Der Mahdi-Aufstand und seine literarische Rezeption bei May, Churchill, Höllriegel und Mason


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Der Mahdi-Aufstand historisch
1.1. Der Sudan
1.2. Die Rolle des Mahdi im Islam
1.3. Der Mahdi-Aufstand

2. Literarische Rezeption
2.1. Karl May
2.2. Winston S. Churchill
2.3. Arnold Höllriegel
2.4. A.E.W. Mason

Fazit

Quellenverzeichnis:

Literatur

Internet

Einleitung

Wer heute dem iranischen Staatspräsidenten Achmadinejad[1] zuhört oder die Reden des berüchtigten Terroristen Osama bin Laden liest[2], wird immer wieder auf das Phänomen des Mahdi stoßen. Doch um wen handelt es sich dabei?

Eine andere Erscheinung: Heutige Medien paraphrasieren immer wieder gerne Karl May, indem sie z.B. ein „Massaker im Lande des Mahdi“ feststellen, wenn sie über den Sudan sprechen. Der Mahdi scheint also vor allem aus literarischen Erzeugnissen bekannt zu sein und nur wenige Sachbücher zum Thema haben eine größere Verbreitung gefunden. Das ist durchaus bemerkenswert, immerhin handelt es sich bei dem sudanesischen Mahdiaufstand um den Beginn des modernen islamischen Fundamentalismus, wie die einführende Bemerkung schon angedeutet hat und wie z.B. Wildfried Westphal umfangreich dokumentiert.[3]

Als Frage stellt sich also, in welchem Maß das Bild des Mahdi durch die deutsche und angelsächsische Literatur geprägt wurde und als wie realitätsnah es bezeichnet werden kann. Dazu muss zunächst die Rolle des Mahdis im Islam erläutert und ein historischer Abriss des Mahdi-Aufstandes im Sudan wiedergegeben werden.

Anschließend widmet sich diese Untersuchung vier Werken der Schriftsteller Karl May („Im Lande des Mahdi“), Winston S. Churchill („Weltabenteuer im Dienst“), Arnold Höllriegel („Die Derwischtrommel“) und A.E.W. Mason („Die vier Federn“). Anhand der einzelnen literarischen Texte soll die Darstellung des Mahdi und seines Aufstandes untersucht werden. Haben die Werke darüber hinaus das Bild vom Orient und/oder Sudan beeinflusst? Wird das Phänomen des Gottesstaates wiedergegeben? Spielen imperialistische und kolonialistische Ansichten eine Rolle?

Auf Inhaltsangaben der Werke wird weitestgehend verzichtet.

1. Der Mahdi-Aufstand historisch

Zunächst soll eine kurze Einführung die historischen Ereignisse beschreiben, damit eine Einschätzung des Bezuges der literarischen Verwertungen vorgenommen werden kann. Dazu wird der Sudan als Handlungsort betrachtet, die Rolle des Mahdi im Islam erläutert und der eigentliche Mahdi-Aufstand im Sudan dargestellt.

1.1. Der Sudan

Was heute das Staatsgebiet des Sudan umfasst, ist nur ein Teil dessen, was früher darunter verstanden wurde. Ursprünglich bezeichnete Sudan das ganze subsahare Afrika bis an die Ostküste. Später verlagerte sich das Gebiet auf den östlichen Teil zwischen der nubischen Wüste und den zentralafrikanischen Regenwäldern. „Beled es Sudan“ bedeutet wörtlich übersetzt „Land der Schwarzen“. Es kann grob in zwei Regionen aufgeteilt werden, die auch heute noch deutlich sichtbar sind: Während der Norden arabisiert und somit auch durchweg islamisiert ist, findet sich im Süden vorwiegend negride Bevölkerung, die verschiedenen Naturglauben angehören bzw. bis zum Mahdiaufstand gehörten.

Das angrenzende Ägypten war ab 1807 Teil des osmanischen Reiches, allerdings mit weitestgehender Handlungsfreiheit. Mehmet Ali (1769-1848), der mit osmanischen Truppen die Briten aus Ägypten vertrieben hatte, begann mit einer radikalen Modernisierung des Landes. Er führte die Eisenbahn und ein Postwesen ein, öffnete das Land europäischen Einflüssen und schuf eine halbwegs erfolgreiche Baumwollindustrie. Ab 1820 begannen seine Truppen den Sudan zu erobern, vorwiegend zum Zweck des Sklavenhandels. Dieser wurde erst 1855 auf Druck der Briten abgeschafft, florierte aber in der geduldeten Illegalität weiter (zur Ausdehnung des Osmanischen Reiches siehe Abbildung 1).

Der Mahdiaufstand erzwang einen nahezu vollständigen Rückzug der ägyptischen Truppen aus dem Sudan und das Geschäft mit Sklaven erlebte eine neue Blüte, da es nach islamischen Recht erlaubt ist und vom Mahdi unterstützt bzw. sogar selbst betrieben wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2. Die Rolle des Mahdi im Islam

Mahdi bedeutet zunächst „der (von Gott) Rechtgeleitete“. Er soll der Retter des Islam sein, der so genannte verborgene Imam. Um dies zu verstehen, muss ein kurzer Blick auf die Geschichte des Islam geworfen werden: Auf den Propheten Mohammed folgten die von ihm eingesetzten vier rechtgeleiteten Kalifen. Durch Streitigkeiten um die Führerschaft kam es zur Spaltung in Sunniten und Schiiten. Vor allem in der Tradition der letzteren spielt der Imam als religiöser Führer eine große Rolle. Es gab zwölf (nach einer anderen – historisch weniger wichtigen – Zählweise sieben) große Imame. Der letzte verschwand allerdings als Kind und wird seitdem als der verborgene Imam bezeichnet. Seine Wiederkehr als Mahdi geht mit dem Sieg des Islams über die ganze Welt einher.[6] Bei den Sunniten spielt der Mahdi keine solch herausragende Rolle und nur wenige sunnitische Männer gaben sich als Mahdi aus.

[...]


[1] Eine sehr gute Dokumentation einzelner Reden Achmadinejads liegt z.B. beim Middle East Media Research Institute vor, vgl. MEMRI, V.i.S.d.P. MEMRI, http://www.memri.de, 01.08.06.

[2] Zu den Reden Osama bin Ladens sehr gut z.B. Marwan Abou-Taam/Ruth Bigalke, Die Reden des Osama bin Laden, München 2006.

[3] Vgl. Wilfried Westphal, Sturm über dem Nil. Der Mahdi-Aufstand, Köln 2002

[4] Die beiden Abbildungen 1 und 2 wurden freundlicherweise von Johannes Zeilinger zur Verfügung gestellt.

[5] Ebd.

[6] Ausführlich zur Erwartung des Mahdi bei den Schiiten und dem Sieg es Islam über die ganze Welt: Hans Küng, Der Islam, Geschichte, Gegenwart, Zukunft, München 2006, S. 253ff oder Gudrun Krämer, Geschichte des Islam, München 2005.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Mahdi-Aufstand und seine literarische Rezeption bei May, Churchill, Höllriegel und Mason
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Veranstaltung
Der Orient in der deutschen und angelsächsischen Literatur
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V112407
ISBN (eBook)
9783640120383
Dateigröße
739 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mahdi-Aufstand, Rezeption, Churchill, Höllriegel, Mason, Orient, Literatur
Arbeit zitieren
Felix Strüning (Autor), 2006, Der Mahdi-Aufstand und seine literarische Rezeption bei May, Churchill, Höllriegel und Mason, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112407

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