Der Kampf um die absolute Macht, um den englischen Thron, die dadurch resultierende ständige gegenseitige Bedrohung und die Repräsentation zweier unterschiedlicher Staatsformen lässt Königin Elisabeth und Maria Stuart im gleichnamigen Drama Friedrich Schillers, uraufgeführt im Jahre 1800, als zwei perfekte Kontrastfiguren erscheinen. Leben oder sterben bedeutet herrschen oder sterben. Es kann nur die leben, die auch herrscht.
Antagonistinnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, prallen in Schillers Trauerspiel in penibler formaler Symmetrie aufeinander. Aus der Geschichte gegriffen und um circa zwanzig Jahre verjüngt stellt er die beiden historischen Frauenfiguren in ein Gegensatzverhältnis, das in dieser Arbeit näher untersucht werden soll. Der Fokus soll sich hierbei eher auf Elisabeths Charakterisierung und Herrschaftsstrategie richten, von der aus Marias vergleichend betrachtet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Königin Elisabeth vs. Maria Stuart – Macht, Recht und Anspruch
2.1 Ihre Herrschaftsstrategien
3. Gemischte Charaktere
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Weiblichkeit und politischer Macht in Friedrich Schillers Drama „Maria Stuart“. Dabei steht die vergleichende Analyse der beiden zentralen Frauenfiguren – Königin Elisabeth I. und Maria Stuart – im Fokus, um aufzuzeigen, wie Schiller deren Herrschaftsstrategien und Charaktere jenseits einer simplen Schwarz-Weiß-Malerei inszeniert.
- Die Darstellung von Elisabeth Tudor und Maria Stuart als Kontrastfiguren.
- Analyse der jeweiligen Herrschaftsstrategien und Machtansprüche.
- Die Unvereinbarkeit von privater Weiblichkeit und öffentlicher Rolle als Königin.
- Die Dekonstruktion des Gut-Böse-Schemas in der Charakterzeichnung.
- Der Einfluss von Affekten und Leidenschaften auf das politische Handeln.
Auszug aus dem Buch
2. Königin Elisabeth vs. Maria Stuart – Macht Recht und Anspruch
Es scheint auf den ersten Blick die perfekte Inszenierung zweier völlig gegensätzlicher Hauptcharaktere zu sein, denen Schiller in seinem einschlägigen, historischen Seelendrama Leben einhaucht. Sie verkörpern zwei verschiedene Staatsformen, denn sie stützen ihre Machtansprüche auf unterschiedliche Punkte. Es geht um Geburtsrecht, es geht um den Volkswillen, um die große Frage, wem der beiden Frauen Rechtmäßigkeit auf den Englischen Thron zusteht. Doch es braucht gar keine allzu tiefe Interpretation, um zu erkennen, dass der Konflikt weit über den politischen Streit hinausgeht, nämlich mit mindestens ebenso hoher Relevanz auf die „höchst persönliche[n] Interessen“ (Johnston, S. 60) der beiden Frauenfiguren abzielt. Die gesamte Handlung scheint von Beginn an unter einen „drohenden Horizont“ gestellt, denn beide Konfliktparteien sind unter ständigem „Handlungsdruck“ (Wölfel, S. 146). Die eine hat ein Urteil durchzusetzen, das Volkswillen und Eigeninteresse möglichst konziliant miteinander vereinigt. Die andere setzt daran, die Vollstreckung des Urteils abzuwenden, zu überleben.
Neben die politische Konkurrenz tritt durchgängig die Rivalität ihrer beider Weiblichkeit, ihrer Sinnlichkeit, ihrer geistigen Kräfte. Es wird nicht allein wichtig zu beweisen, wofür sie stehen, vielmehr wer sie sind, wie sie wirken, wie sie ihre Reize einsetzen oder unterdrücken, die Art wie sie leben und als Königinnen mit ihrem Frausein umgehen. Schiller lässt sie nicht nur als königliche Gegenspielerinnen erscheinen, sondern auch als Individuen, als Rivalinnen in ihren Rollen als Frau (Hoffmann, S. 162).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der gegensätzlichen Herrscherinnen ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach Schillers Charakterzeichnung und Herrschaftsstrategien.
2. Königin Elisabeth vs. Maria Stuart – Macht, Recht und Anspruch: Der Abschnitt beleuchtet das Spannungsfeld zwischen politischen Machtansprüchen, dem Konflikt von Staatsformen und den privaten Interessen der beiden Protagonistinnen.
2.1 Ihre Herrschaftsstrategien: Hier wird analysiert, wie Elisabeth versucht, durch Unterdrückung ihrer Weiblichkeit eine männlich geprägte Herrschaftsform zu etablieren, und welche Auswirkungen dies auf ihre Wirkung und ihr Selbstverständnis hat.
3. Gemischte Charaktere: Dieses Kapitel hinterfragt das gängige Gut-Böse-Schema und zeigt auf, dass beide Figuren durch emotionale Ambivalenzen und individuelle Opferrollen weit komplexer angelegt sind als in einer eindimensionalen Antithetik.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Macht und Weiblichkeit im historischen Kontext des Dramas unvereinbar bleiben und beide Königinnen als tragische, in sich widersprüchliche Charaktere gezeichnet sind.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Maria Stuart, Elisabeth I., Weiblichkeit, Macht, Herrschaftsstrategie, politische Rivalität, Geschlechterrollen, Individuum, Historisches Drama, Opferrolle, Ambivalenz, Identität, Souveränität, Theater.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Königin Elisabeth I. und Maria Stuart in Friedrich Schillers gleichnamigem Drama hinsichtlich ihrer gegensätzlichen Charakterisierungen und Machtstrategien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind das Verhältnis von Macht und Geschlecht, die Konflikte zwischen privater Weiblichkeit und öffentlicher Königinnenrolle sowie die Frage nach der ethischen Einordnung der beiden Hauptfiguren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Schiller seine Protagonistinnen jenseits einer simplen „Gut gegen Böse“-Dichotomie als komplexe, ambivalente Charaktere zeichnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die literaturwissenschaftliche Textanalyse, um anhand von Fachliteratur und Textstellen aus dem Drama die Charakterzeichnung und die dramaturgische Anlage des Werks zu erörtern.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Machtansprüche und Herrschaftsstrategien, eine detaillierte Betrachtung der individuellen Weiblichkeitskonzepte sowie die Dekonstruktion der vermeintlichen Schwarz-Weiß-Charakterisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind u.a. Macht, Weiblichkeit, Herrschaftsstrategie, Identität, Ambivalenz und das Spannungsfeld zwischen Geschichte und Individuum.
Warum wird Elisabeth oft als „Theaterbösewicht“ wahrgenommen?
Laut Arbeit liegt dies an ihrer autoritären Strenge und dem Versuch, ihre weiblichen Wesenszüge zu unterdrücken, was auf Rezipienten oft befremdlich oder „unnatürlich“ wirkt.
Ist Maria Stuart im Stück nur das passive Opfer?
Nein, die Arbeit zeigt auf, dass Maria trotz ihrer demütigen Maske eigene Interessen verfolgt, aber an ihrer Unfähigkeit scheitert, ihre affektbestimmten Launen in entscheidenden Momenten zu kontrollieren.
- Quote paper
- Charline Dreyer (Author), 2020, Königinnen im Gegensatzverhältnis. Weiblichkeit und Macht in Schillers Maria Stuart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1129006