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Ehe versus Liebe in „De amore libri tres“ und im Kontext der höfischen Liebe

Title: Ehe versus Liebe in „De amore libri tres“ und im Kontext der höfischen Liebe

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 48 Pages , Grade: 1,00

Autor:in: Moni Kirner (Author)

Latin philology - Medivial and Modern Latin
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Summary Excerpt Details

Johann Wolfgang von Goethe wies einst darauf hin, dass „wiederholte sittliche Spiegelungen […] das Vergangene nicht allein lebendig erhalten, sondern sogar zu einem höheren Leben empor steigern.“ So werde man „der entoptischen Erscheinungen gedenken, welche gleichfalls von Spiegel zu Spiegel nicht etwa verbleichen, sondern sich erst recht entzünden,“ und man werde „ein Symbol gewinnen, dessen was in der Geschichte der Künste und Wissenschaften, der Kirche, auch wohl der politischen Welt sich mehrmals wiederholt hat und noch täglich wiederholt.“
Diese Abhandlung mit eben jenen tiefen Worten Goethes einzuleiten, scheint umso bedeutender, als die von ihm angesprochene, nie endende „Spiegelung“ historischer Zustände und Ereignisse sich auch in der vergleichenden Betrachtung der heutigen und mittelalterlichen Gesellschaft offenbart. Die folgende Behauptung mag kühn klingen, jedoch scheint es nicht so abwegig wie manch einer vermuten könnte, dass das 20. und 21. Jahrhundert mit dem Hochmittelalter durchaus „spiegelbildliche“ Parallelen aufweisen.
Andreas capellanus, der wahrscheinliche, aus Frankreich stammende Autor von „De Amore Libri tres“, wird generell auf eben jene Zeit, genauer gesagt gegen Ende des 12. Jahrhunderts, datiert – eine Zeit des Umschwungs, herbeigeführt durch die katholische Kirche in Europa. Die Einführung des Zölibats im Jahre 1022 war bereits geschehen und die Erklärung der Ehe als siebtes Heiliges Sakrament stand bevor, ebenso wie 700 Jahre gewaltsamer Durchsetzung „gottgegebener“ Regeln durch die Kirche, deren Reichtum, Macht und Einfluss nicht nur Bauernschaft und Bürgertum, sondern auch die wohlhabenden Schichten bis hin zum Hochadel weitgehend kontrollierte.
Die katholische Kirche sagte bekanntermaßen vor allem der Häresie und der Sexualität für lange Zeit mehr oder weniger erfolgreich den Kampf an, doch sowohl Johannes Paul II. als auch Papst Benedikt XVI. wehren sich noch während des letzten Jahrhunderts und bis zum heutigen Tage dagegen, die Zeichen der Zeit zu akzeptieren und den offenbar bereits verlorenen Kampf gegen die „sündige Freizügigkeit“ aufzugeben, welche wahrscheinlich schlichtweg menschlich und somit unauslöschbar ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 „Sittliche Spiegelungen“

2 Unvereinbarkeit von Ehe und Liebe bei Andreas capellanus

2.1 Ein einführender Überblick zum Werk

2.1.1 Forschungsgeschichte und Überlieferung des Textes

2.1.2 Wer war Andreas capellanus?

2.1.3 Theorien zur Schreibintention

2.2 Andreas’ Definition von Liebe

2.2.1 Eine schematische Übersicht zu den Liebes-Theorien in „de amore“

2.2.2 Wesen und Regeln der höfischen Liebe

2.2.3 „Amor est passio quaedam innata“ – Liebe als Automatismus

2.2.4 Die Rolle von Herkunft, äußeren und inneren Werten

2.2.5 amor mixtus und amor purus: Liebe, Lust und Liebesterminologie

2.3 Die Ehe – eine Nebenrolle am Hof der höfischen Liebe

2.3.1 Die Ehe im Rahmen gesetzlicher und gesellschaftlicher Vorgaben

2.3.2 Die Rolle von Jungfernschaft und Sexualität für die mittelalterliche Ehe

2.3.3 Die Formen der Ehe

2.3.4 Partnerwechsel: Treuebruch, Scheidung, Neuheirat

3 Erkenntnisse und Fragen, die bleiben

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis von Liebe und Ehe im Traktat „De amore libri tres“ von Andreas Capellanus im Kontext des hochmittelalterlichen Höfischen Lebens. Dabei wird analysiert, ob die Liebe als „passio“ mit den gesellschaftlichen und kirchlichen Strukturen der mittelalterlichen Ehe vereinbar war oder ob sie diese prinzipiell ausschließt.

  • Analyse der Definition und Entstehung von „amor“ als unkontrollierbares psychisches Leiden.
  • Untersuchung der sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Ehe im 12. und 13. Jahrhundert.
  • Deutung der Rolle von Tugend, Herkunft und Diskretion im System der höfischen Liebe.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Autorenschaft und der satirischen bzw. lehrhaften Intention des Werkes.
  • Kontrastierung von mittelalterlichen Liebeskonzepten mit der heutigen Wahrnehmung von Sexualität und Partnerwahl.

Auszug aus dem Buch

2.2.3 „Amor est passio quaedam innata“ – Liebe als Automatismus

Andreas wendet sich gleich zu Beginn seines Traktats der Definition und Entstehung von Liebe zu: „Amor est passio quaedam innata procedens ex visione et immoderata cogitatione formae alterius sexus, ob quam aliquis super omnia cupit alterius potiri amplexibus et omnia de utriusque voluntate in ipsius amplexu amoris praecepta compleri.” (I,I,1)

Diese wenigen Zeilen liefern bereits eine Fülle von Informationen, welche aufschlussreiche Einblicke in das mittelalterliche Verständnis von Liebe bieten, das so anders als unser neuzeitliches Denken diesbezüglich nicht zu sein scheint: Liebe, so sagt Andreas, sei eine „passio“, welche [dem Menschen] wörtlich `angeboren´, folglich `von Natur aus gegeben´ oder, wie Knapp übersetzt, „im Inneren geboren“ sei. Sobald der Mensch eine attraktive Person des anderen Geschlechts („formae alterius sexus“) sehe, werde durch diesen ersten Funken der „amor“, welcher bis dahin scheinbar ungestört geschlummert habe, durch diesen optischen Reiz („ex visione“) entzündet und durch `unbändige, zügellose Gedanken´ an eben jene Person („immoderata cogitatione“) - über welche man als Betroffene(r) demnach keinerlei Kontrolle hat („postquam novi quisquam radio fuerit pertactus amoris, violenta cogitur attractione propriis motibus obedire tanquam alieno subiectus arbitrio“, II,vi,21) - weiter entfacht. Dieses ständige An-jemanden-denken-müssen lässt die Sehnsucht nach der, auch körperliche Nähe inkludierenden, Gegenliebe der auserwählten Person bis ins Unermessliche steigen („super omnia cupit“).

Zusammenfassung der Kapitel

1 „Sittliche Spiegelungen“: Einleitung, die Parallelen zwischen der mittelalterlichen Gesellschaft und dem 20./21. Jahrhundert hinsichtlich der Einstellung zur Sexualität und der Rolle der Kirche zieht.

2 Unvereinbarkeit von Ehe und Liebe bei Andreas capellanus: Grundlegendes Kapitel, das den inhaltlichen Kern der Arbeit bildet und die Terminologie sowie die theoretischen Gegensätze zwischen Liebesideal und Institution Ehe beleuchtet.

2.1 Ein einführender Überblick zum Werk: Detaillierte Betrachtung der problematischen Überlieferungsgeschichte, Autorenschaft und der unterschiedlichen Forschungsansätze zu „De amore“.

2.2 Andreas’ Definition von Liebe: Analyse des Liebesbegriffs, der als Leidenschaft „passio“ definiert wird, sowie die Vorstellung der höfischen Verhaltensregeln.

2.3 Die Ehe – eine Nebenrolle am Hof der höfischen Liebe: Untersuchung der gesellschaftlichen Funktion der Ehe als Rechtsgeschäft im Gegensatz zum emotionalen Ideal der „höfischen Liebe“.

3 Erkenntnisse und Fragen, die bleiben: Fazit, welches die Ergebnisse zusammenführt und die offene Frage nach der satirischen Absicht des Autors diskutiert.

Schlüsselwörter

Andreas Capellanus, De amore, Höfische Liebe, Ehe, Amor, Passio, Mittelalter, Sexualität, Eheverständnis, Minne, Literaturwissenschaft, Tugendadel, Sozialgeschichte, Liebestraktat, Diskretion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?

Die Seminararbeit analysiert das Werk „De amore libri tres“ von Andreas Capellanus im Kontext des mittelalterlichen Liebes- und Eheverständnisses.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Definition der „höfischen Liebe“, die gesellschaftlichen Strukturen der Ehe sowie der Konflikt zwischen individueller Leidenschaft und kirchlich-sozialen Normen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu ergründen, ob Liebe und Ehe im Mittelalter als unvereinbare Gegensätze betrachtet wurden und inwiefern der Autor eine rein satirische oder belehrende Absicht verfolgte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es erfolgt eine quellenkritische Analyse des Primärtextes „De amore“, ergänzt durch den Vergleich mit zeitgenössischer Literatur und wissenschaftlicher Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-philologische Einführung, eine systematische Definition der Liebe als „passio“ sowie eine Untersuchung der ehelichen Rahmenbedingungen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Abhandlung?

Zentrale Begriffe sind amor, passio, höfische Liebe, Tugendadel, Ehe als Sakrament und die Unterscheidung zwischen amor purus und amor mixtus.

Wie definiert Andreas Capellanus die Entstehung der Liebe?

Er beschreibt Liebe als einen unkontrollierbaren Automatismus, der durch optische Reize ausgelöst und durch unbändige Gedanken an die geliebte Person („immoderata cogitatio“) befeuert wird.

Warum wird im Werk die Ehe als „Nebenrolle“ am Hof bezeichnet?

Weil die Ehe im Mittelalter primär ökonomischen und machtpolitischen Interessen folgte und somit das Konzept der freiwilligen, leidenschaftlichen „höfischen Liebe“ ausschloss.

Welche Bedeutung kommt der „Diskretion“ in diesem Kontext zu?

Diskretion ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die höfische Liebe; ohne Geheimhaltung wird der erotische Reiz und somit das „Feuer der Liebe“ als zerstört betrachtet.

Wie bewertet der Autor den Ehebruch?

Das Werk spiegelt die damals verbreitete Ansicht wider, dass außereheliche Beziehungen aufgrund der damaligen Heiratsbedingungen keine Seltenheit darstellten, obwohl der Autor die Ehe auch als sicherheitsstiftende Institution anerkennt.

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Details

Title
Ehe versus Liebe in „De amore libri tres“ und im Kontext der höfischen Liebe
College
LMU Munich  (Klassische Philologie)
Course
Liebe und Sexualität in den Texten des Mittelalters
Grade
1,00
Author
Moni Kirner (Author)
Publication Year
2007
Pages
48
Catalog Number
V112953
ISBN (eBook)
9783640129188
ISBN (Book)
9783640130597
Language
German
Tags
Liebe Kontext Liebe Sexualität Texten Mittelalters
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Moni Kirner (Author), 2007, Ehe versus Liebe in „De amore libri tres“ und im Kontext der höfischen Liebe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112953
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