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Kaspar Hauser in der deutschen Literatur

Vom Menschen zur Metapher

Titel: Kaspar Hauser in der deutschen Literatur

Masterarbeit , 2013 , 59 Seiten , Note: 1.3 ("excellent")

Autor:in: Marlene Hetschko (geb. Hoffmann) (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ausgehend von der historischen Gestalt untersucht diese Masterarbeit die metaphorische Entwicklung und Adaption Kaspar Hausers in der neueren deutschen Literatur.

Betrachtet werden hier vor allem die unterschiedlichen Kaspar-Hauser-Gestalten in den Werken von Jacob Wassermann („Caspar Hauser oder die Trägheit des Herzens“), Hugo von Hofmannsthal („Der Turm“) und Aldous Huxley („Brave New World“).

Das Ziel dieser Arbeit ist es, Vergleiche zwischen der historischen Figur und den literarischen Gestalten anzustellen, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede und gedankliche Weiterführungen aufzuzeigen. Dabei wird die Mythenbildung des Hauser-Stoffes sowie die fortschreitende Emanzipation von der historischen Vorlage nachverfolgt.

Die drei Werke dienen exemplarisch dazu, die unterschiedliche Stationen Hauser-Rezeption von der großen Quellennähe bis hin zur vollständigen Emanzipation vom historischen Stoff nachzuvollziehen. Dabei wird deutlich, dass der Kaspar-Hauser-Mythos auch dann noch nachwirkt, wenn das Werk selbst keinen namentlichen Bezug mehr zum Findling herstellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Der historische Fall und sein metaphorisches Potential

2 Jakob Wassermanns Roman Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens (1907/08)

2.1 Historisierung und Idealisierung

2.2 Der historische Findling

2.3 „Zum Symbol wird die Gestalt“ - literarische Überhöhung

2.3.1 Der heimliche Prinz

2.3.2 Adam vor dem Sündenfall und der Verlust des Urstandes

2.3.3 Erlöser- und Märtyrergestalt mit Ähnlichkeit zu Jesus Christus

3 Sigismund als Kaspar-Hauser-Figur in Hugo von Hofmannsthals Turm Dichtungen (1923-25/1927)

3.1 Sigismund, das allgemeine Kasper-Hauser-Bild und Wassermanns Adaption

3.2. Das Werk

3.3. Zur Handlung

3.4 Parallelen

3.4.1 Gefangenschaft und Deprivation

3.4.2 Sprachkrise

3.4.3 Identitätsproblematik

3.4.4 Der idealisierte Prinz

3.4.5 Erlösermotivik

4 John Savage als Kaspar Hauser in Aldous Huxleys dystopischem Roman Brave New World (1932)

4.1 Zur Handlung

4.2. Isoliert, verwahrlost, talentiert: John im Indianerreservat Malpais

4.3 Soziale Konfrontation nach der Isolation

4.4 Erlösermotivik

4.5 Schauobjekt und Opfer der Gesellschaft

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Transformation der historischen Figur Kaspar Hauser in eine literarische Metapher. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der "Kaspar-Hauser-Stoff" von der konkreten Person löst und in verschiedenen literarischen Werken als Sinnbild für das Scheitern von Reinheit und Unschuld in einer entfremdeten Gesellschaft instrumentalisiert wird.

  • Analyse der Mythenbildung um den historischen Findling Kaspar Hauser.
  • Untersuchung von Jakob Wassermanns "Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens" als Grundstein der literarischen Rezeption.
  • Vergleichende Analyse der Figuren Sigismund (Hofmannsthal) und John Savage (Huxley) hinsichtlich ihrer Kaspar-Hauser-Züge.
  • Identifizierung der zentralen Motive: Gefangenschaft, Identitätskrise, Sprachlosigkeit und Erlösermotivik.
  • Synthese der metaphorischen Entwicklung des Begriffs "Kaspar Hauser" in der modernen Literatur.

Auszug aus dem Buch

1 Der historische Fall und sein metaphorisches Potential

Eine androgyne Gestalt wird an den Strand einer unbekannten Insel gespült. Zeitgleich erwartet der Sheriff am Ufer die Ankunft eines Königs, den er in dem Fremdling zu erkennen glaubt. So beginnt der Trailer des neuen Films des italienischen Regisseurs Davide Manuli The Legend of Kaspar Hauser. In einen Käfig gesperrt zuckt Kaspar Hauser zu futuristischen Technobeats, die aus seinen Kopfhörern schallen. Er singt hüpfend auf Italienisch „Ich werde ein Ritter wie mein Vater“ und bleibt ansonsten stumm. Der Fremdling, der sich als knabenhaftes Mädchen herausstellt, trägt die Bezeichnung „Kaspar Hauser“ auf der Brust. Keinesfalls ist sie identisch mit dem geheimnisvollen jungen Mann, den man 1828 in Nürnberg antraf. Vielmehr wird hier der Begriff in uneigentlicher Bedeutung gebraucht. Es besteht aber durchaus eine Ähnlichkeit zu dem heimatlosen Zwittergeschöpf aus Manulis Film. Auch Kaspar Hauser verweigert sich zu Anfang geschlechtlicher Kategorisierung, er erscheint als ein die Geschlechtergrenzen transzendierendes Wesen.

Die im Trailer eingeblendeten Zwischentitel - Heiliger? Betrüger? König? - stellen Fragen nach der Identität des autistisch anmutenden Findelkindes. Es sind Fragen, die sich Zeitgenossen und Forscher gleichermaßen gestellt haben und bis heute stellen. In Kombination mit den Handlungssequenzen wirken sie wie eine Synopse der Kaspar-Hauser-Rezeption der vergangenen 180 Jahre. Gleichzeitig zeigt sich anhand dieses neuesten Beispiels der Kaspar-Hauser-Rezeption, dass der Name „Kaspar Hauser“ mittlerweile eine Bedeutung gewonnen hat, die weit über das ursprünglich durch ihn Bezeichnete hinausgeht. Kaspar Hauser ist längst nicht mehr nur der historische Findling der Biedermeierzeit. Sein Name wird vielmehr im übertragenen statt im wörtlichen Sinn gebraucht. Er gerät damit zur Metapher, zum Sinnbild „das für etwas anderes steht“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Der historische Fall und sein metaphorisches Potential: Einleitung in die Thematik und Diskussion, wie Kaspar Hauser als moderne Metapher über seine historische Identität hinaus existiert.

2 Jakob Wassermanns Roman Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens (1907/08): Analyse des Romans als Mythenbildner, der Hauser als idealisierte Erlösergestalt in einer verderbten Welt inszeniert.

3 Sigismund als Kaspar-Hauser-Figur in Hugo von Hofmannsthals Turm Dichtungen (1923-25/1927): Untersuchung der Parallelen zwischen der Figur Sigismund und Kaspar Hauser im Kontext der Gefangenschaft und sozialen Isolation.

4 John Savage als Kaspar Hauser in Aldous Huxleys dystopischem Roman Brave New World (1932): Darstellung von John Savage als "Wilden" und seine Rolle als gescheiterter Erlöser in einer technisierten, gefühlskalten Gesellschaft.

5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung des Kaspar-Hauser-Mythos und seiner anhaltenden Bedeutung als Sinnbild in der Literatur.

Schlüsselwörter

Kaspar Hauser, Literaturrezeption, Metapher, Jakob Wassermann, Hugo von Hofmannsthal, Aldous Huxley, Identitätsproblematik, Erlösermotivik, Sprachkrise, Urstand, Sündenfall, Entfremdung, Soziale Isolation, Findling, Mythenbildung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die historische Figur des Findlings Kaspar Hauser in der Literatur zu einem metaphorischen Symbol für Identitätsverlust, Unschuld und gesellschaftliche Entfremdung transformiert wurde.

Welche literarischen Werke werden primär analysiert?

Der Fokus liegt auf Jakob Wassermanns Roman "Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens", Hugo von Hofmannsthals "Turm"-Dichtungen und Aldous Huxleys Roman "Brave New World".

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die "Metaphorisierung" der Figur Kaspar Hauser nachzuweisen und zu zeigen, wie ihre spezifischen Charakteristika in den untersuchten Romanen auf neue Figurenkonzepte übertragen werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die textvergleichende Methoden und die Untersuchung von Motiven (wie der Erlösermotivik oder Identitätsproblematik) nutzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei zentrale Kapitel, die jeweils ein Werk und die darin enthaltene Kaspar-Hauser-Rezeption durch Parallelen wie Gefangenschaft, Sprachkrise und Erlöserrollen analysieren.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem "Erlösermotivik", "Leerstelle" (nach Wolfgang Iser), "Urstand", "Sprachkrise" und "Idolbildung".

Inwiefern spielt die "Leerstelle" bei der Metaphorisierung eine Rolle?

Der Begriff der Leerstelle erklärt, warum Kaspar Hauser als Projektionsfläche dient: Da über seine Herkunft wenig bekannt ist, konnten Schriftsteller diese Wissenslücken mit eigenen Interpretationen und Symboliken füllen.

Was verbindet John Savage mit Kaspar Hauser?

John Savage teilt die soziale Isolation, die Unfähigkeit, in einer fremden Welt Fuß zu fassen, und eine tiefe Entfremdung gegenüber den herrschenden Werten seiner Gesellschaft, was ihn zu einer leidenden, aber "reinen" Figur macht.

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kaspar Hauser in der deutschen Literatur
Untertitel
Vom Menschen zur Metapher
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1.3 ("excellent")
Autor
Marlene Hetschko (geb. Hoffmann) (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
59
Katalognummer
V1132627
ISBN (eBook)
9783346502063
ISBN (Buch)
9783346502070
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kaspar hauser literatur menschen metapher neue deutsche literatur aldous huxley john savage Hofmannsthal der Turm brave new world Wassermann Caspar Hauser
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marlene Hetschko (geb. Hoffmann) (Autor:in), 2013, Kaspar Hauser in der deutschen Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1132627
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Leseprobe aus  59  Seiten
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