Diese Arbeit handelt von neoliberalen Entwicklungen des Wirtschaftsberufs in "The Knowledge We Have Lost in Information: The History of Information in Modern Economics" von Philip Mirowski und Edward Nik-Khah.
In ihrem Buch "The Knowledge We Have Lost in Information: The History of Information in Modern Economics" beschäftigen sich Philip Mirowski und Edward Nik-Khah mit der Rolle von Informationen in der Wirtschaftsgeschichte des 20 und 21 Jahrhunderts, wobei sie einen großen Fokus auf die neoliberale Entwicklung des Wirtschaftsberufs in der Nachkriegszeit legen. Das 2017 von Oxford University Press vertriebene Werk ist das siebte Buch Mirowskis, welcher seit über 30 Jahren am Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften und Geschichte und Philosophie der Wissenschaften an der University of Notre Dame tätig ist. Auch Edward Nik-Khah ist Wirtschaftswissenschaftler und am Lehrstuhl für Ökonomie und Business Administration am Roanoke College in Virginia tätig. Er beschäftigt sich, ähnlich wie Mirowski, in seinen aktuellen Publikationen vorwiegend mit Neoliberalismus.
Die Idee für das Buch kam den beiden, nachdem sie vom Institute for New Economic Thinking dazu eingeladen wurden, einen kurzen Vortrag über die Wirtschaftsgeschichte des 20 Jahrhunderts zu halten. Sie hatten zwar beide schon zu dem Thema publiziert, verfolgten beim Verfassen ihres neuen Buches jedoch die Intention, die Geschichte der Informationen in der modernen Ökonomie möglichst gebündelt und instruktiv zu vermitteln, wobei vor allem die „Neoliberalisierung“ des wirtschaftlichen Berufs und des Marktverständnisses eine zentrale Rolle einnimmt. Entstanden sind 17 Kapitel auf 242 Seiten, die nicht nur wichtige historische Hintergründe und wirtschaftswissenschaftliche Theorien erläutern, sondern den Leser durch kritische Meinungen und Denkanstöße hinter die Fassade der modernen Ökonomie blicken lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Neoklassische Rationalität
3. Friedrich Hayek und die neoliberale Theorie
4. Aufstieg der Informationen
5. Antihumanismus in der modernen Ökonomie
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die Rolle von Informationen in der modernen Ökonomie mit einem speziellen Fokus auf die neoliberale Transformation des Wirtschaftsberufs seit der Nachkriegszeit. Sie analysiert, wie sich das Marktverständnis von einem System rationaler Akteure hin zu einer Vorstellung von Märkten als Informationsprozessoren wandelte.
- Rolle der Information in der Wirtschaftsgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts
- Einfluss von Friedrich Hayek und der Mont Pèlerin Society
- Neoliberale Umgestaltung des Marktverständnisses
- Verschiebung vom Homo oeconomicus hin zu informationstechnischen Modellen
- Antihumanistische Tendenzen in der modernen Ökonomie
Auszug aus dem Buch
3. Friedrich Hayek und die neoliberale Theorie
Als wirklichen Ausgangspunkt der Ökonomie der Informationen bestimmen Mirowski und Nik-Khah die Werke des österreichischen Wirtschaftswissenschaftlers und Sozialphilosophen Friedrich Hayek, wobei vor allem die Theorien von großer Bedeutung waren, die Hayek in den 1930er und 1940er Jahren aufstellte. Eine große Rolle spielt außerdem die 1947 von ihm gegründete Mont Pèlerin Society – ein Zusammenschluss aus Ökonomen, Philosophen und reichen Geschäftsleuten – in welcher klassische liberale Gedanken neu aufgegriffen und modern umgedacht wurden, mit dem Ziel, die Welt vor einem „sozialistischen Desaster“ zu bewahren.
Friedrich August Hayek wurde 1899 in Wien geboren und studierte an der dortigen Universität Philosophie, Psychologie und Wirtschaftswissenschaften. Zum Ökonomiestudium zogen ihn vor allem seine Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg, die in ihm den Wunsch auslösten, weitere Kriege zu verhindern und die (damals desolaten) gesellschaftlichen Umstände zu verbessern. 1944 veröffentlichte er während seines Aufenthalts in London sein bis heute meistverkauftes Buch, The Road to Serfdom (dt. Der Weg zur Knechtschaft), in welchem er sich kritisch mit dem Sozialismus auseinandersetzt. Zusammen mit der Mont Pèlerin Society prägte er die neoliberale Theorie, welche sich vor allem dadurch auszeichnete, dass sie Informationen als wichtigstes theoretisches Mittel der Wirtschaft ansah.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Informationsgeschichte in der Ökonomie und Vorstellung der Autoren sowie der zentralen Fragestellung.
2. Neoklassische Rationalität: Untersuchung des Ursprungs der Informationsrevolution und des Wandels vom rationalen Homo oeconomicus zu einer Welt, in der Märkte Informationen verarbeiten.
3. Friedrich Hayek und die neoliberale Theorie: Analyse von Hayeks Theorien und der Rolle der Mont Pèlerin Society bei der Etablierung des Marktes als Informationsprozessor.
4. Aufstieg der Informationen: Darstellung der verschiedenen Modalitäten von Informationen und der Bedeutung der Cowles Commission für die moderne experimentelle Ökonomik.
5. Antihumanismus in der modernen Ökonomie: Kritische Beleuchtung der zunehmenden Distanzierung der Ökonomie von der menschlichen Psyche zugunsten algorithmischer Marktmodelle.
6. Schluss: Zusammenfassendes Fazit über die Auswirkungen der Neoliberalisierung und die Marginalisierung des Individuums im neoliberalen Marktmodell.
Schlüsselwörter
Neoliberalismus, Ökonomie, Informationen, Informationsprozessor, Friedrich Hayek, Cowles Commission, Homo oeconomicus, Markt, Wirtschaftsgeschichte, Antihumanismus, Rationalität, Neoklassik, Daten, Marktmechanismus, Informationstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Zusammenfassung des Buches von Philip Mirowski und Edward Nik-Khah und analysiert die historische Rolle von Informationen innerhalb der modernen Wirtschaftswissenschaften.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Neoliberalismus, die Geschichte des Informationsbegriffs, die mathematische Fundierung der Wirtschaft sowie die Veränderung des Menschenbildes in ökonomischen Modellen.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Ziel ist es, die Gedankengänge der Autoren nachvollziehbar darzulegen und aufzuzeigen, wie Informationen zum zentralen Werkzeug der neoliberalen Theorie wurden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden beleuchtet?
Es werden methodische Ansätze wie die Mechanismus-Design-Theorie, die neoklassische Preistheorie und statistische Modellierungen im Kontext der ökonomischen Wissensverarbeitung diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Friedrich Hayeks Einfluss, die verschiedenen Modalitäten von Informationen (Ding, Index, Berechnung) und die kritische Distanz der Ökonomie zum humanistischen Subjekt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Informationsprozessor, Neoliberalisierung, Marktdesign, Homo oeconomicus und der Verlust der menschlichen Handlungsautonomie.
Warum spielt die Cowles Commission eine wichtige Rolle in der Argumentation?
Sie fungierte als zentraler Ort, an dem neoklassische Theorien mit informationstheoretischen Ansätzen verschmolzen und somit den Grundstein für die moderne experimentelle Ökonomik legten.
Was versteht man unter dem in der Arbeit genannten „Antihumanismus“?
Der Begriff beschreibt die Tendenz der modernen Ökonomie, den Menschen als autonomes, denkendes Subjekt zu verdrängen und durch ein Modell zu ersetzen, in dem der Markt als überlegener Informationsprozessor die Entscheidungen für den Einzelnen trifft.
Inwiefern hat sich die Rolle des Ökonomen laut den Autoren verändert?
Der Ökonom agiert heute weniger als Beobachter, sondern primär als „Marktdesigner“, der künstliche Märkte konstruiert, um Informationen effizient zu kanalisieren.
Was bedeutet das Zitat „You can’t have a thought without a market in a neoliberal world!“ in diesem Kontext?
Es unterstreicht die Schlussfolgerung der Autoren, dass im neoliberalen Denken jedes menschliche Handeln und Denken untrennbar mit marktwirtschaftlichen Strukturen verknüpft und damit ökonomisch funktionalisiert wurde.
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- Sebastian Just (Author), 2021, Neoliberale Entwicklung des Wirtschaftsberufs. "The Knowledge We Have Lost in Information: The History of Information in Modern Economics" von Philip Mirowski und Edward Nik-Khah, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1132843