kindlichen Abhängigkeit gefangen, statt ein eigenständiges, erwachsenes Individuum zu werden.

Welche Rolle spielt die Figur der Amsel in der Novelle?

Die Amsel fungiert als zentrale Symbolfigur, die sich im Verlauf der Erzählung als Personifikation der Mutter entlarvt und Azweis Rückfall in die Kindheit verdeutlicht.

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Details

Title
Zu: Robert Musil 'Die Amsel'
Subtitle
Azweis Flucht aus der Wirklichkeit: Versuch eines Individuationsprozesses
Course
Krieg und Dichtung
Grade
5.5
Author
Séverine Gonin (Author)
Publication Year
2007
Pages
18
Catalog Number
V112367
ISBN (eBook)
9783640119660
ISBN (Book)
9783640119691
Language
German
Tags
Robert Musil Amsel Krieg Dichtung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Séverine Gonin (Author), 2007, Zu: Robert Musil 'Die Amsel', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112367
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